Rundreise Norwegen – Helgelandküste, Lofoten und Papageitaucher
Reisebericht: 18.06. – 01.07.2026
Unterwegs auf unbekannten Pfaden entlang der wunderschönen Helgelandküste entdecken wir Norwegen noch einmal ganz neu. Außerdem besuchen wir die traumhaften Lofoten und die umtriebige Hauptstadt Oslo.
Ein Reisebericht von
Sinah Witzig
18.06.2026 Anreise nach Kiel und Fahrt mit der Color Line nach Oslo
Unsere Reise beginnt früh morgens auf unserem Betriebshof in Kesselsdorf. Noch sind die Gäste ein wenig müde und unser Reisebus sieht auch noch ziemlich leer aus - aber beides soll sich im Laufe des Tages ändern. Über A4 und A14 navigiert uns unser Fahrer Jan zügig und ohne große Schwierigkeiten nach Leipzig, wo weitere Mitreisende zu uns stoßen.
Über die A9 geht es nun erst einmal weiter in Richtung Berlin, bevor wir auf die A10 abbiegen, Potsdam auf westlicher Seite umfahren und dann auch schon das Havelland erreichen. Wir verlassen Brandenburg und reisen durch Mecklenburg-Vorpommern. Am Vormittag passieren wir die Grenze nach Schleswig-Holstein und legen dort unsere Mittagspause ein. Nun dauert es nicht mehr lange bis wir auch die Landeshauptstadt Kiel erreichen.
Am Norwegenkai treffen wir unsere übrigen Reiseteilnehmer und sind nun vorerst komplett - morgen werden wir noch weitere Mitreisende in Oslo treffen. Gemeinsam gehen wir gegen Mittag an Bord der Color Fantasy, für die meisten ein komplett neues Erlebnis, denn das Schiff wirkt eher wie ein Kreuzfahrtschiff und nicht wie eine gewöhnliche Fähre. Das Auslaufen der Fähre aus der Kieler Förde können wir bei schönstem Wetter vom Außendeck aus verfolgen, bevor wir uns dann am frühen Abend zum vornehmen Dinner im Restaurant treffen. Während wir uns unser Abendessen schmecken lassen, zieht die dänische Küste an uns vorbei und wir durchqueren den großen Belt. Die beeindruckende Belt-Brücke bringt uns dann auch dazu, das Restaurant zügig zu verlassen und noch einmal auf das Außendeck zu stürmen, bevor es die meisten dann langsam in ihre Kabinen zieht. Es war ein langer Tag für den Großteil der Gruppe.
19.06.2026 Von Oslo nach Trondheim
Am nächsten Morgen sind wir gut ausgeschlafen und genießen das abwechslungsreiche Frühstücksbuffet, bevor wir auf dem Außendeck die Fahrt durch den Oslofjord mitverfolgen. Pünktlich laufen wir in den Hafen von Oslo ein und verlassen die Color Line. Schnell ist die Einreise erledigt, Jan mit unserem Bus zur Stelle und wir treffen auf unsere letzten beiden Mitreisenden.
Auf dem Weg aus Oslo hinaus gibt es schon einen kleinen Vorgeschmack auf die norwegische Hauptstadt, doch die Besichtigung muss bis zum Ende unserer Reise warten.
Auf unserem Weg in Richtung Norden erreichen wir bald das südliche Ende des Mjøsa, dem größten See Norwegens. Nach einer guten Stunde Fahrt machen wir Halt an einer Raststätte mit sehr guter Backstube - Süßigkeiten sind immer gut für die Stimmung. Ein Stück folgen wir anschließend noch der Europastraße 6, dann verlassen wir die typische Touristenroute und fahren in Richtung des Storelvdals und der Glomma, dem längsten Fluss Norwegens. Die Straße ist gut ausgebaut, jedoch touristisch noch nicht so sehr erschlossen. Besonders auffällig sind die bunten Elch-Schaufeln, die überall dekorativ in den Bäumen hängen - sie sollen anscheinend die Autofahrer vor Ermüdung bewahren. Uns beschäftigt vor allem eines: wann werden wir einen Elch zu Gesicht bekommen? In der Mittagspause ist es dann so weit: schon von Weitem begrüßt uns der Storelgen - eine riesengroße silbern-glänzende Elchskulptur am Wegesrand. Mit 10,3 Metern war der silberne Elch von 2015 bis 2019 die größte Elchskulptur der Welt und bis heute ist er definitiv die größte Sehenswürdigkeit auf der Fernverkehrsstraße 3. Nach einigen Fotos und einem kleinen Spaziergang geht es dann weiter in Richtung Trondheim. Auf der Weiterfahrt schreit dann tatsächlich noch jemand "Elch!" - da ist es dann aber leider auch schon zu spät und der Bus weitergefahren.
Am späten Nachmittag stoßen wir dann wieder auf die E6 und fahren die letzten Kilometer bis in die ehemalige Hauptstadt Norwegens. Die Besichtigung der Stadt muss auch hier bis zum Ende unserer Reise warten. Heute kommen wir ganz in der Nähe des Fußballstadions des Vereins Rosenborg Trondheim unter - eigentlich ja ganz passend zur WM-Zeit.
Im Hotelrestaurant bekommen wir dann später unser Abendessen und können anschließend von der Panoramabar im obersten Stockwerk noch die Aussicht über Trondheim und den Fjord genießen. Dann wird es langsam Zeit schlafen zu gehen, denn morgen wird wieder ein langer Tag.
20.06.2026 Helgelandküste bis Sandnessjøen
Am nächsten Morgen starten wir früh, denn wir haben einiges auf dem Plan, nämlich den ersten Teil des berühmten Kystriksveien entlang der Küste Helgelands - und diese beinhaltet heute drei Fährüberfahrten mit Fähren, die nicht unbedingt touristenfreundlich operieren. Wir müssen uns also anpassen.
