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Frankreich–Rundreise Okzitanien: Pyrenäen und Languedoc

Reisebericht: 24.04. – 02.05.2026

Historische Dörfer gepaart mit pulsierenden Metropolen und vielfältigen Landschaften machen diese Reise zu einem besonderen Erlebnis.

Saskia Pinnow

Ein Reisebericht von
Saskia Pinnow

Rue de Taur, Toulouse, Frankreich – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Art-Déco-Gebäude Airbus-Museum, Toulouse, Frankreich – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Porte Narbonnaise, Carcassonne, Frankreich – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Schleusentreppe, Fonseranes, Frankreich – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Schleusentreppe, Fonseranes, Frankreich – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Orb-Schleuse, Béziers, Frankreich – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Denkmal für die Gefallenen, Montpellier, Frankreich – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Käse-Degustation, Roquefort-sur-Soulzon, Frankreich – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Museum Henri Toulouse-Lautrec im ehemaligen Bischofspalast (Palais de la Berbie), Albi, Frankreich – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Hauptbahnhof, Toulouse, Frankreich – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL) Hotel Mercure Sud, Toulouse, Frankreich – © Saskia Pinnow (Eberhardt TRAVEL)

1. Tag – Freitag, 24.04.2026: Anreise von München nach Toulouse

Aus Dresden, Berlin, Düsseldorf, Hamburg und München Innenstadt kommt unsere Gruppe zum Flughafen München angereist und trifft sich kurz vor Beginn des Boardings am Abflug-Gate des Fliegers nach Toulouse. Es ist spannend in der Menge der wartenden Passagiere zu erraten, wer zu unserer Gruppe gehören könnte. Schaffen die Damen aus dem verspäteten Flug von Düsseldorf den Anschluss und wo bleiben die Herren aus Berlin? Um 15.25 Uhr schließt das Gate und wir fahren mit dem Bus zum Rollfeld, wo wir neben einem doppelstöckigen A380 die Treppe zu unserem Ein-Gang-Flieger hochsteigen. Bei wunderschöner Sicht fliegen wir entlang der Alpen in Richtung Süd-Frankreich. Eineinhalb Stunden später landen wir in Toulouse, der rosa Stadt an der Garonne. Auch die Koffer sind alle angekommen und erwartungsvoll treten wir aus dem Flughafengebäude auf der Suche nach dem Bus, der uns zum Hotel im Geschäftsviertel Compans-Caffarelli bringt, wo wir die nächsten zwei Tage wohnen werden.

2. Tag – Samstag, 25.04.2026: Toulouse und Airbus–Werk

Ausgestattet mit Audiogeräten erwarten wir in der Hotel-Lobby um neun Uhr früh unsere Stadtführerin Catherine. Das lokale Busunternehmen schickt uns auch ein Fahrzeug und so lassen wir uns von Patricia bequem an den Rand der Innenstadt chauffieren. Catherine erzählt uns die Geschichte der im 11. Jh. erbauten Kathedrale Saint-Sernin, einer der bedeutendsten romanischen Kirchen Frankreichs. Weiter spazieren wir zum Platz des Kapitols, dem Rathaus und Theater von Toulouse. Wir werfen einen Blick auf die Bilder von Raymond Moretti an der Decke der gegenüberliegenden Arkaden, auch „Galerue“ genannt, und sehen dann die Statue von Antoine de Saint-Exupéry auf dem „Grand Balcon“ des gleichnamigen Hotels, in dem die Geschichte der Postfluglinie nach Nordafrika in den 20-er Jahren begann. Unser nächster Halt ist das ehemalige Kloster der Dominikaner-Mönche aus dem 13. Jh. Zwischenzeitlich als Kaserne genutzt, fungiert die Anlage heute als Museum. Sie ist ein typisches Beispiel der südfranzösischen Gotik und die Kirche beeindruckt mit ihrem hohen, palmenförmigen Chorgewölbe. Die Stadtführung endet am Ufer der Garonne, wo die „neue Brücke“ aus dem 17. Jh. das Flussbeet überspannt. Als einzige Brücke überstand dieses aus Naturstein bestehende Bauwerk das schwere Hochwasser von 1875 und ist heute die älteste Brücke der Stadt.
Nach einer eineinhalbstündigen Mittagspause gehen wir gemeinsam zur Place d’Arménie, von wo aus uns Patricia mit dem Bus nach Blagnac zum Airbus-Museum bringt. Eingecheckt mit gültigem Personalausweis und angewiesen keine Fotos zu machen, passieren wir unter Führung von Guide Christine und Übersetzerin Karin das Tor zum Werksgelände. Die Rundfahrt führt uns vorbei an vielen geschlossenen Hangars zum Stellplatz der Airbus-eigenen Beluga-Transportflugzeuge und schließlich zur Fertigungshalle des A350, wo wir aussteigen und einen Blick ins Innere werfen können. Christine erklärt uns welche Flugzeugteile wo hergestellt und wie sie am Ende zusammengebaut werden. Sie weiß viel über die Flugzeuge zu berichten und ihre Ausführungen sind so interessant, dass wir fast die Zeit vergessen und das Gelände erst nach zwei Stunden wieder verlassen. Trotzdem bleibt noch ein Moment den Tag vor dem Abendessen im japanischen Garten neben dem Hotel ausklingen zu lassen.

