Dass ich Sizilien gesehen habe, ist mir ein unzerstörlicher Schatz auf mein ganzes Leben ...
Reisebericht: 13.04. – 22.04.2026
... Mit diesem Worten beschrieb Johann Wolfgang von Goethe im Jahr 1787 in seine Eindrücke Siziliens. Im April 2026 folgten wir seinen Spuren.
Ein Reisebericht von
Günter Thomas Menzel
Anreise
Viel Aufregung noch vor Reisebeginn: 48 Stunden vor Beginn der Anreise teilte Lufthansa mit, dass ab 13.04. – also unseren Anreiseteig – gestreikt wurde. Betroffen war mehr als die Hälfte unserer Reisenden. Doch dank der schnellen und cleveren Reaktion von Eberhardt Travel konnten alle Reisenden durch Umbuchungen und Transfers von Dresden zum Flughafen nach Berlin pünktlich Sizilien und unser Hotel erreichen. Nochmals Danke für die Nachtarbeit an das Transferteam von Eberhardt Travel.
Catania empfing uns zunächst mit diesigem Wetter. Ursache war Saharastaub, der mit einem kräftigen Südwestwind aus Afrika herüber wehte. Mit dem Bus ging es zum Teil durch Lavafelder zu unserem Hotel.
Im Hotel empfing uns Silvana, die uns an den darauffolgenden Tagen stets engagiert und sehr sachkundig durch ihre Heimat führte.
Unsere Zimmer waren sehr geräumig. Alle Zimmer hatten einen schönen Blick auf das nur etwa 150 m entfernte Meer.
Etwas müde, voller Erwartungen und vom intensiven Meeresrauschen begleitet ging der erste Tag zu Ende.
Ätna und Taormina
Da der Ätna vormittags meist weniger wolkenverhangen ist, starteten wir bereits um 8:00 Uhr. Während der rund 90 minütigen Anfahrt waren die Kraterspitze und die aufsteigenden Rauchwolken zu erkennen.
Ein Besuch des Ätna gehört zu jeder Sizilienrundreise dazu. Mit seinen 3.250 Metern ist er der höchste Vulkan Europas; sein letzter Ausbruch ereignete sich 2023. Die engen Serpentinen und die teils abenteuerlichen Ortsdurchfahrten verlangten unserem Fahrer so einiges ab.
Kurz vor unserer Ankunft zeigte sich der Ätna dann von seiner launischen Seite. Innerhalb weniger Minuten zog Nebel auf und die Sicht verschlechterte sich spürbar.
Vom Parkplatz auf 2.000 m Höhe ging es mit Geländewagen weiter hinauf auf 2.500 Meter, da die Seilbahn wegen Wartungsarbeiten geschlossen war. Auf dieser Höhe lag meterdicker Schnee, sodass die Jeeps durch regelrechte Schneetunnel fahren mussten. Viele unserer Reisenden nutzten anschließend die Gelegenheit, mit einem Raupenfahrzeug noch höher bis auf etwa 2.800 Meter zu fahren.
Um ca. 14.00 Uhr ging es weiter nach Taormina. Die Stadt zählt zu den bedeutendsten Touristenzentren Siziliens und gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. 2017 fand hier das G7 Treffen der Staats- und Regierungschefs statt.
Unser erster Besuch galt dem wohl bekanntesten Bauwerk Taorminas, dem antiken Theater. Es wurde ursprünglich von den Griechen errichtet und später von den Römern erweitert. Bis heute dient es als beeindruckende Kulisse für Konzerte internationaler Künstler.
Im Anschluss hatte jeder Reiseteilnehmer Zeit für einen individuellen Stadtbummel, um das malerische Städtchen mit seinen Gassen, Plätzen und Ausblicken ganz nach eigenem Tempo zu erkunden.
Villa Romana und Agrigent
Am 3. Tag führte unsere Reise weiter in den Südwesten Siziliens. Unser erster Halt war die Villa Romana del Casale, ebenfalls Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Der weitläufige Gebäudekomplex umfasst rund 1,5 Hektar. Über viele Jahrhunderte lag er unter einem Erdrutsch verborgen und wurde erst im 20. Jahrhundert wieder freigelegt.
Die Eindrücke lassen sich kaum in Worte fassen – man muss es gesehen haben. Besonders beeindruckend sind die Mosaike, die die Fußböden nahezu vollständig bedecken. Sie bestehen aus über 100 Millionen einzelnen Steinchen, mehr als in jedem anderen bekannten Bauwerk der römischen Antike. Für ihre Gestaltung wurden 37 verschiedene Farben verwendet. Berühmt sind vor allem die Jagdszenen und die sogenannten „Bikinimädchen“.
Vorbei an tausenden Olivenbäumen, weiten Orangenplantagen und malerischen Bergdörfern setzten wir unsere Fahrt fort und erreichten schließlich das Tal der Tempel bei Agrigent – eine der eindrucksvollsten archäologischen Stätten Siziliens.
