Von Normannen und Bretonen
Reisebericht: 04.05. – 13.05.2025
„Man wird nicht als Bretone geboren, man wird es durch das Lauschen auf den Wind, das Meer und den Gesang der Zweige und der Menschen.“
Xavier Grall, bretonischer Dichter, 1930–1981
Ein Reisebericht von
G. Adamietz
Anreise 🇩🇪🇫🇷
Die Normandie und die Bretagne, das sind zwei Schwestern am Rande Frankreichs, vereint durch die raue Atlantikküste, kräftigen Seewind und den unverwechselbaren Duft von Salzluft, frischen Austern und Cidre.
Mit dieser schönen Vorstellung fällt es leichter, heute Morgen früh aufzustehen. Sehr früh sogar – für manche von uns geht es los. Bald schon werden die ersten mit einem Lächeln von Andreas begrüßt. Er fährt heute unseren Bus in der ersten Stunde und bewirtet uns freundlich mit frischem, heißem Kaffee. So lässt es sich gut in den Tag starten!
Unsere Gruppe wächst im Laufe des Tages langsam an, quer durchs Land fahrend trifft Verstärkung ein, langsam werden wir immer mehr! Noch am Vormittag steigt dann auch Evgenij zu, unser Fahrer für die ganze Reise übernimmt das Steuer und fährt gut gelaunt Richtung Westen, neuen gemeinsamen Erlebnissen entgegen.
Die Zeit vergeht fast wie im Fluge, bald schon ist das Saarland erreicht. Es ist so klein, dass die Zeit bei der Durchfahrt kaum reicht, um die spannende gemeinsame Geschichte der Franzosen und der Deutschen hier zu erzählen. Dann ist die Grenze schon erreicht, wir sind in Frankreich – und nicht nur das, wir sind vor allem in Lothringen! Nun wird es schon richtig spannend. Was hat es mit Elsass-Lothringen auf sich? Die Ortsnamen hier scheinen fast alle deutsch zu sein. Der Verfasser dieses Berichts kann aus der Zeit erzählen, als er in Straßburg lebte, von Deutschen, die Französisch sprechen, und von Franzosen, die Deutsch sprechen, das aber eine alte Sprache ist, die dort noch lebt.
Auch hier in Lothringen war es lange so, man wurde aber irgendwann doch ganz französisch; in alten Liedern aber können wir noch hören, wie das klang. So vergeht die Zeit kurzweilig, während wir über die schönen französischen Autobahnen unserem Ziel, der Stadt Metz, entgegenreisen. Ein sehr elegantes kleines Hotel erwartet uns dort, in dem wir herzlich empfangen werden.
Nachdem wir uns alle eingerichtet haben, treffen wir uns zu einem gemeinsamen Stadtrundgang – wir wohnen ja direkt im Zentrum – und erkunden die reiche Geschichte der Stadt. Ein besonderes Erlebnis ist dabei natürlich der Besuch des gewaltigen Doms St. Stephan zu Metz. Über viele Jahrhunderte entstand hier eine Kathedrale des Lichts und der Pracht. Die ältesten Fenster sind bis zu sieben Jahrhunderte alt und haben manche schwere Zeit überstanden. Neuere sind von Künstlern wie Marc Chagall gestaltet, ganz neue entstehen gerade aus zeitgenössischer Hand. Auch von außen ist der Bau überwältigend, ein Erlebnis!
Passend zum Thema spazieren wir bei einem wahren Kaiserwetter dann an die Mosel; hier gibt es noch einiges aus wilhelminischer Zeit zu sehen, vor allem aber ein unglaublich malerisches Szenario an der kleinen Weideninsel inmitten der Mosel. So mancher spaziert nach dem übrigens ganz vorzüglichen Abendessen noch einmal hierher, schön ist es hier jederzeit.
Der erste Tag unserer Reise war ein perfekter Auftakt zu dem, was noch kommen wird. Schon ruhig ist es hier und ja, auch wenn die Franzosen eine sehr spezielle Art haben, ihre Betten zu machen, schlafen kann man hier wirklich ganz hervorragend!
