Eine italienische Reise für alle Sinne – durch die Gärten der Seele
Reisebericht: 02.05. – 11.05.2026
Von den Alpen über die Toskana bis vor die Tore Roms tanzen Natur und Kunst, Historie und Lebensfreude einen bunten Reigen.
Ein Reisebericht von
Heike Jack
Sa, 2. Mai 2026 Das Tor zum Süden
Unsere Reise mit dem roten Bus beginnt am frühen Morgen in Dresden, wir fahren an München vorbei und nehmen die klassische Brenner-Route, wo die schroffen Gipfel der Alpen langsam den sanften, weingrünen Hügeln des Veneto weichen. Hopfenstangen in Bayern, Südtiroler Apfelplantagen und grünende Weinreben lassen kulinarische Genüsse erahnen. Im Raum Verona öffnet das Muraless Art Hotel mit Kunst, Streetart und Magie seine Pforten und individuell - teilweise skurril - gestalteten Zimmer für uns. Bei hausgemachter Pasta und köstlichem Tiramisu lassen wir den Alltag hinter uns – das italienische Lebensgefühl hat uns offiziell willkommen geheißen.
So, 3. Mai 2026 Zwischen aristokratischem Glanz und Hellers Magie
Am Morgen fahren wir nach Gardone Riviera. Einst war dieser Ort am Gardasee der Sehnsuchtsort des europäischen Hochadels und Geistesgrößen wie Stefan Zweig. Wir wandeln auf den Spuren von Dr. Hruska, dem Zahnarzt des Zaren, der hier ein botanisches Wunderwerk erschuf, und bewundern diese außergewöhnliche Anlage vor allem aufgrund ihrer atemberaubenden Florasammlung und der Kunstwerke namhafter Künstler, die sich zwischen den Pflanzen verstecken.
Afrika und Südamerika, Asien, Europa und Australien sind hier ineinander verwoben. Edelweiß inmitten von Orchideenwiesen, meterhohe Baumfarne neben Granatapfelwundern Bäche und Wasserfälle, Teiche mit heiligen Koi-Karpfen, Forellen und Spiegelungen des Libellenfluges, Hügel aus Dolomitgestein neben Kakteen und Efeutürmen. Indische und marokkanische Skulpturen in Harmonie mit Installationen von Roy Lichtenstein, Susanne Schmögner, Mimmo Paladino, Keith Haring und André Heller selbst. Seit 1988 hüten André Heller und seine Stiftung dieses kleine Paradies.
Am Nachmittag gleiten wir vorbei an den Türmen von Modena und Florenz hinein in das sanfte Gold der Provinz Siena.
Mo, 4. Mai 2026 Tanz der Skulpturen am Fuße des Vulkans
Heute führt uns die Fahrt an Montalcino vorbei, über den Hügel von Castiglione d'Orcia durch typisch toskanische Landschaft nach Seggiano.
Nahe dem Bolsenasee, wo die Erde vom erloschenen Vulkan Monte Amiata geprägt ist, erwartet uns ein modernes Arkadien: Der Garten von Daniel Spoerri. Auf 16 Hektar verschmelzen 113 zeitgenössische Installationen mit der wilden toskanischen Natur und bunten Wildblumenwiesen. Es ist ein Ort voller Kraft und Ausdrucksstärke, an dem die Kunst nicht gegen, sondern mit der Landschaft spricht – ein beeindruckendes Zeugnis menschlicher Kreativität unter freiem Himmel. Die Stiftungspräsidentin und langjährige Vertraute von Spoerri führt uns über das kunstvolle Gelände und kann ganz nah über Leben und Werk des Künstlers berichten. Emotional wird es, als wir vor seinem Urnengrab auf einem etruskischen Grabhügel stehen und seine Stimme erklingt.
Nach einer entspannten Mittagspause fahren wir in den kleinen Ort Buonconvento. Hier spazieren wir durch mittelalterliche Gassen innerhalb der Stadtmauer, genießen ein leckeres Gelato oder ein Stück Pizza. So gestärkt können wir uns im Hotel zur Weinprobe mit Jacopo , Emilia und toskanischen Weinen niederlassen. Ein Rosato muss sich mit einem Vermentino messen, Sangiovese und Chianti treten gegeneinander an. Gewinner ist Geschmackssache. Ein Fazit jedenfalls lautet "Es braucht viel Bier, um guten Wein zu machen".
Das Abendessen mit Bruschetta, Pasta mit Pilzen, einer Grillplatte und Panna Cotta rundet diesen gelungenen Tag perfekt ab.
