Highland–Magie im Spätsommer: Unsere Schottland–Entdeckung
Reisebericht: 19.09. – 28.09.2025
„Mein Herz ist in den Highlands, mein Herz, es ist nicht hier,…
mein Herz ist in den Highlands, wo immer ich auch geh.“
Robert Burns, schottischer Dichter, 1759–1796
Ein Reisebericht von
G. Adamietz
Anreise
Schottland im Spätsommer, was für eine wunderbare Reise steht uns bevor! In Dresden und kurz darauf auch in Leipzig stehen schon früh morgens einige, trotz der sehr frühen Stunde, froh gelaunte Menschen am Flughafen bereit um via Frankfurt Richtung Schottland zu starten. Wenig später hebt dann auch noch ein Flieger in Berlin ab und schließlich finden wir uns alle in Glasgow zusammen, eine exklusive Gruppe von nur fünfzehn Reiseteilnehmern!
Am Flughafen holt uns ein imposanter Brite namens Bob ab, er ist unser Busfahrer für den größten Teil unserer Entdeckungsreise. Wie eine Mischung aus dem Riesen Hagrid aus Harry Potters Zauberschule und dem Weihnachtsmann sieht er aus, ein gut gelaunter Schotte, der sich lachend entschuldigt, er sei versehentlich in England geboren worden bevor er in seiner wahren Heimat landete.
Mit unserem zuerst noch etwas ungewohnt spiegelverkehrten Bus geht es gleich zum Auftakt an eine der schönsten Stätten Schottlands, zur gotischen Kathedrale St. Mungo, benannt nach dem ersten Bischof der Stadt. Hier treffen wir Jutta, unsere Stadtführerin, die uns Schottlands größte Stadt auf eine sehr interessante und kurzweilige Art näherbringt.
Vom viktorianischen Friedhofshügel hinter der Kathedrale bekommen wir schnell einen sehr guten ersten Überblick über diese, tatsächlich ein bisschen verzaubert wirkende, Metropole mit ihren vielen prunkvollen alten Bauten aus dunklem Stein. Eine ausführliche Rundfahrt führt uns dann zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten aus Vergangenheit und Gegenwart der Stadt am River Clyde.
Vor allem in den letzten Jahrzehnten ist direkt am Fluss viel attraktive neue Architektur entstanden, besonders hervorsticht dabei das Riverside Museum mit seinem Schwerpunkt auf Verkehr und Technik. Hier halten wir um britische Autos und auch die Geschichte der einzigartigen U-Bahn von Glasgow zu bestaunen, bevor es weiter an prunkvollen Bauten zu unserem modernen Hotel im Herzen der Stadt geht.
Hier erwartet uns ein erstes gemeinsames Abendessen mit britischen Spezialitäten wie dem legendären Dessert Eton Mess. Wer behauptet, die Engländer können nicht kochen, und dann auch noch die Todsünde begeht, die dann auch noch mit den Schotten in einen Topf zu werfen, der war noch nie im Vereinigten Königreich! Hier kann man ganz vorzüglich essen, und unsere ganze Reise über wird das bewiesen werden.
Ein Besuch im Pub wäre jetzt noch eine Idee zum Abschluss des Tages, aber es ruft einen guten Teil der Gruppe auch die Lust auf ein besonderes Erlebnis: eine Fahrt mit der Subway, der bereits erwähnten U-Bahn, die in nur 22 Minuten auf einer Ringstrecke die ganze Stadt umrundet. Das lassen wir uns nicht entgehen und diskutieren noch die theoretische Möglichkeit an jeder der 15 Stationen in einem Pub ein Bier zu trinken, einer der legendären Zeitvertreibe hier in der Stadt. Wir fahren einfach so die Runde und kehren dann doch lieber nüchtern und aufrechten Ganges in unser Hotel zurück, wo wir nun bald zufrieden tief und fest schlafen.
