Rundreise Azerbaijan
Reisebericht: 21.04. – 30.04.2026
Der Staat im Kaukasus, dessen Hauptstadt Baku am Kaspischen Meer liegt, ist reich an Öl und Erdgas. Wir wollen dieses recht unbekannte Ziel entdecken ...
Ein Reisebericht von
Simone Willner
Ankunft in der Hauptstadt Baku
Am Morgen trifft sich Simone, die Reisebegleiterin, mit acht Gästen am Leipziger Flughafen. Bei unserem Zwischenstop in Istanbul treffen wir mit den zwei Gästen zusammen, die aus München angereist sind. Wir schauen uns neugierig auf dem riesigen Flughafen um, sehen, wie der türkische Mokka traditionell in heißem Sand mit kleinen Kännchen zubereitet wird, bestaunen Türme aus Baiser und Baklava, verzichten aber auf den Genuß aufgrund der astronomischen Preise, die für all die Köstlichkeiten verlangt werden.
Viel Zeit haben wir gar nicht, wenig später fliegen wir bereits weiter ans Kaspische Meer und landen am Abend in Baku, der Hauptstadt Azerbaijans. Aygün empfängt uns, blitzschnell und reibungslos haben wir unsere Koffer abgeholt und die Paßkontrolle hinter uns gebracht. Uns empfängt eine hochmoderne, hell beleuchtete Stadt, deren Gebäude uns an die Pariser Architektur der 1920er Jahre, russische Zweckbauten und die futuristischen Bauten der Emirate erinnern. Im Hotel angekommen, werden wir herzlich begrüßt und einige wagen noch einen Spaziergang durch die Umgebung.
Uns begegnen alle sehr freundlich und wir werden neugierig gefragt, woher wir kommen. im Laden neben unserem Hotel türmen sich Trockenobst, Tee und Nüsse, sehr schön drapiert. Die Straßen sind blitzsauber, die glitzernden Einkaufsmeilen könnten ebensogut in London oder Paris sein. Unser erster Eindruck macht sehr viel Lust auf mehr ...
Baku mit Altstadt, Qobustan Nationalpark mit Felsbildern und Schlammvulkane
Am heutigen Morgen stößt unser Gast hinzu, der mitten in der Nacht aus Frankfurt angereist ist und unsere kleine Gruppe ist nun mit elf Gästen bereit für das Abenteuer Baku.
Unser erstes Ausflugsziel ist der Qobustan Nationalpark, der etwa eine Autostunde südwestlich von Baku entfernt liegt. Die Schlammvulkane, die wir uns zuerst anschauen, sind weltweit einzigartig und zählen zum UNESCO Weltkulturerbe. Rund die Hälfte aller auf der Welt existierenden Schlammkegel befindet sich hier in dieser bizarren, mondähnlichen Landschaft, wo statt Lava zähflüssiger Schlamm aus kleinen Kratern blubbert. Bevor solch eine Blase nach oben steigt, rumort es in den kleinen Kegeln und klingt für uns wie Seufzer oder Schnarchen. Danach steigt eine klebrige graue dicke Blase nach oben und platzt hörbar. Spannend, finden wir und es sieht fast unreal vor der Landschaft aus.
Im unweit entfernt gelegenen Petroglyphen-Museum machen wir eine Zeitreise in die Steinzeit. Hier hat man mehr als 6.000 prähistorische Felsgravuren gefunden, die Jagdszenen, Tiere, rituelle Tänze und den Alltag der Menschen vor über 12.000 Jahren zeigen. Im Museum informieren wir uns vorher über die Entstehungszeit und die Hintergründe der einzelnen Felsbilder und laufen dann im steinigen Gelände an den Wänden entlang und entdecken die Felszeichnungen, manche sind so schwach, daß Aygün sie erst grün beleuchten muß mit dem Laserpointer, daß wir sie überhaupt entdecken.
Die Mittagszeit verbringen wir in der Bibi Heybat Moschee am Stadtrand von Baku. Die ursprüngliche Moschee stammte aus dem 13. Jahrhundert. Leider wurde sie während der Zeit des militanten Atheismus unter der sowjetischen Besatzung 1936 zerstört. 1990 baute man die nach der Schwester des achten schiitischen Imams benannte Moschee wieder auf und 1997 weihte Heydar Aliyev, der damalige Präsident Azerbaijans, sie feierlich ein. Das Moscheeinnere beherbergt das Grab der Heiligen Hökima Chanum, einer Tochter des siebenten schiitischen Imams Musa al-Kazim. Obendrein befinden sich hier die Ruhestätten seiner Enkelin und zwei seiner Enkel.
In der Iceri Sehar, der Altstadt Bakus schauen wir uns am späten Nachmittag die Reste der historischen Stadtmauer an. Durch die mächtigen Eingangstore betreten wir diesen Teil der Stadt, in dessen Zentrum auf der Spitze eines Hügels der Palast der Schirwanschahs, ein mittelalterlicher Palastkomplex liegt. Das wohl berühmteste Gebäude hier ist der sogenannte Jungfrauenturm, der vermutlich zwischen dem 6. und 12. Jahrhundert erbaut wurde. Daneben sehen wir verschiedene Medresen, Karawansereien und den Hadschi-Gaib-Hamam aus der Safawidenzeit. Dazwischen erblicken wir immer wieder sehr schick anzusehende Gebäude reicher Ölbarone aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts, deren Fassaden ein wenig an Pariser Chic erinnern. Dahinter ragt förmlich die Moderne heraus, die beiden Flame Towers von Baku, die mit ihren modernen Glasfassaden eher an Gebäude aus den Emiraten erinnern, scheinen von der Altstadt aus betrachtet, so gar nicht ins Bild zu passen.
