Reisebericht: Rundreise Indien, Bhutan & Nepal - geheimnisvolles Himalaya

08.11. – 23.11.2019, 16 Tage Rundreise in Asien: Delhi - Taj Mahal - Bagdogra - Darjeeling - Gangtok - Thimpu - Punakha - Paro - Tigernest - Patan - Kathmandu

Zwischen Tradition und Moderne - Hindus, Muslime, Sikhs, Buddhisten am Rande des Himalaya

1. Tag 08.11.2019 Flug nach Delhi


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Acht Gäste, die Delhi, Darjeeling, Sikkim, Bhutan und Kathmandu erkunden wollten, trafen sich zur Mittagszeit in Berlin, um mit Turkish Airlines den Flug via Istanbul anzutreten. Der erst 2019 eröffnete neue Flughafen von Istanbul erfordert schon ein wenig läuferische Fitness, um von Terminal F nach B zu kommen. Fast pünktlich hob in Istanbul dann am Abend die Boeing 777-300 Richtung Delhi ab. Es war bereits dunkel als wir starteten, so dass wir nur auf dem Monitor die Flugroute vergleichen konnten, die uns in diesem Jahr nicht über die türkische Schwarzmeerküste, das georgische Batumi, das aserbaidshanische Baku, den Kaspisee querend, durch Turkmenien und Pakistan führte, sondern 1500 Kilometer durch die Türkei und dann an der iranischen Seeseite des Kaspisees über Pakistan nach Indien.

2. Tag 09.11.2017 Delhi, die Hauptstadt Indiens


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Nach kurzer Nacht mit einer Zeitumstellung von plus 4,5 Stunden standen wir doch ein Weilchen bis die Einreiseformalitäten beendet waren und das Gepäck gefunden bzw. reklamiert war. Zur üblichen Hotelfrühstückszeit erreichten wir unser Hotel am Stadtrand von Delhi. Halb Elf starteten wir dann mit Singh unsere Stadttour durch Delhi. Gemeinsam besichtigten wir zunächst, mit Kopftüchern versehen, den Sikh-Tempel: großes Pilgerzentrum, wo täglich tausende Pilger – unabhängig der Konfession – auch „gastronomisch" versorgt werden. Den Gang durch die Riesenküche ließen wir uns nicht entgehen, um dem Treiben beim Brotbacken und neben riesigen Kesseln mit Linsensuppe zuzuschauen. Unser kommender Halt fand am India Gate statt, in dessen Nähe in diesem Jahr ein neuer Memorialkomplex für indische Opfer in den Kriegen der Nachkriegszeit mit Pakistan und China errichtet wurde. Unsere geschichtliche Ausrichtung führte uns anschließend noch an die Stelle der Bestattungszeremonie für den 1948 ermordeten Ghandi. Etwas schwieriges Geldtauschen und dann zur Kaffeezeit ein kleiner warmer Imbiss. In der Nähe des Roten Forts, eines der wesentlichen Bauzeugnisse aus der Mogulzeit im 17. Jahrhundert, erwarteten uns unsere Rikschafahrer, um uns im belebten Verkehr von Hauptstraßen und Gassen der Altstadt, vorbei an Geschäftsauslagen und unter den massenhaft locker hängenden Stromleitungen hindurch zu fahren. Unser Ziel war die Freitagsmosche, die wohl bedeutendste muslimische Moschee Indiens, auch Unesco Welterbe. Als wir sie erreichten, schien der Mond bereits neben dem Minarett.
Nun wurden wir nach schlafloser Nacht doch langsam matt - ein interessanter Tag im quirligen Delhi neigte sich damit dem Ende.

