Wandern an der Amalfiküste und auf Capri
Reisebericht: 18.04. – 25.04.2026
Eine Wanderreise zwischen den Zitronenhainen der Costiera Amalfitana – unter uns das Meer, über uns der Himmel. Was ist blauer?
Ein Reisebericht von
Vivian Kreft
Flug nach Neapel, Ankunft in Minori
Endlich wird es wärmer in Deutschland. Die Kirschblüten brechen auf, die Kerzen der Kastanien recken sich nach oben und werden jeden Tag größer. Deutschland im Blütentraum. War es eine gute Idee, nun nach Italien zu fahren, wo es doch hier so schön ist? Die Antwort geben wir uns einige Stunden später.
Zunächst staunen und freuen wir uns, dass es so glatt läuft am Berliner Flughafen. Beim Sicherheitscheck keine Schlange – die neuen Durchleuchter sind super - am Gate kommen wir gleich durch. Wir starten pünktlich und sind 30 min. früher in Neapel. Dazwischen eine herrliche Sicht auf schneebedeckte Gipfel – wo liegen die wohl – und das Meer. Ein Schlenk über den Golf von Neapel mit herrlicher Aussicht auf Ischia. Und in der Ferne grüßt Capri. Was für eine Begrüßung! Dann Anflug über Neapel.
Die Koffer kommen so schnell, dass wir kaum gucken können. Und die Landschaft ist ganz grün und blitze-blank und es blüht so schön und in kräftigen Farben, dass wir das Blühwunder zu Hause schnell vergessen. Über die Schnellstraße erreichen wir Vietri sul Mare und entlang der Costiera Amalfitana geht es nach Minori. Seit 1997 gehört der Küstenabschnitt zwischen Positano und Vietri sul Mare zum UNESCO-Weltkulturerbe und erstreckt sich auf einer Länge von ca. 40 Kilometer.
Auf der Bühne der atemberaubenden Küste spielt die Zitrone die Hauptrolle. Frühesten Angaben zufolge soll sie bereits 986 angebaut worden sein. Und entwickelte sich zum wirtschaftlich bedeutenden Exportartikel im 16 Jahrhundert. So gibt es Limoni (Zitronen), Limongelli (Pomeranzen), Cedri (Zitronatzitronen) und die Primadonna: Sfusato amalfitano, die man mit Haus und Haar isst. Sie trägt seit 2001 als „Limone Costa d’Amalfi“ das Qualitätssiegel einer geschützten Ursprungsbezeichnung.
Ein 2002 in Minori gegründetes Konsortium, das 275 landwirtschaftliche Betriebe umfasst, kümmert sich um die spezielle Kennzeichnung und Vermarktung der Früchte. Auf 200 Hektar werden jährlich 250 Tonnen Zitronen geerntet. Davon gehen 30% in den Export, 70% in den Handel vor Ort, wovon 20% zu Limoncello verarbeitet wird und 10% gehen in den „mercato del dolce“ und werden zu herrlichen Naschereien wie Kuchen, Gebäck und Bonbons „veredelt.“.
Die goldgelben Früchte, die dreimal im Jahr geerntet werden können, werden mit schwarzen Netzen vor heftigen Regenschauern und zu viel Sonne geschützt, so dass sie ausschauen, als trügen sie Witwenschleier.
Über Brücken, lange Tunnel erreichen wir nach rund 60 Minuten Fahrt Minori. Hier haben wir die Woche über ein sehr hübsches Hotel, mit großzügiger Lobby, mehreren Sitzecken und einem hellen Speisesaal. Koffer ausgepackt, dann geht es runter zum Meer. Die Gruppe hat Dynamik und ganz schnell sind 11 Sessel im Promenadencafé zusammengestellt, so schnell kann die Kellnerin gar nicht gucken. Als wir alle sitzen, schauen wir in den Himmel und hoch oben an der Seite auf Bäume, aus denen die gelben Früchte zu uns herunterleuchten. Der Limoncello Spritz schmeckt intensiv und fruchtig, ganz anders als bei uns. Oben gelb und vor uns leuchtet das Meer in blau. Der Strand ist schon bevölkert und einige Mutige gehen knietief ins Wasser.
Satte Farben, wohin man guckt, ein hübscher gepflegter Ort mit netten Geschäften, italienisches Familienleben am Samstag nachmittag auf der Promenade, ein Schwatz auf der Gasse, Strandbetrieb – wir sind angekommen in Italien und vor uns liegen herrliche Tage.
Wanderung von Ravello über Pontone nach Amalfi
Dieser erste Tag hat schon alles, was ein Urlaubstag an der Amalfitana ausmacht: Kultur, Landschaft, gutes Essen und eine private Bootstour.
Das Frühstücksbuffet lässt keine Wünsche offen. Und gut gestärkt fahren wir mit dem Bus und unserer Wanderführerin Anna Marian nach Ravello. Um 9 Uhr sind wir dort und haben den Ort für uns alleine. Als erstes gehen wir in die Kirche, ist ja Sonntag. Und können uns in aller Ruhe die Schätze anschauen.
Ravello wurde 1086 zum Bischofssitz erhoben, womit der wachsenden Einwohnerzahl ebenso wie dem florierenden Seehandel entsprochen werden sollte. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich ein reiches Bürgertum, das sich prunkvolle Paläste errichten ließ, die teilweise noch heute erhalten sind.
Der Dom hat eine prächtige Ausstattung, überschaubar und wunderschön. Die „Löwenkanzel“ stiftete 1272 der Kaufmann Nicola Rufolo, er gehörte zu einer der reichsten Familien Ravellos. Neun Löwen tragen die mit normannisch-arabisch-byzantinischer Mosaikarbeit verzierte Kanzel von Nicola di Bartolomeo da Foggia. Der war der Baumeister und Steinmetz von Kaiser Friedrich II. und das lässt erkennen, dass auch die Einwohner von Ravello etwas auf sich hielten. Gegenüber steht ein Lesepult, von dem aus die Worte Gottes verkündet werden. Und um das anschaulich zu machen, ist die Geschichte von Jonas und dem Wal abgebildet, indem der Wal Jonas einmal verschlingt und nur noch seine Beine aus dem Fischmaul herausgucken. Auf der gegenüberliegenden Seite wird er wieder ausgespuckt, mit Kopf und Händen voran.