Am Abend kehren wir in einem kleinen Altstadtrestaurant ein, lassen uns frischen Salat mit Granatapfelsauce, Linsensuppe, Grillspießchen und schwarzen Tee schmecken. Einige Gäste probieren lokales Bier und einheimischen Wein und beides schmeckt prima.
Nach diesem Tag voller Eindrücke kehren wir müde und mit vielen Fotos ins Hotel zurück und wollen uns nun erstmal ausschlafen, bevor wir uns morgen dem modernen Teil von Baku widmen werden ...
Feuertempel und Feuerberge auf der Halbinsel Apscheron am Kaspischen Meer
Am Morgen machen wir uns auf den Weg zur Halbinsel Apscheron, wo die Förderung von Erdöl im Jahr 1870 begann und die reich an Salzseen, Mineralquellen und Schlammvulkanen ist. Den ersten Halt legen wir am Yanardag ein, dem sogenannten brennenden Berg. Hier tritt natürliches Methangas am Hang eines Hügels aus und brennt dort ab. Wir stehen vor den Feuern und bei den morgendlichen elf Grad und dem trüben Himmel ist es sehr angenehm, sich hier zu wärmen. Im Souvenirladen werden wir neugierig gefragt, woher wir kommen und die Verkäuferin beschließt, einen azerbaijanischen Tanz abzuspielen und tanzt spontan mit uns gemeinsam durch ihren Laden.
Unweit entfernt vom brennenden Berg liegt der Feuertempel (Ateschgah). Seit Jahrhunderten ist hier ein ewiges Feuer zentraler Bestandteil des Tempels. Umgeben von Ölfeldern gehört die Stätte zum UNESCO Weltkulturerbe. Dieser mittelalterliche Ort der Anbetung ist sowohl Hindus, Sikhs als auch Zoroastrikern heilig. Die Feuerrituale an den zahlreichen Erdgasschächten von Ateschgah gehen auf mindestens das 10. Jahrhundert zurück, obwohl die heutige Anlage erst im 17. und 18. Jahrhundert errichtet wurde. Die Struktur der Anlage ähnelt den Karawansereien der Region mit fünfeckigen Mauern, die einen Innenhof umgeben. In der Mitte dieses Hofes befindet sich ein Altar, in dem Feuerrituale durchgeführt wurden. Um den Altar herum befinden sich eine Reihe kleiner Zellen, in denen die asketischen Gläubigen und Pilger untergebracht waren. Die Historiker sind sich uneinig, ob der Tempel nun als zoroastrisches oder hinduistisches Gotteshaus gegründet wurde. Im Laufe der Zeit hat sich Ateschgah von Baku zu einem überwiegend hinduistischen Gotteshaus entwickelt. Ende des 19. Jahrhunderts, als die indische Bevölkerung in Azerbaijan immer mehr schrumpfte, wurde das Gelände verlassen. Heute wird das Gas für die Feuer künstlich eingeleitet, da die natürliche Versorgung 1969 erschöpft war.
Nach so viel Kultur und Geschichte ist uns nach einem Kaffee zumute und glücklicherweise hat die Frau des Kaffeebesitzers gerade frischen Apfelkuchen gebacken, dem wir nicht widerstehen können.
Am Nachmittag kehren wir nach Baku zurück und widmen uns dem modernen Teil der Stadt. Das sehr futuristisch aussehende Heydar Aliyev Kulturzentrum, welches nach dem ehemaligen Präsidenten benannt wurde, ist unser erstes Ziel. Es wurde in der Zeit zwischen 2007 und 2012 nach den Plänen der Irakerin Zaha Hadid errichtet. Auf rund 100.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche erfreuen wir uns an sehr modernen Kunstinstallationen, riesigen Tierfiguren, interaktiven Musikbeispielen, Tüchern, die vom Winde verweht werden, traditioneller Bekleidung und Teppichen und am Ende unseres Besuches sind wir so voller Eindrücke und geschafft, daß wir im stylischen Museumscafé erstmal einen Kaffee zu uns nehmen, bevor wir weiter fahren.
Die Villa Petrolea ist unsere zweite Attraktion. Dieser Gründerzeitbau gehörte den schwedischstämmigen Nobels, den Brüdern des berühmten Chemikers Alfred, der das Dynamit erfand und später den Nobelpreis stiftete. Die Gebrüder Nobel gehörten im zaristischen Rußland zu einer angesehenen Unternehmerdynastie und gründeten 1876 die Firma Branobel mit Sitz in Baku, deren Ziel die Ausbeutung der dortigen Erdölvorkommen war. Nach dem Ende der russischen Vorherrschaft in Azerbaijan hat man diese Villa liebevoll saniert und man kann darin viele Erinnerungsstücke aus der Zeit des Ölbooms und des wirtschaftlichen Aufblühens Bakus sehen. Wir staunen auch über etliche Haushalts- und Einrichtungsgegenstände, die von der Familie Nobel verwendet wurden, unter anderem eine riesige Bowleschale aus Bleikristall, ein Grammophon, einen gediegenen hölzernen Schreibtisch und wunderschön geschwungene Art Deko Leuchter.
Nun sind wir hungrig und kehren in einem sehr schönen Restaurant ein, wo uns ein hervorragendes Abendessen serviert wird.
