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Rundreise Schottland – Natur, Whisky & Loch Ness

Reisebericht: 08.08. – 16.08.2026

Schottland zum Kennenlernen und Verlieben? Nichts leichter als das!

Sinah Witzig

Ein Reisebericht von
Sinah Witzig

Glasgow: St Mungo's Cathedral – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Glasgow: St Mungo's Cathedral – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Loch Tulla – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Glencoe – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Nevis Range – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Fort George – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Fort George – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Inverness Cathedral – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Fort Augustus Schleusentreppe – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Forth Road Bridge und Queensferry Crossing – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Jedburgh Abbey – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL) Jedburgh Abbey – © Sinah Witzig (Eberhardt TRAVEL)

08.08.2026 Anreise nach IJmuiden und Fährüberfahrt nach Newcastle

Unsere Reise startet schon früh morgens am Flughafen Dresden, denn das Tagesziel ist der Hafen von IJmuiden bei Amsterdam. Entlang der A4 geht es zunächst in Richtung Süden durch Sachsen, dann durch Thüringen weiter bis nach Erfurt. Kurz nach Eisenach verlassen wir die Autobahn und fahren über verschlafene hessische Dörfer, bis wir den neuen Teil der A44 erreichen. Von hier ist es nun nur noch eine kurze Fahrt bis nach Kassel. Über A44, A2 und A3 geht es nun durch Nordrhein-Westfalen. Schon am Vormittag ist unsere Reisegruppe fürs Erste komplett, morgen werden noch fünf weitere Gäste in Glasgow zur Gruppe stoßen.
Ohne größere Zwischenfälle erreichen wir gegen Mittag die Grenze zu den Niederlanden. Nach der Mittagspause lassen wir dann auch den Verkehrsknotenpunkt Utrecht staufrei hinter uns und erreichen pünktlich den Hafen von IJmuiden. Auch das Check In-Prozedere geht heute schnell von statten und so dauert es nicht lange, bis wir es uns auf der Princess Seaways gemütlich machen können. Noch bevor wir uns das großartige Abendbuffet ansehen dürfen, legt unser Schiff schon überpünktlich ab – Schottland wir kommen! Beim Abendessen werden nun schon allerlei Reiseerfahrungen ausgetauscht und man lernt die Mitreisenden so langsam kennen. Alle sind sich sicher: tolle Tage stehen uns bevor.