Videolink: Die MINI-U-Bahn von Glasgow | Glasgow Subway
Fahrt in die Highlands
Hierzulande werden Entfernungen in Meilen gemessen, nur 20 davon, also 32 Kilometer, folgen wir dem Fluss Clyde bis zu unserem ersten Ziel, dem legendenumwobenen Dumbarton Castle.
Hier soll vor eineinhalb Jahrtausenden der Zauberer Merlin gelebt haben. In späteren Jahrhunderten, das ist historisch belegt, plünderten hier die Wikinger. Wir treffen einen anscheinend sehr späten Nachfahren von ihnen und haben allerdings Glück, er ist sehr freundlich und berichtet uns, wie die Geschichte der Festung weiter verlief. Maria Stuart flüchtete von hier nach Frankreich, wird uns berichtet, und bis zum zweiten Weltkrieg waren hier noch Soldaten stationiert. Die sind nun nicht weit von hier immer noch sehr präsent, wenn auch in zeitgemäßeren Anlagen, die wir ganz in der Nähe sehen. Kein Wunder, hier ist Schottlands strategischer Zugang zum Atlantik.
Wir verlassen nun Strathclyde, das weite Tal des Clyde, und folgen dem Fluss Leven in die nahe Berglandschaft des sagenhaften schottischen Hochlands, in die Highlands. Nach kurzer malerischer Fahrt erreichen wir schnell den See Loch Lomond und dort das malerische Örtchen Luss. Dunkle Arbeiterhäuser aus Stein prägen den Ort und strahlen heutzutage als romantische Cottages in prächtigen Gärten. Eine romantische kleine Kirche mit einer bewegenden Geschichte liegt direkt am See, wir werden dort von freundlichen Menschen mit Keksen willkommen geheißen und lassen die Atmosphäre auf uns wirken.
Auch hier hinterließen die Wikinger noch Spuren ihrer Präsenz, ein Wikingergrab zeugt davon. Es ist noch Zeit, um auf eine Stärkung einzukehren und am See spazieren zu gehen, der über Jahrhunderte Dichter und Komponisten inspirierte, heute uns!
Bob fährt uns nun ins Gebirge, wir sehen über 3.000 Fuß hohe Berge, die man hier Munros nennt. Was für jemand, der die Alpen kennt, nicht so hoch scheint, liegt hier im Norden genauso gebirgig und auch weit über der Baumgrenze. Die Nähe zum Meer lässt auch die relative Höhe sehr eindrucksvoll wirken.
Durch einen Nationalpark, vorbei an wunderschönen Seen, in Schottland Lochs genannt, geht es in das legendäre enge Tal Glen Coe. Hier spielte sich eines der schlimmsten Gemetzel in der, lange Zeit ohnehin rauen, Geschichte Schottlands ab. Romantischer ist da schon der Gedanke, dass hier James Bond aufgewachsen sein soll!
Loch Linnhe, übersetzt der schwarze See, heißt unser Ziel des Tages. Hier kehren wir ein für zwei Nächte in unser typisch britisches, gemütliches kleines Hotel und lassen uns mit einer Menüauswahl verwöhnen, bevor wir in bester Hochlandluft bald schon tief schlafen und von Seen und Bergen träumen.
Videolink: Best of LOCH LOMOND 2021 | 4K Aerial Footage
Ben Navis Range und Fort William
Hier kann man so gut schlafen, dass die Zeitumstellung von einer Stunde eigentlich so gut wie unmerkbar an uns vorübergegangen ist. Erholt starten wir so in den neuen Tag, heute wird vor allem die Schönheit der Natur im Mittelpunkt stehen.
An Loch Linnhe und Loch Eil vorbei führt uns unsere Route an den malerisch gelegenen See Loch Shiel. Hier liegt das kleine Dörfchen Glenfinnan, wo wir von einem Regenbogen begrüßt werden. Einst spielte sich auch hier eines der wichtigsten Ereignisse in Schottlands bewegter Geschichte ab. 1745 kam hier Bonnie Prince Charlie an Land, aus Frankreich kommend, und traf auf tapfere Highlander, die sich um ihn sammelten, um den Thron, den sein Vater verloren hatte, zurückzuerobern, vergeblich allerdings. Ein wunderschönes Denkmal erinnert heute noch daran.
