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Mittsommer in Schwedisch Lappland – Reise mit der schwedischen Inlandsbahn

Reisebericht: 16.06. – 27.06.2026

Auf den Spuren Selma Lagerlöffs "Nils Holgersson" reisen wir mit der schwedischen Inlandsbahn (Inlandsbanan) durch Süd-, Mittel und Nordschweden bis zum Polarkreis und durch die Schären zurück...

Martin Büchner

Ein Reisebericht von
Martin Büchner

Festung Varberg, Halland – © Martin Büchner (Eberhardt TRAVEL) Göteborg - Stadtgründer Gustav II. Adolf – © Martin Büchner (Eberhardt TRAVEL) Göteborg - Lille Bomma – © Martin Büchner (Eberhardt TRAVEL) Dalsland Kanal - Håverud – © Martin Büchner (Eberhardt TRAVEL) Mora, Dalarna - Badstugatan - Sauna-Straße – © Martin Büchner (Eberhardt TRAVEL) Sorsele, Västerbotten – © Martin Büchner (Eberhardt TRAVEL) Kurzes Hupen - Tiere auf der Strecke - Rentiere – © Martin Büchner (Eberhardt TRAVEL) Am Polarkreis bei Jokkmokk – © Martin Büchner (Eberhardt TRAVEL) UNESCO Weltkulturerbe Gammelstaden Luleå – © Martin Büchner (Eberhardt TRAVEL) Luleå - Elchpark - Cape Wild – © Martin Büchner (Eberhardt TRAVEL) Kristinestad - Rathaus, Österbotten, Finnland – © Martin Büchner (Eberhardt TRAVEL) Insel Södermalm - Blick auf die Ostsee, Gamla Stan und Insel Skeppsholmen – © Martin Büchner (Eberhardt TRAVEL)

Tag 01 – 16.06.2026 Anreise nach Travemünde

Wir starten am Vormittag von Dresden über Leipzig und Berlin nach Travemünde.
Travemünde, die Mündung des Flusses Trave und Hafen mit großer historischer Bedeutung.
Hier lag das Drehkreuz des „Hanse-Universums“. Im Herzen des Handelsverbundes lag die mächtige Hansestadt Lübeck.
Bis zum 2. Weltkrieg existierte die sog. Königslinie Saßnitz – Trelleborg. Durch die deutsche Teilung wurde in den 1960er Jahren ein neuer Fährhafen benötigt, der Westdeutschland über die Ostsee mit Schweden verband: TT-Line war geboren, TT = Travemünde – Trelleborg.
Mit der M/S Peter Pan setzen wir nachts nach Schweden über. Abendessen und Frühstück an Bord.
Eine meteorologische Besonderheit dürfen wir in der Mittsommerzeit direkt erleben: Leuchtende Nachwolken – Eiskristalle in bis zu 20 km Höhe, deutlich über der normalen Wetterzone, werden durch die nur knapp unter dem Horizont stehende Sonne angeleuchtet. Die Kristalle brechen das Sonnenlicht zur Erdoberfläche, so dass wir sie als „leuchtend“ wahrnehmen können.

