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Rundreise Belgien

Reisebericht: 07.05. – 16.05.2026

Belgien hat keine Gebirge wie die Schweiz, ist kein mediterranes Sehnsuchtsziel wie Italien, hat keine Metropolen wie England oder Frankreich...
Und da wollen Sie hin?

Lutz Finkler

Ein Reisebericht von
Lutz Finkler

© Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL) © Lutz Finkler (Eberhardt TRAVEL)

Nach Leuven

Der große Bus wies für 21 Gäste nur 24 Sitze auf, was schnell als besonderer Komfort geschätzt wurde. So ließ sich die lange Strecke von Dresden bis nach Leuven aushalten. In Gera waren wir schon komplett, und so konnten einige Fakten über Belgien mitgeteilt werden.
Ja, weshalb will man nach Belgien? Weil es ein an Kultur reiches Land ist, mit Kathedralen auf dem platten Land, mit Museen, die das beste an abendländischer Kunst zeigen, mit hunderten von bunt etikettierten Biersorten, mit erlesener Schokolade und Pralinen. Wer einmal richtige belgische Fritten gegessen hat, wird sich wundern, wie so etwas schmecken kann. Das Land, das es erst seit der politischen Neuordnung Europas nach Napoleon gibt, seit 1830, ist ein Zentrum Westeuropas, und schließlich wird Europa ja unter anderem auch von Brüssel aus regiert.
Belgien ist dicht besiedelt und hat knapp 12 Millionen Einwohner. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf bedeutet weltweit Platz 17, einen Platz vor Deutschland. Es gibt drei Regionen: Flandern, Wallonien und Brüssel. In der ersten wird Niederländisch gesprochen, in der zweiten Französisch. Brüssel ist zweisprachig.
Wir würden alle überregional bekannten Städte Flanderns zu Gesicht bekommen, mit ihren Liebfrauenkirchen, Rathäusern, Tuchhallen, Belfrieden, Beginenhöfen und Marktplätzen. Dazu eine Grotte, einen Garten, Schokolade, Bier, Parfüm und Schinken. Und wir würden mehrmals auf dem Wasser sein, einmal sogar unterirdisch.
Abends kamen wir, ohne größere Verkehrsprobleme gehabt zu haben, in der Universitätsstadt Leuven an, wo wir für mehrere Tage das Novotel bezogen.

In Antwerpen

Antwerpen umfasst den nach Brüssel größten Ballungsraum Belgiens mit über einer Million Einwohnern. Die Hafen- und Diamantstadt hat eine beeindruckend schöne Altstadt. Am Ufer der Schelde begannen wir unseren Rundgang, dort, wo die martialische Burg "Steen" einst die mittelalterliche Stadt beschützt hat. Um den Groote Markt mit seinen Zunfthäusern (deren Fassaden allerdings oft Remakes aus der Zeit um 1900 sind) erstreckt sich das alte Zentrum. Hier dominiert die im 14. Jahrhundert entstandene siebenschiffige Liebfrauenkirche- nicht nur die größte gotische Kirche Belgiens, sondern der gesamten Niederlande, mit einem 123 m hohen filigranen Turm (erst 1521 fertig). Mehrere Gemälde von Rubens, dem großen Malersohn der Stadt, finden sich im Gebäude, am spektakulärsten wohl die Kreuzabnahme. Gegenüber das große Rathaus der Stadt und unweit das Vleeshuis, Stolz der Fleischergilde, um 1500 errichtet. Überall begegnen einem die Zeugnisse der Wirtschaftskraft, die sich besonders im 15. Jahrhundert entfaltete, als Antwerpen Brügge den Rang abzulaufen begann. 1565 kratzte die Stadt bereits an der 100.000-Einwohner- Marke und war damit viel größer als z.B. Köln, der damals größten Stadt Deutschlands. Der mitten auf dem Marktplatz stehende Brabobrunnen von 1887 thematisiert die Entstehungslegende der Stadt: der wackere Held Silvius Brabo hackte dem den Ort terrorisierenden Riesen Druon die Hand ab und warf sie in die Schelde ("Hand werpen").
Einige schafften es noch bis zum riesigen Bahnhofsgebäude von 1905, einem prächtigen neobarocken Industriepalast.

