Zum Hauptinhalt springen ... Alle Themen & Ziele
  (03 52 04) 92 112 / Mo – Fr: 07:00 – 19:00 Uhr + Sa: 10:00 – 15:00 Uhr
Eberhardt TRAVEL GmbH
Testsieger 2025
Banner-Hero

Normandie und Bretagne, zwei stolze Schwestern

Reisebericht: 07.09. – 16.09.2025

„Die Bretagne ist das Land der Träume und der Legenden, wo das Meer die Seele der Menschen formt.“

François-René de Chateaubriand, bretonischer Romantiker, 1768–1884

Ein Reisebericht von
G. Adamietz


Anreise 🇩🇪🇫🇷

Die Normandie und die Bretagne sind zwei raue Seelen im Nordwesten Frankreichs. Sie teilen windgepeitschte Klippen, türkisfarbene Gezeitenbuchten und den Duft von Salzluft, frischen Austern und Cidre. Während Kreidefelsen und D-Day-Strände die Normandie prägen, lockt die Bretagne mit keltischen Menhiren und ihrer ganz eigenen Kultur. Gemeinsam bieten sie maritime Küche, wechselhaftes Wetter und eine stolze Geschichte.

Die Vorfreude hilft sehr dabei, heute Morgen früh aufzustehen. Bald schon scheint die Sonne sommerlich schön; Jan, unser erster Busfahrer, begrüßt die Ersten mit einem Lächeln und serviert heißen, frischen Kaffee. Ein perfekter Start in den Tag!

Auf der Autobahn fahren wir ein Stück in Formation mit lieben Kollegen, die ins Elsass reisen – vielleicht ist das schon die Idee für die nächste Frankreichreise?

Wir halten gelegentlich, um freundliche Reisende aufzunehmen; immer mehr schließen sich an, Verstärkung trifft aus allen Teilen Deutschlands ein. Bald schon steigt dann Peter zu, unser genialer Fahrer für die gesamte Reise, und lenkt gut gelaunt unseren feinen Bus Richtung Westen. Die Zeit fliegt vorbei, schon erreichen wir das Saarland. So klein ist es, dass wir kaum Zeit haben, seine wechselvolle deutsch-französische Geschichte anzusprechen – schon liegt die Grenze hinter uns. Willkommen in Lothringen!

Hier wird es richtig interessant. Elsass-Lothringen mit seinen deutsch klingenden Ortsnamen weckt Neugierde: Der Autor erzählt aus seiner Strassburger Zeit von Deutschen, die Französisch sprechen, und Franzosen mit einer alten, lebendigen Mundart. Auch Lothringen war lange zweisprachig; in alten Liedern kann man noch die Sprache hören, deren Klang seltsam vertraut scheint. So vergeht die Fahrt über elegante französische Autobahnen nach Metz recht kurzweilig, und bald schon erreichen wir Metz.

Peter rangiert unseren Bus kunstvoll durch die engen Gassen, und ein feines kleines Hotel im Herzen der Stadt nimmt uns nun herzlich auf. Wir checken ein und machen uns gleich danach auf, einen Stadtrundgang zu unternehmen. Höhepunkt ist der gewaltige Dom St. Stephen – eine Kathedrale des Lichts. Jahrhundertealte Fenster neben neueren von Marc Chagall und ganz neuen Werken moderner Künstler beeindrucken innen mit ihrem magischen Licht.

Bei Kaiserwetter schlendern wir dann zur Mosel. Wilhelminische Spuren mischen sich mit dem malerischen Anblick von Brücken zur „Île du Petit-Saulcy“, der „Kleinen Weideninsel“. Nach einem vorzüglichen Abendessen werden Manche noch einmal hierher spazieren – im Lichterglanz wirkt die Altstadt am Fluss bezaubernd.

Der erste Tag war ein gelungener Auftakt. Metz wirkt schon entspannend, und dank der ganz eigenen französischen Bettenkunst schlafen wir hervorragend unseren neuen Erlebnissen entgegen!