Das Bronzeportal von 1179 ist nicht im Museum, sondern hängt immer noch an seinem Platz in den Angeln und zeigt Motive aus dem Neuen Testament.
In den Cafés um den Domplatz herum sitzen wenige Menschen und genießen wie wir die Ruhe dieses anmutigen Ortes.
Wir laufen zur Villa Cimbrone, vorbei an einem Limoncelloverkauf. Hier erklärt uns Anna Maria, dass das Getränk nicht aus Zitronensaft gewonnen wird, wie man annehmen könnte, sondern aus den Schalen. Die Früchte werden wie eine Kartoffel geschält und dann mit Alkohol und Zucker versetzt. Die Verkostung überzeugt uns, so dass wir schon vor 10 Uhr am Sonntag den ersten Alkohol gekauft haben. Weiter zur Villa Cimbrone. Eine Pergola, von der dicke Dolden der Glyzinie hängen, geleitet uns ans Ende der Allee. Zu beiden Seiten aufblühende Schwertlilien, Petunien. Und dann sind wir da – die Terrasse! Bekannt aus Film („Sissy“) und Fernsehen (Dokumentationen). Jetzt stehen wir tatsächlich selbst hier und keine anderen an der mit Büsten verzierten Brüstung und gucken auf Meer, Himmel, Landschaft und unendliche Weite. So schön! Noch ein Schlenk hier und dort durch den verführerischen Garten. Auch Greta Garbo hat hier eine glückliche Zeit verbracht und durfte länger verweilen als wir, so dass ihrem Aufenthalt eine Plakette gewidmet ist.
An eine weitere Persönlichkeit erinnert die Viale Richard Wagner, durch die wir laufen. Der Komponist besuchte im Mai 1880 von Neapel aus Ravello und fand in den Gärten der Villa Rufolo die Inspiration für Klingsors Zaubergarten im zweiten Akt seiner Oper „Parsifal“. Begeistert notierte er im Gästebuch: „Die Klingsor-Zaubergarten ist gefunden“.
Heute finden in Ravello gut besuchte Sommerkonzerte statt, die an berühmten Komponisten erinnern sollen.
Mit so vielen schönen Eindrücken erfüllt, machen wir uns auf die Wanderung, die uns nach Potone führt, wo wir auf der hübsch gelegenen Piazetta ein kleines Mittagessen einnehmen. Doch bis dahin sind es noch zwei Stunden. Nach dem Sightseeing-Schlendern zieht Anna Maria an und wir, gerade vor zwei Tagen dem Büroalltag entkommen, laufen nach oben, nach unten, Treppen hoch, Treppen runter. Stöcke werden aus den Rucksäcken geholt, nochmal Sonnencreme aufgetragen, noch ein Schluck aus der Wasserflasche. Pausen sind mit Panoramablicken verbunden und willig traben wir weiter. Aus der Entfernung können wir jetzt die spektakuläre Lage von Ravello besser einschätzen mit seinem sanften Ortseingang und seiner jäh abfallenden anderen Seite, die die Terrasse ziert, auf der wir heute morgen standen.
In Potone kommen wir zur Rast. Eine kleine Bar bewirtschaftet die kleine Piazza gegenüber der Kirche. Eine Tafel ist für uns eingedeckt, wir sind 12. Und auf farbigen Tellern liegt hübsch angerichtetes Gemüse, das uns wunderbar mundet. Dazu Limonade aus Zitronensaft, die sehr erfrischt. Danach ist es nicht mehr weit nach Amalfi, der Ort liegt in greifbarer Nähe, doch nur über viele Stufen zu erreichen. Als wir auf der Strecke sind, joggt ein Mann leichtfüßig die Stufen hinab, er scheint fast zu tänzeln. Beneidenswert. Wir setzten Fuß vor Fuß und sind dann auch - ein wenig später - unten.
Unten – in der scheinbar einzigen Straße von Amalfi, in der sich alles drängt. Auffallend viele Menschen halten Zitronen in den Händen, gefüllt mit Eis und verziert mit einem Laubzweig. Das sieht doch recht komisch aus, kommen wir doch gerade aus den Zitronenhainen, in denen wir die Früchte sattgelb in grünem Laub haben hängen sehen. Wir sind ein bisschen verstört. Welche Ruhe haben wir dort oben genossen. Durch dichtes Gedränge finden wir unseren Weg zum Hafen, in Vorfreude auf unser ruhiges Minori.
Ein Boot, das wir ganz für uns alleine haben, bringt uns dorthin – in einer Sightseeing-Tour. Es ist viel schöner, sich die Küste vom Wasser aus anzusehen, denn hinter jeder Kurve warten neue Orte, Villen, Terrassen und ungezähmtes Gelände auf uns, was man von der Straße nicht sieht: den kühnen Verlauf der Küstenstraße, die Villen, Palazzi und Schwalbennester, die an der Küste kleben, einige mit unzähligen Stufen runter zum Meer. Wir halten kurz vor einer Grotte, fahren in eine Bucht mit Strand, der nur vom Wasser aus zu erreichen ist und fahren zurück nach Minori. Dort angekommen, brauchen wir erst einmal Café, Spritz mit Aperol oder Limoncello und überhaupt ein Päuschen ohne viele Eindrücke. Doch es ist Sonntag und die Italiener auf den Beinen. So regelt ein Polizist mit seiner Trillerpfeile lautstark den Verkehr oder maßregelt Verkehrssünder. Freude und Bekannte begegnen sich und halten ein Schwätzchen, Kinder haben auf der Promenade den Spielplatz erobert.
Wanderung auf dem Sentiero degli Dei – dem legendären „Weg der Götter
Der berühmte Sentiero degli Dei – der „Weg der Götter" – zählt zu den eindrucksvollsten Wanderwegen Italiens. Ein historischer Pfad antiken Ursprungs, denn der Legende nach stiegen die griechischen Götter herab, um Odysseus vor den Sirenen zu retten, die auf den Galli-Inseln auf den Held Trojas warteten. Er diente jahrhundertelang als Verbindungsweg zwischen den Bergdörfern wie Bomerano und Nocelle und ist nun einer „der“ Wanderwege.
