Traumreise Japan
Reisebericht: 28.03. – 11.04.2026
Japan bewegt. Zwei Wochen lang erkundeten wir die faszinierenden Gegensätze dieses Inselreichs, das niemals stillzustehen scheint. Lesen Sie hier, was wir erlebt haben:
Ein Reisebericht von
Sabine Letzybyll
Sonntag, 29.03.2026: Flug von Frankfurt nach Tokio
Es ist so weit: Unsere Reise nach Japan beginnt. Wir treffen uns am Flughafen Frankfurt, die Stimmung in unserer Gruppe ist eine Mischung aus freudiger Erwartung und der typischen Reiseunruhe vor einem Langstreckenflug. Koffer werden aufgegeben, Bordkarten kontrolliert. Die Vorfreude auf das, was uns morgen nach der Landung erwartet, fliegt als unsichtbarer Begleiter mit.
Montag, 30.03.2026: Tokio – Skytree, Abendessen, Abendspaziergang
Nach der Landung erwartet uns die erste positive Überraschung: Dank der vorab digital ausgefüllten Einreisegenehmigungen über Visit Japan Web verläuft die Pass- und Zollkontrolle zügig und vollkommen unkompliziert. Ein großer Vorteil, der uns unnötiges Warten erspart und den Start sehr entspannt macht. Am Flughafen treffen wir auch Birgit, unsere örtliche Reiseleiterin, von der wir viel über Japan erfahren werden.
Unser Weg führt uns direkt zu einem der modernen Wahrzeichen der Stadt: dem Tokyo Skytree. Wir fahren hinauf auf die Aussichtsplattformen des höchsten Fernsehturms der Welt. Der Blick über das endlose Häusermeer von Tokio bei Tageslicht ist einfach fantastisch. Nun fahren wir zu unserem Hotel, dem La Vista Tokyo Bay. Nach dem Check-in und einer kurzen Ruhepause nutzen zum ersten Mal die berühmte Tokioter U-Bahn, um zu unserem Restaurant zu gelangen. Das Abendessen wird zu einer kulinarischen Entdeckungsreise. Wir genießen fangfrisches Sashimi, kunstvolles Chirashi-Sushi, Yakitori-Spieße und das am Tisch zubereitete Fleisch. Es ist ein geselliger Abend, an dem wir die ersten Eindrücke austauschen. Doch der Tag ist noch nicht zu Ende: Nach dem Essen steigen wir in die Yurikamome, die computergesteuerte, führerlose Hochbahn. Die Fahrt über die Rainbow Bridge nach Odaiba ist beeindruckend – die Skyline von Tokio ist spektakulär beleuchtet. In Odaiba angekommen, spazieren wir vorbei an der japanischen Freiheitsstatue und staunen über den riesigen Gundam-Roboter, der vor der Kulisse der nächtlichen Bucht fast futuristisch wirkt. Ein toller Abschluss unseres ersten Tages in Japan.
Dienstag, 31.03.2026: Tokio – Stadtrundfahrt, Meiji–Schrein, Ginzha, Azakuza, Onsen
Nach einem japanischen Frühstück starten wir den Tag mit einer umfassenden Stadtrundfahrt. Unser Weg führt uns zunächst zum Meiji-Schrein, einer der bedeutendsten Shinto-Stätten des Landes. Inmitten eines riesigen, künstlich angelegten Waldes gelegen, bietet dieser Ort eine wohltuende Ruhe zum geschäftigen Treiben der Stadt. Bevor wir das heilige Gelände betreten, machen wir uns mit den Traditionen vertraut: Wir halten kurz inne und verbeugen uns respektvoll unter dem großen Torii, dem hölzernen Eingangstor, das die Grenze zwischen der profanen und der heiligen Welt markiert. Kurz vor dem eigentlichen Schrein vollziehen wir die rituelle Reinigung am Brunnen, dem Temizuya. Mit einer Schöpfkelle aus Holz waschen wir uns nacheinander die linke und die rechte Hand und spülen uns symbolisch den Mund aus. Diese Zeremonie dient dazu, sich von alltäglichen Verunreinigungen zu befreien, um den Gottheiten rein gegenüberzutreten. Der Schrein selbst ist dem Andenken an Kaiser Meiji und seine Gemahlin gewidmet. Seine Regierungszeit, von 1868 bis 1912, markiert den Wendepunkt Japans von einem abgeschotteten Feudalstaat hin zu einer modernen Weltmacht. Wir erfahren, dass der Schrein nicht nur ein religiöser Ort ist, sondern auch ein Symbol für die nationale Identität und die Verbindung zwischen dem Kaiserhaus und dem Volk.