Videolink: O, ich armer Lothringer Bur

Verdun – Rouen 🇫🇷

Wir leben in einer guten Zeit, in der die deutsch-französische Freundschaft eine Grundfeste unseres Landes ist – kaum noch ist es vorstellbar, wie man einst von der „Erbfeindschaft“ sprach und sich in verheerenden Kriegen abwechselnd den Schädel einschlug. Umso wichtiger ist es, die Erinnerung zu bewahren und aus der Vergangenheit zu lernen. Heute werden wir unseren Teil dazu beitragen.

Wir verlassen Metz am Morgen, vorbei an sehr wilhelminischen Straßenzügen aus der deutschen Kaiserzeit. Über sehr gut ausgebaute Straßen erreichen wir bald schon die Tore der Stadt an der Maas; hier treffen wir Ursula, sie wird uns über die Schlachtfelder führen.

Auf den grünen Hügeln ahnen wir nur noch schwach die Narben des Ersten Weltkriegs. Der gewaltige Friedhof und das Beinhaus von Douaumont machen die Katastrophe dann aber bald in ihrer Dimension erkennbar. Der Besuch im Bunker des Forts Douaumont vertieft diesen düsteren Eindruck. Was die Soldaten dort ertragen mussten, erscheint unvorstellbar.

Hunderttausende Soldaten fielen bei Verdun in zehn Monaten – gebracht hat es nichts, das ist eine Erkenntnis. Eine andere, erfreuliche allerdings, dass es Länder und ihre Menschen schaffen können, solche Katastrophen zu überwinden, um in Freundschaft sehr viel besser zu leben.

Bewegt vom Gesehenen machen wir uns weiter auf den Weg nach Westen. Durch die für ihre beliebten Getränke berühmte Region Champagne fahren wir, dann noch über Land. Heute sind wir tatsächlich 500 Kilometer unterwegs!

Dank Peters großem Fahrgeschick bringen wir zeitlich einen Besuch im Wald von Compiègne unter. In einem Eisenbahnwagen wurden hier die Waffenstillstände beider Weltkriege unterzeichnet – eine Gedenkstätte erinnert daran, und das kleine Museum ist gut und informativ gestaltet, eine passende Abrundung unseres historisch orientierten Tages.

Dann geht es wieder weiter. Nördlich umfahren wir Paris in sicherer Entfernung vom dortigen Stauleben, parallel zur Seine gelangen wir in die Normandie. Wir fahren noch romantisch in den Sonnenuntergang und kommen so nach Rouen, in die Hauptstadt der Normandie. Dort erwartet uns unser modernes, ruhiges Hotel und nimmt uns freundlich auf. Zum Abendessen gibt es wie überall auf unserer Reise Speisen aus der Region. Manche trinken noch ein Gläschen an der gemütlichen Bar, dann schlafen wir bald alle tief und fest.

Videolink: Augenzeugen berichten über: Verdun 1916

Rouen – Felsenküste – Honfleur – Caen 🇫🇷

Wir sind also gut in der Normandie angekommen und machen uns nun auf, Rouen zu entdecken, die Stadt mit der Kathedrale, an der Claude Monet eine seiner größten Inspirationen fand! Man hielt ihn damals für etwas eigenartig, als er immer wieder die gleiche Fassade aus Stein malte. Die ist allerdings wahrlich etwas Besonderes, wie wir nun selber sehen können!

Hier vor der Kathedrale treffen wir jetzt nicht nur den Geist von Monet, sondern sehr lebendig Inga, unsere charmante Stadtführerin. Unterhaltsam und spannend führt sie uns durch die gotische Pracht, das mittelalterliche Rouen mit seinen zauberhaften Fachwerkhäusern, die prunkvolle Große Uhr und die bewegende Geschichte der heiligen Johanna von Orléans, und zeigt uns auch den Platz, auf dem der Scheiterhaufen damals errichtet wurde.

