Südfrankreich – Provence und Cote d`Azur
Reisebericht: 23.05. – 03.06.2026
Gemeinsam reisen wir durch den sonnigen Süden Frankreichs – zwischen zart aufblühenden Lavendelfeldern, Küstenstraßen, römischem Erbe und dem mediterranen Lebensgefühl der Provence.
Ein Reisebericht von
Christin Kuschka
1. Tag, 23.05.2026: Dem Süden entgegen
Der Tag beginnt mit einem Himmel, wie man ihn sich für den Reiseauftakt kaum schöner wünschen könnte: Über dem Horizont liegt ein leuchtender Sonnenaufgang, während unser Bus langsam Richtung Süden rollt. Noch wirken viele Orte verschlafen, doch auf den Straßen wird es nach und nach lebendiger. Über Dresden, Chemnitz und das Vogtland führt uns der Weg quer durch Deutschland bis nach München und weiter Richtung Alpen. Unterwegs steigen immer mehr Gäste zu – erst einzelne Paare, dann kleine Gruppen – bis wir schließlich 30 Reisende sind, die gemeinsam die kommenden Tage verbringen werden. Für den Moment ist unsere Gruppe damit vollständig, auch wenn am Abend des zweiten Reisetages noch weitere Gäste per Flugzeug zu uns stoßen werden. Schnell entstehen erste Gespräche, man tauscht Reiseerfahrungen aus oder blickt einfach still aus dem Fenster.
Je weiter wir nach Süden kommen, desto mächtiger wirken die Alpen. Hinter Österreich begleiten uns die Berge kilometerlang, mal schroff und felsig, mal noch mit Schneeresten auf den Gipfeln. Besonders die Fahrt über den Brenner macht spürbar, dass wir den Norden langsam hinter uns lassen und uns Schritt für Schritt dem Mittelmeerraum nähern. Am Abend erreichen wir schließlich den Raum Verona. Nach einem langen Reisetag tut es gut, im Hotel anzukommen, die Koffer abzustellen und beim gemeinsamen Abendessen den ersten Tag ruhig ausklingen zu lassen. Viel Kraft brauchen wir auch – denn dies ist erst der Anfang unserer Reise Richtung Südfrankreich.
2. Tag, 24.05.2026: Vom Norden Italiens ans Mittelmeer
Nach einer erholsamen Nacht starten wir mit einem italienischen Frühstück in den Tag. Schon am Morgen liegt warmes Sonnenlicht über Verona, und während wir weiter Richtung Süden fahren, verändert sich die Landschaft Stück für Stück. Zunächst begleitet uns noch die weite Poebene – eine der wichtigsten Wirtschafts- und Landwirtschaftsregionen Italiens, in der unter anderem Reis, Wein und Obst angebaut werden. Doch je näher wir Ligurien kommen, desto enger rücken Berge und Meer zusammen.
Spätestens mit dem ersten Blick auf das Mittelmeer verändert sich auch die Stimmung im Bus. Entlang der italienischen Riviera wechseln sich Tunnel, Küstenorte und spektakuläre Ausblicke ab. Besonders die Blumenriviera macht ihrem Namen alle Ehre: Das milde Klima zwischen Meer und Bergen machte die Region einst zu einem der bedeutendsten Zentren des Blumenanbaus in Europa.
Kurz hinter der französischen Grenze erwartet uns mit Menton ein ungeplanter Höhepunkt des Tages. Die Stadt mit ihren pastellfarbenen Häusern, Zitronenbäumen und kleinen Gassen wirkt fast wie eine Mischung aus Italien und Frankreich. Hier verbringen wir entspannt den Nachmittag, genießen die Promenade und das mediterrane Flair, bevor wir entlang einer wunderschönen Küstenstraße weiterfahren. Unterwegs eröffnet sich sogar noch der Blick auf Monaco, das hoch über dem Meer in der Abendsonne liegt.
