Vietnam und Kambodscha – unterwegs durch Geschichte und Gegenwart
Reisebericht: 26.10. – 14.11.2026
Sie liegen nah beieinander und haben doch ihre ganz eigene Geschichte. Auf unserer Reise erleben wir, wie Vergangenheit und Gegenwart in beiden Ländern auf unterschiedliche Weise zusammenfinden.
Ein Reisebericht von
Monika Cortese
Aufbruch nach Vietnam
Am Frankfurter Flughafen traf ich mich im neuen Terminal 3 mit fast allen Reisegästen unserer Gruppe am Abfluggate. Pünktlich um 14 Uhr starteten wir mit Vietnam Airlines in Richtung Hanoi.
Schon an Bord begegnete uns ein Stück vietnamesischer Kultur: Die Flugbegleiterinnen trugen das traditionelle Áo dài, ein langes, seitlich geschlitztes Oberteil, das über einer Hose getragen wird. Der Service an Bord war gut, und mit dem Bordprogramm ließ sich die Zeit während des Fluges angenehm vertreiben.
So verging der erste Reisetag über den Wolken. Hanoi sollten wir am nächsten Morgen gegen 6:30 Uhr Ortszeit erreichen.
Ankunft in Hanoi
Nach unserem Nachtflug landeten wir am frühen Morgen in Hanoi. Die Sonne war bereits aufgegangen, ihr Licht kämpfte sich jedoch nur gedämpft durch den Dunst über der Stadt. Die Passkontrolle und Gepäckausgabe waren schnell erledigt, und draußen am Flughafen erwartete uns bereits unser örtlicher Reiseleiter Bao. Kurz darauf saßen wir im Bus und machten uns auf den Weg zum Hotel.
Im Hotel angekommen, konnten wir dank des Early Check-ins gleich unsere Zimmer beziehen und frühstücken. Danach blieb Zeit, sich frisch zu machen und ein wenig auszuruhen, bevor wir am frühen Nachmittag zu unserem ersten Besichtigungsprogramm aufbrachen. Inzwischen waren auch zwei weitere Gäste zu unserer Gruppe gestoßen, die bereits eine Woche früher zu ihrem Urlaub in Vietnam angereist waren.
Unser Weg führte uns zum Ho-Chi-Minh-Mausoleum. Bei den Sicherheitskontrollen galten strenge Regeln, und auch bei der Kleidung wurde auf angemessene Bedeckung geachtet: Schultern und Knie mussten bedeckt sein. Die Vorgaben erinnerten ein wenig an die Regeln, die wir von religiösen Stätten kennen. Ho Chi Minh wird in Vietnam als Vater der Nation verehrt und genießt bis heute großes Ansehen.
Das Mausoleum selbst war allerdings wegen der jährlichen Wartungsarbeiten geschlossen. Der einbalsamierte Leichnam Ho Chi Minhs, der normalerweise im Inneren aufgebahrt ist, war deshalb nicht zu besichtigen. Die Anlage und ihre Bedeutung für das Land konnten wir dennoch kennenlernen.
Anschließend besuchten wir die Ein-Säulen-Pagode in der Nähe. Dort erlebten wir auch eine traditionelle Zeremonie, bei der kunstvoll gestaltete Papiergebilde verbrannt wurden, ein Brauch, mit dem den Verstorbenen symbolisch Gaben für das Jenseits mitgegeben werden.
Danach ging es weiter in die Altstadt. Hier zeigte sich Hanoi von seiner besonders lebendigen Seite. Auf den Gehwegen reihten sich Verkäufer mit ihren Waren aneinander, dazwischen wurde gekocht, gebraten und gegessen. Mopeds bahnten sich ihren Weg durch die engen Straßen, und überall gab es etwas zu entdecken. Die Gehwege waren nicht nur zum Laufen da, sondern zugleich Markt, Küche und Treffpunkt. Hier bekamen wir einen unmittelbaren Eindruck vom Alltag der Stadt.