Morgen werden wir Baku verlassen und sind schon sehr gespannt, was uns im ländlichen Azerbaijan erwartet ...
Weiterreise in den Kaukasus: Shamaxi und Lahic
Am Morgen verlassen wir die Hauptstadt und fahren gen Westen. Der Nebel hüllt uns völlig ein. Eigentlich hatten wir rechts und links auf schöne Kaukasuslandschaften gehofft, wir sehen allerdings die Hand vor den Augen nicht. Als wir das Diri Baba Mausoleum erreichen, müssen wir uns erstmal orientieren, im dichten Nebel ist es gar nicht auszumachen. Ein alter Friedhof mit uralten Grabsteinen sieht in diesem Dunst aus wie eine Szenerie in Irland oder Schottland. Danach erst entdecken wir das dahinter im Tal an einer Felswand zu kleben scheinende Mausoleum. Es wurde 1402 errichtet und hat nur eine Fassade, während die anderen Seiten im Felsen verborgen sind. Wir kraxeln riesige Stufen hoch, im ersten Stock gibt es eine kleine Halle und eine Kuppel und im zweiten eine Gedenkschrift, die Sheikh Ibrahim I. gewidmet ist. Man hat das Mausoleum nach einer heiligen Person benannt, die hier begraben wurde und deren Körper der Legende nach über lange Zeit erhalten geblieben sein soll.
Da die Außentemperatur gerade noch zehn Grad beträgt, es obendrein nieselt und wir erbärmlich frieren, kehren wir durch die mit dunkelroten Mohnblumen bewachsene Wiese schnell zum Bus zurück und fahren weiter in Richtung Westen. Der Nebel hüllt uns weiterhin völlig ein und bis Shamaxi fallen uns die Augen zu. Diese Stadt liegt westlich von Baku am Pir-Sagat und hat 41.000 Einwohner. Sie war einst die Hauptstadt Azerbaijans. Hier steht die berühmte Juma Moschee, die mit ihrer Gründung im Jahre 734 nach unserer Zeitrechnung eine der ältesten erhaltenen im ganzen Kaukasus ist. Mehrfach ist sie durch Erdbeben beschädigt und danach restauriert worden. Die häufigen Erdbeben und die dadurch zerstörten Bauwerke waren auch der Grund dafür, daß die Hauptstadt von hier nach Baku verlegt wurde. Als wir eintreten, findet gerade das Mittagsgebet statt und wir haben die Möglichkeit, diese Zeremonie einmal zu beobachten.
Nun fahren wir weiter und langsam lichten sich die Nebel. Die ersten schneebedeckten Gipfel des großen Kaukasus ragen am Horizont heraus und die Landschaft wird grüner und grüner. Die Obst- und Granatapfelbäume stehen in voller Blüte, Schafhirten passieren häufig die Straße, sie haben freilich Vorfahrt und rechts und links begegnen uns Kühe, Esel, Pferde und Ziegen. In einem der Dörfer halten wir an und eine Bauernfamilie nimmt uns mit in den Kuhstall, wo wir alle gemeinsam kaum Platz finden. Sie melkt geschickt und schnell die Kuh und danach rührt Simone ein wenig Joghurtansatz in die ab gekochte Milch, um erneut Joghurt herzustellen. Dazu bekommen wir Tee gereicht, der Joghurt mundet allerdings den wenigsten Gästen. Er ist säuerlicher und nicht so cremig wie in Deutschland.
Bei einer Dorfrunde besuchen wir weitere Einwohner, die uns alle neugierig bestaunen und fragen, woher wir kommen. In einem Hof wurde gerade ein Huhn geschlachtet. Der Mann pflückt nun gerade auf der Wiese Blumen, um daraus einen magenberuhigenden Trank zu kochen. Im Gegensatz zu Baku fühlen wir uns innerhalb eines Tages um mehrere Jahrhunderte in der Zeit zurück versetzt.
Nun steht uns eine Umleitung auf einer spektakulären Serpentinenstraße bevor. Die Hauptstraße ist wegen Bauarbeiten eine Woche gesperrt. An einem See machen wir einen Fotostop und genießen den Ausblick und am Nachmittag erreichen wir Basqal, ein historisches Dorf im Gebiet Rayon Ismayilli, etwa 100 Kilometer nordwestlich von Baku am Fuße des Großen Kaukasus. Hier stellt man seit Jahrhunderten Seidentücher (Kelaghayi) her. Wir spazieren hinauf in den Ortskern durch gepflasterte Gassen, an historischen Stein- und Ziegelhäusern mit traditionellen Holzbalkonen vorbei. Im Hamam lernen wir die alte Badekultur der Muslime kennen und in einer kleinen Werkstatt sehen wir die Stempel, mit denen man die Seidentücher und -schals bedruckt. Der Handwerker zeigt uns sogar die Hölzer und Pflanzen, aus denen er die Farben für die Seidentücher gewinnt und von seiner Werkstatt aus hat man einen wundervollen Blick in die Umgebung und auf die Berge.