Tag 02 – 17.06.2025 Trelleborg – Varberg – Göteborg – Trollhättan

Am Morgen erreichen wir die Südspitze Schwedens. Die M/S Peter Pan legt in Trelleborg in der Provinz Schonen an. Durch Grenzkontrollen benötigen wir einiges an Zeit, bis wir den Hafenbereich verlassen können.
Auf der E22/E6 geht es etwa 30 km weiter bis nach Malmö, Schwedens drittgrößter Stadt. Hier befindet sich der Wolkenkratzer „Turning Torso“, eröffnet 2005, mittlerweile zweithöchstes Wohngebäude Skandinaviens. Erbaut vom spanischen Stararchitekten Calatrava, der wie kaum ein anderer das „organische Bauen“ umsetzt. Die Spitze des Turms ist wie bei einer DNA-Doppelhelix nach oben hin um 90 Grad verdreht.
Unweit des Wolkenkratzers liegt die Öresundbrücke, die die beiden Großstädte Malmö (Schweden) und Kopenhagen (Hauptstadt Dänemarks) direkt zur Metropolregion Öresund miteinander verbindet. Sie ist eine Schrägseilbrücke und eine der längsten Brücken Europas.
Die Südspitze Schwedens, lange Zeit Teil Dänemarks, ist stark dänisch geprägt, was sich in der Sprache, Kultur und Architektur widerspiegelt und sich deutlich vom restlichen Schweden unterscheidet.
Die Westküste Schwedens ist weniger bewaldet als der Osten des Landes. Man findet mehr Strände, Dünenlandschaften, Weiden und felsige Schären. Von Schonen folgen wir der Westküste weiter bis in die historische Landschaft Halland. Unser nächstes Ziel ist Varberg, bis vor kurzem einer der wichtigen Fährhäfen nach Dänemark. Der Fährhafen ist weiter südlich gezogen, was der Stadt immens große neue Flächen bereitet.
Ins Auge sticht die mächtige Varberg fästning, eine starke Befestigung am Kattegat aus dem 13. Jh., zur Festung im 16. Jh. erweitert, unweit des Eingangs zum Öresund. Am pittoresken Hafen mit Sandstrand genießen wir schwedische Sommeridylle. Ein erstes „Mjukglass“ kann genossen werden, typisches schwedisches Softeis. Photogen ist das „Kaltbadehaus“, zu Beginn des 20. Jh. im orientalischen Stil errichtet, erinnert es an eine mondäne Seebrücke, der deutschen Kaiserbäder. Unter anderem findet man hier bis heute nutzbare Saunen.
Natürlich lässt sich auch die Festung erkunden, für einen Spaziergang in und um die Festung ebenso, wie für ein Museumsbesuch. Hier befindet sich das Museum der Historischen Landschaft Halland. Größter Besuchermagnet ist die mittelalterliche Moorleiche Bockstensmannen, die berühmteste Moorleiche Skandinaviens. Sie wurde 1936 von Kindern entdeckt. Schnell fand die herbeigerufene Polizei heraus, dass die Person schon länger tot sein müsse. Archäologen übernahmen die Untersuchungen. Spannend ist, dass der Leichnam gepfählt wurde. Offensichtlich sollte die Leiche im Moor an Ort und Stelle bleiben, ebenso wollte man das Widergehen verhindern. Interessant ist auch, dass organisches Gewebe u.a. von der Kleidung sehr gut durch die Säuren im Moor konserviert wurden. Die Kleidung des Mannes ist fast vollständig erhalten. Ein seltener Fund, der die Kleidung eines mittelalterlichen Mannes aus dem Volk dokumentiert, insbesondere seiner Kopfbedeckung und Schuhe. Darüber hinaus bietet das Museum viel Interessantes, didaktisch hervorragend aufgearbeitet, um in die vielseitige Geschichte der Region eintauchen zu können.
Wir folgen der Westküste weiter nach Norden und erreichen die nächste Provinz „Västragötlands län“. Zentrum der Region ist Göteborg am Götaälv gelegen, Schwedens zweitgrößte Stadt, mit dem größten Export-Import-Hafen Skandinaviens.
Kein geringerer als König Gustav II. Adolf, gründete im 17. Jh. die Stadt als Gegenentwurf zu Stockholm, wie sich die Stadt bis heute selbst sieht. Entstanden ist sie als Kopie der Stadt Amsterdam. Die Grachtengürtel Amsterdams aus dieser Zeit, heute meist Straßenringe, sind im Stadtbild noch gut wahrnehmbar. Die Niederlande hatten wie Schweden ihr Goldenes Zeitalter im 17. Jh. und dienten den Schweden sehr oft als Vorbild. Trotz starkem Verkehr stürzen wir uns in die Großstadterfahrung. Vom Herzen der Stadt dem Gustav Adolfs Torg spazieren wir zum Ufer des Göta älv, an dem sich das berühmte Opernhaus und einige Wolkenkratzer wie der markante „Lippenstift“ befinden. Optisch sehr schön ist auch die historische Viermastbark „Viking“ anzusehen, ein Großsegler von 1907.
Nach unserer Stippvisite in Göteborg folgen wir dem Flusslauf des Göta älv in Richtung Nordost und erreichen am Abend Trollhättan, unweit des Vänern Sees.