09.08.2026 Durch Nordengland über Gretna Green nach Glasgow

Am nächsten Morgen ist schon früh Land in Sicht. Das Frühstück nehmen wir ein mit Kurs auf Newcastle Upon Tyne und bald haben wir auch schon den Hafen der nordenglischen Stadt erreicht. Wir bringen die Einreiseformalitäten hinter uns und sitzen dann auch endlich im Bus - los geht's! Entlang des römischen Hadrianswalls führt uns unser Weg nach Westen in die Provinz Cumbria. Gegen Mittag erreichen wir Carlisle, das während der Jakobitenaufstände eine der wichtigsten Bastionen der Engländer gewesen ist und wo zahlreiche junge Schotten ihren Tod gefunden haben. Heute sind die Borderlands zum Glück relativ friedlich und feierlich können wir die Grenze zu Schottland überqueren. Unseren ersten Stopp machen wir ganz traditionell in Gretna Green, einst Zufluchtsort heiratswilliger junger Engländer, die ohne Zustimmung ihrer Eltern nicht unter 21 Jahren heiraten durften. In Schottland jedoch war es weiterhin möglich, sich von jedem offiziell Werkstätigen trauen zu lassen - in Gretna war das der Schmied und so wurde die örtliche Schmiede zum Heiratsmekka - und ist es bis heute geblieben. Bis zu 3000 Paare trauen sich hier jedes Jahr und so kommen wir auch gleich in den Genuss allerhand schottischer Klischees. Vielleicht ein wenig touristisch, aber irgendwie auch ein schöner Anfang für unsere Reise durch Schottland.
Nach der Mittagspause führt geht es für uns dann weiter in Richtung Norden, nach Glasgow. Während Edinburgh schon seit Jahrhunderten die Hauptstadt und Stadt des Adels gewesen ist, wuchs Glasgow vor allem ab der Industrialisierung im 18. Jahrhundert zu einer mächtigen Handels- und Arbeiterstadt heran. Die glanzvollen Zeiten des Kolonialhandels, der Textilherstellung und des Schiffbaus sind längst vorbei, doch das Motto ist geblieben – People make Glasgow. Unweit der Glasgow Cathedral treffen wir unseren Stadtführer Tilman sowie ein weiteres Mitglied unserer Reisegruppe.
Ganz hier in der Nähe soll einst der Heilige Mungo im 7. Jahrhundert eine Kapelle im „Glas Can“ - im lieblichen Grün - gegründet haben. Die dem Heiligen geweihte Kathedrale wurde im 12. Jahrhundert erbaut und ist die älteste erhaltene in ganz Schottland. Wir machen einen Spaziergang durch die oberhalb der Kirche gelegene Nekropole, in der Menschen aller Religionen beigesetzt sind. Außerdem befindet sich dort auch ein Denkmal für den Nationalhelden William Wallace.
Anschließend fahren wir weiter, die High Street hinunter, am Uhrenturm der ehemaligen Tolbooth vorbei. Wir erreichen dann den River Clyde, der Lebensader der Stadt, und sehen das umgestaltete Hafenviertel mit dem weltgrößten Hafenkran und dem modernen Kongresszentrum, welches die Einheimischen aufgrund seiner Form „Gürteltier“ nennen.
Am Kelvingrove Museum, dem wohl beeindruckendsten Museum Glasgows, legen wir noch einmal einen Stopp ein. In dem 1901 eröffneten Gebäude findet man von ägyptischen Antiken, über Gemälde bis hin zu Möbeln der Arts and Crafts Bewegung wirklich alles. Doch alleine hier braucht man eigentlich einen ganzen Tag. Das bedeutet also schon jetzt, dass wir wohl oder übel wiederkommen müssen. Statt eines Museumsbesuches machen wir also einen kleinen Spaziergang durch den Park und hinauf zum Hauptgebäude der University of Glasgow. Von hier hat man nicht nur eine fantastische Aussicht, sondern wir lernen von Tilman auch noch einiges über die zweitälteste Universität in Schottland.
Schlussendlich fahren wir dann mit dem Bus noch einmal durch das Stadtzentrum und über den zentralen George Square, der aktuell sehr aufwändig restauriert wird. Dann wird es Zeit sich von unserem Stadtführer zu verabschieden und in unser Hotel in der Merchant City einzuchecken.
