Usbekistan Rundreise
Reisebericht: 30.09. – 09.10.2026
Die Seidenstraße ist mit Mythen und Legenden verknüpft, verbunden mit den Märchen aus 1001 Nacht und der Erzählung über den Medicus. Wir wollen auf dieser alten Handelsstraße Usbekistan entdecken ...
Ein Reisebericht von
Simone Willner
Anreise über Istanbul
Mittags trifft sich Reisebegleiterin Simone mit 16 Gästen am Berliner Flughafen und nach der Kofferabgabe und der Sicherheitskontrolle lernen wir uns schon mal ein wenig kennen. Gemeinsam fliegen wir nach Istanbul, dem großen Drehkreuz für alle asiatischen Destinationen und treffen dort unseren letzten Gast, der aus Düsseldorf angereist ist.
Mitten in der Nach geht es weiter nach Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans, die wir allerdings erst am nächsten Morgen erreichen werden. So heißt es erstmal "gemütlich machen" und den Service der Turkish Airlines genießen ...
Willkommen in der Hauptstadt
Am ganz frühen Morgen erreichen wir Taschkent, die Hauptstadt Usbekistans. Nachdem wir uns durch die Kontrollen begeben und die Koffer abheholt haben, tauschen wir zuerst ein wenig Geld. Plötzlich sind wir alle Millionäre. Für einen Euro bekommen wir immerhin 13.400 usbekische Som. Danach empfängt uns Barno, unsere Reiseleiterin, und begleitet uns ins Hotel, wo wir frühstücken und uns erstmal ausruhen, bevor wir uns am Mittag ins pralle Leben der quirligen Hauptstadt begeben.
In den letzten zwei Tagen hat es geregnet, das erste Mal in diesem Jahr, erfahren wir von Barno. Wir werden, ganz ungewöhnlich für die Hauptstadt, von einem Wolken vergangenen Himmel und vielen Pfützen empfangen.
Nichtsdestotrotz stürzen wir uns am frühen Nachmittag in das Getümmel der Altstadt. Die verschiedenen Facetten von Taschkent sahen wir bereits auf unserem morgendlichen Weg vom Flughafen zum Hotel. Moderne Hochhäuser und Zweckbauten der kommunistischen Zeit wechseln sich ab mit kunstvollen Medresen und Basaren. Etwas mehr als zwei Millionen Einwohner zählt die Hauptstadt heute. Sie blickt auf 2.000 Geschichte zürück. Im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wurde sie erstmals in chinesischen Quellen erwähnt und wechselte unter verschiedenen Eroberern sogar den Namen von Chach, Binkent hin zu Shash. Arabische Streitkräfte nahmen 715 nach unserer Zeitrechnung das Gebiet der heutigen Hauptstadt ein, ihre Truppen wurden allerdings von den Chinesen aufgehalten. Im 9. Jahrhundert folgen Eroberungen durch die Samaniden und 1220 kam Dschingis Khan. Im 14. Jahrhundert fiel der heute zum Nationalheld stilisierte Timur Lenk ein, unter dessen Einfluß Taschkent zu großer Macht und erheblichem Reichtum gelangte. Bereits 1865 kam es zu ersten russischen Aneignungen und nach der Oktoberrevolution 1918 gliederte man Taschkent in die Sowjetunion ein. All diese kulturellen Strömungen haben in der Stadt ihre Spuren hinterlassen und die verschiedenen Einflüsse sind bis heute spürbar.
Bei unserer Stadtrundfahrt erblicken wir riesige gepflegte Parkanlagen und unweit vom Hotel befindet sich der Hazrati-Imam-Komplex, eines der wichtigsten spirituellen Zentren Taschkents. Seine Geschichte reicht über 1.000 Jahre zurück und setzte sich sogar während der kommunistischen Sowjetzeit fort. Die ältesten Gebäude des Komplexes stammen aus dem 16. Jahrhundert, die neueren aus dem 19. Jahrhundert und gerade letztes Jahr ist ein ganz neuer Bau mit goldenen Türen und wundervollen Kacheln fertiggestellt worden, der sich hervorragend in das Ensemble einfügt. In der einstigen Medrese sind heute kleine Handwerkslädchen untergebracht und hier kann man die Atmosphäre des alten Taschkent noch immer spüren. Im Mausoleum des Theologen Kaffal asch-Schaschi sehen wir Pilger aus verschiedenen Ländern, die nur wegen dieses Besuches nach Taschkent kommen und die nebenan befindliche Moschee zum Gebet nutzen. Im Islamischen Institut erhalten Studierende religiöse Bildung und werden bis heute zu Predigern ausgebildet.