Tag 03 – 18.06.2026 Trollhättan – Dalsland – Mora

Schon früh keimte die Idee auf, die Ostsee östlich von Schweden durch eine künstliche Wasserstraße mit dem Kattegat im Westen Schwedens zu verbinden. Es stand im 19. Jh. der Göta Kanal, das „Blaue Band Schwedens“ von Göteborg nach Stockholm. Ziel war es den hohen Sundzoll der Dänen im Öresund und das dänische Stapelrecht zu umgehen. Alle schwedischen Kanäle nutzen, wann immer möglich natürliche Gewässer. Offiziell verläuft der Kanal vom Vänernsee im Westen bis Mem bei Söderköping an der Ostseeküste im Osten.
Bereits zuvor entstand eine weitere Verbindung der Trollhätte-Kanal, der den Kattegat über den Göta älv mit dem gewaltigen Vänernsee verband. Damit wurde er Teil der Göta Verbindung von West nach Ost. Insgesamt müssen auf der Strecke mehr als 90 Höhenmeter in beide Richtungen überwunden werden.
In Trollhättan befinden sich gewaltige Wasserfälle mit einer Fallhöhe von 32 Metern, ein natürliches Hindernis für die Schifffahrt. Um diesen zu umgehen, wurde bereits im 18. Jh. begonnen Schleusen zu bauen. Bedingt durch die skandinavische Landhebung müssen alle hundert Jahre neue Schleusen gebaut werden, da sich das Land in dieser Region um bis zu einem halben Meter pro Jahrhundert anhebt.
Aus diesem Grund befinden sich diverse Schleusentreppen, aus verschiedenen Jahrhunderten nebeneinander. Aktuell diskutiert man wieder, dass es Zeit sei, eine neue Schleuse zu bauen. Im Gegensatz zum Göta Kanal, der durch die Einführung der Eisenbahn, nach seiner Eröffnung schnell an wirtschaftlicher Bedeutung verlor und nur noch touristische Relevanz hat, wird dem Trollhättan Kanal bis heute eine wichtige wirtschaftliche Relevanz zu teil. Seeschiffe können die Schleusen passieren und Industrieanlagen am Vänernsee beliefern bzw. Produkte abholen, ein wichtiger Standortvorteil, den man erhalten will.
Am Morgen besuchen wir die interessante Schleusenanlage von Trollhättan, bevor wir weiter nach Dalsland reisen. Das Kanal-Thema bleibt uns erhalten. In Håverud liegt der berühmteste Teil des Dalsland Kanals, einer Wasserstraße, die den Vänern im Osten mit dem Wasserstraßen-Netz Norwegens im Westen verbindet.
Sehenswert ist die Kanalbrücke, eine Trogbrücke über ein Tal. Wir haben Glück, dass sich im Schleusensystem ein historischer Dampfer befindet. Bei perfektem Sommerwetter genießen wir den Vormittag am Dalsland Kanal. Der historischen Landschaft Dalsland, schließt sich das Värmland an, eine Region nördlich des Vänernsees. Interessanterweise nimmt man den Vänern selten als riesigen See wahr, da seine Ufer stark gegliedert sind. Die Gewaltigkeit seiner Fläche nimmt man tatsächlich nur auf dem See selbst wahr. Er ist mit Abstand der größte See Schwedens, zehnmal so groß wie der deutsche Bodensee in seiner Gesamtfläche. Je nach Definition, ob Seen in Russland zu Europa zählen oder nicht, ist er auch der größte See Europas, mit einem Umfang von fast 1.800 km. An seinem nördlichen Ufer nehmen wir für einen kurzen Moment auch seine Wasserfläche wahr, obwohl wir uns seit Stunden permanent in seiner Nähe befinden.