3. Tag 10.11.2019 von Delhi über Bagdogra nach Darjeeling


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Nach einer Nacht im Flugzeug und einem ausgiebigen Besichtigungstag in Delhi konnten wir recht gut ausschlafen; erst 9:45 Uhr starteten wir zum Flughafen und benötigten kaum eine halbe Stunde.
Ein auf dem Hinflug verlustig gegangenes Gepäckstück hatte sich eingefunden, dann konnten wir das umfangreiche Sicherheitsmanagement durchlaufen (Achtung keine Feuerzeuge und Akkus im Aufgabegepäck!). Mit einem A320 der indiGO und einer Stunde Verspätung flogen wir nach Bagdogra; wer auf der linken Seite einen Sitzplatz hatte, genoss einen ersten Blick auf die Bergkette des Himalaya. Vom Flugplatz in Bagdogra in Westbengalen fuhren wir mit drei Toyota-Geländewagen Richtung Darjeeling.
Hinter Siliguri ging es dann im noch flachen Land durch Teeplantagen, deren Tee als „Assamtee" vermarktet wird. Dann werden zweitausend Höhenmeter erklommen: Ausblicke in die Ebene und in die Berge vor uns waren im frühabendlichen Dunst kaum möglich und bald brach die Dunkelheit herein. Von drei Gesamtfahrstunden fuhren wir fast zwei Stunden durch die Dunkelheit voller einzelner Lichter der Bauernhöfe, manchmal durch die engen Straßen kleiner Ansiedlungen; links und rechts helle, geöffnete Kioskläden. Bei Gegenverkehr wird ein wenig rangiert, dann geht es weiter; die Eisenbahnlinie Siliguri – Darjeeling begleitete uns oft direkt auf der Straße. Zeit zu einer ersten Darjeeling-Teepause bleibt trotzdem, so erreichten wir das Hotel Zedar Inn gegen neunzehn Uhr. Das Hotel, hoch oben am Hang, ist ein altes britisches Kolonialhotel mit Charme und wohl bester Aussicht auf den Kantsch.

4. Tag 11.11.2017 Darjeeling – Zentrum des Teeanbaus


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Der Morgen präsentierte uns aus den Hotelzimmern und von der Terrasse einen guten Blick auf den dritthöchten Berg der Erde, den Kandschendzonga und den neben ihm liegenden Siebentausender Kabru. Am Vormittag bestiegen wir, nach Zugausfall und Warten, die kleinen Waggons mit einer Diesellok der Himalayan Eisenbahngesellschaft – manchmal touristisch auch als „Toy-Train" bezeichnet - und ließen uns begleitet von dauerndem Pfeifen zur Verdrängung von Autos, von Darjeling nach Ghoom ziehen; staunend wie eng es zwischen Waggon einerseits und Menschen, Autos, Häusern und Geschäftsauslagen andererseits wurde. Der am Morgen noch gut zu sehende Kantsch hatte sich indess in Wolken gehüllt. In Ghoom besuchten wir das örtliche Kloster, ein bedeutenden Kloster des Gelbmützen-Ordens. Nach unserer Mittagspause – wir probierten die Teigtaschen „Momos" - besuchten wir eine Teeverkostung Mit sechs kleinen Teepröbchen verschiedener Teepflückungen und Fermentationsstufen von Darjeeling-Tee setzten wir unsere Entdeckungen fort, bevor wir in der Stadt noch Zeit zum shoppen (Pashmina-Erzeugnisse) hatten. Ein Tag mit ein wenig Warten ging zu Ende – morgen wird es wohl intensiv und lang.

5. Tag 12.11.2019 von Darjeeling nach Gangtok


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Der Tag begann zeitig; bereits um vier Uhr trafen wir uns, bestiegen unsere Toyotas und Tatas, die uns zum Tigerhill brachten. Der Hügel am Stadtrand von Darjeeling-Ghoom hat sich für Inder und ausländische Gäste zu einem der markantestes Sunrise-Aussichtspunkte mit Himalaya-Blick entwickelt. Bereits vor fünf Uhr zeigte sich am östlichen Horizont ein lichter Streifen. Gegen 5:50 Uhr zeigte sich ein rot-flammiger zarter Streifen und dann tauchte der Sonnenball zwischen Wolken auf. Gegenüber erhielten die Himalayagipfel ihren hellen Schein: frontal im Norden der dritthöchste Berg der Erde, der Kandchendzonga mit dem Siebentausender Kabru. Im Westen der Makula, dahinter der Mt. Everest und der Lhotse blieben von Wolken verdeckt. Nachdem wir den Tag so eindrucksvoll begonnen hatten, strebten wir zurück zum Hotelfrühstück. Zu gutbürgerlicher Zeit starteten wir zum Mountain-Museum und Himalaya-Zoo mit Schakal, Wolf, Schneeleopard und Tiger sowie fotogenen Pandas. Gegen elf Uhr verließen wir Darjeeling. Über Ghom ging es zunächst ein Stück abwärts und dann den Teestafluss, einen Nebenfluss des Brahmaputra, kreuzend und flussaufwärts entlang. Grüne Berghänge prägen die Landschaft, Ausblicke auf die weißen Bergkämme des Osthimalaya hatten wir in diesem Jahr leider nicht. Kleine Dörfer mit farbigen Holzhäusern prägen die Landschaft. Die Bewohner verdingen sich als Teepflücker und durch Gewürzanbau – Kardamon – oder das Schälen von Baumrinde zur Chiningewinnung. Der Bundesstaat Sikkim hat auf Grund seiner sehr späten Fusion mit der Indischen Union und seiner Grenznähe zu China einen Sonderstatus, weshalb wir am Grenzort ein Permit erhielten. Am Nachmittag hatten wir dann wieder die Höhe erklommen und Gangtok erreicht. Die Hauptstadt Sikkims liegt am Berghang und weist – durchaus überraschend - viele vier- und fünfstöckige Gebäude aus. Unser Hotel Elgin Norkill überrascht uns mit seinem Flair überaus angenehm. Zum Abendessen gratulierten wir unserem Guide Rahul zu seinem 24. Geburtstag.
Alkohol gab es an diesem Tag nicht – wie wir später erfuhren, erfolgt an Vollmondtagen kein Alkoholausschank; (aber den Vollmond sahen wir auch nicht).