Um noch etwas mehr in diesem orientalischen Flair zu schwelgen, statten wir dem Chorsu Basar einen Besuch ab. Hier gibt es alles an Lebensmitteln, Gewürzen, Obst, Gemüse, Korbwaren, Alltagsgegenständen und selbstverständlich gehört auch das Probieren dazu. Gleich am Eingang gibt es einen Stand mit einem Tandir-Ofen, der Somsa bäckt, mit Fleisch oder Gemüse gefüllte Teigtaschen. Die kommen uns gelegen, denn der Magen meldet sich bereits wieder und bei dem Duft können wir sowieso nicht widerstehen. Gleich daneben türmen sich die Gewürze, die zu jedem Bazar gehören in großen Körben vor uns auf, die Nüsse sind kandiert oder pur erhältlich und wir haben Mühe, uns nicht im Kaufrausch zu verlieren.
Nun wollen wir die älteste Metro Zentralasiens ausprobieren und fahren für sage und schreibe 0,18 Cent Fahrpreis mit der blauen und der roten Linie. Die Stationen sind ähnlich wie in Moskau kunstvoll gestaltet. Nun statten wir dem neueren und modernen Teil der Hauptstadt einen Besuch ab und schauen uns das Amir Temur Denkmal auf dem gleichnamigen Platz an. Er war ein zentralasiatischer Militärführer und Eroberer im ausgehenden 14. Jahrhundert, der im heutigen Usbekistan sehr verehrt wird.
Es ist Abend geworden, wir sind pflastermüde und die vielen Eindrücke müssen verarbeitet werden. Im Sim Sim Restaurant finden wir uns zum Abendessen ein, stellen uns einander vor und lassen den Abend bei Wein, Bier, gegrilltem Fleisch vom Spieß und in Schokolade getauchtem Obst ausklingen.
Ein wundervoller erster Urlaubstag geht zu Ende und morgen sind wir sehr gespannt auf Chiva ...
Flug nach Urgentsch – Stadtrundgang in Chiwa – Besuch der Zirkusfamilie Darbo Zschi
Erneut müssen wir sehr früh aufstehen, um den Frühflug nach Urgentsch zu bekommen. Nach einer Flugstunde über die Wüste erblicken wir plötzlich Wasser. Urgentsch liegt am linken Ufer des Amudarja und ist Verwaltungs- und Kulturzentrum der Provinz Choresmien. Gleich nach unserer Ankunft machen wir uns auf den Weg ins sagenumwobene Chiva.
Keine Stadt auf der Welt erfüllt mehr der europäischen Orientfantasien und die Illustrationen der Märchenbücher aus 1001 Nacht scheinen direkt hier entstanden zu sein. Chiva liegt zwischen zwei Wüsten, der roten und der schwarzen an der Grenze zu Turkmenistan. Diese einmalige Stadt mit ihren fruchtbaren Gärten muß den Reisenden der Seidenstraße in längst vergangener Zeit wie eine Fata Morgana vorgekommen sein. Die mächtigen geschwungenen Mauern und Eingangsportale zeugen vom damaligen Reichtum der Oase, als reich beladene Kamelkarawanen hier rasteten. Die historische, komplett restaurierte und unter UNESCO Weltkulturerbe stehende Altstadt Itschan-Kala ist ein absolutes Highlight unserer Reise. Sie ist umgeben von einer gigantischen geschwungenen Festungsmauer. Durch vier Stadttore gelangt man noch heute in sie hinein. Die noch funktionierenden Brunnen im Zentrum zeugen davon, daß die Oase einst an einer Süßwasserquelle gegründet wurde. Besonders faszinierend ist das bunte und nur 28 Meter hohe unfertige Minarett Kalta Minor, welches eigentlich 45 Meter hoch werden sollte. Der Bauherr und Planer fiel allerdings in einer Schlacht und es blieb unvollendet.