Während wir unsere Fahrt fortsetzen, zeigt sich Tokio von seiner nassen Seite: Ein kräftiger japanischer Frühlingsregen setzt ein. Vom Bus aus erleben wir ein besonderes Spektakel: die berühmte Shibuya-Kreuzung. Trotz des Regens wälzen sich Menschenmassen über die Straße, sobald die Ampeln auf Grün springen. Es ist ein faszinierendes Bild – ein fast endloses Meer aus meist durchsichtigen Regenschirmen, das sich diszipliniert und lautlos in alle Richtungen bewegt. Anschließend erreichen wir Ginza, das wohl exklusivste Einkaufsviertel der Stadt. Hier bewundern wir die Architektur der Luxuskaufhäuser und die perfekt dekorierten Schaufenster, die im Regengrau besonders hell leuchten. Als wir in Asakusa ankommen, regnet es mittlerweile wie verrückt. Doch das hält uns nicht auf. Wir schreiten durch das berühmte Kaminarimon, dem Donnertor mit seiner riesigen roten Laterne. Diese wird flankiert von den furchteinflößenden Statuen der Wind- und Donnergötter und wir betreten nun den heiligen Bezirk des Senso-ji. Dieser Tempel ist nicht nur der älteste der Stadt, sondern auch ein Ort tiefer Legenden: Wir erfahren, dass er bereits im 7. Jahrhundert gegründet wurde, nachdem Fischer eine goldene Statue der Göttin Kannon im nahegelegenen Fluss fanden. Trotz des prasselnden Regens spazieren wir über die Nakamise-Dori zur Haupthalle, immer darauf bedacht, im Menschengewimmel die Gruppe nicht zu verlieren. Ein besonderes Erlebnis ist der große Weihrauchkessel vor dem Tempel. Wir beobachten, wie sich die Gläubigen den heiligen Rauch zufächeln, der Körper und Geist reinigen und heilen soll. Einige von uns fordern ihr Schicksal heraus und ziehen ein Omikuji – ein traditionelles Glückslos. Man schüttelt eine Metalldose, bis ein nummeriertes Stäbchen herausfällt, welches einem dann die entsprechende Weissagung zuweist. Von „Großem Glück“ bis „Pech“ ist alles dabei. Wer ein weniger gutes Los zieht, knotet es kurzerhand an ein bereitstehendes Metallgestell, um das Unheil symbolisch am Tempel zurückzulassen. Nach der Besichtigung genießen wir trotz des Wetters etwas Freizeit. Die kleinen Gassen rund um den Tempel bieten unzählige Möglichkeiten: Manche nutzen die Zeit für einen wärmenden Tee, andere erstehen Souvenirs wie handgefertigte Fächer oder kosten die frisch gebackenen Senbei (Reiscracker). Diese individuelle Zeit erlaubt es jedem, Asakusa in seinem eigenen Tempo zu entdecken, bevor wir uns wieder sammeln. Nach diesem ereignisreichen und ziemlich feuchten Tag kehren wir in unser Hotel zurück. Doch bevor wir den Abend ganz beenden, nutzen einige von uns die ideale Lage unseres Quartiers: Direkt gegenüber vom Hotel befindet sich das neu gestaltete Viertel Koto-Toyosu. In den traditionell gestalteten Gassen, die an das historische Tokio erinnern, kehren wir zum Abendessen ein. Es ist eine gemütliche Atmosphäre, die einen wunderbaren Kontrast zum modernen Hotelbau bildet. Zum Abschluss des Tages wartet das hoteleigene Onsen. Im heißen Thermalwasser aufzuwärmen ist ein wahrer Segen und lässt uns die Anstrengungen des Tages sofort vergessen.
Mittwoch, 1. April 2026: Ausflug nach Nikko
Heute führt uns unser Weg nach Nikko, das uns mit einem wolkenverhangenen Himmel und kräftigem Regen empfängt. Doch gerade das Wetter verleiht diesem Ort eine ganz eigene, fast mystische Atmosphäre. Wenn der Nebel zwischen den riesigen, uralten Zedern hängt und der Regen auf die aufwendig verzierten Dächer trommelt, wirkt die gesamte Anlage wie aus einer anderen Zeit. Am Eingang zum Toshogu Schrein fallen uns sofort die imposanten Wächterfiguren am Nio-mon Tor auf. Es sind zwei dieser gewaltigen Nio-Statuen, die jeweils in einer Nische links und rechts des Durchgangs stehen. Die Figuren sind in einem kräftigen Zinnoberrot gehalten, was im Kontrast zu dem dunklen Holz des Tores und dem grauen Regenwetter besonders leuchtend hervorsticht. Diese Wächter sind muskulöse Gestalten mit wildem Gesichtsausdruck. Einer der beiden hat den Mund geöffnet, während der andere ihn fest geschlossen hält. Das ist kein Zufall: Der offene Mund steht für den Laut Ah und der geschlossene für Un. Zusammen symbolisieren sie den Anfang und das Ende. Ihre drohende Haltung und die erhobenen Hände signalisieren jedem Besucher, dass alles Böse draußen bleiben muss. Durch die feuchte Luft und den Regen wirkten die kräftigen Farben und die glänzenden Augen der Figuren heute besonders lebendig und furchteinflößend. Nachdem wir das erste Tor mit den zwei roten Nio-Wächtern passiert haben, erreichen wir das prachtvolle Yomeimon-Tor, das auch als Tor des Sonnenuntergangs bekannt ist. Hier treffen wir auf zwei weitere beeindruckende Wächterfiguren, die in den Nischen des Tores sitzen.