Zum Abendessen geht es dann noch einmal zu Fuß in Richtung Zentrum. Im ehemaligen Strafgericht erwartet man uns im Corinthian Club - ein Pub, den viele so nicht erwartet hätten. Doch tatsächlich gibt es eine ganze Menge historischer Gebäude, die nachträglich zu Pubs und Eventlocations umgenutzt wurden. Mittlerweile ist unsere Reisegruppe auch endlich komplett und wir können den ersten Tag in Schottland gemeinsam ausklingen lassen.

10.08.2026 Whisky und Westküste

Am nächsten Morgen verlassen wir das Zentrum Glasgows in Richtung Nordwesten und fahren nach Clydebank - denn eine Schottlandreise ist natürlich nicht komplett ohne den Besuch einer Whisky-Destillerie. Wir werden freundlich Empfangen vom Team von Auchentoshan, der einzigen Brennerei in Schottland, die all ihre Whiskys dreifach destilliert - ein Verfahren, für das eigentlich der irische Whiskey bekannt ist und das den Whisky noch milder machen soll.
In zwei Gruppen werden wir über das Gelände geführt und lernen von unseren Guides alles zur Geschichte der Brennerei, der Herstellung und Lagerung von Whisky - und natürlich auch, wie man ihn richtig genießt. Damit die Führung nicht zu trocken wird, verkosten wir schon im Laufe der Tour drei der Whisky-Kreationen und befinden das Probierte für sehr lecker.
Gut gelaunt geht es dann am späten Vormittag zurück zum Bus und weiter, denn wir haben heute noch eine ganze Menge vor.
Schon wenige Kilometer nördlich erreichen wir die südlichste Spitze des Loch Lomond, dem größten See Schottlands und Großbritanniens. Am Westufer stehen heute noch die zahlreichen Villen, der in Glasgow reich gewordenen Industriellen und Kaufleuten, die es sich dann zu Ende des 19. Jahrhunderts leisten konnten, zur Sommerfrische herzukommen. Wir legen einen kleinen Stopp ein in dem pittoresken Örtchen Luss, das etwa in der Mitte des 39 Kilometer langen Sees liegt. Trotz des typischen schottischen Wetters ist auch der 974 Meter hohe Ben Lomond letztendlich noch zu sehen, einer der 282 Munros in Schottland. Munros sind Berge, die über 3000 Fuß hoch sind und sie alle zu besteigen ist schottischer Nationalgeist schlechthin.
Vom westlichen Ufer des Sees geht es dann weiter nach Westen, nun durch die historische Grafschaft Argyll, Sitz des mächtigen Campbell Clans. Bei schönstem Wetter fahren wir durch die Berge weiter nach Inveraray, einst Hauptsitz der Campbells, wovon das beeindruckende Inveraray Castle heute noch zeugt.
Von hier aus fahren wir nun nach oben – oder nach Oban? In diesem Fall bedeutet das zunächst einmal das gleiche. Einen weiteren tollen Ausblick gibt es dann am Loch Awe mit Blick auf die Ruine des Kilchurn Castle. Das ehemals fünfstöckige Towerhouse gehörte ebenfalls dem Clan Campbell, bevor es 1760 vom Blitz getroffen und daraufhin niedergebrannt ist. Wir fahren entlang des Nordufers des Loch Awe und erreichen am Nachmittag schließlich Oban. Die kleine Stadt liegt geschützt von mehreren vorgelagerten Inseln in einer kleinen Bucht und ist berühmt für ihre Destillerie und die Fischerei. Wir nutzen das sommerliche Wetter für einen schönen Spaziergang entlang der Uferpromenade und genießen das bunte Treiben.
Am späten Nachmittag geht es dann über Tyndrum und Crianlarich zurück zum Loch Lomond von dort weiter nach Glasgow. Ein langer aber schöner Tag geht zu Ende. Zum Abschluss geht es dann in den Pub Mharsanta, wo es schon ein wenig uriger zugeht als am gestrigen Abend. Hungrig lassen wir uns das Abendessen schmecken und tauschen die Eindrücke des Tages aus.