Di, 5. Mai 2026 Gotik, Galopp und edle Tropfen
Siena empfängt uns mit Stadtführerin Luise, seinem unvergleichlichen mittelalterlichen Stolz und einem nebelverhangenen Dom.
Wir tauchen ein in die Welt der Contrade (Stadtviertel) und bestaunen den prächtigen Dom, dessen Marmorfassade trotz grauer Wolken strahlt. Im Inneren sind neben den herrlichen Bodenmosaiken auch Statuen von Michelangelo und Bernini zu entdecken.
Wir blicken auf das historische Hospital Santa Maria della Scala und lassen auf der Piazza del Campo, dem muschelförmigen Herz der Stadt, die Atmosphäre auf uns wirken. Mit vielen Informationen zur Geschichte der Stadt machen wir uns auf die Suche nach einem Mittagssnack, dem leckersten Eis oder einer neuen Tasche.
Pünktlich sind alle zum Treffpunkt am Bus. Auf dem Rückweg ist ein Stopp an der Salumeria di Borgo geplant. Reiseleiterin Heike hat diese Empfehlung vom Hotelkoch bekommen, nachdem uns gestern die Finocchiona (Fenchelsalami) so gut geschmeckt hat. Wir kaufen diese ausgezeichnete Wurst also direkt vom Hersteller mit Gütesiegel.
Mi, 6. Mai 2026 „Klein–Jerusalem“ und die Magie des Tarots
Am Morgen verlassen wir das Hotel in Murlo und machen uns weiter auf den Weg in den Süden.
Pitigliano scheint direkt aus dem Tuffstein gewachsen zu sein – eine Stadt wie eine Skulptur, hoch über der Maremma thronend. Mit Natascha spazieren wir durch die mittelalterlichen Gassen und das jüdische Viertel, das der Stadt den Beinamen „Klein-Jerusalem“ verlieh. Zum Mittag probieren einige von uns die Pici al Aglione, eine typische Pasta mit Tomaten-/Knoblauch Sauce.
Am Nachmittag wird es bunt und surreal: Im Tarot-Garten von Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely begegnen uns 22 monumentale, spiegelnde Figuren. Es ist ein funkelndes Labyrinth aus Keramik und Mosaiken, das uns direkt in die Welt der Träume entführt. Niki de Saint Phalle lebte während der 20jährigen Bauphase einige Zeit im Inneren der riesigen Skulptur der „Kaiserin“ (L'Impératrice). Die Wände sind komplett mit venezianischen Glasspiegelscherben bedeckt - ein sehr unruhiges Design. Geräuschvoll werden wir von italienischen Schulklassen umzingelt. Leben und Werk dieser besonderen Künstlerin werden hier greifbar.
Einen echten italienischen Stau müssen wir auch noch erleben, bevor wir unser Domizil nahe Rom erreichen. Im Domus Caesari Hotel in Marino werden wir zum etwas chaotischen, aber üppigen Abendessen erwartet.
Do, 7. Mai 2026 Ruinenromantik und päpstliche Sommerfrische
Heute entdecken wir das Pompeji des Mittelalters - den „Garten von Ninfa“ – ein Ort von fast unwirklicher Schönheit. Zwischen mittelalterlichen Ruinen schlängeln sich kristallklare Bäche, während seltene Pflanzen die alten Mauern in ein grünes Gewand hüllen. Mirko führt uns bei schönstem Sonnenschein durch den romantischsten Garten Italiens. In der römischen Ära stand im heutigen Dorf Ninfa ein Tempel, der den Göttinnen des Quellwassers, den Najaden-Nymphen, gewidmet war. Damals glaubten die Römer, dass die Nymphen an Quellen und Flüssen wohnten, versteckt in Hainen und Grotten. Und davon gibt es in Giardino di Ninfa jede Menge! Gern hätten wir hier mehr Zeit verbracht.
Auf engen Straßen geht es durch Velletri und Grottaferrata nach Frascati. Nach einem gemeinsamen Stadtbummel mit Heike möchten wir nun den gleichnamigen Wein probieren. Im Café Belvedere gibt es den Frascati Superiore DOCG im schönsten Sonnenschein - endlich la dolce vita genießen. Wir atmen die Geschichte der Castelli Romani ein, fahren auf der antiken Via Appia und lassen uns vom Charme dieser vulkanischen Hügellandschaft verzaubern. Unser toller Busfahrer Rico bringt uns dann noch auf unseren Wunsch an das Ufer des Albano-Sees. Nun gut, für einen Sturz in das kühle Nass des Vulkansees ist es noch zu frisch. Aber der Blick auf Castel Gandolfo mit dem Sommersitz der Päpste ist traumhaft. Beseelt fahren wir zurück ins Hotel, wo der Abend bei einem leckeren Abendessen ausklingt.