Nun wird es abenteuerlich. Die Straße nach Lahic, wo wir heute übernachten werden, ist schmal, am Fels gelegen und windet sich am Fluß Girdimancay entlang. Seitliche Begrenzungen gibt es nicht, es geht in den Abgrund hinunter und als wir Gegenverkehr haben, brauchen wir starke Nerven, insbesondere unser Fahrer. Am Abend zum Sonnenuntergang erreichen wir das kleine Landhotel im Ort und beziehen unsere Zimmer. Daß wir nicht mehr in Baku mit allen städtischen Annehmlichkeiten sind, merken wir schnell daran, daß wir Bier und Wein bestellen wollen und die Hotelbesitzer verwundert die Köpfe schütteln. Alkohol gibt es hier nicht. So genießen wir unser Abendessen nur mit Wasser und Tee, fallen müde in unsere Betten und freuen uns darauf, morgen mehr von diesem Ort am scheinbaren Ende der Welt mitten in der tiefen Schlucht kennenzulernen ...
Lahic, Kunsthandwerk und Wein, Gabala und Shekhi
Die Sonne küßt uns heute wach und gleich nach dem Frühstück laufen wir durch den Ortskern von Lahic. Es ist eines der ältesten Dörfer Azerbaijans, im Winter so gut wie abgeschnitten von der restlichen Welt. Hier auf einer Höhe von 1.400 Metern in einer Talebene zwischen den hohen Bergen des Großen Kaukasus ticken die Uhren anders. Die Kupferschmiede stehen morgens zum Plausch erstmal eine Stunde am Dorfplatz und tauschen sich aus, bevor sie gemächlich zu ihren Lädchen gehen und öffnen. Wir hören das Klopfen der Hämmer auf den Ambossen und schauen neugierig durch ihre Fenster. Daraufhin wird ein Gast gleich hinein gebeten und zum Feuer schüren "angestellt". Man holt uns Büsten von Stalin hervor, die von Lenin sind alle an eine Gruppe Engländer verkauft worden, die vor kurzem im Dorf weilte. Der Schmied zeigt uns eine weitere Büste, die wir für das Konterfei von Ernst Thälmann halten, er sagt allerdings, es sei Putin in jungen Jahren. Danach holt er eine Lampe hervor, die uns sehr an Aladins Wunderlampe erinnert. Er reibt daran und entzündet sie - leider kommt kein Dschin raus.
Im nächsten Geschäft ist ein Gewürz- und Teeladen, Safran, Kräuter, schwarzer, grüner und aromatisierter Tee duften verführerisch. Rechts neben uns fließt der Girdimanfluß und hinter ihm ragen die schneebedeckten Gipfel des Kaukasus heraus. Ein ganz bezaubernder Anblick.
Unsere Fahrt führt uns erneut über die abenteuerliche Piste am Abgrund entlang und hinaus aus dem Tal zum Chateau Monolit Chabiant. Dieses bezaubernde Weingut zwischen Qaramanyem und Göycay punktet bei uns sofort mit der traumhaften Aussicht über die Weinreben, die dahinter liegenden schneebedeckten Berge und den herrlichen Pool. Der Winzer begrüßt uns und wir dürfen direkt aus den Tanks zwei exzellente Weißweine, einen hellen Roséwein, zwei Rotweine und einen für Azerbaijan typischen Granatapfelwein probieren. Jeder findet seinen Favoriten und danach steigen wir gemeinsam in den Keller, wo die Eichenfässer lagern. In der Zwischenzeit hat man für uns oben Häppchen vorbereitet und wir erfreuen uns nochmals an den köstlichen Tröpfchen, von denen wir nicht ahnten, daß es sie in Azerbaijan geben würde. Nach dieser fröhlichen Sause wollen wir natürlich Weine mitnehmen und es bildet sich eine Schlange am Tresen. Sahen die Berge vor unserer Verkostung schon malerisch aus, können wir nun nach dem Weingenuß gar nicht mehr an uns halten mit unserer Begeisterung und unser Fahrer muß mit uns extra den Berg hinauf fahren, wo wir die Kulisse nochmal ganz ohne Zäune und Stromleitungen genießen und mit großer Begeisterung viele Fotos schießen.
Danach wird es recht still im Bus, wir erwachen erst wieder, als wir Gabala erreichen. Hier befindet sich Chukhur Gabala, eine Burg und die Ruinen einer antiken Stadt aus dem 4. Jahrhundert. Man hat hier Überreste von Gebäuden, Festungsmauern und Handwerksstätten entdeckt. Am besten erhalten sind die zwei Türme der antiken Stadt, die einst ein wichtiges Handels- und Gesellschaftszentrum entlang der Seidenstraße und Hauptstadt des antiken Kaukasischen Albaniens war. Auch von dieser archäologischen Stätte hat man einen Traumblick auf die maigrünen Wiesen und dahinter liegenden Gipfel des Großen Kaukasus und wir können uns gar nicht so recht auf die Ausgrabung konzentrieren, so beschäftigt sind wir damit, diese Kulisse mit unseren Kameras einzufangen.
Nun ist es schon spät geworden und wir machen uns auf den Weg nach Sheikhi. Diese kleine Stadt liegt am Kishfluß und hat etwas mehr als 60.000 Einwohner. Im Karavan-Restaurant erwartet man uns schon und heute haben wir endlich die Chance, den Plov, ein traditionelles azerbaijanisches Reisgericht mit Kastanien, Rosinen und Fleisch zu probieren. Es schmeckt hervorragend. Als wir gerade unser Mahl beendet haben betreten etwa 50 Türken das Restaurant und nun geht die Party los! Sie tanzen Halay um die Tische herum und ihre gute Laune ist ansteckend. Nach kurzer Tanzeinlage verabschieden wir uns von ihnen, fahren ins Hotel und sind nun gespannt, morgen mehr von der Stadt und ihrer Umgebung zu erkunden ...
