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Busrundreise Niederlande – Belgien – Luxemburg

Reisebericht: 14.05. – 24.05.2026

Eine Reise voller Begegnungen mit Menschen, die uns ihre Städte zeigen, Landschaften, die uns ihre Geschichten erzählen, und Leckereien, die uns zum Naschen verführen.

Saskia Pinnow

Ein Reisebericht von
Saskia Pinnow

Herengracht, Amsterdam, Niederlande – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Business-Center, Den Haag, Niederlande – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Straßenbahn, Scheveningen, Niederlande – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Werkstatt, Keramik-Manufaktur Royal Delft, Niederlande – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Austernbecken, Yerseke, Niederlande – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Rozenhoedkaai, Brügge, Belgien – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Lichtinstallationen im Atomium, Brüssel, Belgien – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) St. Johannes der Täufer Kirche, Place de la Cure, Wavre, Belgien – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Aussicht auf Zentrum und Fluss Sambre, Namur, Belgien – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Kirchberger Plateau, Luxemburg – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Panorama von der Adolphe-Brücke auf die Stadt, Luxemburg – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Kirche St. Nikolaus, Vianden, Luxemburg – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL)

1. Tag – Donnerstag, 14.05.2026: Anreise nach Amsterdam

Um sechs Uhr beginnt unsere Benelux-Rundreise am Flughafen Dresden mit acht Teilnehmenden. Fahrer Andreas lenkt den Bus zur A4, auf der wir bis Eisenach Richtung Westen fahren. Unterwegs steigen in Chemnitz, Meerane, Teufelstal, Jena und Neudietendorf weitere Reisegäste zu. Die Transferfahrzeuge sind alle pünktlich und der Fahrerwechsel erfolgt gleichzeitig mit unserer ersten Pause auf der Raststätte Teufelstal. Ab Eisenach folgen wir jetzt mit Fahrer Marek der Landstraße und umfahren so die steilen Kurven der Kasseler Berge. Nach dem Überqueren der einst innerdeutschen Grenze erreichen wir die A44 und halten am Autohof in Hessisch Lichtenau. Noch ist die A44 als Verbindung zwischen der A7 und der A4 nicht ganz fertig gestellt und so führt unser Weg vor Kassel noch einmal über die Landstraße. Wir grüßen den Herkules auf der Wilhelmshöhe, fahren über die Fulda und lassen die hessische Universitätsstadt rechts liegen. Unser nächstes Ziel ist der Flughafen Paderborn, wo wir die beiden letzten mit dem Bus Anreisenden abholen. Die Mittagspause macht unsere inzwischen 25-köpfige Gruppe auf der Raststätte Soester Börde und dann geht es weiter auf der A2 durchs Ruhrgebiet und auf der A3 in Richtung Niederrhein. In Rees legen wir einen Tankstopp ein. Wegen der vielen Feiertag haltenden LKW kommen wir fast nicht mehr von der Tankstelle runter, aber Marek findet die Lücke und auf direktem Weg erreichen wir via Arnheim und Utrecht unser Hotel am Flughafen Amsterdam Schiphol, wo die letzten sechs Reisegäste bereits angekommen sind. Um 19 Uhr treffen wir uns alle zum Abendessen und genießen das großzügige Buffet.

2. Tag – Freitag, 15.05.2026: Amsterdam mit Stadtführung und Grachtenrundfahrt

Nach dem Frühstück fahren wir nach Amsterdam. Die niederländische Hauptstadt empfängt uns mit Regen und wir sind froh, dass wir in der Busparkgarage unter dem Museumsplatz trockenen Fußes aussteigen können. Oben erwartet uns schon Stadtführerin Mathilde und bis auch Ton und Martina eintreffen, kaufen die Kunstliebhaber beim Museumsshop noch schnell die online bereits vergriffenen Restkarten fürs Rijksmuseum. Petrus stellt den Wasserhahn bald ab und so können die drei Stadtführer doch eine große Runde gehen und viel Spannendes über die Geschichte und die Gegenwart Amsterdams erzählen. Mittags treffen wir uns alle wieder am Anleger gegenüber der Heineken Brauerei. Wir steigen in eines der flachen Boote und lassen uns gemütlich durch die Grachten bis zum Bahnhof und zurück über die Amstel zur Stadhouderskade schippern. Im Anschluss ist Freizeit angesagt und wer nicht ins Museum geht, bricht ausgerüstet mit einem Stadtplan aus dem Hotel zu einem eigenen Spaziergang auf. Die Stadt ist voller Menschen und die meisten von unserer Gruppe kommen nur bis zum schwimmenden Blumenmarkt, anstrengend ist es sich in den Massen zu bewegen. Dann doch lieber noch schnell einkehren oder einen Abstecher machen in den ruhigeren Vondel-Park, benannt nach dem für die Entwicklung der niederländischen Sprache wichtigen Dichter des 17. Jh. Joost van den Vondel. Am späteren Nachmittag fängt es wieder an zu regnen und so treffen wir uns alle deutlich vor der vereinbarten Zeit am Bus, leicht durchfroren aber beeindruckt von der Kunst, der Geschäftigkeit und den sich vermeintlich an keine Regeln haltenden Fahrradfahrern Amsterdams.

