Normandie und Bretagne – zwei ungleiche Schwestern!
Reisebericht: 14.06. – 23.06.2026
Die Regionen Normandie und Bretagne zählen zu den geschichtsträchtigsten und landschaftlich reizvollsten Frankreichs. Wir schauen, was jede Region einzigartig macht!
Ein Reisebericht von
Kathrin Körtge
Angekommen in der Wiege der Gotik
An unserem Anreisetag geht es über Frankfurt, Saarbrücken direkt nach Metz , in die Metropole Lothringens. Wir kommen rechtzeitig an, um noch in die Kathedrale St. Etienne zu eilen und die herrlichen Fenstermalereien u.a. von Marc Chagall zu bewundern. Die sogenannte Kathedrale des Lichts hat uns nicht enttäuscht. Am Moselarm finden wir blumengeschmückte Brückengeländer und die Templer Kapelle auf der Insel verschafft uns einen schönen Blick und entsprechende Fotomotive. Auf dem Weg zum Hotel liegt der pittoreske Platz St. Louis, schon lombardische Kaufleute haben sich dort versammelt und gehandelt, die Häuser mit den Arkadenbögen machen einen italienischen Eindruck. Um diese Zeit ist der Platz mit seinen Bars stark besucht, das Wetter ist vielversprechend und die Franzosen gehen aus. Unser erster Abend im Hotel klingt mit einem lothringisch angehauchten Menü aus, Paté Lorraine! Voila. Wir sind angekommen in Frankreich!
Die Reise beginnt mit einem Blick zurück ....
Am nächsten Morgen geht es nach einem reicnhaltigen Frühstück weiter gen Westen. Wir fahren in die Stadt Verdun in das Tal der Maas, das wir über sanft bewaldete Hügel erreichen. Wir holen eine Stadtführerin ab, die uns auf dem Weg zu den Schlachtfeldern an Ort und Stelle über die Zusammenhängen im 1. WK in Kenntnis setzt und unterwegs, auf dem Weg durch die Höhenzüge, vieles zu zeigen hat. Verteidigung, Kampf, Widerstand, Angriffe in äußerster Härte, man kann dies angesichts der sanften Landschaft kaum nachvollziehen, was dort passiert ist, geschweige denn die Zahl der Toten. Von der unterirdischen Stadt, dem Artilleriefort, ist man besonders angetan. Die Gänge sind feucht, die Phantasie schweigt still. Danach müssen wir weiter, denn wir wollen noch nach Rouen und es sind es einige Kilometer. Aber wir haben einen phantastischen Chauffeur, einen nagelneuen Bus und sind unterwegs bestens versorgt durch ein gutes Bordserviceangebot.
Rouen – ein lohnenswertes Ziel der Haute Normandie, die Seine und Honfleur
Wir freuen uns heute auf Rouen, die Hauptstadt der Haute Normandie und sehen dem Tag gespannt entgegen, wir brechen angesichts der Tagesziele etwas früher auf. An der Kathedrale enttäuschtes Warten, eine Stadtführerin hat uns versetzt. Um nicht weiter wertvolle Zeit zu verlieren, übernehme ich die Stadtführung, Rouen ist mir geläufig, und wir gehen zuerst in die Kathedrale. Hier beginnt auch die eigentliche Geschichte der Normandie, Rollo, der erste Wikingerfürst, liegt dort begraben, an seiner Seite die Tomba mit dem Herz von Richard Löwenherz. Sofort wird Geschichte präsent, denn ich hatte im Bus bereits über die "Nordmannen" und auch Wilhelm den Eroberer gesprochen, der sich nach England abgesetzt hatte uvm. Auch die interessante Geschichte der 30 Bilder des mpressionistischen Malers Claude Monet über die Kathedralenansicht, die aus dem Blickwinkel des gegenüberliegenden Haus entstanden sind, geben Anlass darüber nachzudenken, dass auch Steine lebendig werden können, wenn sich nur das Licht verändert. Wir gehen dann unter dem Turm mit der Grande Horloge hindurch in Richtung Marktplatz, dort wird uns klar, warum Rouen so ein vielbesuchtes Ziel ist als ehemalige Handelstadt, günstig zur Seine gelegen. Das Memorial Jeanne d’Arcs, die gleichnamige Kirche, die Markthalle und die pittoresken Fachwerkhäuser, der immer noch aktive Hafen an der Seine, all das macht Rouen aus!