Am Morgen laufen wir bis zum Zentralen Platz mit dem unfertigen Minarett, dem Kalta Minor. Die Handwerkskunst, die Schnitzereien, die engen Gassen und die Lehmarchitektur erstaunen und faszinieren uns. Besonders spannend finden wir, daß heute eine weißrussische Regierungsdelegation zu Gast ist, für die man ein Folkloretanzensemble, ein Freiluftbuffet, furchteinflößende Wach-Hühnen mit Karakolschafsmützen an allen Eingängen und ein Orchester organisiert hat. Dem ganzen Trubel wollen wir natürlich beiwohnen, von den Köstlichkeiten dürfen wir sogar probieren und tolle Fotos entstehen.
Im Pachlavan Machmud Mausoleum ruht Machmud, der im ausgehenden 13 Jahrhundert als Kürschner gearbeitet hatte. Gleichzeitig war er allerdings auch Dichter, Arzt und Ringkämpfer. Das Mausoleum entwickelte sich nach seinem Tod zum Pilgerziel und bis heute wird sein Andenken in Ehren gehalten. Nachdem wir im Schatten am Mittag eine Suppe gelöffelt und ein kaltes Bier genossen haben, besuchen wir die Chiva Juma Moschee. Der einstige Bau stammte bereits aus dem 10. Jahrhundert, was heute noch erhalten ist, steht hier seit dem späten 18. Jahrhundert. Die einzigartige Komposition und ihre Symbolik sind typisch für Moscheen in Choresmien. Von außen ahnt man gar nichts vom prachtvollen Inneren. Durch drei Öffnungen in der Decke fällt Licht hinein und auf die 213 geschnitzten Holzsäulen, die eine Atmosphäre schaffen, die wohl jeden Europäer an die Mezquita in Cordoba denken läßt. Einige der ältesten stammen aus dem 10. Jahrhundert und ihre Größe, Formen und Dekorationen variieren und zeugen von der außergewöhnlichen Kunstfertigkeit der Handwerker dieser Stadt.
Am Nachmittag besuchen wir den Regierungssitz Kunja-Ark. Bis 1830 wohnten hier die Khane der Stadt. Bereits aus dem 5. Jahrhundert stammen die ältesten Fundamente der Festung, die heutigen Mauern allerdings wurden erst in der Regierungszeit von Arang Khan im 17. Jahrhundert errichtet. In der Zitadelle sehen wir uns den Palast, einen Wachturm, die Winter- und Sommermoschee, einen Münzherstellungsraum, die Verwaltungstrakte und den Harem an. Danach genießen wir jeder nach seinem Geschmack ein wenig Freizeit in dieser Traumstadt und treffen uns vor dem Abendessen zu einem Spektakel der ganz besonderen Art wieder. Eine traditionelle Seiltänzerfamilie zeigt uns ihre Kunst mitten in der Altstadt von Chiva. Auf einem gespannten Seil führen sie uns akrobatische Kunststücke vor und selbst die jüngsten Familienmitglieder sind dabei und müssen ganz oben, über zwei Männerschultern balancieren - Faszinierend.
Pünktlich zum Sonnenuntergang erwartet man uns auf der Dachterrasse eines Altstadtrestaurants und serviert uns hervorragend schmeckende Meze (Vorspeisen), eine Suppe und die traditionellen Manti, kleine Teigtaschen, gefüllt mit Kürbis und Fleisch. Diese dippen wir in Kaymak, eine Art säuerlichen Schlagrahm. Ein süßes Küchlein mit viel Rosenwasser und Nüssen rundet das Menü ab und am Abend laufen wir andächtig durch die stimmungsvoll beleuchtete Altstadt zurück zu unserem Hotel.