Nach etwas Freizeit in Rouen steigen wir wieder in unseren Bus und fahren Richtung Étretat an der sogenannten Alabasterküste, der weißen Felsen wegen. Die herrlichen Felsentore, auch sie finden sich auf Monets Bildern, ragen majestätisch aus dem Meer, und manch einer von uns erklimmt eine Klippe für den perfekten Panoramablick. Alle stehen wir davor noch zusammen am Kieselstrand aus Feuerstein und genießen das angenehme Wetter.

Nach soviel Romantik reisen wir nun in die Gegenwart. An der Brücke von Normandie halten wir, um diese Meisterleistung der Ingenieurskunst zu bestaunen. Modelle und Details erklären die Technik hinter der gewaltigen Schrägseilbrücke, die wir dann auch überqueren; sie führt uns über die weite Seinemündung nach Süden.

Dort liegt Honfleur, einst ein Handels- und heute ein beliebter Yachthafen; schlendern wir durch bezaubernde Gassen. Vor allem steht hier auch ein ganz besonderer Bau, den wir gemeinsam besuchen: Die ungewöhnliche Holzkirche Sainte-Catherine, von Seeleuten wurde sie aus Holz erbaut, wie sie es von ihren Schiffen kannten.

Danach genießen wir sonnige Freizeit. Hier gibt es viele Galerien mit anspruchsvoller Kunst, Läden mit Produkten aus der Normandie und nette Cafés. Hier lässt es sich gut verweilen, bevor wir wieder aufbrechen; noch eine schöne Fahrt, nicht allzu lange, haben wir noch.

Schon eine Stunde später erreichen wir Caen, und hier wohnen wir nahe des Mémorial; ein schöner Park ist hier für alle, die noch abends etwas spazieren gehen wollen. Vorher gibt es aber erstmal noch ein gutes Abendessen und eine freundliche kleine Bar im Hotel, wo unser Tag in netter Gesellschaft ausklingt.

Videolink: Pont de Normandie

Landungsstrände – Saint Malo 🇫🇷

Heute widmen wir uns noch einmal der Zeitgeschichte, es geht um den Zweiten Weltkrieg, dessen Ende hier in der Normandie seinen Anfang nahm. Der Westen Europas war durch den berühmt-berüchtigten Atlantikwall zur vermeintlich unbezwingbaren Festung ausgebaut. Wie war es möglich, dass das Deutsche Reich von der größten militärischen Operation der Neuzeit einfach über Nacht überrumpelt werden konnte?

Die Invasion der Normandie nahm ihren Anfang mit einer abenteuerlichen Kommandoaktion. Das Husarenstück hatte den Namen Operation Deadstick, der Ort des Geschehens war die Pegasusbrücke nahe Caen, die wir nach kurzer Fahrt erreichen.

Hier konnte eine britische Spezialeinheit mit riesigen Segelflugzeugen mitten in der Nacht unbemerkt landen und in wenigen Minuten die Kontrolle über die wichtigste Schlüsselstelle zur Normandie übernehmen. So sicherten sie die folgende Invasion mit Tausenden Schiffen und Flugzeugen, die über den Ärmelkanal kamen. Wir können eines der Segelflugzeuge sehen, die Brücke natürlich auch und machen uns dann auf zum Sword Beach, den östlichsten der Landungsstrände. Wie alle Orte hier bekamen die Strände Codenamen, die heute meist bekannter sind als die historischen Flurnamen.

An Juno Beach entlang fahren wir dann nach Arromanches; hier sind wir nun in Gold Beach, wo ein gewaltiger künstlicher Hafen entstand. Die Überreste kann man immer noch sehr gut von unserem Aussichtspunkt sehen, ein Museum im Ort dokumentiert die Ereignisse in einer packenden Ausstellung. Wir haben Zeit, um alles anzusehen, und fahren dann weiter, an Obstgärten voller Apfelbäume vorbei, nach Bayeux.