Unsere weitere Fahrt führt uns nun nach Etretat, und durch den Impressionismus angelockt, wollen wir die Kreideküste sehen und so rleben wir auch viele Maler am Strand und an der Promenade, die es ihren Vorgängern gleich tun wollen. Auf dem Weg dorthin sehen wir den wunderschönen Garten und die Villa von Maurice Leblanc, Autor des Meisterdetektives Arsene Lupin.
Unser nächstes Ziel ist Honfleur, aber vorher muss an der Pont de Normandie gestoppt werden für ein Foto dieser prominenten Brücke über die Seine. In Honfleur erwartet uns ein strahlend blauer Himmel, lebendige Atmosphäre um das Bassin des Hafens und französisches Flair.Die Zeit reicht für einen Besuch in die Kirche St. Catherine und für einen Bummel entlang der farbenfrohen Häuser und Boote im Hafenbecken. Doch wir müssen uns leider losreißen von diesem schönen Anblick!
Geschichte des Dday an einzigartigen Stränden
Ein weiterer Tag über Kriegsgeschichte steht an, ich bereite bei der Hinfahrt auf die verschiedenen Landungsstrände der Alliierten vor, so dass es räumliche Orientierung gibt von Ost nach West. Wir besichtigen als erstes die Pegasusbridge, die berühmte Klappbrücke (Nachbau!), das erste strategische Ziel der alliierten Invasion 1944 nach der Landung in der Normandie. Wir fahren weiter über Land, zahlreiche Memorials, Denkmäler und Statuen, geschmückt mit Blumen und Fahnen der jeweiligen Alliierten liegen auf unserem Weg, und an den Stränden sieht man einen Bunker nach dem anderen auftauchen, die mittlerweile überwuchert oder ruinenhaft sind. Man nimmt wahr, der alljährliche Gedenktag des 6.6.1944 ist vor kurzem erst gewesen! Entlang der Strecke viele Blumen und Fahnen, doch heutzutage gilt die Region als Region der Versöhnung und nicht des Krieges. Das nächste Z iel heisst Arromanches-les-Bains, kein Ort hat so viel landschaftliche Szenerie zum Dday zu bieten wie dieser. Steilküste mit Aussicht und künstl. Installationen, dem 360 Grad Kino
Memorials und von weitem liegen noch die Mulberry Pontons als mahnendes Zeichen im Meer. Der kleine Badeort, Arromanches liegt verträumt am Strand. Ein Ort um Innezuhalten! Wir sehen uns in Ruhe um, die Zeit reicht, alles zu begehen und wir lassen alles auf uns wirken. Unsere Mittagspause wollen wir hier nicht abhalten, fahren wenige Kilometer nach Bayeux, wo sich Bordservice in Form einer leckeren Gulaschsuppe anbietet. Gleichzeitig kann man sich ein wenig im Ort umschauen. Danach steht ein weiterer Strandabschnitt an, wir steuern Utah Beach im Westen an, denn dort gestaltet sich der lange breite Strand optisch ganz anders. Wieder Bunker, Denkmäler für die amerikanischen Truppen am flachen Strand und ein Museum, es liegt etwas erhöht, wo militärische Ausstellungsstücke zu besichtigen sind. Wir haben wieder Glück mit einem Busparkplatz und damit kurze Wege. Die Geschichte der jungen amerikanischen Ranger, die am westlichsten Zipfel der von hier sichtbaren Steilküste, an der Pointe du Hoc, ums Leben gekommen sind, sorgt für Beklemmung. Wir verlassen diesen ruhigen, nunmehr fast unberührten Ort und begeben uns auf die Fahrt nach St. Malo.
Dort angekommen, dürfen wir uns auf ein Hotel direkt in der Ville Close freuen. Das ist etwas Besonderes! Auf dem kurzen Fußweg durch das gewaltige Stadttor zeige ich unser abendliches Restaurant, da kann die Vorfreude steigen! Wir treffen uns vor dem Hotel Restaurant Chateaubriand, ein geschichtsträchtiges Haus mit dem Namen des Romanciers und Politikers Francois Rene de Chateaubriand (1768-1848),und ein Kellner geleitet uns in einen eleganten Speisesaal, dekoriert wie in der Belle Epoque. Das Menü ist wunderbar und wir verbringen dort einen stilvollen Abend. Zu unserem Hotel sind es nur wenige Minuten und wir staunen über das abendliche Treiben auf den belebten Plätzen!