Khanspalast und Karawansereien in Shekhi, Ausflug nach Kish
Nach dem Frühstück fahren wir nach Kish. Heute ist selbst unser Kleinbus zu groß für die Gäßchen in diesem Dorf und wir teilen uns auf in alte Ladas und brausen mit atemberaubender Geschwindigkeit durch die engen steinigen Gassen. Mitten im Dorf liegt eine alte albanische Kirche, die von Geheimnissen umgeben und von Legenden durchzogen ist. Einer solchen Legende zufolge wurde die Kirche im 1. Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung erbaut und wäre somit der erste christliche Tempel der Welt. Obwohl Forschungen dies bislang nicht bestätigen konnten, bleibt die Legende populär und fasziniert weiterhin die Besucher. Legenden schreiben den Bau der Kirche dem Heiligen Elia zu, der an einem Ort namens Gish ankam und die Kirche errichtet haben soll, um das Christentum zu predigen. Von 2000 bis 2003 finanzierte das norwegische Außenministerium ein gemeinsames Projekt mit azerbaijanischen Wissenschaftlern zur Untersuchung der Kirche, das sogar die Aufmerksamkeit des renommierten Entdeckers Thor Heyerdahl auf sich zog und so wundert es uns auch nicht, daß sein Denkmal gleich neben der Kirche steht.
Diese Untersuchungen haben ergeben, daß ein Kultort unter dem Altar der Kirche auf etwa 3000 vor unserer Zeitrechnung datiert. Weiterhin fand man heraus, daß das Kirchengebäude wahrscheinlich auf das 12. Jahrhundert zurück geht und zu verschiedenen Zeiten als kaukasisch-albanisch apostolische Kirche innerhalb der georgisch-orthodoxen Kirche gedient haben könnte. Liebevoll eingebettet in Rosensträucher und blühende Tulpen erinnert sie auch uns vom Baustil her an eine in Georgien stehende Kirche.
Nach der Besichigung halten wir spontan an einer traditionellen Tandir Bäckerei. In irdenen Öfen werden Fladenbrote an die Wände des heißen Ofens geklebt, danach noch etwas geräuchert und frisch und warm verkauft. Wir stehen neben den zwei älteren Damen und füllen deren gesamte Bäckerei. Sie lassen sich allerdings durch uns überhaupt nicht stören und kneten fleißig weiter den Teig und beugen sich kopfüber in die Öffnungen der zwei Öfen, um die Brote an die Wände zu kleben. Wir probieren und es ist einfach nur köstlich.
Zurück in Shekhi schauen wir uns die Sommerresidenz der Khanfamilie an. Der Palast liegt inmitten der Zitadelle der Stadt und ist von Burgmauern umgeben. Errichtet wurde er im persischen Stil im 18. Jahrhundert und zusammen mit dem historischen Teil der Stadt 2019 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Der zweistöckige Bau hat insgesamt drei Säle und zwei Vorzimmer in jedem Stockwertk. Im Erdgeschoß befanden sich die Räumlichkeiten für offizielle Anlässe, darüber die privaten Räume und Damengemächer. Die Verzierung der Fenster besteht aus bemalten Lisenen und farbigen Glasplatten. Diese Technik, ohne Nägel und Glas Fenster herzustellen, wird heute noch in Shekhi praktiziert und ist einzigartig. Da die Sonne scheint, werfen die bunten Glasstückchen fantastische Lichtspiele auf den Boden. Alle Innenräume sind mit Malereien, Schnitzereien und Intarsien verziert, die geometrische Muster, Pflanzenmotive und figürliche Szenen darstellen. Wir staunen über die Pracht der Muster und Farben, wundern uns allerdings über die Treppen, sie sind so hoch und unbequem, daß einige unserer Gäste Mühe mit dem Erklimmen haben.
Nun wollen wir diese Technik der Fensterherstellung genauer kennen lernen. Diese Kunst hat ihre Wurzeln im 18. Jahrhundert. Die gläsernen Mosaiksteine werden im Rahmen aus Kastanien- oder Walnußholz eingepaßt. In diesen sogenannten Shebeke können mehr als 14.000 kleine Glasstückchen verarbeitet sein, ohne Kleber oder einen einzigen Nagel! Wir schauen zu, wie uns ein Meister, den einige Gäste bereits aus einer Fernsehdokumentation kennen, zeigt, wie man alles zusammensetzt. Für einen Quadratmeter braucht allerdings selbst er sechs Monate und so wundert es uns auch nicht, daß ein solches Fenster zwischen 8.000 und 10.000 Euro kosten kann. Wir nehmen uns ein ganz kleines von diesen Kunstwerken als Andenken mit nach Hause und laufen durch die Altstadt weiter.
In der Karawanserei aus dem 18. Jahrhundert fühlen wir uns ein wenig wie die Reisenden und Händler, denen sie als Rastplatz auf der antiken Seidenstraße diente, wir ruhen in der Sonne aus, genießen den Garten und die Lichtspiele der Buntglasfenster und als wir die Kamelskulpturen im Hinterhof entdecken, gibt es kein Halten mehr, davon wollen wir unbedingt Fotos! Ein Gast traut sich sogar, sich zwischen die Höcker zu setzen.
In einer Konditorei probieren wir Halva, türkischen Honig und mit Rosenwasser und Honig reichlich gesüßte kleine Küchlein. Die meisten von ihnen bestehen aus Mandeln, Hasel- und Walnüssen und sind mit Pistazien bestreut. Manchen Gästen sind die Kleinigkeiten zu süß aber wir sind uns alle einig - eine Augenweide sind sie in jedem Fall.
