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Reisebericht: Rundreise Georgien: Zauberhaftes Swanetien im Großen Kaukasus

12.07. – 21.07.2018, 10 Tage Rundreise Georgien: Schwarzes Meer - Kaukasus - Hauptstadt Tbilisi

Ein Reisebericht von:
Prof. Dr. Magda-Viola Hanke
 
12.07. – 21.07.2018, 10 Tage Rundreise mit Batumi, Mestia, Kutaisi, TbilissiEine Reise in den Osten. Was erwartet uns in Georgien, dem kleinen Land mit großen Besonderheiten? Okzident trifft Orient, das älteste christlich geprägte Land seit 337 n. Chr., seit 1,8 Mio. Jahren von Menschen besiedelt, Weinanbau seit 8.000 Jahren, drei UNESCO Kulturerbestätten, eine überwältigende Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren dank unterschiedlicher Klimazonen, freundliche und überaus gastfreundliche Menschen - das alles und noch viel mehr ist Georgien.

1. Tag: Anreise nach Batumi


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Unsere Reisegruppe traf sich in Leipzig am Flughafen. Einige von uns waren sehr gespannt, was uns in diesem für uns gedanklich fernen Land, in das wir aufbrachen, erwartet. Andere vollzogen eine Erinnerungstour, um die Erlebnisse der Jugendzeit noch einmal aufblühen zu lassen und zu vergleichen, was sich seit den 70-er Jahren so getan hat in Georgien. Unser Flug ging pünktlich nach Istanbul mit Turkish Airlines (Essen und Service immer wieder sehr gut) und wir stellten die Uhr vor. In Istanbul hatten wir wirklich sehr wenig Zeit für das Umsteigen in den Flug nach Batumi. Glücklicherweise erwartetet uns bereits am Eingang zum Flughafengebäude ein Mitarbeiter der Turkish Airlines, der uns im Eilschritt zum Abfluggate brauchte. Es war ein Rennen auf krummen Wegen und ich bin allen unseren Gästen sehr dankbar, dass sie den Eilschritt bei diesen hohen Sommertemperaturen so gut gemeistert haben. Als wir am Gate ankamen war Boarding schon abgeschlossen und hier half uns auch der nette Airline-Mitarbeiter. Unserer beiden Mitreisenden aus Süddeutschland fanden wir dann erst im Flieger, denn sie waren schon vorab eingestiegen. Ankunft in Batumi und wieder die Uhr eine Stunde vorstellen. Die Koffer waren auch alle da, was uns überraschte, offenbar waren sie genauso schnell transportiert worden wie wir gerannt sind. Es war heiß in Batumi und die Luftfeuchtigkeit hoch, wie auch an den folgenden Tagen. Da kam man den ganzen Tag ins Schwitzen.
Unsere freundliche örtliche Reiseleiterin Eka erwartete uns bereits in der Ankunftshalle. Sie beherrscht die deutsche Sprache perfekt. Zuerst galt es Geld tauschen oder am Bankomat abheben, das haben wir gleich noch am Flughafen erledigt. Dann bestiegen wir den Bus und fuhren zum Hotel Batumi World Palace. Kurzer Aufenthalt im Hotel, die Zimmer waren sehr großzügig vom Platz her und gefielen uns gut, dann ging es zum Abendessen. Da wir recht zentral untergebracht waren, hatten wir einen kurzen Weg über die Strandpromenade zum Alphabet-Tower. Wir fuhren mit dem Fahrstuhl hinauf, im Restaurant in der Kugel waren für uns Plätze reserviert. Der Ausblick von oben war spektakulär und machte den Eindruck, als ob unten auf der Strandpromenade ein Volksfest stattfinden würde mit einem Riesenrad, verschiedensten Verkaufsständen und vielen Menschen. Die Strandpromenade und die vor Anker liegenden Schiffe machten uns bewusst - wir sind am Schwarzen Meer. Es folgte ein erstes Kennenlernen der Gäste untereinander, der georgischen Speisen und des georgischen Lebensstils. Einige von uns blieben dem Bier treu, wenn es auch georgisches war, andere bevorzugten den Wein im Land des Weins, von trocken über halbtrocken und halbsüß bis süß. Der Abend wurde noch lang, das Leben hier lief auch langsamer, wir waren erst kurz vor Mitternacht wieder im Hotel.