Gegen Abend flanierten wir noch durch die "gute Stube" der Universitätsstadt Leuven, dem kleinen Marktplatz, der dominiert wird von der großen Peterskirche und besonders vom filigranen Rathaus, einem "Schmuckkästchen". Oder soll man es Reliquienschrein nennen? Es ist über und über verziert mit Ornamenten und Skulpturen (letztere aus dem 19.Jahrhundert), und statt einem dominanten zentralen Turm wie z.B. in Brüssel hat es sechs kleine Türmchen an den Seiten. Die Rathäuser, meistens aus der burgundischen Zeit der Prosperität (15.Jh.), sind überall prächtig in Belgien. Auch Börsen, Tuchhallen, Fleischhallen, Handelsniederlassungen und Sozialeinrichtungen wie die Beginenhöfe zeugen von der frühen Kraft des Bürgertums. Schließlich wartet Leuven mit einer Reihe Kollegbauten auf, die sich vor allem an der Naamse Straat aufreihen.

Erster Abstecher in die Wallonie mit einer Grotte, Schinken und Schokolade

Bereits am dritten Tag der Reise besuchten wir die Wallonie, wo es ganz anders als "platt" zugeht. Man erhält den Eindruck, wie unterschiedlich die Landschaften eines so kleinen Landes sein können. Schwer vorstellbar, in Antwerpen eine Tropfsteinhöhle wie in Remouchamps vorzufinden!
Die Grotten hier sind eine beeindruckende unterirdische Welt. Man geht erst auf und ab, einige hundert Meter weit, und wird dann auf einem Kahn zurückgefahren. Der kleine Fluss heißt aber nicht Styx, sondern Rubikon.
Später sah uns die Schinkenräucherei Montenauer in den deutschsprachigen Ardennen, und noch später erreichten wir Verviers mit seiner berühmten Schokoladenmanufaktur des Jean-Philippe Darcis. Im Museum erfährt man die Geschichte und Verarbeitung der Kakaobohne und erlebt, wie feinste belgische Schokolade entsteht. Essen kann man auch davon.

In Brüssel

Der Sonntag war ideal zur Erkundung der belgischen Hauptstadt, weil die Staus in dieser Stadt etwas weniger dramatisch ausfielen als werktags. Trotzdem brauchten wir mit dem Bus, in dem uns die örtliche Führerin etwas über Brüssel erzählte, über eine Stunde vom Weltausstellungsgelände bis an den Rand der Innenstadt.
Zunächst sahen wir uns auf dem Weltausstellungsgelände von 1935 und 1958 um, wo riesige Bauten zwischen Monumentalismus und Moderne die Szenerie beherrschen. Das ganze Gelände macht ein Viertel der Fläche Brüssels aus und ist von Parks durchzogen. Höhepunkt ist natürlich das 1958 errichtete Atomium, hundert Meter hohes Wahrzeichen des Ortes. Neun Kugeln von je 18 m Durchmesser, verbunden durch Röhren, stellen die zig-milliardenfache Vergrößerung eines Eisenkristalls dar und zeigen, dass die "friedliche Nutzung" der Kernenergie zu der Zeit überall im Mittelpunkt stand.
Wir stiegen an der Kathedrale aus und passierten die beeindruckenden Galeries St. Hubert, eine sehr frühe Eisen-Glas-Konstruktion von 1847, klassizistisch verkleidet. Am anderen Ausgang ist man schon fast auf der Grand´ Place, dem Marktplatz, der zu den prächtigsten Plätzen Europas zählt. Dominiert wird er vom gotischen Rathaus mit seinem 97 m hohen Turm, das schon Albrecht Dürer bewunderte. Man glaubt nicht, dass es auf diesem Platz jemals einen Schaden gegeben haben könnte, dabei hat Ludwig XIV im Jahr 1695 hier alles zusammenschießen lassen. Der Magistrat, schon damals um ein repräsentatives Erscheinungsbild bemüht, ließ den Platz, diesmal mit Barockfassaden, schöner als zuvor bebauen. Unweit, in einer Nebenstraße, gab es das übliche Gedrängel um den "Manneken Pis", einen nur 50 cm großen Bengel, der diesmal mit einem rumänisch anmutenden Kleidchen behängt war.
Wir zerstreuten uns an der Börse, zusammen mit dem Justizpalast das markanteste Gebäude des Historismus in Brüssel und darüber hinaus. Schon von weitem, am Museumshügel mit dem Schlosspark und dem Europaviertel vorbei, sieht man den Justizpalast, hundert Meter hoch und dazu noch auf einem Hügel gelegen. "Vor dem Gesetz mögen alle Menschen gleich sein, vor dem Brüsseler Justizpalast sind sie alle gleich kümmerlich", schreibt treffend der Autor des Dumont-Reiseführers.