Wir starten unsere Fahrt von Trondheim nach Norden und folgen dabei dem Trondheimfjord. Aufgrund seiner Breite und Tiefe friert der drittlängste Fjord Norwegens auch in besonders kalten Wintern nicht zu und bleibt schiffbar. Wir folgen hier auch den Bahnschienen der Nordlandsbahn, welche insgesamt 729 Kilometern von Trondheim bis über den Polarkreis nach Bodø führen. Immer wieder auf unserer Reise werden wir die Strecke kreuzen, die als eine der schönsten Bahnstrecken der Welt gilt. Wir fahren vorbei an Stiklestad, wo einst König Olav II. im Jahr 1030 gefallen ist, bevor seine sterblichen Überreste nach Trondheim überführt und er heilig gesprochen wurde. Und dann passiert es - mitten im Feld steht ein Elch. Und alle haben ihn gesehen! Ein Foto hat leider niemand geschafft zu machen, aber nun ja - vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.
Unsere erste Pause legen wir an Snåsavatnet, dem sechstgrößten Binnensee Norwegens, an einer kleinen Holzkirche ein. Von hier aus ist es nun nicht mehr weit bis wir endlich auf die Fv17 und den Kystriksveien treffen. Insgesamt 650 Kilometr führt die Fv17 von Steinkjer bis nach Bodø und gilt als eine der spektakulärsten Küstenstraßen der Welt. Gegen Mittag erreichen wir den ersten Fähranleger. Die Fähre ist noch da, allerdings ist sie schon so voll, dass gar nicht alle wartenden Fahrzeuge Platz haben. Wir nutzen also die Zeit, um unsere Mittagspause zu machen und die Aussicht auf den Fjord zu genießen. Gut, dass wir genügend Zeit einkalkuliert haben, denn während die Fähre von Holm nach Vennesund noch relativ häufig verkehrt, sieht es mit den anderen beiden Fähren schon ein wenig anders aus. Fähren sind in Norwegen so normal wie Busse und Straßenbahnen in Deutschland und trotz einer regelrechten Tunnelbaumanie in den letzten Jahren, sind sie noch lange nicht wegzudenken. Mittlerweile fahren fast alle der Fähren auf über 100 Routen umweltfreundlich mit Elektroantrieb und sind so auch kaum zu hören. Unsere Überfahrt dauert nur knapp zwanzig Minuten, dann geht es auf der Straße weiter. Leider ist das Wetter nun nicht mehr so ganz auf unserer Seite und die Aussicht auf einen der bekanntesten Berge Norwegens etwas getrübt. Der 258 Meter hohe Torghatten, unweit der Stadt Brønnøysund, hat nämlich ein Loch, welches ganze 160 Meter lang, 35 Meter hoch und bis zu 20 Meter breit ist - und das ist natürlich Stoff aus dem Legenden gemacht sind:
Der Troll Suliskongen hatte sieben Töchter. Diese sieben Schwestern ärgerten ihn für gewöhnlich so sehr, dass er es eines Tages nicht mehr aushielt und die schöne Magd Lekamøya beauftragte, sich um die Kinder zu kümmern.
Lekamøya und die sieben Schwestern badeten gerade im Meer, als der einzige Sohn von Suliskongens Feind, der Troll Hestmannen, sie entdeckte und beim Anblick von Lekamøya von liebestoller Begierde ergriffen wurde. Seinen Leidenschaften ergeben, stieg der junge Mann auf sein Pferd und stürmte über das Meer hinweg auf sie zu. Als Lekamøya sah, wie dieser auf sie zuritt, befahl sie den sieben Schwestern wegzurennen. Diese machten sich sogleich auf und flüchteten entlang der norwegischen Küste. Es dauerte jedoch nicht lange, bis die Mädchen bemerkten, dass Hestmannen ein durchaus attraktiver Trollprinz war. Eine nach der anderen ließ sich so zurückfallen, um sich von ihm einfangen zu lassen. Hestmannen jedoch galoppierte an all ihnen vorbei: Sein Blick galt nur Lekamøya. Als die Sonne aufging, wurde Hestmannen klar, dass die Verfolgungsjagd vergeblich war. Er würde Lekamøya nicht mehr einholen, bevor die Sonnenstrahlen den Boden erreichten. Stattdessen schoss er wütend einen Pfeil auf sie ab. Zu Lekamøyas Glück hatte der Trollkönig von Sømna die ganze Szene beobachtet. Dieser warf seinen Hut vor den Pfeil, um Lekamøya zu schützen. Dabei durchdrang der Pfeil den Hut und riss ein Loch in ihn hinein. In diesem Moment ging die Sonne auf und die sieben Schwestern, Lekamøya sowie Hestmannen und sein Hut wurden zu Stein. Als sie zu Boden fielen, formten sich aus ihnen die charakteristischen Felsen und Berge der Region.
Wir lassen den Torghatten, sowie Brønnøysund hinter uns und erreichen bald die nächste Fähre. Wir überqueren von hier den Velfjord, es fährt hier allerdings auch eine Fähre zu den Vega-Inseln. Diese gehören aufgrund ihrer traditionsreichen Geschichte zum UNSECO-Weltkulturerbe. Nach einer kurzen Überfahrt beeilen uns, nach Forvik weiterzukommen, denn die Fähre nach Tjøtta fährt nur alle zwei Stunden. Auf der etwa 50-minütigen Fahrt lohnt es sich, auf das Oberdeck zu gehen und die Inselwelt in den Ausläufern des Tjongsfjords zu bestaunen. Von Tjøtta aus erreichen wir über eine Brücke die Insel Alsta, deren Hauptort Sandnessjøen. Dominiert wird die Insel durch die Gebirgskette der Sieben Schwester welche über 1000 Meter hoch sind. Leider haben wir heute keinen komplett freien Blick, können jedoch die Höhe der einzelnen Gipfel durch die Wolken erahnen. Wenig später erreichen wir dann unser Hotel mitten im Zentrum von Sandnessjøen und können uns nach einem langen Tag beim Abendessen ein wenig entspannen.