2. Tag: Batumi


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Den Tag gingen wir ruhig an. Nach einem ausgiebigen Frühstück auf der Hotelterrasse mit Blick auf die Strandpromenade hatten wir uns vorgenommen, die Stadt zu erkunden. Unsere örtliche Reiseleiterin Eka holte uns ab. Zunächst ging es in Richtung Alt-Batumi vorbei an der griechisch-orthodoxen Kirche des heiligen Nikolai, dem ältesten Gotteshaus der Stadt. In unmittelbarer Nähe liegt die neu gestaltete Piazza im venezianischen Stil. Hier gibt es eine Menge Cafés und Restaurants und abends Lifemusik. Wir wandten uns in Richtung Hafen. Batumi ist der wichtigste Hafen Georgiens. Wir staunten über die großen Schiffe, Kräne, Tanker, die aus der Ferne zu sehen waren, und über die Männer, die in aller Ruhe dem Angeln nachgingen. Dann führte uns der Weg weiter die Strandpromenade entlang, die in den letzten Jahren komplett umgestaltet worden ist und wo neben dem Alphabet-Turm ein Riesenrad und Hotelkomplexe entstanden sind. Bei der Skulptur Nino und Ali verweilten wir einen Moment, um der Geschichte über die wunderbare Liebe zwischen Nino, der christlich erzogenen Georgierin, und Ali, dem muslimischen Aserbaidschaner, zu lauschen. Und wir erwarteten dem Moment, wenn beide Skulpturen sich in Liebe vereinen. Ist dies nicht wunderbar, und die Geschichte ist doch noch immer aktuell. Der Turm des georgischen Alphabets zog erneut unsere Blicke auf sich. Er ist in der Nacht wie auch am Tage sehenswert. Das sich noch immer im Bau befindliche und schon lange nicht genutzte Gebäude der Technischen Universität zeigte uns seine besondere Attraktion – die goldenen Gondeln leuchteten schon von weitem in der Sonne. Es war Zeit eine Mittagspause einzulegen. Wir wollten in der Nähe des Strandes sein und fanden ein Café mit direkten Zugang zum Meer. Da saßen wir eine Weile bei gutem Bier, hausgemachter Limonade und Espresso, um das Wasser in seiner gewaltigen Schönheit und Kraft zu bewundern. Weiter ging es anschließend noch ein Stück die Strandpromenade entlang stets auf der Hut, Fahrrädern, Motorrädern oder anderen neumodischen Fahrzeugen nicht im Wege zu sein. Schließlich endete unser Spaziergang am Europaplatz bei der Skulptur von Medea. Und noch einmal bezaubert uns Eka mit der Legende um Medea, das Goldene Vlies und die Argonauten. Der Nachmittag dann war frei zur Entfaltung persönlicher Wünsche. Die einen fuhren mit der Seilbahn hinauf auf einen Hügel, um einen traumhaften Blick auf die Stadt Batumi werfen zu können. Die anderen wollten im warmen Meer baden. Dieses Unterfangen war nicht so einfach, da der Strand aus runden Steinen besteht und das Ufer leicht abfallend ist. Mit Badeschuhe ging es dann schon, hinein ins Wasser zu kommen, schwieriger war es, wieder herauszukommen, denn die Wellen halten irgendwie den Fuß fest. Den Abend verbrachten wir mit wunderbarer Aussicht auf die Bucht von Batumi und das Meer im Restaurant Goldener Fisch. Und wieder beeindruckte die georgische Küche. Die Khachapuri (Teigtaschen mit Käsefüllung) in diesem Restaurant waren die besten.