Diese Stadt scheint wesentlich größer, als sie ist. Es liegt an ihrer historischen Bedeutung, an der mächtigen Kathedrale und vielem mehr. Vor allem ist hier auch der Wandteppich von Bayeux zu Hause, der zur Zeit für mehrere Jahre restauriert wird. Wir sehen uns in der Stadt um und treffen uns gerade rechtzeitig, um einem lange anhaltenden Sturzregen zu entgehen.

„Wetterbericht“ heißt auf Französisch übrigens „Météo“. Es gab eine sehr ernste Unwetterwarnung, die nicht zu viel versprochen hat. Die Region Normandie und Bretagne ist ja nicht ganz unbekannt für regnerisches Wetter. Was wir nun erleben, ist allerdings wirklich heftig. Wie gut, dass wir nicht selber fahren müssen und uns Peter verantwortungsbewusst und gelassen über teilweise schon unter Wasser stehende Straßen fährt. Es wirkt, als würde unser Bus mehrere Stunden durch eine endlose Autowaschanlage fahren.

An der Bucht von Mont-Saint-Michel angekommen können wir dann endlich wieder etwas weiter sehen; wir sind auch wieder am Meer. Kurz verlassen wir nun die Normandie und erreichen das nahe Saint-Malo, das bereits in der Bretagne liegt.

Wie bestellt hört nun der Regen endlich auf, das ist mehr als erfreulich, denn hier wohnen wir inmitten der befestigten Altstadt, die „Intra Muros“ genannt wird. Es ist wunderschön hier, doch wir müssen ein paar Schritte zu Fuß gehen; hier ist alles eine idyllische Fußgängerzone, die ohne Regen einfach noch viel angenehmer ist, und darüber freuen wir uns nun sehr!

Unser köstliches Abendessen essen wir in einem der besten Restaurants der Stadt, im „Chateaubriand“, benannt nicht nach der Speise, sondern nach dem Dichter und Politiker gleichen Namens, der nur wenige Meter entfernt geboren wurde. Dazu stoßen wir mit ganz hervorragenden Weinen auf unseren ersten Abend in der Bretagne an!

Videolink: Operation Deadstick, Pegasus-Brücke

Mont–Saint–Michel – Cancale 🇫🇷

Wir haben sehr gut geschlafen in der Bretagne. Bevor wir uns dieser spannenden Region in aller Ruhe widmen, geht es heute Morgen noch einmal zurück in die Normandie, unser Ziel ist der Inselberg des heiligen Erzengels Michael.

Wir lassen unseren Bus am Festland zurück und werden nun mit futuristisch anmutenden Shuttle-Bussen über den Damm und eine filigrane Brücke auf die Felseninsel Mont-Saint-Michel gefahren.

Hier bietet sich uns ein wahrlich besonderes Erlebnis. Heute ist einer der höchsten Flutstände des Jahres. Eine Springflut klingt langsam aus. Nur 20 Minuten früher hätten wir knietief durch Wasser laufen müssen. Nun erreichen wir den Zugang zur Stadt über einen schmalen Steg; das Stadttor steht immer noch unter Wasser!

Über die befestigten Mauern geht es nun bequem, aber teilweise steil nach oben. Die Ausblicke auf das Meer sind gewaltig, auch auf den Fluss Couesnon, der hier die Normandie und die Bretagne abgrenzt. Wir erreichen die eigentliche Abtei.

Ausgestattet mit einem elektronischen Führer können wir uns alles in der Klosteranlage in Ruhe ansehen; danach haben wir noch freie Zeit. Als wir dann zurückfahren, verabschieden wir uns nun diesmal von der Normandie.

Wir überqueren den bereits vom Berg aus bewunderten Grenzfluss Couesnon und sind nun wieder in der Bretagne. Der Küste entlang fährt uns Peter nun eine besonders schöne Route; wir kommen so ganz nahe vorbei an Salzfeldern und einer langen Folge alter Windmühlen. Hier sehen wir auch schon die ersten Austernfischer bei der Arbeit und erreichen schließlich unser Ziel, den Ort Cancale.