6. Tag 13.11.2017 Gangtok, die Hauptstadt Sikkims mit Kloster Rumtek


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Die fast zweihunderttausend Einwohner (wikipedia hat da eine ganz andere Zahl parat) zählende Hauptstadt Sikkims, Gangtok, liegt am Berghang im Grünen und wirkt so kaum wie eine Großstadt. Am westlichen Berghang gegenüber befindet sich Rumtek mit dem bedeutenden Kloster. Durch Gangtok und auf einer seit Jahren im Ausbau befindlichen Straße benötigten wir für die 24 Kilometer ein und eine halbe Stunde. Das Kloster selbst ist ein originalgetreuer Nachbau des tibetischen Klosters Tsurphu nach der Besetzung Tibets durch die chinesische Volksarmee. Das Kloster gehört zum Schwarzmützen-Orden. Hier befindet sich das bedeutendste Ausbildungszentrum für Lamas des Ordens. Alle zwölf Jahre findet ein Klostergebetsfest statt, zu dem hunderte Pilger und Mönche anreisen. Zu den für Touristen besonders sehenswerten Attraktionen zählen die alten, in farbenfrohen Tüchern eingeschlagenen Schriften, die 1008 Buddhafiguren und die goldene Stuppa mit der Asche des emigrierten Klostergründers. Nach einem kleinen Momo-Imbiss fuhren wir zum Institut des Buddhismus, wo rituelle Gegenstände des Buddhismus ausgestellt werden. Am zeitigen Nachmittag erreichten wir wieder Gangtok und besichtigten die Nationale Schule für Handwerk (Tankamalerei, Schnitzerei, Weberei und Teppichknüpferei). Tolle Handwerkskünste – aber warum im Shop eine Unmenge von Plüschtieren angeboten werden...? Von hier ging es zum Kloster Enchey, einem der älteren Klöster Sikkims, wohl um 1850 gegründet. Leider versperrten Wolken die sonst mitunter mögliche Sicht auf den Kantsch. Im Zentrum von Gangtok bummelten wir zum Abschluss des Tages über den neuen Markt, der, von grünfarbigen Häusern flankiert, ein Zeichen des neuen grünen, ökologisch orientierten Sikkim sein soll. Zum Einbruch der Dunkelheit gegen 17 Uhr ging es durch einen verkehrsgesperrten Fußgängerbereich mit Grünpflanzungen und vorbei an Geschäften mit illegal/halblegalen Chinaimporten aller Produktgruppen und internationalen Modemarken, die sicher auch eher beim großen Nachbarn im Norden hergestellt wurden. Hier waren wir fast die einzigen ausländischen Touristen und genossen das authentische Sikkim. Abendessen im Hotel in kleiner Runde mit lokalem Essen und Schwanenhals-Servietten.