3. Tag: Fahrt nach Swanetien


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Das war ein besonders bewegender Tag unserer Reise. Es ging in Richtung Nordosten, hinauf in den Großen Kaukasus. Zunächst grüßten uns die Ausläufer des Kleinen Kaukasus. Die Fahrt ging durch Megrelien in der Kolchischen Tiefebene, das landwirtschaftliche Paradies mit Zitrus- und Feigenbäumen, mächtigen Walnussbäumen, Granatäpfel und vielen Kirschpflaumen, deren Früchte jetzt schon in allen Farben leuchteten, mit Maisfeldern, Weinhängen und Teeplantagen. Große Flächen wurden für den Anbau von Haselnüssen genutzt. Wenn wir Ferrero-Küsschen essen, haben wir wohl immer auch etwas von Georgien dabei. Bald schon begegneten uns zum ersten Mal in den kleinen Dörfern die flanierenden Schweine, Rinder und Hühner, die am Abend stets allein den Weg in den heimatlichen Stall finden. Sie sollten uns auf unserer Reise überall wieder begegnen. Eine Mittagspause legten wir in Zugdidi ein, der Residenzstadt der megrelischen Fürsten. Die Familie der Dadianis ließ hier einen Palast bauen und einen Garten anlegen. Der Palst dient heute als Geschichts- und Volkskundemuseum, wo als besondere Kuriosität eine der drei Kopien von der Totenmaske Napoleon Bonapartes sowie Möbel und Kostbarkeiten aus dem Privateigentum von Napoleon aufbewahrt werden. Die Verknüpfungen der Familie Dadiani nach Deutschland und Frankreich waren sehr eng. Achille Murat, der Enkel von Napoleons Marschall, war mit einer Tochter aus der Dadiani Familie verheiratet.
Von Zugdidi, dem Tor in das Obere Swanetien, ging dann die Fahrt stets bergauf. Wilde Flüsse und enge Schluchten, herabstürzende Wasserfälle begleiteten uns und manchmal sahen wir auch noch den Schnee in den Bergen glitzern. Die Straßen waren eng, jeder von uns hatte einen Fensterplatz in unseren Reisebus und sah ein manches Mal mit Bangen in die Tiefe. Gegen Abend erreichten wir Mestia, das Herz der Verwaltungsregion, und unser Hotel Banguriani, von dem man einen weiten Blick auf die vielen Wehrtürme des Ortes und der Umgebung hat. Im Dunklen dann sind die Türme erleuchtet und da wussten wir mit Bestimmtheit, es ist eine ganz andere Welt, in die wir gerade eintauchten. Die swanische Bergwelt ist wohl eine der majestätischsten in ganz Europa, noch unberührt vom Massentourismus, einsam und erhaben. Sie ist die Heimat eines stolzen Bergvolkes, das seine Traditionen seit Jahrhunderten erhalten hat. Kriegerische Auseinandersetzungen mit den nordkaukasischen Stämmen gab es genug, die Wohn- und Wehrtürme ermöglichte es den Swanen zu überleben. Erst 1937 wurde Mestia durch eine Straße erschlossen, bis vor wenigen Jahren war sie jedoch kaum befahrbar.

4. Tag: Mestia in Swanetien


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Schon am nächsten Tag wollten wir uns den Traditionen dieses Bergvolkes nähern. Leider spielte das Wetter nicht so mit, wie wir es uns gewünscht hätten, und es regnete. Den Bus konnten wir in den engen Gassen der Stadt nicht benutzen und so hatten wir an diesem Tag Jeeps zur Verfügung, die uns den Weg auf den steilen Straßen erleichterten. Zuerst besichtigten wir den Wehrturm und das Machubi (Wohnhaus am Fuße des Wehrturms), welches der Magrani-Clan für Touristen als ethnographisches Museum zur Verfügung gestellt hat. Die Wehrtürme waren eine kleine Burg, in die sich die Großfamilie mit den Tieren zurückziehen konnte, wenn die Feinde aus dem Norden nahten oder Bedrohung durch auf Blutrache sinnende Nachbarclans drohte. Einige von uns wollten einen solchen Turm besteigen und wir waren froh, dass alle aus dem engen, schmalen Turm, wo man von Etage zu Etage nur auf wackeligen Leitern gelangen konnte, zurückkehrten. Die Museumsführerin Larissa führt uns dann in das benachbarte Wohnhaus und war wegen der vielen Touristengruppen völlig überlastet. Einem Wasserfall ähnlich sprangen die Worte aus ihrem Mund und in Windeseile erzählt sie, wie die Swanen wohnten und lebten mit den Tieren in einem Haus. Es war so aufregend und uns blieb vor Staunen der Mund offenstehen. Ein solches einfaches, gut organisiertes und doch beglückendes Leben in einer Gemeinschaft, soweit entfernt von unserem hochzivilisierten Dasein. Anschließend besichtigen wir das Michail Khergiani -Museum auf der anderen Seite von Mestia. Hier wohnte die Familie des berühmten Bergsteigers. Die Mittagspause legten wir im Zentrum von Mestia ein, im Café Leila. Am Abend dann das Highlight. Wir besuchen eine swanische Familie zu Hause und setzen uns an eine georgische Tafel mit den vielen kleinen Tellern und den wunderbaren, selbst zubereiteten, einfachen, gesunden und so gut schmeckenden Speisen, mit vielen Kräutern der swanischen Küche, Salguni-Käse und Fleisch von den heimischen Tieren – Ökoprodukte würden wir sie benennen. Danke für so viel Gastfreundschaft.