Daniele führt uns heute durch den Tag. Zunächst geht es mit dem Bus über die Küstenstraße. In endlosen Schleifen schraubt sich der Wagen in die Höhe, unter uns der Küstensaum, das Meer, die Terrassen, Häuser. Dann Weinberge und Natur. Wohnt hier oben noch jemand? Wo mag die Straße enden? Oh ja, und wie hier hoch droben noch Menschen wohnen. Plötzlich sind wir in einer größeren Ortschaft, die einem Bergsteigerdorf gleicht. Denn als wir im Zentrum stehen, sehen wir Sportläden, viele Wanderer und Wanderschilder. Erst einmal vorbereiten, mit Café und Toilettengang, Temperatur prüfen, was behalte ich an, was ziehe ich aus? Und die Stöcke auf Länge bringen. Dann geht es zum Wanderweg. Wir sind nicht alleine und teilen uns die Panoramastrecke mit vielen anderen Wanderfreunden. Von weitem sieht es aus wie auf einer bunten Ameisenstrecke. Doch sind wir die meiste Zeit unter uns. Jede Kurve bietet neue Blicke auf die Umgebung, die Küste, die Ferne. Daniele erklärt uns fachkundig die vielen Pflanzen, die farbenfroh links und rechts des Weges blühen. Es ist wie eine Wanderung in den Alpen mit dem Unterschied, dass wir aufs Mittelmeer schauen.
Selbst in dieser Höhe liegen noch terrassenförmig angelegte Weinberge. Wer kümmert sich um sie und wie häufig muss man nach ihnen schauen? Nebel weht vom Meer über die sattgrüne Landschaft und führt auch den Weinreben regelmäßig Feuchtigkeit zu, um sie bestens gedeihen zu lassen. Der Wein der Gegend Furore hat einen guten Ruf.
Durch Kastanien- und Steineichenwälder führt unser Weg, über Stock und Stein durch eine wilde Felslandschaft hoch über dem Meer.
Drei Stunden später kommen wir zum „Ausgang“ und stärken uns mit einer Limonade, die der nächste Kiosk anbietet. Entlang der Straße laufen wir von Nocelle nach Montepertuso. Wären wir vor 2002 hier unterwegs gewesen, wären wir weiter auf einem Pfad gelaufen, denn die Straße ist noch recht jung. Bis dahin, so erzählt Daniele, sind die Bewohner 1500 Stufen in den nächstgrößeren Ort gelaufen, um ihre Besorgungen zu machen. Hier braucht man definitiv ein anderes Mindset als unseres.
Montepertuso bedeutet "durchlöcherter Berg", denn oberhalb des Ortes weist eine mächtige Felswand ein sehr großes Loch auf. Im Ristorante „Il Ritrovo“ – dem Wiedergefundenen – finden auch wir uns wieder und gönnen unseren strapazierten Gliedern Erholung. Der Bus bringt die eine Hälfte der Gruppe flink nach unten, nach Positano. Die anderen wandern mit Daniele die 1500 Stufen in den Ort. Am Weg findet sich wilder Ruccola, intensiv duftender Fenchel, Baldrian streckt seine kräftig rosafarbenen Blüten aus den Trockenmauern. Ein hängender Rosmarin bedeckt eine Mauer über und über mit seinen zarten Blüten.
Positano ist vom Wasser her eine Ansammlung unzähliger Häuser in Pastellfarben, die ein malerisches Gesamtes ergeben. Das Panorama mit der gelb-grünen Kuppel der Kirche Santa Maria Assunta ist anziehend. Dieser Magnet ist so stark, dass dieser hübsche Ort in der Saison aus den Nähten quillt. Wir sind zur richtigen Zeit da. Es ist angenehm, viele Geschäfte laden zum Schauen und Kaufen ein. Am Strand bieten die Lokale zahlreiche Möglichkeiten, das Treiben auf der Promenade und am Wasser in Ruhe zu betrachten.
Hier haben wir ausreichend Zeit und der eine oder andere Einkauf wird getätigt, wie die Tüten am Handgelenk verraten. Wir nehmen das Fährschiff direkt nach Minori – so denken wir – und werden in Amalfi ausgeladen, umgeladen. Bis dahin jedoch verfolgen wir unseren Wanderweg zurück in der Höhe und erkennen so manches Haus, Kloster, ein landschaftliches Merkmal wieder, anhand dessen wir unseren Wanderweg nachverfolgen können. Wir sind ganz schön was gelaufen.
In Amalfi weiß keiner etwas. „Ich weiß nichts. Ich kann nichts dafür.“ und dazu ein strahlendes Lächeln und die entschuldigende Geste – das ist auch Italien. Geduld, Geduld. Ihr besucht eines der schönsten Länder der Welt und habt es immer nur eilig? Wir stehen und warten, suchen nach verlässlicher Auskunft. Sollen wir den Bus nehmen? Kaum ist die Überlegung gedacht, kommt die Auskunft, das Schiff sei in Anfahrt. Erleichtert steigen wir ein, erleichtert steigen wir aus und sind heilfroh, dass wir ohne Stufen unser schönes Hotel erreichen.
4. Tag - Durch das geheimnisvolle Mühlental zur Perle der Amalfitana
Mit dem Bus fahren wir nach Campidoglio, einem Ortsteil von Scala und steigen an einer Bushaltestelle mit spektakulären Panoramablick auf Ravello aus. Hier sind wir am Sonntag schon vorbeigewandert und kennen uns somit schon ein wenig aus.