Am Abend erreichen wir schließlich unser Hotel in Juan-les-Pins bei Antibes. Gemeinsam gehen wir zum Abendessen und lassen den Tag entspannt an der Côte d’Azur ausklingen.
3. Tag, 25.05.2026: Zwischen Filmkulissen und Parfümwelten
Ab heute ist unsere Reisegruppe komplett. Während die letzten Gäste am Vorabend noch zu uns gestoßen sind, starten wir nun gemeinsam in unseren ersten richtigen Tag an der Côte d’Azur. Unser Weg führt uns zunächst nach Cannes – jener Stadt, die weltweit vor allem für die Filmfestspiele bekannt ist. Noch immer erinnert vieles an das Festival, das erst vor wenigen Tagen zu Ende gegangen ist: Absperrungen stehen entlang der Straßen, Fotografen und Techniker sind noch unterwegs, und vor den berühmten Luxushotels an der Croisette herrscht weiterhin reges Treiben. Während wir an der berühmten Uferpromenade entlangfahren, ziehen Palmen, elegante Fassaden und exklusive Boutiquen an uns vorbei. Cannes wirkt dabei fast wie eine Kulisse zwischen Glamour, Mittelmeer und Hochglanzwelt.
Wenig später entdecken wir die andere Seite der Stadt. Zu Fuß geht es hinauf in die Altstadt Le Suquet, den ältesten Teil von Cannes. Zwischen engen Gassen, kleinen Häusern und schattigen Treppen merkt man schnell, dass Cannes lange vor den Filmfestspielen ein kleines Fischerdorf war. Oben an der Kirche Notre-Dame-de-l’Espérance eröffnet sich schließlich ein weiter Blick über die Bucht und den Hafen. Danach laufen wir hinunter zum Marché Forville, wo heute ausnahmsweise kein klassischer Wochenmarkt, sondern ein Antikmarkt stattfindet. Zwischen alten Büchern, Geschirr, Postkarten und kleinen Kuriositäten stöbern viele noch ein wenig, bevor wir eine ausgiebige Mittagspause genießen.
Am Nachmittag verlassen wir die Küste und fahren hinein in das Esterel-Gebirge. Die Landschaft verändert sich sofort: Rötliche Felsen, dichte Pinienwälder und kurvige Straßen prägen die Strecke. Besonders rund um den Lac de Saint-Cassien wirkt die Region fast überraschend ruhig – ein starker Kontrast zum mondänen Cannes am Vormittag.
Anschließend erreichen wir Grasse, die berühmte Parfumstadt der Provence. Seit Jahrhunderten werden hier Düfte hergestellt, ursprünglich auch deshalb, weil man mit den Parfums den Geruch der Ledergerbereien überdecken wollte. Bei Fragonard erhalten wir einen spannenden Einblick in die Welt der Parfumherstellung – von Blütenessenzen über Destillation bis hin zur Zusammenstellung einzelner Duftnoten. Natürlich bleibt danach auch noch genügend Zeit, verschiedene Parfums auszuprobieren und vielleicht ein kleines Souvenir mitzunehmen.
Am Abend kehren wir zurück nach Juan-les-Pins und lassen den Tag bei einem gemeinsamen Abendessen entspannt ausklingen.
4. Tag, 26.05.2026: Felsen, Schluchten, kleine Bergdörfern
Schon am Morgen merken wir, dass heute ein ganz besonderer Tag vor uns liegt. Bei herrlichem Wetter verlassen wir die Côte d’Azur und fahren hinein in das ruhige Hinterland der Provence. Über die südliche Route nähern wir uns Schritt für Schritt der Verdonschlucht. Die Straßen werden kurviger, die Dörfer kleiner und die Landschaft immer ursprünglicher. Immer wieder öffnen sich weite Ausblicke über Berge, Täler und schroffe Felsen, während wir der historischen Route Napoléon folgen – jener Strecke, auf der Napoleon 1815 von der Mittelmeerküste zurück nach Paris zog.