5. Tag: Ausflug nach Ushguli


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Unser Ziel an diesem Tag war das höchstgelegene, ganzjährig bewohnte Dorf in Europa - Ushguli auf 2.200 m Höhe. Wir nutzten erneut die Jeeps, es war ein beschwerlicher Weg. Unterwegs gab es eine ganze Reihe an Baustellen, wo man einfach hindurchfährt. Aber der Regen hatte die Wege auch aufgeweicht und das Wasser stürzte oft gerade über die Straße zum Tal. Am Wegesrand besuchten wir den Turm der Liebe und Eka erzählte uns die traurig endende Liebesgeschichte. Ein Stück weiter am Wege lag die kleine Kirche Santa Barbara, in der noch originale swanetische Wandmalereien und Ikonen bewundert werden können. In Ushguli hielten wir direkt oberhalb des Dorfes und staunten über die vielen Wehrtürme und Machubis, die zum Teil in einem erbärmlichen baulichen Zustand sind. Auf unserem Weg dann die Haustiere, unsere steten Begleiter, und mutige Wanderer aus aller Herren Ländern. Leider konnten wir die Gipfel des Shkhara mit 5.068 m nicht sehen. Die Wolken zogen noch immer nicht ab. Zu Fuß stiegen wir hinauf zur Lamaria-Kirche, wo wir auch einem Mönch begegneten. Das Mittagessen hatten wir dann ganz rustikal und wandermäßig im Café Koshki, bevor wir uns auf den Rückweg begaben. Am Abend waren wir bei einer anderen Familie in Mestia eingeladen. Auch hier erwartete uns eine großartige swanische Tafel mit den Kostbarkeiten des Landes, liebevoll zubereitet durch die Herrin des Hauses. Manch einer durfte auch einen Blick in eine traditionelle und doch so moderne Küche werfen. Wir waren dankbar für so viel Gastfreundschaft.

6. Tag: Weiterfahrt nach Kutaisi


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Und schon waren die erlebnisreichen Tage in Swanetien vorbei. Die Rückfahrt führte erneut über Zugdidi nach Kutaisi, der Hauptstadt Imeretiens. Auf der Karte sah es so aus, als ob man den Weg über den Tsagar-Pass durch Unterswanetien nehmen könnte, aber praktisch ging das in Anbetracht der kaum ausgebauten einzigen Straße mit einem Bus nicht. So nahmen wir den schon bekannten Weg immer entlang am Fluss Enguri ins Tal und hatten noch einen kurzen Abstecher zum Enguri-Stausee und seiner enormen Staumauer, die zu den höchsten der Welt gehört. Die Mittagspause hatten wir wieder in unserem kleinen Tea-House in Zugdidi, das wir schon von der Hinfahrt kannten. Diesmal nutzten wir die Pause um ein anderes georgisches Gericht kennenzulernen – Chinkali, die sorgfältig gefalteten Teigtaschen mit Stiel. Sieht schon interessant aus. Eka zeigte uns praktisch wie man so eine mit Fleisch gefüllte Teigtasche gekonnt essen muss, ohne dass die Brühe herausläuft. Bevor wir in Kutaisi ankamen, fuhren wir zunächst hinauf zum Gelati-Kloster. Die Akademie von Gelati war das geistige Zentrum des georgischen Staates im Mittelalter und wurde von Davit dem Erbauer, dessen Name uns auf dieser Reise des Öfteren begegnete, im Jahre 1106 gegründet. Wir besuchten die Gottesmutterkirche im Zentrum des Areals und einige andere Gebäude. Der Blick von der Anhöhe in die Weite des Tales, die Hügel und die kleinen Häuschen in Mitten von endlosem Grün nahm uns gefangen und die Ruhe, die dieser Ort ausstrahlte. Auf dem Hügel gab es eine Menge an laufenden Restaurationsarbeiten. Insbesondere die Dächer der Gebäude wurden wieder in den originalen Zustand mit in der Sonne glitzernden Dachziegeln versetzt und die Dachbleche der Sowjetzeit wurden gerade entfernt. Unsere Fahrt ging weiter nach Motsameta, wo uns ein steiler Weg hinab zu einer Kapelle führt. Es ist einer der berühmtesten Wallfahrtsorte in Georgien. Die kleine Kapelle ist den Brüder Davit und Konstantin geweiht, deren Märtyrertum uns Eka in einer kleinen Geschichte nahebrachte. Der Tag neigte sich dem Ende. Wir fuhren nach Kutaisi, wo wir im Hotel Best Western Hotel Kutaisi übernachteten. Es war ein tolles Hotel. Das Abendessen erwartet uns direkt neben dem Hotel im Café White Stone. Bei wunderbarem georgischen Essen, ans Herz gehender Live-Musik und einem Blick auf den Fluss und die Stadt ließen wir den Tag ausklingen. Die Weiße Brücke über den Fluss konnten wir leider nicht benutzen, denn sie wurde gerade restauriert.