Über Stufen – geht gleich schon wieder gut los – gewinnen wir weiter an Höhe. Bald erreichen wir das Hochtal Valle delle Ferriere, das „Eisenhüttental". Auf halber Höhe zeigt sich die Amalfiküste von einer ungewohnten, fast wilden Seite: Steile Felswände ragen über uns empor und – wir sind allein, ganz unter uns. Nicht wie gestern, wo wir den schönen Wanderweg mit zig anderen teilen mussten. Nein, heute haben wir ihn für uns und genießen das in vollen Zügen. Und gehen dann und wann unter in der üppigen Natur, die stellenweise an einen Dschungel erinnert. Diese Region hat ein subtropisches Mikroklima, so dass hier alles prächtig wächst und gedeiht. An einem malerischen Bachlauf machen wir Rast, halten die Füße ins Wasser, fotografieren den weiter oben tosenden Wasserfall. Einige machen sich schon mit der Aufgabe vertraut, den Bach zu überqueren und weisen die anderen an, auf welchen Stein, auf welchem Baumstamm die Füße zu setzen sind, um trocken rüberzukommen. Teambuilding at its best. Alle haben die andere Seite erreicht und nun geht es steil nach oben, über Felsstufen hoch und runter, manchmal auch auf dem Popo. Hände werden gereicht, Stöcke gehalten, Anweisungen gegeben. Keiner geht verloren. Alle erreichen das Ziel: das Dorf Pogerola. Und die Terrasse von „Gerry“, unserem Mittagslokal lockt in Sichtweite.
Wie sitzen wir hier schön, auf der Terrasse mit Blick auf Ravello und Scala, die hehre Landschaft, die wir gerade durchwandert haben, hoch über der Küste und über allen Touristen mit Badelatschten. Es fühlt sich einfach gut an, die Erschöpfung und der Ausblick auf die Schöpfung.
Der kalte Teller und die warme Focaccia schmecken sehr lecker. Wie geht es uns gut. Und so fahren die einen mit dem Bus nach Amalfi und die anderen nehmen den langen Treppenwege hinab nach Amalfi. Der Blick weitet sich in das Tal der Mühlen. Ein Flüsschen speiste in den besten Zeiten 18 Mühlen, ganz oben eine Eisenhütte – die dem Wanderweg den Namen gab – weiter unten Papiermühlen und gar eine Pastamühle. Was für eine reiche Produktion mit einem Energieträger, dem Wasserlauf!
Ein wunderschöner Papeterieladen liegt auf der Strecke „La Scuderia del Duca“. Amalfi war bekannt für seinen Schiffsbau und für die „Carta di Amalfi“, Papier, das aus Lumpen hergestellt wird. Doch was nach Recycling klingt, ist eher ein Upcycling, denn das Papier wurde früher insbesondere für hochwertige Dokumente und Ankündigungen benutzt. „La Scuderia“ war eine frühere Papiermühle und die noch existierende Einrichtung lässt erkennen, wie aus alten Lumpen und Wasser Papierbögen hergestellt worden sind.
Wir treffen unsere „Busfahrer-Gruppe“ vor dem Dom. Amalfi war zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert die bedeutendste Seerepublik Italiens, noch vor Venedig, Genua und Pisa. Sie hatte eine weitreichende Handelsflotte, prägte eigene Münzen und wurde 987 Erzbischofsitz. Der erste Codex über das Seehandelsrecht, das älteste internationale Gesetzbuch der Welt, stammt von hier, die „Tabula de Amalpha“. 977 beschreibt der arabische Geograph Ibn Hauqal, Amalfi sei die „edelste, reichste und opulenteste Stadt Italiens.“
Durch den Handel über das Mittelmeer kam die Stadt zu großem Reichtum und politischer Autonomie. Die Zitrone kommt übrigens aus dem Orient und landete vielleicht auch hier an.
In Amalfi zeugt die arabisch-normannische Basilika Sant' Andrea mit der byzantinischen Fassade von der Hochblüte des Ortes. Die Reliquien vom Apostel Andreas wurden aus Konstantinopel unter nicht legalen Bedingungen „mitgenommen“ und sicherten somit immerhin der Kirche eine immerwährende Bedeutung. Denn 1073 vom Normannen Robert Guiskard erobert, wurde es von der Konkurrenzmacht Pisa 1135 geplündert.
Der Reichtum schlägt sich auch in der Ausstattung des den Ort beherrschenden Doms nieder. Ein letztes Mal Stufen heute – über die majestätische Freitreppe gelangen wir nach oben, lösen ein Ticket und besichtigen den Kreuzgang, den Domschatz, die Krypta mit den Reliquien des Hl. Andreas und den Dom.
Das Schiff fährt uns im warmen Abendlicht nach Minori - eine stimmungsvolle Panoramafahrt entlang der Küste rundet diesen erlebnisreichen Tag perfekt ab. Wir schauen noch einmal zurück auf die terrassenförmig an den Hang gebaute Stadt. Viel Platz bot sie nicht für die Prachtentfaltung einer Seerepublik. Daher wohnten einige Noble im Nachbarort Atrani, die wir auch passieren. Gut gelandet, wird der Tag mit einem Limoncello Spritz beendet.
Durch das geheimnisvolle Mühlental zur Perle der Amalfitana
Mit dem Bus fahren wir nach Campidoglio, einem Ortsteil von Scala und steigen an einer Bushaltestelle mit spektakulären Panoramablick auf Ravello aus. Hier sind wir am Sonntag schon vorbeigewandert und kennen uns somit schon ein wenig aus.
Über Stufen – geht gleich schon wieder gut los – gewinnen wir weiter an Höhe. Bald erreichen wir das Hochtal Valle delle Ferriere, das „Eisenhüttental". Auf halber Höhe zeigt sich die Amalfiküste von einer ungewohnten, fast wilden Seite: Steile Felswände ragen über uns empor und – wir sind allein, ganz unter uns. Nicht wie gestern, wo wir den schönen Wanderweg mit zig anderen teilen mussten. Nein, heute haben wir ihn für uns und genießen das in vollen Zügen. Und gehen dann und wann unter in der üppigen Natur, die stellenweise an einen Dschungel erinnert. Diese Region hat ein subtropisches Mikroklima, so dass hier alles prächtig wächst und gedeiht. An einem malerischen Bachlauf machen wir Rast, halten die Füße ins Wasser, fotografieren den weiter oben tosenden Wasserfall. Einige machen sich schon mit der Aufgabe vertraut, den Bach zu überqueren und weisen die anderen an, auf welchen Stein, auf welchem Baumstamm die Füße zu setzen sind, um trocken rüberzukommen. Teambuilding at its best. Alle haben die andere Seite erreicht und nun geht es steil nach oben, über Felsstufen hoch und runter, manchmal auch auf dem Popo. Hände werden gereicht, Stöcke gehalten, Anweisungen gegeben. Keiner geht verloren. Alle erreichen das Ziel: das Dorf Pogerola. Und die Terrasse von „Gerry“, unserem Mittagslokal lockt in Sichtweite.