Morgen müssen wir dieses Wunder im Sand leider schon wieder verlassen, wir freuen uns allerdings auf Buchara ...
Fart durch die Kyzylkum–Wüste und Ankunft in der Oase Buchara
Am Morgen müssen wir uns von der faszinierenden Wüstenstadt Chiva verabschieden und machen uns genau wie die Reisenden der alten Seidenstraße auf den Weg durch die Kyzylkum Wüste. Sie erstreckt sich über 300.000 Quadratkilometer zwischen den Flüssen Amudarja und Syrdarja und große Teile befinden sich auf den heutigen Staatsgebieten von Kasachstan und Turmenistan. Kyzylkum bedeutet soviel wie "Roter Sand" und wir erblicken endlos schimmernde Sandflächen, unterbrochen von flachen Kiesebenen, vereinzelt sehen wir sogar Berge. Daß die Wüste lebt, erzählt uns Barno und berichtet von Gazellen, Steppenfüchsen, Wölfen und Schlangen. Im Frühling, so erzählt sie uns, erblühen bei etwas Feuchtigkeit hier tausende wilde Tulpen und verwandeln die Wüste in einen Teppich aus Blumen. Die einstigen Handelsreisenden durchquerten wie wir heute die Wüste jahrhundertelang auf dem Weg von Chiva nach Buchara.
Wir sehen stundenlang nichts als Tamarisken- und Akazienbüsche. Erst jetzt ermessen wir, wie sich die Reisenden der Seidenstraße gefühlt haben müssen, wenn sie nach wochenlangen Wüstendurchquerungen in Chiva ankamen.
Buchara erreichen wir erst am Abend und machen uns im Hotel erstmal ein wenig frisch, um wenig später zum Abendessen aufzubrechen.
Am Hauptplatz der Stadt, Labhi Hovuz ist unser Restaurant. Man serviert uns Borscht und Hähnchen mit Reis und am Ende krönen ein warmer Apfelstrudel mit Rosinen und Eis das Menü. Danach erkunden die meisten die faszinierende Altstadt bei Nacht, genießen ein kühles Bier am Labi Hovuz Platz, lauschen der Livemusik und lassen den Abend gemütlich ausklingen.
Morgen freuen wir uns darauf, die Stadt näher kennenzulernen...
Stadtrundgang in Buchara und Folkloreabend
Genau wie Chiva blickt auch Buchara auf eine über 2.500 Jahre alte Geschichte zurück. Uns empfängt eine Dichte an Palästen, Moscheen, Medresen in der Altstadt und selbstverständlich zählt auch sie zum UNESCO Weltkulturerbe. Wir beginnen unsere Besichtigung am Chor Minor, einer Medrese aus dem 19. Jahrhundert. Dieses Minibauwerk hat vier Minarette mit kleinen blauen Kuppeln, wie der Name schon sagt - Chor Minar. Erbaut wurde es von einem wohlhabenden Bucharaner turkmenischer Herkunft während der Janid-Dynastie. Diese Medrese lag einst an der großen Seidenstraße, damit die turkmenischen Karawanen aus Sharizabs, Karakul und Alat leicht den Weg zu dem Gebäude finden konnten, wo sie sich dann erholen konnten.
In der Altstadt Bucharas beginnen wir unseren Rundgang am Denkmal Hodja Nasreddins. Der Schelm des Orients ist sehr berühmt und beliebt in Usbekistan und wir stehen regelrecht Schlange, da zuerst die Usbeken die Kinder auf seinen Esel setzen, um ein gutes Foto zu machen. Nun besuchen wir einen Messerschleifer und Scherenmacher, danach schnuppern wir an allerlei Gewürzen, sehen den Miniaturmalern über die Schultern und erreichen das Mausoleum der Samaniden aus dem 10. Jahrhundert. Es ist das älteste Bauwerk in ganz Zentralasien und gilt als Musterbeispiel für die frühe islamische Baukunst.