Videolink: Das Bett auf französische Weise machen
Verdun – Rouen 🇫🇷
Wir haben das Glück, in einer Zeit zu leben, in der die deutsch-französische Freundschaft die selbstverständlichste und normalste Sache der Welt ist. Es ist kaum vorstellbar, wie man einst von einer „Erbfeindschaft“ sprach und sich in einen Krieg nach dem anderen stürzte, um sich abwechselnd zu erobern. Gemeinsam und nachbarschaftlich lebt es sich doch so viel besser!
Das ist eine einfache, aber offensichtlich schwere Erkenntnis, die selbst in Europa immer noch nicht allen zuteil wurde. Ein guter Moment, um zu erwähnen, dass Reisende immer auch Botschafter ihres Landes sind – einer der vielen Gründe, warum es kaum Besseres gibt, um die Menschen zusammenzubringen, als zu reisen.
Am Morgen verlassen wir Metz; wir sehen dabei ganze Straßenzüge aus der deutschen Kaiserzeit. Eine Vormittagsfahrt durchs schöne Lothringen führt uns noch an einen idyllischen Rastplatz, der uns zeigt, wie einladend man Autobahnraststätten auch gestalten kann. Frankreich ist was das betrifft ziemlich weit voraus.
Wir fahren weiter; heute reisen wir nicht nur im Raum, sondern vor allem auch in der Zeit, als wir an der Maas ankommen. Hier trifft uns Ursula, die uns die Schlachtfelder von Verdun aus dem Ersten Weltkrieg zeigt. Auf den grünen Hügeln hier sind manchmal die Narben der Schlacht nur noch schwach zu erahnen. Der riesige Friedhof und das Beinhaus von Douaumont lassen uns dann eindringlich die Dimension der Katastrophe erahnen, die sich hier abspielte. Hunderttausende Soldaten kamen hier in zehn Monaten ums Leben, für nichts im Endeffekt. Ein Besuch in den Bunkeranlagen des nahen Forts Douaumont gibt uns einen vertieften Eindruck dieser finsteren Zeit.
Als wir dann die Schlachtfelder verlassen, sind wir sehr bewegt. Einer der für den Verfasser dieses Berichts wichtigsten Eindrücke ist ein Foto aus dem Jahr 1984: Der französische Staatspräsident François Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl standen damals hier – und hielten sich an den Händen.
Dazu passt ein Besuch, den wir nicht zuletzt dank unseres tollen Fahrers Evgenij noch in unser Programm unterbringen können. Auch wenn die gefahrene Strecke heute recht lang ist, liegen wir so gut im Zeitplan, dass wir nach einer schönen Fahrt durch die für erfreuliche Getränke berühmte Champagne den Wald von Compiègne ansteuern. Hier steht der berühmte Eisenbahnwagen aus dem Zug, in dem unter sehr unterschiedlichen Umständen die Waffenstillstände beider Weltkriege unterzeichnet wurden. Ein Museum und eine Gedenkstätte gibt es auch hier und einen schön gestalteten Park.
Wir sind jetzt schon nördlich von Paris und fahren entfernt parallel zur Seine, die wir dann in Rouen treffen. Wir sind nun in der Hauptstadt der Normandie angekommen! Im Hotel können wir uns erholen, es ist sehr ruhig und gemütlich, auch wenn es insgesamt groß und modern hier ist. Unser Abendessen findet in einer Bärenhöhle statt, in Anwesenheit des Hausherrn – na dann, gute Nacht für heute!
Videolink: Deutsche Zeitzeugen berichten über die Hölle von Verdun
Rouen – Felsenküste – Honfleur – Caen 🇫🇷
Jetzt sind wir in der Normandie! Hier gibt es unendlich schöne Küsten und malerische Orte in alten Städten. Kein Wunder, dass Claude Monet hier seine Inspiration fand! Wir beginnen heute unser Programm an einem seiner bedeutendsten Motive, der Kathedrale von Rouen mit ihrer unglaublichen Fassade. Hier treffen wir Inga, unsere Stadtführerin.
