Reisebericht: Rundreise durch Litauen, Lettland und Estland

25.07. – 04.08.2019, 11 Tage Rundreise: Vilnius - Trakai - Kaunas - Klaipeda - Kurische Nehrung - Riga - Gauja Nationalpark - Tallinn - Lahemaa-Nationalpark

Elf Tage Hochsommer in sehr entspannter Atmosphäre durch die drei baltischen Länder, Zeit auch für die Kleinigkeiten am Wege und zum Auspendeln.

25./26. Juli- Anreise, Trakai und Vilnius


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In Frankfurt trafen sich alle Fluggäste mit dem Reiseleiter und pünktlich startete der Flug nach Vilnius. Dort erwarteten uns schon unser örtlicher Führer Roland und der Busfahrer. Wir fuhren gleich zum Einchecken ins zentral gelegene Hotel und nach dem Erfrischen auf den Zimmern zur reich mit Stuckfiguren verzierten Barockkirche Peter und Paul. Am nächsten Tag ging es nach dem Frühstück zur Wasserburg von Trakai, der einzigen dieser Art im Baltikum. Sie ist das Wahrzeichen des unabhängigen Litauen und ein Höhepunkt der Reise. Die nur über einen Steg erreichbare Burg wurde der Legende nach schon von Fürst Gediminas als Holzfestung errichtet, die mehrfach abbrannte. Ende des 14. Jahrhunderts errichtete Vytautas der Große die steinerne Burg mit diversen Anleihen beim Deutschen Orden in Stil und Fortifikation, so dass man sich in einer kleinen Ausgabe der Marienburg wähnt. Von hier regierten die Großfürsten ein Land, das von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reichte. Der durch leidvolle Erfahrungen misstrauisch gewordene Vytautas rekrutierte sich von der Krim, denn so weit ging sein Herrschaftsbereich, etwa 400 Familien der Karäer, ein Turkvolk, das im 7. Jahrhundert eine jüdische Sekte gebildet hatte, die sich zwar an der Thora, nicht aber an den Folgeschriften orientierte. Ganz nach dem Vorbild Kaiser Friedrich II. von Hohenstauffen, dessen Leibgarde aus sizilianischen Bergmuselmanen bestand, stellten diese Karäer die Leibwache für Vytautas. Auf dem festländischen Ortsteil sieht man noch ihre giebelständigen Holzhäuser mit den drei Fenstern: eins für Vater im Himmel, eins für den auf Erden und eines für Vytautas. Auch die Kerene, wie ihre Synagoge genannt wird, steht noch. Der abschließende Anblick der Wasserburg im Sonnenlicht war unvergesslich.
Zurück in Vilnius machten wir in einem großen Einkaufszentrum Mittagspause. Dann betraten wir beim Tor der Morgenröte die Altstadt. Unser Spaziergang führte zu den wichtigsten Kirchen und Sehenswürdigkeiten. Genannt seien der Komplex der im 16. Jahrhundert als Jesuitenkolleg gegründeten ältesten Universität Litauens, sowie die Kathedrale am wieder aufgebauten Schloss der litauischen Großfürtsten, von dem aus das Geschlecht der Jagiellonen als Könige der litauisch- polnischen Union eines der größten Länder Europas beherrschten. Es ging zum gotischen Ensemble des Bernhardinerklosters und zur Theresienkirche. Während der anschließenden Freizeit erkundete jeder bei nach seiner Neigung die Stadt.
Abends traf sich die Gruppe, um zum Abendessen zu gehen, das im Restaurant „Berneliu Uzeiga", deutsch: Burschenschänke, gleich am Gediminas-Prospekt gereicht wurde. Die von engagierten Gastronomen wie eine Dorfschänke eingerichtete Braugaststätte verbreitete uriges Flair. Zu Trinken gab es Kwas, der Vorspeise mit Wurst und Käse folgte eine Suppe aus Roter Beete mit Gemüse, Pilzen und Sahne. Anschließend kamen die unvermeidlichen Zeppelinas, fleischgefüllte Taschen aus Kartoffelteig. Es folgten allerhand Kartoffelspeisen. Das alles ließ sich eigentlich nur mit hochprozentiger Verdauungshilfe halbwegs bewältigen. Gut gesättigt klang ein netter Abend aus.