Wieder nach Wallonien, diesmal über Waterloo zu einem Schiffshebewerk und nach Namur

Südlich von Brüssel liegt Waterloo, bekannt durch die endgültige Niederlage Napoleons gegen Wellington, Blücher und andere. Tausende ließen auf beiden Seiten ihr Leben auf einer Fläche von etwa 20 qkm. Heute gibt es hier ein Museum, in dem uns die örtliche Führerin aufschlussreich von den Hintergründen der Schlacht erzählte. Blickfang ist daneben der markante Löwenhügel, aufgeschüttet als Memorial bereits 1826. 226 Stufen führen hinauf.
Weiter südlich befindet sich das Schiffshebewerk Strépy-Thieu. 2002 nach zwanzigjähriger Bauzeit vollendet, ist es das größte seiner Art in Europa. Mit ihm lässt sich die Wasserscheide Maas- Schelde (73 m) überqueren. Das Hebewerk ist 117 m hoch.
Namur liegt malerisch an der Maas und wird von einer gewaltigen Festung, über Jahrhunderte errichtet, beherrscht. Dort fuhren wir mit einer Seilbahn hinauf. Etwas unterhalb der Bergstation liegt in einem Gebäude der Festung die Parfümerie Guy Delforge, wo wir interessante Geruchsproben vornehmen konnten.

Annevoie und Dinant

Noch einmal ging es in die Wallonie, ins Maastal, diesmal angefangen mit den Gärten von Annevoie. Hier ist eine spektakuläre Wasserkunst zu bewundern, mit über 50 Brunnen, zudem Kaskaden, die nur dank des natürlichen Gefälles funktionieren. Pumpen waren nicht notwendig. Der Garten, der ab 1758 unter Charles-Alexis de Montpellier errichtet wurde, vereint italienische Elemente (Geometrie) mit französischen (Illusionsachsen) und auch bereits englischen (Sinnlichkeit; alles scheint wie natürlich gewachsen). Seit 1930 ist der Garten für das Publikum geöffnet. Wie traumhaft wäre es gewesen, hier schönes Wetter zu haben, aber seit Tagen wüteten die Eisheiligen!
Dinant, am Fuße einer Festung und beeindruckenden Felsen malerisch an der Maas liegend, hat dadurch eines der beeindruckendsten Ortsbilder der Wallonie. Hier befuhren wir die Maas auch auf einem Boot. Die Kommentarkonserve war tatsächlich auf Deutsch - weil außer uns so gut wie keine anderen Gäste auf dem Schiff waren.
Schließlich stiegen wir hoch zur Brauerei Leffe, wo der Höhepunkt natürlich die Bierverkostung war.

Gent

Wir luden nun wieder die Koffer in den Bus, weil wir am Abend in unserem nächsten Hotel, in Brügge, sein würden.
Doch erst einmal stand Gent auf dem Programm. Auch Gent gehört zu den spektakulären Orten Flanderns. Der Geburtsort Karls V ist, wie einige andere auch, durch den Tuchhandel reich geworden. Bereits im 14. Jahrhundert gehörte Gent zu den größten Städten Europas. Zahlreiche Kirchtürme und die Bebauung um das Hafenbecken am Korenlei und Graslei (teilweise romanisch! Und auf den Titelseiten vieler Reiseführer zu finden) sorgen für das besondere Ortsbild. Eine weitere Vertikale bildet die Tuchhalle mit ihrem Belfried, und markant ist auch das gewaltige Rathaus mit einer ganzen Reihe von Baustilen.
Die Kirche St. Bavo beinhaltet auch eine ganz besondere Attraktion: den Genter Altar der Brüder van Eyck von 1432. Die Bilder um Verkündigung, Anbetung des Lammes und der musizierenden Engel mit ihrer strahlenden Farbigkeit und der verblüffenden Detailtreue gehören zu den großen Gemälden des Spätmittelalters und des Abendlandes überhaupt.