Unterhaltsam und spannend zeigt sie uns bei einem Spaziergang die Pracht der Gotik, das mittelalterliche Rouen mit seinen faszinierenden Fachwerkbauten, den Prunk und den Reichtum der Großen Uhr und natürlich hören wir die Geschichte der heiligen Johanna von Orléans, deren Scheiterhaufen hier einst stand. Es gibt noch etwas Freizeit, bevor wir dann im Bus alle wieder treffen, um an die Alabasterküste bei Étretat zu fahren. Hier stehen die Felsentore, die auch auf Monets Bildern zu sehen sind. Am Strand aus Feuerstein genießen wir die Aussicht und die Meeresbrise, und so mancher erklimmt eine der Klippen, um von dort noch weiter zu blicken.
Unsere Reise führt uns weiter, diesmal in die Neuzeit. An der Brücke von Normandie halten wir an und schauen uns dieses Meisterwerk der Ingenieursbaukunst ganz genau an. An Modellen und Details kann man die Technik hinter dieser gewaltigen Schrägseilbrücke ganz genau studieren, bevor sie uns dann auch über die weite Mündung der Seine nach Süden trägt.
Hier erwartet uns das kleine normannische Städtchen Honfleur. Einst war es ein bedeutender Handelshafen, heute ist es ein bezauberndes kleines Städtchen, in dem sich Kunst und Lebensfreude entfalten. Wir besichtigen die sehr ungewöhnliche Holzkirche Sainte-Catherine und vertreiben uns danach auf angenehme Weise die Zeit im Sonnenschein, bevor wir wieder auf Achse gehen.
Ein Stündchen fahren wir noch, dann erreichen wir Caen. Hier am Park des Mémorial wohnen wir für heute. Es gibt ein gutes Abendessen und freundliche Menschen, die an der Bar frische Biere zapfen. So lässt sich der Tag in netter Runde gut beenden!
Videolink: Pont de Normandie
Landungsstrände – Saint Malo 🇫🇷
Der Tag beginnt wieder mit einer Reise in die Zeitgeschichte. Heute geht es um den Zweiten Weltkrieg, der mit der Landung der Alliierten in der Normandie seine endgültige Wende nahm. Es erscheint unglaublich, wie eine so gigantische Operation vorbereitet werden konnte und wie das Deutsche Reich derartig überrumpelt werden konnte, das doch durch den sogenannten Atlantikwall unbezwingbar sein sollte.
Ein absoluter Schlüsselmoment war die Eroberung der Pegasusbrücke nahe Caen. Hier landeten britische Soldaten mit einer Handvoll enormer Segelflugzeuge mitten in der Nacht, um die folgende Invasion mit Tausenden Schiffen und Flugzeugen abzusichern. Wir können einen davon sehen, die Brücke und vieles mehr, bevor wir Sword Beach, den östlichsten der Landungsstrände, ansteuern. Alle Orte hier bekamen Codenamen, die heute meist bekannter sind als die historischen Flurnamen der Gegend.
An Juno Beach entlang fahren wir dann nach Arromanches; hier sind wir nun in Gold Beach, wo ein gewaltiger künstlicher Hafen entstand. Die Überreste kann man immer noch sehr gut von unserem Aussichtspunkt sehen, ein Museum im Ort dokumentiert die Ereignisse in einer packenden Ausstellung. Wir haben Zeit, um alles anzusehen, und fahren dann weiter, an Obstgärten voller Apfelbäume vorbei, nach Bayeux.
Diese Stadt scheint wesentlich größer, als sie ist. Es liegt an ihrer historischen Bedeutung, an der mächtigen Kathedrale und vielem mehr. Vor allem ist hier auch der Wandteppich von Bayeux zu Hause, der zur Zeit für mehrere Jahre restauriert wird. Wir sehen uns in der Stadt um und fahren dann wieder ans Meer, wo wir in einem Fischerort mit dem Namen Port-en-Bessin-Huppain halten. Wer genau hinsieht, kann an der Steilküste alte deutsche Befestigungen und ein sogenanntes Widerstandsnest erkennen. Hier begann auch der Omaha Beach genannte Abschnitt der Landungsstrände, mit dem wir die zeitgeschichtliche Exkursion für heute abschließen.