Je näher wir dem Grand Canyon du Verdon kommen, desto spektakulärer wird die Landschaft. Tief unter uns leuchtet das Wasser des Verdon in einem fast unwirklichen Türkis, während die Felsen hunderte Meter steil abfallen. Immer wieder wird es im Bus plötzlich still, weil alle einfach nur aus dem Fenster schauen. Diese Schlucht wirkt nicht wie eine typische Postkartenlandschaft der Provence, sondern fast wild und unberührt.
Am Nachmittag erreichen wir Moustiers-Sainte-Marie, das sich malerisch zwischen hohen Felsen an den Hang schmiegt. Beim Spaziergang durch die engen Gassen, vorbei an kleinen Geschäften, Brunnen und Cafés, fühlt sich der Ort fast ein wenig wie aus der Zeit gefallen an. Viele genießen einfach die entspannte Atmosphäre, stöbern durch die Keramikläden oder suchen sich ein schattiges Plätzchen mit Blick auf die umliegenden Berge.
Zurück fahren wir schließlich über die nördliche Route – und obwohl wir dieselbe Region durchqueren, wirkt die Landschaft plötzlich wieder ganz anders. Die Strecke führt durch weite Hochflächen, vorbei an kleinen Bergorten und stillen Tälern. Die Abendsonne taucht die Provence langsam in warme Farben, während wir müde, aber voller Eindrücke zurück an die Côte d’Azur fahren.
5. Tag, 27.05.2026: Zwischen Altstadtgassen und Glamour
Unsere letzte Nacht an der Côte d’Azur liegt noch vor uns, doch schon am Morgen spüren wir, dass diese Reise langsam in ihre nächste Etappe übergeht. Gemeinsam mit unserer Stadtführerin Monika machen wir uns zunächst auf den Weg nach Nizza. Schon während der kurzen Fahrt durch die Stadt zeigt sich, wie unterschiedlich Nizza wirken kann: elegante Boulevards, dichtes Stadtleben, Palmen und immer wieder der Blick auf das Meer. Zu Fuß tauchen wir anschließend in die Altstadt ein. Zwischen engen Gassen, alten Häuserfassaden und kleinen Geschäften wirkt Nizza plötzlich viel mediterraner und ursprünglicher, als man es vielleicht erwartet hätte. Unser Weg führt vorbei an der Kathedrale bis hinunter zum Marktplatz, wo sich zwischen Blumenständen, Obst, Gewürzen und kleinen Cafés das typische Leben der Stadt abspielt. Noch ein Abstecher bis zu Promenade, dort wo Stadt, Meer und dieses besondere Licht der Côte d’Azur aufeinandertreffen. Anschließend bleibt Zeit für eine kleine Verschnaufpause, die viele nutzen, um noch ein wenig durch die Gassen zu schlendern oder einfach das Treiben zu beobachten.
Am Nachmittag fahren wir immer entlang der Küste weiter nach Monaco. Die Straße schlängelt sich vorbei an Villen, kleinen Buchten und Aussichtspunkten, bis das Fürstentum plötzlich vor uns auftaucht – dicht bebaut zwischen Bergen und Meer. Zu Fuß erkunden wir die Altstadt auf dem Felsen von Monaco. Vorbei an der Kathedrale erreichen wir schließlich den Fürstenpalast mit seinem weiten Blick über den Hafen und Monte Carlo. Trotz des Luxus wirkt Monaco an vielen Stellen erstaunlich ruhig und fast dörflich.
Später fahren wir hinunter nach Monte Carlo und bewegen uns plötzlich mitten durch jene Welt, die man sonst eher aus Filmen kennt. Vor dem Casino stehen Luxusautos, die Fassaden wirken fast wie Theaterkulissen, und zwischen den prächtigen Hotels herrscht dieses ganz eigene Flair aus Eleganz und Inszenierung. Während wir noch einmal über den Platz schlendern, wird vielen bewusst, dass dies bereits unser letzter Abend in dieser Region ist. Morgen verlassen wir die Côte d’Azur und setzen unsere Reise weiter Richtung Avignon fort.