Sind die Flächen um den Vänernsee noch sehr agrarisch geprägt, nehmen im Värmland die Wälder mehr Fläche ein. Die Landschaft wird nach Norden und Westen hin, zunehmend hügeliger. Flusstäler bilden sich.
Am Nachmittag unternehmen wir einen Abstecher zu einer Villa namens Mårbacka. Eine klassizistische Villa, wie sie so gar nicht in die Landschaft passen will. Eigentlich handelte es sich um ein normales schwedisches Holzhaus auf einem typischen schwedischen Hof. Im 19. Jh. musste dieser Hof sogar verpfändet und später verkauft werden. Doch Dinge können sich manchmal ändern: Ein Mädchen wurde auf diesem Hof geboren. Sie wuchs hier auf, in einer schweren Zeit, als viele Schweden das Land aufgrund von bitterer Armut verlassen mussten. Doch dieses Mädchen sollte Schriftstellerin werden und viele interessante Bücher schreiben. Sie wurde von einem Schulbuchverlag beauftragt, ein Lehrbuch zu schreiben, was Kindern die Geografie und Kultur Schwedens kindgerecht näherbringen sollte. Ihr Name war Selma Lagerlöf und sie schuf „Nils Holgersson“, ein boshafter Junge, der Tiere quälte und in einen Däumling verwandelt und dazu verdammt wurde mit den Gänsen zu ziehen. Es beginnt eine abenteuerliche Reise durch ganz Schweden… später im Jahr 1909 erhielt sie, auch für Nils Holgersson, als erste Frau überhaupt, den Literatur-Nobelpreis.
Wir verlassen nun Värmland in nördliche Richtung und erreichen die Region Dalarna, das Herz Schwedens. Ferner erreichen wir an diesem Tag auch Svealand, eines der drei Königreiche Schwedens und damit Mittelschweden.
Mora am Silijansee heißt unser Tagesziel. Mora ist pure schwedische Geschichte und Tradition, unweit entfernt liegt Nusnäs am See, woher die berühmten Dalarna-Pferdchen (Dalahäst) stammen und das schwedische Nationalsymbol schlechthin darstellen.
Von Mora flüchtete Gustav Vasa vor seinen Verfolgern (Soldaten des dänischen Königs Christian II.) in die norwegischen Berge. Nach dem Blutbad von Stockholm 1520, vor dem Gustav Vasa gewarnt hatte, besann man sich seiner und versuchte ihn nach Schweden zurückzuholen. Man entsandte Ski Läufer, die ihn im gut 90 km entfernten Sälen auffanden und zurück nach Mora brachten. Anlässlich dieses Ereignisses wird alljährlich im März der größte Volks-Ski-Rennlauf der Welt veranstaltet, eben auf der Strecke Sälen – Mora, genannt Vasaloppet – der Vasa-Lauf. Am Hauptrennen nehmen etwa 15.000 Teilnehmer teil, bei allen Rennen in der Rennwoche sind es ca. 60.000 Teilnehmer.
Von hier wurde Gustav Vasa als Anführer der Schweden bestimmt, bis er drei Jahre später am 6. Juni 1523 in Strängnäs zum neuen schwedischen König gewählt wurde. Einerseits beginnt dann eine neue Dynastie – die Vasa-Dynastie – anderseits wird genau an diesem Tag, das moderne Schweden gegründet, was im Jahr 2026 seinen 503. Geburtstag feierte.
Unser Hotel liegt unweit vom Silijansee entfernt und in der Nähe des Zieleinlaufes des Vasalaufs, samt Vasaloppethuset (Vasalauf-Haus). Ein weiterer Mann, der Mora prägte ist der schwedische Künstler Zorn, der hier in seinem Anwesen arbeitete und entgegen anderen Künstlern es bereits zu Lebzeiten zu erheblichen Wohlstand gebracht hatte. Mora bietet sich förmlich an, für einen gemütlichen Abendspaziergang.