Die teils hervorragend erhaltenen griechischen Tempel zeugen von der Größe, Macht und kulturellen Blüte der antiken Stadt. Besonders beeindruckend ist der am besten erhaltene dorische Tempel des alten Griechenlands, dessen klassisches Breite Höhe Verhältnis von 1:2 bis heute erkennbar ist. Er überstand die Jahrhunderte, weil er von den Byzantinern zu einer Kirche umgebaut wurde.
Salinen in Marsala und Erice
An diesem Tag besichtigten wir zunächst die Salinen von Marsala. Die weitläufige Anlage besteht aus mehreren Becken, zwischen denen früher Windmühlen die Schöpfwerke und Salzmühlen antrieben. Bei einem kurzen Rundgang erhielten wir einen eindrucksvollen Einblick in die Salzgewinnung und die damals äußerst harte körperliche Arbeit. Die Salinen sind normalerweise Heimat tausender Flamingos, die im flachen, salzhaltigen Wasser nach Nahrung suchen. Doch bei unserem Besuch waren sie leider ausgeflogen.
Das Mittagessen nahmen wir in einem gemütlichen Landgasthof ein. Serviert wurden vier Gänge regionaler Küche, begleitet von unbegrenzt Wasser und Weinen. Unsere Dolmetscherin Silvana bereicherte jede Speise mit spannenden Hintergrundinformationen.
Schon von den Salinen aus konnten wir den majestätisch aufragenden Berg erkennen, auf dem sich das „Felsennest“ Erice in knapp 800 Metern Höhe befindet. Die Auffahrt über Serpentinen und mehrere Haarnadelkurven verlangte unserem Busfahrer erneut sein ganzes Können ab.
Erice wird nicht ohne Grund als „Museum aus Stein“ bezeichnet. Zum Abschluss unseres Besuchs kehrten wir bei „Maria“ ein, einem über Erice hinaus bekannten Café, und probierten einige sizilianische Köstlichkeiten. Unser Aufenthalt dauerte nur zweieinhalb Stunden – wir wären gern länger geblieben
Palermo und Monreale
Nach einem ausgiebigen Frühstück stiegen wir in unseren Bus und machten uns auf den Weg ins nur 30 Minuten entfernte Palermo.
Palermo ist die Hauptstadt Siziliens und die fünftgrößte Stadt Italiens – eine lebendige Metropole voller Geschichte, Kontraste und kultureller Schätze. Unser erster Besuch galt der Cappella Palatina. Wir hatten Glück. Wir gehörten zu den ersten Besuchern des Tages.
Die Cappella Palatina, einst Hofkapelle und zugleich Thronsaal Rogers II., ist ein Meisterwerk der Kunst und Architektur. Überall begegnet man dem Wappen der Staufer – dem Löwen mit erhobener Tatze. Die Kapelle vereint auf einzigartige Weise lateinische, byzantinische und arabische Stilelemente. Gold dominiert die prachtvollen Mosaike und verleiht dem Raum eine fast überirdische Ausstrahlung. Unwillkürlich fragt man sich, welche Schätze unsere alten deutschen Städte heute bieten könnten, wären sie nicht durch Kriege sinnlos zerstört worden.
Während unseres Stadtrundgangs besichtigten wir unter anderem den Markt und die Wehrkirche, schlenderten durch teils sehr touristisch geprägte Straßen und genossen anschließend etwas Freizeit.
Am Nachmittag fuhren wir weiter nach Monreale, das oberhalb von Palermo liegt. Dort besichtigten wir unter anderem die berühmte Kathedrale – das bedeutendste Bauwerk des Ortes. Der Normannenbau aus dem 12. Jahrhundert beeindruckt mit seinen byzantinischen Mosaiken im Innenraum und den arabisch beeinflussten Verzierungen der Außenmauern.
Gegen 18:00 Uhr kehrten wir etwas pflastermüde wieder in unser Hotel zurück.
Cefalù, Zitrusplantage und kurze Stopp in Messina
An diesem Tag fuhren wir zunächst nach Cefalu einer Stadt ca. 80 km östlich von Palermo. Cefalu liegt malerisch am Meer. Cefalu wurde im 9. Jahrhundert von den Arabern gegründet. Das beeindruckendste Bauwerk ist die Normannenkirche aus dem 12. Jahrhundert.
Nach einer Stadtführung, die durch Silvana wie immer sehr faktenreich aber auch unterhaltsam erfolgte, konnten wir Cefalu auf eigene Faust erkunden.
Enge Gassen, fliegende Händler und schöne Restaurants (meist direkt am Meer) prägen Cefalu. Auch hier machte es sich positiv bemerkbar, dass die Hauptreisesaison noch nicht begonnen hatte, denn auf den Straßen und Plätzen gab es nur wenige Touristen.
Anschließend besuchten wir eine Zitrusplantage. Sie ist ein Familienbetrieb wobei die Chefin aus Deutschland stammt und uns viel über den Anbau von Apfelsinen, Kakteen (Kaktusfeigen) und weiteren Früchten erzählte. Wir konnten viele Früchte direkt vom Baum probieren. Anschließend gab es unter Olivenbäumen direkt in der Plantage selbst hergestelltes sizilianische Gebäck und frisch gepresste Säfte.