Auf der einen Seite befindet sich eine weiße Wächterfigur und auf der anderen Seite eine grüne. Diese Figuren sind als Zuishin bekannt und stellen bewaffnete kaiserliche Leibwächter aus der Heian-Zeit dar. Sie tragen traditionelle Gewänder, halten Pfeil und Bogen in den Händen und tragen Schwerter an ihrer Seite. Wir spazieren weiter durch die prachtvolle Anlage, die für ihren extremen Reichtum an Gold und Schnitzereien bekannt ist. Ein besonderes Highlight ist die Nemuri-neko, die berühmte schlafende Katze. Diese kleine, aber meisterhaft geschnitzte Figur schläft friedlich zwischen Pfingstrosen. Man sagt, dass ihre Ruhe ein Symbol für den Frieden im Japan der damaligen Zeit ist. Der Regen verstärkt die Farben des roten Lacks und des glänzenden Blattgolds, was im Kontrast zum dunklen Wald besonders eindrucksvoll aussieht. Am Nachmittag fahren wir weiter hinauf in die Bergwelt von Nikko. Wir erreichen den Chuzenji See, der auf über 1200 Metern Höhe liegt. Bei einem Fotostopp lassen wir die weite Wasserfläche auf uns wirken, die heute durch den Regen und die Wolken besonders dramatisch und stimmungsvoll erscheint. Ganz in der Nähe besuchen wir die Kegon Wasserfälle. Es ist beeindruckend zu sehen, wie das Wasser fast einhundert Meter tief in die Schlucht stürzt. Die Gischt vermischt sich mit dem Regen, und das Tosen des Wassers ist weithin zu hören. Nach diesem ereignisreichen Tag im nassen und kühlen Hochland machen wir uns an die Rückreise nach Tokio, wo wir uns auf die Wärme des Hotels und auf ein Bad im Onsen freuen.
Donnerstag, 02.04.2026: Kamakura mit großem Buddha, Hasedera–Tempel, Fuji–Blick, Bootsfahrt, Ryokan
Nach dem beeindruckenden Frühstück mit den Pancakes und dem Fischbuffet verlassen wir Tokio und machen uns auf den Weg Richtung Süden. Unser erster Halt ist Kamakura. Am Eingang zum heiligen Bezirk empfängt uns ein beeindruckendes Ninotorii. Wir spazieren durch eine wunderschöne Kirschblütenallee, in der die Bäume in voller Pracht stehen. Der Regen begleitet uns auch heute, was die Farben der rosa Blüten und des grünen Mooses noch intensiver leuchten lässt. Wir besuchen den Hase-dera Tempel, der für seine weitläufigen Gärten bekannt ist. Ein besonders berührender Ort ist der dortige Kinderfriedhof mit den vielen kleinen Jizo-Statuen, die zum Schutz der Seelen aufgestellt wurden. In der Daikoku-do Halle bewundern wir die Schnitzereien und Statuen, bevor wir zum großen sitzenden Buddha, dem Daibutsu, weiterfahren. Trotz des Regens ist der Anblick der riesigen Bronzestatue unter den blühenden Kirschbäumen ein unvergessliches Motiv. Nach dem Besuch des Hase-dera Tempels erreichen wir den Kotoku-in Tempel, in dessen Zentrum der Daibutsu steht, der Große Buddha von Kamakura. Es handelt sich um eine gewaltige Bronzestatue des Amida Buddha, die bereits im 13. Jahrhundert gegossen wurde. Mit einer Höhe von über elf Metern thront er majestätisch unter freiem Himmel. Der Anblick ist heute besonders spektakulär, da der sitzende Buddha von voll blühenden Kirschbäumen eingerahmt wird. Die zarten rosa Blüten bilden einen wunderschönen Kontrast zur dunklen, grünlichen Patina der Bronze. Trotz des anhaltenden Regens strahlt die Statue eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit aus. Wir erfahren, dass der Buddha früher in einer riesigen Halle stand, die jedoch vor Jahrhunderten durch einen Tsunami zerstört wurde, weshalb er heute unter freiem Himmel besichtigt werden kann. In den Gassen von Kamakura machen wir eine kuriose Entdeckung: Eine Sherlock Holmes Figur steht dort neben einer klassischen roten Telefonzelle und einem originalen London Taxi. Direkt daneben finden wir eine kleine Manufaktur. Wir schauen zu, wie dort frische Matcha Kekse mit schwarzer Sesampaste gebacken werden. Sie sind noch warm und schmecken einfach köstlich. Danach führt uns die Reise weiter in den Hakone Nationalpark. Wir gehen an Bord eines prachtvoll verzierten Piratenboots und überqueren den Lake Ashinoko. Während der Fahrt haben wir Glück: Trotz der Wolken erhaschen wir einen Blick auf den majestätischen Fuji-san. Vom Wasser aus sehen wir auch das berühmte rote Torii, das direkt im See steht und ein Wahrzeichen der Region ist. Am Abend erreichen wir unser neues Quartier, das Onyado Megumi. Nach diesem langen Tag im Regen freuen wir uns darauf, die traditionelle Gastfreundschaft und das heiße Wasser des Onsens zu genießen. Bevor wir uns im Onsen aufwärmen können, erwartet uns ein kulinarischer Höhepunkt: das Kaiseki-Menü. Diese traditionelle Form der japanischen gehobenen Küche ist weit mehr als nur eine Mahlzeit; es ist eine Kunstform, bei der die Saisonalität und die regionale Herkunft der Zutaten im Mittelpunkt stehen.