Den Nachmittag genießen wir freie Zeit in Shekhi und treffen uns am Abend erst zum Essen wieder. Man kredenzt uns Süzme, eine Joghurtcreme mit Kräutern und eine weitere Creme aus gegrillten Auberginen, Paprika und Tomaten - köstlich. Danach gibt es eine in Tontassen servierte Suppe mit Lammfleisch und Kichererbsen und das marinierte Huhn, was man uns frisch von Grill serviert, zergeht auf der Zunge. Die Süzmecreme ist ab diesem Abend der Renner jedes Abendessens und Aygün kommt mit dem Nachbestellen der kleinen Schälchen oft kaum hinterher.
Morgen werden wir uns auf die Suche nach deutschen Wurzeln im Kaukasus machen, aber vorher ruhen wir uns aus...
Weiterreise durch das Kuratal, deutsche Siedlung Helenendorf (Göygöl) , Ganja
Wir verlassen Shekhi am Morgen und fahren durch das Kuratal. Es erstreckt sich entlang des längsten Flusses des Kaukaus, der Kura bis hin zur Mündung ins Kaspische Meer. Obwohl hier ein trockenes Klima vorherrscht, ermöglicht ein künstlicher See die landwirtschaftliche Nutzung der Region und man baut dank der künstlichen Bewässerung Baumwolle, Wein, Obst und Getreide an.
Nach etwa zwei Autostunden erreichen wir Göygöl. Der Ort mit knapp 20.000 Einwohnern wurde seit 1818 von Deutschen besiedelt, die ihn Helenendorf nannten. Der Prozeß der Umsiedlung dieser Deutschen begann mit den ersten Siedlern aus Württemberg, die sich in der Nähe von Ganja niederließen, wo sie zwei Siedlungen gründeten, 1819 Helenendorf und etwas später Annenfeld. Insgesamt lebten einst 140 Familien in diesem Dorf. 1842 wurde die erste Schule, 1857 eine evangelisch lutherische Kirche gebaut. Die Straßen trugen deutsche Namen. 1870 gründete der deutsche Christopher Vohrer mit seinen vier Söhnen eine Aktiengesellschaft zur Produktion von Wein und anderen Spirituosen, danach noch eine Cognacfabrik, die erste in ganz Azerbaijan. Er allein besaß 30 Weinkeller. Jährlich wurden etwa zehn Millionen Liter Wein und eine Million Liter Cognac verkauft. Nach der Eroberung Azerbaijans durch die Sowjetunion wurden die Privatbesitze der reichsten Familien im Ort beschlagnahmt und man schuf daraus Kolchosen und verstaatlichte alles. Als erstes Dorf im gesamten Kaukasus hatte Helenendorf 1912 bereits Strom und ab 1916 ein funktionierendes Telefonnetz. Deutsche Gründlichkeit eben!
Wir schauen uns zuerst das Wohnhaus der Familie Klein an, Viktor Klein, das letzte Familienmitglied, bewohnte das ganze Haus bis 2007 allein. Danach besuchen wir die Vereinsgelände und die Weinkeller der Familie Vohrer, die erhalten geblieben sind. Zum Glück war gestern eine deutsche Delegation im Ort und hat etwas Wein und Snacks übrig gelassen, so daß wir sogar noch etwas probieren können.
Die Kinder haben zur Mittagszeit Schulpause und kommen in Scharen zu uns gelaufen, wollen wissen, wo wir herkommen und probieren an uns ihre Deutschkenntnisse aus.
Nun fahren wir weiter nach Ganja, der zweitgrößten Stadt des Landes. Sie ist ein historisches Kulturzentrum mit über 330.000 Einwohnern und war früher ein wichtiger Knotenpunkt der Seidenstraße. Wir bewundern zuerst die rote Backsteinarchitektur, das Grab von Javad Khan, die dahinter liegende Moschee und das angrenzende Hamam. Im Stadtpark beschließen wir, eine Teepause zu machen und lassen dort die Szenerie erst einmal auf uns wirken.
Danach laufen wir am alten Parlamentsgebäude vorbei und werfen einen Blick in die Alexander Newski Kirche, die nach dem berühmten russischen Heiligen benannt wurde und sich auf dem Gelände eines alten Friedhofes befindet. Sie wurde im Jahr 1887 ebenfalls aus rotem Backstein in byzantinischem Baustil erbaut und gilt als eine der ältesten erhaltenen orthodoxen Kirchen des Landes. Unter der Sowjetregierung wurde sie 1931 beschlagnahmt und als Museum genutzt. Erst 1946 gab man sie zurück und renovierte sie 2017 anläßlich ihres 130jährigen Jubiläums liebevoll.
Unseren letzten Fotostop legen wir am Flaschenhaus ein. Diese ungewöhnliche zweistöckige Privatresidenz wurde aus 48.000 Flaschen aller Größen 1966 von Ibrahim Jafarov errichtet. Der Bau dieses Hauses wurde dem Andenken an seinen Bruder gewidmet, der aus dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr zurück kehrte.
Am Nachmittag fahren wir zu unserem Hotel, wo wir ein wenig verschnaufen, bevor wir am Abend zu einem nahe gelegenen Restaurant laufen und ein gemeinsames Abendessen genießen. Mindestens fünf Süzme finden reißenden Absatz. :-)
Morgen werden wir zur Hauptstadt Azerbaijans zurück kehren ...