Am Nachmittag fuhren wir nach Messina, der Hafenstadt nach der die Meerenge Messina, die Sizilien und Italien trennt, benannt wurde. Wir besichtigten den Dom und fuhren anschließend in unser Hotel.
Catania und Zyklopenküste
Bei der Fahrt nach Catania präsentierte sich der Ätna in seiner vollen majestätischen Größe.
Viele Gebäude in Catania wurden aus dunklem Lavagestein errichtet, was der Stadt ihr markantes und unverwechselbares Erscheinungsbild verleiht. Dieser Stil wird treffend als „schwarzer Barock“ bezeichnet.
Die Kathedrale von Catania ist der heiligen Agatha geweiht. Agatha bekannte sich in römischer Zeit zum Christentum und wurde dafür grausam hingerichtet. Einer Legende zufolge brach nur ein Jahr nach ihrem Tod der Ätna aus. Ihre Reliquien, die heute in der Kathedrale aufbewahrt werden, sollen die Stadt später mehrfach vor weiteren Ausbrüchen geschützt haben.
Nördlich von Catania erstreckt sich die Zyklopenküste (Riviera dei Ciclopi), ein eindrucksvoller vulkanischer Küstenabschnitt, geprägt von bizarren Lavafelsen und schroffen Klippen. Der Sage nach schleuderte der Riese Polyphem von hier aus Felsen nach Odysseus.
Zum Abschluss besuchten wir auf Empfehlung von Silvana die Gelateria Pasticceria Belvedere in Acireale. Ein etwas abseits von den Touristenströmen liegendes gemütliches Kaffee mit sehr leckeren Süßwaren und Eis zu günstigen Preisen.
Liparische Inseln
Auch die Liparischen Inseln gehören zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Fahrt begann mit unserem Schiff, das uns zunächst an einer normannischen Festung vorbeibrachte, die auf einer Landzunge am Hafen von Milazzo thront.
Schon bald tauchte die Insel Vulcano vor uns auf und wir sahen zahlreiche Fumarolen – Spalten im Boden aus denen vulkanische Gase entweichen. Sie sind typisch für Regionen mit starker seismischer oder vulkanischer Aktivität.
Zunächst jedoch steuerten wir die Insel Lipari an. Mit einem Bus umrundeten wir die Insel. Unterwegs boten sich uns unzählige Postkartenmotive. Nicht ohne Grund dienten die Liparischen Inseln häufig als Drehort berühmter Filme wie Der Postmann oder Produktionen mit Schauspielgrößen wie Anna Magnani und Ingrid Bergman.
Besonders eindrucksvoll ist die üppige Pflanzenwelt, obwohl es auf den Inseln kaum nutzbares Grundwasser gibt.
Nach einer kurzen Weiterfahrt erreichten wir unser zweites Ziel des Tages die Insel Vulcano. Schon beim Anlegen lag ein deutlicher Schwefelgeruch in der Luft. Vom Strand aus konnten wir nur wenige hundert Meter über uns mehrere rauchende Fumarolen sehen.
Mehrere Reisegäste nutzten die Gelegenheit für ein Bad im Meer.
Gegen 19:00 Uhr kehrten wir schließlich wieder ins Hotel zurück – erfüllt von Eindrücken eines außergewöhnlichen Tages.
Auf eigene Faust unterwegs
Am 9. Tag unserer Rundreise konnte jeder auf eigene Faust Sizilien erkunden. Viele Reiseteilnehmer entschieden sich, gemeinsam mit dem RBG mit dem Zug nach Taormina zu fahren. Von dort aus fuhren die meisten mit dem Bus weiter nach Castello di Mola. Es ist touristisch nicht so stark frequentiert wie Taormina. Castello di Mola gehört zu den schönsten Dörfern Italiens. Von da aus hatten wir einen herrlichen Blick auf den Ätna, Taormina und dem Ionischen Meer.
Diejenigen die besonders gut zu Fuß waren liefen von da aus bis nach Taormina. Am Abend waren alle pünktlich zum Abschiedsessen wieder im Hotel.
Addio Sicilia
Leider ging es wieder nach Hause. Während des Fluges hatten wir sehr klare Sicht. Vom Flugzeug aus konnten wir daher sehr eindrucksvolle Bilder schießen.
Vielen Dank an Alle
An dieser Stelle möchte ich mich bei Ihnen für die schönen und erlebnisreichen Tage bedanken.
Mit Ihnen Sizilien zu erleben machte mir viel Spaß. Ich hoffe, dass Sie diese Reise noch lange in Ihren guten Erinnerungen behalten werden.
Vielleicht sehen wir auf einer anderen Reise bei Eberhardt Travel wieder.
Bis dahin alles Gute und viel Gesundheit und natürlich weiterhin viel Reisefreude.
Arrivederci!
Thomas Menzel
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