Da es heute ziemlich kalt ist und mehrfach anfängt zu regnen, beschließen wir, vor dem Besuch der Zitadelle eine Teepause in einem nahe gelegenen Café einzulegen und uns erstmal aufzuwärmen. Nach Stärkung und Erwärmung schauen wir uns die Festung Ark, die einstige Residenz der Khane von Buchara an. Gegenüber liegt die Freitagsmoschee Bolo Hauz, die für ihre prächtigen Kassettendecken bekannt ist. Vor ihr sehen wir erneut die wundervoll geschnitzten Holzsäulen, die dem ganzen Ensemble einen persischen Touch verleihen.
Unseren Stadtrundgang setzen wir an der Kalan Moschee fort, wo sich auch das Wahrzeichen von Buchara, das 45 Meter hohe Minarett befindet. Es ragt wie ein Leuchtturm heraus und gab den Karawanen früher Orientierung. Die Lehmziegelarchitektur ist besonders beeindruckend, da jeder Abschnitt eine eigene Ornamentik hat und je nach eigener Position und Lichteinfall in immer neuen Perspektiven erscheint. Beim Bummel durch den alten Basar kommt wieder Orientfeeling auf und damit jeder Gast Zeit hat, ein kleines Andenken auszusuchen, nutzen wir die Freizeit zum Studieren der Preise und Feilschen, nahezu alle kommen mit dem ein oder anderen Souvenir am Abend auf den Labi Hovus Platz zurück.
Wir finden uns im Innenhof einer Medrese aus dem 17. Jahrhundert ein und alsbald beginnen Künstler der lokalen Philharmonie usbekische Musik, Lieder und Tänze aus verschiedenen Regionen wie Buchara, Fergana oder Choresmien zu spielen. Zwischendurch präsentiert man uns Tänze und traditionelle Kleidung. Wenn es nur nicht so kalt und ungemütlich wäre!
Am Ende der Show sind wir sehr froh, im Inneren eines Hamams essen zu dürfen, hier ist es wunderbar warm und der Plov, das usbekische Nationalgericht aus Reis, Rosinen und Lammfleisch erwärmt uns wieder.
Morgen freuen wir uns auf Sonnenschein und Erkundungen in der Umgebung von Buchara...
Erkundungen in der Umgebung Bucharas mit Chor Bakr Mausoleum, dem Palast Sitorai Makhi Khosa und Bahouddin Naqshbandi
Morgens erwachen wir bei gerade einmal 8 Grad und frösteln, allerdings scheint heute die Sonne wieder und frohen Gemüts starten wir in den Tag.
Zuerst besuchen wir das historische Mausoleum von Bahauddin Naqshband, eine bedeutende und heilige Stätte des sufistischen Ordens aus dem 14. Jahrhundert. Viele Gläubige aus aller Welt besuchen diesen Ort und finden hier Ruhe für Gebete und geistige Einkehr. Der Orden pflegt seine mystische Tradition noch heute und das Hauptaugenmerk liegt auf stiller Meditation, sogar Musik ist verpöhnt. Zum ersten Mal sehen wir hier einen muslimischen Friedhof, auf dem viele Naqshbandi-Sufis bestattet wurden.
Nach dem ruhigen Spaziergang durch die Sufianlage stürzen wir uns ins Getümmel des einstigen Sommerpalastes der letzten Emire von Buchara, dem Sitorai Makhi Khosa. Diese Anlage befindet sich etwa vier Kilometer nördlich Bucharas und teilt sich in zwei Bereiche: den alten Palast von Abdul-Akhad-Khan (1892) und den neuen von Sayid-Alim-Khan aus dem Jahr 1917.