11.08.2026 Stirling Castle, Glencoe und Cairngorms Nationalpark

Nach dem Frühstück ist dann die Zeit gekommen, um sich von Glasgow zu verabschieden - die Highlands rufen!
Bis zu unserem ersten Ziel sind es nur wenige Kilometer zu fahren und so begeben wir uns auf eine rasante Reise durch die schottische Vergangenheit. Wir beginnen im 9. Jahrhundert, beim ersten König der Schotten, Kenneth McAlpin und verfolgen die blutigen Auseinandersetzungen zwischen königlichen Truppen aus England und schottischen Clans, landen bei „Braveheart“ William Wallace und schließlich bei Robert the Bruce, der es im Jahr 1314 schließlich schaffte, Schottland bei der Schlacht von Bannockburn zu einem unabhängigen Königreich zu machen – immerhin für etwa 300 Jahre. Wo sich einst ein Schlachtfeld befand, findet man heute ein Reiterstandbild für den siegreichen König inmitten bunter Blumenwiesen.
Unsere Zeitreise geht weiter, zum ehemaligen Zentrum des schottischen Königreichs. Das auf dem Hügel liegende Stirling Castle ist schon von weitem gut sichtbar und gilt für viele als die schönste Burg Schottlands. Vor allem ist es bekannt als Residenz der Stewart-Könige. Am 9. September 1543 wurde hier Maria Stuart gekrönt (die ihren Namen an die französische Orthografie angepasst hatte). Bei einer Besichtigung können wir uns die prunkvollen Räume des 15. und 16. Jahrhunderts ansehen. Besonders interessant sind die sogenannten Stirling Heads, Portraitreliefs verschiedener historischer und mythischer Könige, die sich an den Decken der Audienzsäle befanden und heute durch Nachbildungen ersetzt wurden. Ebenfalls von kunsthistorischen Interesse sind die Tapisserien des sogenannten Einhornzyklus. Sie wurden vermutlich zu Beginn des 16. Jahrhunderts durch James V. in Flandern in Auftrag gegeben. Das Einhorn ist das Nationaltier Schottlands und taucht seit dem 11. Jahrhundert in verschiedenen königlichen Wappen auf. In der keltischen Mythologie war das Einhorn ein Symbol der Reinheit und Unschuld sowie der Männlichkeit und Stärke und konnte nur von einer Jungfrau gefangen werden.
Im Anschluss an die Burgbesichtigung fahren wir in Richtung Norden durch den Trossachs Nationalpark. Auch heute ist das Wetter wieder fantastisch und wir genießen die Aussicht auf die grünen Berge und die tiefbauen Seen. Unsere Mittagspause verbringen wir in Tyndrum, bevor wir aufbrechen in eines der bekanntesten Täler Schottands.
Das Glencoe ist eines der typischen, in der letzten Eiszeit geformten Täler. Aufgrund seiner tragischen Geschichten von Clanfehden, Intrigen und Verrat wird Glencoe auch das „Tal der Tränen“ genannt. Durch die dramatisch abfallenden Berge gibt es hier bei jeder Wetterlage faszinierende Spiele aus Licht und Schatten. Wir nutzen jede Möglichkeit die wir bekommen für Fotostopps entlang der nur etwa 12 Kilometer langen Durchfahrt. Später legen wir noch einen Stopp am Glencoe Visitorcentre ein, wo man einen kleinen Spaziergang durch den Wald unternehmen oder sich ein typisches Torfhaus ansehen kann.
Nun führt uns unser Weg entlang des Loch Linnhe die Westküste hinauf. In Fort William legen wir noch einen letzten Versorgungsstopp ein und von Spean Bridge aus genießen wir den fantastischen Blick auf die Berge der Nevis Range mit dem höchsten Gipfel Großbritanniens. Dann geht es Richtung Osten und an den Rande des Cairngorms Nationalparks. Der zweitjüngste Nationalpark Schottlands ist mit seinen 3800 km² auch gleichzeitig der größte des Vereinigten Königreichs und wurde 2003 gegründet. Der Nationalpark wird geprägt vom Gebirgszug der Cairngorms, einem Teil der Grampian Mountains, heidebewachsenen Hochmooren und zahlreichen Seen. Neben etwa 20.000 Rothirschen lebt auch eine halbwilde Rentierherde im Nationalpark.
In der Nähe von Aviemore beziehen wir am Abend unser Hotel für die nächsten beiden Nächte und lassen uns anschließend das Abendessen vom Buffet schmecken.