Nachmittags stiegen wir noch kurz in Damme aus, einst eine reiche Stadt und bis zur Versandung der Hafen von Brügge. Die winzige Stadt zeigt einen Ort, an dem die Zeit stehen geblieben ist. Die Kirche ist zum Teil als Ruine stehen geblieben.

Brügge

Auch in Brügge begrüßte uns scheußliches Wetter, doch beim morgendlichen Rundgang vergaß man es von Zeit zu Zeit, da das, was man in dieser großen "Puppenstube" zu sehen bekam, so außergewöhnlich war. Brügge ist (wie Siena in Italien) einer der malerischsten Orte in Europa, doch das, was heute Touristen in Massen anzieht, ist eigentlich Zeichen eines Niedergangs im 15. Jahrhundert. So blieb die Stadt großteils in einem Bild des Spätmittelalters erhalten. Außerhalb des gigantischen Turms der Tuchhalle und eines weiteren "Schmuckkästchens" (des Rathauses), außerhalb der beeindruckenden Bauten der Liebfrauenkirche und der Kathedrale - wird das Ortsbild weitgehend von kleinen zweigeschossigen Häuschen geprägt. Von der einstigen Bedeutung der Stadt, in der viele Städte von Florenz bis Hamburg und Bergen Niederlassungen hatten (selbst der Name "Börse" entstand hier), zeugen auch die ausgedehnten Sozialeinrichtungen wie das St. Jans-Krankenhaus und der große Beginenhof, kleine Städte in der Stadt. Die Beginen waren Frauen, die weder verheiratet noch Nonne sein wollten-ein Zeugnis frühen Selbstbewusstseins, das dem Papst so gar nicht gefiel.
Nach einer kalten Kanalfahrt war nichts mehr zu besichtigen, denn alles war abgesperrt für den Heilig-Blut-Umzug, dem größten Event Brügges. Mittelalterlich verkleidet oder wie zu Zeiten Christi angezogen, schien die halbe Einwohnerschaft Brügges lauthals durch die Straßen zu ziehen, und das schier endlos. Mehrere Christus´ verkörperten mehrere Stationen seines Passionsweges, begleitet von Pferden und Schafen.
Da die Darsteller zum Teil auch Jesuslatschen trugen, dürften sie froh gewesen sein, dass wenigstens der Regen aufgehört hatte.
Der Abend wurde beschlossen durch einen Besuch des Restaurants "De Halve Maan" (Zum Halbmond), Ort auch der einzig verbliebenen Brauerei der Stadt.

Kortrijk, Ypern und Veurne

Unsere letzte Rundfahrt in Westflandern brachte uns zunächst die Stadt Kortrijk näher. Hier handelte es sich einmal nicht um eine Gute Stube oder Puppenstube, sondern um eine Stadt, die im Krieg große Zerstörungen erlitten hat. So stehen Bauten wie die dicken Festungstürme (Broeltürme), der Belfried und das Rathaus wie Einzelmonumente in veränderter Umgebung. Unser Führer Frank Augustyn machte aber ein wirkliches Erlebnis daraus - etwa indem er uns in die reich geschmückten Ratssäle führte. Auch in Kortrijk gibt es einen weit verzweigten Beginenhof, in dem uns als großes Finale dann noch ein Hagelschauer erwischte.

Ypern ist geprägt durch die Zerstörungen im 1.Weltkrieg. Die Stadt, deren Bedeutung einst auf dem Level von Gent und Antwerpen gelegen hatte, war in Schutt und Asche gelegt. Ein großes Monument am Rande der Altstadt erinnert daran. Wieder aufgebaut, selbst in ihren verschiedenen Bauphasen, ist die größte Tuchhalle Belgiens. Sie ist, obwohl Replik, Unesco-Weltkulturerbe.

Schließlich Veurne mit seiner Marktbebauung, ebenfalls "Unesco", fast schon ans französische Dünkirchen grenzend. Die Häuser mit den Stufengiebel und den tabernakelartig umbauten Fenstern sind einzigartig. Die Walburgakirche ist nach einem Brand im späteren Mittelalter unvollendet geblieben, hat aber den größten Chor, den man sich vorstellen kann.

Das war es dann mit unserer Belgienreise! Zum Schluss noch ein Blick auf die Nordsee, inmitten "touristischer Bebauung"!


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