7. Tag 14.11.2019 von Gangtok in Sikkim nach Phuentsholling in Bhutan


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Einhundertneunzig Kilometer, das ist so ungefähr die Entfernung von Dresden nach Berlin und in knapp zwei Stunden in Deutschland zu schaffen. Für die hiesige gleichlange Distanz hatten wir sieben Busfahrstunden eingeplant, aber auch schon von neun Fahrstunden gehört. Also starten wir bereits kurz nach sieben Uhr. Von Gangtok in 1760 Meter Höhe fuhren wir, bald dem Teestafluss folgend, die Vorberge des Himalaya hinab, vom Bundesstaat Sikkim nach Westbengalen. In der Ebene auf reichlich zweihundert Meter Höhe angekommen , drehten wir nach Osten ein. Riesige Teeplantagen, nun im Flachland und immer unter schattenspendenden Bäumen, begleiteten uns. Die Dörfer entlang des Weges sind sehr einfach. Mit einer kleinen Mittagspause in Indien erreichten wir die Grenze zwischen Indien und Bhutan nach sieben Stunden Fahrt. Zehn Minuten nach der indischen Ausreisekontrolle im trubligen Grenzort setzten wir unsere Koffer im bhutanesischen Hotel in Phuentsholing ab. Das Visum für Bhutan holten wir uns dann mit reichlich Anstehen im Immigration Office von Bhutan. Mit dem neuen Guide Geli bummelten wir im Dunkeln zum farbenfrohen, beleuchteten Tempel Zangtho Pelri Lhakhang. Nach dem Abendessen im Hotel Lhaki war dann doch bald die Luft heraus...

8. Tag 15.11.2019 von Phuentsholing nach Thimphu


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Unsere Busfahrt in die bhutanische Hautstadt Thimphu startete in ca. 250 Meter Höhe und endete nach acht Stunden Fahrt und Pausen in 2300 Meter Höhe. Bereits nach wenigen Kilometern unserer Fahrt stoppten wir am Kharbandi Gompa Kloster oberhalb von Phuentsholing. Gebetsfahnen wehten im Lüftchen über der Gompa und den vier Stuppas und wir genossen den Blick in die Ebene mit breitem Schotterfluss und auf die indisch-bhutanische Grenzstadt. Im Kloster selbst fand eine kleine mehrtägige religiöse Zeremonie zu Ehren des Königspaares statt. Nun ging es Stunden mit dem Bus auf gut asphaltierter Straße in die Höhe und auf neuer Trassenführung entlang eines Flusses, was uns zur herkömmlichen Fahrstrecke zwei Stunden Zeitgewinn brachte. Ringsum grüne Berghänge, in der Ferne dann unbewaldete Gipfelketten, die mehr als viertausend Meter Höhe erreichen. Immer wieder schmucke bhutanische Häuser, die sich völlig von den indischen Hütten Westbengalens unterscheiden – mancher glaubte wohl sich gar an Bauernhäusern an den Hängen der Alpen erinnert. Mehrfach stoppten wir für Fotos und Ausblicke, für einen recht authentischen Eindruck vom Land. Noch vor sechzehn Uhr erreichten wir den Stadtrand von Thimphu, der mehr als einhunderttausend Einwohner zählenden Hauptstadt, und ihrem Stadtzentrum, wo sich unser Hotel Jumolari, benannt nach einem der bedeutendsten heiligen Berge des Landes, befindet.
Nach dem check in lud uns Geli noch zu einem Kaffee ein: „Kaffee" – erst seit wenigen Jahren in Bhutan überhaupt erhältlich und bei den Einheimischen eher unbekannt. Dann war Zeit für individuelles Bummeln in Thimphu; ein Blick in pralle Stoffgeschäfte für die traditionelle Bekleidung oder für den Kauf von Produkten aus Yakwolle.