21.06.2026 Sandnessjøen und Fahrt nach Lovund
Nach drei langen Reisetagen nutzen wir heute die Gelegenheit, den Tag ein wenig entspannter zu starten. Unsere Schnellfähre auf die Insel Lovund fährt erst am späten Nachmittag, also schöpfen wir die Zeit aus, bis wir mittags aus unseren Hotelzimmern auschecken müssen. Dann verstauen wir unser Gepäck im Gepäckraum und im Bus und machen gemeinsam einen Spaziergang zum Wikingerlanghaus Torolvstein. Das 65 Meter lange Gebäude ist einem originalen Wikinger-Landgut nachempfunden und wurde im Jahr 2010 fertiggestellt. Es liegt direkt am historischen Standort Sandnes, an dem archäologische Überreste eines über tausend Jahre alten Sitzes gefunden wurden. Benannt ist die Anlage nach dem berühmten Wikingerhäuptling Torolv Kveldulvsson, der eine zentrale Figur in der isländischen Egilssaga ist und Stammvater einiger den wichtigsten Persönlichkeiten der nordischen Geschichte. Empfangen werden wir durch Oddvar, den Vorsitzenden und Mitbegründer des Vereins. Er taucht mit uns tief ein in die Geschichte von Torolv und führt uns anschließend durch den beeindruckenden Bau, der von außen so klein schien, von innen aber riesig ist. Oddvar zeigt uns Möbel und Alltagsgegenstände aus der Wikingerzeit und erklärt uns, wie das Leben und die Gesellschaft vor etwa 1000 Jahren funktioniert haben. Wir erfahren auch, wie viele Veranstaltungen in Torolvstein abgehalten werden und dass sogar der König Harald und Königin Sonja schon zu besuch gewesen sind. Anschließend dürfen wir auch allerhand fragen stellen und Oddvar beantwortet alles geduldig auf Englisch oder sogar auf Deutsch, wenn ihm die richtigen Worte einfallen.
Am Nachmittag ist es dann soweit, und wir besteigen die Katamaran-Schnellfähre in Richtung Lovund. Wir nehmen nur das wichtigste Gepäck für eine Nacht mit, denn wir kommen ja morgen wieder zurück nach Sandnessjøen. Etwa zwei Stunden kreuzen wir zwischen Küste und vorgelagerten Inseln bis wir Lovund erreichen. Schon von Weitem kann man das Lovundfjell erkennen: Der markante Inselberg ragt 623 Meter steil aus dem Meer empor. Die Insel selbst liegt knapp unterhalb des Polarkreises etwa 30 Kilometer vor der Küste von Helgeland mitten im Nordatlantik. Sie ist vor allem für ihre gigantische Papageitaucher-Kolonie bekannt. Jedes Jahr am 14. April, dem Lundkommardagen, kehren die Vögel zeitgleich aus dem offenen Meer zurück, um an den felsigen Nordhängen der Insel zu brüten. Dieses Ereignis zieht Naturbegeisterte aus aller Welt an. Wir spazieren vom Fähranleger zunächst einmal etwa 10 Minuten durch den Ortskern der einzigen Siedlung und erreichen dann das ebenfalls einzige Hotel auf der Insel. Schnell beziehen wir unsere Zimmer und sind begeistert: jedes hat einen einzigartigen Blick auf die atemberaubende Küstenlandschaft. Dann erwartet uns auch schon ein exquisites 5-Gänge-Menü, selbstverständlich aus überwiegend lokalen Zutaten - und wir speisen mit großartiger Aussicht.
Da es ja glücklicherweise nicht dunkel wird, brechen wir dann nach dem Abendessen noch auf, um unser eigentliches Ziel zu erfüllen: Papageitaucher zu sehen. Wir spazieren vom Hotel aus weiter und treffen unterwegs eine kleine Ziegenherde. Bis zum Friedhof führt ein recht gut befestigter Weg, dann geht es über Holztreppen und Steine hinauf zum Aussichtspunkt. Schon nach einigen Höhenmetern hat man eine fantastische Aussicht über die Insel und über uns am Himmel schwärmen die Papageitaucher vom Meer zu ihren Bruthöhlen. Nicht alle trauen sich zu, bis ganz nach oben zu steigen, denn durch das wechselhafte Wetter ist der Weg nass und matschig. Ein Teil jedoch schlägt sich bis zum Ende des Weges und versucht von hier Fotos von den kleinen Vögeln zu machen. Gar nicht mal so einfach, doch mit etwas Übung erkennen wir doch einige der Tiere zwischen den Steinen.
Der Abstieg erfordert dann später noch einmal besondere Vorsicht, vor allem da die neugierigen Ziegen mittlerweile großes Interesse an uns gefunden zu haben scheinen. Aber schlussendlich schaffen wir es alle wohlbehalten wieder hinunter und dann kurz vor Mitternacht auch zurück in Richtung Hotel. Was für ein Erlebnis!
22.06.2026 Lovund und Rückfahrt nach Sandnessjøen
Über Nacht hat es ordentlich geregnet und auch während wir noch gemütlich beim Frühstück sitzen, sieht es draußen relativ düster aus. Umso mehr freuen wir uns, dass es gegen Vormittag freundlicher aussieht und wir die nutzen die Gelegenheit, um die Insel noch weiter zu erkunden. Einige testen noch andere Wanderwege aus, manche gehen noch mal hinauf zum Aussichtspunkt, oder man spaziert in Richtung des kleinen Ortskerns, wo es auch noch einige Dinge zu entdecken gibt.
Am frühen Nachmittag brechen wir dann gemeinsam auf zum Fähranleger, wo wir uns dann auch schon wieder von Lovund verabschieden müssen - schade, es hat uns trotz des nicht ganz optimalen Wetters sehr gut gefallen. Vor allem natürlich das wunderbare Lovund Hotell.
Mit der Schnellfähre geht es dann zurück nach Sandnessjøen, wo wir wieder in unserem Hotel von Vorgestern einchecken und unsere Zimmer beziehen. Das Wetter stiftet zu einem Nachmittagsschläfchen oder zum Bummeln im Einkaufszentrum an - bevor wir uns dann zu einem frühen Abendessen im Hotelrestaurant treffen.