Der alte Bereich ist traditionell dreigeteilt mit ein- und zweigeschossigen Gebäuden im Stil von Bucharaer Wohnhäusern. Im neuen Bereich hat man einen Pavillon errichtet und einige versteckte Innenhöfe innerhalb eines weitläufigen Parks. Markant ist der prächtige Empfangsraum. Daneben liegen ein Wohntrakt, ein Lagerhaus und kleine Häuschen. Im sogenannten "Weißen Saal" sind die Wände mit Spiegeln verkleidet, die traditionelle Gittermuster tragen und vom berühmten Künstler Shirin Muradov aus Buchara gefertigt wurden. Die kleinen Palastvillen und Lauben im Garten wurden zwischen 1917 und 1918 erbaut und erinnern uns an eine Mischung aus orientalischen und europäischen Stilen. Etliche Pfaue laufen frei in den Grünanlagen herum. In den Räumen erblicken wir verschiedene Ausstellungsobjekte, die allesamt den Khanen von Buchara von den unterschiedlichsten Botschaftern als Geschenke überreicht wurden. In einem weiteren Palasthäuschen sind goldbestickte Chapans der Emire zu bewundern, die Anfang des 20. Jahrhunderts hergestellt wurden. Nur Männer hatten damals das Recht, Kleider mit Gold zu besticken. Etwas weiter hinter den Gartenpfaden an einem kleinen Teich mit Pavillon lebten die Konkubinen des Khans.
Um die Mittagszeit erreichen wir die Nekropole Chor-Bakr. Dieser Komplex aus dem 16. Jahrhundert gehört, wie so vieles in Usbekistan, zum UNESCO Weltkulturerbe. Chor Bakr bedeutet wörtlich die vier Brüder und wurde nach den vier Nachfahren des Propheten Mohammed aus der Abu Bakr Linie benannt. Der bekannteste von ihnen, Abu Bakr Sa´ad hatte sich bereits im 10. Jahrhundert im Dorf Sumitan niedergelassen und starb im Jahr 970. Pilger begannen, sein Grab, das älteste der ganzen Anlage, aufzusuchen und so entwickelte sich der Ort, lange bevor die heutigen Bauten errichtet wurden.
Die Gebäude, die wir andächtig bestaunen, stammen allesamt aus der Khan Abdullah Khan II. Phase und wurden in den Jahren 1560 bis 1563 als Geschenk an seine Mutter errichtet. Damals entstanden auf dem Pilgergelände eine Moschee, eine Medrese und eine Khanaqah, die um eine Art Hof herum errichtet wurden. Diesen "Hof" umgibt ein Garten mit Zypressen, Platanen, Weiden und Rosensträuchern. Nach dem Tod von Scheich Khoja Juybari im Jahre 1563 wurde Chor Bakr zur Familiengrabstätte der Juybar-Scheichs, allesamt Sufi Meister des Naqshbandi Ordens, der unter Abdullah Khan faktisch Buchara regierte. Diese Familie besaß ganze Städte und Viertel, sie kontrollierten den Karawanenhandel und dienten den Khanen als spirituelle Mentoren. Man vergleicht sie in Europa gern mit den Jesuiten im 17. Jahrhundert, sie waren ein religiöser Orden mit echter politischer und wirtschaftlicher Macht. Nachdem das Mittagsgebet in der Moschee der Nekropole beendet ist, bittet der Imam uns persönlich in die Moschee und begrüßt und freundlich.
Den Nachmittag verbringen wir in Buchara, bummeln durch die Gassen der Altstadt, genießen einen Kaffee in der Sonne am Labi Hovuz und schlendern nochmals zum Kalon Minarett, welches im späten Nachmittagslicht golden schimmert. Kurz vor dem Abendessen versuchen wir unser Glück an der kleinen Synagoge der Altstadt, leider ist sie geschlossen und so können wir sie nur von außen sehen.
Beim heutigen Abendessen probieren wir die einheimische Linsensuppe und bekommen verschiedene Dolma - gefüllte Paprika, Weinblätter und Kohlblätter. Ein Kuchen ähnlich eines kalten Hundes rundet das Menü ab.
Nun ist es dunkel geworden und die Altstadt Bucharas entfaltet mit den vielen Lichtern in der Nacht einen ganz besonderen Zauber. Nachdem wir diesen auf unseren Fotos eingefangen haben, fahren wir zurück zum Hotel und fallen nach so vielen Eindrücken müde in unsere Hotelbetten.
Morgen werden wir ins sagenumwobene Samarkand fahren ...
Shahrisabz – Fahrt nach Samarkand
Am Morgen verabschieden wir uns schweren Herzens von Buchara und seiner wunderschönen Altstadt und machen uns auf den Weg nach Samarkand.