Wie sitzen wir hier schön, auf der Terrasse mit Blick auf Ravello und Scala, die hehre Landschaft, die wir gerade durchwandert haben, hoch über der Küste und über allen Touristen mit Badelatschten. Es fühlt sich einfach gut an, die Erschöpfung und der Ausblick auf die Schöpfung.
Der kalte Teller und die warme Focaccia schmecken sehr lecker. Wie geht es uns gut. Und so fahren die einen mit dem Bus nach Amalfi und die anderen nehmen den langen Treppenwege hinab nach Amalfi. Der Blick weitet sich in das Tal der Mühlen. Ein Flüsschen speiste in den besten Zeiten 18 Mühlen, ganz oben eine Eisenhütte – die dem Wanderweg den Namen gab – weiter unten Papiermühlen und gar eine Pastamühle. Was für eine reiche Produktion mit einem Energieträger, dem Wasserlauf!
Ein wunderschöner Papeterieladen liegt auf der Strecke „La Scuderia del Duca“. Amalfi war bekannt für seinen Schiffsbau und für die „Carta di Amalfi“, Papier, das aus Lumpen hergestellt wird. Doch was nach Recycling klingt, ist eher ein Upcycling, denn das Papier wurde früher insbesondere für hochwertige Dokumente und Ankündigungen benutzt. „La Scuderia“ war eine frühere Papiermühle und die noch existierende Einrichtung lässt erkennen, wie aus alten Lumpen und Wasser Papierbögen hergestellt worden sind.
Wir treffen unsere „Busfahrer-Gruppe“ vor dem Dom. Amalfi war zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert die bedeutendste Seerepublik Italiens, noch vor Venedig, Genua und Pisa. Sie hatte eine weitreichende Handelsflotte, prägte eigene Münzen und wurde 987 Erzbischofsitz. Der erste Codex über das Seehandelsrecht, das älteste internationale Gesetzbuch der Welt, stammt von hier, die „Tabula de Amalpha“. 977 beschreibt der arabische Geograph Ibn Hauqal, Amalfi sei die „edelste, reichste und opulenteste Stadt Italiens.“
Durch den Handel über das Mittelmeer kam die Stadt zu großem Reichtum und politischer Autonomie. Die Zitrone kommt übrigens aus dem Orient und landete vielleicht auch hier an.
In Amalfi zeugt die arabisch-normannische Basilika Sant' Andrea mit der byzantinischen Fassade von der Hochblüte des Ortes. Die Reliquien vom Apostel Andreas wurden aus Konstantinopel unter nicht legalen Bedingungen „mitgenommen“ und sicherten somit immerhin der Kirche eine immerwährende Bedeutung. Denn 1073 vom Normannen Robert Guiskard erobert, wurde es von der Konkurrenzmacht Pisa 1135 geplündert.
Der Reichtum schlägt sich auch in der Ausstattung des den Ort beherrschenden Doms nieder. Ein letztes Mal Stufen heute – über die majestätische Freitreppe gelangen wir nach oben, lösen ein Ticket und besichtigen den Kreuzgang, den Domschatz, die Krypta mit den Reliquien des Hl. Andreas und den Dom.
Das Schiff fährt uns im warmen Abendlicht nach Minori - eine stimmungsvolle Panoramafahrt entlang der Küste rundet diesen erlebnisreichen Tag perfekt ab. Wir schauen noch einmal zurück auf die terrassenförmig an den Hang gebaute Stadt. Viel Platz bot sie nicht für die Prachtentfaltung einer Seerepublik. Daher wohnten einige Noble im Nachbarort Atrani, die wir auch passieren. Gut gelandet, wird der Tag mit einem Limoncello Spritz beendet.
Feuer, Wein und Asche – ein Tag am Vesuv und in Pompeji
Heute verlassen wir die reizvollen Wanderwege der Amalfiküste und besteigen einen Vulkan – den Vesuv. 1.281 Meter hoch, ist er nach mehreren Ausbrüchen auf diese Größe geschrumpft. Er hat sich ein Stück weit verausgabt, könnte man sagen. Auf dem Weg z unserem Anfangspunkt ist der Lavastrom des letzten Ausbruchs 1944 deutlich zu sehen. Im Hintergrund liegt Neapel.
Der stetig nach oben führende Weg beginnt an der Südostflanke und läuft in Serpentinen nach oben. Am Kraterrand schaut man in die Tiefe, jedoch nicht bis auf den Grund. Ein paar Rauchwolken entsteigen der Kraterwand, wie wenn ein kleiner Drache übt, gefährlich zu wirken. Auf der anderen Seite, im Osten, liegt Pompeji, ein klein wirkender brauner Bereich in der Ferne. Was mag noch alles unter der Erde liegen?
Das Wetter ist klar, der Golf liegt unter uns: Ganz links beginnt mit Sorrent der schöne Teil der Küste. Capri ist zu erkennen, dann der weiche Bogen des Golfes, an seinen Ufern dicht bebaut, rechts hinter der Ecke die Phlegräischen Felder. Sie sind gerade 20 km vom Vesuv entfernt und werden als Supervulkan eingestuft.
Wir haben die Sicht genossen, uns in die Vulkanologie einweisen lassen und gestaunt, nun geht es zum Mittagessen in die Cantina Fuocomorto, in die Weinwirtschaft „Totes Feuer“ in Ercolano. Hier überzeugen wir uns von dem guten Einfluss, den der mineralhaltige Lavaboden auf die Weinreben hat, die hier an den Hängen des Vesuvs gedeihen.
Wir sitzen draußen, neben uns die Weinreben, und probieren einen Weiß- und Rotwein der Region Lacryma Christi sowie einen Sekt zum süßen Keks. Jetzt würden wir uns gerne unter die Reben legen, doch vielleicht finden wir in Pompeji eine freie Kline für ein Mittagsschläfchen.