3. Tag – Samstag, 16.05.2026: Rotterdam, Brielle und Den Haag Scheveningen

Gestern waren wir von Amsterdam noch nach Den Haag gefahren, in die Hauptstadt Südhollands, in der wir drei Nächte im NH Hotel logieren. Von hier aus geht es heute in die Wirtschaftsmetropole des Landes, nach Rotterdam. Am Willemsplatz steigt Mathilde in den Bus und bietet uns gemeinsam mit Marek eine tolle Stadtrundfahrt. Wir sehen die vom Bombardement 1940 verschonten Jugendstilvillen, das Gelände der ersten Floriade, die norwegische Kirche und den alten Museumshafen. Über die Willemsbrücke und die Königinnenbrücke erreichen wir zuerst das Noordereiland und dann den Kop van Zuid, von wo aus wir einen schönen Blick auf die sich gerade für ein kleines Segelboot hebende Erasmusbrücke haben. Vor der Schranke wartend können wir uns in Ruhe den von Renzo Piano entworfenen KPN-Turm anschauen und uns vorstellen, wie er einst nachts geblinkt und die Autofahrer abgelenkt hat. Im Zentrum steigen wir an der Markthalle aus und gehen unter den Kubus-Häusern von Piet Blom durch. Zurück am Willemsplein steht bereits die „Marco Polo“ zur Einschiffung bereit. 75 Minuten fahren wir mit der traditionsreichen Spido-Reederei entlang der Nieuwe Maas und sehen die stadtnahen Containerhäfen sowie den Maashafen, in dem die heute als Hotel fungierende SS Rotterdam liegt, das ehemalige Flaggschiff der Holland-America-Linie. Die Schnellboote bringen das Wasser in Wallungen. Der Wasserbus schaukelt wie eine gelbe Quietscheente in der Badewanne. Ein Gefühl von Seefahrt entsteht.
Am Nachmittag fahren wir nach Brielle, dem kleinen Festungsstädtchen, das einst ein wichtiger Hafen sowie spanische Garnison war, und als erste Stadt der Niederlanden 1572 durch die aufständischen, protestantischen Geusen von den Habsburgern befreit wurde. Beeindruckend thront der Turm der nie fertiggestellten St. Katharinen Kirche über der Altstadt, aber die Aussicht bleibt uns verwehrt. Wir essen Eis und machen ein paar schöne Bilder. Dann geht es zurück nach Den Haag, an den Strand von Scheveningen. Die Wolken weggepustet, laufen wir bei Sonnenschein durch den Sand, über den Pier und schauen den Waghalsigen beim Bungyjumping oder Wellenreiten zu. Vor der Rückkehr ins Hotel machen wir einen letzten Halt am 1913 fertiggestellten Friedenspalast, dem heutigen Sitz des Internationalen Gerichtshofes. Die blendende Sonne stellt die Fotografen unter uns vor große Herausforderungen, aber zumindest die vom Deutschen Reich als Staatsgeschenk gespendete schmiedeeiserne Umzäunung kann ins rechte Licht gerückt werden.