Hier werden seit Jahrhunderten hochgelobte Austern gezüchtet. Alles wird nicht umsonst mit großem Aufwand betrieben. Die Arbeit ist sehr intensiv. Kein Wunder, dass Austern exklusiv und teuer sind. Wie besonderer ist aber erst das Erlebnis, sie hier frischer als irgendwo anders möglich, direkt am Austernmarkt am Strand zu verkosten. Im Schatten des malerischen Leuchtturms werden wir dazu von einem freundlichen Franzosen namens Pierre mit köstlich kühlem Weißwein versorgt. Santé!

Gut gelaunt kehren wir schließlich nach Saint-Malo zurück. Hier unternehmen wir noch eine Rundfahrt, die uns auch am befestigten Strand entlangführt. Dann haben wir wieder Freizeit, und zum Abendessen treffen wir uns wieder im Chateaubriand; dort wird uns traditionell stundenlang in Cidre geschmorter Schinken serviert. Wir fühlen uns glücklicher als Asterix und Obelix, die Gallier.

Videolink: Cancale, das Zuhause der Auster

Küsten in Smaragd und rosa – bretonische Kirchen und ein neues Zuhause 🇫🇷

Wir lassen heute Morgen Saint-Malo hinter uns und fahren nach Westen. Am Fluss Rance halten wir dort; dort sehen wir das Gezeitenkraftwerk, das schon seit 60 Jahren Strom für Hunderttausende Menschen produziert. Der gewaltige Tidenhub in der Gegend lässt den Fluss mit großer Kraft abwechselnd in zwei Richtungen fließen.

Unsere nächste Station ist wieder der Natur gewidmet: Cap Fréhel. Es riecht nach Meer und Pflanzen im Sonnenschein. In diesem Licht können wir die besondere Farbe des Meeres leuchten sehen, die der Küste hier den Namen Côte d’Émeraude, zu deutsch Smaragdküste, gab. Hier steht auch noch ein historisches Meisterwerk der Baukunst: Der ältere Leuchtturm am Cap Fréhel wurde vor über 300 Jahren von Vauban für Ludwig XIV. errichtet.

Weniger meisterhaft ist allerdings die Fahrkunst eines fremden Busfahrers! Während wir über das idyllische Cap spazieren, wird unser parkender Bus von einem deutschen Kollegen gerammt. Unsere Windschutzscheibe hat im unteren Eck einiges abbekommen, und der wichtige linke Rückspiegel steht bizarr verdreht. Ein Fehler kann ja immer mal passieren, aber jetzt ist der Übeltäter gerade noch davon abzubringen, alles noch schlimmer zu machen; nach einer deutlichen Ansage lässt er davon ab, und es gelingt uns, den Spiegel wieder an seinen Platz zu bringen. Der Bus ist zum Glück sicher und fahrfähig, das ist gut. Die Scheibe behalten wir im Auge, der Schaden ist jedenfalls ziemlich teuer. Gut für uns: Ein Parkplatzwächter meldet sich freundlich als Zeuge – wie praktisch.

Unsere Gruppe ist einmal mehr froh, mit Eberhardt zu reisen, und mit Peter als Fahrer auf dieser Reise ganz besonders! Weiter geht es dann etwas verzögert, aber unerschrocken über eine wunderschöne Küstenstraße nach Ploumanac’h.

Hier sehen wir die wilden Felsen an der Küste, die nun aus rosafarbenem Granit besteht. Vom Wasser und Wind geformt, bildeten sich bizarre Felsen mit fantasievollen Namen, in deren Schatten Schmuggler ins Land brachten. Der schönste Weg hier bekam daher den Namen Zöllnerpfad. Wir haben Zeit, darauf etwas zu spazieren; man sieht hier auch das Schloss eines berühmten Wahlbretonen.

Dieter Hallervorden hat hier viele seiner geistreichen Werke verfasst. Für alle, die in seine Fußstapfen treten möchten: Das Schloss steht aktuell zum Verkauf, preiswert ist es allerdings nicht; 9,5 Millionen Euro soll es kosten. Unsere nächste Unterkunft ist ohnehin viel zeitgemäßer: In Quimper erwartet uns wieder ein schönes Hotel.