Unsere Spaziergang endete schließlich am Hoan-Kiem-See, einem beliebten Treffpunkt mitten in der Stadt. Nach dem geschäftigen Treiben der Altstadt bot das Ufer eine etwas ruhigere Kulisse, an der sich das Leben der Hauptstadt noch einmal aus einer anderen Perspektive beobachten ließ.
Am frühen Abend kehrten wir zum gemeinsamen Abendessen ein. Nach dem langen Flug und dem erlebnisreichen ersten Tag waren inzwischen alle ziemlich müde. Gegen 19 Uhr waren wir zurück im Hotel, für viele sicher ein willkommener Moment, um sich endlich auszuruhen.
Hanoi zwischen Tradition und Alltag
Unser dritter Reisetag stand ganz im Zeichen Hanois. Am Vormittag besuchten wir den Literaturtempel Văn Miếu, der 1070 gegründet wurde. Die Anlage war zunächst Konfuzius gewidmet; 1076 entstand hier mit der Kaiserlichen Akademie die erste nationale Hochschule Vietnams. Mehrere Innenhöfe, alte Bäume und traditionelle Gebäude verleihen dem historischen Ort eine besondere Atmosphäre.
Im ersten Hof, der mit seinen Bäumen und Grünflächen fast an einen kleinen Park erinnerte, nutzte ein junges Hochzeitspaar die schöne Kulisse für Erinnerungsfotos. Auch einige Schüler ließen sich mit kunstvoll beschrifteten Schriftrollen fotografieren. Solche Kalligrafien stehen unter anderem für Glück, Erfolg und gute Wünsche.
Anschließend erkundeten wir Hanoi zu Fuß und bekamen Einblicke in den Alltag der Stadt. In den Gassen entdeckten wir kleine Reparaturwerkstätten, in denen Elektrogeräte wieder instand gesetzt wurden, statt sie einfach wegzuwerfen. An einem Verkaufsstand gab es sogar Regenwürmer zu einem überraschend hohen Preis zu kaufen. Unser örtliche Reiseleiter Bao erklärte uns, dass diese in Brackwasser gefangen und dann mit Ei, Schnittlauch und etwas Mandarinenschale gebraten werden. Eine für uns ungewöhnliche Spezialität, die in Vietnam offenbar als Delikatesse gilt.
Unser Spaziergang führte uns danach zu einem bekannten Anziehungspunkt in Hanoi: zur berühmten Eisenbahnstrecke, die mitten durch ein dicht bebautes Viertel verläuft. In einem Café direkt am Gleis machten wir es uns gemütlich und warteten auf den Zug. Auf ein Kommando hin nutzten Obstverkäuferinnen und Spaziergänger plötzlich nicht mehr die Schienen, auch die Sonnenschirme der Cafés wurden weggeräumt. Schließlich kam der Zug und fuhr ganz dicht an uns vorbei.
Zur Mittagszeit entschieden wir gemeinsam, die traditionelle Reisnudelsuppe zu probieren. Dazu kehrten wir in eine typische vietnamesische Suppenküche ein. Dort ging es laut und geschäftig zu, wie es für solche Lokale typisch ist. Die Suppe schmeckte vorzüglich und die unkomplizierte Mittagspause kam gerade recht, denn schon bald wartete das nächste Erlebnis auf uns.
Am frühen Nachmittag stiegen wir in die Rikschas. Auch wenn diese Fahrten inzwischen vor allem für Touristen angeboten werden, war es eine schöne Gelegenheit, sich durch die belebten Straßen der Altstadt fahren zu lassen. Aus dieser Perspektive konnten wir das geschäftige Treiben noch einmal ganz anders beobachten.
Danach wollte ich die Gruppe zu einer besonderen Spezialität Hanois einladen: dem vietnamesischen Eierkaffee. Allerdings sollte es möglichst ein Café sein, in dem er besonders gut schmeckt. Bao hatte dafür einen Tipp, der sich als echter Glücksgriff erwies, denn so konnten wir den Eierkaffee nicht nur probieren, sondern auch direkt am Tisch miterleben, wie er zubereitet wird. Die Grundlage bildet kräftiger Kaffee, der mit einer cremigen Mischung aus aufgeschlagenem Eigelb und weiteren feinen Zutaten verfeinert wird. Dieser spontane Zwischenstopp gehörte zwar nicht zum ursprünglichen Programm, war aber eine gelungene Bereicherung unseres Tages.