Wir lassen nun die Küste für eine Weile hinter uns, bevor wir an der Bucht von Mont-Saint-Michel wieder das Meer sehen. Für heute verlassen wir sogar die Normandie und erreichen Saint-Malo, das bereits in der Bretagne liegt. Hier wohnen wir direkt am Strand Grande Plage du Sillon. Es gibt ein für die Gegend typisches köstliches Abendessen, danach noch die Gelegenheit zum Spaziergang an der Strandpromenade, die angenehm friedlich dazu einlädt. Kaum zu glauben, dass es hier bei den berühmt-berüchtigten Springfluten ganz anders zugeht, dazu gibt es hier auch wieder einen spannenden …
…Videolink: Tempête et Grandes marées à Saint-Malo
Mont–Saint–Michel – Cancale 🇫🇷
Wir haben sehr gut geschlafen in der Bretagne. Bevor wir uns dieser spannenden Region in aller Ruhe widmen, geht es heute Morgen noch einmal zurück in die Normandie. Unser Plan, vor dem großen Ansturm der Massen an diesem, einem der begehrtesten Reiseziele Frankreichs, anzukommen, gelingt vortrefflich.
Wir lassen unseren Bus am Festland zurück und werden mit futuristisch anmutenden Shuttle-Bussen über den Damm und eine filigrane Brücke auf die Felseninsel Mont-Saint-Michel, zum Berg des heiligen Michael, gefahren. Im Mittelalter entstand hier eine dem Erzengel gewidmete Abtei, die immer weiter wuchs, zu einer bedeutenden befestigten Anlage inmitten eines kleinen Städtchens. Über die befestigten Mauern geht es bequem, aber teilweise steil nach oben.
Wir sind heute die Ersten, die Einlass erhalten. Versorgt mit einem elektronischen Führer können wir uns alles in Ruhe ansehen; danach haben wir etwas freie Zeit. Als wir dann zurückfahren, hat sich der Klosterberg schon sehr mit Menschen gefüllt. Wir verabschieden uns nun endgültig von der Normandie. Wir überqueren den Grenzfluss Couesnon und sind nun wieder in der Bretagne. Der Küste entlang fahren wir nach Cancale.
Hier werden seit Jahrhunderten Austern gezüchtet. Es ist gerade Ebbe, so können wir die Austernbänke vor dem Ort gut sehen. Alles wird hier mit großem Aufwand betrieben. Die Arbeit ist sehr intensiv. Kein Wunder, dass Austern exklusiv und teuer sind. Umso besonderer ist das Erlebnis, sie hier frischer als irgendwo anders möglich, direkt am Austernmarkt am Strand zu verkosten. Im Schatten des malerischen Leuchtturms werden wir von einem freundlichen Franzosen namens Pierre mit köstlich kühlem Weißwein dazu versorgt. Santé!
Gut gelaunt kehren wir schließlich nach Saint-Malo zurück. Hier unternehmen wir einen Rundgang durch die von mächtigen Stadtmauern umgebene Altstadt. „Intra Muros“ wird sie genannt. Die meisten entscheiden sich für einen Strandspaziergang zurück zum Hotel, wer es gerne etwas bequem hat, wird von Evgenij nach Hause chauffiert. Ein Abendessen mit Blick aufs Meer rundet den Tag ab. Wir lauschen dem Wind und den Wellen – ab heute sind wir Bretonen.
Videolink: GoPro Awards: Medieval Castle FPV through Mont Saint-Michel
Küsten in Smaragd und rosa – bretonische Kirchen und ein neues Zuhause 🇫🇷
Wir lassen heute Morgen Saint-Malo hinter uns und fahren nach Westen. Am Fluss Rance halten wir dort; dort sehen wir das Gezeitenkraftwerk, das schon seit 60 Jahren Strom für Hunderttausende Menschen produziert. Der gewaltige Tidenhub in der Gegend lässt den Fluss mit großer Kraft abwechselnd in zwei Richtungen fließen.