Wir nehmen in unseren leichten Yukatas Platz und lassen uns von der Abfolge vieler kleiner, kunstvoll angerichteter Gänge verzaubern. Jeder Teller und jede Schale ist individuell auf die Speise abgestimmt. Wir beginnen mit einem feinen Pflaumenwein als Aperitif. Die Auswahl an Vorspeisen ist ein Fest für die Augen: Wir probieren Rapsblüten mit Muscheln, ein Gemüse-Mille-feuille und Garnelen im Wasservogel-Stil. Besonders passend zum Frühling sind die dreifarbigen Dango-Klößchen und die Lachsrolle. Beim Sashimi-Gang genießen wir kurz angebratene Makrele, Meerbrasse und Tintenfisch mit Shiso-Blatt. Ein ungewöhnlicher Zwischengang sind die gekühlten Pflaumen-Somen-Nudeln, die sehr erfrischend wirken. Es folgen sanft geschmorte Gerichte wie Hähnchen in einer Shinoda-Rolle mit Daikon-Rettich und Weizengluten in Form von Pflaumenblüten. Das absolute Highlight ist das Hida-Rind, das wir in dünnen Scheiben direkt am Tisch auf einem kleinen Grill selbst zubereiten. Dazu gibt es frittierte Köstlichkeiten wie Kisu-Fisch, Spargel und Fischkuchen mit Aosa-Algen. Abgerundet wird das Menü durch eine klare Suppe mit Jakobsmuschel-Klößchen und aromatischen Bambussprossen-Reis mit eingelegtem Gemüse. Zum Nachtisch gibt es saisonale Früchte mit Schokoladen-Schlagsahne.
Freitag, 03.04.2026: Owakudani–Tal mit schwarzen Eiern, Fahrt nach Nagano
Unser Morgen beginnt im Ryokan mit einem Frühstück, das uns tief in die japanische Esskultur eintauchen lässt. Anstatt eines Buffets erwartet uns ein sorgfältig zusammengestelltes Set direkt am Tisch. Im Zentrum steht ein im Ganzen gegrillter Fisch, eine Spezialität der Region, der durch sein rauchiges Aroma besticht. Dazu werden zahlreiche kleine Beilagen gereicht: Eine Schale mit frisch gedämpftem, weißem Reis darf natürlich nicht fehlen. Wir entdecken verschiedene Pickles (Tsukemono), einen frischen Salat mit feinem Dressing und cremigen Tofu, der mit Gurkenscheiben und Radieschen garniert ist. Besonders appetitlich wirken die kleinen Schälchen mit Gewürzen, Frühlingszwiebeln und Wasabi, mit denen man seine Speisen individuell verfeinern kann. Auch eine klassische Miso-Suppe in einer lackierten Schale und ein kleiner Joghurt mit Mandarine als süßer Abschluss gehören dazu. Es ist ein ruhiges Frühstück, das uns Kraft für die bevorstehende Weiterreise gibt. Nach dem Frühstück verlassen wir das Hotel und fahren hinauf in das Owakudani-Tal. Schon bei der Ankunft steigen uns die Schwefeldämpfe der aktiven Vulkanzone in die Nase. Ein absolutes Muss hier oben ist das Probieren der Kuro-tamago, der berühmten schwarzen Eier. Diese werden in den natürlichen heißen Quellen gekocht, wodurch ihre Schale durch eine chemische Reaktion mit dem Eisen und Schwefel tiefschwarz wird. Man sagt, dass jedes gegessene Ei das Leben um sieben Jahre verlängert – eine Legende, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Birgit spendiert für jeden ein schwarzes Ei. Nach dieser Stärkung bleibt noch etwas Zeit zum Shoppen in dem großen Souvenirgeschäft, bevor wir unsere Reise fortsetzen. Unser nächster Halt ist der Heiwa Peace Park. Wir werden dort von einer wunderschönen Kirschblüte empfangen, die den Park in ein zartes Rosa taucht. Besonders beeindruckend ist die große weiße Stupa, die weithin sichtbar ist. Ein Kuriosum des Parks sind die vielen verschiedenen Steinlöwen, die als Geschenke aus aller Welt hier aufgestellt wurden und die Vielfalt der Kulturen repräsentieren. Auf der anschließenden Busfahrt haben wir unglaubliches Glück: Der Himmel reißt auf und bietet uns einen fantastischen Blick auf den Fuji-san. Wir besuchen das alte Fuji World Heritage Center, wo wir noch tiefer in die Bedeutung dieses heiligen Berges eintauchen können. Auch von hier aus genießen wir einen super Ausblick auf den perfekt geformten Kegel des Vulkans, der heute ein ideales Fotomotiv abgibt. Danach steht uns eine längere Busfahrt bevor, die uns in den Norden nach Nagano führt. Wir beziehen unser Quartier im Hotel Metropolitan Nagano. Die Lage ist unschlagbar, da es einen direkten Zugang zu einem großen Einkaufszentrum und zum Bahnhof bietet, was für alle sehr praktisch ist. Der Abend steht zur freien Verfügung. Einige Gäste besuchen gemeinsam das Restaurant Nagano Meijitei. Dort genießen wir eine lokale Spezialität: Das Schnitzel ist riesengroß, fantastisch knusprig und mit der berühmten, würzigen Katsudon-Sauce verfeinert. Es schmeckt einfach hervorragend und ist der perfekte, herzhafte Abschluss für diesen ereignisreichen Tag.
Sonnabend, 04.04.2026 Besuch des Affenparks, Burg Matsumoto, Hida Abendessen
Unser Tag beginnt mit einem ganz besonderen Naturerlebnis. Um zu den berühmten Schneeaffen zu gelangen, unternehmen wir zunächst eine entspannte Wanderung. Der Weg führt uns etwa 30 Minuten lang durch einen verwunschenen Wald mit hohen Nadelbäumen. Die frische Waldluft und die Ruhe der Natur stimmen uns perfekt auf das ein, was uns am Ende des Pfades erwartet: der Jigokudani Monkey Park.