9. Tag 16.11.2019 Thimphu – Hauptstadt Bhutans


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Mitten in der Stadt befindet sich eine Chörte zur Erinnerung an den dritten Wangchuk-König, der in seiner Regierungszeit wesentlich zur Öffnung des Landes, auch für Bildung und Medizin, beitrug. An jedem Morgen vollziehen dort Gläubige Ihre Gebete beim Umrunden der Chörte und viele alte Menschen weilen den ganzen Tag dort. Wir ließen uns diesen Eindruck als Auftakt des Tages nicht entgehen. Über der Stadt steht eine der größten Buddhastatuen weltweit: 51 m Höhe nimmt das Denkmal für den sitzenden Buddha in „vergoldetem" Messing ein. Immer umfangreicher wird der Gesamtkomplex, an dem seit 2010 gebaut wird. Mittlerweile ist auch der Tempel betretbar; ein guter Platz, um von Geli mehr über die Entwicklung und Riten des buddhistischen Glaubens in Bhutan zu erfahren. Von hier oben hat man schon einen Blick in die Welt der Fünftausender; die Einheimischen sprechen aber wohl erst ab der 7000er Marke von Himalaya. Anschließend war Post angesagt: erste Karten mit dem eigenen Porträt auf der Briefmarke fanden den Weg in den Briefkasten.
Am Sonnabend war leider die Malereischule Bhutans nicht zu besichtigen, so weilten wir noch am Vormittag im großen Textilmuseum. Hier erfuhren wir mehr über die Herstellung handgewebter Stoffe für die landestypische Bekleidung. Da in der Hotelgastronomie Bhutans mittlerweile viel Rücksicht auf die Geschmacksgewohnheiten der europäischen Touristen, war das anschließende Mittagessen milde aber überaus wohlschmeckend; mit leckeren Gemüsevariationen kann man auch auf Fleisch verzichten. Nach gutem Essen dann der Besuch des Dzongs von Thimphu, einer großen Festungsanlage aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, heute Arbeitssitz des Königs und Kloster für etwa dreihundert Mönche. In warmer Herbststimmung mit blauem Himmel und Blick auf die Fünftausender im Hintergrund besichtigten wir anschließend noch das Farmhouse-Museum, dass einen Eindruck von Wohnhausgestaltung und Arbeitsgeräten eines (wohl eher wohlhabenden) Bauern vor einhundertfünfzig Jahren vermittelt. Anschließend war noch Zeit zum individuellen Bummeln in der Hauptstadt Bhutans.

10. Tag 17.11.2019 über den Dochula Pass nach Punakha


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Die mittlerweile gut ausgebaute Straße von Thimphu über den Dochula Pass nach Punakha ermöglicht es in 2,5 Fahrstunden die Wegstrecke zu bewältigen; wir wollten uns jedoch etwas mehr Zeit nehmen und starteten gegen acht Uhr, um vor anderen Reisegruppen den Dochula Pass zu erreichen. Oberhalb von Thimphu machten wir noch schnell einen Fotostopp mit Blick zum ältesten Dzong Bhutans in Semthoka und zur großen Buddhafigur über Thimphu. Nach einundeinhalb Stunden hatten wir den Dochula-Pass erreicht; nach Norden eine grandiose Aussicht auf die Bergkette des Osthimalayas an der Grenze zwischen Bhutan und China. Gipfel an Gipfel mit weißen Kappen reihen sich aneinander; mehrere über siebentausend Meter hoch, darunter der Gankhar Puensum, der mit 7570 m höchste Berg Bhutans. Einhundertacht Chörten wurden über ein kleines Hügelchen gebaut, von dem man einen noch besseren Blick auf die Bergwelt hat. Wir hatten Glück und konnten die Berge sehen, bevor bereits nach wenigen Minuten dicke Wolken aufquollen. Aus einer Höhe von über dreitausend Metern ging es kurvig hinunter auf eintausenddreihundert Meter, auf die Höhe des Punakhatales. Apfel- und Reisanbau sind typisch für dieses fruchtbare Gebiet. Die Legende erzählt, ein Lama vertrieb mit einem Riesenphallus die Dämonen; vielleicht ließen sich einst auch Mönche von der Fruchtbarkeit der Landschaft inspirieren zu eigener Reproduktion, jedenfalls entstand ein Fruchtbarkeitskloster, zu dem noch heute junge Paare mit Kinderwunsch oder Paare mit Kleinkindern als Dankbarkeit zum Kloster pilgern. Phallussymbole als holzgeschnitztes Souvenir oder als Malerei an Hauswänden weisen Pilger und Touristen den Weg durch kleine Dörfer und Felder zum Kloster.
Nach dem Mittagessen in Punakha war der Dzong in wenigen Busminuten erreicht. Bei sonnigem Herbstwetter gelangten wir recht zügig über die Brücke und dann eine steile Treppe hinauf in den Dzong. Die Lage unmittelbar an einem Fluss, drei Innenhöfe, Holzbemalungen und Schnitzereien machen den Dzong von Punakha vielleicht zum attraktivsten Dzong auf unserer Reise. Für die Ankunft von dreihundert Mönchen zum Winteraufenthalt wurde zahlreiche Gebäude vorbereitet, so dass wir nicht in die Gebetsräume hinein kamen. Abschluss unseres Bummels in der Welt einer Flusslandschaft bildtete der Gang über eine zweihundert Meter lange Hängebrücke.