Auch unsere nächste Besichtigung widmet sich einem Meisterwerk der Baukunst. Der ältere der beiden Leuchttürme am Cap Fréhel stammt aus dem 17. Jahrhundert; der Festungsbaumeister Vauban hat ihn einst für König Ludwig XIV. errichtet. Das Schönste hier ist allerdings die eindrucksvolle Natur. Es riecht nach Meer und Pflanzen im Sonnenschein. In diesem Licht können wir die besondere Farbe des Meeres leuchten sehen, die der Küste hier den Namen Côte d’Émeraude, zu deutsch Smaragdküste, gab.
Bunt geht es auch weiter; wir fahren nach Ploumanac’h. Hier sehen wir die wilden Felsen der rosafarbenen Granitküste. Vom Wasser und Wind geformt, bildeten sich bizarre Felsen mit fantasievollen Namen, in deren Schatten Schmuggler ins Land brachten. Der schönste Weg hier bekam daher den Namen Zollwächterpfad. Wir haben Zeit, darauf zu spazieren, und sehen auch das Schloss eines berühmten Wahlbretonen: Dieter Hallervorden hat hier viele seiner geistreichen Werke verfasst. Für alle, die in seine Fußstapfen treten möchten: Das Schloss steht aktuell zum Verkauf, preiswert ist es allerdings nicht; 9,5 Millionen Euro soll es kosten.
Für uns ist das kein Problem, unsere Unterkunft ist gesichert. In der Stadt Quimper wartet unser nächstes Hotel auf uns. Auf dem Weg dorthin lernen wir nun eine der faszinierendsten Seiten der Bretagne kennen: Die Welt der alten Kirchen mit ihren prunkvollen Ausstattungen ist einzigartig. Zur Zeit der Gegenreformation hat man alles aufgefahren, was die bretonische Handwerkskunst ihrer Zeit zu bieten hatte; der Reichtum der Segeltuchmacher aus der Gegend machte es möglich.
Unterwegs staunen wir auch immer über die Ortsnamen in bretonischer Sprache. In den letzten Jahrzehnten wurde der Stolz darauf wieder entdeckt und wird nun als Zeichen der Eigenständigkeit in Frankreich hochgehalten, auch wenn sie im Alltag selten ist.
In Quimper, zu bretonisch Kemper, angekommen, beziehen wir dann unser Hotel. Die Lage nur wenige Schritte von der Altstadt und ihren berühmten Fußgängerbrücken entfernt lädt viele noch zu einem Stadtbummel nach dem Abendessen ein, bevor sich ein weiterer spannender Reisetag seinem wohlverdienten, ruhigen Ende zuneigt.
Videolink: Bretonisch-Deutsch Audiokurs
Rundfahrt durch Cornouaille 🇫🇷
Wer möchte, kann heute den ganzen Tag in Kemper verbringen; zu sehr lockt allerdings ein Ausflug durch die Cornouaille. Der Name der Landschaft gleicht dem französischen Wort für Cornwall, und das ist kein Zufall. Die Menschen auf beiden Seiten des Ärmelkanals teilen eine tiefe kulturelle Verbundenheit; sie alten keltischen Sprachen wurden durch das Meer nicht getrennt, sondern direkt verbunden. So ist es kein Zufall, dass auch die Dörfer mit ihren typischen Häusern sehr ähnlich wirken wie auf der britischen Seite des Meeres.
Unser erster Halt gilt Audierne, einem kleinen Hafenort; hier findet heute ein großer Markt statt. Weiter geht es nun zum Pointe du Raz, wo uns die wilde Klippenlandschaft einen Eindruck von der Rauheit des Meeres vermittelt. Passend dazu setzt nun auch dramatischer Regen ein. Das hält uns jedoch nicht davon ab, ein bretonisches Picknick mit regionalen Spezialitäten, mit Wein und Cidre und vielem mehr zu genießen. Das gemeinsame Abenteuer verbindet uns nur noch mehr!