Ganja, Rückreise nach Baku mit Halt an den Ölpumpen und auf dem Yasil Bazar
Im Regen fahren wir heute Morgen los und besuchen zuerst den Imamzade-Komplex in Ganja. Dieses bedeutende islamische Heiligtum ist ein architektonisches Denkmal aus dem 14. Jahrhundert. In ihm befinden sich das Mausoleum von Ibrahim, dem Sohn des fünften schiitischen Imams, sowie Moscheen, Gärten und Grabstätten. Die Göy-Imam-Moschee erinnert uns an Bauten aus Buchara oder Samarkand in Usbekistan, und sie ist mit ihren türkisfarbenen Kacheln und Kuppeln selbst bei dem schlechten Wetter wunderhübsch anzusehen. Noch heute ist sie ein zentraler Wallfahrtsort der Schiiten der ganzen Region. Das im Hauptraum der Moschee integrierte Imamzade-Mausoleum wurde aus roten Ziegeln errichtet. Erst später im 13. bis 16. Jahrhundert wurden kleine Kuppelzellen rechts und links hinzugefügt. Wir weiden uns an den floralen Fliesen und Teppichen, verrenken uns etwas für die Deckenmosaikfotos, bemerken aber, daß sich die von 2010 bis 2016 durchgeführten Rekonstruktions- und Restaurierungsarbeiten von insgesamt 30 Millionen Manat (etwa 15 Millionen Euro) absolut gelohnt haben.
Das unweit entfernt liegende Nizami Mausoleum wurde zu Ehren des weltberühmten azerbaijanischen Poeten und Denkers Nizami Ganjavi erbaut. Das genaue Datum, an welchem das Mausoleum erbaut wurde ist, wie das Todesdatum von Nizami nicht bekannt. Schriftlich wurde es erstmals 1606 erwähnt. Neben dem Zahn der Zeit nagten heftige Kämpfe während des russisch-persischen Krieges im Jahr 1826 an seiner Substanz. Einige Jahre später wurden Restaurationsmaßnahmen durchgeführt, in den folgenden Jahrzehnten verschlechterte sich sein Zustand allerdings zunehmend. 1974 wurde an der Stelle des alten Gebäudes ein neues Mausoleum errichtet und während der Bauarbeiten entdeckte man im Untergrund die Überreste eines uralten Mauerwerks aus dem 13. Jahrhundert - die Überreste des ersten Nizami Mausoleums. Aber auch dieses neue Mausoleum stürzte ein und 1991 erst entstand der heutige Bau mit dem Sarg des Poeten mittendrin. Er lebte im 12. Jahrhundert und seine Werke übten selbst auf Goethe bleibenden Einfluß aus. Er würdigte den Dichter des "Khamsa" (der fünf Epen) als einen "sanften, hochbegabten Geist" und Nizamis orientalische Dichtkunst floß mit in den berühmten "West-östlichen Divan" ein. Unser Lieblingszitat des Dichters ist: " Die Arznei der Welt ist der Wein".
Nun machen wir uns auf den langen Rückweg nach Baku, die Stadtgrenze erreichen wir am Nachmittag. Hier stehen hinter offenen Gittern noch arbeitendende Ölpumpen, die jeden Tag etwa eine Tonne Rohöl pro Pumpe fördern. Dahinter steht ein Bohrturm. Beides schauen wir uns an und machen Fotos. So nah kommt man schließlich nirgendwo an die Ölförderanlagen heran, wie hier in Azerbaijan.
Danach stöbern wir auf dem großen Yasil Bazar nach Kleinigkeiten und Mitbringseln. Hier ist das Obst und Gemüse in Pyramidenform schön drapiert. Verführerisch duften allerlei Gewürze und Tee. Einige Gäste erstehen den teuren Kavier und beim Käsestand erkundigen sich die Verkäuferinnen wieder neugierig, wo wir denn herkommen.
Am Nachmittag erreichen wir durch dicht gedrängten Verkehr unser Hotel und genießen eine kleine Pause, bevor wir mit Aygün gemeinsam zum Abendessen laufen.
Morgen wollen wir nochmals Baku entdecken und hoffen auf halbwegs gutes Wetter ...
Baku mit Teppichmuseum, Abschlußabendessen mit aserbaidschanischen Spezialitäten
An unserem letzten Tag in Baku meint es das Wetter ganz und gar nicht gut mit uns, leider hat sich die schlechte Prognose des gestrigen Wetterberichts bewahrheitet. Bei gerade mal acht Grad, starkem Wind und leichtem Nieselregen wagen wir uns trotzdem nochmals in die Altstadt, einige wollen Teppiche kaufen, andere den Schirwanschah-Komplex herrschaftlicher Bauten auf dem Gipfel der Altstadt besuchen und andere Gäste wollen einfach nur nochmal in der Altstadt bummeln gehen.
Zur Mittagszeit treffen wir uns alle im Hotel wieder und fahren zum Qiz Qalasi, dem sogenannten Jungfrauenturm. Vermutlich gehörte er zur früheren Stadtbefestigung des alten Baku. Sein Alter konnte bisher nicht eindeutig bestimmt werden, eine Inschrift in der oberen Turmhälfte deutet auf das 12. Jahrhundert. Wir steigen die hohen Stufen in dem knapp 30 Meter hohen Turm nach oben. Die Wandstärke am Boden beträgt stolze fünf Meter und je weiter wir nach oben gelangen, desto mehr nimmt sie ab. In den acht innen liegenden Geschossen befinden sich jeweils Kammern und unten ein 21 Meter tiefer Brunnen, der einst die Versorgung der Stadt mit Grundwasser absicherte. Von ganz oben hat man einen fantastischen Blick auf die Kulisse von Baku.