7. Tag: Kutaisi – Prometheushöhle - Höhlenstadt Uplistsikhe – Gori - Tbilissi


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Bevor wir weiterfuhren besuchten wir die Bagrati-Kathedrale „Maria Entschlafen", die eindrucksvollste Sehenswürdigkeit von Kutaisi. Von der Anhöhe hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadt. Es war noch früh am Tage, die Sonne schickte ihre ersten Strahlen und wir warteten vor verschlossener Tür. Der Priester verspätete sich. So hatten wir einen schönen Rundgang um die Kathedrale und bewunderten den Bau, der einst zum UNESCO-Kulturerbe gehörte, aber nun wohl in Ungnade gefallen war wegen einiger moderner Veränderungen der Architektur. Einige unserer Gäste hatten eifrig den Reiseführer studiert und entdeckt, dass ganz in der Nähe die Prometheus-Höhle lag. Sie war nun unser nächstes Ziel. Und wir sollten es nicht bereuen. Wir besichtigten einen sehr umfangreichen Höhlenkomplex, der kompetent baulich hergerichtet war, um Gäste empfangen zu können, und erfreuten uns an den so vielfältigen Figuren aus Stalaktiten und Stalakmiten, die unseren Weg säumten. Nach etwa einer Stunde Führung fuhren wir weiter nach Uplistsikhe, der antiken Höhlenstadt, deren Alter auf etwa 3.000 Jahre geschätzt wird. Klettern ist angesagt, um die noch sichtbaren Sandsteinhöhlen und Gebäude auf einem riesigen Sandsteinplateau besichtigen zu können. Der Wind weht ziemlich stark und die Sonne strahlt erbarmungslos. Die auf dem Plateau verbliebenen Bauten datieren aus dem 2./3. Jahrhundert nach Christus. Wir sahen uns kurzzeitig in diese Zeit des Handels an der Seidenstraße versetzt und sinnierten ein wenig über die Menschen, die damals diese Region bewohnt haben. An diesem Tag hatten wir einen straffen Zeitplan. Als nächstes stand das Stalin-Museum in Gori auf dem Plan. Wir besichtigten lediglich Stalins Geburtshaus von außen und den gepanzerten Eisenbahnwaggon mit dem Stalin reiste, um in Jalta und Potsdam mit über das Schicksal Deutschlands und Europa zu verhandeln. Der Tag endete in Tbilissi. Das Abendessen hatten wir im Restaurant Tsiskvilli. Wieder eine wunderbare georgische Tafel, eine feurige Folkloreshow vom Feinsten, georgische Musik, schwerer Rotwein und leichter sommerlicher Weißwein. Das Leben kann so wunderschöne Augenblicke bescheren. Nach einem erlebnisreichen Tag fanden wir dann unsere Übernachtung im Hotel Ibis am Platz der Freiheit, mitten im pulsierenden Leben der Großstadt.