6. Tag, 28.05.2026: Abschied von der Côte d’Azur
Am Morgen verlassen wir Juan-les-Pins und machen uns auf den Weg Richtung Westen. Nach den vergangenen Tagen an der Côte d’Azur verändert sich die Landschaft unterwegs noch einmal spürbar: Hinter den mondänen Küstenorten werden die Straßen ruhiger, Pinienwälder und felsige Hügel prägen zunehmend das Bild. Schließlich erreichen wir Sainte-Maxime am Golf von Saint-Tropez. Der kleine Küstenort wirkt deutlich entspannter als sein berühmter Nachbar auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht. Entlang der Promenade herrscht bereits reges Leben, in den Cafés sitzen die ersten Gäste, und zwischen Palmen und pastellfarbenen Häusern genießen wir die angenehme Atmosphäre am Meer.
Bevor unsere Bootsfahrt beginnt, bleibt noch etwas Zeit, durch den Ort zu schlendern oder den Blick über den Hafen schweifen zu lassen. Anschließend legen wir mit dem Boot ab und fahren hinaus auf den Golf von Saint-Tropez. Vom Wasser aus zeigt sich die Küste noch einmal von ihrer schönsten Seite: kleine Buchten, elegante Villen und immer wieder das tiefblaue Mittelmeer. Je näher wir Saint-Tropez kommen, desto deutlicher wird, warum dieser Ort seit Jahrzehnten Menschen aus aller Welt anzieht.
Trotz aller Luxusyachten und Designerboutiquen hat Saint-Tropez sich noch immer etwas von seinem ursprünglichen Charakter bewahrt. Hinter dem berühmten Hafen beginnen enge Gassen, kleine Plätze und alte Häuserfassaden, die an die Zeit erinnern, als Saint-Tropez noch ein beschauliches Fischerdorf war. Viele nutzen die freie Zeit für einen Spaziergang, einen Café au lait am Hafen oder einfach zum Beobachten des bunten Treibens zwischen Urlaubern, Einheimischen und Luxusleben.
Am Nachmittag verlassen wir die Côte d’Azur endgültig und fahren weiter Richtung Provence. Langsam verschwindet das Meer aus dem Blickfeld, stattdessen begleiten uns Weinberge, Zypressen und weite Landschaften. Gegen Abend erreichen wir Avignon und beziehen unser nächstes Hotel – mit vielen Eindrücken der vergangenen Tage an der Mittelmeerküste im Gepäck.
7. Tag, 29.05.2026: Arles & Avignon – zwischen Römern und Päpsten
Auch heute begleitet uns wieder strahlender Sonnenschein, als wir uns auf den Weg nach Arles machen. Schon bei der Ankunft spürt man sofort, dass diese Stadt eine ganz besondere Atmosphäre besitzt. Gemeinsam mit unseren beiden Stadtführerinnen Delphine und Gabrielle erkunden wir die Altstadt, in der an fast jeder Ecke Spuren der Römer sichtbar werden. Besonders beeindruckend wirkt die große Arena, die noch heute erstaunlich gut erhalten ist und früher Platz für tausende Zuschauer bot. Auch das antike Theater und die Konstantinthermen zeigen, welche Bedeutung Arles bereits in der Antike hatte. Dass die Stadt einst ein wichtiger römischer Handelsplatz war, lässt sich hier noch immer gut erkennen.
Doch Arles erzählt nicht nur römische Geschichte. Zwischen kleinen Plätzen, schmalen Gassen und ockerfarbenen Häusern begegnet uns immer wieder auch das provenzalische Lebensgefühl. Gleichzeitig erinnert vieles an Vincent van Gogh, der hier einige seiner bekanntesten Werke malte. Das besondere Licht der Provence, das ihn faszinierte, scheint auch heute noch über der Stadt zu liegen.