Wilde Küste an der Cote d'Armor und rosa Steine
Der sechste Tag unserer Rundreise führt uns zum Cap Fréhel, wir wollen die atemberaubende Felsküste 70 m über dem Meer sehen und den neuen Leuchtturm als auch den von Sébastien Vauban gebauten alten Leuchtturm. Es ist etwas neblig und keine weite Sicht, aber wir gehen einen Pfad durch gelbes und lilablühendes Heidekraut, es sieht gerade ganz wunderschon aus.
Da wir kaum Wind haben, müssen wir uns auch nirgends festhalten, denn das kann unter Umständen passieren hier oben!
Weiter geht’s, denn für Ploumanach sollte man genug Zeit haben, so lohnenswert ist die rosa Granitküste mit ihren dicken „Hinkelsteinen“, deren Formationen die Phantasie spielen lassen. Die Zeit wird mit einem Spaziergang entlang der Felsen zum Leuchtturm ausgenutzt und/oder aber mit einem Restaurantbesuch, denn es sollten auch mal frz. Galettes, Crepes oder Muscheln probiert werden. Denn nirgendwoanders ist es so lecker und schmeckt so authentisch wie vor Ort!
Auf der anschliessenden Fahrt nach Quimper wird es „religiös“, der enge, katholische Glaube der Bretonen spiegelt sich in den von ihnen in Ehren gehaltenen mittelalterlichen Kalvarien nieder und so besuchen wir den Schönsten, nämlich den umfriedeten Pfarrhof von St. Guimiliau. Kirche, Beinhaus und Kalvarie, ein vollständiges Ensemble mit 200 Figuren machen ihn dazu. Schliesslich geht’s nach Quimper in den Finistere, wo wir einchecken und zwei Nächte verbleiben werden.
Freier Tagzum SChlendern oder lieber Ausflug?
Am siebenten Tag, den Samstag, steht es frei, an einem Ausflug teilzunehmen oder Quimper auf eigene Faust zu erkunden. Mit nur einem Teil der Gruppe brechen wir also auf, um uns zuerst Audierne anzuschauen, ein typisch bretonisches Hafenstädtchen, wo gerade der Samstags Wochenmarkt unter freiem Himmel stattfindet. Ein Gang über den Markt offeriert uns, was das bretonische Herz und der Gaumen lieben. Da wir ein Picknick an der Pointe du Raz machen möchten, steuern wir einen frz. Supermarché am Ortsrand an, um rasch alles einzukaufen, eine Käseplatte muss nun her, dazu Cidre, frz. Saucisse, Oliven, Baguette, Tomaten und bretonischer Kuchen. Schnell getan, und weiter geht’s zum Kap. Während die Gäste das Kap erforschen, bereite ich mit den Kollegen ein frz. Picknick vor, was dann großen Anklang findet. Tres bon, oder superbon sagt man in Frankreich dazu. Für den Nachmittag steht noch eines der schönsten Dörfer Frankreichs an, Locronan. Es ist auch wirklich hinreißend, nicht nur die Geschichte des hl. Ronon, sondern die gepflegten mittelalterlichen Häuser aus grauen Granitgestein, die umgeben sind von einer Flut an Hortensien, an der wir uns nicht sattsehen können.
An diesem ruhigen und charmanten Ort, mit schönen Kunstgalerien und kleinen Boutiquen hätten wir uns noch lange aufhalten können!
