Unsere Reiseleiter starten in die Saison 2019 – Empathie, Gefühle, Reaktionen

Wie ist das eigentlich, wenn Gefühle zur Arbeit werden? Und wie geht man damit um, wenn man auf Armut und völlig ungewohnte Verhältnisse in anderen Ländern trifft? Was wird sich mit dem Brexit Großbritanniens im Tourismus ändern? Diese und andere Fragen für die neue Saison diskutierten unsere Eberhardt-Reiseleiter bei der Reiseleitertagung 2019 in Dresden.

Von Michael Krause / 12.02.2019
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Derartig wichtige, in der Leitung einer Reise und Führung einer Reisegruppe oft essentielle Fragen beschäftigten das Reisemacher-Team von Eberhardt TRAVEL, das zur Klärung illustre Vortragende erleben durfte, bei der Reiseleitertagung am 7. Februar 2019, die inzwischen traditionell den ersten Jahreshöhepunkt und Beginn der jährlichen Reisesaison darstellt.

Mehr als 100 Reiseleiter sind derzeit für Eberhardt TRAVEL tätig und führen unsere Reisegäste in die schönsten Länder, Städte und Regionen. Unsere jährliche Reiseleitertagung dient immer wieder zum Erfahrungsaustausch, zum persönlichen Gespräch mit Kollegen und zur Diskussion aktueller Themen. Was es an Neuem in der Firma und rund ums Reisen" gibt und wie die Reisemacher und Reiseleiter auf aktuelle Situationen und z.B. neue gesetzliche Anforderungen reagieren sollen, klärte in einem kurzen, prägnanten Gespräch die Chefreiseleitern von Eberhardt TRAVEL, Katrin Deutschbein, mit den versammelten Reiseleitern. 

 

Empathiearbeit im Tourismus - Eröffnungsrede von Geschäftsführer Dr. Uwe Lorenz

Eberhardt TRAVEL Geschäftsführer Dr. Uwe Lorenz sprach in seinem Vortrag über "Empathiearbeit im Tourismus".
Zu erkennen, dass und wie sich Menschen während einer Reise durch die Aufnahme all der durch die Reiseleitung vermittelten Erlebnisse und Erkenntnisse unterwegs verwandeln, gehört nach Dr. Lorenz‘ Ausführungen zum Selbstwirksamkeits-Erleben eines engagierten Reiseleiters.

Reiseleitung ist immer mehr als "bloß ein Job": nämlich Arbeit mit Menschen und deren
Neugier-Bedürfnissen nach Welt-Verfügbarkeit und -Anschauung und die „Belohnungen“ für den Reiseleiter sind vor allem leuchtende Augen, neugierige Fragen und beständige Aufmerksamkeit der Gäste.

 

Es folgten zwei Vorträge und Workshops der Gast-Referenten Dr. Emma Dowling, Politik- und Sozialwissenschaftlerin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, und Dr. Fabian Frenzel, Associate Professor an der University of Leicester in England.

 

 

 

Wenn Gefühle zur Arbeit werden – Vortrag von Dr. Emma Dowling

"Auf Reisen geht man nicht nur mit festem Schuhwerk und gepackten Koffern, sondern auch mit dem Verstand und vor allem mit dem Herzen." Diesen Ausspruch des Schriftstellers Mark Twain könnte man gut dem Beitrag der renommierten Wissenschaftlerin voranstellen, die schon im Vorjahr den Reiseleitertag bereichert hatte.

Einen frischen Wind brachte sie bei ihrem Vortrag zu den emotionalen Spannungsfeldern und Herausforderungen im Tourismus – gleich nach ihrer sachbezogenen Fragestellung: Mit welchen Gefühlen und mit wessen Emotionen müssen Reiseleiter umgehen können und wie machen sie das? – in die versammelte Reiseleiter-Runde.
Mit Erfahrungs- und Ideenreichtum stürzten sich die Reiseleiter engagiert in die Gruppendiskussionen und bewiesen in Sekundenschnelle ihre Fähigkeiten zur Teamarbeit. Im Nu war der Tagungssaal zu einem summenden Arbeitsplatz geworden. Selbst das Leitungsteam aus Vortragenden und Geschäftsführung zeigte sich von der kurz darauf deutlich werdenden Produktivität beeindruckt: in weniger als dreißig Minuten war ein ganzes Universum aus eigenen Gefühlen der Reiseleiter, Hinweise zu den emotionalen Quellen der praktischen Arbeit und zum Umgang damit zusammengetragen.