Auf dem Weg dorthin fahren wir vorbei an faszinierenden bretonischen Kirchen mit prunkvollen Ausstattungen. In Gegenreformationszeiten floss hier der Reichtum der örtlichen Segelmacher in barocke Handwerkskunst, meist als Prestigegeschenk der Familien von neu geweihten Priestern.

Die bretonischen Ortsnamen fallen auf, alle Schilder sind hier zweisprachig – ein Zeichen neu entdeckten regionalen Stolzes. In Quimper (bretonisch Kemper) angekommen, beziehen wir das Hotel nahe der Altstadt mit ihren berühmten Fußgängerbrücken. Nach dem Abendessen schlendern viele noch durch die Gassen – ein weiterer, besonders abenteuerlicher Reisetag neigt sich friedlich dem Ende zu.

Videolink: Bretonisch-Deutsch Audiokurs

Rundfahrt durch Cornouaille 🇫🇷

Wer möchte, kann heute den ganzen Tag in Kemper verbringen; zu sehr lockt allerdings ein Ausflug durch die Cornouaille. Der Name der Landschaft gleicht dem französischen Wort für Cornwall, und das ist kein Zufall. Die Menschen auf beiden Seiten des Ärmelkanals teilen eine tiefe kulturelle Verbundenheit; ihre alten keltischen Sprachen wurden durch das Meer nicht getrennt, sondern direkt verbunden. So ist es kein Zufall, dass auch die Dörfer mit ihren typischen Häusern sehr ähnlich wirken wie auf der britischen Seite des Meeres.

Unser erster Halt gilt Confort-Meilars; hier erwartet uns eine ganz besondere bretonische Kirche. Auch hier gibt es eine prunkvoll mit Figuren geschmückte Kreuzigunggruppe, in der Bretagne Calvaire genannt. Einzigartig ist auch das berühmte Glockenrad der wundertätigen Madonna, an dem wir hier auch drehen dürfen.

Unser ganz besonderes Erlebnis hier ist jedoch, dass wir den Mesner und Organisten bei der Arbeit treffen. Er freut sich über unseren Besuch und erzählt uns spannende Details zur Geschichte der Kirche und ihrer Heiligen. Dann dürfen wir noch etwas ganz Besonderes erleben: Für uns wird die Orgel angemacht, und wir dürfen Kirchenmusik hören, gesungen auf Bretonisch!

Wenn man auf eine bestimmte Weise reist – aufmerksam und respektvoll, nicht laut und massentouristisch –, dann wird man als Besucher fremder Länder und Orte gerne gesehen; das sind die besonders schönen und guten Arten des Reisens.

Wir verlassen den Ort sehr bewegt, nicht ohne den örtlichen Baguette-Automaten zu testen, und erreichen bald das nahe Audierne, einem kleinen Hafenort; hier findet heute ein großer Markt statt, den wir besuchen.

Weiter geht es zum Pointe du Raz, wo uns die wilde Klippenlandschaft einen Eindruck von der Rauheit des Meeres vermittelt. Passend dazu deutet sich immer wieder ein leichter Regen an, der uns schließlich gewähren lässt. Wir dürfen ein bretonisches Picknick mit regionalen Spezialitäten, mit Wein und Cidre und vielem mehr genießen. Peter und der Verfasser dieses Berichts haben ein bisschen eingekauft in Audierne :-)

Wir halten gut gestärkt am nächsten Punkt von Interesse, dem nahen Strand Plage de la Baie des Trépassés, einem beliebten Treffpunkt der Wellenreiter.

Dann fahren wir wieder ins Landesinnere. Ein abschließender Höhepunkt unseres Ausflugs ist der Besuch des Ortes Locronan. Das märchenhaft wirkende historische Städtchen gilt zurecht als eine der schönsten Orte Frankreichs; viele historische Filme wurden hier gedreht. Weil wir es uns gewünscht haben, wird natürlich das Wetter auch wieder vorm Sommerlich schönes. Mit uns freuen sich auch die Teilnehmer einer kleinen Autorallye. Wir sehen einige ziemlich sportliche Autos in der Stadt, in die am besten Pferde und Kutschen passen!