Es ist ein absolut faszinierender Anblick, die Makaken in ihrer natürlichen Umgebung so nah zu erleben. Die Affen sitzen entspannt am und im dampfenden Wasser der heißen Quellen, um sich aufzuwärmen. Es ist unglaublich friedlich, ihnen zuzusehen: Einige schließen sichtlich genießend die Augen, während andere sich gegenseitig hingebungsvoll lausen und das Fell pflegen. Besonders die Jungtiere sorgen für Begeisterung – sie spielen ausgelassen miteinander und wir haben sogar das Glück, einen kleinen Affen zu beobachten, der mutig unter Wasser taucht. Nach dem Vormittag bei den Schneeaffen erreichen wir die Burg Matsumoto. Sie wird wegen ihrer schwarzen Holzfassade auch die Krähenburg genannt und ist eine der wenigen erhaltenen Originalburgen Japans. Da heute viel los ist, reihen wir uns in den stetigen Besucherstrom ein. Das Innere der Burg ist ein echtes Abenteuer: Wir kraxeln regelrecht die extrem steilen und schmalen Holztreppen hinauf, die teilweise eine Steigung von bis zu 61 Grad haben. Es ist eine Herausforderung, sich den Weg durch das historische Gebälk bis in die 5. Etage zu bahnen, während es um uns herum sehr voll ist. Doch die Mühe lohnt sich. Wir bestaunen die massiven Holzpfeiler und die ausgeklügelten Verteidigungsanlagen wie die Schießscharten und die Öffnungen zum Abwerfen von Steinen. Von oben bietet sich uns ein fantastischer Ausblick auf die Stadt und die umliegenden Berge der japanischen Alpen, bevor wir den vorsichtigen Abstieg antreten. Zum Abschluss des Tages kehren wir in ein spezialisiertes Restaurant im Stadtteil Hanaokamachi ein. Das markante Schild mit der Aufschrift „Hida-gyu“ verspricht uns das berühmte Rindfleisch der Region. Das Konzept des Hauses ist das „Itto-gai“ – man verwertet hier das ganze Tier, um eine Vielfalt an Schnitten anzubieten. Immer vier Gäste teilen sich einen Grill am Platz und ein riesengroßes Tablett mit viel Fleisch. Während wir das Fleisch selbst garen, werden uns zahlreiche Beilagen gereicht. Es gibt eine große Schale mit frischem, knackigem Salat und Mais sowie verschiedene Schälchen mit typisch japanischen Vorspeisen und Pickles. Zum Würzen stehen Wasabi, Knoblauchpaste und frische Zitronenscheiben bereit. Den Abschluss bildet ein leichtes Dessert aus saftigen Mandarinen.
Sonntag, 05.04.2026 Miyagawa Morgenmarkt, Ogimachi Dorf,
Wir starten entspannt in den Tag mit einem Besuch des Miyagawa Morgenmarktes. Entlang des Flusses schlendern wir an den Ständen vorbei, bewundern das lokale Kunsthandwerk und probieren die eine oder andere kleine Köstlichkeit. Danach führt uns unser Spaziergang durch die historische Altstadt. An der berühmten roten Nakabashi-Brücke halten wir inne: Die Kombination aus der leuchtend roten Brücke und den zartrosa Kirschblüten am Ufer ist ein absolutes Postkartenmotiv. Auf unserem Weg durch die Gassen entdecken wir hinter großen Toren die prachtvollen Festwagen (Yatai) in ihren Garagen, die für das berühmte Takayama-Festival genutzt werden. Ein kultureller Höhepunkt ist der Besuch des Takayama Jinya in Hachikemmachi. Dieses ehemalige Amtshaus der Shogune beeindruckt uns mit seinen weitläufigen Tatami-Räumen und der funktionalen, schlichten Architektur der Edo-Zeit. Gegen Mittag verlassen wir Takayama und fahren in das Bergdorf Ogimachi in Shirakawa-go. Schon der Weg ins Dorf ist spektakulär, als wir die lange Hängebrücke über den Fluss überqueren. Das UNESCO-Weltkulturerbe mit seinen strohgedeckten Gassho-Zukuri-Häusern wirkt wie aus einer anderen Zeit. Wir besichtigen das historische Kanda-Haus von innen. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Menschen unter den riesigen Dächern lebten und arbeiteten – besonders der Blick in die oberen Stockwerke, wo früher Seidenraupen gezüchtet wurden, ist beeindruckend. Den Abend lassen wir in der lebendigen Atmosphäre des Dekonaru Yokocho ausklingen. Diese schmalen Gassen sind ein Paradies für kulinarische Entdeckungen und bietet genau das Japan, das man aus Filmen kennt: kleine, gemütliche Stände, herzliche Gastgeber und eine bunte Mischung an Gästen. An den urigen Holztischen, die über und über mit Grüßen früherer Besucher verziert sind, genießen wir eine Auswahl an japanischen Klassikern, wie Curry-Udon: Eine dampfende Schüssel mit dicken Nudeln in einer würzigen Currybrühe, garniert mit einem Eigelb für die Extra-Cremigkeit oder Mentaiko-Pasta (Udon-Style): Eine cremige Nudelvariante mit würzigem Fischrogen und frischem Shiso-Blatt und Chicken Nanban: Knusprig frittiertes Hähnchen, großzügig getoppt mit einer cremigen Tatarensauce und frischem Salat. Dazu ein frisch gezapftes Kirin Ichiban aus dem Glas – so schmeckt das echte Japan! Es ist ein herrlich ungezwungener Abend, an dem wir das pulsierende Nachtleben von Takayama in vollen Zügen genießen.