23.06.2026 Helgelandküste bis Bodø
Nach den etwas ruhigeren letzten Tagen geht es heute wieder früh los, denn der zweite Teil des Kystriksveien erwartet uns. Glücklicherweise ist der nördliche Teil ein wenig tourismusfreundlicher, was die Fahrpläne der Fähren angeht, dennoch starten wir lieber mit etwas Pufferzeit. Auch heute erwarten uns wieder insgesamt drei Fährüberfahrten und die erste davon bringt uns etwas nördlich von Sandnessjøen über den 68 Kilometer langen Ranfjord. Das Wetter ist leider auch heute ein wenig unkooperativ, aber wir machen wie immer das Beste daraus. Am späten Vormittag erreichen wir Kilboghavn. Von hier aus werden wir die etwas längere Überfahrt über den Melfjord nach Jektvik antreten. Das Besondere ist, dass wir dabei auch den Polarkreis überqueren werden. So trotzen die meisten von uns zumindest zeitweilig dem Regen, um einen Blick auf den kleinen metallenen Globus zu erhaschen, der am Ufer der Insel Vikingen zu sehen ist. Da wir uns auf einem öffentlichen Verkehrsmittel befinden taucht nun weder Neptun auf, noch muss jemand Lebertran trinken - und den Sekt gibt es erst zurück im Bus, denn Alkohol in der Öffentlichkeit ist in Norwegen ein großes No Go. Zumindest scheint das Wetter es nördlich des Polarkreises ein bisschen besser mit uns zu meinen. Der Himmel wird langsam heller.
Von Jektvik nach Ågskardet ist es wieder nur eine kurze Fahrt und am Fähranleger angekommen, machen wir erst einmal Mittagspause während wir auf das nächste Schiff warten. Die Querung des Holandsfjords geht wieder recht schnell und damit haben wir die letzte Fähre des Kystriksveien hinter uns gebracht - zwei große Highlights fehlen allerdings noch auf dem Weg nach Bodø. Eines davon sehen wir schon kurze Zeit später: den Svartisen Gletscher. Mit mit ca. 370 km² ist er der zweitgrößte Gletscher auf dem norwegischen Festland. Er besteht aus zwei Hauptteilen mit über 60 Ausläufern von denen der Engenbreen uf 100 Metern über dem Meer der niedrig gelegenste Gletscher in ganz Europa ist. Wir betrachten die Eismassen vom Nordufer des Fjords aus und schauen einem der Ausflugsboots zu, welches Wanderer ins Gletschergebiet bringt. Durch den Svartisentunnel geht es für uns anschließend weiter in Richtung Norden. Unterwegs machen wir unter anderem noch Bekanntschaft mit der angeblich schönsten öffentlichen Toilette der Welt - wenn man nach der Lage geht vielleicht, aber die Toilette selbst? Da sind wir nicht so überzeugt.
Am späten Nachmittag erreichen wir dann endlich den Saltstraumen. Der größte Gezeitenstrom der Welt befindet sich zwischen der Insel Straumøy im Süden und der Halbinsel Knaplundsoya im Norden. Durch einen 2,5 Kilometer langen und etwa 150 Meter breiten Sund strömen im Wechsel der Gezeiten fast 400 Millionen Kubikmeter Wasser zwischen dem Saltfjord am Meer und dem Skjerstadfjord im Inland hin und her und bilden riesige Strudel. Um das Schauspiel möglichst gut beobachten zu können, lassen wir uns von Jan auf der Südseite der Saltstraumen-Brücke absetzen und gehen dann zu Fuß über das 768 Meter lange Bauwerk. Die Mondphase ist zwar nicht gerade ideal, aber man kann die Strömung deutlich sehen und auch einige kleine Strudel bilden sich.
Wir folgen dann dem Skjerstadfjord und erreichen schließlich die Kulturhauptstadt Europas 2024, Bodø. Die Hafenstadt hat in den letzten Jahren ordentlich an Ansehen und Aussehen gearbeitet und beeindruckt mit zahlreichen modernen Neubauten, allen voran dem Rathaus. Wir beziehen unser Hotel direkt am Sporthafen und speisen wenig später recht landestypisch: die Restaurantkette EGON gehört zu den Favoriten der Norweger und befindet sich im Erdgeschoss unseres Hotels - so gibt es heute zur Abwechslung mal einen italienischen Abend.
24.06.2026 Lofoten
Am nächsten Morgen zeigt der Blick aus dem Fenster, dass die Wettervorhersage tatsächlich richtig war: die Sonne scheint! Und zwar so richtig! Man kann es nach den letzten Tagen fast gar nicht glauben. Gut gelaunt geht es zum Frühstück und wenig später treten wir die kurze Fahrt zum Fährhafen nach Bodø an. Zwar dauert es noch eine Weile, bis unsere Fähre auf die Lofoten abfährt, aber wir müssen trotzdem pünktlich anstehen, damit unsere Reservierung nicht verfällt - denn relativ schnell wird deutlich, wie viele Leute gerne dieselbe Route nehmen möchten. Wir vertreiben uns die Zeit mit Kaffee trinken und Leute anschauen bis es dann endlich - mit etwa 30 Minuten Verspätung - an Bord geht. Schneller als erwartet geht es dann los nach Moskenes. Vom Außendeck aus genießen wir die schöne Aussicht auf Bodø und die vorgelagerten Inseln, bevor es dann hinaus auf den offenen Vestfjord geht. Trotz der Distanz kann man schon unser Ziel in der Ferne erkennen.
Insgesamt umfasst das Archipel der Lofoten etwa 80 Inseln und Inselchen und erstreckt sich über eine Länge von etwa 200 Kilometern. Verbunden sind die größten und meistbevölkerten Inseln seit Ende der 1990er Jahre durch Brücken und Tunnel.
Am frühen Nachmittag erreichen wir dann Moskenes, eine Ortschaft relativ weit im Süden, und machen uns gleich auf den Weg in die nahegelegene Ortschaft Reine. Sie ist aufgrund der dramatischen Bergkulisse die bekannteste der ganzen Inselgruppe und auch wir sind begeistert. Die Lofoten waren jahrhundertelang abhängig vom Fischfang, im Winter vom Kabeljau, im Sommer vom Hering. Ein Großteil davon wurde auf großen Gestellen aufgehängt und durch Trocknen haltbar gemacht. Dieser Stockfisch war eines der wichtigsten Handelsgüter Norwegens. Heute gibt es noch immer Fischereiindustrie auf den Lofoten, aber der Tourismus ist längst lukrativer geworden und das ist vor allem im Sommer deutlich spürbar. Gerade diejenigen, die vor einigen Jahren schon ein mal hier gewesen sind merken den Unterschied durch die zunehmende Besucherzahl deutlich.
Nach unserem Spaziergang durch das Dorf fahren wir mit dem Bus weiter und legen noch einige Fotostopps ein, sodass wir die bekanntesten Motive einfangen können.
