Marokko – Karawane unter dem Halbmond
Reisebericht: 13.10. – 24.10.2015
Mitte Oktober wird es in Deutschland kalt und grau. Also hat sich eine kleine Eberhardt-Gruppe aufgemacht, um im warmen Marokko die bunten Farben der Souks, die einzigartige Vielfalt der Landschaft un
Ein Reisebericht von
Anne Sturm
1. Tag – Anreise – Flug nach Casablanca
Mitten in der Nacht und früh am Morgen klingelt es bei uns an der Haustür. Wir alle werden mit einem Transfer bis nach Berlin gebracht, wo sich die Gruppe das erste Mal am Flughafen in Tegel sieht. Eine bunte Mischung aller Altersgruppen, Paare und Alleinreisende halten sich die Waage - gute Voraussetzungen dafür, dass sich alle in den nächsten zwei Wochen wohlfühlen. Der Air-France-Flieger startet pünktlich und nachdem wir auch die lange Wartezeit beim Umstieg am Pariser Flughafen überstanden haben, landen wir am frühen Abend in Casablanca. Am Ausgang treffen wir schon Mohammed, welcher uns durch sein Land führen wird. Leider gibt es schon die ersten Verluste zu beklagen (was für ein Beginn!), doch nach längerer Suche auf dem kleinen Flughafen vermeldet die Gruppe glücklicherweise wieder Vollständigkeit. Fahrer Mohammed (ja, sie heißen beide so) bringt uns sicher durch das abendliche Verkehrschaos zu unserem Hotel. Wir beziehen die Zimmer, treffen uns zum Abendessen und verschwinden nach einem langen Tag heute recht schnell auf unseren Zimmern.
2. Tag – Casablanca und Rabat
Am Morgen werde viele von uns durch die Gebete des Muezzins geweckt, ein Ritual, welches sich in den nächsten Tagen immer wiederholen soll. Nach dem Frühstück machen wir uns auf, um mit den beiden Mohammeds unseren ersten Reisetag zu beginnen. Mit dem Bus fahren wir zur Moschee des ehemaligen marokkanischen Königs Hassen II., einem riesigen Bauwerk direkt am Atlantik. Der bedeckte Himmel und der leichte Regen tauchen die Moschee in ein ganz eigenes grau-blaues Licht, welches sich in den nassen Marmorböden des großen Vorplatzes spiegelt. Natürlich nur in Socken machen wir eine kleine Führung, sehen den großen Innenraum, welcher mit Teppichboden ausgekleidet ist, erfahren, dass die Moschee ein ausfahrbares Dach hat uns sind einfach beeindruckt ob dieser imposanten und modernen Bauweise. Die vielen Mosaike verschönern nicht nur den Innenraum, sondern auch das direkt anliegende Hammam. Leider haben wir keine Zeit, um dieses auch zu nutzen, schließlich steht heute noch die marokkanische Hauptstadt auf dem Programm. Also fahren wir weiter entlang der Promenade, durch ein schönes Villenviertel und über die unerwartet gut ausgebaute Autobahn bis nach Rabat. Den ersten Stopp machen wir am Königspalast. Weiter geht es zu den Ruinen der Chellah, wo wir am Tor von einem traditionellen Tänzer samt Trommel begrüßt werden. Wir besichtigen die Ruinen, den Garten der Störche und spazieren durch das Gelände, ehe es mit dem Bus ins Stadtzentrum und damit zur unvollendeten Moschee und dem Mausoleum Mohammed V - Prunk, welcher für die Ewigkeit gebaut zu sein scheint. Später entdecken wir dann die entspannte Seite der Stadt. Wir fahren zur Kasbah der Oudaia, bummeln durch die schmalen Gassen der festungsähnlichen Anlage und genießen kurz darauf einen herrlichen Blick über den Atlantik. Unser super zentrales Hotel bietet zum späten Nachmittag noch mal die Möglichkeit über die Prachtstraße der Stadt zu bummeln. Den Tag lassen wir dann auf der Dachterrasse des Hotels bei einer gemeinsamen Runde an der Bar ausklingen.