Montag, 06.04.2026 Mit dem Shinkansen Richtung Hiroshima, Burg des weißen Reihers
Unser letzter Morgen in Takayama beginnt kulinarisch noch einmal mit einem echten Highlight der Region. Beim Frühstück erwartet uns eine Spezialität, die typisch für die Hida-Berge ist: Tofu-Steak. Der Tofu wird auf einer heißen Platte goldbraun gebraten und mit einer würzigen Sauce sowie tanzenden Bonito-Flocken serviert. Es ist die perfekte, proteinreiche Stärkung für unseren heutigen Reisetag. Neben diesem warmen Gericht genießen wir die gewohnt vielfältige Auswahl des japanischen Frühstücksbuffets. Nach dem herzhaften Frühstück organisieren wir zuerst den Gepäckversand. Wir geben unsere Koffer im Hotel ab, damit sie direkt zu unserem nächsten Ziel transportiert werden, und reisen nur mit leichtem Handgepäck weiter. Das gibt uns die nötige Freiheit für unseren heutigen Zwischenstopp.
Mit dem Shinkansen geht es in rasanter Fahrt Richtung Süden nach Himeji. Dort erwartet uns die Burg Himeji, die aufgrund ihrer strahlend weißen Fassade und der eleganten Form auch Burg des weißen Reihers genannt wird. Es ist ein magischer Anblick, wie sich die weiße Festung vor dem blauen Himmel abhebt, während die Kirschblüten auf dem Gelände in voller Pracht stehen. Wir nehmen uns Zeit, die Anlage zu erkunden und die filigrane Holzarchitektur zu bewundern, die seit Jahrhunderten nahezu unverändert geblieben ist.
Himeji ist eine der wenigen Burgen Japans, die nie durch Krieg, Brände oder Erdbeben zerstört wurden. Sogar den Zweiten Weltkrieg überstand sie wie durch ein Wunder: Eine Brandbombe schlug direkt im Hauptturm ein, explodierte aber glücklicherweise nicht. Deshalb ist sie heute die besterhaltene Burg des Landes und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das Gelände ist ein riesiges Labyrinth. Die Wege zum Hauptturm sind bewusst verwinkelt und führen oft in Sackgassen, um Angreifer zu verwirren und in den engen Gassen unter Beschuss nehmen zu können. Überall an den Mauern findet man Schießscharten in verschiedenen Formen: Kreise, Dreiecke und Quadrate für Bogenschützen und Musketiere. Obwohl die Burg von außen fünf Stockwerke hat, verbirgt sie im Inneren tatsächlich sechs Etagen und ein Kellergeschoss. Die riesigen Stützpfeiler aus massiven Baumstämmen, die durch das ganze Gebäude führen, sind technische Meisterwerke der damaligen Zeit. Auf dem Gelände befindet sich der Okiku-Brunnen. Einer Sage nach wurde dort die Dienerin Okiku hingerichtet, nachdem sie fälschlicherweise beschuldigt worden war, einen wertvollen Teller ihres Herrn verloren zu haben. Man sagt, ihr Geist zähle nachts im Brunnen immer wieder die Teller bis neun und beginne dann verzweifelt zu weinen. Am Nachmittag setzen wir unsere Reise mit dem Shinkansen fort und erreichen schließlich Hiroshima. Wir checken im Hotel Hilton Hiroshima ein und machen uns kurz darauf zu einem ersten Erkundungsgang auf. Der Abend gestaltet sich für unsere Gruppe von zehn Personen als eine echte Herausforderung. Wir spazieren durch die belebten Straßen auf der Suche nach einem Restaurant. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Stadt vertikal gebaut ist: In fast jedem Gebäude stapeln sich Restaurants und Bars über viele Stockwerke hinweg. Doch die gemütlichen Lokale sind oft so klein, dass wir mit 10 Personen nirgends spontan einen Platz finden. Es ist ein lebhaftes Auf und Ab, bei dem wir die nächtliche Atmosphäre Hiroshimas aufsaugen, während wir uns von Haus zu Haus vortasten. Schließlich werden wir im Hannou Hanryou Hiroshima-han fündig, einem Restaurant, das sich auf regionale Spezialitäten vom Land und aus dem Meer konzentriert. Der Name bedeutet übersetzt „Halber Ackerbauer, Halber Fischer – Hiroshima-Lehen“. Es ist ein wahres Abenteuer: Wir werden ins Untergeschoss geführt, wo wir traditionell auf Tatami-Matten Platz nehmen. Bei köstlichen, lokalen Gerichten und in dieser besonderen, urigen Atmosphäre lassen wir den ereignisreichen Tag Revue passieren und genießen die authentisch japanische Gastlichkeit.
