Apulien erleben – Genuss und Kultur zum Jahreswechsel
Reisebericht: 29.12. – 03.01.2026
Diese Reise führt uns zum Jahreswechsel nach Apulien, im Süden Italiens. In den kommenden Tagen stehen regionale Küche, ausgewählte Besichtigungen und Begegnungen mit Land und Leuten im Mittelpunkt.
Ein Reisebericht von
Monika Cortese
Ankunft in Apulien – Alberobello und seine Trulli
Am Flughafen Frankfurt traf sich die Reisegruppe am Abfluggate. Einige Gäste reisten aus Hamburg, Leipzig und Berlin zunächst nach Frankfurt an, bevor es gemeinsam weiter nach Bari ging. Trotz einer leichten Verspätung erreichten wir am frühen Nachmittag Süditalien. Am Flughafen von Bari kamen auch die drei Gäste hinzu, die über München angereist waren, sodass die Reisegruppe nun vollständig war.
Vor Ort begrüßte uns der örtliche Reiseleiter Sascha, ein Deutscher, der in Italien aufgewachsen ist und die Region bestens kennt. Gemeinsam ging es direkt weiter in Richtung Alberobello, um den Nachmittag noch für erste Eindrücke zu nutzen. Bereits auf der Fahrt vermittelte Sascha einen lebendigen Überblick über Apulien. Er beschrieb die Region als die flachste Italiens, in der bereits geringe Erhebungen als „Berge“ gelten – auch unser Hotel liegt mit nur wenigen Metern Höhenunterschied auf einem solchen „Monte“. Anschaulich sprach er zudem über die landwirtschaftliche Prägung Apuliens, unter anderem über den Anbau von Kirschen und Tafeltrauben. So stammen viele der Kirschen, die etwa für bekannte Süßwarenprodukte als „Piemont-Kirschen“ vermarktet werden, tatsächlich aus Apulien.
Bei sonnigem Winterwetter erreichten wir Alberobello, eines der bekanntesten Städtchen Apuliens. Die zahlreichen Trulli mit ihren kegelförmigen Dächern, die seit 1990 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen, verleihen dem Ort ein unverwechselbares Erscheinungsbild. Sascha erläuterte auch, warum sich gerade hier so viele dieser besonderen Steinhäuser auf engem Raum befinden: ein historischer Steuertrick, der bis zum Ende des 18. Jahrhunderts praktiziert wurde.
Nach einer kurzen individuellen Pause folgte ein gemeinsamer Spaziergang durch die Gassen. Mit einsetzender Dämmerung zeigte sich Alberobello von seiner besonders stimmungsvollen Seite: Die weihnachtliche Beleuchtung tauchte den Ort in ein warmes Licht, auch wenn die Temperaturen deutlich winterlich waren.
Am frühen Abend setzten wir die Fahrt fort und erreichten unser Hotel bei Cisternino. Nach dem Bezug der Zimmer klang der erste Reisetag beim gemeinsamen Abendessen im Hotelrestaurant aus. In entspannter Atmosphäre bot sich die Gelegenheit, sich kennenzulernen und auf die kommenden Reisetage einzustimmen.
Kochkurs in der Masseria und Ostuni – die „Weiße Stadt“
Nach dem Frühstück führte uns der Weg zu einer typischen Masseria in der Nähe von Pezze di Greco. Der historische Gutshof vermittelte bereits bei der Ankunft einen authentischen Eindruck vom ländlichen Apulien. Bei einem Rundgang lernten wir das Anwesen näher kennen, darunter einen kleinen Kirchenraum mit alten Fresken, den Innenhof mit Orangenbäumen, den Olivenhain sowie weitere Bereiche des Hofes.