Wir fühlen uns dagegen sehr wohl in unserem modernen Luxus-Reisebus und machen uns nun wieder auf den Weg nach Kemper. Dort unternehmen wir noch einen Stadtspaziergang bei schönstem Sonnenschein in der Altstadt. Hier haben wir noch Zeit zum Shoppen oder Bummeln, bevor wir wieder im Hotel zu Abend essen und bald dann tief und fest schlummern.

Videolink: Locronan

Concarneau – Menhire – Quiberon – Vannes 🇫🇷

Heute verlassen wir Quimper, um noch morgens, bevor die Stadt überlaufen sein wird, Concarneau zu besuchen – genauer gesagt die Ville Close, die geschlossene Stadt. In mystischem Nebel getaucht liegt sie bei hoher Flut nun vor uns, nur über eine früher streng bewachte Brücke erreichbar.

Die Befestigung erinnert nicht ohne Grund an Saint-Malo. An beiden Orten hatte der Ingenieur Vauban seine Hand im Spiel. Wir kennen schon seinen Leuchtturm. Wir haben Glück und gehören zu den Ersten, die die Stadt fast ganz alleine erleben. Umgeben von gewaltigen Mauern und Türmen wurde hier ein strategisch wichtiger Hafen im 17. Jahrhundert ausgebaut. Es ist Apple, das gibt dem Ort noch eine ganz besondere Atmosphäre. Es riecht nach Algen und Meer, während sich im Städtchen langsam der Duft der typischen bretonischen Bäckereien verbreitet.

Von hier fahren wir nach Vannes; am Abend werden wir hier auch wohnen, jetzt aber erwartet uns Kristin, unsere sympathische Stadtführerin. Zu Fuß führt sie uns durch diese bedeutende bretonische Stadt. Wir wandern über Plätze, die den Reichtum der Bewohner symbolisieren, und durch enge Straßen, in denen sich uralte Fachwerkhäuser auf schwindelerregende Weise über die Gassen neigen.

Dann geht es weiter; Peter bringt uns im Bus Tausende Jahre zurück in die Vergangenheit, zumindest an einen Ort, der in der Jungsteinzeit entstand. Damals richteten Menschen gewaltige Anlagen aus Riesensteinen auf, auf Bretonisch Menhire genannt. Im Deutschen wurde aus dem Wort dann über einen originellen Umweg der Begriff Hinkelstein. Wir sehen die Steinreihen von Kerzerho, die frei betreten werden können. Kaum zu glauben, dass man hier noch im 19. Jahrhundert unzählige Steine achtlos beiseite räumte, um eine Straße zu bauen.

Zwischen dem Besuch dieser und der nächsten Kultstätte machen wir eine angenehme Pause im Badeort Quiberon. Auf einer schmalen Halbinsel liegt dieser beliebte Urlaubsort. Im Hochsommer ist es hier oft voll und überlaufen, heute gehört uns der Ort fast ganz allein.

Auf der Fahrt zurück nach Vannes geht es nun noch einmal in die früheste Geschichte, nach Carnac. Es gibt Vermutungen, dass die Steine hier über viele Kilometer mit denen von Kerzerho zusammenhängen. Hier sind es jedenfalls noch viel mehr; wir sehen bis an den Horizont reichende Reihen aus Tausenden von Steinen, viele davon meterhoch. Wie viel Arbeit muss es gewesen sein, ein solches Werk zu schaffen? An den Fragen zu dieser und vielen anderen wird hier auch fleißig geforscht.

Für uns geht es für heute allerdings ganz ohne Arbeit zurück nach Vannes. Unsere Fahrt endet nun am Hotel. Dort erwartet uns bereits Peter mit unserem Reisegepäck, und das Hotel mit einem bretonischen Begrüßungstrunk. Es gibt Cidre, der hier traditionell aus Keramiktassen getrunken wird.