4. Tag – Sonntag, 17.05.2026: Den Haag, Keramikmanufaktur „Royal Delft“ und Stadtrundgang Delft

Heute Vormittag bleiben wir in Den Haag und fahren an die Princessegracht. Dort wartet - juhu - ein drittes Mal Mathilde auf uns. Sie zeigt uns das Mauritshaus, in dem das Mädchen mit dem Perlenohrring des Malers Johannes Vermeer hängt, das ehemalige Jagdschloss der Grafen von Holland, in dem heute das niederländische Parlament tagt, und den Palast Noordeinde, in dem König Willem-Alexander sein Büro hat. Wir schlendern der Lindenallee des Lange Voorhout entlang, wo einst wohnte wer Rang und Namen hatte. Vor dem Museum des zu den fünf bekanntesten Künstlern der Niederlande zählenden Grafikers M.C. Escher trotzt eine Sportgruppe dem feuchtkalten Wetter. Auch das Parkcafé hat geöffnet und verköstigt die Besucher des Antiquitätenmarktes. Auf dem Rückweg entlang des Hofteiches überrascht uns Mathilde mit einer Gesangseinlage des niederländischen Kinderliedklassikers „Jantje“.
Nach einer kurzen Mittagspause fahren wir nach Delft und besuchen die königliche Keramik-Manufaktur des Delfter Blau. Ana bringt uns die Geschichte des wertvollen Möchtegern-Porzellans näher. In den Fertigungsräumen können wir die einzelnen Produktionsschritte verfolgen und den Keramikmalern über die Schulter blicken. Auffallend sind die auf Königin Mary Stuart II, Frau von Statthalter Willem III von Oranje, zurückgehende Modelle von Tulpenvasen aus dem 17. Jh. in die die Blumen einzeln eingestellt werden können. Nach einem heftigen Regenguss fahren wir weiter zum Hotel Hampshire, wo Pieter und Armand uns erwarten. Sie zeigen uns ihre Stadt, die auch Heimat war von Johannes Vermeer und Hugo Grotius. Hier wurde einst der erste Statthalter der Niederlande ermordet und finden die Mitglieder der königlichen Familie bis heute in der Neuen Kirche ihre letzte Ruhe.

5. Tag – Montag, 18.05.2026: Yerseke – Damme – Ostende – Brügge

Mit den Koffern im Schlepptau kommen wir zum Bus, denn heute verlassen wir die Niederlande und fahren nach Belgien. Aber zuerst legen wir noch einen Stopp in Zeeland ein. Dort auf der Halbinsel Zuid-Beveland zeigen uns Marianne und Allen das Dorf Yerseke mit seiner Austern- und Muschelzucht. Auch über die Biologie des Hummers gibt es Faszinierendes zu berichten. Im Anschluss kehren wir zur Degustation von Austern und Kibbeling (Fischfilet frittiert) mit Weißwein in die Viskêête ein. Kurz nach Mittag fahren wir weiter und passieren den südlichsten Arm des Rhein-Schelde-Deltas, die Westerschelde, durch einen 6,6 km langen und 60 Meter tiefen Tunnel. Über uns erreichen die Seeschiffe die Häfen von Antwerpen und Gent. Nach der Mittagspause auf der Raststätte Ijzendijke suchen wir uns eine Schmuggelroute durch die grüne niederländisch-belgische Grenzlandschaft. Pünktlich zur Abfahrt des Schiffes und zum Einsetzen des Regens treffen wir in Damme ein. Gemächlich bringt uns der nach dem Gefährten von Till Eulenspiegel benannte Raddampfer „Lamme Goedzak“ entlang der historischen Wasserstraße „Damse Vaart“ nach Brügge. Dort wartet bereits Marek mit dem Bus auf uns und weiter geht es an die belgische Nordseeküste nach Ostende. Mondän empfangen uns die Allee von Leopold II und das Kursaal-Casino. Dahinter erstreckt sich eine breite Sandfläche, auf der es sogar Platz für Seehunde gibt. Das vom Künstler James Ensor geliebte Licht strahlt uns entgegen und egal in welche Richtung wir gehen, die Stunde am Meer ist viel zu schnell vorbei. Doch das Abendessen ruft, heute im Green Park Hotel in Brügge.