11.Tag 18.11.2019 Paro


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Auf dem Fahrweg des vorangegangenen Tages ging es hinauf zum Dochula Pass – heute verhinderten mächtige Wolken zwischen Pass und Gipfelkette die Sicht. An Thimphu vorbei erreichten wir zur Mittagsstunde Paro. Unser Reiseleiter hatte hier im Restaurant Dagmar – Schweizer Hintergrund von Adoptiveltern – bhutanisches Touristenessen geordert. Der Nachmittag galt zunächst dem Dzong von Paro, Rinpung Dzong, einem der ältesten Dzongs Bhutans aus dem 17. Jahrhundert. Heute ist dieser Dzong Sitz der regionalen Staatsgewalt und des regionalen Lamas. Immer wieder schauten wir beim Laufen und Fahren auf den Himmel, um vielleicht doch ein Flugzeug beim Landeanflug oder Start in Paro zu erleben – und hatten auch ein wenig Glück, wenn auch nicht fotogen. Anschließend fuhren wir zum Kloster Kyichi Lakhang, dem wohl ältesten Kloster Bhutans mit Wandmalerei auf Stoff und einem bedeutenden Schrein. Auf unserer folgenden Fahrt zum Talende stoppten wir im Anblick der weißen Kuppe des Jumolhari, des bedeutendsten heiligen Berges Bhutans. Dann am Talende, in goldenes Spätnachmittagslicht getaucht, der wiederentstehende Drukyel Dzong. Weiß heben sich die Wände und golden das Dach des Dzongs vor der Gebirgswand ab. Der vierte König lässt den Dzong zu Ehren seines 2016 geborenen Enkels und potentiellen sechsten Königs der Dynastie wiedererrichten.
Vom Talende zurück Richtung Paro sind es nur wenige Kilometer bis wir linker Hand das Tigernest am Felshang entdecken. Gegenüber an der Straße schwenken wir zur Hotelauffahrt ein. Tigernest Resort – unser Hotel für drei Übernachtungen mit Blick auf das Kloster Tigernest. Ein warmer Tee empfängt uns, dann wärmen wir die Zimmer mit Ölradiatoren ein wenig an.nde Zeit, um durch die – doch recht ähnlichen – Souvenirgeschäfte zu bummeln. Nach dem leckeren Essen in einem unscheinbaren Restaurant im zweiten Stock eines Geschäftshauses mit Kantinenathmosphäre machten wir am angestrahlten Paro-Dzong noch einen Fototermin.

12. Tag 19.11.2019 Tigernest-Kloster


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Bei einem mittleren Alter der Reisegruppe von fünfundsechzig Jahren sind dennoch Alter und Fitness unterschiedlich. So gab es an diesem Tag die Möglichkeit geruhsam mit Jimi, dem Busfahrer, Paro zu erkunden oder aktiv zum Tigernestkloster aufzusteigen. Die Entscheidung zur Wanderung sollte jeder äußerst kritisch treffen, da achthundert Höhenmeter zu überwinden und fast 500 Treppenstufen unmittelbar vor dem Kloster hinab und hinauf, auf dem Rückweg andersherum wieder hinab und hinauf, zu besteigen sind. Die Wanderer begannen den Aufstieg zunächst über Wege, die durchaus an steile Mittelgebirgswege erinnern. Nach schönen Ausblicken erreichten wir nach knapp drei Stunden den Wasserfall kurz vor dem Kloster. Achthundert Höhenmeter hatten wir bewältigt, wobei die Höhendifferenz ca. fünfhundert Meter beträgt, als wir das Kloster in 3120 Meter Höhe nach Kontrolle und Abgabe all unserer Habe inklusive Fotoapparat betreten konnten. Nach vielleicht zehn besuchten Klöstern auf dieser Reise hatten wir bereits ausreichend Erfahrung mit Ausstattung und Verhaltensweisen im Kloster. Aber das Kloster des Tigernestes, mitten in einer Felswand, ist doch etwas Besonderes. Nach der Legende soll im 7. Jahrhundert der Guru hier auf einem Tiger, seiner verwandelten Frau, eingeflogen sein und später den buddhistischen Glauben in Bhutan verbreitet haben. Mittagessen am Wege in einer Cafeteria mit Tigernest-Blick und weiterer Abstieg. Nach sechs und einer halben Stunde hatten wir den Ausgangspunkt wieder erreicht. Glücklich waren dann alle und Stolz auf ihre sportliche Leistung einer anspruchsvollen Wanderung.
Zum Abendessen fuhren wir nach Paro und nahmen uns noch eine Stunde Zeit, um durch die – doch recht ähnlichen – Souvenirgeschäfte zu bummeln. Nach dem leckeren Essen in einem unscheinbaren Restaurant im zweiten Stock eines Geschäftshauses mit Kantinenatmosphäre machten wir am angestrahlten Paro-Dzong noch einen Fototermin.