3. Tag – Sonntag, 26.04.2026: Foix und Burg Puivert

Heute beginnt unsere Rundreise durch die Region Okzitanien mit Fahrer Nicolas. Den ersten Stopp legen wir in Foix ein. Der Hauptort des Departements Ariège empfängt uns mit einem bunten Frühlingsmarkt und einer Feier zum frankreichweiten Gedenken an die Opfer und Helden der Deportationen im 2. Weltkrieg. Die Glocken der Kirche der ehemaligen Augustiner-Abtei Saint-Volusien läuten zur Messe. Wir steigen hoch zum Eingang des Museums der Burg, die mit ihren drei Türmen das Ortsbild überragt. Sie war Sitz der Grafen von Foix, die im Gegensatz zu ihren größten Konkurrenten im Mittelalter, den Grafen von Trencavel, im Laufe der Geschichte zu einem der wichtigsten Adelsgeschlechter Frankreichs aufsteigen konnten. Obwohl sie im Albigenserkreuzzug (1209-1229), im Hundertjährigen Krieg (1237-1453) und den Reformationskriegen (1562-1598) nicht auf Seiten der französischen Könige kämpften, gelang es ihnen durch geschickte Bündnispolitik und strategischen Hochzeiten ihren Stand bis zur Revolution (1789) zu behaupten.
Durch die Vorpyrenäen setzen wir unserer Fahrt fort ins Dorf Puivert, dessen Wahrzeichen eine Burg ist, auf der sich einst die okzitanischen Minnesänger (Troubadoure) getroffen haben und die zudem Rückzugsort der Katharer gewesen ist. Diese der katholischen Kirche nicht genehme christliche Bewegung wurde im Laufe des 13. Jh. durch den Albigenserkreuzzug und die Inquisition komplett ausgelöscht. Auf dem Weg zur Burg begegnen wir Eidechsen und wilden Orchideen und oben heißt uns ein kleines, 35-jähriges Pferd willkommen, das die Burg seine Altersresidenz nennen darf. Die Wolken lösen sich auf und wir haben eine wunderschöne Aussicht ins sattgrüne Tal, aber auch der Blick von unten, vom See zur Burg ist nicht verachtenswert. Unabhängig davon, wo wir gewandert sind, treffen wir uns in der ehemaligen Autowerkstatt, wo heute Bier aus Chalabre und lokaler Wein ausgeschenkt werden. Mit dem Gesang aus okzitanischen Nächten in den Ohren lassen wir uns gegen Abend von Nicolas durch die hügeligen Weinberge nach Carcassonne bringen, wo wir von der Dachterrasse unseres Hotels einen ersten Eindruck der bekannten Burgstadt gewinnen können.