3. Tag – Meknes – Volubilis – Fes
Unser erstes Ziel nachdem wir Rabat verlassen ist die alte Königsstadt Meknes. Bei schönstem Sonnenschein machen wir ein paar Fotostopps, ehe wir uns die alten Getreidespeicher der Stadt ansehen. Riesige Hallen, aus Lehm gebaut, haben früher die Ernährung der Stadtbewohner gesichert. Weiter geht es zum Mausoleum des Moulay Ismael, einer Reich geschmückten Grabanlage mit dazugehöriger Moschee. Mohammed erzählt uns, wann das Mausoleum gebaut wurde und erklärt uns die Bedeutung einiger Mosaike. Diese finden sich auch am gleichnamigen Stadttor wieder, vor welchem wir nach kurzem Spaziergang stehen. Auf der anderen Straßenseite lässt sich schon die Hektik des nahen Souks erahnen. Natürlich stürzen wir uns mitten ins Getümmel, schlängeln uns vorbei an orientalischen Brotbäckern und bunten Gewürzständen. Dazwischen Metzger und Hühner, kleine Drogerien und Menschen über Menschen - ein großes Durcheinander aber eine herrliche Atmosphäre. Nach dem Mittagessen geht es für uns weiter noch Volubilis. Wir machen einen kurzen Fotostopp oberhalb der Stadt ehe wir zu den Ausgrabungsstätten fahren. Hier werden wir von einem weiteren Führer empfangen, welcher uns die vielen wunderbar erhaltenen Mosaikhöfe zeigt. Leider ist sein Deutsch nicht so gut und daher laufen seine Witze etwas ins Leere...nichtsdestotrotz schmunzeln wir dann alle im antiken Freudenhaus. Insgesamt besichtigen wir die Ausgrabungsstätte eine gute Stunde - bei knapp 30 Grad und Sonnenschein schon eine ziemliche Anstrengung. Die letzte Fahrt des Tages führt uns nach Fes, wo wir dann auch den Tag ausklingen lassen.
4. Tag – Entdeckungen in Fes
Willkommen in der ältesten der vier Königsstädte von Marokko - willkommen in Fes! Auf uns wartet heute eine kleine Zeitreise, welche am Stadttor vor dem Jüdischen Viertel beginnt. Wir bestaunen dieses wunderschöne und reich mit Mosaiken verzierte Tor, machen viele Fotos und lassen uns auch fotografieren. Die warme Morgensonne lässt uns diesen Moment genießen, ehe es erstmal kurz hinaus auf einen Hügel der Stadt geht. Von hier haben wir einen tollen Ausblick und Mohammed zeigt uns die drei Stadtviertel, Universität, Moschee und die alte Stadtmauer von oben, bevor wir uns am Blauen Tor in das Gewirr der engen Gassen der Altstadt stürzen. Wir besichtigen den Innenhof einer Moschee, sehen den Handwerkern bei der Bearbeitung von Kupfertellern und Teekannen zu. Wir folgen Mohammed und haben Glück - wir hören Kindergeplapper und erhaschen einen kleinen Blick in eine Vorschule, wo uns 5 kleine Steppkes mit leuchtenden Augen anstrahlen und sogar ein Lied für uns singen - herzallerliebst! Da heute Freitag und somit arabischer Sonntag ist, ist in den Gassen nicht ganz so viele Trubel und so können wir oftmals hier und da anhalten, besichtigen einen Stoffhändler und werfen einen Blick in den Vorhof der großen Moschee, wo sich die Gläubigen so langsam zum Freitagsgebet versammeln. In einem wunderschönen und überraschend ruhigen Hinterhof machen wir kurzen Halt zum Mittagessen, ehe es zu den Schreinern und Gebern geht. Gerade im Gerberviertel wird einem bewusst, dass hier immernoch sehr ursprünglich gearbeitet wird. Der beißende Geruch lässt einen den Blick über die vielen Fässer der Färber im angrenzenden Viertel kaum genießen. Trotzdem ist es sehr beeindruckend, wie hier qualitativ hochwertige Lederwaren gefertigt werden. Als wir die kühlen Gassen der Altstadt verlassen, prasselt die heiße Sonne auf uns und wir sind froh, als Fahrer Mohammed uns pünktlich mit dem wohlklimatisierten Bus abholt und zu den Merinidengräbern fährt. Auch hier genießen wir nochmals einen tollen Ausblick über die Stadt, ehe es so langsam zurück ins Hotel geht.