13. Tag 20.11.2019 Shelila-Pass und Haa-Tal


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Der Tag begann recht bewölkt und sollte sich nicht wandeln; nur manchmal kam ein Hauch Sonne durch dunstige Wolken. Beim Verlassen von Paro stoppten wir oberhalb des Flugplatzes mit seinen spektakulären Anflugverhältnissen. Der Abflug einer Maschine nach Singapur verzögerte sich, weil sie auf ein ankommendes Flugzeug warten musste. So sahen wir einen Anflug aus Ost und einen Start. Aufwärts überwanden wir mit dem Bus eintausendsiebenhundert Höhenmeter und erreichten nach zwei Stunden, immer wieder in das Tal tief oder auf die verdeckten Berggipfel schauend den Shelila-Pass in 3998 Meter Höhe. An der Fahrstrecke sahen wir eine Herde Yaks und glüclkicherweise stoppten wir an einer Durchsicht, als sich ein wenig der Jumolhari gelüftet hatte. Links und rechts neben dem Shelila-Pass wehen hunderte weiße Fahnen, als Zeichen einer Aschebestattung, als auch mindestens ebenso viele bunte Gebetsfahnen. Nach einigen Metern eines wirklich kurzen Aufstiegs hatten wir die Viertausend Höhenmeter erreicht Aus kühler Höhe ging es hinab ins Haa-Tal. Militärische Einrichtungen prägen den Ort, der nicht weit von der Grenze zu Tibet entfernt liegt. Aa zentraler Stelle wurde ein Kloster – das „Weiße Kloster" umbaut und vergrößert. Im schmalen, landwirtschaftlich geprägten Tal wird Buchweizen angebaut – Momos aus Buchweizen probierten wir zum Mittag, das wir als Gast in einem Bauernhof einnahmen; Buttertee wurde probiert und ein Ara – recht milder Reisschnaps – getrunken. Auf gleicher Fahrstrecke, nochmals mit Yakbegegnungen und ohne Sicht vom Pass, erreichten wir am noch hellen Nachmittag Paro. Das Abendessen im Hotel leiteten wir mit einem Folkloreprogramm – auch mit Maskentänzen – ein. Zum Abschluss bildeten wir gemeinsam mit den Künstlern den Reigen eines bhutanischen Tanzes.

14. Tag 21.11.2019 Von Bhutan nach Nepals Hauptstadt Kathmandu: Patan


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Bis zum Abflug war Zeit, so dass wir uns ein Kloster, das der „Eisenbrücken-Lama" einst bauen ließ anschauten. Völlig ungewöhnlich war das Innere des Tempels, das dreietagig auf schmalen Holzleitern zu ersteigen ist. In diesen Tagen findet für wohl sieben Tage eine buddhistische Lehrveranstaltung auf errichtetem Tingplatz mit dem regionalen Lama statt. Tausend Gläubige frequentierten die Veranstaltung am Vormittag; nicht alle lauschten den Worten jedoch.
Rechtzeitig waren wir am Flughafen von Paro, so dass wir noch einige der begehrten E und F – Plätze des A 319 bekamen. Während des Fluges dann tatsächlich auf der rechten Seite der Blick zu Jumolhari, Kangchengzönga und Mont Everest-Lhotse-Makalu. Der Landeanflug auf Kathmandu vom Westen recht steil nach unten. Pünktlich angekommen, war an diesem Nachmittag Zeit mit dem örtlichen Reiseleiter Pradeep Patan (Lalitpur) zu erkunden. Quirliges Treiben, Handwerksbetriebe, Innenhöfe mit geschnitzten Fensterrahmen und Türen, zwischendrin immer wieder kleine religiöse Kultstätten – Patan ist eine perfekte Verknüpfung von Tradition und modernem Leben. Immer wieder sahen wir aufgebaute Lückenfüller des 2015 teilweise durch ein Erdbeben zerstörten Patan. In einem Restaurant in Kathmandu genossen wir landestypisches Abendessen und sahen einigen traditionellen nepalesischen Tänzen zu. Später check in im Hotel Changri La und dann mentales Vorbereiten auf den morgigen fakultativen Himalaya-Flug.