Der Franke Gabriel Zuchtriegel ist seit 2021 Generaldirektor des Archäologischen Parks Pompeji. 2025 wurde sein Vertrag um vier weitere Jahre verlängert. Dank der Limitierung auf 20.000 Besucher täglich – was immer noch viel scheint, zuvor waren es jedoch bis zu 36.000 – ist die Besichtigung sehr angenehm. Das Ausgrabungsgelände mit seinen Villen, Tempeln, Märkten, Thermen und Eingangsstraßen gewährt uns Einblicke in das Leben 79 n.Chr. als der Ort von einem Vulkanausbruch verschüttet wurde. 62 n. Chr. gab es bereits ein Erdbeben, das die Stadt erschütterte. Einige verließen die Stadt, die anderen bauten sie wieder auf – und waren bis zum Vulkanausbruch noch nicht an allen Ecken und Enden fertig.
Wir besuchen zunächst das Amphitheater mit 20.000 Sitzplätzen, so dass man davon ausgeht, dass die Stadt ebenso viele Einwohner hatte.
Vom Garten aus betreten wir das großzügige Anwesen der Julia Felix, das sich über zwei Insulae – Wohnblöcke – erstreckt. Das Grundstück umfasst eine kommerzielle Thermenanlage, Mietwohnungen, Speiseräume, Läden, einen großen Obstgarten und ein Privathaus. Durch die Vermietung ihrer Villa etablierte sie sich als Immobilienbesitzerin, Geschäftsfrau und Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in Pompeji. Und wir staunen über den schön angelegten Garten, die Räume, die Fresken.
Der Besuch der Villa der Venus in der Muschel zeigt den Aufbau mit Atrium, Peristyl, Triklinium. Fresken ziehen sich über die Wände, thematisch zur Raumnutzung passend.
Eine ganze Insula ist Ausgrabungsbereich und darüber ist ein Gerüst gespannt, das uns erlaubt, von oben draufzuschauen. Bisher wurde hier ein Fresko mit Ur-Pizza freigelegt, daneben ein Raum mit Getreidemühle und riesigem Backofen, auf der anderen Straßenseite eine große Wäscherei. Wir blicken von oben auf eine Villa mit wunderbaren Wandmalereien. Anhand dieser Möglichkeit, am Ausgrabungsgeschehen Anteil nehmen zu können, können wir ermessen, was es heißt, die Ausgrabung mit unzähligen Gerüsten zu sichern, die Architektur und die Wandmalereien freizulegen und zu konservieren sowie die Vorgänge zu dokumentieren.
Das Haus des Fauns ist mit einer Grundfläche das größte Privathaus der Stadt und nach der bronzenen Statue eines tanzenden Fauns benannt. Die besondere Eleganz des Anwesens ist auch heute noch zu erkennen. Das Mosaik, das Alexander den Großen in einer Schlacht darstellt, ist im Original im Nationalmuseum in Neapel ausgestellt. Schön, dass wir aufgrund der Kopie einen Eindruck vom Luxus der Villa bekommen.
In die Löcher der Theken, die an der Ladenstraße liegen, passten Amphoren mit Suppen und anderem „Streetfood“ für zwischendurch. Die hohen Zebrastreifen brachten einen sicher von einer Seite zur anderen und die Karren mussten schauen, dass die Räder genau in die Lücken passen. Wenn man die Augen schließt, kann man sich das Leben hier gut vorstellen.
Dank der Begeisterung von Anna Maria sehen wir noch das Forum, den Markt, in dessen Mitte in einer überdachte Rotunde Fisch angeboten wurde, die Basilika.
Wir können alles gut sehen, müssen nirgendwo anstehen, um in die Häuser zu kommen, das ist sehr angenehm. Wir sehen sehr viel, doch flugs sind zweieinhalb Stunden vorbei. Und wohlig erschöpft sitzen wir im Bus und fahren zurück nach Minori.
Freizeit oder Ausflug nach Capri – Anacapri, Monte Solaro und Augustusgärten
Alle haben sich für die Wanderung auf Capri entschieden und so fahren wir mit dem Bus nach Amalfi und besteigen hier das Schiff. In der Nacht war es sehr windig und das Meer ist bewegt. Sonne, gleißendes Meer, der Blick findet Ruhe am Horizont. Die Überfahrt ist schon ein Erlebnis. Die ganze Küstenlinie steht klar vor uns.
Große raue Felswände, nur die Wachtürme an markanten Punkten bezeugen frühere Zivilisation. Gefaltetes Gestein, grün überzogen, ganz oben eine Kirche, vereinzelt Häuser – wie kommt man dorthin? Es ist, wie wenn die Landschaft einen Anlauf nimmt, von Piano über Crescendo zu Forte.
An den drei kleinen Galli-Inseln lockten die Sirenen Odysseus mit ihrem Gesang, so die Sage. Ein alter Leuchtturm belegt die Gefährlichkeit dieser Stelle. Die Reste einer antiken Villa sind Zeugnis eines wohlhabenden Menschen, der hier die heißen Sommertage verbracht hat. Die einen möchten gesehen werden, die anderen ihre Ruhe haben. 1929 erwarb der russische Tänzer und Choreograph Léonide Massine die Inseln und errichtete mit Hilfe des Architekten Le Corbusier auf den Ruinen eine neue Residenz. Nach seinem Tod besaß ab 1988 der Ausnahmetänzer Rudolf Nurejew die Galli-Inseln für wenige Jahre bis zu seinem Tod 1993. Heute kann man die Insel mieten und ein exklusives Einsiedlerdasein für ein paar Tage führen.
Um die Sorrentiner Halbinsel herum, nahe Capri, sehen wir den Vesuv, wo wir gestern oben standen, darunter das sich breit lagernde Neapel, weiter links Ischia und Procida.
Dann erreichen wir Marina Grande, den Hafen der Insel. In der Hochsaison besuchen 20.000 Tagestouristen die Insel, 5.000 pendeln täglich für die Arbeit zwischen Festland und Insel. 12.000 Einwohner hat Capri. Viele finden hier keine Wohnung und sind gezwungen, aufs Festland zu ziehen. Die Situation kennen wir von Sylt.