Anschließend besuchten wir auf unserem Weg einen kleinen taoistischen Tempel, in dem eine weibliche Gottheit verehrt wird. Nur wenige Minuten später standen wir vor einer massiven katholischen Kirche. So begegneten uns innerhalb kurzer Zeit unterschiedliche Glaubenstraditionen, die die religiöse Vielfalt Hanois widerspiegeln.
Ein weiterer Höhepunkt des Tages war das traditionelle Wasserpuppentheater. Die kunstvoll geschnitzten, farbenfrohen Figuren bewegten sich über die Wasseroberfläche, während traditionelle Musik die Szenen begleitete. Die Wurzeln dieser besonderen Kunstform reichen rund tausend Jahre zurück. Ursprünglich führten Bauern im Norden Vietnams ihre Puppenspiele bei Dorffesten auf - häufig in überfluteten Reisfeldern. Das Wasser wurde zur Bühne, auf der die Puppen mithilfe versteckter Stangen und Mechanismen zum Leben erweckt wurden. Bis heute erzählen die Aufführungen vom dörflichen Leben, von alten Legenden und vietnamesischen Traditionen.
Zum Abendessen ließen wir bei vietnamesischen Spezialitäten die vielen Eindrücke des Tages gemeinsam ausklingen. Danach ging es zurück ins Hotel, wo wir uns von einem erlebnisreichen Tag in Hanoi erholen konnten.
Ein Tag in der Halong–Bucht
Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von Hanoi und machten uns auf den Weg zur Halong-Bucht. Je näher wir der Küste kamen, desto stärker prägte das Wasser die Landschaft mit ausgedehnten Brackwasserlagunen, Austernfarmen und Anlagen zur Zucht von Fischen und Meeresfrüchten.
Am Hafen angekommen, wurden wir zunächst in der Empfangslounge von Bhaya Cruises mit einem Getränk begrüßt. Anschließend gingen wir an Bord unserer Dschunke. Nach der Sicherheitseinweisung bezogen wir unsere Kabinen und freuten uns auf das Mittagessen, das an Bord serviert wurde und ausgezeichnet schmeckte.
Während unser Schiff langsam in die Halong-Bucht hinausfuhr, bot sich uns eine beeindruckende Kulisse: Überall ragten die markanten, dicht bewachsenen Kalksteinfelsen aus dem Wasser. Die Bucht gehört zu den eindrucksvollsten Naturlandschaften Vietnams. Für den Nachmittag waren Ausflüge vorgesehen: Besuch in einer Höhle, ein Aufenthalt am Strand und eine Kajaktour. Doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Regen zog auf und wurde schließlich so kräftig, dass die geplanten Aktivitäten nicht möglich wären.
Natürlich waren wir erst einmal etwas enttäuscht. Ich schlug spontan einen gemeinsamen Spielenachmittag vor. Bei einer etwas abgewandelten Form von „Stadt, Land, Fluss“, hatten wir schließlich viel Spaß und es wurde viel gelacht. So wurde der verregnete Nachmittag doch noch zu einem schönen gemeinsamen Erlebnis.
Später lockte die Happy Hour und im Anschluss gab es eine Kochvorführung, bei der wir lernten, wie vietnamesische Frühlingsrollen zubereitet werden. Auch in die Gepflogenheiten des Reisweins mit vietnamesischen Trinkspruch wurden wir eingewiesen.
Am Abend erwartete uns dann ein mehrgängiges Menü, das den kulinarisch gelungenen Tag abrundete. Wer danach noch Energie hatte, konnte sich beim Tintenfischangeln versuchen.
Unser Schiff blieb über Nacht in der Bucht vor Anker. Auch wenn wir die geplanten Ausflüge wetterbedingt nicht unternehmen konnten, war es ein schöner Tag an Bord, mit vielen neuen Eindrücken, gutem Essen und einem geselligen Nachmittag inmitten der einmaligen Landschaft der Halong-Bucht.
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