Die Landschaft, die uns heute umgibt auf unserer Fahrt nach Nordosten ist nicht ganz so karg wie in der Kyzylkum. Wir sehen Kühe am Straßenrand weiden, Tromedare begegnen uns häufig und am Straßenrand wird Kamelmilch verkauft. Ab und an erblicken wir sogar Schafe und Ziegen. Die Vegetation ist wesentlich üppiger auf dieser Strecke, besonders oft erblicken wir Baumwollfelder, Apfelplantagen und Weinstöcke. Zur Mittagszeit kehren wir in einem Straßenrestaurant ein, in dem die Einheimischen ihre Mittagspause verbringen und genehmigen uns eine leckere Suppe oder einen hervorragend gewürzten Schaschlikspieß.
Nach unserem Essen erreichen wir die grüne Gartenstadt Shachrisabs. Sie ist bekannt für ihre einzigartigen Baudenkmäler, die allesamt unter der Regierungszeit Amir Timurs errichtet wurden. Ak Saray, der majestätische weiße Palast, die riesige blaue Kuppel der Kol-Gumbaz Moschee, monumentale Ensembles von Dorus Saodat und Dorut Tilovat. All diese Bauten sollten den Geburtsort Amir Timurs in eine zweite Hauptstadt verwandeln, die nicht weniger luxuriös als Samarkand war. Als wir das Gelände erreichen, treffen wir eine große kasachische Hochzeitsgesellschaft, die die Kulisse für ihre Fotos nutzt. Mal wieder werden wir neugierig beäugt und nach dem woher und wohin gefragt.
Diese über 2.000 Jahre alte Stadt Shahrizabz war eine Etappe der alten Seidenstraße, die China und Europa über den Mittleren Osten verband. Im Jahr 2000 wurde sie nicht zuletzt für ihre zahlreichen außergewöhnlichen Bauten und uralten Gebäude, Mausoleen und Moscheen zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt. Hier wurde Amir Timur geboren. Zur Blütezeit im 15. und 16. Jahrhundert dehnte sich das Timuridenreich von Zentralasien bis in den Kaukasus aus. Shahrisabz enthält viele Zeugnisse dieser Zeit, am Ak Saraj Palast können wir uns von der einstigen Größe der Eingangstore in die Stadt eine Vorstellung machen. Nahezu 200 Quadratmeter Fliesen aus glasierter Keramik aus dem 14. Jahrhundert wurden restauriert, die einst den Palast zierten. Die Anlage wirkt heute noch riesig auf uns, auch wenn einige Modernisierungen ihr etliches an Charme genommen haben.
Am Nachmittag haben wir Glück und erfahren, daß wir den Tahtakaracha Paß über das Zarafshan Gebirge nach Samarkand fahren können. Dazu müssen wir auf PKWs ausweichen, unser Bus kann diese enge Bergstraße nicht bewältigen. Dieser Paß war zu allen Zeiten der kürzeste Weg, den die Handelskarawanen der alten Seidenstraße passieren konnten. Bereits Alexander der Große überquerte ihn, die Mongolen, Araber und Perser nutzten ihn ebenfalls. Am Scheitelpunkt auf 1.600 Metern über dem Meeresspiegel machen wir eine Pause und schauen uns neugierig an den Ständen mit Gewürzen, Tee und getrocknetem Käse um. Wir probieren und nehmen Nüsse und Knabbereien mit. Die Landschaft hier am Paß ist wunderschön, majestätische Berge und faszinierende Täler umgeben uns, hier wachsen Kiefern und viele weitere seltene Pflanzen und Sträucher.
Am Abend erreichen wir Samarkand und laufen wenig später gemeinsam zum Abendessen, wo wir uns Fisch und warmen Apfelstrudel mit Vanilleeis schmecken lassen. Morgen wollen wir unbedingt mehr von dieser Stadt kennenlernen...
Diese Straße verbindet die südlich gelegenen Provinzen Qashqadaryo und Shahrisabz mit Samarkand
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