12.08.2026 Inverness und Loch Ness

Am nächsten Morgen brechen wir auf und setzen unsere Fahrt nach Norden fort. Nach einer guten halben Stunde erreichen wir den Moray Firth, wo der Fluss Ness in die Nordsee mündet. Hier liegt auch die „Hauptstadt der Highlands“, Inverness. Unser erstes Ziel liegt jedoch noch etwas weiter nördlich auf einer kleinen Landzunge im Moray Firth: Fort George, eines der gewaltigsten Militärbauwerke Europas. Der Bau der Festung war die direkte Reaktion auf eine tiefe Krise. Im Jahr 1746 endete bei der nahegelegenen Schlacht von Culloden der letzte große Jakobitenaufstand. Die schottischen Highland-Clans, die den katholischen Thronprätendenten Bonnie Prince Charlie unterstützten, erlitten eine vernichtende Niederlage gegen die Truppen der britischen Regierung unter König Georg II. Um die Highlands endgültig zu unterwerfen und künftige Rebellionen im Keim zu ersticken, gab der König den Auftrag für eine uneinnehmbare Festung. Ab 1748 entstand unter der Leitung des Architekten William Skinner das heutige Fort George. Es sollte die modernste und sicherste Artilleriefestung ihrer Zeit werden und das, obwohl die kriegerischen Auseinandersetzungen längst beendet waren. Obwohl die Festung also nie wirklich in ihrer Funktion genutzt wurde, dient sie auch heute noch als aktive Kaserne der britischen Armee. Nichtsdestotrotz können wir das riesige Areal erkunden, das schottische Regimentsmuseum besichtigen und an den mächtigen Kanonen vorbeispazieren. Von den breiten Kasematten aus hat man eine fantastische Aussicht auf das Meer und wenn man Glück hat, kann man sogar Delfine sehen. Das bleibt uns heute jedoch trotz des schönen Wetters verwehrt.
Unsere Mittagspause verbringen wir später in Inverness. Wir spazieren vorbei an der Kathedrale am River Ness entlang und genießend die fantastische Sicht auf das Inverness Castle - ganz ohne Gerüst erstrahlt es endlich in frischrestauriertem Glanz. Inverness ist auch eine Hochburg der Kiltmaker und so lässt sich bei einem Bummel durch die Innenstadt auch eine ganze Menge entdecken.
Unsere Route führt uns anschließend entlang des Great Glen wieder ein Stück Richtung Süden. Das Tal teilt die schottischen Highlands in die Northwest Highlands und die Grampian Mountains und wird durchzogen von den Seen Loch Ness, Loch Oich und Loch Lochy. Ebendiese Seen hat man zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter der Leitung Thomas Telfords zum Kaledonischen Kanal verbunden. Nur ein Drittel des 97 Kilometer langen Kanals mussten so künstlich geschaffen werden. Nichtsdestotrotz ist er ein technisches Meisterwerk, denn man musste eine Scheitelhöhe von 42 Metern mit insgesamt 29 Schleusen überwinden. In Fort Augustus werden wir später die Möglichkeit haben uns eine der so entstandenen Schleusentreppen anzusehen.
Zunächst widmen wir uns jedoch dem sagenumwobenen Loch Ness. Die Geschichten über das Monster im See sind jahrhundertealt. Aufgrund der bis heute unbekannten Tiefe des Sees und des trüben und kalten Wassers sind um Loch Ness schon zu keltischen Zeiten Mythen um Kelpies und andere Wesen entstanden. Frühchristliche Missionare wollen dann im 8. Jahrhundert ein Seeungeheuer gesichtet haben und seit dem ersten Foto von „Nessie“ aus den 1930er Jahren versuchen immer wieder neue Glücksritter es hier zu Ehre und Reichtum zu bringen – bisher vergeblich.
Um noch eine bessere Chance zu bekommen, Nessie zu sichten, nehmen wir an einer Schifffahrt über den See teil - bei diesem sonnigen Wetter eine wahre Freude. Das eigentliche Ziel der Fahrt soll die bekannteste Ruine Schottlands, Urquhardt Castle sein. Aufgrund der strategisch günstigen Lage direkt am See ist es über Jahrhunderte stark umkämpft gewesen. Bereits der Heilige Columban soll auf seinen Missionarszügen hier Unterschlumpf gefunden haben, der Clan Urquhardt ließ sich dann nieder und erbaute ein Lager, das dann im 14. Jahrhundert befestigt und vom Clan MacDonald verwaltet wurde. 200 Jahre später hatte die Burg an Bedeutung verloren und wurde schlussendlich von ihren Besitzern, den Grants, zerstört, damit sie nicht als Unterschlupf im Kampf der Jakobitern dienen konnte. Leider können wir jedoch nicht am Urquhardt Castle aussteigen, da dieses Wegen eines technischen Defekts früher geschlossen werden musste - dafür bekommen wir allerdings die doppelte Schifffahrt geboten und fahren zurück zum Ausgangspunkt. Gar kein so schlechter Tausch, denn das meiste der Ruine haben wir ja schon vom Wasser aus gesehen.
Zurück im Bus geht es dann weiter zum südlichen Ende des Loch Ness nach Fort Augustus, wo wir uns die Schleusen des Kaledonischen Kanals ansehen können und entlang der vielen Cafés und Geschäfte bummeln.
Auf dem Rückweg legen wir noch einen Stopp in Invermoriston ein. Hier hat Thomas Telford sich noch einmal verewigt und zwar in Form einer steinernen Brücke über die Kaskaden des Flüsschen Moriston. Anschließend fahren wir zurück in Richtung Aviemore. Eigentlich erwartet uns heute noch die Sonnenfinsternis, über die ganz Europa schon seit Monaten spricht, aber wie es das schottische Wetter so will, ziehen sich die Wolken zum späten Nachmittag zu einer dichten Decke zusammen und man kann die Sonne nur noch dahinter erahnen - was soll's Schottland ist auch ohne Sonnenfinsternis immer eine Reise wert.