Dienstag, 07.04.2026 Miyajima, Friedenspark und Okonomiyaki
Der heutige Tag beginnt mit einer flotten Fahrt: Wir nehmen das Schnellboot direkt nach Miyajima. Gemütlich im Inneren des Bootes sitzend, genießen wir den Blick auf die vorbeiziehende Küstenlandschaft und die kleinen Inseln, während wir zügig auf die heilige Insel übersetzen. Den Vormittag verbringen wir auf Miyajima, einer Insel, die zu den drei schönsten Landschaften Japans zählt. Miyajima gilt seit jeher als heilige Insel des Shintoismus. Früher war es gewöhnlichen Menschen untersagt, die Insel zu betreten. Um den heiligen Boden nicht zu verunreinigen, wurde der Itsukushima-Schrein, der heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, so konstruiert, dass er auf Stelzen im Wasser steht. So konnten Besucher den Schrein mit dem Boot erreichen, ohne den Boden der Insel direkt zu berühren. Das berühmte rote Torii ist eines der bekanntesten Fotomotive Japans. Es steht ohne tiefes Fundament im Meeresboden und wird allein durch sein massives Eigengewicht (ca. 60 Tonnen) und geschickte Holzbauweise an Ort und Stelle gehalten. Unterwegs begegnen uns zahme Rehe, die im Shintoismus als heilige Boten der Götter gelten. Am Nachmittag kehren wir zum Festland zurück und spazieren durch den Peace Memorial Park (Friedenspark). Es ist ein bewegender Ort der Erinnerung und Mahnung. Inmitten der nachdenklichen Atmosphäre setzen die blühenden Kirschblüten entlang der Flussufer einen zarten Akzent der Hoffnung und Erneuerung. Ein besonderer Moment für die Gruppe ist es, als wir die Friedensglocke schlagen – der tiefe, langanhaltende Klang ist ein Symbol für den Wunsch nach weltweitem Frieden und hallt noch lange in uns nach. Zum Abendessen wartet ein kulinarisches Muss in Hiroshima auf uns: Okonomiyaki. Wir fahren in den Stadtteil Matsubaracho und besuchen das Restaurant Sozo. Dieses moderne Lokal ist bekannt für seine kreative Interpretation des Hiroshima-Style Okonomiyaki. Hier werden die Zutaten wie Nudeln, Kohl, Ei und Fleisch kunstvoll in Schichten übereinander gestapelt und direkt auf einer heißen Eisenplatte vor unseren Augen zubereitet. Die herzhaften, dampfenden Fladen, frisch vom Grill serviert, sind der perfekte, genussvolle Abschluss für diesen ereignisreichen Tag.
Mittwoch, 8. April 2026 – Von der Geschichte Hiroshimas zum Zauber Kyotos
Den Vormittag widmen wir dem Friedensmuseum in Hiroshima. Die Ausstellung ist tief beeindruckend und führt uns die tragische Geschichte der Stadt sowie die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft eindringlich vor Augen. Es ist ein stiller, nachdenklicher Vormittag, der uns alle sehr berührt.
Gegen Mittag verabschieden wir uns von Hiroshima und steigen in den Shinkansen, der uns in gewohnter Geschwindigkeit und Präzision nach Kyoto bringt. Bei der Ankunft am Bahnhof von Kyoto nutzen wir eines der sogenannten Ausländer-Taxis. Diese speziellen Taxis werden von besonders freundlichen, oft mehrsprachigen Fahrern gesteuert, die auf internationale Gäste spezialisiert sind – ein sehr entspannter Transfer zu unserem Hotel. Dort angekommen, wartet eine gute Nachricht auf uns: Unser Hauptgepäck, das wir in Takayama losgeschickt haben, ist bereits unversehrt eingetroffen. Nach dem Check-in nutzen wir die Zeit für einen ersten Spaziergang am nahegelegenen Fluss Kamo. Die Uferwege sind gesäumt von unzähligen Kirschblütenbäumen, die gerade ihre volle Pracht entfalten. Das weiche Licht des Nachmittags und die fallenden Blütenblätter sorgen für eine fast märchenhafte Atmosphäre. Das Abendessen findet heute in Eigenregie statt. Kyoto bietet eine unglaubliche Auswahl, und viele von uns zieht es zum Beispiel zum Sushino Musashi. Dieses beliebte Kaiten-Sushi-Restaurant am Bahnhof ist bekannt für seine frische Auswahl und das lebhafte Ambiente, bei dem die kleinen Teller auf dem Förderband an den Gästen vorbeiziehen – ein perfekter, unkomplizierter kulinarischer Ausklang für unseren ersten Abend in der alten Kaiserstadt.
Donnerstag, 9. April 2026 – Zen–Garten, Goldener Pavillon und Tempelillumination
Unser Tag in Kyoto beginnt mit der vollkommenen Ruhe des Ryoanji-Tempels. Der berühmte Zen-Steingarten mit seinen 15 sorgsam platzierten Steinen inmitten von geharktem weißem Kies lädt uns zum Innehalten und Nachdenken ein. Es ist faszinierend zu versuchen, alle Steine gleichzeitig zu erblicken – was laut Legende nur demjenigen gelingt, der die Erleuchtung erlangt hat.
Nur einen kurzen Spaziergang entfernt erwartet uns ein glänzender Kontrast: Der Kinkaku-ji, der Goldene Pavillon. Die oberen Stockwerke sind komplett mit Blattgold überzogen und spiegeln sich im davorliegenden See. Ein Anblick, der trotz der vielen Besucher jedes Mal aufs Neue den Atem raubt.
Anschließend tauchen wir tiefer in die japanische Kultur ein und besuchen das traditionsreiche Haus Fukujuen. Bei einer feierlichen Teezeremonie lernen wir die Kunst der Zubereitung von Matcha kennen. Die anschließende Verkostung überzeugt uns so sehr, dass viele von uns die Gelegenheit nutzen, hochwertigen Tee als Andenken für zu Hause zu kaufen.