Concarneau – ein Teil des eisernen Gürtel Frankreichs
Der vorletzte Tag unserer Reise führt uns am frühen Morgen zuerst nach Concarneau in die Ville Close. Sonntag morgen, es ist noch still, alles öffnet um 10h, und das kommt uns sehr entgegen für einen gemütlichen Rundgang durch die Gasen oder oben auf der Mauer. Und was liegt auf dem Weg zum Bus? Cafe/Restaurant Amiral, die Dependance von Commissaire Dupin, den viele aus der Krimiserie kennen. Ein Cafe Creme ist insofern obligatoire für Dupin-Fans! Damit haben wir auch dieses Highlight erfahren! Doch jetzt wartet noch eine Fahrt auf die Halbinsel Quiberon auf uns, man erfährt, wo und wie die Franzosen dort Urlaub machen, denn während der Ferienzeit quillt dort alles über. Wir können leider nur für einen Mittagsimbiss halten, gerade legen Fähren ab zur Belle Ile, aber wir schaffen ein kleines Mittagessen an der Strandpromenade. Ein maritimes Flair herrscht dort, auch die Rückfahrt an der Küste entlang zeigt uns viel Einblick in die atlantische Atmosphäre dieser Ferienregion. Die kleinen Ortschaften liegen malerisch zwischen Stränden, Buchten, Felsen und blühenden Hortensien in allen Farben. Wir können uns nicht sattsehen, aber eine Stadtführung in Vannes ruft jetzt. Mittlerweise sind wir bei 36 Grad angelangt, aber wir springen bei der Stadtführung von einem Schatten zum nächsten und so geht es einigermaßen und die pittorteske Stadt am Golfe du Morbihan ist baulich in einem wunderbaren Zustand, der Yachthafen bildschön. Da wir auch noch die Menhire bzw. Steinreihen von Carnac besichtigen wollen, geht es gleich weiter, aber die Hitze macht uns zu schaffen und so bleibt uns nur ein kurzer Besuch des Maison des Menhirs und der Blick eines eingezäunten Feldes mit Steinreihen. Das Hotel ruft und damit unser Diner und alle stehen schon abfahrbereit für die Rückfahrt nach Vannes.
Der Weg ist das Ziel
Am vorletzten Tag ist der Weg das Ziel, wir wollen auf der Rückreise durch das Val de Loire Richtung Paris noch zwei Besichtigungen vornehmen. Angers, das Schloss mit dem berühmten Teppich der Apokalypse präsentiert sich als trutzige Wehranlage mit verspielten Anlagen im Innenhof und liegt mitten in der Stadt, so dass man gleichzeitig auch einen Blick in die Altstadt werfen kann, die mit herrschaftlichen Häuser des ehemaligen Klerus und von höfischen Beamten beginnt.
Nach dem Mittag erreichen wir Chartres, von weitem schont thront die gotischste aller frz. Kathedralen auf dem Hügel und ist leicht zu finden. Sie besticht durch ihre Vollständigkeit, ihr lichtdurchflutetes Langhaus und die Fenster im berühmten „Chartes-bleusind wunderschön. Auch der Voile de la Vierge ist hinter Glas zu sehen wie auch das Labyrinth im Fussboden, ein Pilgerziel von gläubigen Christen aus aller Welt. Da sich gerade in Frankreich eine Gluthitze ausbreitet, pilgern wir jedoch gerne zu unserem klimatisierten Reisebus zurück und auf geht’s Richtung Paris.
Nun steht der letzte Reisetag an, der uns wieder durch die Champagne Richtung Lothringen führt in Richtung des Pariser Beckens. Es folgt die Ile de France, umrandet von drei Flüssen, die die Region als Ile bezeichnen und das Herzstück Frankreichs bilden. Damit klingt unser letzter gemeinsamer Abend aus, in einem Hotel im Marnetal, wo wir gut und gemütlich zu Abend speisen, denn es heißt für den nächsten Morgen, früh aufstehen!
Schön war's!
Dank unser aller Pünktlichkeit und dem schönen, klimatisierten Reisebus gelingt die Rückreise vollends in unserem vorgesehen Zeitrahmen. Wer etwas Neues sehen möchte, muss weit reisen, ist meine Devise und so schauen wir am Ende der Fahrt auf über 4000 km zurück (von denen sich jeder einzelne gelohnt haben wird ...). Diese weite Reise geht nun zu Ende,wir sind voll schöner Landschaftsbilder, Geschichten über Geschichte und Impressionen französischen Lebens in großen und kleinen Städten! So waren wir 10 Tage dem Alltag entflohen und ich bin sicher, dass wir monatelang noch davon zu erzählen haben! Ich bedanke mich bei meiner Reisegruppe für ihre Geduld und für Ihre stetige Pünktlichkeit, für anregende Gespräche und den fröhlichen Austausch an gemeinsamen Tischen! Ohne Sie (und natürlich die wunderbare Unterstützung der beiden Teammitglieder Doro und Nico) wäre dieses Frankreich-Erlebnis in dieser Form nicht möglich gewesen!
Herzlichen Dank, Ihre Kathrin Körtge
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