Die größte Attraktion hier ist mittlerweile eine, gewissermaßen literarische. Ein ganz besonderes Erlebnis erwartet uns nun. Obwohl – eigentlich warten wir bei herrlichem Wetter mit vielen begeisterten Menschen aus aller Welt auf einen ganz besonderen Zug, den Jacobite Steam Train. Dieser Dampfzug wurde als Hogwarts Express in den Harry-Potter-Filmen weltberühmt. Selbst wenn man der allergrößte Muggel wäre, muss man sagen, dass der Zug, den wir nun sehen, so wunderschön ist, wie das Viadukt, auf dem er fährt, beeindruckend ist!
An den Ufern der Seen entlang geht es nun zurück, jeder kann nun auch die andere Seite des Panoramas genießen. Ein Halt an der Treppe von Neptun, einer über 200 Jahre alten Schleusenanlage, lässt uns staunen, bevor es nun an den Fuß der Ben-Navis-Range geht, der höchsten Bergkette von Großbritannien. Hier steigen wir in eine Seilbahn, die uns lautlos in eine wunderschöne Bergwelt trägt. Im Winter wird hier Ski gefahren, im Sommer mit dem Mountainbike. Wir aber spazieren gemütlich durch die Heidelandschaft oder genießen einfach so die weiten Ausblicke, und ein Bergcafé gibt es hier auch, um einzukehren.
Zurück im Tal steuern wir nun das regionale Zentrum an, Fort William. Hier am Ufer des Loch Linnhe liegt das kleine Städtchen, und es ist Zeit zum Bummeln und Shoppen. Wie angenehm, dass in Schottland auch am Sonntag die meisten Geschäfte nicht schließen!
Schöne Pubs gibt es hier auch, und so mancher kehrt hier auch ein, bevor wir, immer noch im Sonnenschein unser Hotel, nur ein paar Meilen von hier, wieder erreichen. Wie bei den Briten zuhause, kann man hier in der guten Stube sitzen, mit einem frischgezapften Bier oder einem Glas Whisky, oder auch einer guten Tasse Tee, zu Abend essen und danach wieder gut und angenehm schlafen.
Videolink: The Flying Car | Harry Potter and the Chamber of Secrets
Loch Ness und angenehme Monster
Die wilde Landschaft der Berge war in der Zeit des Zweiten Weltkrieges ein wichtiges Übungsgebiet für britische Elitesoldaten. Das Commando-Denkmal nahe des Ortes Spean Bridge erinnert heute noch an diese Zeit und steht symbolisch für die damaligen Soldaten. In der britischen Kultur hat die Erinnerung an Veteranen und die Wertschätzung der Truppen einen besonderen Stellenwert, wie wir hören.
Was wir hier aber auch sehen, ist wiederum eine wunderschöne Berglandschaft, in der uns auch heute wieder, trotz dramatischem Himmel, das Wetter wieder hold ist – so wie auf der ganzen Reise dank unserer gesammelten positiven Energie.
Wir fahren nun durch den Great Glen, den großen Einschnitt durch den Norden Schottlands, eine Reihe von Seen entlang. Hier treffen wir auch wieder bei Fort Augustus auf den Caledonian Canal, den wir bereits bei Neptune’s Staircase sahen. Hier können wir einem Schiff bei der Schleusung zusehen, bevor wir dem Verlauf des Kanals folgen. Errichtet wurde er übrigens von Thomas Telford, der Schottland auch durch unzählige Brücken erschloss – die in Invermoriston ist unser nächstes Ziel, bevor wir das legendäre Loch Ness erreichen.