Zur Mittagszeit haben wir beschlossen, ein wenig von der Küche Azerbaijans kennenzulernen und gemeinsam füllen wir Weinblätter mit Hackfleisch, rollen den Teig für die Qutab-Brote hauchdünn aus, rühren gefühlvoll einen salzig-minzigen Ayran aus Joghurt und Wasser zusammen und dürfen natürlich am Ende auch unsere Kreationen selbst verkosten. Unser jünster Reisegast hat den Preis für die dünnsten und perfekt rund ausgerollten Brote gewonnen - einen schwarzen Tee. Alles ist köstlich und die Gäste, die nicht mit Kneten und Füllen wollten, fotografieren zumindest alle Herstellungsschritte genau. Vielleicht werden wir daheim mal etwas davon nachmachen.
Am Nachmittag flanieren wir über den breiten Boulevard am Kaspischen Meer und hätten gern noch eine Pause beim hier gerade stattfindenden Weinfest gemacht. Das Wetter macht uns allerdings einen Strich durch die Rechnung und wir beschließen, uns doch lieber ins beheizte Teppichmuseum zu flüchten. Dieser grandiose Rundbau mit eingerolltem Teppich auf dem Dach beherbergt die weltweit größte Sammlung azerbaijanischer Teppiche überhaupt und wir können uns hier einen guten Überblick über die verschiedenen Knüpftechnicken und Materialen verschaffen. Die Sammlung umfaßt Teppiche aus dem 17. bis 20. Jahrhundert und in der oberen Etage auch Kunst aus der Neuzeit. Dort entdecken wir dreidimensionale Teppiche mit dicken Granatäpfeln und andere, deren Fäden aus dem Kunstwerk herauszulaufen scheinen und sich zu Tropfen formen. Eines allerdings beherbergt auch dieses Museum leider nicht: den sagenhaften fliegenden Teppich.
Jetzt fahren wir den Stadtberg mit der Seilbahn hinauf und schießen ein paar tolle Panoramafotos von Baku und den charakteristischen Flame Towers, drei ikonischen, flammenförmigen Wolkenkratzern. In diesen 2012 fertig gestellten Türmen befinden sich das Fairmount Hotel, luxuriöse Wohnungen und Büros. Im gleich daneben liegenden Upland Park sehen wir die Allee der Märtyrer, eine Gedenkstätte für die Opfer des "Schwarzen Januars" 1990, als sowjetische Truppen in Baku einmarschierten, sowie für die Gefallenen des Bergkarabach-Konflikts.
Die fantastische Aussicht hätten wir gern länger genossen, allerdings ist der Wind hier oben stärker als unten am Meer und bei den verbliebenen und für Ende April völlig untypischen Temperaturen um die acht Grad frieren wir erbärmlich und kehren zum Teppichmuseum zurück, wo man uns ein letztes üppiges und leckeres Abendessen serviert. Wir verabschieden uns von Aygün, unserer Reiseleiterin, die uns zehn Tage durch alle Abenteuer von den Fahrten über schmale Bergstraßen, verlorenen gegangenen Taschen, Reisepässen, Gästen und Geldkarten begleitet hat und dafür gesorgt hat, daß sowohl die Pässe und Geldkarten als auch die verlorenen Gäste immer wieder zur Gruppe und zu ihren Besitzern auf verschlungenen Wegen zurückkehrten.
Auf dem Weg zum Flughafen halten wir nochmal unterhalb der Flame Towers, die in der Nacht wunderschön illuminiert werden. Mit eiskalten Nasen und Händen kehren wir in den Bus zurück und fahren direkt zum Flughafen von Baku, wo sich unsere Wege trennen ...
Heimflug über Istanbul
Ein Gast fliegt von Baku direkt nach Frankfurt mit der Lufthansa, alle anderen Gäste checken sich bei Turkish Airlines vorerst für den Flug nach Istanbul ein. Am frühen Morgen erreichen wir die türkische Metropole und auf dem riesigen Flughafen laufen wir bis zu den internationalen Anschlußflügen weiter. Hier biegen weitere zwei Gäste zum Gate nach München ab und mit allen anderen läuft Simone, die Reisebegleiterin zum Leipzigflieger. Nach einer laaaaaaaaaangen Paßkontrolle trennen sich hier unsere Wege ...
Liebe Reisegäste,
was war das für ein Abenteuer, mit Euch durch ein so völlig unbekanntes Land am Rande des großen Kaukasus zu reisen. Von Baku haben wir einen tollen Eindruck einer Metropole am Kaspischen Meer mit Wurzeln im 8. Jahrhundert und darüber herausragenden Gebäuden moderner Glasarchitektur gewonnen. In abgelegenen Bergdörfern haben wir alte Kirchen und Moscheen bewundert, Khanspaläste wie aus 1001 Nacht bestaunt und auf unserer ganzen Reise sind wir ausschließlich netten, gastfreundlichen und sehr entspannten Azerbaijanern begegnet, die uns bereitwillig ihre Bauernhöfe zeigten, mit uns Teig kneteten oder Tee tranken und aus ihren Privatsammlungen auch schon mal eine Stalinskulptur für ein Foto hervorgeholt haben.
Es war schön mit Euch, Eure Reisebegleiterin Simone
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