Tag 04 – 19.06.2026 Inlandsbahn: Mora – Östersund, Mittsommerabend

Der ganze Freitag heißt von morgens bis abends „Mittsommerabend“, einer der wichtigsten Feiertage des Jahres. Die unverheirateten Mädchen und Damen sollen heute sieben Blumen pflücken und zu einem Kranz binden, über sieben Bäche springen und über sieben Zäune klettern. Am Ende soll der Blumenkranz während des Schlafens unter das Kopfkissen gelegt werden, dann träumt sie vom zukünftigen Bräutigam.
Am Mittsommerabend ist der einzige Tag im Jahr, an dem auch nachts die schwedische Nationalflagge gehisst bleiben darf.
Am Vormittag werden Blumenkränze aus frisch gepflückten Blumen gebunden und die Mittsommerstange gemeinschaftlich dekoriert und später aufgerichtet. Am Nachmittag wird gesungen und getanzt.
Für unsere Gruppe heißt es heute mit einer Floristin Blumenkränze binden lernen. Denn das ist insbesondere für die Damen heute ein sehr wichtiges Accessoire.
Nach einem typischen Mittsommerabend-Mittagessen mit Krabben und Hering verlassen wir das sonnige Mora und beginnen unsere Fahrt mit der Inlandsbahn, die in Schweden Inlandsbanan genannt wird.
Mit gut 100 km/h saust der Diesel-Triebwagen nun durch Dalarna, wilde Natur aus endlosen Wäldern und tausenden Seen ziehen vorbei, dazu unzählige Wasserfälle und Stromschnellen. Am Nachmittag verlassen wir Dalarna und erreichen die Provinz Gävleborg. Mittendrin im Nirgendwo am Haltepunkt „Fågelsjö“, zu deutsch „Vogelsee“ erwartet uns eine schwedische Midsommar-Fika, eine traditionelle Kaffeepause, natürlich mit traditionellen Zimtschnecken und einem guten Kaffee. Ungewohnt für Mitteleuropa ist der Bahnsteig von maximal 5 Meter Länge, eher an eine Treppe erinnernd an dem genau eine Tür des Triebwagen Platz hat, gefühlt im Nirgendwo. Herrlich!
Unmittelbar nach Abfahrt erreichen wir das Härjedalen, den südlichsten Teil der historischen Landschaft Jämtland. In Sveg überqueren wir die Mankellbron. Sie wurde nach Henning Mankell, einem schwedischen Krimiautor, der hier seine Kindheit verbrachte und Teile seiner Krimis spielen lässt. Er schrieb die Kurt Wallander Romane, benannt nach dem fiktiven schwedischem Polizeiinspektor – ihm zu Ehren heißt die Brücke heute Mankellbron. Einer seiner Krimis thematisiert die Brücke, die auch architektonisch interessant ist, weil sie eine kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke ist. Trifft ein Zug ein, schließen sich die Schranken. Hat der Zug die Brücke überquert folgen wieder die Autos.
Im Wintersportzentrum Åsarna legen wir einen weiteren Stopp ein, für unser Mittsommer-Abendessen, dass in Skandinavien grundsätzlich „middag“ genannt wird.
Anschließend fährt die Inlandsbahn weiter bis nach Östersund, am See Storsjön gelegen, dem größten See Jämtlands, dem fünftgrößten See Schwedens mit einer Fläche, die dem Bodensee entspricht. Unser Bus, der mit unserem Gepäck auf dem Inlandsvägen E45 von Mora nach Östersund gefahren ist, holt uns pünktlich am Bahnhof ab und bringt uns in das nahegelegene Hotel.