Urquhart Castle ist wieder ein Ort voll Geschichte und Magie, ein kurzer Kinofilm erzählt davon, bevor wir die Anlage besichtigen. Hier gibt es auch für alle, die Hunger haben, genug zu essen, bevor wir vielleicht selbst gefressen werden? Da aber nichts davon bekannt ist, dass Nessie, das berühmte Monster je einen Menschen gefressen hat, gehen wir bald an Bord eines Boots, das uns nun über den erstaunlich tiefen See nach Norden bringt, bis ans Ende des Great Glen.
Hier an der Mündung des erstaunlich kurzen Flusses Ness liegt Inverness, der Ortsname beschreibt genau das, und hier wartet Uile-bheist auf uns, das heißt Monster und wird ungefähr Ühle-weischt ausgesprochen. Gälisch, was für eine Sprache!
Uile-bheist ist eine hochmoderne Brauerei, über sieben Millionen Pfund hat man hier investiert, um enorm gefragte Biersorten zu produzieren, von denen wir die wichtigsten probieren dürfen. Wir lernen den Brauprozess bei einer Besichtigung kennen und erfahren auch viel über die Gemeinsamkeiten von Bier und Whisky, bevor wir in Richtung Cairngorms National Park weiterfahren, dort im Städtchen Grantown-on-Spey kehren wir in ein ganz besonders traditionsreiches britisches Hotel ein. Wir wohnen jetzt im Herzen der Highlands, und – das kann man schon sicher sagen – die Highlands wohnen in unseren Herzen!
Videolink: Geheimnisse von Loch Ness | Nessie und die Plattentektonik
Culloden, Schloss Cawdor und ein Ausflug ans Meer
Heute morgens werden wir vom imposantesten Schotten begrüßt, den ein Mensch sich vorstellen kann. In voller schottischer Montur begrüßt uns Bob heute am Bus. Kilt und Weste in Tartan-Muster, Schnallenschuhe und Strümpfe, die schottische Gürteltasche (Sporran) dazu, man muss es erlebt haben, so eindrucksvoll sieht unser Fahrer heute aus.
Von Bonnie Prince Charlie haben wir bereits gehört, er hatte mit der Unterstützung der Highlander bereits große Erfolge erzielt, sogar die Hauptstadt Edinburgh gehörte inzwischen den Jakobiten. 1746 hofften die Schotten nun auf Unterstützung aus Europa, stattdessen kamen britische Truppen unter Georg II., die noch kurz zuvor in Deutschland im Österreichischen Erbfolgekrieg kämpften.
Die bisher immer erfolgreiche und sehr verwegene Schlachtführung der Schotten lief in der Schlacht von Culloden gegen die immer besser aufgestellten Engländer auf tragische Weise ins Leere. Nach ungewohnt hohen Verlusten drehte sich hier das Blatt im Kampf um die schottische Unabhängigkeit. Prince Charles entschied sich zur Aufgabe, und so ist heute noch Schottland mit England unter einer Krone verbunden.
Hier im einstigen Moor betrauern die schottischen Clans noch immer ihre Verstorbenen, und natürlich die Freiheit ihres Landes. Ein Museum dokumentiert die Geschichte der Schlacht und der Jakobiten, das einstige Schlachtfeld bietet sich uns heute als sonniges Hochlandidyll zu einem angenehmen Spaziergang an.
Wir reisen als nächstes an einen friedlicheren Ort, es geht nach Cawdor Castle, dem Sitz der Gräfin Campbell, die eigentlich aus Karlsbad stammt. Sie verliebte sich einst in einen Schotten, dem ein Schloss gehörte, nun gehört sie dem Schloss wie sie einmal meinte. Hier kann man die immer noch bewohnten Räume des alten Hauses besichtigen und natürlich in einem der drei faszinierenden Gärten lustwandeln.
Eine kurze Fahrt weiter erreichen wir nun das Meer, an der Bucht namens Moray Firth. Hier liegt der unendlich wirkende Strand Nairn Beach. Im Sonnenschein spazieren wir am Wasser und in den Dünen herum und genießen den Spätsommer und können uns gut vorstellen, was hier zur Hochsaison los sein muss, auf jeden Fall wirkt hier alles sehr viel südlicher als wir uns gerade befinden.
