Burgund vom Feinsten, das ist der Reisetitel. Jetzt müssen wir noch definieren, was wohl fein sein könnte oder?
Reisebericht: 03.05. – 09.05.2026
Na was ist fein? Vielleicht was Scharfes wie Senf, etwas Warmes was satt macht, einen Tropfen in Form von Rotwein, Käse für die Nerven, Schokolade für das Glück? Lesen Sie mal weiter...
Ein Reisebericht von
Wolfgang Kowalewski
26 Teilnehmende, zwei Busfahrer, ein Reiseleiter und ordentlich viel Kaffee für die Anreise
Am Sonntag in aller Frühe war es soweit und auch weit. Eine Gruppe aus 26 Personen machte sich auf den Weg, es sollte kein kurzer sein. 1.000 Kilometer lagen vor uns. Die Strecke führte uns von Dresden über Nossen, Chemnitz, Zwickau, das Vogtland und Karlsruhe, dann waren alle komplett. Bei einer Pause auf der Strecke von Karlsruhe bis zur Grenze sahen wir einen historischen Bus, den viele vielleicht aus dem Fernsehen kennen. Sie Sendung hat auch was mit feinem Essen zu tun. Bei Mulhouse überquerten wir den Rhein und so hieß es - Bonjour la France. Die Verkehrslage war uns an diesem Tag mehr als gnädig und so kamen wir noch 45 Minuten vor der Zeit an, mussten ein klein wenig "wild" in Dijon aussteigen und nur noch fünf Minuten, dann waren wir im Hotel. Das Abendessen ließ nicht mehr lange auf sich warten und so konnte es losgehen mit dem feinen Leben im Burgund.
Simon, der Star des Tages und Dijon seine Bühne
Es waren noch gar nicht alle mit den Kopfhören und Geräten ausgestattet, da stand schon ein gutgelaunter junger Mann in unserer MItte. Simon war es, er sollte uns heute durch Dijon führen. Und das darf man gleich sagen, das hat er super gemacht. Nur so viele Jahreszahlen wie unbedingt nötig, aber verschwenderisch mit Verweisen auf all die Menschen, die Dijon geprägt hatten. Wussten Sie etwa, dass Gustave Eiffel in Dijon geboren wurde? Wussten Sie, dass es ein Fettnäpfchen ist, in Dijon Kir Royal zur trinken, also diesen Aperitit aus Johannisbeerlikör und Champagner? Nein, das schickt sich nicht in Dijon, hier wird zum Johannisbeerlikör Weißwein aus dem Burgund gegeben und weil man keinen Namen dafür hatte, benannte man das Getränk einfach nach dem damaligen Bürgermeister von Dijon, Kir hieß er.
Und so informativ und amüsant die Stadtführung endete, so scharf wurde es dann bei einer Senfverköstigung. Schon mal Senf mit Schwarzer Johannisbeere probiert oder Senf mit Lebkuchen? Nein, dazu müssen Sie mitfahren in den Burgund, dass Sie das erleben.
Käse, Wein, die Schwarze Johannisbeere und ein Krankenhaus in Zeiten der Trostlosigkeit
Gut, am Morgen ein Gläschen Wein mit mehreren Sorten Käse zu probieren, das mag ungewohnt sein. Aber die Geschmacksknospen sind zwischen 10.00 Uhr und 11.00 Uhr am empfänglichsten für Nuancen, sei es für Wein oder Käse. Und so wurden wir in der Käserei Delin in Gilly-les-Citeaux in die Geheimnisse der Käseproduktion von der Kuh bis zum Endprodukt eingeführt. Lecker war es.
Von dort aus waren es keine zehn Fahrtminuten mehr bis zum Schloss Clos de Vougeot, wo uns Karoline alles erklärte. Von der Pflicht Rosenstöcke in Weinbergen zu pflanzen bis zur Herkunft des Wortes Clos und der Erklärung, wo das umgangssprachliche Wort Klo für die heutige Toilette herkommt. Die hier ansässige Weinbrüderschaft vertiefte sie in besonderem Maße, ganz zu schweigen von den Gepflogenheiten bei Festivitäten in diesem Anwesen. Die waren natürlich der hohen Qualität des Weines angepasst.
Diese vielen Informationen konnten wir dann bei der Fahrt nach Beaune verdauen und abspeichern, bevor uns hier das Krankenhaus oder Hospiz erwartete. Es ist ein Superlativ, der hier zu besichtigen ist. 1443 wurde es gegründet und bleib bis zum Jahre 1971 in Betrieb. Es ist ein kleines Wunder, dass so viele Gegenstände aus dieser Zeit noch erhalten sind und ein beklemmendes Bild von der damaligen Zeit in einem Krankenhaus zeigen.
Nach einem kleinen Stadtrundgang wartete eine besondere Beere auf unseren Besuch: die Schwarze Johannisbeere, die hier zu Cassis verabeitet wird. Wir erzählen nicht, was wir an diesem Tag für Leckereien dort zu uns nehmen durften, flüssig waren sie.