Wir nehmen die bestellten Panini in Empfang. Ein Minibus wartet auf uns, er sieht ein bisschen aus wie eingelaufen. Doch das Matchboxauto passt perfekt durch die schmalen Straßen. Hin und wieder kommt ein anderer kleiner Bus entgegen, am besten an noch engeren Stellen oder in Kurven. Da der Italiener nur die Richtung nach vorne kennt, zurückfahren käme einer Niederlage gleich, schieben sich beide Wagen zentimeterweise nach vorne, während die Insassen den Atem anhalten. Wer dann noch Atem habt, lässt die letzte Luft weichen auf der Straße nach Anacapri, die auch „Mamma Mia“ heißt. Ein herausragendes Straßenkunstwerk. Bis dahin nutzte man die Phönizische Treppe, über 800 recht hohe Stufen, über die täglich Post, Einkäufe, Baumaterial u.a. von unten nach oben gebracht wurden.
In Anacapri beginnt unsere Wanderung auf den Monte Solaro. Zunächst geht es steil bergan, Straße oder Treppe. Dann geht es weiter auf einem Weg wie in den Alpen: Felsenuntergrund, einiges Geröll. Die Ausblicke dürfen wir nicht verpassen, nicht nur auf den Boden gucken. Ausblicke hat, wer mit dem Sessellift nach oben fährt. Auf dem Gipfel haben wir einen atemberaubenden Rundblick über die Insel, die berühmten Faraglioni-Felsen und das endlose Blau des Meeres. In dieser herrlichen Umgebung beißen wir in unser Panino Caprese – wie lecker der Mozzarella mit Tomaten und so gut gewürzt.
Wie sieht es mit dem Rückweg aus? Die einen laufen wieder runter, die anderen nehmen den Sessellift, der ganz ruhig, wie ein fliegender Teppich nach unten fährt. Und auch hier wieder, was für eine Aussicht? Direkt dem Golf von Neapel entgegen.
Jene, die den schnelleren Weg mit dem Lift gewählt haben, haben noch ein bisschen Zeit und so laufen wir zur Villa San Michele, die der schwedische Arzt Axel Munthe hat bauen lassen.
Axel Munthe schreibt in seinem Buch „Das Buch von San Michele“ sehr anschaulich über das einfache Leben in Anacapri und sein Leben. Denn der schwedische Arzt machte sich als Modearzt in Paris einen Namen und behandelte wohlhabende Bürger. Dieser Klientel überdrüssig, reiste er nach Neapel, als dort die Cholera ausbrach, um zu helfen. In Anacapri verwirklichte er seinen Traum: Über Jahre hinweg baute er sein „Eigenheim“, indem er eine offengelassene Kirche zum Ausgangspunkt nahm und sie über eine lange Pergola mit seinem neuen Wohnhaus verband. Das Besondere sind die Spolien, mit denen er seinen Besitz zierte: antike Reste, die überall zu finden waren, sobald man ein wenig grub. Und so dekorieren Säulen, Marmorplatten und Statuen das Anwesen und machen es zu einem Gesamtkunstwerk.
Zum vereinbarten Zeitpunkt besteigen wir wieder unseren zu warm gewaschenen Minibus nach Capri, wo wir zu den Augustusgärten spazieren. Wir laufen am Nobelhotel Quisisana vorbei auf der einzigen Hauptroute des Ortes, die Via Camerelle. Hier buhlen Gucci, Versace, Louis Vuitton, Bulgari und andere Luxuslabels um die Kunden. Kleine Läden mit hohem Umsatz in der Hochsaison. Es scheint sich zu lohnen.
Von den Augustusgärten schauen wir auf die Faraglioni-Felsen und die Häuser, die sich entlang des Hangs schmiegen. Auf der anderen Seite windet sich die Via Krupp hinunter zur Marina Piccola. Wie ein akkurates Band windet sie sich von einer Seite zur anderen, eingezwängt in den Raum, den der Felsen ihr lässt und dabei sieht sie so leicht und elegant aus.
Hier trennen sich unsere Wege, die einen nehmen einen exklusiven Drink, die anderen laufen zum Hotel Punta Tragara gerade uns gegenüber. Ein sehr hübscher Spaziergang im Schatten entlang von Villen bis zu einem Aussichtspunkt oberhalb der Faraglioni-Felsen. Blick hier, Blick dort, dann laufen wir zum Café Manari, eine kleine Anstrengung nach oben. Hier sitzen wir hübsch und erfrischen uns mit Limonade, Eis und Latte Macchiato.
Zur verabredeten Zeit treffen wir uns auf der Piazza Umberto I. Die einen laufen über Treppen nach unten, die anderen nehmen die Standseilbahn – eine sehr schöne kurze Fahrt mit Blick aufs Meer. Wir treffen uns unten am Quai und nehmen das Schiff nach Amalfi. Die Wetterfesten sitzen auf dem Oberdeck und lassen sich vom Wind durchpusten. In Amalfi steigen wir in den schon auf uns wartenden Bus um. Was für ein schöner erlebnisreicher Tag mit bestem Wetter.
Entlang des Zitronenwegs und des Ameisenpfads – geradewegs ins Paradies
Es verspricht wieder ein besonders schöner Tag zu werden. Die Sonne scheint und wir haben ein reizvolles, uns jedoch noch nicht bekanntes Ziel vor Augen. Wir starten direkt vom Hotel und laufen über Treppen – was sonst – nach Maiori, entlang der Terrassen mit prächtigen Ausblicken. Mit uns läuft eine sehr große Schulklasse junger Menschen, die scheinbar behände die Stufen nehmen, doch auf der Strecke meutern, wo wir sie überholen. Ich höre etwas von „passeggiata“ – Spaziergang und schließe daraus, dass das für sie keiner ist. Verständlich, für uns auch nicht.