8. Tag: Ausflug nach Mzcheta


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Am frühen Morgen schon gab es eine besondere Überraschung. Vom Hotel aus, ein paar Straßen weiter, führte uns Eka in einen kleinen Hinterhof, wo wir eine winzige Emailleschmuck-Werkstatt vorfanden. Die Besitzerin und die jungen Leute von der Kunstakademie empfingen uns ganz freundlich. Das Werkzeug lag bereit und die Farben. Wir lernten voller Begeisterung, wie man aus einem kleinen Stück Silber einen farbenfreudigen und glänzenden Anhänger oder gar Ohrringe herstellen kann. Jeder gab das Beste und wir alle waren zum Schluss so stolz, diese winzigen Arbeiten selbst hergestellt zu haben. Die Atmosphäre in dem kleinen Raum war voller Kreativität und Gastfreundschaft, dass so mancher zum Abschied die Tränen zurückhalten musste.
Anschließend reisten wir mit dem Bus nach Mtskheta, die altehrwürdigste der georgischen Städte. Auf dem Weg besuchten wir zunächst die Jvari-Kirche, die weit sichtbar auf einem Felsen thront, wo man eine wundervolle Aussicht auf die Tiefebene, die georgische Heerstraße, den Zusammenfluss der beiden ostgeorgischen Flüsse Mtkvari und Aragvi sowie auf Mtskheta selbst hat. In Mtskheta führte uns der Weg direkt zur Sveti Tskhoveli-Kirche, vorbei an liebevoll restaurierten georgischen Häusern, Weinlokalen, Cafés und Händlerständen. Die Sveti Tskhoveli-Kirche, Kirche des lebensspendenden Stamms, ist ein Meisterwerk georgischer Baukunst aus dem 11. Jahrhundert und das beliebteste Gotteshaus im Land. Eka erzählte uns die Legende von der Heiligen Sidonia und dem blutgetränkten Hemd von Jesus. Über viele Jahrhunderte war diese Kirche die Krönungs- und Begräbniskirche der georgischen Könige. An diesem Tag waren wir dem frühen Christentum, das im 4.Jahrhundert in Georgien zur Staatsreligion erhoben worden ist und der christlichen Missionarin Nino aus Syrien sehr nahe.
Nach dem Besuch in Mtskheta fuhren wir weiter zum Chateau Mukhrani. Welch ein prächtiges Schloss, welch großer gepflegter Garten mitten in Ostgeorgien. Zunächst nahmen wir an einer Master Class mitten im Garten teil – wir lernten Chinkali-Säckchen zu falten, Brot in den runden Backofen zu werfen und Tschurtschela aus Haselnüssen und Traubensaft herzustellen. Es hat Spaß gemacht und wir fühlten uns in ein georgisches Dorf versetzt. Dann wurden wir in den Gewölbekeller geführt, wo uns die georgische Tafel erwartete und etwas ganz Besonderes, nur für uns. Ein Tamada und noch drei weitere Sänger gestalteten den Abend und wir kamen den georgischen Traditionen näher. Es wurden Trinksprüche vorgebracht, wir erhoben die Gläser auf Gott, die Heimat, den Frieden, die Liebe, die Frauen, die Männer, unserer Ahnen und einfach auf das Leben. Und wir hören die polyphonen Gesänge des Landes; welch ein Männerchor, welche gewaltigen Stimmen. Da bekam man schon etwas Gänsehaut und wir bedankten uns überschwänglich, gefangen in unseren eigenen Gefühlen von damals und heute.