13.08.2026 Durch den Cairngorms Nationalpark nach Süden und ein schottischer Abend in Edinburgh

Nach dem Frühstück wird es Zeit, in Richtung Süden aufzubrechen. Ausnahmsweise regnet es heute, während die Berge entlang der A9 an uns vorbeiziehen. Da ist es, das mystische Schottland, von dem alle sprechen. Und es ist nicht weniger schön als Sonnenschein, sondern eben einfach anders. Wir erreichen so langsam die unsichtbare Grenze zwischen Highlands und Lowlands und wandeln auf den Spuren Queen Victoria. 1842 war die noch sehr junge Königin, frisch verheiratet mit Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, zum ersten Mal nach Schottland gekommen und hat sich Hals über Kopf verliebt. Das junge Königspaar beschloss, sich in den Highlands einen Familienwohnsitz einzurichten und kaufte das Balmoral Estate im Jahre 1848 ohne es vorher besichtigt zu haben. Schnell realisierte man, dass das £31.500 (heute etwa vier Millionen) teure Anwesen für royale Zwecke zu klein sei und ließ unter der Leitung Alberts einen Neubau mit 70 Zimmern errichten. Auch Jahre später nach Alberts frühem Tod kam die Königin häufig nach Schottland, um ihre Trauer zu bewältigen. Dabei soll sie ganz in der Nähe, oberhalb von Loch Tummel einen ihrer Lieblingsplätze, den sogenannten „Queen's View“ entdeckt haben. Diesen Platz wollen wir uns selbstverständlich auch anschauen - und trotz, oder gerade wegen des leichten Regens, strahlt dieser Ort wirklich eine ganz besondere Ruhe aus.
Anschließend geht es für uns weiter ins nahegelegene Pitlochry. Auch hier war Queen Victoria oft zu Gast, schon bei ihrem ersten Besuch 1842. Fortan taten es ihr natürlich alle Untertanen gleich, denn was für die Königin gut genug war, wurde selbstverständlich modern - und aus dem kleinen Pitlochry ein beliebter Kurort. Mittlerweile ist es trocken und wir nutzen die Gelegenheit für einen kleinen Bummel über die High Street.
Unsere Mittagspause verbringen wir später an einer Raststätte nördlich von Perth, wo wir endlich noch einmal die Möglichkeit bekommen, die fotogenen Highland Rinder aus nächster Nähe anzusehen.
Perth selbst hat ebenfalls eine lange und königliche Geschichte. Etwas außerhalb der Stadt liegt Scone, einst der wichtigste Ort der schottischen Könige. Hierher auf den sogenannten Moot Hill, soll Kenneth McAlpin den mystischen Stein der Vorsehung gebracht haben, der fortan, bis zum Ende des 13. Jahrhunderts, fester Bestandteil des Inthronisierungsrituals geblieben war – bis der englische König Edward I. ihn stehlen ließ. Bis 1996 wurde der Stein in der Westminster Abbey aufbewahrt und war dort weiterhin Bestandteil des, mittlerweile britischen, Throns. Inzwischen ist der sagenumwobene Sandsteinblock zurück in Schottland, seit dem letzten Jahr in einem eigens dafür eingerichteten Raum des Stadtmuseum.
Noch einmal an Stirling vorbei, geht es für uns nun mit großen Schritten in Richtung Edinburgh. Schon von weitem sehen wir von der M9 die 30 Meter hohen Kelpies, eine Kunstinstallation des Bildhauers Andy Scott. Die beiden Pferdeköpfe stellen zu einem Figuren der keltischen Mythologie dar, sind aber gleichzeitig Erinnerung an die Bedeutung von Pferden und ihrer Zugkraft zu Beginn der wirtschaftlichen Entwicklung der Region. Unter anderem haben Pferde die schweren Lastenkähne entlang des Forth & Clyde Kanals gezogen. Hier halten wir noch einmal für einen kleinen Spaziergang an.
Bald erreiche wir dann das südliche Ufer des Firth of Forth, einem etwa 80 Kilometer langen Meeresarm, der den Süden Schottlands vom Norden trennt. Um diese große Wassermasse zu überqueren, wurden früher Fähren genutzt, als jedoch die Eisenbahn auch den Norden Schottlands erschließen sollte, musste eine andere Lösung gefunden werden. Im Jahr 1882 begann man schließlich mit dem Bau einer monumentalen Auslegerbrücke, die 1890 vollendet wurde. Fast 30 Jahre lang blieb die Forth Bridge die Brücke mit der Längsten Spannweite der Welt und fasziniert bis heute mit ihrer markanten roten Farbe Technikbegeisterte aus aller Welt. 1965 und 2017 folgten dann zwei Brücken für den Straßenverkehr, die ebenfalls die über zwei Kilometer lange Strecke überbrücken. Von einem Aussichtspunkt aus haben wir die Möglichkeit alle drei Brücken zu sehen und zu fotografieren, bevor wir uns auf den Weg in die Stadt hinein machen.
Man merkt schon deutlich, dass wir wieder in der Großstadt sind und dass der August, als Festivalmonat, nicht gerade die ruhigste Jahreszeit ist. Trotzdem schafft es Jan, uns über Schleichwege relativ zügig zu unserem Hotel zu bringen. Wir checken ein und machen uns ein wenig frisch, bevor es weitergeht zum Abendprogramm: in der ehemaligen Chirurgie der Universität von Edinburgh besuchen wir die Veranstaltung "Spirit of Scotland". Begrüßt werden wir schon auf der Straße durch Piper Andy, anschließend geht es dann in den ersten Stock des historischen Gebäudes. Nach einem Drei-Gänge-Menü werden uns dann einige der wichtigsten kulturellen und musikalischen Highlights geboten - begonnen mit dem "Address to a Haggis", der Liebeserklärung an das schottische Nationalgericht. Weiter geht es dann mit Volksliedern, Highland-Tänzen und selbstverständlich auch einigen Stücken präsentiert von Piper Andy. Zum Abschluss erklingt, ganz wie es sich gehört, "Auld Lang Syne" und wir verabschieden uns ins geschäftige abendliche Treiben der Stadt. Auf der Rückfahrt zum Hotel ist die Stimmung dann fast ausgelassener als bei der Veranstaltung selbst, es wird aber doch langsam Zeit fürs Bett, denn morgen haben wir wieder einen spannenden Tag vor uns.