Auf der Rückfahrt bleibt uns das wunderbare Wetter weiterhin treu, in Grantown lässt es sich so auch noch, wenn man will, angenehm spazieren, bevor wir ein weiteres Mal in unserem eleganten Speisesaal zum Abendessen kulinarisch verwöhnt werden.
Videolink: Der Highland Charge und die Schlacht bei Culloden 1746
Speyside, Elgin und Aberdeen
Der Name unseres Wohnortes Grantown-on-Spey klingt für Whisky-Kenner sehr vertraut. Das Ufer des Spey, auf Englisch sagt man Speyside, ist die bedeutendste Whisky-Region Schottlands.
Auch wenn mittlerweile offiziell der Herbst begonnen hat, fahren wir nun bei schönstem Sommerwetter entlang des Flusses Spey nach Norden durch herrliche Landschaften. Immer wieder sehen wir Whisky-Brennereien mit klingenden Namen, manche davon inmitten der Felder, in den Orten stehen gelegentlich mehrere nebeneinander.
Unser erster morgendlicher Halt ist eine Cooperage, zu Deutsch eine Küferei oder Fassmacherei. In riesigen Stapeln liegt hier kostbares Holz, davor stapeln sich schon einige Fässer, und man bekommt einen Eindruck von der Handwerkskunst, die hier im Whiskyland seit Jahrhunderten gepflegt wird.
Weiter geht es dann in die kleine Stadt Elgin. Die Überreste der Kathedrale hier lassen auf die frühere Bedeutung des einstigen Bischofssitzes schließen. Erbaut schon im 13. Jahrhundert wurde die einst mächtige Kirche Opfer politischer Entscheidungen und letztendlich der Reformation. Das Dach wurde entfernt, um Blei und Holz daraus zu gewinnen, und es mag kein Zufall sondern ein Zeichen von oben gewesen sein, dass der Hauptturm dann ausgerechnet an einem Ostersonntag einstürzte.
Vom Geistlichen zum Geistigen führt uns nun ein sehr kurzer Weg. In Elgin gibt es fünf Whisky-Brennereien bei nur 25.000 Einwohnern, die bedeutendste davon ist nun unser Ziel: Glen Moray. Hier dürfen wir bei einer herzlich geführten Besichtigung hinter die Kulissen der Produktion blicken – und zum Abschluss natürlich auch etwas aus der lokalen Tradition verkosten.
Gut gelaunt und verantwortungsvoll immer noch nüchtern geht unsere Reise weiter, auf jeden Fall ist das ein guter Moment, darauf hinzuweisen, wie angenehm es ist, sich von einem Profi durch das schöne Schottland fahren zu lassen, und das auch noch auf der linken Straßenseite, was auch einmal erwähnt werden muss.
Wir sind nun in Aberdeenshire angekommen, eine sogenannte Council Area weiter westlich, und lassen nun die Whiskyregion hinter uns. Unser Ziel ist für heute Aberdeen, hier lebt man von zwei anderen wichtigen Treibstoffen: Bildung und Öl.
Seit dem 15. Jahrhundert ist Schottlands drittgrößte Stadt ein bedeutender Universitätsstandort. Unsere Besichtigung beginnt passenderweise auch an malerischen King’s College. Hier treffen wir Isabel, unsere Stadtführerin. Mit ihr erkunden wir die alte Universität, das malerische Fischerdörfchen Footdee und das Zentrum von Aberdeen zu Fuß, zwischendurch gibt es auch vom Bus so einiges zu sehen, und zu einer sehr angenehmen Zeit erreichen wir unser Hotel für heute, es wird wieder urbaner, wir sind hier nicht mehr in den Highlands und können uns hier langsam an das Stadtleben zurück gewöhnen :-)
Videolink: Glen Moray Brennerei Besichtigung
Von Kühen und Herzoginnen
Der schottische Spätsommer lässt uns nicht los, wie angenehm! Im schönsten Sonnenschein beginnen wir den Tag mit einer Landpartie, es geht noch einmal zurück ins Hochland. Unser Ziel ist die Highland-Cattle-Farm von Grace, die hier erst vor einigen Jahren als Quereinsteigerin begonnen hat und nun eine der angesehensten Züchterinnen der schottischen Hochlandrinder ist.