Unterbrochen von weiteren Fotopausen geht es für uns nun weiter Richtung Norden. Wir sehen die berühmten weißen Strände um Ramberg, die kleine rote Kirche von Flakstad und das Wikingermuseum von Borg. Eine kleine Pause verbringen wir am Gimsøystraumen. Auf der Weiterfahrt sehen wir noch die sogenannte Lofotenkathedrale in Kabelvåg, eine riesige Holzkirche, die Platz für über 1200 Besucher bietet.
Vorbei an der Hauptstadt Svolvær geht es dann für uns über den Raftsund in Richtung der Inselgruppe Vesterålen, die sich nördlich an die Lofoten anschließt. Wir fahren ein Stück über Hinnøya, die viertgrößte Insel Norwegens und die größte außerhalb Spitzbergens.
Unser Ziel ist heute Sortland, Hauptort der Insel Langøya, wo wir unser Hotel für die nächsten beiden Nächte beziehen und anschließend unser wohl verdientes Abendessen genießen.
25.06.2026 Vesterålen und Hurtigruten
Auch am nächsten Morgen scheint die Sonne noch und wir beschließen, das gute Wetter zu nutzen. Eigentlich haben wir erst Nachmittags die Fahrt auf der Postschiffroute nach Svolvær geplant, doch es wäre schade, nicht mehr von den Vesterålen zu erkunden. Wir verlassen also Langøya und fahren hinüber nach Hinnøya und von dort aus über den Risøysund weiter zur nördlichsten Vesterålen-Insel Andøya. Plötzlich rennt ein Fischotter vor uns über die Straße - ein Tier, das wir gar nicht auf unserer Liste der gewünschten Tier-Sichtungen hatten, aber wir freuen uns natürlich. Auf der Westseite der Insel Andøya gibt es eine touristische Panorama-Straße, die unser erstes Ziel ist. Leider gibt es nicht wirklich Möglichkeiten mit dem Bus anzuhalten, aber wir genießen die fantastische Aussicht auf die Berge und das Nordende von Langøya und dann die freie Sicht auf nur noch das Meer - bis Grönland kommt hier nichts mehr, einfach nur noch Wasser. Unser gewünschter Toilettenstopp ist leider geschlossen, also fahren wir weiter, vorbei am Andøya Space Port. Das Zentrum wurde bereits 1962 gegründet und dient traditionell dem Start von Forschungsraketen und wissenschaftlichen Ballons. Inzwischen wurde die Anlage stark erweitert, um sich als Europas führender Startplatz für kleine Satelliten in polaren und sonnensynchronen Umlaufbahnen zu etablieren.
Unseren Stopp legen wir schließlich im Dörfchen Berget ein. Hier gibt es einen Selbstbedienungsladen, der alles anbietet, was man so auf der Durchreise brauchen könnte und 24/7 zugänglich ist, ganz einfach über die Kreditkarte. Eine geniale Idee.
Auf unserer Weiterfahrt begegnet uns dann auch noch ein Seeadler - nicht der letzte für heute - wir fahren vorbei am Wandergebiet um den Måtinden und zwängen uns mit dem Bus durch den winzigen Tunnel, der zum Aussichtspunkt Kleivodden führt. Hier können wir endlich anhalten und die Küstenlandschaft genießen - zusammen mit einer unerschrockenen Schaffamilie, die seelenruhig auf der Straße herumspaziert. Wenig später erreichen wir Andenes. Die meisten Leute, die hierher kommen, wollen entweder mit er Fähre nach Senja herüber fahren oder eine Wal-Safari machen. Wir begnügen uns mit der Aussicht auf den roten Leuchtturm und ein Haus, das komplett von Möwen okkupiert zu sein scheint. Es ist fast erschreckend zu sehen, wie ausgestorben Andenes im Vergleich zu ähnlich großen Orten auf den Lofoten ist.
Wir machen uns nun auf den Weg zurück in Richtung Sortland. Unterwegs sehen wir dann auch endlich Rentiere, welche aber leider von zwei Radfahrern ein wenig zu schnell von der Straße verjagt werden. Nach einem kurzen Stopp in Sortland geht es weiter Richtung Süden und hinüber auf die kleine Insel Hadseløya. Im Norden der Insel, genauer in Stokmarknes, befindet sich der Geburtsort der legendären Hurtigruten. 1881 gründete der Kapitän Richard With hier die Vesterålen Dampfschiffsgesellschaft und richtete eine regelmäßige Verbindung zwischen Trondheim und Hammerfest ein. Seit 1908 besteht die klassische Postschiffroute zwischen Bergen und Kirkenes: 1250 Seemeilen in sechs Tagen und bis heute eine der anspruchsvollsten Routen der Welt.
Im Hurtigruten Museum haben wir die Möglichkeit die MS Finnmarken, ein Postschiff aus dem Jahr 1956, sowie Teile des Dampfschiffes DS Finmarken von 1912 zu besichtigen - ein mächtiger Unterschied zu dem, was wir später noch kennenlernen werden. Am Nachmittag ist es dann so weit und wir gehen direkt neben dem Museum an Bord der MS Richard With. Auf dem Schiff werden wir bis nach Svolvær fahren und unterwegs den Raftsund durchfahren, sowie in den zwei Kilometer langen Trollfjord hineinfahren. Leider hat uns das Wetter nun wieder im Stich gelassen und die Fjordwelt um uns erscheint wieder recht mystisch - aber vielleicht passt das ja auch zur Legende die besagt, dass der spektakuläre Trollfjord durch einen Streit der Trolle Vågakallen und Hinnøygubben entstand. Sie waren sich uneinig über das Weiderecht von Kühen im Raftsund. Dabei verlor Hinnøygubben das Gleichgewicht, stürzte und schlug mit seiner Axt in den Berg, wodurch der enge Fjord aufgerissen wurde. Die Fahrt mit dem Schiff in den engen Fjord ist bei jedem Wetter eine beeindruckende Leistung und wir haben Glück und sehen einen weiteren Seeadler.
Während der weiteren Fahrt nach Svolvær unterhalten wir uns auf dem überdachten Teil des Außendecks und machen das Beste aus der Situation. Angekommen am Ziel wartet Jan schon mit dem Bus auf uns und gemeinsam Fahren wir über die Brücke zur kleinen vorgelagerten Insel Svinøya, wo wir in einem sehr gemütlichen Restaurant unser Abendessen genießen dürfen, bevor wir die Rückfahrt nach Sortland antreten.