4. Tag – Montag, 27.04.2026: Carcassonne, Abtei Fontfroide und Narbonne

Mit dem Bus erreichen wir das Haupteingangstor der Burg Carcassonne, die Porte Narbonnaise. Dort erwartet uns Marion, unsere Stadtführerin. An verschiedenen Elementen in der Mauer erklärt sie uns die über 2000 Jahre alte Baugeschichte der Burgstadt. Sie zeigt uns welche Spuren die Römer, die Westgoten, die Sarazenen, die Grafen von Trencavel, die französischen Könige und schließlich im 19. Jh. die Restauratoren an den Mauern hinterlassen haben. Dann betreten wir die Stadt, sehen das Schloss, den einstigen Hauptsitz der Grafen von Trencavel, das Gefängnis der Inquisition und besichtigen die Kathedrale Saint-Michel mit ihren eindrucksvollen Glasfenstern aus dem 14. Jh. Nach etwas Freizeit fahren wir durch das Weinanbaugebiet der Appellation Corbières zur ehemaligen Zisterzienserabtei Sainte-Marie in Fontfroide. Dieses im 11. Jh. gegründete Benediktiner-Kloster war im Mittelalter ein wichtiges Zentrum für Religion und Kultur und diente als Hochburg der Rechtsgläubigkeit im Kampf gegen die Katharer. William nimmt uns mit auf einen Rundgang durch die Anlage und erzählt uns wie die Pest dem spirituellen und autarken Klosterleben im 14. Jh. ein jähes Ende setzte. Es lebten zwar weiterhin wenige Mönche im Kloster, diese aber entwickelten einen mit der Zeit immer stärker adelig ausgeprägten Lebensstil, Billardtisch inklusive. Der Reichtum des Klosters manifestiert sich auch in baulichen Änderungen, wie dem Einrichten eines Ehrenhofs und der Aufstockung des Kreuzgangs im 18. Jh. In der Kirche können wir die ursprünglich romanische Bauweise und Erweiterungen im Stil der Gotik erkennen. Heute ist das Kloster im Privatbesitz der Familie Fayet aus Béziers, die ein enges Verhältnis zur modernen Kunst pflegt. Wir bummeln durch den nach einem Waldbrand neu angelegten Klostergarten und fahren dann weiter nach Narbonne, wo wir im Stadtzentrum einen Halt einlegen, bevor wir dem Canal de la Robine entlang zu Fuß unser Hotel auf der Insel Gua erreichen. Narbonne war zur Römerzeit einer der wichtigsten Häfen am französischen Mittelmeer. Wir bewundern die Ausgrabung eines Stücks Römerstraße (ob die wirklich echt ist?), die Kathedrale, den Erzbischofspalast und suchen Anfang und Ende der Brücke der Kaufleute.