Tag 05 – 20.06.2026 Inlandsbahn: Östersund – Arvidsjaur, Mittsommertag

Am heutigen Samstag ist der eigentliche Mittsommertag. Während immer an einem Freitag gefeiert wird, ist der Samstag der eigentliche Feiertag. Meist ein sehr familiärer und ruhiger Tag. Für uns heißt es früh aufstehen, denn die Inlandsbahn wartet nicht. In der 2. Etappe geht es nach Lappland bis Arvidsjaur. Der Zug selbst endet in Gällivare, nördlich des Polarkreises mit Anschluss an den Polar-Express (Stockholm – Kiruna – Narvik).
Östersund, Hauptstadt der Provinz Jämtland, heißt auch „Tor nach Lappland“.
Wir verlassen alsbald Mittelschweden und damit Svealand und erreichen „Norrland“ mit der historischen Landschaft Lappland.
Wichtig zu wissen: In Lappland und nicht nur dort, leben die Ureinwohner Skandinaviens, die sich selbst „Samen“ nennen. Die Eigenbezeichnung lautet „Söhne und Töchter von Sonne und Mond“. Das Gebiet, dass sie seit Jahrtausenden besiedeln, nennen sie „Sapmi“.
Sami leben folglich in Sapmi. Sapmi ist kein eigenständiger Staat und die Samen haben dies auch nie angestrebt. Sapmi erstreckt sich über vier Staaten Norwegen, Schweden, Finnland und Russland. Es gibt viele verschiedene Gruppen, die jeweils eigene Sprachen sprechen.
Grundsätzlich kann man vier Gruppen nach Siedlungsgebieten unterscheiden: Die Bergsamen (Fjellsami) – die klassischen Rentierzüchter, die Seesamen (Sjøsami) – hauptsächlich Fischerleute entlang der Küsten und großen Seen, die Bygdesami – siedeln in festen Dörfern und betreiben Landwirtschaft. Zum Schluss die Waldsamen, sie siedelten in den dichten Waldgebieten Lapplands, entlang der See und Flüsse.
Letztere – die lappländischen Flüsse - dominieren die Landschaft und die Kultur der Menschen. Flüsse trennen Rentiergruppen und Menschen. Anfänglich waren die meisten Sami nicht sesshaft, sie folgten nomadisch als Jäger und Sammler ihren Beutetieren den Rentieren. Es gab bis in die Neuzeit keine festgelegten Grenzen zwischen den Königreichen. Moderne Kriege zwischen den Ostseeanrainern erforderte Festlegungen von Grenzen. Steuereintreiber fanden ihren Weg nach Norden. Da die Grenzen erst nach und nach festgelegt worden, musste die Urbevölkerung oft mehrfach Steuern zahlen, einmal an jenen Herren, das nächste Mal an einen anderen. Das führte schnell zur Verarmung der Bevölkerung. Ihre Steuerschulden konnten sie mit Frondiensten, wie zum Beispiel dem Wegebau abgelten, was die Besiedlung und den Zugang aus dem Süden beschleunigte, da nun Land an Eigentümer verschenkt wurde. Land, das zuvor für alle zugänglich war. Diese Entwicklung veränderte die Samische Gesellschaft. Aus Jägern und Sammlern wurden Rentierzüchter, nicht freiwillig. Sie folgten weiter den Rentiergruppen, die immer zwischen den großen lappländischen Flüssen hin und her wanderten. Lappländische Flüsse entspringen immer in den Skanden, dem Grenzgebirge zwischen Norwegen und Schweden und fließen auf schwedischer Seite fast parallel in südöstliche Richtung, um in den Bottnischen Meeresbusen (Ostsee) zu münden.
Die Namen der Flüsse sind bis heute bedeutsam. Rentiere und die folgenden Sami wandern im Sommer in die höchsten Bergregionen und wandern im Winter die Niederungen mit tiefen Wäldern, immer zwischen zwei Flüssen. Sehr selten überquert man diese. Diese räumliche Trennung bildete unterschiedliche samische Sprachen und jeweils eigene Kultur und Traditionen heraus. Es handelt sich um echte eigene Sprachen, keine Dialekte. Man traf sich traditionell zweimal im Jahr zu großen Rentierscheiden, verbunden mit großen Festen, Märkten bis hin zum Heiratsmarkt. Dass war anfänglich die einzige Gelegenheit für staatliche Steuereintreiber und Missionare Zugang zu den Samis zu erhalten, die sonst weit verstreut, versteckt und autark in den Wäldern und Bergen lebten.
Getrieben durch die protestantische Kirche, wurden von den Schweden sog. „Lappdörfer“ eingerichtet, diese waren auch „Kirchdörfer“, denn es gab später auch eine „Kirchpflicht“. Familien mussten zu kirchlichen Festen in einem festgelegten Dorf erscheinen, dort wartete auch der Steuereintreiber. Nur für diesen Aufenthalt wurden ganze Dörfer errichtet mit festen Hütten, die ausschließlich während der hohen kirchlichen Feiertage genutzt wurden, die sog. Kirchdörfer.
Der Name dieser Orte leitete sich immer von den Flüssen ab und gelten bis heute: Fluss Luleälven – Stadt Luleå, Fluss Umeälven – Stadt Umeå, Fluss Skeleffteåälven – Stadt Skeleffteå und viele weitere. Mit der Inlandsbahn überqueren diese mächtigen und wilden lappländischen Flüsse, die heute durch mächtige Stauanlagen (Wasserkraftwerke) reguliert sind. Zwei Orte tragen die Namen zweier Königinnen, sie heißen Dorotea und Vilhelmina. In Vilhelmina haben wir einen Mittagsstopp, mitten in Lappland. Am späten Nachmittag erreichen wir Arvidsjaur. Direkt in einem Seengebiet gelegen. Besonders sehenswert ist hier die alte Kirchstadt. Da hier sehr viele Waldsamen lebten, besteht das Kirchdorf aus waldsamischen Hütten.
Die Region Arvidsjaur – Arjeplog erlebt jeden Winter eine extreme Verwandlung. Gemeint ist nicht nur der massige Schnee und das Eis. Gemeint ist, dass jeden Winter hunderte von Technikern und Ingenieuren in die Region reisen. Mehrfach täglich gehen große Flugzeuge zum Flughafen Arvidsjaur. Die gesamte Automobilindustrie samt Zulieferer wie Reifenhersteller findet sich ein um die neuesten Fahrzeugmodelle, Reifen, Fahrzeugteile, Sicherheitstechniken auf Wintertauglichkeit zu testen. Nebenbei werden auch die neuesten Werbespots für neue Winterreifen und neue Fahrzeugmodelle gedreht.