Nach dem Rundgang bleibt genügend Zeit für eine ausgiebige Mittagspause. Viele genießen die entspannte Atmosphäre auf den kleinen Plätzen, sitzen in Cafés oder schlendern noch einmal durch die Altstadt, bevor wir am Nachmittag zurück nach Avignon fahren.
Dort erwarten uns bereits unsere beiden Stadtführer Bertrand und Jocelyne, die uns mit viel Begeisterung durch die Stadt der Päpste begleiten. Schon beim ersten Blick auf die mächtigen Stadtmauern und den gewaltigen Papstpalast wird deutlich, welche Bedeutung Avignon im Mittelalter besaß. Im 14. Jahrhundert war die Stadt zeitweise sogar Sitz der Päpste und damit das Zentrum der katholischen Welt. Während unseres Rundgangs entdecken wir enge Gassen, kleine Plätze und natürlich die berühmte Brücke Pont Saint-Bénézet, die heute nur noch teilweise erhalten ist, aber durch das bekannte Lied bis heute weltberühmt blieb.
Nach der Führung nutzen viele noch die Gelegenheit, den imposanten Papstpalast zu besichtigen oder einfach noch etwas durch die lebendige Altstadt zu bummeln. Erst am Abend treffen wir uns alle wieder und lassen diesen geschichtsträchtigen Tag gemeinsam beim Abendessen ausklingen.
8. Tag, 30.05.2026: Mittelmeerträume und marseiller Lebensgefühl
Der Tag beginnt erneut mit strahlendem Sonnenschein – und schon die Fahrt nach Cassis macht Lust auf einen entspannten Tag am Meer. Als wir den kleinen Hafenort erreichen, fühlen sich viele sofort an das Bilderbuch-Südfrankreich erinnert: bunte Fassaden, schaukelnde Boote, schmale Gassen und das glitzernde Mittelmeer direkt vor der Tür. Obwohl Cassis längst kein Geheimtipp mehr ist, hat sich der Ort eine angenehme Gelassenheit bewahrt, die man sofort spürt.
Während einige von uns durch die Gassen schlendern oder die Atmosphäre am Hafen genießen, entscheiden sich viele für die Bootsfahrt zu den berühmten Calanques. Bei diesem Wetter könnte die Kulisse kaum schöner sein. Die weißen Kalksteinfelsen ragen hoch aus dem Meer empor, dazwischen öffnen sich immer wieder kleine Buchten mit kristallklarem Wasser. Vom Boot aus wirken die gewaltigen Felsformationen noch beeindruckender als vom Land. Es sind genau diese Landschaften, die man noch lange in Erinnerung behält und die zeigen, wie vielfältig die Mittelmeerküste Südfrankreichs sein kann.
Am Nachmittag wartet dann ein völlig anderer Eindruck auf uns. Mit Marseille erreichen wir eine Stadt, die laut, lebendig und voller Gegensätze ist. Unsere Stadtführerin Astrid begrüßt uns bereits und nimmt uns mit auf eine ausführliche Rundfahrt durch die älteste Stadt Frankreichs. Schnell wird deutlich, dass Marseille weit mehr ist als nur ein großer Hafen. Hier treffen Geschichte und Gegenwart, Tradition und Moderne, Europa, Afrika und der Mittelmeerraum auf engstem Raum zusammen.
Während wir durch die verschiedenen Stadtviertel fahren, erzählt Astrid von der langen Geschichte Marseilles, das bereits vor rund 2.600 Jahren von griechischen Seefahrern gegründet wurde. Immer wieder öffnen sich Ausblicke auf den Alten Hafen, auf die Küste und auf die dicht bebauten Hügel, die die Stadt umgeben. Gerade diese Vielfalt macht Marseille so spannend: Die Stadt möchte nicht geschniegelt oder perfekt wirken – sie ist lebendig, authentisch und manchmal auch ein wenig rau.
Am Abend kehren wir mit vielen Eindrücken nach Avignon zurück. Hinter uns liegt ein Tag, der die Provence und die Mittelmeerküste noch einmal von ganz unterschiedlichen Seiten gezeigt hat – mal ruhig und naturverbunden, mal lebendig und voller Energie.