Als zweites wichtiges Thema wurden Digitalisierung und moderne Technik sowie der Umgang damit und die Frage, ob dadurch die Reiseleitung obsolet wird, diskutiert. Die Ergebnisse konnten sich sehen lassen – als die einzelnen Diskussionsgruppen ihre Ergebnisse präsentierten, wurde hier u.a. deutlich, dass moderne Technik  Reiseleitung ungemein anspruchsvoller macht, geschweige denn ersetzt.

 

 

Wie wird Armut im Tourismus zum Thema? – Vortrag von Dr. Fabian Frenzel, Universität Leicester (England)

Dass Armut ein fest zugehöriger Bestandteil der Realität und weltweit zu beobachten ist, wusste schon der berühmte "Urwaldarzt" und Nobelpreisträger Albert Schweitzer. "Wer die Ärmsten dieser Welt gesehen hat, fühlt sich reich genug, um zu helfen", schrieb er einst und erklärte damit nicht nur seine eigene Motivation, sondern auch einen Umstand, mit dem immer wieder Reisende vor allem bei exotischen Reisen in interessante, aber arme Länder konfrontiert werden. Prof. Frenzel, tätig an der Universität Leicester in Großbritannien, hat das Thema "Rezeption von Armut im Tourismus" zu seinem Forschungsgegenstand gemacht. In seinem interessanten Vortrag dazu klärte er unter anderem die Einbeziehung ärmster Gegenden und Slums vor allem in Brasilien und Südafrika in den Tourismus auf und berichtete über das Für und Wider derartiger Tour-Angebote.

Das Thema ist nicht unumstritten und auch hier profitierten wiederum alle von den Erfahrungen, Erlebnissen und Gedanken der Teilnehmer: nach internen Gruppengesprächen in kleinem Rahmen wurde die Diskussion in der neuen, international beliebten "Fishbowl-Methode" geführt, die größere Teilnehmermengen einbezieht.

Dass hier die Sichtweise der Betroffenen im Land und westliche Lebensansichten aufeinandertreffen, dass gegenseitige Vorurteile, aber auch übertriebenes Mitleid, Unverständnis und sogar Überheblichkeit eine Rolle spielen, wurde rasch klar. Gerade hier Empathiearbeit zu leisten, Einfühlung in andere Situationen zu ermöglichen und eigenes Wissen einzubeziehen, um echtes "Be-Greifen" zu ermöglichen, sollte eine Leistung des modernen Tourismus sein.

 

Abschluss-Diskussion zum bevorstehenden Brexit

Für jeden interessant, der sich mit Tagespolitik beschäftigt, besonders aber für alle, die viel reisen, war der abschließende Teil des Eberhardt-Reiseleitertages, in dem unter Leitung von Dr. Dowling und Dr. Frenzel die Fragen zum bevorstehenden EU-Austritt Großbritanniens beantwortet wurden, die sie vorher von den Reiseleitern in einer „Brexit-Box“ gesammelt hatten.

Die Probleme, mit denen sowohl Großbritannien als auch die bisherigen Partnerländer in der doch prekären Situation zu bewältigen haben, wurden ebenso angesprochen und erläutert wie bange Fragen nach Zusammenhalt des Vereinigten Königreiches (bei eventuellen Separationswünschen Schottlands oder Nordirlands), nach der Behandlung der betreffenden Staatsbürger im dann „anderen“ Lager, was auch die persönliche Lebenssituation unserer beiden Referenten betraf und natürlich nach künftigen Reisebedingungen und Auswirkungen für den Tourismus.

Glücklicherweise waren die Grundstimmung der Teilnehmer ebenso wie die Aussagen der beiden Experten von Optimismus geprägt – wir alle waren letztlich überzeugt, dass sich voraussichtlich die beiderseitigen Einreisebestimmungen und der rege Austausch für Touristen nicht sehr verändern würden: glücklicherweise! Denn keiner von uns möchte gern in Zukunft die britischen Freunde und eines der schönsten Reiseländer in Europa missen!



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