26.06.2026 Von Sortland nach Fauske
Nach zwei langen und ereignisreichen Tagen ist es heute mal wieder Zeit, sich ein wenig auszuruhen. Nach einem späten Frühstück machen wir uns dann langsam auf den Weg. Wir lassen den nördlichsten Punkt unserer Reise hinter uns und fahren über die Insel Hinnøy zum Fährhafen von Lødingen. Das Wetter sieht wenig vielsprechender aus als gestern Abend, also hat angekommen am Fähranleger auch niemand das Bedürfnis den Bus zu verlassen, während wir auf das Ankommen des Schiffes warten. Wir überqueren schließlich innerhalb einer Stunde den mächtigen Tysfjord und erreichen schließlich gegen Mittag Bognes, wo es tatsächlich ein wenig freundlicher aussieht. Unsere Mittagspause machen wir ein Stück weiter im Dörfchen Innhavet, bevor wir die Weiterfahrt antreten. Mit etwas besserem Wetter lohnt es sich, noch einige Fotostopps entlang der Strecke zu machen, bevor wir am Nachmittag Fauske erreichen. Hier am Saltfjord treffen wir auch wieder auf die Strecke der Nordlandsbahn. Wir checken recht früh in unser Hotel ein und haben so die Möglichkeit, vor dem Abendessen noch einen Spaziergang entlang der Uferpromenade zu machen.
27.06.2026 Von Fauske nach Hell
Am nächsten Morgen verlassen wir Fauske und den Saltdalsfjord schon früh, denn heute erwartet uns die längste Etappe unserer Reise: 620 Kilometer bis nördlich von Trondheim. Das Wetter ist zunächst wieder ein wenig wechselhaft, scheint sich aber für uns zum Guten zu wenden. Unser Weg führt uns nun auf der E6 in Richtung Süden und langsam wieder in bergigere Regionen: es geht hinauf zum Nationalpark Saltfjellet-Svartisen. Nach etwa einer Stunde Fahrt erreichen wir das Saltfjell, wo wir auf Rund 680 Metern Höhe die zum Teil noch verschneiten Bergspitzen bestaunen dürfen. Nun dauert es auch nicht mehr lange und wir erreichen die Steinpyramiden und das große Besucherzentrum, die den Polarkreis bei 66,33° nördlicher Breite markieren. Natürlich müssen auch wir, wie viele andere auch, einen Stopp einlegen. Im Besucherzentrum können wir dann auch ganz enge Bekanntschaft mit der mehr oder weniger örtlichen Fauna machen: es gibt selbstverständlich einen Elch und sogar einen Eisbären.
Unser Weg führt uns anschließend entlang des Flusses Ranaelv und bringt uns durch das Dunderlandsdalen-Tal nach Mo i Rana. Die Kleinstadt ist das wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Zentrum der Region und die drittgrößte Stadt Nordnorwegens, trotzdem ist hier nicht besonders viel los. Wir fahren daher noch ein Stückchen weiter bis nach Mosjøen, das zwar kleiner, aber dennoch sehenswerter ist. Das Städtchen liegt direkt an der Mündung des lachsreichen Flusses Vesfna in den Vefsnfjord und hat eines der schönst erhaltenen Ensembles an alten Holzhäusern. Über 100 Stück reihen sich auf der Sjøgata aneinander und machen die Innenstadt besonders pittoresk. Wir nehmen uns Zeit für einen ausgiebigen Spaziergang, bevor wir die Fahrt von der geografischen Mitte Norwegens nach Süden fortsetzen. Wenig später erreichen wir den Laksforsen, einen wirklich beeindruckenden Wasserfall. Mit einer Fallhöhe von 17 m, aber bis zu 800 m³/s Wasservolumen, ist er einer der wasserreichsten und gewaltigsten Fälle Europas und mit etwas Glück kann man im Sommer bestaunen, wie sich riesige Lachse durch die Wassermassen flussaufwärts bewegen.
Am Nachmittag erreichen wir Nordlandsporten, die Grenze zwischen den Regionen Nordland und Trøndelag. Hier legen wir noch einmal eine Pause ein und werden überrascht von einer großen Gruppe Oldtimerenthusiasten, die gemeinsam auf Ausfahrt sind.
Ein wenig weiter südlich treffen wir dann auf die Kreuzung, an welcher wir vor einer Woche in Richtung der Fv17 abgebogen sind - nun folgt also bekannte Strecke. Unsere letzte Pause legen wir auch noch einmal in Kvam ein, bevor wir die letzte Etappe nach Trondheim antreten. Am frühen Abend, kurz vor unserem Ziel entdecken wir dann recht nah der Schnellstraße noch mal einen Elch - sogar eine Kuh mit Jungtier. Doch leider geht es wieder so schnell, dass niemand ein Foto machen kann. Jan allerdings nutzt die Gelegenheit: ein kleines Stück weiter kommt eine Ausfahrt. Kurzerhand drehen wir um und fahren zurück. Dieses Mal haben alle Handys und Kameras bereit. Wir haben sogar Glück und niemand fährt hinter uns, sodass Jan extra langsam fahren kann. Und da wir ja nun auch noch mal umdrehen müssen, um wieder in die richtige Richtung zu fahren, gibt es das ganze kurz darauf noch ein zweites Mal. Die kleine Elchfamilie spielt bereitwillig mit und alle kommen auf ihre Kosten. Was ein Tagesabschluss!
Unser Ziel ist heute die Ortschaft Hell, nahe Trondheim. Ein Ort der mit seinem Namen definitiv für verwunderte Blicke sorgt. Wir beziehen unsere Zimmer im Hotel und freuen uns auf das großzügige Abendbuffet.