Es gibt hier zwei Richtungen, die verfolgt werden: Die Kühe als Liebhaberrasse und als Fleischproduzenten. Grace erzählt uns auf sehr sympathische Art davon, wie sie dazu kam. Wie sie die schwere Corona-Zeit überstand und wie von der gegenseitigen Anerkennung und Bewunderung eines anderen Züchters aus der Nähe, der sich auch kürzlich beruflich verändert hat und inzwischen König geworden ist. Als Grace bei Charles eingeladen wurde, erzählte sie ihm, dass ihre Lieblingskuh Duchess hieß; er lachte dann und meinte, er hätte auch eine Duchess zu Hause.
Nicht weit von hier, allerdings versteckt in der Natur liegt sein Schloss Balmoral, wir lassen der königlichen Familie natürlich gerne diskret ihre Ruhe als wir vorbeifahren und machen bald darauf eine entspannte Mittagspause in Städtchen Ballater. Von da ist es nicht weit bis nach Braemar, der wichtigsten Stätte der legendären Highland Games.
Wenige Wochen nach dem alljährlichen Event besuchen wir hier den Veranstaltungsort. In aller Ruhe können wir die königliche Tribüne sehen oder eine kleine Ausstellung zu den Spielen besuchen. Tee und Kuchen gibt es hier, wie überall in Schottland natürlich auch und darüber hinaus die vermutlich elegantesten öffentlichen Toiletten Schottlands.
Nun geht es noch einmal richtig in die Berge! Vorbei am Glenshee Ski Centre und dem Berg Cairnwell fahren wir nun direkt Richtung Süden. In der Nähe der Stadt Perth wartet der Scone Palace auf uns, der „Skuhn“ ausgesprochen wird, während das gleich geschriebene traditionelle britische Gebäck „Skon“ ausgesprochen wird. Um nichts durcheinander zu bringen dürfen wir das Schloss besichtigen und das Buttergebäck ebenda pünktlich zum Afternoon Tea essen.
Hier wurden einst die schottischen Könige gekrönt, den Hügel an dem die Zeremonien stattfanden sehen wir natürlich genauso wie die herrliche Parkanlage in der man auch gerne tagelang spazieren gehen würde! Wir überlassen das für heute den Pfauen, die hier wohnen, wir haben noch etwas vor heute.
Bald schon erreichen wir den Firth of Forth, einen Fjord würde man das anderswo nennen. Hier überqueren drei gewaltige Brücken einen Meeresarm, die älteste davon, die Forth Bridge gilt zu Recht als eine der schönsten Eisenbahnbrücken der Welt. Wir dürfen über die ältere der Straßenbrücken fahren und sehen so alles von mittendrin, bevor wir noch einmal anhalten um zurückzublicken.
Auch etwas nostalgisch wird es nun, denn heute ist der letzte Tag für uns mit Bob, in Edinburgh werden wir mit lokalen Busfahrern noch Ausflüge unternehmen, aber einen sanften Highlander wie ihn gibt es nur einmal auf der Welt! Der Abschied ist entsprechend herzlich.
Wir beziehen für die nächsten Nächte ein schickes neues Hotel, sehr urban wirkt es hier. Abends spazieren wir dann zu Fuß in eines der beliebtesten Pubs der Stadt, einst war es eine kleine Kirche, heute wird hier gegessen, gefeiert und – immer noch musiziert und so klingt ein weiterer erlebnisreicher Tag in fröhlicher Stimmung aus.