Sonnabend, den 27. Juli- Kaunas und Memel


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Nach dem Frühstück fuhren wir nach Kaunas, wo wir nahe am Rathausplatz ausstiegen. Nicht weit war es zur angeblich längsten Brücke der Welt. Sie verband einst Russland und Preußen und damit zwei unterschiedliche Kalender mit einer Differenz von zwei Wochen. Wir begannen mit der gotischen Vytautaskirche und dem spätgotischen Perkunashaus und gingen dann zurück zum Rathausplatz mit der Kathedrale. Die anschließende Mittagspause fand wieder in einem Einkaufszentrum statt. Dann ging es weiter in unser nächstes Hotel nach Memel. Die Stadt hat unter Kriegen und Sowjetzeit gelitten, doch sind immer mehr bedeutende historische Gebäude zu sehen. Dazu zählt das eher schlichte Herrenhaus, in dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. mit seiner Luise 1807/08 residierte, wodurch die Stadt zur preußischen Hauptstadt avancierte. An diesem Wochenende herrschte allerdings Ausnahmezustand in der Stadt, weil das Fest des Meeres, eines der größten Feste im Baltikum mit rund einer Million Besuchern, gefeiert wurde. Durch abgesperrte Straßen konnten wir unser Hotel anfahren und einchecken. Nach dem Abendessen gaben sich die meisten dem bunten Festtrubel hin. Auf mehreren Bühnen und an Plätzen und Straßen spielten Musiker, an vielen Ständen wurden Waren angeboten und auch das leibliche Wohl kam nicht zu kurz.

Sonntag, den 28. Juli- Memel und die kurische Nehrung


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Vorbei an alten Speichern und kleinen Bürgerhäusern fuhren wir mit dem Bus zum Brunnen der Ännchen von Tharau, die durch das auf sie von Simon Dach gereimte Hochzeitsgedicht und dessen Vertonung populär wurde.
Dann ging es nach nach Nidden auf die kurischen Nehrung, wohin wir zunächst mit der Fähre übersetzen mußten. In Nidden erklommen wir zuerst mit dem Bus die hohe Düne und dann erwartete uns schon ein Boot, das unser Reiseleiter bestellt hatte. Bei traumhaftem Licht schipperten wir über das Haff bis zur hohen Düne an der russischen Grenze. Stimmungsvoll wirkte das Haff in den frühen Sonnenstrahlen und ein guter litauischer Kräuterschnaps ließ wohlige Stimmung aufkommen. Dann spazierten wir durch Nidden und vorbei an bunten Fischerkaten und hin zum Bernsteinmuseum, in dem uns die netten Damen in die Geheimnisse des Bernsteins einweihten. Dann spazierten wir zum Friedhof mit der evangelischen Dorfkirche von 1888 und zum Hotel, das Ende des 19. Jahrhunderts von dem bekannten Mäzen Hermann Blode, dem Begründer der Künstlerkolonie in Nidden, erbaut wurde. Anschließend kamen wir zum Sommerhaus, das Thomas Mann sich vom Nobelpreisgeld 1929 über dem berühmten „Italienblick" hat bauen lassen. Der Bus brachte uns dann zum herrlichen Ostseestrand, wo man baden oder einfach den Strand genießen konnte.

Montag, der 29. Juli- Kreuzesberg und Jugendstil


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Morgens fuhren wir bei herrlichem Wetter zeitig aus der Hauptstadt weg in Richtung Schaulen. Dort besichtigten wir den sogenannten Berg der Kreuze, der 12 km nördlich von der Stadt liegt. Anschließend waren es noch rund 100 Kilometer bis Riga, wobei wir natürlich die Grenze von Litauen nach Lettland passieren mußten, allerdings ohne Halt und Formalitäten. In Riga legten wir im Freizeit- und Gastronomiezentrum Lido eine Pause ein und dann fuhr uns unser zuverlässiger litauischer Busfahrer Taddeus ins berühmte Jugendstilviertel. Wir schlenderten durch die Elisabeth- und die Albert-, sowie die Schützenstraße, wo die schönsten und mittlerweile gut sanierten Bauten zu finden sind. Die markantesten stammen von Michael Eisenstein und seinem als Filmregisseur weltbekannten Sohn Sergej. Dann konnten wir im Hotel, das sehr zentral zwischen der Altstadt, dem Bahnhof und den Markthallen liegt, unsere Zimmer beziehen.