Eintauchen in Stille und Spiritualität in den beiden Müttern aller Klöster und Schöner Wohnen in Cormatin
Beim ersten Kloster, das wir heute besichtigten, kann man die Bewegung vom Namen her ableiten. Der Bus brachte uns nach Citeaux, wo das Mutterkloster der Zisterzienserinnen und Zisterzienser im 11. Jahrhundert gegründet wurde. Es waren ehemalige Benediktinerinnen und Benediktiner, die unzufrieden waren mit der aus ihrer Sicht zu lässigen damaligen Lebensart. Eine Schenkung ermöglichte es ihnen, hier nach der wörtlichen Befolgung der benediktinischen Regel zu leben und zum Rückzug von der Welt nach dem Vorbild der Wüstenväter zurückzukehren. Viele Gebäude sind nicht mehr im Original erhalten, aber ganz besonders beeindruckt hat uns die Buchwerkstatt und der Leseraum des Klosters. Heute leben nur noch wenige Trappisten hier.
Aber nun zum nächsten Ort: Cluny. Nur noch die Grundmauern zeugen davon, dass hier wohl die größte Kirche der Christenheit stand. Auch hier ist das meiste der französischen Revolution zum Opfer gefallen, naja, auch die Geistlichen hatten es mit Prunk und Pracht übertrieben. Her wusste unsere örtliche Reiseleiterin Karoline wieder alles, sogar wie damals das Mehl auf dem Gelände des Klosters hergestellt wurde. Sie konnte das eindrucksvoll in der noch erhaltenen Farinerie (Mehlfabrik) erläutern.
Wir setzten unsere Fahrt fort zu unserem letzten Programmpunkt, dem Schloss von Cormatin. Schon die Gärten lassen nicht nur Grüne-Daumen-Freunde höher schlagen, ganz zu schweigen von den prunkvollen Malereien im Inneren des Gebäudes.
Auf den Spuren des Jakobsweges und als Belohnung Schokolade
Der Parkplatz in Autun lag direkt neben dem prächtigen Rathaus. Von dort ging es steil zur Kathedrale Saint Lazaire. Weshalb kommt man hier her? Es gilt die prächtigen Kapitelle und das Welttympanon zu bestaunen. Wir erkundigten sie mit unseren Handys und den zur Verfügung gestellten Tafeln in der Kirche. Das Tympanon, also das Bogenfeld über dem Westportal gilt als die „bedeutendste Weltgerichtsdarstellung, welche die Epoche geschaffen hat. Das aus 29 Blöcken bestehende Relief zeigt das Jüngste Gericht. Beherrschendes Motiv ist die thronende Gestalt Christi, umgeben vom Würdezeichen der Mandorla, die von vier Engeln gehalten wird. In der Kirche selbst fielen uns am meisten die Kapitelle aus, die den Tod des Judas und die Flucht nach Ägypten darstellten.
Und weiter ging es zur nächsten Kirche, der Wallfahrtskirche von Paray-le-Monial, schlicht und beeindruckend mit einer hochmodernen Orgel. Wir hatten noch Zeit das schöne Städtchen zu entdecken mit dem wunderschönen Rathaus aus der Renaissance und der Kapelle, die an den hiesigen Ausgangspunkt der Herz-Jesu-Bewegung erinnert.
Nach so viel geistiger Nahrung meldeten sich die irdischen Bedürfnisse wieder und da war es mehr als passend, dass der Besuch einer Schokoladenfabrik anstand mit der Verköstigung von Eis, Pralinen und Schokolade vom Feinsten. 20 Tonnen Schokolade werden hier übrigens pro Jahr verarbeitet.
Idylle pur im Kloster Fontenay, Pilgern mit Steigung in Vezelay, eine Weinprobe (mmmhh) und ein rustikales Abschiedsessen
Wir dachten schon, wir hätten uns verfahren. Das Ende der Welt schien erreicht zu sein, da tat sich in idyllischer Lage das Kloster Fontenay auf. Eine ausgeklügelte Wasserversorgung, eine Schmiede, angetrieben durch eine Wassermühle, viel Platz für Gemüse und Obst. Es ist so schön hier am Ende der Welt, man will eigentlich gar nicht mehr weg.
Den nächsten Programmpunkt mussten wir zwar nicht erklimmen, aber es ging steil die Straße hoch zur Kathedrale Vezelay, ein weiterer Pilgerort auf dem Jakobsweg in Richtung Santiago de Compostella. Auch hier wieder exklusive mittelalterliche Baukunst mit toller Ausgestaltung der Bögen und Kapitelle.
Das Weingut Domaine La Croix Montjoie machte unserem Chauffeur bei der Anfahrt große Sorgen, gleichwohl hat er die engen Gassen mit Bravour gemeistert und so konnten wir interessiert den Worten einer engagierten Bio-Winzerin lauschen, die uns ihren Betrieb zeigte. Nicht nur die Aussicht war toll, der Sekt, der Weißwein und der Rotwein, hervorragend.
Den kulinarischen Abschluss der Reise bildete ein rustikales Abendessen in Flavigny. Frauen, die sich zu einer Kooperative zusammenschlossen, bekochten uns an diesem Abend mit allem, was die Gegend und ihre Betriebe so hergaben.
Au Revoir, das war eine feine Fahrt mit feinem Essen....
Um 8.30 Uhr war es soweit. Die Rückfahrt musste angetreten werden. Unsere ersten Gäste verließen uns in Karlsruhe, und die übrigen kamen pünktlich an ihren Ausstiegsstellen an. An diesem Abend mussten wir uns nun wieder selbst um das Abendessen kümmern. Um die Abendessen im Burgund? Da schweigen wir. Sie würden ansonsten neidisch werden.
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