6. Tag – Dienstag, 19.05.2026: Brügge mit Grachtenfahrt und Stadtspaziergang sowie Ypern mit Museen

An diesem grau verhangenen Morgen bringt Marek uns zum Busausstiegsterminal am Bargeplatz und zu Fuß gehen wir durch die Altstadt von Brügge bis zum Rozenhoedkaai. Schulkinder absolvieren gerade ihr Fahrradexamen und hinter fast jeder Ecke steht ein Prüfer in Warnweste mit Schreibblock in der Hand. Unsere Gruppe wird für die radelnden Kinder zum unvorhergesehenen Hindernis. Die Bänke im Boot werden noch trockengewischt bevor wir an Bord steigen können. Während der Fahrt gibt der Schiffer lustige Anekdoten zu Brügge preis und vergisst zum Glück nicht zu sagen, wo wir den Kopf einziehen müssen, so dass nach einer guten halben Stunde alle wieder unversehrt an Land gehen können, wo bereits die Stadtführer Katrien und Joseph auf uns warten. Sie nehmen uns mit auf einen Rundgang durch die UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt, die im 15. Jh. ihre Blütezeit erlebte. Es beeindrucken die Repräsentanten der weltlichen Macht, der Belfried und die Burg der Grafen von Flandern aus dem 13. Jh. sowie das gotische Rathaus aus dem 14. Jh. Aber auch viele Kirchen und historische Klosteranlagen sind erhalten geblieben. Zur Mittagspause treffen wir uns auf dem Simon-Stevin-Platz. An der Frittenbude hat sich bereits eine lange Schlange gebildet, aber der Laden mit den besten Spaghetti der Stadt hat noch freie Kapazitäten und wer in Brügge bleibt, bekommt zum Kaffee auch frische Waffeln serviert. Am Nachmittag fahren wir in die „Flanders Fields“ und beschäftigen uns mit der Geschichte des 1. Weltkrieges. Die einstigen Schlachtfelder sind heute geprägt von Landwirtschaft, dazwischen Soldatengräber und Gedenkstelen für die verschiedenen hier aktiv gewesenen Bataillone. In Ypern nutzen wir bei Nieselregen gerne die Möglichkeit in den wiederaufgebauten Tuchhallen aus dem 13. Jh. das Kriegs- oder das Stadtmuseum zu besuchen und die St. Martins Kathedrale zu besichtigen. Unter der Menenpoort sehen wir bei der Rückkehr zum Bus die Namen von tausenden verschollenen Soldaten der Commonwealth-Armee, denen hier jeden Abend mit dem „Last Post“ gedacht wird.

7. Tag – Mittwoch, 20.05.2026: Brüssel mit Atomium und Stadtrundfahrt

Weiter geht unsere Reise von Brügge über Gent nach Brüssel. Trotz kleinem Stau treffen wir pünktlich zur Eröffnung um 10 Uhr am 95m hohen Atomium ein. Diese 165-milliardenfache Vergrößerung eines Eisenkristalls ist die am meisten besuchte Sehenswürdigkeit Brüssels. Der bei der Einweihung der Expo 1958 mit 5m/s schnellste Fahrstuhl Europas bringt uns ganz nach oben. Nach dem Genuss der Aussicht begeben wir uns auf einen zweiten Rundgang. Hier sehen wir die Dauerausstellung über die Entstehung des gewagten Konstrukts und erleben die über Stufen und Rolltreppen miteinander verbundenen Lichtinstallationen, die Stimmen aus dem Off und das Discoflair. Mittags gesellt sich Eduard zu uns und lotst Marek in die Brüsseler Innenstadt. Wir fahren vorbei an der königlichen Gruft in der Liebfrauenkirche von Laken, am mit Schrottbergen umgebenen Hafen, am Manhattan-Viertel, an der Europäischen Zentralbank und an unzähligen Botschaften. Brüssel ist eine der buntesten Städte der Welt. 183 Nationen leben hier in 19 eigenständigen Stadtteilen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In der Oberstadt sehen wir das einst größte Gebäude Europas, den Justizpalast, ein Beispiel für den Größenwahn Königs Leopold II, dessen Erbe heute in Belgien sehr umstritten ist. Am königlichen Arbeitspalast vorbei erreichen wir an der St. Michael & St. Gudula Kathedrale die Unterstadt. Der letzte Schauer auf unserer Reise ist vorübergezogen. Ab jetzt wird nur noch die Sonne scheinen. Mit Elisabetta und Eduard geht es zu Fuß durch die königlichen Galerien zum überwältigenden Markt und weiter bis zum Manneken Pis, das heute das Trikot des FC Barcelona trägt. Noch einmal verführen uns die Läden zum Schokoladenkauf und die Cafés zum Waffelessen, bevor wir gemeinsam zum Bus zurückgehen, die Sprachgrenze überqueren und Wallonien erreichen. Wer noch Energie hat, trifft sich nach dem Abendessen bei lauschigem Wetter zu einem Rundgang durch Wavre, die Provinzhauptstadt von Wallonisch-Brabant.