28.06.2026 Trondheim, Dovrefjell und Gudbrandsdal
Am nächsten Morgen verlassen wir unser Hotel und machen uns auf den kurzen Weg ins Zentrum von Trondheim. Man kann unmöglich die Gegend verlassen, ohne zumindest die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der einstigen Hauptstadt Norwegens gesehen zu haben. Unser Weg führt uns zunächst zum Nationalheiligtum, dem Nidarosdom. An der Stelle eines Schreins für den Heiligen Olav entstand unweit des Flusses Nidelven im 12. Jahrhundert eine Kathedrale, die in Skandinavien ihres Gleichen sucht. Der Bau wurde begonnen im anglo-normannischen Stil und wurde dann in einer Übergangsarchitektur zwischen Romanik und Gotik vollendet. Da heute Sonntag ist, ist die Kirche leider vormittags für Besucher geschlossen, aber alleine schon für die Außenansicht lohnt es sich.
Zu Fuß geht es dann weiter, vorbei am alten Handelskontor mit seinen Holzhäusern aus dem 17. Jahrhundert und der alten Stadtbrücke. Das Kneipenviertel Bakklandet ist am Sonntagmorgen ruhig und beschaulich und besticht mit seinen kleinen Holzfassaden und Kopfsteinpflaster. Wir überqueren noch einmal den Nidelven und spazieren ins Zentrum, wo nach einem Stadtbrand im 17. Jahrhundert nun die meisten wichtigen Gebäude aus Stein gebaut sind. Eine Ausnahme ist der Stiftsgarden, mit 140 Zimmern und 4.000 Quadratmetern Fläche eines der größten Holzgebäude der Welt. Erbaut wurde es wischen 1774 und 1778 als privates Stadthaus für die wohlhabende Witwe Cecilie Christine Schøller, deren Neffe es dann 1800 an den Staat verkaufte. Seither wird es als königliche Residenz genutzt.
Auf dem Großmarkt hat über das Wochenende eine Veranstaltung stattgefunden, über deren Aufräumarbeiten König Olav Tryggvason von seiner Säule aus wacht. Der erste christliche König Norwegens gilt als der Stadtgründer Trondheims.
Zurück am Bus, machen wir uns langsam bereit, um unsere Reise nach Süden weiter fortzusetzen. Auf dem alten Königs- und Pilgerweg geht es für uns in Richtung Oppdal, durch das Driva-Tal und schließlich und überqueren das legendäre Dovrefjell. Die Hochebene bietet Blicke auf die höchsten Berge Norwegens außerhalb des Jotunheimen Nationalparks - wir haben heute Glück und können sogar die Snøhetta sehen, die sich sonst häufig in den Wolken versteckt. Außerdem hat man in dem Sumpfgebiet erfolgreich Moschusochsen wieder angesiedelt und ab und an bekommt man einige der letzten wildlebenden Rentiere zu sehen. Für einige von uns wird es zumindest ein weiterer Elch, der allerdings nur im Vorbeifahren zu sehen ist.
Am späten Mittag erreichen wir dann Dombås, wo wir unsere Mittagspause einlegen. Wir folgen dem Fluss Lågen, der sich mit dem Fluss Otta einige Kilometer weiter zum Gudbrandsdallågen vereint. Die Region ist seit Jahrhunderten traditionell mit der Landwirtschaft verbunden und heute natürlich vor allem durch den allgegenwärtigen Gudbrandsdalbrunost bekannt. Der braune Käse ist vor allem zum Frühstück auf Waffeln mit Erdbeermarmelade beliebt - nicht Jedermanns Sache, wie wir bereits rausgefunden haben, aber zumindest ein mal Probieren war Pflicht.
Einen kleinen Abstecher erlauben wir uns zur Stabkirche von Ringebu. Von den ursprünglich über 1300 Holzkirchen aus der Zeit der frühen Christianisierung Norwegens sind heute nur noch 28 erhalten. Sie wurde um 1220 erbaut und im 17. Jahrhundert modernisiert und umgebaut. Die meisten von uns nutzen die Gelegenheit, die Kirche auch von innen zu besichtigen. Der Rest genießt den Blick auf den Mjøså und ein Eis bei fast 30 Grad Außentemperatur.
Als nächstes auf unserem Weg liegt dann am späten Nachmittag Lillehammer, der offizielle Austragungsort der olympischen Winterspiele 1994. Schon von Weitem kann man die Skisprung-Schanzenanlage Lysgårdsbakken. Angekommen am Fuße des Schanzenhügels können wir dann auch selbst - zumindest ein bisschen - nachfühlen, wie es ist, von so einer Schanze zu springen und noch einmal die fantastische Aussicht genießen.
Am Abend erreichen wir dann die Stadt Hamar. Das Wahrzeichen der Stadt ist das sogenannte "Wikingerschiff", die aus Holz gebaute Eissporthalle, die ebenfalls für die Olympiade 1994 errichtet wurde. Wir checken in unser Hotel ein und freuen uns nach dem langen Tag auf unser Abendessen.
29.06.2026 Die Hauptstadt: Oslo
Am nächsten Morgen machen wir uns nach dem Frühstück auf den Weg und bringen die letzten Kilometer zurück nach Oslo hinter uns. Man merkt schon sehr deutlich, dass wir uns langsam aber sicher in eine Millionen-Metropole bewegen, trotzdem kann man die Naturverbundenheit der Norweger spüren, kein Wunder also, dass man sich hier ganz intensiv mit dem Natur- und Klimaschutz befasst. Eine Maßnahme ist es, den Verkehr aus der Stadt hinauszubekommen - wo möglich mit Verboten und hohen Einfahrtkosten, wo nicht möglich, versucht man die Autos mit Tunnels aus dem Innenstadtbild zu entfernen. So geht es für uns kurz bevor wir das Zentrum erreichen also in den Opern-Tunnel hinein, und als wir wieder hinausfahren, befinden wir uns Mitten in Oslo. Da wo vor 20 Jahren noch ein Industriehafen war, ist heute eine kilometerlange Flaniermeile direkt am Fjord. Die Kombination aus alten und neuen, rasant wachsenden Gebäuden ist beeindruckend. Das Herzstück ist die Oper von Oslo. Sie wurde 2008 eröffnet und entworfen von dem norwegischen Architekturbüro Snøhetta. Das Gebäude direkt am Oslofjord besteht außen aus weißem Carrara-Marmor und soll an einen Gletscher erinnern. Direkt hinter der Oper wurde 2022 das neue Museum für den Künstler Edvard Much eröffnet und das moderne "Barcode"-Wohnviertel wächst unentwegt.