Videolink: King Charles and Queen Camilla Attend Braemar Highland Games in Scotland
Edinburgh, Stadtrundfahrt und Castle
Nun haben wir bereits unsere erste Nacht in Edinburgh verbracht, es ist an der Zeit, die schottische Hauptstadt genau kennenzulernen. Nach einem ausgiebigen Frühstück treffen wir Beryl, unsere Stadtführerin. Sie lebt schon lange hier und zeigt uns ihre Stadt auf besonders spannende und fröhliche Weise. Man merkt, dass sie in Deutschland beim Fernsehen war, so unterhaltsam bringt sie uns die Geschichte und die Bauten Edinburghs näher während wir in einem riesigen Bus durch die manchmal königlich breiten, manchmal historisch engen Straßen gefahren werden.
Wir halten am Fettes College, ein lustiger Name der auf einen großzügigen Stifter zurückgeht, den man „Fetz“ ausspricht, auch ganz komisch. James Bond soll hier zur Schule gegangen sein, wird berichtet. Noch mehr Bildung können wir am nächsten Halt einatmen, zusammen mit Blütenduft, denn wir machen eine Pause am Königlichen Botanischen Garten bevor wir in den Süden der Stadt weiterfahren. Hier fühlt man sich am Fuße alter Vulkane wieder in die Berge versetzt. Hier sehen wir Schloss Holyrood und das vor zwanzig Jahren neu errichtete Parlament von Schottland bevor wir, wie am Rücken von Nessie entlang, die Royal Mile aufwärts fahren bis wir die Fußgängerzone am oberen Ende erreichen.
Hier heißt es nun Abschied nehmen von Beryl und dem Bus. Zu Fuß bummeln wir nun zur Esplanade wo wir Einlass in die mächtige Burg des Edinburgh Castle erhalten. Mit Audioguides, die neben Englisch und Gälisch auch Deutsch beherrschen bewaffnet dürfen wir nun die Burg mit ihren historischen Bauten und spektakulären Ausblicken erobern, jeder so wie er Lust hat. So mancher lässt es sich nicht nehmen und wartet gespannt auf das Abfeuern der Ein-Uhr-Kanone, das Schloss ist immer noch Standort der britischen Armee und das alte Zeitsignal für Seefahrer ist hier eine lang gepflegte Tradition. Die Wartezeit an den schottischen Kronjuwelen vergeht sehr kurzweilig und es bleibt noch viel Freizeit am Nachmittag.
Abends treffen wir uns dann wieder im Hotel, heute spazieren wir wieder, zu einem anderen schottischen Lokal, es gibt unter anderem schottische Steak Frites und dazu passende gute Getränke!
Videolink: Auf Harry Potters Spuren: Edinburgh Castle | DW Deutsch
Dryburgh – Melrose – Roslyn
Soviel Stadtleben sind wir fast nicht mehr gewohnt, sagen einige schon lachend, wie passend, dass es heute wieder aufs Land geht! Wir lernen nun auch noch die Borders kennen, Schottlands südliche Region, schon an der Grenze zu England liegend. Hier gibt es den bekannten Fluss Tweed, von dessen Ufern der gleichnamige hochwertige Stoff stammt. Im Tal des Flusses ließen sich schon die Römer nieder, an einer ihrer alten Brücken entstanden drei Nachfolgebauten, die langweilige überfahren wir, die zwei spannenden historischen bestaunen wir bei unserem ersten Besichtigungsstopp.
Weiter geht es nun in die Hügel der Umgebung, Sir Walter Scott auf den Spuren. Ihn kann man von der Bedeutung für die Briten durchaus mit unserem Goethe vergleichen. Beide starben sogar im gleichen Jahr auch wenn Scott jünger war. Beide korrespondierten auch fleißig und lebten in einer Zeit der romantischen Wiederbesinnung und des technischen Umbruchs. Wir lassen an einem an Scotts Liebling-Aussichtsplatz die Landschaft auf uns wirken, so wie er sie einst bewunderte bevor wir die Ruinen der einst bedeutenden Dryburgh Abbey besuchen.
In der Romantik wurde hier viel konserviert, ein heute noch bestehender Park mit herrlichen Bäumen angelegt unter denen man direkt am Ufer des Tweeds verweilen kann und es ist verständlich, dass Sir Walter Scott sich wünschte hier begraben zu werden, was ihm natürlich nicht verwehrt wurde.