8. Tag – Donnerstag, 21.05.2026: Namur mit Zitadelle und Lüttich mit Stadtrundfahrt

In Namur parken wir den Bus am Ufer der hier in die Maas mündende Sambre und erkunden die Hauptstadt der Wallonie individuell. Die Kathedrale St. Vaubin ist wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, aber wir können einen Blick werfen in die ehemalige Jesuitenkirche St. Loup und auf der Place d‘Armes treffen wir die Comicfiguren, Joseph und Franz mit den Schnecken. Sie stehen für das Lebensgefühl der Stadt, Entschleunigung und Geselligkeit. Nach diesem Motto stärken wir uns mit Gebäck aus dem „Haus der Nachtische“ und steigen ein in die Seilbahn, die uns zur Zitadelle bringt. Gemeinsam gehen wir zum Besucherzentrum „Terra Nova“ und von dort aus läuft wer möchte hinunter zum Bus oder lässt sich von Marek oben auf der Esplanade abholen. Durchs Maastal mit seinen charakteristischen Kalksteinhängen fahren wir bis Huy und biegen am Atomkraftwerk Thiange links ab, um auf der Autobahn die Raststätte in Anspruch zu nehmen, bevor wir Lüttich erreichen, wo Frau Franke uns erst einmal mitnimmt auf die Stadtrundfahrt. Hier treffen die Geschichte von 800 Jahren Fürstbistum und fast 200 Jahren Montanindustrie aufeinander. All das ist vorbei und die Stadt erfindet sich gerade neu. Der vom Architekten Santiago Calatrava entworfene Bahnhof Lüttich-Guillemins wurde 2009 eröffnet, der Hafen wird fortlaufend für den Containerumschlag fit gemacht und letztes Jahr wurde die neue Straßenbahn in Betrieb genommen. Am Platz St. Lambert steigen wir aus und lassen uns noch den Fürstbischöflichen Palast, der im Gegensatz zur Kathedrale die Französische Revolution überlebt hat, das im Stil der Maas-Renaissance erbaute Museum für Wallonische Volkskunde und die Bueren-Berg Treppe zeigen, die einst gebaut wurde, damit die Soldaten sich ihren Weg von der Stadt in die Kasernen auf der Zitadelle nicht durch die Privatgärten suchen mussten. Am Markt lassen wir kurz die Füße baumeln, bevor der Bus uns ins Hotel Krone am Bahnhof bringt, von wo aus wir später zum Abendessen in die Brasserie Liègoise aufbrechen. Ob wohl mehr von uns den für Lüttich typischen Wachholderschnaps „Pekèt“ probiert hätten, wenn bekannt gewesen wäre, dass der Kellner heute einen ausgibt?

9. Tag – Freitag, 22.05.2026: Durbuy – Abtei Orval mit Führung und Verkostung – Luxemburg

Wir verlassen die Maas und tauchen ein in die hügelige Landschaft der Ardennen. Im Tal der Ourthe halten wir im lauschigen Örtchen Durbuy. Leicht verschlafen empfängt uns die angeblich kleinste Stadt der Welt. Die Touristeninformation hat geöffnet und eine nette Mitarbeiterin kopiert schnell ein paar Stadtpläne in deutscher Sprache. Nach einem kurzen Fotostopp am antiklinalen Homalius-Felsen begeben wir uns zum von Albert Navez 1997 angelegten Formschnittgarten. Hier sehen wir Pflanzenskulpturen aus Buchs, Zypresse, Illex, Lorbeer und Eibe. Einige von ihnen sind schon über hundert Jahre alt. Die Idylle wird kurz gestört durch heckenschneidende Gemeindemitarbeiter und einem tieffliegenden Kampfjet. Krieg begleitet uns auch auf der weiteren Fahrt durchs „Land of Memory“, einem EU-Projekt zum Gedenken an die Ardennen-Offensive von 1944. Nach dem Mittagessen widmen wir uns dem belgischen Bier, das wir schon in den Niederlanden liebgewonnen haben. Schließlich ist unser nächster Programmpunkt die Besichtigung der Zisterzienser Abtei Orval, in der das legendäre Trappistenbier gebraut wird. Madame Marie-Laure heißt uns willkommen und erklärt die Geschichte des 1070 gegründeten, während der Französischen Revolution zerstörten und 1926 wiederaufgebauten Klosters. Im Anschluss degustieren wir in der Herberge zum Schutzengel nicht nur das Bier in drei verschiedenen Varianten, sondern auch den Käse. Beides schmeckt super. Gut dass unser Bus einen nicht ganz vollen Kühlschrank hat. Wir fahren weiter nach Luxemburg, auf der Mittelspur der Autobahn, denn die rechte Spur ist Taxen und Autos mit mindestens zwei Insassen vorbehalten. 230.000 Menschen pendeln täglich aus den Nachbarländern zur Arbeit ins rund 680.000 Einwohner zählende Großherzogtum.