Dem „Sentiero dei limoni“, dem Weg der Zitronen folgen wir ins Tal der Zitronen. Dann folgen wir dem Ameisenpfad, dem „Sentiero delle Formichelle“. Auf diesem Weg haben die Frauen die schweren Körbe voller Zitronen aus dem Tal an die Küste gebracht, zum Weitervertrieb. Bis zu 80 kg sollen die Körbe schwer gewesen sein, steht auf einer Infotafel – kaum zu glauben. Unsere Rucksäcke sind zum Glück leichter und wir laufen über Fels- und Wurzelstufen, hoch und runter über Waldwege schön im Schatten. Wir gelangen nach Tramonti, einem Städtchen, das aus 13 Ortsteilen besteht. Sein Name bedeutet „zwischen den Bergen" – und genauso malerisch liegt es eingebettet in dieser fruchtbaren Landschaft. Hier gedeihen die größten und aromatischsten Zitronen der gesamten Amalfiküste.
Nach vier Stunden Weg mit Pausen und Treppenstufen – es geht nicht ohne – erreichen wir einen Ort der Gastfreundschaft. Ein wunderschön gedeckter Tisch mit Blick ins Tal, am Holzgeländer rankt ein Jasmin. Die Familie bietet alles auf, was uns in diesen Stunden glücklich macht: Vorspeisenteller, Wurst und Käse, den man mit dem dargereichten Honig probiert, Pizza, auch mit Zitrone, roter Hauswein. Immer kommen neue Platten.
Nach diesem lukullischen Mahl ist die Hängematte der richtige Entspannungsort, die anderen erobern die Loungemöbel. Zum Verkosten gibt es nun Limoncello, einen Kräuter- und einen Fenchellikör. Die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt.
Inzwischen wird unser Nachtisch zubereitet: Zitronensorbet. Ein schmaler Stahltank steht in einem Holzbottich, der mit sehr großen Eisstücken und Salz befüllt wird. Das Salz sorgt dafür, dass das Eis am Stahltank haften und den Inhalt gut kühlt. Der Stahlbehälter wird mit Zitronensaft, Wasser und Zucker befüllt, Deckel drauf und dann heißt es, drehen, drehen, drehen. Das Stahlgefäß wird in den Eisklumpen gedreht, bis seine Konsistenz jene eines Sorbets erreicht hat. Das dauert rund 20 min. und braucht fleißige Hände. Es schmeckt köstlich.
Rechtzeitig bitten wir den Busfahrer, uns ein bisschen später abzuholen. Wir wollen noch nicht weg. Erst noch das eine und andere einkaufen, das wir verkostet haben, auch die wie gemalt wirkenden Zitronen – unsere Tischdeko – kommen mit ins Reisegepäck.
Nach diesem genussvollen Erlebnis bringt uns ein bestellter Bus bequem zurück nach Minori. Die meisten steigen in Maiori aus, wollen noch bummeln, einkaufen, den letzten Tag an diesem malerischen Flecken genießen.
Auf dem Friedhof von Minori – Lebensweisheit im Rückfluggepäck
Ein letztes gemeinsames Frühstück, dann heißt es Abschiednehmen. Die Gruppe, die über München nach Hause fliegt, wird um 9.30 Uhr abgeholt. Wir drei Berliner haben Zeit bis 14.30 Uhr.
Und so folge ich dem Beispiel der anderen und erreiche über Treppenstufen den hochgelegenen Friedhof, der sich in drei Etagen am Hang entlangzieht. Was für eine Sicht. Wo steht jetzt mein Bänkchen, um all das in Ruhe erschauen zu können? Hier sitzt man nicht, hier liegt man. Und das bestätigt auch die kurze Unterhaltung meiner Frau, den Arm voller Blumen, um das Grab zu pflegen. Ich spreche sie an mit dem Hinweis, dass in Deutschland auf dem Friedhof Bänke stünden… Was sie schnell pariert und rät, ich fände in der Kapelle einen Sitzplatz, um mich auszuruhen. – Ich dachte an eine Bank, um die Aussicht zu genießen und der Verstorbenen zu gedenken. – Wir kümmern uns um die Gräber und wir beten. – Ora et labora, denke ich im Stillen bei mir. – Und wenn wir einmal ins Paradies kommen, so wird es kein anderer Tag sein, da wir ja schon im Paradies leben.
Diese kurze Unterhaltung macht mir klar, was wir jeden Tag mit großem Respekt und zugleich Unverständnis betrachtet haben: den Bau der Trockenmauern, die Kultivierung des steilen Geländes, die Bereitschaft, treppauf und treppab zu gehen für die täglichen Besorgungen. Plötzlich fällt mir auch auf, dass ich keinen der Italiener am Handy haben daddeln sehen zum Zeitvertreib. Nicht die Männer am Quai von Amalfi, nicht die Kellner und Barista oder die Ladenbesitzer. Sie müssen sich die Zeit nicht vertreiben, sie leben im Hier und Jetzt. Und wie meine Gesprächspartnerin fühlt sich der eine oder andere schon jetzt dem Paradies nahe und ganz angekommen im Leben.
Auf dem Rückweg sehe ich zwischen der Stufenschlucht den Strand, das Leben liegt vor mir, das Lebensende hinter mir. Und der wunderbare Spruch aus einer Weimerer Kneipe kommt mir in den Sinn „Genieße das Leben beständig, du bist länger tot als lebendig.“ So laufe ich runter an den Strand, setze mich hier auf eine Bank, schaue aufs Wasser, genieße die milde Sonne und freue mich am Hier und Jetzt.
Liebe Gäste,
es waren leichte und heitere Tage mit Euch.
Eure Begeisterungsfähigkeit und Euer Interesse haben die Tage auf leichten Händen getragen. Ihr habt alles mit Freude wahrgenommen, was zu einer richtig guten Gruppenstimmung geführt hat.
Ein großes Danke schön geht an unsere Wanderführerinnen Anna Maria, Daniele und Anna, die uns die Amalfitana, die Landschaft, ihre Geschichte und Traditionen nahegebracht haben. Alle Busfahrer sind an dieser Küste Helden, die uns über diese schmalen Straßen, mit ihren unzähligen Kurven, Brücken und Tunnel, gefahren haben und die uns gezeigt haben, dass eine Straße nie zu eng sein kann.
Ich freue mich sehr, wenn es ein Wiedersehen gibt. Im April 2027 wandern wir auf Sardinien.
Ich wünsche Euch alles Gute und schöne Reiseerinnerungen
Eure Vivian
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