9. Tag: Tbilissi


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Unser letzter Tag. Wir hatten die Besichtigung der Hauptstadt auf dem Plan. Die Altstadt erkundeten wir zu Fuß, es gab so viel zu sehen und es war so heiß, 36°C, da waren wir stets auf der Suche nach Schatten. Was haben wir gesehen und erlebt - den Rike-Park und den neu gestalteten Europa-Platz mit der unteren Station der Seilbahn, die auf den Sololaki-Bergrücken am gegenüberliegenden Ufer des Mtkvari-Flusses führt, die stählernen Röhren der Konzert- und Ausstellungshalle, den Präsidentenpalast, die Metekhi-Kirche auf dem Steilufer des Flusses und das Wachtang Gorgassali-Denkmal, die Narikala-Festung und die Skulptur Mutter Georgiens, die Schwefelbäder und vieles mehr, alte Gotteshäuser verschiedener Religionen, wunderschön restaurierte Balkone und Häuser in der Altstadt, das Flair einer 1.500 Jahre alten Stadt zwischen Orient und Okzident. Das Mittagessen nahmen wir bei einem traditionellen georgischen Bäcker und genossen die Kühle in einem kleinen Park. Das Gebäck, süß oder deftig, schmeckt köstlich. Die Zeit nach dem Mittagessen nutzten wir ganz individuell, um die Stadt zu erkunden, dies und jenes für die Lieben zu erstehen oder einfach nur im Café zu relaxen. Am frühen Abend erwartete uns eine Bootsfahrt auf dem Mtkvari-Fluss. Ein letztes Mal georgische Köstlichkeiten und die Vielfalt einer georgischen Tafel. Wir erfreuten uns an den Aussichten vom Wasser aus auf das Steilufer mit seinen „hängenden Häusern" und auf den langsam vorankommenden Autoverkehr. Und fanden diese Stadt lebenswert.

10. Tag: Rückreise


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Es war noch Nacht, der neue Tag gerade erst angebrochen. Das Leben in den Cafés, Restaurants und Straßen der Stadt tobte noch. Wir aber fuhren zum Flughafen und nahmen in großer Dankbarkeit Abschied von unserem Busfahrer und von Eka, unserer georgischen Reiseleiterin. Der Airbus brachte uns bis Istanbul. Dann nahmen wir Abschied von unseren Reisegefährten aus Bayern, bevor unsere gemeinsame Reise in Leipzig endete.

Liebe Reisegäste,


georgien

leider sind die Tage viel zu schnell vergangen. Wir haben gemeinsam ein fernes, fast unbekanntes Land kennengelernt, das den Weg nach Europa sucht. Wir haben viele zu Herzen gehende Erlebnisse gehabt und neue Erkenntnisse über das Leben gesammelt. Es waren Tage, an denen wir Menschen nähergekommen sind, die wir vorher noch nie gesehen hatten und die uns als Gäste so freundlich und herzlich empfangen haben. Ich hoffe, Sie sind alle gut zu Hause angekommen. Ihnen wünsche ich alles Gute, vor allem Gesundheit und noch viele Reiseerlebnisse. Ich möchte mich bei Ihnen allen herzlichst für diese kurze gemeinsame Lebenszeit bedanken. Vielleicht sehen wir uns mal wieder, es würde mich freuen.
Ihre Reisebegleitung
Viola Hanke

Bildergalerie zur Reise

Kommentare zum Reisebericht

Liebe Frau Hanke,
nochmals vielen Dank für die tadellose Reisebegleitung unserer Georgienreise.
Ihr Reisebericht ist vorzüglich, er lässt uns die Reise noch einmal Revue passieren. Außerdem hilft er mir sehr, für meine Kommentare meines Urlaubsfilmes.
Mit freundlichen Grüßen
Harald Müller

Harald Müller
01.08.2018

Lieber Herr Müller,
Vielen Dank für die anerkennenden Zeilen. Ihnen alles Gute und schöne Erinnerungen an unsere gemeinsame Reise.
Mit besten Grüßen
Viola Hanke

Viola Hanke 12.08.2018

Hallo Frau Hanke,
es ist zwar schon ein Weilchen her,dass wir uns in Leipzig verabschiedet haben. Gestern hatten wir ihren Mann im Kaufland getroffen, dass war der Anstoß dafür, dass wir uns recht herzlich für die schönen Tage in Georgien bedanken möchten. Wir haben uns bei ihnen immer wohl gefühlt.Sie haben uns außerordentlich gut betreut. Besonders wohltuhend war, dass die Reisegruppe nicht so groß war. Gemeisam mit der örtlichen Reiseleiterin haben Sie uns die Schönheiten Georgiens nahegebracht.Vielen Dank auch für den sehr ausführlichen Reisebericht mit den Bildern.
Wir wünschen ihnen weiterhin beste Gesundheit und noch viele schöne Reisen .
Viele Grüße
Ursula und Erwin Seliger

Seliger, Ursula und Erwin
17.08.2018
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