Santé, Gesundheit, auf einen weiteren schönen Tag in der Bretagne!

Videolink: Die Rätselhaften STEINREIHEN Von CARNAC

Anger – Chartres 🇫🇷

Nach unvergesslichen Tagen in der Bretagne machen wir uns auf den Weg Richtung Osten, unser erstes Ziel ist Angers am Rand des Loiretals. Dort erkunden wir die alte Königsresidenz und staunen über die mächtige Schlossanlage.

Im Inneren des Palastes wird der unschätzbar kostbare Wandteppich der Apokalypse aufbewahrt, für den ein eigenes klimatisiertes Museum gebaut wurde. Über 100 Meter lang und über vier Meter hoch ist er hier zu sehen, einer der größten Kunstschätze der Menschheit. Fast wäre er in den Wirren der Französischen Revolution zerstört worden; heute können wir ihn hier aus nächster Nähe betrachten.

Auf der Autobahn geht es dann zügig weiter Richtung Osten. Am Nachmittag erreichen wir die Stadt Chartres. Hier schließt sich ein Themenkreis: Unsere Reise begann mit der Besichtigung der Kathedrale von Metz, und nun stehen wir in einer anderen der bedeutendsten französischen Domkirchen. Die Glasfenster tauchen den Raum in magisches Licht. Das berühmte Chartres-Blau trägt einen ganz besonderen Teil dazu bei, und wir erfahren, dass das Geheimnis dieser Farbe seinen Ursprung im Erzgebirge hat. Von dort importierte man schon vor Jahrhunderten den Grundstoff Kobalt.

Nach dem Besuch der Kathedrale ist noch Zeit, den Ort zu besichtigen, bevor wir Richtung Paris weiterreisen. Es ist eine gute Idee, die verkehrsmäßig überlastete Stadt zu umfahren; Peter kennt die besten Routen, und so erreichen wir pünktlich unser luxuriöses Hotel in der Region – ein Regenbogen begrüßt uns hier in seiner vollen Farbenfreude.

Wir sind jetzt in Brie; die Gegend heißt wie der Käse, der kommt von hier und wird zum Frühstück serviert. Heute Abend gibt es dagegen international inspirierte Küche mit einem köstlichen französischen Schmorbraten in Rotwein als Höhepunkt.

Videolink: Wandteppich der Apokalypse Angers

Die Heimreise 🇫🇷 🇩🇪

Heute frühstücken wir noch einmal ausgiebig in Frankreich, dann machen wir uns auf den Weg in die Heimat. Wir fahren los bei schönstem Wetter und bei einer angenehmen Fahrt auf der Autoroute („Autoroute“, wie man auf Französisch sagt) erreichen wir planmäßig die deutsche Grenze: Adieu, Frankreich!

Nun geht es weiter auf der deutschen Autobahn; unser erster Halt in der Heimat bei Ramstein wird mit einer kleinen Flugschau von großen Flugzeugen bereichert. Mit dem Verkehr haben wir heute, wie auf der ganzen Reise, großes Glück; staufrei, sicher und ruhig fahren wir mit einigen Ausstiegen nach Hause.

Wie schön es war – eine wunderbare Reise geht erfolgreich zu Ende!

Videolink: König der Schaumweine | Karambolage | ARTE


Nach einer solchen Reise bleibt viel mehr als jede Menge herrliche Fotos und spannende Erzählungen:

Die vielfältigen Eindrücke der unvergesslichen Naturkulisse, vom Meer und Land, die Geschichte, historischen Bauten, Kunst und Lebensfreude – all das wächst noch weiter in uns und kann uns nie mehr genommen werden.

Und da wir es selbst erlebt haben, wissen wir es jetzt genau:
Leben wie Gott in Frankreich ist ein naheliegendes Vergnügen!


🇪🇺


Kommentare zum Reisebericht