5. Tag – Fahrt über den mittleren Atlas nach Erfoud
Heute erwartet uns ein zeitiges Frühstück - sollte es zumindest, doch im Speisesaal ist es noch genauso dunkel wie draußen. Erst nachdem wir etwas Aufregung stiften, Mohammed uns zeigt, was „Mann" unter dem traditionellen Gewand trägt, können wir etwas später zum Frühstück. Wir stärken uns gut, schließlich steht heute eine lange Fahrt über den Mittleren Atlas vor uns. Wir brechen im Halbdunkel auf, machen unseren ersten Stopp in Ifrane, der Schweiz Marokkos. Die Häuser ähneln stark unserer europäischen Bauweise und wirken daher etwas komisch auf uns. In den „Wintersportort" Marokkos passen Sie aber hervorragend, schließlich befindet sich das Städtchen mitten in einem Waldgebiet. Im Laufe der Fahrt wird die Vegetation etwas karger und unsere Blicke gehen weit hinein in die Landschaft. Das Hotel, wo wir unser Lunchpaket abholen, erscheint da eher wie eine kleine Oase. Zum frühen Nachmittag erreichen wir das grüne Tal des Ziz, welches sich wie ein grüner Gürtel auf das rotbraun der Umgebung zu legen scheint. Oberhalb der gleichnamigen Schlucht machen wir einen Fotostopp und genießen die kühle Brise gepaart mit einem tollen Ausblick. Doch unser Tagesziel heißt Erfoud, welches wir am Nachmittag erreichen. Kurzer Check-In im Hotel und dann folgt das Tageshighlight. Wir wechseln den Bus mit Allrad-Jeeps, die Straße wird zur Piste und wir begeben uns an der Rand der Wüste. Unterwegs halten wir kurz bei einer Berberfamilie, welche ihr Zelt mitten im Nirgendwo aufgebaut haben. Mohammed erklärt uns kurz die Lebensweise, wie die Berberfrauen das Material für die Zelte nähen und wovon sich die Menschen am Rand der Wüste ernähren. Zurück auf der Piste sehen wir am Horizont schon die aufgetürmten Sandberge, auf welchen wir wenig später stehen, gucken und staunen. Die Weite der Wüste ist kaum greifbar und die Umgebung so unwirtlich. Und dann kommen die Kamele. Oder besser Dromedare. Einige von uns haben den mutigen Entschluss gefasst, auf die so typische Art durch die Wüste zu reiten - und es ist ein tolles Erlebnis! Leider bleibt uns der Sonnenuntergang verwehrt, trotzdem ein unvergessliches Erlebnis, nichts als Sand um sich zu haben.
6. Tag – In der Todra–Schlucht
Mit Wüstensand in den Taschen verlassen wir Erfoud und damit den Rand des Saharagebietes. Bevor wir mit dem Bus in die Todra-Schlucht wechseln wir zu Fuß kurz die Straßenseite um eine Fossilienwerkstatt zu besichtigen. Beeindruckend sind hier vor allem die Mengen an Steinabbrüchen, in welchen Fossilien eingeschlossen wurden. Unglaublich auch, wie viele Fossilien teilweise auf einer Tischplatte zu sehen sind. Uns wird demonstriert, wie schwer die Arbeit von einem unbearbeiteten Stein bis hin zu einem Teller, einer Tasse oder eben einer Tischplatte ist. Nach ein paar kleinen Einkäufen setzen wir unsere Reise fort und sitzen wenig später im Bus. Doch es dauert nicht lange und wir haben schon wieder einen guten Grund, einen kurzen Stopp einzulegen. Neben der Straße läuft eine Herde Dromedare, auch in Marokko nicht ganz alltäglich. Unser nächster geplanter Stopp lässt uns in einer Mondlandschaft aussteigen. Überall sehen wir Sandhügel in nahezu symmetrischen Abständen. Wir erfahren, dass es sich um „Abraumhügel" von unterirdischen Wasserleitungen handelt. Durch eine kleine Treppe können wir uns diese Systeme auch unterirdisch anschauen, bevor wir von Mohammed (ja, auch ein Mohammed) noch als Zeichen der Gastfreundschaft einen Minztee erhalten. Wenig später biegen wir ein ins Todratal, einer wunderschön grünen, mit Palmen bewachsenen Oase, welche sich bis ans Ende zu einer schmalen Schlucht verengt. Wir fahren zur schmalsten Stelle und machen dort einen kleinen Spaziergang - so wird uns bewusst, wie mächtig die steinernen Wände der Schlucht sind. Nach einem Mittagessen, wo unsere Geduld etwas auf die Probe gestellt wird, machen wir einen wundervollen Spaziergang durch die Palmenhaine der Oase, inklusive einer Klettervorstellung unseres Einheimischen Oasenführers und anschließender Dattelverkostung. Bei dem tollen Wetter, der einmaligen Ruhe in der Oase und der entspannten Atmosphäre eine schöne Entdeckung. Der Höhepunkt des Tages folgt dann allerdings erst, als wir in unserem Hotel am Rande des Dadestales ankommen. Wir werden begrüßt von einer wunderbaren Folkloregruppe, mit Musik und Tanz und einer einzigartig dekorierten Hotelhalle - insgesamt kommen wir heute in das wohl schönste Hotel der Reise.
Europa
Asien
Orient
Nordamerika
Südamerika
Afrika
Ozeanien