5. Tag – Dienstag, 28.04.2026: Béziers und Schifffahrt auf dem Canal du Midi

Der heutige Tag steht im Zeichen des „Canal du Midi“, dieser einmaligen Wasserstraße, die das Mittelmeer mit der Garonne und so mit dem Atlantik verbindet. Wir fahren nach Béziers der Heimatstadt von Pierre-Paul Riquet, dem Erbauer des 240 km langen Kanals. Er hatte die geniale Idee zur Wasserversorgung des Kanals ein Staubecken zu bauen. Zudem entwarf er wasserführende Brücken sowie Schleusen mit gebogenen Mauern und schaffte es so für die Schiffe einen Weg zu finden den 189 m hohen Bergsattel zwischen den Pyrenäen und dem Zentralmassiv zu überwinden. Mit 12.000 Arbeitern wurde der Kanal von 1667 bis 1681 erbaut und gehört heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. In Béziers bummeln wir durchs Zentrum, entdecken in der Markhalle frischen Fisch und genießen vom Turm der Kathedrale die Aussicht auf die Stadt und den Fluss Orb. Die Gegend ist heute bekannt für Weinanbau und Stierkämpfe, doch die Statue eines Vizegrafen von Trencavel erinnert uns daran, dass auch Béziers einst ein Hotspot der Katharer-Bewegung war.
Nicolas bringt uns nach Colombiers, wo wir um halb zwölf an Bord der „Santa Maria“ einschiffen. Unsere Gruppe findet auf dem Oberdeck Platz und los geht die Fahrt zuerst zu Berg in Richtung Toulouse. Wir passieren den Tunnel von Malpas, den Pierre-Paul Riquet illegal durchstechen ließ, wenden und kehren nach Colombiers zurück, um während des Mittagessens das Brummen des 300 PS starken LKW-Motors gegen gesellige Musik einzutauschen. Nach dem Kaffee setzen wir unsere Fahrt fort, jetzt zu Tal zur Schleusentreppe von Fonseranes. An der Brücke „La Gourgasse“ werden wir Zeuge einer Havarie mit einem Leihboot, das ohne Führerschein gefahren werden darf. In der Engstelle gibt es für uns keinen Platz zum Ausweichen und so gerät das Boot, das eigentlich hätte warten müssen, zwischen unsern Schiffsrumpf und die Böschung. Niemand wird verletzt, aber da das Kunststoffboot vielleicht leckgeschlagen ist, muss doch telefoniert werden. In Fonseranes haben wir als nach Fahrplan verkehrendes Kursschiff mit rotem Wimpel Vorfahrt und können sofort in die Schleuse einfahren. Der Schiffsführer gönnt uns eine im Programm nicht erwähnte extra Schleife und so fahren wir nach dem Überwinden der sechs Schleusenkammern auch noch über die Orb-Kanalbrücke und durch die Orb-Schleuse in den Hafen von Béziers. Auf der Rückfahrt haben wir gute Sicht auf das in den 80-er Jahren gebaute Schiffshebewerk, das Frachtschiffen bis 38 m Länge das Überwinden der 21,6 m Höhenunterschied bei Fonseranes ermöglichen sollte. Aufgrund technischer Mängel und fehlendem Bedarf war es nur eineinhalb Jahre in Betrieb. Im Unterwasser der Schleusentreppe steigen wir aus und gehen zu Fuß entlang der Schleusenkammern hoch zum Parkplatz, wo Nicolas auf uns wartet. Nach einem kommödienreifen Dialog dürfen wir den Parkplatz aufgrund des defekten Bildschirms an der Ausfahrtsäule ohne zu bezahlen und ohne eine Rechnung zu erhalten verlassen.

6. Tag – Mittwoch, 29.04.2026: Aigues–Mortes und Saintes–Maries–de–la–Mer

Nach dem Frühstück packen wir wieder unsere Koffer und brechen auf in die Camargue, das Mündungsdelta der Rhone. Wir verabschieden Narbonne mit französischen Chansons und rollen auf der Autobahn an Montpellier vorbei zur Raststätte Ambrussum Sud. Nach einer kurzen Toilettenpause sind wir bereit für das nächste Abenteuer: Aigues Mortes, die Kreuzfahrerstadt, von wo aus Ludwig IX 1248 ins Heilige Land aufgebrochen war. Obwohl die Sonne kräftig scheint, trauen sich einige das herausragende Beispiel einer mittelalterlich geschlossenen Stadt auf der 1,6 km langen Befestigungsmauer zu umrunden. Andere kehren ein im Café oder schlendern entlang der netten Einkaufstraßen auf der Suche nach einem schönen Souvenir. Wieso nicht etwas Neues zum Anziehen mit nach Hause nehmen? Am Nachmittag überqueren wir die Kleine Rhone und machen einen Abstecher in die Provence. Wir sehen die weißen Camargue Pferde und die typischen Manades (Stierzuchtbetriebe). Im ornithologischen Park von Pont du Gau gönnen wir uns einen Moment die bekannten Rosaflamingos aus der Nähe zu betrachten. Die Vögel machen den Eindruck Geselligkeit zu mögen. Sie lassen sich vom Besucherrummel inklusive Schulklassen nicht aus der Ruhe bringen, im Gegenteil, je mehr Menschen sich in einem Bereich aufhalten umso mehr Vögel scheint es zu geben. Weiter fahren wir endlich ans Meer, nach Saintes-Maries-de-la-Mer. Das Wetter lädt bis auf die Wassertemperatur zum Baden ein. Mutige können sich aber auch vor der Wallfahrtskirche der Heiligen Sara aus der Hand lesen lassen oder in der Arena zuschauen, wie die „Raseteurs“ bei der „Course Camarguaise“ mit kleinen Haken Gegenstände von den Hörnern der Stiere erbeuten. Zurück fahren wir entlang der Salinen von Aigues Mortes und dann zwischen Mittelmeerküste und Lagunen bis nach Montpelliers. Der lauschige Abend lockt uns spät noch nach draußen auf die Place de la Comédie und in den Garten des Champ du Mars mit seinen kleinen Fontänen.