Dienstag, den 30. Juli- Riga


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Heute stand der Tag ganz im Zeichen der Altstadt von Riga, der 1201 gegründeten wohlhabenden Hansestadt an der Daugava oder Düna, nicht weit von deren Mündung in die Ostsee gelegen. Nach dem Frühstück starteten wir unseren Spaziergang in Richtung Petrikirche zum Rathausplatz oder auch Platz der lettischen Schützen mit dem Roland und dem 1999 wieder aufgebauten Schwarzhäupterhaus. Von dort schlenderten wir in die Altstadt zur Jakobikirche, in deren Nähe die als drei Brüder bekannten Häuser stehen, dann zu den Gildenhäusern und durch das Schwedentor zur Stadtmauer und in den Dom, wo um 12 die meisten Gäste einem kleinen Vorspiel der gerade neu restaurierten Walcker- Orgel lauschten. Anschließend unternahmen viele noch eine Bootsfahrt auf der Daugava. Nach der Freizeit traf man sich im Hotel zum Abendessen.

Mittwoch, den 31. Juli- Pracht in Rundale


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Nach dem Frühstück fuhren wir etwa 60 Kilomete weit nach Rundale, dem wohl bedeutendsten adligen Landsitz in den drei baltischen Republiken. Graf Biron, Geliebter und Günstling zweier Zarinnen, hatte ihn gebaut und sein Sohn ihn für seine Gattin Dorothea von Kurland ausgebaut, die als schönste und geistreichste Frau ihrer Zeit galt. Jeder Raum ein Unikat, bildet das Schloss ein selten erhaltenes spätbarockes Ensemble. Unter der Regierung von Zarin Elisabeth war Biron in Ungnade gefallen und musste 22 Jahre in die Verbannung nach Sibirien. Der Besitz ging an Prinz Carl, den Sohn des polnischen Königs aus dem Haus Wettin, August III., also an einen Enkel des starken August. Der verlor wieder alles unter Katharina der Großen, die ihrem Geliebten Suchanow das Anwesen überschrieb. Noch heute führt ein in München lebender Familienzweig den Titel eines Herzogs von Kurland. Der Italiener Rastrelli hatte hier eine ähnliche Pracht walten lassen, wie bei seinen Schlössern in und um Petersburg, genannt sein vor allem Katharinenhof. Nach der hervorragenden Führung konnten sich alle bei schönstem Sonnenlicht im herrlichen nach französischer Manier angelegten Schloßgarten ergehen, der vor allem durch seine 12.000 Rosen berühmt ist. Anschließend gab es in einem so genannten weißen Haus ein leckeres Mittagsmenu. Die Heimreise ergänzten wir noch durch einen Besuch des nahe gelegenen Schlosses Mezotne, deutsch Mezoten, das nun ein Hotel ist. Katharina die Große ernannte Charlotte von Lieven zur Erzieherin des Thronfolgers Pawel und schenkte ihr 1795 den Besitz, den ihr Sohn dann als Zar zum ewigen Familienbesitz erhob. Der Architekt des Zaren, der Italiener Quarenghi, lieferte die Entwürfe für den Bau. Vor allem gefiel die herrliche Umgebung am Fluss und der weitläufige englische Park.

Donnerstag, der erste August- Gauja Nationalpark


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Mit etwas Wehmut fuhren wir weg aus Riga in den Gauja Nationalpark, benannt nach dem Fluß, der sich in die livländische Schweiz geschnitten hat. Erster Halt war die Gutmannshöhle, deren Quellwasser heilende und verjüngende Wirkung haben soll. Anschließend ging es zur Bischofsburg von Turajda, wo wir durch ein großes Parkgelände zur wieder aufgebauten Burg schlendern konnten. Am Grab der Rose von Turajda erzählte Roland uns die Legende dazu. Kirche, Herrenhaus, Wirtschaftsgebäude und ein weitläufiger Skulpturenpark luden zum Verweilen ein. Die Mittagspause legten wir im Hexenort Radana in einem gemütlichen Wirtshaus mit einheimischer Küche ein. In Tallin angekommen konnten wir umgehend einchecken und ein tolles Abendbuffet genießen.