9. Tag, 31.05.2026: Ein Tag in Frankreichs wildem Süden
Auch heute begrüßt uns die Provence mit strahlendem Sonnenschein. Während wir Avignon hinter uns lassen, verändert sich die Landschaft nach und nach. Die Weinberge und kleinen Dörfer weichen einer immer flacheren Ebene, und irgendwann scheint der Himmel förmlich mit dem Horizont zu verschmelzen. Es fühlt sich an, als würden wir in eine ganz andere Welt eintauchen.
Unser erster Halt ist Aigues-Mortes. Schon von Weitem fallen die mächtigen Stadtmauern ins Auge, die die Altstadt bis heute vollständig umschließen. Beim Spaziergang durch die schmalen Gassen kann man sich gut vorstellen, wie hier vor Jahrhunderten Händler, Pilger und Kreuzfahrer unterwegs waren. Viele von uns zieht es hinauf auf die Stadtmauer. Von dort oben schweift der Blick weit über die Dächer der Stadt bis hinaus zu den Salzgärten und Lagunen der Camargue. Die Ruhe dort oben steht in spannendem Kontrast zu der bewegten Geschichte dieses Ortes.
Anschließend fahren wir weiter nach Saintes-Maries-de-la-Mer. Schon bei der Ankunft ist das Meer zu sehen, und sofort stellt sich dieses entspannte Küstengefühl ein. Rund um die markante Kirche herrscht reges Leben, in den kleinen Gassen laden Geschäfte und Cafés zum Verweilen ein. Viele nutzen die freie Zeit für einen Spaziergang am Strand, andere suchen sich ein schattiges Plätzchen mit Blick auf das Wasser. Kaum zu glauben, dass dieser beschauliche Ort jedes Jahr zum Ziel tausender Pilger wird, die hier die Schwarze Sara verehren.
Für eine besondere Überraschung sorgt am Nachmittag unser Besuch im Ornithologischen Park von Pont de Gau. Kaum betreten wir das Gelände, entdecken wir die ersten Flamingos. Es ist etwas ganz Besonderes, diese eleganten Vögel nicht im Zoo, sondern mitten in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben. Immer wieder bleiben wir stehen, beobachten das Treiben auf den Wasserflächen und genießen die ungewohnte Stille dieser Landschaft.
Danach führt uns die Fahrt noch tiefer hinein in die Camargue. Aus dem Busfenster ziehen Lagunen, Schilfflächen und weite Weiden vorbei. Immer wieder entdecken wir die berühmten weißen Pferde oder die schwarzen Stiere, die hier seit Jahrhunderten zuhause sind. Gerade diese Weite macht den besonderen Reiz der Camargue aus. Nichts wirkt inszeniert oder geschniegelt – die Landschaft erscheint ursprünglich, rau und zugleich erstaunlich friedlich.
Den Abschluss unseres Tages bildet Salin-de-Giraud. Die riesigen Salinen erstrecken sich bis zum Horizont und zeigen eindrucksvoll, wie sehr die Menschen diese Region geprägt haben. Gleichzeitig scheint die Natur hier immer noch die Hauptrolle zu spielen. Als wir am späten Nachmittag die Rückfahrt antreten, sind sich viele einig: Die Camargue hat uns heute eine Seite Südfrankreichs gezeigt, die ganz anders ist als die Küstenorte, Städte und Dörfer der vergangenen Tage – und gerade deshalb so faszinierend.
10. Tag, 01.06.2026: Farben, Felsen und provenzalische Bilderbuchdörfer
Unser letzter voller Tag in der Provence beginnt sonnig, wenn auch mit einem kräftigen Wind, der uns den ganzen Tag begleiten wird. Doch gerade dieser Mistral sorgt für die klare Sicht, für die die Region so berühmt ist. Schon am Morgen wartet eine kleine Überraschung auf uns: Statt direkt in den Luberon zu fahren, machen wir zunächst Halt in Les Baux-de-Provence.