15. Tag 22.11.2019 Kathmandu: Bakthapur, Bodnath, Pashupatinath


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Viereinhalb Jahre nach dem Erdbeben stellten viele sich die Fragen: wie ist der Stand des Wiederaufbaus, lohnt sich ein Aufenthalt in Kathmandu überhaupt? Um es vorwegzunehmen: für den Erstbesucher – eine sehr lohnende Überraschung, für den Reiseleiter bei seinem fünften Besuch in Kathmandu war ein deutlicher Aufbaufortschritt zu erkennen; neben der architektonisch wertvollen Bausubstanz insbesondere auch bei Wohnbauten in Bakhtapur. Doch der Reihe nach!
Am Morgen klappte es mit dem fakultativen Flug in Richtung Mount Everest – vielleicht metereologisch ein Vorteil des Novemberreisetermins. Alle acht Gäste genossen das Spektakel und werden es wohl nie vergessen. Nach Flug und Frühstück begannen wir mit unseren Exkursionen im Kathmandutal und seinen Unesco-Welterbestätten: die ehemaligen Königsstädte Kathmandu, Patan und Bakhtapur mit ihren Durbar Squares und den hinduistisch rituellen Verbrennungsort Verstorbener Pashupathinat. Zunächst erkundeten wir Bakhtapur und erfreuten uns der ziegelfarbigen Fassaden der Gebäude, des bunten Treibens auf ziegelgepflasterten Gassen und der erhaltenen und bereits wieder aufgebauten Tempel, insbesondere an der fünfetagigen Pagode. Im nachmittäglichen Verkehr des Freitags benötigten wir etwas Zeit, um nach Bodnath zu gelangen. Am großen Klosterkomplex vorbei ging es in das Häuserrund um die bekannte weiße Stuppa mit wehenden Gebetsfahnen. Zum Einbruch der Dunkelheit erreichten wir Pashupathinat auf eher selten begangenen touristischen Wegen von Westen und wurden durch Heerscharen von Affen begleitet. An diesem für Hindus und Buddhisten heiligen Ort erlebten wir die zeremoniellen Vorbereitungen der Verbrennung Verstorbener; nebenan brannten zwei Holzfeuer bereits – ein immer wieder für Europäer ungewöhnlicher Ort. Eher nachdenklich verließen wir den Ort.

16. Tag 23.11.2019 Heimflug: am Himalaya und Kaukasus vorbei nach Berlin


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Ein Sonnabend als Abreisetag in Kathmandu bringt planerische Lockerheit, weil die Straßen zum Flughafen nicht so verstopft sind. So waren wir nach kaum einer halben Stunde Fahrzeit am Flughafen von Kathmandu, benötigten dann aber doch fast ein und eine halbe Stunde zu all den Abfertigungs- und Sicherheitsprozedere. Unser A 330 hob fast pünktlich ab und bald sahen wir an der rechten Flugseite nochmals die Himalaja-Range mit Manaslu und Annapurna. Das Flugzeug brachte uns sicher über Delhi, Lahore in Pakistan, Afghanistan, Turkmenien, den Kaspisee an den Rand des Kaukasus. Hier getrauten wir uns, die Fensterluken nach oben zu schieben und erblickten den Kamm des Kaukasus. Steil ragte die Ushba empor und bald erhob sich der Elbrus – je nach geografischer Lehre der höchste Berg Europas. Zwei Stunden nach dem Kaukasusblick landeten wir in Istanbul und pünktlich ging es mit einem A 321 in der Dunkelheit Europas nach Berlin. Da war es dann schon ein Uhr Kathmanduzeit.
Eine Reise mit Himalayablicken, Klöstern und Dzongs, Begegnungen mit Hindus, Moslems, Sikhs, Buddhisten lag hinter uns – alles Gute bis zur nächsten Reise mit Eberhardt Travel.
Eurer Jürgen / Ihr Dr. Jürgen Schmeißer

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