Wir halten am Strand Plage de la Baie des Trépassés, einem beliebten Treffpunkt der Wellenreiter, und fahren dann wieder ins Landesinnere. In Confort-Meilars erwartet uns eine ganz besondere bretonische Kirche. Auch hier gibt es eine prunkvoll mit Figuren geschmückte Kreuzigunggruppe, hier Calvaire genannt. Einzigartig ist allerdings das berühmte Glockenrad der wundertätigen Madonna, an dem wir hier auch drehen dürfen.
Ein großer Höhepunkt des Tages ist der Besuch des Ortes Locronan. Das märchenhaft wirkende historische Städtchen gehört zurecht als eine der schönsten Orte Frankreichs; viele historische Filme wurden hier gedreht. Weil wir es uns gewünscht haben, wird natürlich das Wetter auch wieder vorm Sommerlich schönes. Mit uns freut sich auch eine große Hochzeitsgesellschaft vor der Kirche. Wir können einige schöne französische Uniformen bewundern und bei einem glücklichen Paar zuwinken, das stilecht im Oldtimer verschwindet.
Wir fühlen uns dagegen sehr wohl in unserem modernen Luxus-Reisebus und machen uns nun wieder auf den Weg nach Kemper. Dort unternehmen wir noch einen Stadtspaziergang bei schönstem Sonnenschein in der Altstadt. Wir besichtigen die Kathedrale Saint-Corentin und haben danach noch Zeit zum Shoppen oder Bummeln, bevor wir im Hotel zu Abend essen und bald dann tief und fest schlummern.
Videolink: Die Kulisse des Films „Tess“. Locronan
Concarneau – Menhire – Quiberon – Vannes 🇫🇷
Heute verlassen wir Quimper, um noch morgens, bevor die Stadt überlaufen sein wird, Concarneau zu besuchen – genauer gesagt die Ville Close, die geschlossene Stadt. Die Befestigung erinnert nicht ohne Grund an Saint-Malo. An beiden Orten hatte der Ingenieur Vauban seine Hand im Spiel. Wir kennen schon seinen Leuchtturm. Wir haben Glück und gehören zu den Ersten, die die Stadt fast ganz alleine erleben. Umgeben von gewaltigen Mauern und Türmen wurde hier ein strategisch wichtiger Hafen im 17. Jahrhundert ausgebaut. Es ist Apple, das gibt dem Ort noch eine ganz besondere Atmosphäre. Es riecht nach Algen und Meer, während sich im Städtchen langsam der Duft der typischen bretonischen Bäckereien verbreitet.
Unsere nächste Zeitreise bringt uns Tausende Jahre weiter in die Vergangenheit. In der Jungsteinzeit richteten Menschen gewaltige, am Boden liegende Riesensteine auf, auf Bretonisch Menhir genannt. Im Deutschen wurde aus dem Wort dann über einen originellen Umweg der Begriff Hinkelstein. Bei Erdeven gibt es die Steinreihen von Kerzerho, die frei betreten werden können. Kaum zu glauben, dass man hier noch im 19. Jahrhundert einige Steine achtlos beiseite räumte, um eine Straße zu bauen.
Es gibt Vermutungen, dass diese Steine über viele Kilometer mit denen von Carnac zusammenhängen. Dort sehen wir bis an den Horizont reichende Reihen, Haus an Haus, Tausenden von oft metergroßen Steinen. Wie viel Arbeit muss es gewesen sein, ein solches Werk zu schaffen?
Zwischen dem Besuch der beiden Kultstätten machen wir eine angenehme Pause im Badeort Quiberon. Auf einer schmalen Halbinsel liegt dieser beliebte Urlaubsort. Unterwegs halten wir am Strand und genießen den Sonnenschein für einen Augenblick.
Am Nachmittag treffen wir dann in der Stadt Vannes ein. Hier erwartet uns Kristin; zu Fuß führt sie uns durch diese bedeutende bretonische Stadt. Wir wandern über Plätze, die den Reichtum der Bewohner symbolisieren, und durch enge Straßen, in denen sich uralte Fachwerkhäuser auf schwindelerregende Weise über die Gassen neigen.