Hoch oben auf einem Felsplateau gelegen, wirkt der Ort wie eine natürliche Festung. Die Ruinen der einst mächtigen Burg erinnern daran, dass Les Baux im Mittelalter zu den bedeutendsten Herrschaftssitzen Südfrankreichs gehörte. Während wir durch die engen Gassen schlendern, schweift der Blick immer wieder weit über die Landschaft. Die Alpilles liegen uns zu Füßen, und dank der außergewöhnlich klaren Luft reicht die Sicht heute sogar bis in die Camargue. Es sind diese Momente, in denen man versteht, warum die Provence seit Jahrhunderten Künstler, Schriftsteller und Reisende begeistert.
Anschließend fahren wir weiter nach Gordes. Schon die Anfahrt gehört zu den schönsten der gesamten Reise. Wie aus dem Felsen gewachsen klebt das Dorf an einem Hang des Luberon-Gebirges. Die hellen Natursteinhäuser scheinen förmlich übereinander gestapelt zu sein und bilden eines der bekanntesten Postkartenmotive der Provence. Während unserer Mittagspause genießen viele einfach die besondere Atmosphäre des Ortes, lassen den Blick über die umliegenden Täler schweifen oder beobachten das entspannte Leben auf den kleinen Plätzen.
Nur wenige Kilometer entfernt erwartet uns anschließend die Abtei Sénanque. Eingebettet in ein stilles Tal wirkt das Kloster beinahe abgeschieden von der modernen Welt. Während der interessanten Führung erfahren wir viel über das Leben der Zisterziensermönche, die hier seit dem 12. Jahrhundert nach den Idealen von Einfachheit, Arbeit und Gebet leben. Die schlichte Architektur beeindruckt gerade durch ihre Klarheit. Nichts wirkt überladen, jeder Raum erfüllt einen bestimmten Zweck. Man spürt schnell, dass hier über Jahrhunderte hinweg eine ganz andere Vorstellung vom Leben gepflegt wurde als in den prachtvollen Kathedralen und Palästen, die wir auf dieser Reise ebenfalls kennengelernt haben.
Zum Abschluss wartet noch einmal ein völlig anderer Höhepunkt auf uns. In Roussillon scheint die Provence plötzlich ihre Farben zu wechseln. Wo sonst helle Kalksteine und Lavendel die Landschaft prägen, leuchten hier Rot-, Orange- und Ockertöne in allen Nuancen. Die Ursache dafür liegt im außergewöhnlich hohen Ockergehalt des Bodens. Über viele Jahrhunderte wurde hier das begehrte Farbpigment abgebaut und in die ganze Welt exportiert. Bei unserem Spaziergang durch die ehemaligen Ockerbrüche fühlt es sich stellenweise an, als würden wir durch eine Landschaft wandern, die eher an den amerikanischen Südwesten als an Südfrankreich erinnert. Hinter jeder Kurve eröffnen sich neue Farbspiele, die im Sonnenlicht besonders intensiv wirken.
Mit vielen Eindrücken kehren wir am späten Nachmittag nach Avignon zurück - langsam wird uns bewusst, wie schnell die vergangenen Tage vergangen sind. Beim gemeinsamen Abendessen lassen wir die Erlebnisse noch einmal Revue passieren, bevor wir morgen die Provence verlassen und unsere Reise weiter in Richtung Lyon führt.
11. Tag, 02.06.2026: Abschied von der Provence
Nach den vielen erlebnisreichen Tagen tut es gut, den Morgen etwas ruhiger angehen zu lassen. Wir können ausschlafen, genießen ein entspanntes Frühstück und machen uns anschließend auf den Weg zu unserem letzten großen Besichtigungspunkt auf dieser Reise: dem Pont du Gard.