10. Tag – Samstag, 23.05.2026: Luxemburg mit Stadtspaziergang und Vianden mit Burgführung

Auf einer letzten Stadtführung zeigen uns Tom und Jos auf eine kurzweilig, humorvolle Weise die Highlights der Hauptstadt Luxemburgs. Sie erzählen uns die Geschichte der „Goldenen Frau“, die wiederentdeckt im Keller des Fußballstadions zur Expo nach Shanghai reisen musste. Nie mehr werden sich die Luxemburger ihre Mutter Heimat vom Sockel reißen lassen. Im Rathaus wurde mit der Gründung der Montanunion 1951 europäische Geschichte geschrieben. Auf dem Marktplatz steht der niederländische König Willem II von Oranje Nassau und zieht den Hut vor dem Luxemburger Volk, dass als einzigen Wunsch hegt zu bleiben, was es ist. Von den Kasematten blicken wir hinunter ins Tal der Alzette und hinüber aufs Kirchberg Plateau, wo der europäische Gerichtshof angesiedelt ist und der luxemburgische Staat gerade ein neues Hauptquartier für den an der Weltspitze mitmischenden Stahlkonzern ArcelorMittal bauen lässt. Vom Chemin de la Corniche aus, dem schönsten Balkon Europas, sehen wir die Abtei Neumünster und die ehemalig preußische Garnison, die 1876 den Verkauf Luxemburgs von den Niederländern an Frankreich verhindert hat. In der Mittagspause besuchen wir den Wochenmarkt und den Flohmarkt auf der Place d’Armes. Im Anschluss lassen wir uns vom hohen Turm der Sparkasse mit dem grünen Spitzdach zurück zum Bus leiten und machen einen Ausflug zur Burg Vianden, dem einstigen Hauptsitz der gleichnamigen Grafen. Am Eingang erwartet uns Georges. Er führt uns durch die Räume der Burg und baut in seine Erläuterungen so viele aus dem Mittelalter stammende Sprichwörter ein, dass wir gar nicht merken wie schnell die Zeit vergeht. Schön wurde diese einst dem Verfall preisgegebene Burganlage vom luxemburgischen Staat originalgetreu wieder aufgebaut und stiftet heute ein Stück Luxemburger Identität. Es bleibt ein Moment den warmen Nachmittag bei einem Eis oder kühlen Bier ausklingen zu lassen, bevor wir zurück ins Hotel fahren und die ersten schon vor dem Abendessen im Schwimmbad abtauchen. Und womit stoßen wir auf den letzten Abend an? Natürlich mit einem edlen Obstler aus der Distillerie Müller-Lemmer in Contern südlich von Luxemburg.

11. Tag – Sonntag, 24.05.2026: Rückreise nach Dresden

Ein letztes Mal besteigen wir unser „blaues Wunder“ und brechen um 9 Uhr zur Heimfahrt auf. Die ersten haben uns bereits verlassen und bei jedem Halt werden wir weniger. Der Weg führt uns über die luxemburgisch-deutsche Grenze an die Mosel, die wir dreimal überqueren bevor wir in den Hunsrück abbiegen. Hier machen wir eine erste Pause. Dann geht es über den Rhein zum Main an den Flughafen Frankfurt. Sechs Personen nehmen von hier aus den Zug. Bei der Mittagsrast auf dem Rimberg lassen wir uns den angenehm frischen Wind um die Nase pusten. Vor einer Woche hatten wir noch die Pudelmütze auf und jetzt brauchen wir im Bus statt der Heizung die Klimaanlage. Wir kommen gut voran und die Disposition von Eberhardt-Travel verlegt alle Transferfahrzeuge nach vorne, so dass wir auch nach den Ausstiegen am Flughafen Erfurt, in Jena, Meerane und Chemnitz ohne Verzögerung eine Stunde früher als geplant am Flughafen Dresden ankommen. Alle sind froh, haben einige von uns doch noch eine längere Heimfahrt vor sich und auf den Bus wartet schon der nächste Fahrer. Eine schöne Reise geht zu Ende. Das macht immer ein bisschen traurig, aber wir freuen uns auf die eigene Küche und das eigene Bett, mit der richten Anzahl und Größe an Bettdecken  Ein Lächeln bleibt zurück, das wir mitnehmen in den Alltag mit den guten Erinnerungen an eine vielseitige Rundfahrt durch unserer Nachbarländer.


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