Freitag, der zweite August- Tallin


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Nach dem Frühstück fuhren wir zur großen Sängerbühne, die bis zu dreißigtausend Akteuren und hunderttausend Zuschauern Platz bietet. In diesem Jahr ab dem vierten Juki war sie, wie alle fünf Jahre, Gastgeber des 150. Baltischen Sängertreffens. Von hier ging es in den Stadtteil Pirita, zunächst vorbei am Kloster der Namenspatronin Brigitta, dann in das olympische Dorf der Spiele von 1980. Hier fanden die Segelwettbewerbe der Moskauer Sommerspiele statt und von der Wasserkante hat man einen tollen Blick auf die Altstadt und den Kreuzfahrerhafen.
Dann folgte die fußläufige Stadtführung, beginnend in der Oberstadt mit diversen Villen, der russisch- orthodoxen Alexander- Newski- Kirche und dem alten Dom mit dem Grab des Weltumseglers Krusenstern und unzähligen Wappentafeln alter baltischer Adelsfamilien, deren Wirken auch in unsere Region ausstrahlte, genannt seien nur die Wrangel und Manteuffel. Das so genannte lange Bein entlang ging es dann hinunter in die Unterstadt. Sie erstreckt sich zwischen Nikolai- und Olaikirche, letztere war mit ihrem 31 Meter hohem, Mitte des 15.Jahrhunderts fertig gestellten Langhaus die höchste Kirche des Baltikums, der Turm soll mit über 140 Metern Höhe sogar Weltspitze gewesen sein. Die sehr kenntnisreiche und humorvolle Carmen zeigte uns pittoreske Ecken und Winkel, wie das ehemalige Dominikanerkloster, die vielen Gildenhäuser oder die Jugendstilapotheke in der Piek.
Die anschließende Freizeit nutzte jeder nach seinen Neigungen. In der Nikolaikirche gab es den Totentanz von Bernt Notke aus Lübeck nebst vielen mittelalterlichen Epitaphen und Altären zu sehen, doch lockten auch die zahlreichen auf Mittelalter getrimmten Freisitze und gemütliche Cafés zum Verweilen. Im Hotel traf man sich zum Abendessen.

Sonnabend, der dritte August- Laheema- Nationalpark


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Alle Gäste trafen morgens am Bus auf unsere estnisch- russische Fremdenführerin Katharina, die uns kenntnisreich in die estnische Seele und Befindlichkeit einführte. Im etwa 80 Kilometer entfernten Nationalpark, gegründet 1971 als erster in der Sowjetunion überhaupt, fuhren wir zuerst in ein ausgedehntes Moorgebiet, wo wir eine etwa vier Kilometer lange Wanderung unternahmen. Der Weg war mit Holzbohlen stabilisiert und die Fauna ringsum, sowie die kleinen Teiche, in denen sich die Bäume spiegelten, waren ein wirklich schöner Anblick. Danach lockte im Örtchen Altja zunächst der malerische, aber steinige Ostseestrand und dann ein zünftig traditionelles Mittagessen im alten Dorfkrug des Fischerdörfchens. Es gab als Vorspeise mehrere Sorten Fisch mit Schwarzbrot und dann Speckgraupen, Kartoffelstampf mit Pilzsauce und zum Nachtisch Kuchen. Nach dem Essen fuhren wir zuerst zum Herrensitz von Sagadi, der früher der Familie Lode gehörte und heute ein nobles Hotel beherbergt. Anschließend besichtigten wir den berühmten Herrensitz Palmse, den die Familie der Grafen Pahlen über Jahrhunderte prägte. In der deutschen Geschichte dominiert vor allem Graf Magnus von Pahlen, dem Friedrich Wilhelm III. von Preußen 1807 den Pour le Merite verlieh. Als Generalleutnant nahm er an der Völkerschlacht bei Leipzig teil und wurde nach dem Krieg Generalgouverneur der Provinzen Estland, Livland und Kurland. Bei schönem Wetter konnten wir entspannt durch Herrenhaus, Park und Garten spazieren.
Am späten Nachmittag ging es zurück nach Tallin und am nächsten Tag brachten uns unser Fahrer Tadeusz und Roland zum Flughafen und pünktlich flogen wir nach Frankfurt, wo sich alle trennten.

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