Auf dem Weg zum Cruise Terminal sehen wir das Rathaus aus den 1930er Jahren. Hier wird noch bis heute jedes Jahr der Friedensnobelpreis verliehen. Obwohl Alfred Nobel Schwede war, hat er sich dafür eingesetzt, dass der Preis in der norwegischen Hauptstadt verliehen wird - denn zu seinen Lebzeiten gab es eine Thronunion zwischen Schweden und Norwegen. Direkt neben der Akershus Festung machen wir einen ersten Stopp und sammeln unseren Stadtführer Thomas ein. Der gebürtige Franzose navigiert uns nun durch die engen Straßen der Altstadt, vorbei am Parlament und dem königlichen Schloss. Nachdem Norwegen unabhängig geworden war, entschied man sich, dass man doch gerne wieder einen König haben wollte - leider hatte man fast hundert Jahre zuvor jeglichen Adel abgeschafft, sodass man im Ausland suchen musste. Die Wahl fiel ausgerechnet auf einen dänischen Prinzen... Bis heute lieben die Norweger ihr Könighaus (ganz im Gegensatz zu sämtlichen anderen Dänen) jedoch sehr.
Wir fahren vorbei am Geburtshaus des Nationalschriftstellers Henrik Ibsen und erreichen schließlich den sogenannten Vigeland-Park. Mit diesem 32 Hektar großen Skulpturenpark hat der Künstler Gustav Vigeland ein Lebenswerk geschaffen. Insgesamt 212 Stein- und Bronzefiguren zeigen Menschen in verschiedensten Stadien ihres Lebens - brutal ehrlich und wunderschön zugleich. Der Künstler wollte ganz ungeschönt den Lauf des Lebens darstellen mit allen Beziehungen zwischen den Geschlechtern und den verschiedenen Altersgruppen. Insgesamt 20 Jahre hat es gedauert den Park anzulegen, in dem das gesamte Werk des Künstlers Raum fand.
Zum Abschluss unserer Rundfahrt fahren wir ins städtische Wintersportgebiet auf den Holmenkollen. Bei bestem Wetter hat man hier eine grandiose Aussicht auf die ganze Stadt und den Oslofjord und natürlich ist vor allem die Skisprungschanze ein Highlight für sich.
Zurück im Zentrum verabschieden wir uns von Thomas. Einige aus unserer Gruppe haben sich entschieden, in der Freizeit eine Fjordrundfahrt zu unternehmen, andere besuchen das Fram und das Kon-Tiki Museum welche den großen norwegischen Abenteurern Fridtjof Nansen, Roald Amundsen und Thor Heyerdal gewidmet sind. Und einige entscheiden, sich einfach ein wenig in der Stadt treiben zu lassen und durch die belebten Straßen zu bummeln.
Am frühen Abend machen wir uns dann gemeinsam auf den Weg zu unserem Hotel, welches ein wenig außerhalb des Zentrums liegt, um dort unseren letzten gemeinsamen Abend als vollständige Reisegruppe zu verbringen. Man merkt, die Reise neigt sich unweigerlich dem Ende.
30.06.2026 Von Oslo nach Göteborg
Heute heißt es endgültig Abschied nehmen von Norwegen. Schon früh verlassen die ersten Mitreisenden das Hotel in Richtung Flughafen, für den Rest geht es dann etwas später nach dem Frühstück los. Wir lassen Oslo hinter uns und machen uns auf den Weg nach Süden. Am Vormittag erreichen wir die norwegisch-schwedische Grenze und legen eine letzte Pause auf norwegischem Boden ein. Dann heißt es "På gjensyn!", wir überqueren den Svinesund und machen uns auf den Weg Richtung Göteborg.
Da wir noch genügend Zeit haben, leisten wir uns noch den ein oder anderen kleinen Abstecher. Zunächst fahren wir bei Blomholm von der E6 und besuchen die dortige Schiffsetzung, eine Gräberanlage aus der Eisenzeit, die völlig idyllisch mitten in der Landschaft liegt. Nach der Mittagspause fahren wir dann durch die herrliche Scherenlandschaft an der Küste nördlich von Göteborg. Die felsigen kleinen Inseln gibt es nicht nur an der Ostküste Schwedens und mit kleinen roten Holzhäuschen dazwischen geben sie ein hervorragendes Fotomotiv ab.
Am späten Nachmittag erreichen wir den Hafen von Göteborg und gehen an Bord der Stena Germanica. Wir genießen das schöne Wetter auf dem Sonnendeck vor der Abfahrt und lassen die Reise noch einmal gemeinsam Revue passieren. Auch das Abendbuffet später enttäuscht nicht und wir lassen es uns ein letztes Mal gemeinsam gut gehen und genießen den letzten Abend der Reise.
01.07.2026 Heimreise
Bei frühlingshaftem Wetter erreichen wir die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt am nächsten Morgen. Nach einem letzten ausgiebigen Frühstück verlassen wir die Stena Germanica und betreten wieder deutschen Boden. Gleich wird es auch schon Zeit für weitere Verabschiedungen, denn ein Teil der Gruppe wird uns nun hier wieder verlassen.
Für den verbleibenden Rest geht es mit dem Bus in Richtung Heimat. Die Fahrt verläuft reibungslos und alle erreichen pünktlich ihre Ausstiegsstellen in Leipzig und Kesselsdorf.
Auch wenn es ein Abschied auf Raten war - nun ist die Reise leider endgültig vorbei. Wir nehmen jedoch alle viele schöne Erinnerungen mit nach Hause, von denen wir noch lange erzählen werden.
Liebe Reisegäste,
wir möchten uns noch einmal dafür bedanken, dass Sie/Ihr dieses Abenteuer mit uns gewagt haben/habt. Auch für uns war es sehr spannend, diesen weniger bekannten Teil Norwegens erkunden zu dürfen und wir freuen uns, dass das - auch Dank der zuverlässigen Reisegruppe - so gut geklappt hat. Gemeinsam haben wir fast 5000 Kilometer zurückgelegt, Elche, Rentiere, Papageitaucher, Adler und Otter gesehen, Wikinger kennengelernt und auf jeden Fall die gemeinsame Liebe zu Norwegen noch ein wenig vertieft.
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen und wünschen bis dahin allen alles Gute und Gesundheit,
Sinah & Jan
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