Unser Rundgang endet am Hotel. Dort erwartet uns bereits Evgenij mit unserem Reisegepäck, und das Hotel mit einem bretonischen Begrüßungstrunk. Es gibt Cidre, der hier traditionell aus Keramiktassen getrunken wird.
Santé, Gesundheit, auf einen weiteren schönen Tag in der Bretagne!
Videolink: Obelix und der Hinkelsteinwurf
Anger – Chartres 🇫🇷
Heute verlassen wir nach spannenden Tagen voller Erlebnisse die Bretagne. Unser erstes Ziel ist die Stadt Angers am Rande des Loiretals. Hier besuchen wir die alte Residenzstadt und können die gewaltige Anlage des Königsschlosses besichtigen.
Im Inneren des Palastes wird der unschätzbar kostbare Wandteppich der Apokalypse aufbewahrt, für den ein eigenes klimatisiertes Museum gebaut wurde. Über 100 Meter lang und über vier Meter hoch ist er hier zu sehen, einer der größten Kunstschätze der Menschheit. Fast wäre er in den Wirren der Französischen Revolution zerstört worden; heute können wir ihn hier aus nächster Nähe betrachten.
Auf der Autobahn geht es dann zügig weiter Richtung Osten. Am Nachmittag erreichen wir die Stadt Chartres. Hier schließt sich ein Themenkreis: Unsere Reise begann mit der Besichtigung der Kathedrale von Metz, und nun stehen wir in einer anderen der bedeutendsten französischen Domkirchen. Die Glasfenster tauchen den Raum in magisches Licht. Das berühmte Chartres-Blau trägt einen gewaltigen Teil dazu bei, und wir erfahren, dass das Geheimnis dieser Farbe seinen Ursprung im Erzgebirge hat. Von dort importierte man schon vor Jahrhunderten den Grundstoff Kobalt.
Nach dem Besuch der Kathedrale ist noch Zeit, den Ort zu besichtigen, bevor wir Richtung Paris weiterreisen. Es ist eine gute Idee, die verkehrsmäßig überlastete Stadt zu umfahren; Evgenij kennt die besten Routen, und so erreichen wir pünktlich unser luxuriöses Hotel in der Region. Brie, wieder Käse – der kommt von hier und wird zum Frühstück serviert. Heute Abend gibt es dagegen international inspirierte Küche mit einem köstlichen französischen Schmorbraten in Rotwein als Höhepunkt.
Videolink: Wandteppich der Apokalypse Angers
Die Heimreise 🇫🇷 🇩🇪
Heute frühstücken wir noch einmal ausgiebig in Frankreich, dann machen wir uns auf den Weg in die Heimat. Wir fahren los bei schönstem Wetter und bei einer angenehmen Fahrt auf der Autoroute („Autoroute“, wie man auf Französisch sagt) erreichen wir die Champagne. Hier waren wir bereits auf der Hinfahrt. Heute gibt es allerdings noch einen Unterschied: Wir haben eine großartige Reise zu feiern, und was gäbe es da Passenderes als ein oder zwei Schlückchen Champagner? Während die sanfte Landschaft an uns vorüberzieht, lehnen wir uns zurück und genießen den Geschmack der Region. Beim nächsten Glas Champagner, egal wo, werden wir immer an unsere Zeit in Frankreich zurückdenken und davon erzählen können.
Schließlich erreichen wir die Grenze: Adieu, Frankreich! Nun geht es weiter auf die deutsche Autobahn; sicher und ruhig geht es mit einigen Ausstiegen nach Hause. Wie schön es war – eine wunderbare Reise geht erfolgreich zu Ende!
Videolink: Wie entsteht Champagner?
Nach einer solchen Reise bleibt viel mehr als jede Menge herrliche Fotos und spannende Erzählungen:
Die vielfältigen Eindrücke der unvergesslichen Naturkulisse, vom Meer und Land, die Geschichte, historischen Bauten, Kunst und Lebensfreude – all das wächst noch weiter in uns und kann uns nie mehr genommen werden.
Und da wir es selbst erlebt haben, wissen wir es jetzt genau:
Leben wie Gott in Frankreich ist ein naheliegendes Vergnügen!
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