Wandern auf der zweitgrößten Inseln Italiens
Reisebericht: 16.04. – 23.04.2026
Trotz einwöchigem Lufthansastreik und herausfordernder Anreise ein Hochgenuss an Planzenvielfalt und wunderschönen Ausblicken
Ein Reisebericht von
Dr. Mathias Schirmer
Irrungen und Wirrungen „Dank“ Lufthansa
Fast täglich trudelten neue Meldungen zum unfassbare fünf Tage langen Streik der Lufthansa ein. Permanent musste bei Eberhardt Travel in Kesseldorf umgeplant werden. Zum Teil entstanden ungewöhnliche Anreisewege, wie z.B. per Bus über Krakau oder mit der Bahn über Bologna. Dank Ryanair und Germanwings konnten alle anreisen, wenn auch mit einigen Stunden Zeitverschiebung. Die siebenköpfige Vorhut, die es als Einzigsten fast pünktlich über Hannover geschafft hatten wurden sehr spät in der Nacht sehr herzlich im Hotel empfangen. Und es gab einen typisch italienischen Mitternachtsimbiß.
Anwandern in kleiner Mannschaft
Da sich ein Teil der Mannschaft noch auf Anreise befand gingen die ersten sechs Gäste auf Erkundung mit Flammetta unserer Wanderführerin.
Mit dem Bus ging es nach Nordwesten Richtung Capo Caccia. Zuvor gibt es einen kurzen Stopp in Fertillia am Coop, Mineralwasser lautet der Vorzugswunsch. Hier machen wir halt und können einen wunderen Ausblick über die Küste und einige ehemaligen Wachtürme (Torro) genießen.
Weiter geht es zum Monte Rudeo. Hier wandern wir durch blumenreiche Wiesen, durch Wälder und ein Stück an der Küste entlang. Auf halber Strecke besteht in einem umgebauten ehemaligen Armeestützpunkt die Möglichkeit zur Rast. Am Bus zurück gekehrt, geht es weiterhin die Stadt Alghero. Alghero ist vom Baustiel katalanisch/gothisch geprägt und eine gut erhaltene Stadtmauer umschließt die vielen kopfsteingepflasterten Gassen und Straßen. Immerhin 42.000 Einwohner leben hier und häufig landen auch Kreuzfahrtschiffe an, so wie auch am heutigen Tag viele US Amerikaner unterwegs sind. Insgesamt leben auf Sardinien ca 1,5 Mill Menschen(67 Einwohner je qkm).
Zurück im Hotel können wir die nächsten Gäste begrüßen und später in der Nacht werden wir komplett sein.
Erste gemeinsame Wanderung an der Vulkanküste bei Bosa
Heute geht es mit dem Bus nach gutem, reichhaltigem Frühstück an die Westküste der Insel. Wir genießen die Panoramafahrt und spähen nach den uns angekündigten Gänsegeier. Alsbald wandern wir entlang Küste und genießen die Ausblicke und die Ruhe. Nur die Vögel zwitschern. Das sanfte Grün wird gelegentlich von dem frisch aufgeblühtem Gelb des Ginsters durchbrochen. Die Gesteinsarten wechseln permanent, das Vulkangestein begleitet uns heute überwiegend. Nach einiger Zeit erreichen wir eine Badebucht, fast ein Geheimtipp. Und fast alle genießen das klare Wasser. Die ungefähr 17 Grad Wassertemperatur schrecken uns nicht ab. Der Weg zum Bus ist dann nicht all zu weit und wir fahren weiter ins kleine am Fluß Temo gelegene Städtchen Bosa. Vor der Stadtführung heißt es Mittagspause und jeder findet ein idyllisches Plätzchen in einer der vielen Restaurants.
Bosa hat nur knapp 8.000 Einwohner und zeichnet sich durch besonders liebevoll geschmückten Häusern und Gassen aus.
Flammetta führt uns durch das Städtchen. Die Altstadt mit ihren engen Straßenschluchten und vielfältigen Häusern wird von der Burgruine des „Castello Malaspina“ aus dem 12. Jahrhundert überragt. Das linke Temo-Ufer säumen alte Gerberhäuser, die zum Teil noch auf neue Nutzung warten. Neben den Gassen, Kirchen und Plätzen der Stadt ist die etwas außerhalb gelegene Kirche „San Pietro extra muros“ von 1073 sehenswert.