Im Anschluss stand der kulinarische Teil des Vormittags im Mittelpunkt. In entspannter Atmosphäre erhielten wir Einblicke in die traditionelle apulische Küche. Es wurde gezeigt, wie die typischen Orecchiette von Hand geformt werden und unter Anleitung konnten wir selbst ausprobieren, wie viel Übung es braucht, diese Pasta herzustellen. Auch die Herstellung von Mozzarella und Burrata wurde vorgeführt und machte deutlich, wie viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl hinter diesen frischen Produkten steckt. Ergänzend dazu gab es Erklärungen und praktische Einblicke in die Zubereitung klassischer Gerichte wie Braciola und Polpette.
Das anschließende Mittagessen entwickelte sich zu einem besonderen Höhepunkt des Tages. In mehreren Gängen wurden zahlreiche Antipasti serviert, gefolgt von den frisch zubereiteten Orecchiette und Braciola. Zum Abschluss rundeten Mandarinen aus dem eigenen Garten und der traditionelle Panettone das Menü ab. In geselliger Runde und bei gutem Wein nahmen wir uns viel Zeit, die Vielfalt der apulischen Küche zu genießen – ein genussvoller und sehr eindrucksvoller Aufenthalt in der Masseria.
Am Nachmittag ging es weiter nach Ostuni. Die auf Hügeln gelegene Stadt ist aufgrund ihrer weiß getünchten Häuser schon von weitem sichtbar und trägt nicht ohne Grund den Beinamen „Weiße Stadt“. Während eines geführten Rundgangs erkundeten wir die verwinkelten Gassen der Altstadt mit ihren teilweise orientalisch anmutenden Gebäuden. Anschließend blieb Zeit für individuelle Erkundungen, bevor es zurück zum Hotel ging.
Der Abend klang im Hotel aus, allerdings deutlich lebhafter als erwartet. Nach dem gemeinsamen Abendessen wurde es im Nebensaal beim Folkloreabend mit traditioneller apulischer Musik schnell recht laut. Während vor allem die italienischen Gäste begeistert zu den apulischen Volkstänzen mittanzten, schauten wir eher schmunzelnd zu. Später gingen einige an die Bar, und bei einem Absacker habe ich der Gruppe von einem italienischen Silvesterbrauch erzählt: Geschenkte rote Unterwäsche, die man in der Silvesternacht trägt, soll Glück und Liebe im neuen Jahr bringen! Für morgen, unseren Ausflug nach Monopoli, haben wir schon überlegt, ob die Unterwäscheläden geöffnet sind…
Olivenöl, Monopoli und Silvesterfeier
Der letzte Tag des Jahres begann mit einem weiteren kulinarischen Programmpunkt. Am Vormittag fuhren wir nur wenige Minuten zu einer Olivenölmühle ganz in der Nähe unseres Hotels. Bei der Führung erfuhren wir, wie aus den Oliven hochwertiges Öl entsteht – von der Ernte über die Verarbeitung bis hin zur Abfüllung. Dabei lernten wir sowohl die traditionelle Pressung als auch moderne Verfahren mit Zentrifugen kennen. Unser Reiseleiter ergänzte die Erklärungen mit vielen Hintergrundinformationen zur Bedeutung Apuliens für die italienische Olivenölproduktion und zu den zahlreichen hier angebauten Olivensorten. So gibt es in Apulien 60 Millionen Olivenbäume und ⅓ der Olivenölproduktion in Italien stammt aus Apulien. Natürlich durfte auch das Probieren nicht fehlen: Verschiedene Öle wurden verkostet, und im Hofladen nutzten einige die Gelegenheit, ein Stück Apulien für zu Hause mitzunehmen.
Anschließend ging es weiter an die Adriaküste nach Monopoli. Die Hafenstadt empfing uns mit Meeresluft, Sonnenschein und einer lebendigen Atmosphäre. Bewusst war zunächst Zeit zur freien Verfügung eingeplant, solange die Geschäfte noch geöffnet waren. Denn letzte wichtige Besorgungen für die Silvesternacht – wir erinnern uns an den roten Glücksbringer – standen noch an, ganz nach italienischer Tradition. Ansonsten stärkten wir uns bei einem kleinen Mittagssnack. Danach trafen wir uns zu einem gemeinsamen Spaziergang durch die Altstadt. Zwischen kleinen Plätzen, dem alten Hafen und immer wieder neuen Blicken aufs Wasser zeigte sich Monopoli von einer besonders charmanten Seite.