Fr, 8. Mai 2026 Das Spiel mit dem Wasser und kaiserliche Visionen
Tivoli bietet uns heute ein Feuerwerk der Baukunst. In der Villa d’Este erleben wir die Renaissance in ihrer prachtvollsten Form: Ein Hanggarten voller Kaskaden, Grotten und musizierender Brunnen. Kardinal Ippolito II. d'Este, Sohn von Lucrezia Borgia, gab die Villa 1550 in Auftrag, nachdem er bei der Papstwahl gescheitert war. Als Gouverneur von Tivoli wollte er mit der Villa seinen Status demonstrieren und den Luxus, den er aus Rom gewohnt war, übertreffen.
Hinter den Kulissen verbergen sich technische Wunderwerke und historische Kuriositäten, die über die reine Ästhetik hinausgehen. Alle 51 Brunnen, 64 Wasserfälle und hunderte Fontänen funktionieren rein durch die Schwerkraft und den natürlichen Wasserdruck. Die Ingenieure nutzten das Prinzip der kommunizierenden Röhren, um das Wasser des Flusses Aniene durch einen 600 Meter langen unterirdischen Kanal zur Villa zu leiten.
Die Fontana dell’Organo ist die weltweit einzige noch voll funktionstüchtige Wasserorgel aus der Renaissance. Sie erzeugt Musik allein durch Wasserdruck, der Luft in die Pfeifen presst – ganz ohne Strom oder manuelle Blasebälge. Das Wetter zeigt sich besser als erwartet und trotz grauer Wolken im Hintergrund erfreut das kurze Konzert der Wasserorgel unser Gemüt.
Ganz anders, doch ebenso monumental, zeigt sich die Villa Adriana. Kaiser Hadrian erschuf hier ein architektonisches Abbild seiner Weltreisen – das „Versailles der Antike“. Zwischen ägyptischen Säulen und griechischen Statuen spüren wir den Geist eines Mannes, der die Welt in seinem Garten vereinen wollte. Die von 118 bis 134 n. Chr. als Sommerresidenz und Alterssitz des römischen Kaisers Hadrian ausgebaute Villa umfasste mindestens 125 ha an bebautem Gebiet und Grünflächen: war damit die größte und aufwendigste Palastanlage, die sich je ein römischer Kaiser erbauen ließ.
Davon schaffen wir nur einen Bruchteil, doch wir wünschen uns eine Zeitreise, 2000 Jahre zurück. Natürlich möchten wir nicht die weitab untergebrachten und sich in unterirdischen Gängen bewegenden Sklaven sein. Aber mal einen Blick in das kaiserliche Leben wegen, möchte wohl jeder einmal. Die Bäder, die riesigen Hallen, Teiche, das Teatro Marittimo und überhaupt der ganze Komplex kaiserlicher Mondäne beeindrucken sehr. So ist es nicht verwunderlich, dass für weitere Aktivitäten keine Kraft mehr bleibt und wir diesen abwechslungsreichen Tag entspannt im Hotel ausklingen lassen.
Sa, 9. Mai 2026 Barock in Castel Gandolfo und Ariccia
Man könnte es fast eine Audienz beim Papst nennen. Auf dem Kraterrand des Vulkansees Lago d'Albano thront der Apostolische Palast in Castel Gandolfo, der den Päpsten seit 1626 als Sommerresidenz dient, wobei Urban VIII. der erste Papst war, der den Ort nutzte. Nach einer längeren Unterbrechung (1870–1929) wurde er nach den Lateranverträgen wieder genutzt. Papst Franziskus öffnete den Palast 2016 als Museum, doch wird er 2026 für Papst Leo XIV. erneut als Residenz vorbereitet. So sind wir vielleicht unter den letzten Privilegierten, die die persönlichen Gemächer besichtigen dürfen.
Und auch eine Rundfahrt durch die wunderschönen päpstlichen Gartenanlagen der Villa Barberini macht unsere Reiseleiterin Heike spontan noch möglich, was uns Gartenliebhaber besonders freut. Das Projekt „Borgo Laudato Si‘“ ist ein im September 2025 von Papst Leo XIV. eröffnetes ökosoziales Modellprojekt, das ganzheitliche Ökologie, Bildung und soziale Inklusion verbindet, um den Prinzipien der Enzyklika Laudato si‘ von Papst Franziskus zu folgen.