14.08.2026 Edinburgh und Military Tattoo

Selbstverständlich müssen wir der glanzvollen Hauuptstadt Schottlands auf dieser Reise einen ganzen Tag einräumen und so starten wir gleich am nächsten Morgen mit einer Stadtrundfahrt. Gemeinsam mit unserer Stadtführerin Regina machen wir uns auf den Weg vom Westend in die Edinburgher Neustadt, die jedoch älter als so manche Stadt in den USA ist. Erbaut wurde sie im 18. Jahrhundert, als die Altstadt aus allen Nähten zu platzen drohte und viele wohlhabende Bürger begonnen hatten aus Angst vor Krankheiten und Baufälligkeit ihrer Häuser die Stadt zu verlassen. Konzipiert wurde die New Town als reines Wohnviertel ohne gewerbliche Nutzung, das führt bis heute dazu, dass hier tatsächlich viele (wenn auch wohlhabende) Menschen wirklich mitten in der Stadt wohnen. Wir überqueren die prächtige Princes Street und haben einen guten Blick auf das Ehrenmonument für den Nationalliteraten Sir Walter Scott und das Balmoral Hotel, wo J.K. Rowling den letzten Band ihrer Harry Potter-Reihe zu Ende geschrieben hat.
Wir nutzen das schöne Wetter für einen kleinen Spaziergang hinauf zum Carlton Hill, denn von dort aus hat man eine ganz fantastische Aussicht über die ganze Stadt.
Mit dem Bus geht es anschließend weiter für uns zum befahrbaren Teil der Royal Mile, die die Burg mit dem Palace of Holyrood House verbindet. Über uns thront nun der Arthur's Seat, der Hausberg der Stadt. Ganz in der Nähe können wir das schottische Parlamentsgebäude betrachten, das keinen deutlicheren Kontrast zur restlichen Altstadt bilden könnte.
Über die Cowgate geht es nun zum Grassmarket, wo einst der Galgen gestanden hat. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf die bunten Häuser der Victoria Street und hinauf zum Castle. Die Burg ist nun auch unser Ziel und wir verlassen den Bus und machen uns zu Fuß auf den Weg hinauf auf die Royal Mile. Durch das geschäftige Treiben führt uns Regina jedoch zunächst zur St. Gile's Cathedral, der Hauptkirche von Edinburgh und weiter zum Marktkreuz, einst dem wichtigsten Treffpunkt in der mittelalterlichen Stadt. Vorbei an Dudelsackspielern und anderen Glücksrittern geht es schließlich für uns auf die Castle Esplanade. Gemeinsam geht es weiter über die Zugbrücke und hinein in die altehrwürdigen Gemäuer der über 1000jährigen Burg. Wir warten auf die One o’Clock Gun, die traditionell täglich außer sonntags exakt um 13:00 Uhr abgefeuert wird. Anschließend erklimmen wir die letzten Höhenmeter des Castle Rocks. Regina zeigt uns noch das älteste erhaltene Gebäude, die St. Magret's Chapel von 1130, und erklärt uns, wo wir die Kronjuwelen der schottischen Könige finden. Dann wird es Zeit Abschied zu nehmen und jeder hat die Gelegenheit, den Nachmittag auf eigene Faust zu gestalten.
Am Abend treffen wir uns dann wieder uns gehen zum gemeinsamen Essen im Pub Ghillie Dhu, welcher sich in einer ehemaligen Kirche direkt an der Princes Street befindet. Gut gestärkt geht es für die meisten von uns anschließend zum großen Highlight und würdigen Abschluss der Reise: dem Royal Edinburgh Military Tattoo. Wir verbringen einen wunderbaren Abend mit Pipes and Drums, sowie vielen internationalen Beiträgen aus Neuseeland, Katar und auch aus Deutschland. Kurz vor Mitternacht kehren wir beseelt zurück zum Hotel und haben eigentlich so gar keine Lust und morgen wieder auf den Heimweg zu machen.