Am Nachmittag kehrten wir ins Hotel zurück. Die freie Zeit nutzten viele zum Ausruhen, Umziehen und Einstimmen auf den Abend. Am Silvesterabend kam die Reisegruppe schließlich wieder zusammen, um das Jahr gemeinsam ausklingen zu lassen.
Bei einem mehrgängigen italienischen Menü, guter Stimmung und musikalischer Begleitung wurde angestoßen, gelacht und ausgiebig getanzt. Die italienischen Gäste zeigten dabei eindrucksvoll, wie selbstverständlich hier Rhythmus und Tanz zum Lebensgefühl gehören. Als einzige deutsche Reisegruppe im Saal hielten wir jedoch bestens mit und machten eine durchaus sehenswerte Figur auf der Tanzfläche. So verabschiedeten wir das alte Jahr und starteten beschwingt ins neue. Nach Mitternacht kam noch einmal typisch italienische Silvesterküche auf den Tisch: Linsen und Cotechino, die man hier traditionell isst, um Glück und Wohlstand im neuen Jahr willkommen zu heißen.
Ein genussvoller Start ins neue Jahr
Der erste Tag des neuen Jahres begann ganz entspannt. Nach der Silvesternacht ließen wir es beim späten Frühstück ruhig angehen. Wer Lust hatte, schloss sich mir anschließend zu einem kleinen Neujahrsspaziergang durch das Waldstück hinter dem Hotel an, mit Blick bis hin zum Meer. Anschließend nutzten wir den Shuttle-Service vom Hotel ins nahegelegene Cisternino. Bei einem Bummel durch den Ort mit seinen liebevoll geschmückten weißen Gassen und Häusern sowie bei einem Cappuccino in einer lokalen Bar ließ sich das neue Jahr ganz gemütlich begrüßen.
Zum Mittagessen traf sich die Gruppe wieder im Hotel zu einem ausgedehnten Neujahrsmittagessen, erneut begleitet von Livemusik und Tanz.
Am Nachmittag stand nahtlos der nächste genussvolle Programmpunkt auf dem Plan: der Besuch eines familiengeführten Weinguts. Nach einer guten halben Stunde Fahrt erreichten wir die Cantina Masseria Torricella, die seit vielen Jahrzehnten für ihre Weine bekannt ist. Bei einer Führung erhielten wir Einblicke in die Arbeit im Weinberg und in den modernen Weinkeller, bevor es zur Verkostung ging. Probiert wurden verschiedene Weine der Region, darunter ein frischer Weißwein, ein Rosé sowie ein klassischer Primitivo. Begleitet wurde die Verkostung von regionalen Spezialitäten, sodass der Übergang vom Mittagessen zur Weinprobe fließender kaum hätte sein können.
Viel Zeit bis zum Abendessen blieb an diesem ersten Tag des neuen Jahres nicht. Rückblickend lässt sich sagen: Es war ein Neujahrstag, der kulinarisch kaum Pausen kannte – ganz im Sinne dieser Reise.
Ausflug ins Salento: Lecce & Otranto
Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg in den Süden Apuliens, ins Salento. Schon während der Fahrt stimmte uns Sascha mit spannenden Erzählungen auf den Tag ein: Er berichtete von der bewegten Geschichte Otrantos im Mittelalter, den Auseinandersetzungen mit dem Osmanischen Reich und deren Auswirkungen auf den Süden Italiens. Auch aktuelle Themen kamen zur Sprache, etwa das Olivenbaumsterben durch ein eingeschlepptes Bakterium. Unterwegs passierten wir zudem Calimera, eine griechischsprachige Enklave, in der bis heute das alte „Grico“ gesprochen wird.