7. Tag – Donnerstag, 30.04.2026: Saint–Guilhem–de–Désert, Couvertoirade, Roquefort–Käserei und Viadukt von Millau

Ein Marathon steht an und um alles gemütlich zu schaffen, müssen wir heute schon vor acht Uhr aufbrechen. Den ersten Stopp machen wir an der Teufelsbrücke, wo wir die Schlucht des Hérault überqueren. Weiter geht es nach Saint-Guilhem-le-Désert, einem der schönsten Dörfer Frankreichs, gelegen am Jakobsweg zwischen imposanten Kalksteinfelsen. Kaum etwas weist auf den Übertourismus hin, unter dem die Einheimischen im Sommer zu leiden haben. Die meisten Läden sind noch geschlossen, aber die Abteikirche mit der Gruft des Heiligen Wilhelm hat geöffnet und wir können auch einen Blick in den Hof werfen, wo einst ein romanischer Kreuzgang stand, der heute im Museum „The Cloisters“, einer Zweigstelle des „Metropolitan Museum of Art“ in New York ausgestellt ist. Die Mittagspause verbringen wir im Templer-Dorf La Couvertoirade. Das Schloss und die Kirche zeugen von der Macht des einstigen Ritter-Ordens, dessen Aufgabe es war die Pilger auf ihrem Weg ins Heilige Land zu beschützen. Der Orden kumulierte so viel Vermögen, dass er für europäische Adelige als Kreditgeber fungieren konnte. Dies war dem Papst ein Dorn im Auge und so löste er den Orden nach einer großangelegten Verhaftungswelle 1312 auf. An seine Stelle kamen die Johanniter nach La Couvertoirade und bauten eine massive Mauer um das Dorf, auf dessen Türme wir heute hochsteigen können. Wir stärken uns mit einer kalten Platte und kaufen gebrannte Mandeln für unterwegs, bevor die Fahrt weitergeht über das seit 2000 Jahren von Viehwirtschaft geprägte Larzac-Plateau nach Roquefort-sur-Soulzon. Hier erfahren wir auf einem Gang durch den Keller wie der weltberühmte Blauschimmelkäse hergestellt wird, welche Rolle dabei die Klüfte in den Kalksteinfelsen spielen und wie die Edelschimmelpilze gezüchtet werden, die dem Käse seine besondere Note geben. Schnell ein Stückchen Käse für die Daheimgebliebenen einpacken lassen und schon schaltet Nicolas erneut den Motor des Busses ein, damit wir nicht zu spät am Viadukt von Millau ankommen. Wir nehmen den kürzesten Weg und überqueren dabei die höchste Schrägseilbrücke Europas, bevor uns Agatha entlang der Audiostationen zum Aussichtspunkt des imposanten Bauwerks begleitet. Anschließend tauchen wir ab ins Tal des Tarn und beziehen unser Hotel in Millau.