Tag 06 – 21.06.2026 Arvidsjaur – Polarkreis – Jokkmokk – Luleå

Heute reisen wir mit unserem Bus auf der E45 weiter nach Jokkmokk. Vor den Toren Jokkmokks erreichen wir den Nördlichen Polarkreis (etwa 66°N 33‘) und damit die Arktis.
Wir befinden uns nun nördlicher als viele Regionen des globalen Nordens. Zum Vergleich Anchorage (Alaska): 61°N, Fairbanks (Alaska) 64°N, Nuuk (Grönland): 64°N, gleiche Breite Reykjavik (Island). Yellowknife (Kanada): 62°N, Jakutsk (Russland), 60°N Whitehorse (Kanada).
In Jokkmokk besuchen wir das Samische Museum Ájtte mit vielen interessanten Ausstellungsstücken rund um die samische Kultur, sowie Flora und Fauna Lapplands.
Wir überqueren erneut den Polarkreis, diesmal nach Süden und folgen dem Tal des Luleälven bis zu dessen Mündung.
Bevor wir die Neustadt von Luleå erreichen, besuchen wir Gammelstaden, UNESCO Weltkulturerbe. Eine der besterhaltenen Kirchdörfer Nordschwedens. Zeit für einen individuellen Spaziergang, Café Besuch und eigene Entdeckungen.
Von der Kirchstadt ist es nicht mehr weit bis in die Neustadt. Skandinavische Landhebung schuf den neuen Siedlungsraum der Neustadt. Unser Hotel liegt unweit der Uferlinie.
Luleå ist Endpunkt der Narvik – Kiruna – Luleå Eisenerzbahn. Ebenso Standort der schwedischen Eisbrecherflotte.

Tag 07 – 22.06.2026 Luleå – Elche – Umeå

Wir beginnen den Tag mit einem Fotostopp an der Ostsee mit Blick auf die Eisbrecherflotte Schwedens. Später überqueren wir den mächtigen Lule-Fluss (Luleälven).
Am Flussufer liegt der Elchpark Camp Wild. Wir bekommen Elche und Rentiere hautnah geboten und erfahren viel wissenswertes über beide Tierarten.
Über die E4 geht es nach Umeå, die Stadt der Birken und Europäische Kulturhauptstadt 2014. Auf halber Strecke, kurz nach dem Jävre Leuchtturm, wählen wir eine wunderschöne Landschaftsroute Rv 364, abseits der E4. Wälder und viele Seen wechseln sich ab. Västerbotten ist die Heimat vieler Köstlichkeiten, berühmt ist der Västerbottenost – Västerbotten Käse. Umeå liegt an der Mündung des Umeälven.

Tag 08 – 23.06.2026 Umeå – Vaasa – Kristinestad – Turku

Am Morgen, noch vor dem Frühstück, bringt uns unser Bus hinaus zum Fährhafen der Vasa Line, die Fähre, die uns nach Finnland bringen wird. Wir wechseln das Land, die Zeitzone und die Währung.
Während der Ausfahrt aus dem Kvarken-Archipel (UNESCO Weltnaturerbe), an Bord der Vasaline, genießen wir unser Frühstück.
In Vaasa angelangt folgen wir der E8 nach Süden. Am frühen Nachmittag besuchen wir die wunderschöne Holzstadt Kristinestad. Typische für die Westküste Finnlands.
Am Abend erreichen wir Turku, die alte Hauptstadt Ostschwedens, heute Westfinnland. Sie ist direkt dem Schärengarten Stockholm zugewandt. Von hier breitete sich die Macht und später auch die Reformation aus. Eine mächtige Stadt und gleichzeitig älteste Stadt auf der finnischen Seite. Zu mächtig für den russischen Zar, der ab 1809 (Napoleonische Kriege) Finnland als Reparation zugesprochen bekam.
Er wusste allerdings, dass die verfeindeten Schweden (Finnland war Teil Schwedens), niemals russifiziert hätten werden können.
Er entschied, mutmaßlich beeinflusst von einer Frau aus Porvoo, dass er Finnland eine Eigenständigkeit zugesteht, sofern die Finnen ihn als Monarchen akzeptieren. In der Folge wurde das Großfürstentum Finnland gegründet, der Kaiser (Zar) von Russland war in Personalunion Großfürst von Finnland. So sollte es bleiben bis zur Oktoberrevolution im Jahr 1917. Eine weitere Bedingung war die Entmachtung Turkus, diese lag ihm zu nah an Schweden. Er entschied, dass das gerade niedergebrannte Helsingfors (Helsinki) die neue Hauptstadt seines Großfürstentums werden sollte. Er beauftragte den deutschen Architekten Carl Ludwig Engel aus Berlin seine neue Hauptstadt zu bauen, genauso wie man Helsinki heute noch erleben kann. Darüber hinaus wurden in vielen weiteren finnischen Städten Gebäude von Carl Ludwig Engel realisiert, die stellenweise stark an das Berlin des 19. Jh. erinnern.