Zunächst erreichten wir Otranto. Beim geführten Rundgang durch die Altstadt stand die Kathedrale Santa Annunziata im Mittelpunkt. Besonders beeindruckend war der monumentale Mosaikboden aus dem 12. Jahrhundert, dessen Bildsprache Sascha anschaulich erklärte, von Motiven aus dem Alexanderroman über mythische Wesen bis hin zu religiösen Symbolen. Nach der Besichtigung der Krypta spazierten wir entlang der Stadtmauer und machten uns bewusst, dass wir uns hier am östlichsten Punkt Italiens befanden. Von hier sind es nur rund 75 Kilometer bis nach Albanien – bei klarer Sicht kann man das gegenüberliegende Ufer erkennen, heute blieb der Blick wegen des trüben Wetters jedoch verwehrt.
Für die Mittagspause entschieden wir uns bewusst für Lecce. Der Bus setzte uns nahe der Porta Napoli ab, von wo aus wir gemeinsam Richtung Domplatz liefen. Anschließend blieb Zeit zur freien Verfügung. Cafés und kleine Restaurants luden zur Mittagspause ein, während Plätze und barocke Fassaden reichlich Gelegenheit zum Schlendern und Staunen boten.
Ein besonderer Genuss wartete kurz vor dem gemeinsamen Rundgang: In einer Pasticceria hatte ich die typischen Pasticciotti leccesi vorbestellt. Frisch aus dem Ofen und noch warm probierten wir dieses klassische, mit Creme gefüllte Gebäck – der perfekte Auftakt für die anschließende Stadtführung.
Beim Rundgang zeigte sich Lecce mit all seiner barocken Pracht. Besonders die Basilika Santa Croce beeindruckte mit ihrer reich verzierten Fassade, sodass wir hier bewusst etwas länger stehen blieben, während Sascha uns die vielen Details und Symbole des lecceser Barocks erklärte.
Am späten Nachmittag traten wir die Rückfahrt nach Cisternino an. Nach einer kurzen Pause im Hotel trafen wir uns am Abend wieder – diesmal ganz entspannt in der Tavernetta zum Pizzaabend. Beim Giropizza, begleitet von vielen leckeren Antipasti, fand dieser eindrucksvolle Tag zwischen Geschichte, Kultur und Kulinarik einen ungezwungenen und genussvollen Abschluss.
Arrivederci!
Nach dem Frühstück hieß es Abschied nehmen vom Hotel in Cisternino. Das Gepäck wurde verladen und Tonio, unser Busfahrer, brachte uns zurück nach Bari. Zwei Gäste setzen ihre Reise individuell fort und wurden unterwegs am Lungomare von Bari zu ihrem Hotel gebracht. So konnten wir zumindest vom Bus aus noch einen Blick auf die Altstadt von Bari mit ihrem schönen Theater werfen.
Für die übrige Gruppe ging es schließlich weiter zum Flughafen. Der Check-in verlief reibungslos, auch wenn es sowohl bei den Flügen nach Frankfurt als auch nach München zu leichten Verspätungen kam.
Damit endete eine abwechslungsreiche Reise durch Apulien – geprägt von eindrucksvollen Orten, vielen gemeinsamen Momenten und genussvollen Begegnungen mit der regionalen Küche.
Diese Reise hat uns in wenigen Tagen die Vielfalt Apuliens nähergebracht: beeindruckende Städte, lebendige Geschichte, herzliche Begegnungen und viele genussvolle Momente. Ob bei gemeinsamen Mahlzeiten, Spaziergängen durch historische Altstädte oder Gesprächen unterwegs – es waren die kleinen Augenblicke, die diese Silvesterreise besonders machten. Ich danke allen Gästen für die schöne Atmosphäre. Mit vielen Erinnerungen im Gepäck wünsche ich euch ein glückliches, gesundes Jahr 2026 und viele weitere unvergessliche Reisen.
Eure Monika
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