Schon bei der Ankunft beeindruckt das gewaltige Bauwerk. Über dem Fluss Gardon erhebt sich die fast 2.000 Jahre alte römische Aquäduktbrücke, die bis heute zu den besterhaltenen Ingenieursleistungen der Antike zählt. Kaum vorstellbar, dass die Römer mit einfachsten Hilfsmitteln einen Wasserkanal errichteten, der über 50 Kilometer hinweg Wasser nach Nîmes transportierte und dabei nur wenige Zentimeter Gefälle pro Kilometer aufwies. Während wir über das Gelände spazieren, ziehen immer wieder dunkle Wolken über den Himmel. Tatsächlich erleben wir heute etwas, das auf dieser Reise bisher Seltenheitswert hatte: Regen. Immer wieder gehen heut im Laufe des Tages kurze Schauer nieder, doch sie verleihen der Landschaft auch eine ganz besondere Stimmung.
Anschließend verlassen wir die Provence und folgen dem Rhônetal weiter nach Norden. Während draußen Weinberge, Flusslandschaften und kleine Ortschaften vorbeiziehen, wird vielen bewusst, dass sich unsere Reise langsam ihrem Ende nähert. In Lyon heißt es schließlich Abschied nehmen von einem Teil unserer Gruppe. Die Fluggäste verlassen uns hier und treten am nächsten Tag ihre Heimreise mit dem Flugzeug an.
Für die meisten von uns geht die Reise jedoch noch ein Stück weiter. Am Abend erreichen wir Mâcon im südlichen Burgund und beziehen unser letztes Hotel dieser Reise. Beim gemeinsamen Abendessen blicken wir noch einmal auf die vergangenen Tage zurück – auf die Côte d’Azur, die Provence, die Camargue und all die kleinen und großen Momente unterwegs. Morgen geht es für uns endgültig nach Hause. Ein wenig Wehmut ist dabei durchaus zu spüren, aber auch die Freude auf das Wiedersehen mit Familie und Freunden.
12. Tag, 03.06.2026: Mit vielen Erinnerungen im Gepäck
Heute heißt es endgültig Abschied nehmen. Früh am Morgen verlassen wir unser Hotel und machen uns auf den langen Weg nach Hause. Vor uns liegt ein Tag, der vor allem vom Reisen geprägt ist – viele Kilometer, zahlreiche Autobahnen und viel Zeit, um die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren zu lassen.
Das Wetter zeigt sich dabei von einer ganz anderen Seite als während unserer Reise durch Südfrankreich. Immer wieder ziehen Regenschauer über die Straße, dunkle Wolken begleiten uns ein Stück des Weges und lassen uns einmal mehr erkennen, welches Glück wir in den vergangenen Tagen hatten. Während wir die Provence, die Camargue und die Côte d’Azur fast durchgehend bei Sonnenschein erleben durften, präsentiert sich Europa nun deutlich wechselhafter.
Die Heimreise verläuft nicht ganz so reibungslos wie erhofft. Immer wieder sorgen Staus, Baustellen und Verzögerungen für längere Fahrzeiten. Mit jedem Halt wird unser Bus ein wenig leerer. Nach und nach verabschieden sich die ersten Mitreisenden, steigen an ihren Ausstiegsorten aus und treten die letzten Kilometer nach Hause an. Die Gruppe, die vor wenigen Tagen noch gemeinsam die Küstenstraßen der Côte d’Azur entlangfuhr, wird langsam kleiner. Jeder Abschied erinnert daran, dass unsere gemeinsame Reise nun tatsächlich zu Ende geht.
Als wir am Abend schließlich unsere Heimat erreichen, liegen viele Eindrücke hinter uns: die leuchtenden Farben der Provence, die wilden Landschaften der Camargue, die Küstenorte am Mittelmeer, die geschichtsträchtigen Städte und die vielen Begegnungen unterwegs. Was bleibt, sind nicht nur Fotos und Souvenirs, sondern vor allem Erinnerungen an eine Reise voller schöner Augenblicke, die uns noch lange begleiten werden.
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