Einst gab es eine Handvoll wichtiger Abteien hier in der Umgebung, alle wurden sie Opfer kriegerischer Zeiten und unser nächster Besuch gilt der vielleicht bekanntesten von ihnen, der Melrose Abbey. Sie ist auch eine Ruine, wenn auch vollständiger erhalten. Trotz viel Mühe allerdings ist der Bau akut einsturzgefährdet und so sehen wir sie eingerüstet besseren Tagen entgegenwarten. Melrose ist auch ein schönes kleines Örtchen, hier lässt es sich noch angenehm die Mittagszeit verbringen, mit einem Imbiss oder einem Getränk in einem der urigen Pubs hier im Ort.
Das Sommerwetter verabschiedet sich gegen Ende unserer Reise allmählich, wie nett, dass es uns dennoch bis zum Ende des Programms treu geblieben ist! Bei immer fotogenerem Wolkenhimmel fahren wir nun nicht zu einem himmlisch passenden Abschluss- und Höhepunkt unserer Reise, zur Rosslyn-Kapelle im Ort Roslin. Sie war nie zur Ruine verfallen aber auch für lange Zeit unter einem Gerüst versteckt. Mit sehr viel Aufwand wurde sie wieder in ihren heutigen Zustand versetzt. Was Menschen aus Stein schaffen können ist faszinierend, die göttliche Inspiration dahinter ist in jedem Detail zu erspüren.
Kein Wunder, dass „The Da Vinci Code – Sakrileg“, der Film mit Tom Hanks und Audrey Tautou, hier seinen Höhepunkt fand. Das Interesse an der Kirche und die damit verbundenen Mittel kamen gerade recht um diesen Kunstschatz zu erhalten!
Da geistliche Weihe und geistige Getränke gut zueinander passen, findet sich hier auch der perfekte Ort um unsere Reise mit einem ganz besonderen Whisky zu feiern! Wir stoßen an auf eine ganz besondere Zeit, mit besonderen Menschen im persönlichen Rahmen und ein Dank an den Himmel wird auch nicht vergessen, denn wer behauptet in Schottland regnet es nur, der war nicht dabei, als wir dort waren!
Nun aber, pünktlich zum Einsetzen leichten Nieselregens brechen wir dann zufrieden und beeindruckt auf – es geht wieder zurück nach Edinburgh. Zu unserem Abschlussessen in einem weiteren sehr angesagten und angesehenen Lokal lassen wir uns heute, es regnet mittlerweile in Strömen, sehr gerne mit lokalen Taxis hin- und zurückchauffieren.
Videolink: Sakrileg – The Da Vinci Code
Die Heimreise
Gut ausgeschlafen geht es heute etwas später los. Fast alle fahren zu einer christlichen Zeit zum Flughafen von Edinburgh; hier heißt es dann noch, schottische Getränke, Kekse oder Ähnliches zu shoppen oder einfach zu entspannen.
Am Nachmittag macht sich der Rest der Gruppe auf demselben Weg in die Heimat auf. Alle landen bald darauf sicher und bequem wieder zu Hause – wie wunderschön war alles!
Kaum zu glauben, dass unsere Reise nur zehn Tage dauerte – so viel gab es zu sehen und zu erleben.
Nach einer solchen Traumreise bleibt viel mehr als jede Menge herrliche Fotos und spannende Erzählungen, es sind vor allem die vielfältigen Eindrücke auf unsere Sinne.
Schottland hat in kurzer Zeit unsere Augen und Ohren gefüllt, auch unsere Mägen natürlich – vor allem aber hat Schottland unsere Herzen erobert. Die Schönheit und oft Wildheit der Natur, die tief verwurzelte Geschichte, die herzliche Gastfreundschaft – all das trägt nun ein Stückchen Highlands in uns weiter.
Slàinte mhòr – auf viele Abende, an denen wir diese Reise neu erleben!
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