Die nächste Rast findet im Weinkeller von Gian Michele Columbu Stadt. Wir verkosten den Malvasiawein. Besonders lecker waren die gereichten Mandelplätzchen.
Auf der Rückfahrt ist es soweit. Wir entdecken einiger der 300 noch auf der Insel lebenden Geierart. Sie erreichen eine beachtliche Spannweite von 2,30 m und können ein Gewicht von 11 kg erreichen.
Zurück im Hotel haben wir noch etwas Zeit die Pools zu erleben.
Höhenwanderung am Monte Limbara
Wie immer starteten wir um 9:00 Uhr. Unser heutiges Ziel liegt im Nordwesten der Insel, die Region Gallura. Bei diese NordOst Region Sardegna handelt es sich um den zuerst erschlossenen Teil der Insel, bekannt geworden auch durch die Weißweinsorte Vermentino di Gallura. Nach einer etwas längeren Fahrt erreichten wir das Bergrasthaus La Baita Limbara. Zwischendurch können wir die Ausblicke in die Umgebung genießen. Hier starte wir unsere Rundwanderung über ca 8 km und ca 250 Höhenmetern, mit herrlichen Ausblicken. Besonders beeindruckend ist der Baumbestand mit Kork-, Stein- und Flaumeichen.
Nach ungefähr 2,5 Stunden erreichen wir wieder das Gasthaus, wo uns eine lange, schön eingedeckte Tafel erwartet. Wir können die regionale Küche in all seinen Facetten genießen, auch den schon erwähnten Weißwein. Auf dem Heimweg erreichen wir nach 30 Minuten den kleinen Ort Tempio, dem Bischofssitz von Tempio-Ampuria.
Nach vielen Eindrücken erreichen wieder das Hotel.
Strandwanderung mit Badepause
Wir genießen das reichliche Frühstück und starten kurz nach 9:00 Uhr. Der Auastieg befindet sich in der Nähe des Örtchens Isola Rossa am Golf von Asinara. Wir wandern immer parallel zum Strand. Die Küste Sardiniens ist sehr vielfältig. Lange Gesteinsformationen werden von kleinem Badebuchten und längeren Sandstränden unterbrochen. Sardinien wird oft als die „Karibik Europas“ bezeichnet, da die Insel mit kristallklarem, türkisblauem Wasser und feinsten Sandstränden auf über 1.800 km Küstenlänge beeindruckt. Der Sandstrand Cala Golorite schaffte es 2025 sogar in die Top 25 der schönsten Strände der Welt. Das besonders klare Wasser rund um sardiniens Küste resultiert aus der reichlichen Sauerstoffproduktion des Seegrases.
Nach der inzwischen schon obligatorischen Badepause geht es weiter mit Salvarore ins Örtchen Castelsardo. Wie der Name schon verrät, thront über dem Ort eine Burg aus dem 12.Jh., welche jedoch weitgehend als Museum und zu Wohnzwecken genutzt wird. Wir wählen die bequeme Variante und nutzen den Shuttlebus hinauf. Traumhafte Ausblicke erwarten uns. Der Ort Castesardo gilt als eines der faszinierendsten mittelalterlichen Dörfer und gehört zur Vereinigung der „Borghi più belli d’Italia“ (Schönste Orte Italiens). Das Städtchen selbst thront auf einem markanten Trachytfelsen direkt am Golf von Asinara und ist besonders für seine gut erhaltene Festungsanlage und seine jahrhundertealte Handwerkstradition bekannt.
Auf der Rückfahrt kommen wir am Roccia dell’Elefanten vorbei. Ein wenige Kilometer außerhalb des Ortes gelegener Fels in Form eines Elefanten, der durch Wind-Erosion geformt wurde.
Nurage und Weinprobe
Natürlich starten wir auch heute wieder gegen 9 Uhr. Es geht nicht weit, den ersten Ausstieg erreichen wir nach wenigen Minuten. Wir besichtigen eine Nurage. Ungefähr 7.000 rätselhafte Steintürme gibt es auf Sardinien. Die Nuraghe Palmavera bei Alghero ist eine der bedeutendsten archäologischen Stätten Sardiniens. Sie ist besonders für ihren exzellenten Erhaltungszustand besichtigungswert und stammt vermutlich aus dem 12.Jh. Ursprünglich sollen hier einst fast 200 Rundhütten gestanden haben.