"Wo die Schönheit Wurzeln schlägt." Dieses Zitat am Eingang könnte für alle von uns besuchen Orte und Gärten gelten.
Zum krönenden Abschluss des Tages besuchen wir den Palazzo Chigi in Ariccia. Dieses Meisterwerk von Gian Lorenzo Bernini lässt uns noch einmal tief in die adelige Wohnkultur des 17. Jahrhunderts eintauchen. Die Familie Chigi war durch die Funktion des Konklave-Kustoden direkt mit dem Aufschließen und der Sicherung des Konklave während der Papstwahlen verbunden, während Fabio Chigi als Papst Alexander VII. die Familie an die Spitze der Kirche brachte.
Der Palazzo ist berühmt dafür, originale Einrichtung und Struktur seit dem 17. Jahrhundert unverändert bewahrt zu haben und als Drehort für den Film "Der Leopard" (Luchino Visconti 1962). Die prachtvollen Säle und die barocke Eleganz, Wandmalereien und Ledertapeten sind weitere eindrucksvolle Bilder, die wir mit nach Hause nehmen – ein würdevoller Abschied von der Schönheit der Castelli Romani.
So, 10. Mai 2026 Im Monstergarten von Bomarzo
Heute verabschieden wir uns in aller Frühe vom Latium und fahren wieder Richtung Norden. Ein letzter aufregender Programmpunkt erwartet uns ... Bei Bomarzo betreten wir im Nieselregen den heute noch mystischeren Sacro Bosco. Vicino Orsini hat sich hier im 16. Jahrhundert ein skurriles Denkmal gesetzt. Zwischen vermoosten Bäumen entdecken wir im Heiligen Wald versteinerte Schildkröten, Obelisken, Nymphen, Elefanten und sonderbare Gestalten. Der weit aufgerissene Höllenschlund droht uns zu verschlucken. Im schiefen Haus verlieren wir das Gleichgewicht und als wir beim Tempel für Orsinis früh verstorbene Gattin Giulia Farnese ankommen, wird der Regen stärker. Die Künstler erschufen Monster und Fabelwesen, kleine Irrwege und kaum zu findende Besonderheiten, die überall im hohen Gras zu finden waren. Auch Rätsel und Inschriften sind hier zu sehen, die für uns aber keinen Sinn ergeben. Verwendet wurden vor allem regionale Gesteine, die meist aus dem Material der Vulkangesteine in der Umgebung stammen.
Dieses Juwel des Manierismus bildet für uns den großartigen Abschluss einer abwechslungsreichen Reise, die uns durch die schönsten und interessantesten Villen, Gärten sowie 2.000 Jahre alten Geschichten Italiens geführt hat.
Im strömenden Regen durchquert unser Bus die Toskana, bis wir in unserem letzten Hotel Corte Castelletto nahe Verona ankommen. Hier können wir in angenehmem Ambiente, bei wohlschmeckendem Essen und gutem Wein den letzten gemeinsamen Abend verbringen. Herzlich bedankt sich zum Abschluss die Reisegruppe bei Busfahrer Rico und Reiseleiterin Heike - und umgekehrt.
Mo, 11. Mai 2026 Rückreise durch Südtirol und Bayern
Nach einem leckeren Frühstück im schönen Hotel machen wir uns auf den Weg Richtung Norden. Der Himmel weint, aber staufrei und entspannt erreichen wir am Nachmittag die ersten Ausstiege in München und Ingolstadt. Auch in Sachsen landen wir gut und überpünktlich. Alle Gäste erreichen ihre Heimat und haben nicht nur Olivenöl, Salami und Käse im Gepäck sondern auch schon Bilder, Erinnerungen und phantastische Eindrücke.
"Ihr, die Ihr durch die Welt auf vagen Reisen umherirrt, die hohen und erstaunenden Wunder zu sehen." (Vicino Orsini, Bomarzo, 16. Jh.) Ein paar Wunder haben wir schon gesehen auf unserer Reise. Ich danke Euch noch einmal ganz herzlich für Euer Interesse, Eure Neugier, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit. Es wäre schön, Euch einmal wieder zu sehen, wenn es wieder heißt: Richtig reisen - mit Eberhardt Travel. Bis dahin, bliebt gesund und reiselustig, Eure Reiseleiterin Heike
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