Tag 09 – 24.06.2026 Viking Line – Schärenkreuzfahrt Turku – Stockholm

Auch heute liegt eine wunderschönen Schärenkreuzfahrt vor uns. Am frühen Morgen erreichen wir den Hafen von Turku. Dort besteigen wir die Viking Glory der Viking Line. Es geht durch den zergliederten Turku Schärengarten. Unmittelbar darauf beginnt der Schärengarten der autonomen Provinz Åland. Wir legen in Långnäs an, ein Ausstieg ist jedoch nicht möglich.
Für eine kurze Weile überqueren wir eine offene Wasserfläche des Bottnischen Meeresbusens, bevor wir den riesigen Schärengarten von Stockholm erreichen.
Mitten in der Stadt Stockholm liegt das Fährterminal, dass wir am Abend erreichen.
Unser Hotel liegt im Süden der Stadt.

Tag 10 – 25.06.2026 Stockholm

Bei einer Stadtführung mit einer lokalen Stadtführerin lernen wir die Schönheiten Stockholms kennen. Abschluss ist der Besuch des Vasa Museums und später der Wachwechsel am königlichen Schloss in der Altstadt Gamla Stan.
Die Vasa wurde im 17. Jh. gebaut, beauftragt von Gustav II. Adolf. Leider sank sie bereits bei ihrer Jungfernfahrt im Hafen von Stockholm.
Wäre alles glatt gelaufen, könnten wir dieses Schiff heute vermutlich nicht im Museum bewundern. 98% dieses gewaltigen Flaggschiffes sind original. Sehr beeindruckend.
Auf der Insel Djurgården liegt der Stadtnationalpark Djurgården, umgeben von der Ostsee, mitten im Zentrum Stockholms. Perfekter Plan für ein schwedisches Picknick.
Im Anschluss besteht die Möglichkeit das Freilichtmuseum Skansen zu besuchen, das älteste Freilichtmuseum Schwedens.
Nach dem Abendessen im Hotel besteht die Möglichkeit Stockholm am Abend zu erkunden.

Tag 11 – 26.06.2026 Stockholm – Göteborg

Mit dem Bus geht es südwärts. Wir folgen der E4 bis nach Linköping. Vor den Toren der Stadt liegt der kleine Ort Berg am See Roxen. Hier befindet sich das Kloster Vreta, Schwedens ältestes Kloster. Ebenso liegt der Ort am berühmten Göta Kanal, dem blauen Band Schwedens. In Berg befindet sich die Carl Johan Slussen (Schleuse) eine 7-Kammern-Schleuse mit einem Hub von gut 18 Metern.
Weitere Schleusen folgen im Ort.
Von Berg geht es nach Gränna am Vätternsee, Schwedens zweitgrößter See. Gränna ist bekannt für seine Polkagrisar – Zuckerstangen. Am Nachmittag erreichen wir Göteborg am Götaälven gelegen. Mit der Stena Germanica, der größten RoPax-Fähre der Welt geht es zunächst durch den Schärengarten Göteborgs, hinaus in den Kattegat, später durch den Großen Belt und Langelandsbelt nach Kiel.

Tag 12 – 27.06.2026 Rückreise

Am Morgen erreichen wir die Kieler Förde. Ende Juni findet die Kieler Woche statt, heute die berühmte Segelregatta. Entsprechend hoch ist besonders das Schiffsaufkommen von Segelbooten in der Kieler Förde.

Über Berlin und Leipzig geht es zurück nach Dresden.


In diesem Sinne geht eine erlebnisreiche Schwedenreise zu Ende. Danke für das entgegengebrachte Interesse und Vertrauen.

Danke an unseren Chauffeur Sergey – der Firma SATRA Eberhardt – Danke für die gute Zusammenarbeit und Deinen stetigen Service für die Gruppe.

Bleibt gesund und reisefreudig.

Auf ein Wiedersehen! Bis bald!


Euer

Martin Büchner
Reiseleiter

und das gesamte Team von Eberhardt Travel.

Dresden, 19.07.2026

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