Weiter gehts zu unserer Kapwanderung. Wir starten in der Nähe des Lagos Baratz. Neben Enten, Lybellen kreuzt auch eine Schildkröte unseren Weg. Da man in der Vorsaison noch am Herrichten der Strandkioske ist, fahren wir zurück nach Fertilia, dem Ort, an dem sich auch unser Hotel befindet. Nach kurzer Mittagspause geht es weiter zum Weingut Leda‘d‘Ittri, eine sehr gepflegte Anlage mit einigen gelungen eingerichteten Zimmern und Pool.
Wir verkosten vier hochwertige Weine und Olivenöl. Auch der obligatorische Imbiss bestehend aus Käse und Salami mundet sehr.
Den Tag runden wir mit einem gemeinsamen Getränk in einer der vielen Bars von Fertilia ab und schmieden bereits Pläne für die nächste gemeinsame Wanderreise.
Panoramawanderung und Einkehr beim Hirten
Unsere Fahrt führt uns ins Dörfchen Bessude. Während des Rundganges durch den Ort könne wir die vielfältigsten, sehr gelungen Wandmalereien bewundern. Wir wandern einen Höhenweg entlang und es bieten sich vielfältige Blicke in Schluchten und auf Tafelberge. Heute ist es reichlich warm und obwohl kaum Höhenmeter zu überwinden sind, kommen wir gut ins schwitzen. Wir erreichen den Ort Bonnanaro (Ort mit knapp 1.000 Einwohnern sind keine Seltenheit) und erreichen dort auch unseren Bus. Unser Ziel ist ein Besonderes. Mitten im Wald ist für uns eine Tafel hergerichtet. Wir werden von einer Hirtenfamilie bewirtet. Auf Sardinien sollen übrigens mehr Schafe (fast 2 Mio) als Menschen leben. Das Essen ist sehr reichlich und geschmacklich hervorragend. Begleitend spielt der Hausherr auf einem Schifferklavier für uns auf. Dazu wird neben Wein auch typisch sardischer Schnaps gereicht. So sind wir auf der Heimfahrt zum Hotel besonders ausgelassen und singen die von Flametta eingespielten Italoklassiker lauthals mit.
Verlängerungstag und Heimreise
Infolge der uneinheitlichen Anreise bekommt ein Großteil der Gruppe einen Verlängerungstag. Zuvor jedoch gilt es Abschied zu nehmen von drei Gästen, die schon heute den Heimflug antreten.
Der Rest der Gruppe geht noch auf einen Ausflug zum Aussichtspunkt am Torro del Boll, wo einige schon am ersten Tag waren. Zuvor unternehmen wir noch eine kurze Küstenwanderung mit Start am Spiaggia Torre del Porticciolo. In einer abgelegen Bucht müssen wir zur Kenntnis nehmen, was so alles an Müll an Land gespült wird.
Nach kurzem Stopp im Hotel zum Schuhetausch bringt uns Salvadore, unser sehr umsichtiger Busfahrer, nach Alghero, was für die meisten der Gäste neue Eindrücke vermittelt.
Die späte Abreise des nächsten Tages erlaubt es uns noch etwas die Hotelumgebung bzw. den Pool zu genießen. Der Rest ist schnell erzählt, denn die Heimreise erfolgt reibungslos. Bei bestem Flugwetter können wir die Alpen glasklar erleben und fliegen direkt am Comer See und dem Bodensee entlang.
Der Monat April ist für eine Sardinienreise vermutlich der beste Monat, sofern man mit der Wassertemperatur von 17 Grad im Meer zurecht kommt. Man kann die Blütenpracht und die noch nicht so heiße Sonne wohl am Besten genießen. Wir werden die Woche in sehr Erinnerung behalten. Die chaotische Anreise hat das Inselerlebnis in keinster Weise getrübt.
Resümee: Die Gruppe freut sich bereits heute auf die nächste Wanderreise im Frühjahr 2027.
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