15.08.2026 Abschied von Schottland: die Borderlands und Fahrt nach Newcastle

Während die Fluggäste noch ein wenig länger schlafen können, geht es für den Rest der Reisegruppe am nächsten Morgen nach dem Frühstück weiter nach Süden und zurück in die Borderlands. Während der letzten Jahrhunderte war diese hügelige Landschaft, die heute quasi direkt an die südlichen Vororte der Hauptstadt anschließt, stark umkämpft und die Grenze zu England hat sich mehrmals verschoben.
Schon die Römer haben hier im 2. Jahrhundert n. Chr. eine Befestigungsmauer gebaut, um den Handels- und Personenverkehr in die Gebiete außerhalb der Provinzen von Britannia zu überwachen. Während die Römer ab dem 5. Jahrhundert wieder verschwanden, blieben die Handelsruten zwischen Süd und Nord bestehen und so durchqueren wir auf der Hauptverkehrsstraße Richtung Süden mehrere Kleinstädte mit der Auszeichnung Royal Burgh. Sie waren einst die Zwischenstationen, wo Reisende eine Mahlzeit und einen Schlafplatz finden konnten. Eine davon ist Jedburgh, bekannt vor allem wegen seiner Abtei, die im 12. Jahrhundert auf Wunsch des Königs David I. durch den Orden der Augustiner errichtet wurde. Die Reformation überlebte das Kloster jedoch nicht ganz unbeschadet. Die Mönche durften zwar, anders als an anderen Orten, in ihrem Konvent wohnen bleiben, die Kirche wurde allerdings reformiert und fortan für die anglikanischen Gottesdienste genutzt. Als man dann im 17. Jahrhundert die ersten Baufälligkeiten entdeckte, wurden nach und nach Teile des Gebäudes gesperrt und schlussendlich eine neue Kirche gebaut, während die prächtige einstige Abteil langsam zu Ruinen zerfiel. Wir nutzen die Gelegenheit, das Gelände zu erkunden und staunen über die Pracht, die sich auch heute noch erkennen lässt. Anschließend wird es Zeit für die Mittagspause bevor wir uns von Schottland verabschieden müssen. Am Grenzstein an der Carter Bar halten wir ein letztes Mal an und werden auch prompt vom lokalprominenten Dudelsackspieler Alan überschwänglich begrüßt. Nach vielen Fotos, ein wenig Tratsch und einem Abschiedswhisky wird es denn leider langsam Zeit. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge und einem Rucksack voller Erinnerungen geht es nun durch die Hügellandschaft Northumberlands in Richtung Newcastle. Der Check In verläuft wieder relativ zügig und problemlos und so können wir schon bald unsere Kabinen auf der Princess Seaways beziehen. Beim letzten gemeinsamen Abendessen lassen wir noch einmal die Reise Revue passieren.

16.08.2026 Heimreise nach Deutschland

Am nächsten Morgen erreichen wir beinahe pünktlich den Hafen von IJmuiden. Das Verlassen des Schiffes und das Einreisen in die EU zieht sich heute ziemlich, aber schlussendlich erreichen alle vollzählig den Bus. Am reibungslosen Durchqueren der Niederlande hindert uns heute eine Autobahnsperrung und wir wählen ausnahmsweise eine andere Route. Über Apeldoorn führt uns unser Weg nun stattdessen in Richtung Osnabrück. Nichtsdestotrotz liegen wir gut in der Zeit und können unsere ersten Mitreisenden überpünktlich am Flughafen Paderborn verabschieden. Für den Rest geht es weiter über Kassel nach Thüringen und weiter bis nach Sachsen. Die Ersten sehnen sich schon zurück nach Schottland, denn selbst gegen Abend sind die Temperaturen immer noch sommerlich. Am Abend erreichen wir dann nach rund 3000 Kilometern unseren Betriebshof in Kesselsdorf und die Reise geht endgültig zu Ende. Wie heißt es so schön? Nach der Reise ist vor der Reise – und mit schönen Erinnerungen lässt sich doch wunderbar der nächste Urlaub planen.


Liebe Reisegäste,
wir möchten uns ganz herzlich bedanken, dass Sie sich entschieden haben, mit uns nach Schottland zu fahren. Es hat uns wie immer viel Freude beschert, Ihnen eine unserer liebsten Destinationen näherzubringen und wir hoffen, dass Sie schöne Erinnerungen mit nach Hause genommen haben.
Wir würden uns freuen, wenn wir uns bei einer nächsten Reise wiedersehen und wünschen allen alles Gute und das nötige Quäntchen Reiselust.
Herzlich,
Sinah und Jan


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