8. Tag – Freitag, 01.05.2026: Albi

Zur Erholung starten wir den heutigen Tag erst kurz vor neun mit einer eineinhalbstündigen Busfahrt nach Albi. In der roten Stadt aus Backstein treffen wir wieder Catherine, die den Kreis unseres Wissens um die Katharer schließt, indem sie uns vom Kreuzzug gegen die Albigenser erzählt, der hier am Tarn 1209 mit dem Einmarsch der Truppen von Simon de Montfort begonnen hat. Der Kreuzzug diente nicht nur der Bekehrung der Ketzer sondern auch der Unterwerfung der okzitanischen Adelsgeschlechter unter die Krone Frankreichs. Die Kämpfe waren blutig und die Verbrechen an der friedlichen Zivilbevölkerung äußerst brutal. Im Anschluss an den erfolgreichen Kreuzzug ließ die Kirche zur Demonstration ihrer Macht die Kathedrale und den Bischofspalast in Albi als „Festungen Gottes“ errichten. Umso mehr überrascht das filigrane Innere der Kathedrale Sainte-Cécile, der spätgotische Chor mit den über fünfzig verschiedenen aus Stein gehauenen Engeln, die mit symmetrischen Formen ausgestalteten Kapellen und das Gemälde des Jüngsten Gerichts aus dem 15. Jh., das jedem Kirchgänger unmissverständlich klarmacht, was passiert, wenn er sich nicht an die christlichen Tugenden hält. Nach der Stadtführung haben wir Freizeit und spazieren über die alte Brücke oder durch den Garten des Berbie-Palastes. Schade, dass das Museum von Henri de Toulouse-Lautrec (1864-1901) aufgrund des 1. Mai-Feiertages geschlossen ist. Gerne hätten wir uns seine Zeichnungen und bekannten Kunstdrucke angeschaut. Aber auch im Café lässt sich die Zeit gut verbringen bis der Bus losfährt und Nicolas uns zurück nach Toulouse bringt. Wir verabschieden unseren Rundreise-Chauffeur in die wohlverdiente Freizeit und ruhen uns kurz aus, bis uns Fahrer Bela abholt und zum Abendessen in eine Brasserie am Bahnhof fährt.

9. Tag – Samstag, 02.05.2026: Rückflug nach München und Heimreise

Im Gegensatz zu gestern (1. Mai) ist die Seilbahn heute trotz steifer Brise in Betrieb und lockt einmal über die Garonne zu fahren. Doch was wenn der Betrieb plötzlich wegen Starkwind eingestellt werden muss und wir am anderen Ufer hängen bleiben? Also doch besser einfach nur gemütlich das Frühstück genießen und auf Patricia warten, die uns pünktlich um zehn Uhr abholt und zum Flughafen Toulouse-Blagnac bringt. Wer sich bereits online eingecheckt hat, kann sich gleich am Gepäckaufgabeschalter anstellen. Die anderen teilen sich zwischen Check-In-Schalter und Automat auf, wobei letzterer noch Verbesserungspotential aufweist. Zum Glück können alle Probleme gelöst werden und mit den Bordkarten in der Hand geht es zum Sicherheitscheck, den alle mühelos passieren. Ein letztes gemütliches Beisammensitzen am Gate bevor zum Boarding aufgerufen wird und wir uns voneinander verabschieden. Mit Rückenwind fliegen wir 20 Minuten schneller als geplant nach München und landen trotz verspätetem Abflug pünktlich am Flugsteig G, von wo aus früher oder später auch alle Anschlussflüge abfliegen werden. Eine schöne Reise geht zu Ende. Was bleibt sind die Erinnerungen an eine abwechslungsreiche Fahrt durch Okzitanien.


Ich möchte mich bei allen Reisegästen herzlich bedanken für die nette Gesellschaft. Es hat mir viel Spaß gemacht mit Ihnen unterwegs zu sein und ich freue mich schon auf meine nächste Reise nach Okzitanien. Machen Sie es gut…


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