Ein besonderes Naturerlebnis erwartet uns am Okazaki-Tempel. Die Anlage liegt in einem wahren Blütenmeer aus Kirschblüten. Während wir die friedliche Atmosphäre genießen, haben wir großes Glück mit Tierbeobachtungen: Wir können einen Reiher in aller Ruhe beobachten und entdecken sogar einen leuchtend blauen Eisvogel – ein seltener und magischer Moment für unsere Gruppe.
Nach einer kurzen Pause brechen wir zu einem Abendspaziergang auf. Unser Ziel ist der Yasaka-Schrein, der im Herzen von Gion liegt. Schon beim Betreten des Geländes empfängt uns eine wunderbare, fast volksfestartige Stimmung. Direkt hinter dem Eingangsbereich, mitten auf dem Tempelgelände, sind zahlreiche Imbiss-Stände aufgebaut. Es duftet nach gegrillten Spezialitäten, und wir lassen uns von der lebhaften Atmosphäre mitreißen, während wir zwischen den Ständen umherschlendern.
Doch was uns am Yasaka-Schrein selbst erwartet, übertrifft alle Erwartungen. Es ist ein monumentales Lichtkunst-Spektakel. Die Haupttore und die traditionellen Gebäude des Schreins dienen als Leinwand für ein faszinierendes Projection Mapping. Wir sind völlig gebannt, wie sich die Architektur durch die Projektionen ständig verwandelt. Einmal scheint das Holz in Flammen zu stehen, dann wieder tanzen abstrakte Muster in tiefem Blau und Grün über die Wände. Silhouetten von Besuchern, teilweise in traditionellen Kimonos, bewegen sich durch das Spiel aus Licht und Schatten. Es ist eine magische Verbindung von uralter Tradition und modernster Technik, die wir so schnell nicht vergessen werden.
Den krönenden Abschluss bildet der Rückweg durch den Bambuswald. Auch hier sind die hoch aufragenden Halme am Abend kunstvoll beleuchtet, was dem Ort eine ganz andere, mystische Aura verleiht als am Tag.
Freitag, 10. April 2026 – Tausend Torii, Regenwetter und Nara
Der Tag beginnt mit einer eigentlich tollen Idee: dem Besuch des Fushimi Inari-Schreins, bekannt für seine schier endlosen Alleen aus tausenden orange-roten Torii-Toren. Doch die Realität holt uns schnell ein. Es ist unnormal voll – hunderte Menschen drängen sich durch die Pfade. Dazu öffnet der Himmel seine Schleusen und es regnet wie aus Kannen. Das dichte Gedränge unter den Regenschirmen macht das Vorankommen zu einer echten Herausforderung, und die mystische Stimmung der Tore geht im Trubel fast ein wenig unter.
Wir lassen das Gewusel hinter uns und fahren weiter nach Nara. Im berühmten Nara-Park werden wir sofort von den tierischen Bewohnern begrüßt. Die Hirsche hier sind alles andere als scheu und knabbern neugierig an allem herum, was sie finden können – Taschen, Karten und Jacken sind vor ihren sanften, aber hartnäckigen Mäulern nicht sicher.
Unser Weg führt uns zum Todai-ji Tempel, einem der größten Holzgebäude der Welt. Im Inneren erwartet uns der Daibutsu, der große Buddha. Die beeindruckende Größe dieser Bronzestatue ist überwältigend. Ein Stück weiter beobachten wir amüsiert ein besonderes Spektakel: In einem der gewaltigen hölzernen Stützpfeiler befindet sich ein Loch, das genau so groß ist wie das Nasenloch des Buddhas. Es heißt, wer dort hindurchpasst, erlangt im nächsten Leben die Erleuchtung. Wir schauen zu, wie sich einige mutige Besucher durch die enge Öffnung winden. Anschließend spazieren wir weiter zum Nigatsu-do, einem Teil des Tempelkomplexes, der erhöht am Hang liegt. Dort wird eine der riesigen Fackeln ausgestellt, die beim berühmten Shuni-e Festival zum Einsatz kommen. Eindrucksvolle Bilder berichten vom Mizutori-Ritual, der heiligen Wasserschöpfzeremonie, die hier seit über 1200 Jahren jedes Jahr im März stattfindet. Den Abend krönen wir mit einem festlichen Abschiedsessen, das keine Wünsche offen lässt. In einem urigen Restaurant teilen wir uns ein klassisches Nabemono (Hot Pot). In der Mitte des Tisches köchelt in einem gusseisernen Topf eine herzhafte Brühe mit Huhn, Tofu, Enoki-Pilzen und Lauch. Flankiert wird der Eintopf von einer Vielfalt an Köstlichkeiten: knuspriges Tempura, fangfrisches Sashimi, feines Tamagoyaki-Omelett und kleine Schälchen mit farbenfroh eingelegtem Gemüse. Später geben wir Udon-Nudeln in die kräftige Brühe, um auch den letzten Rest des Geschmacks zu genießen. Bei Tee und in geselliger Runde lassen wir die unzähligen Eindrücke unserer Japan-Reise Revue passieren – ein würdiger und herzlicher Abschluss für dieses große Abenteuer.
Sonnabend, 11.04.2026: Abschied von Japan
Heute heißt es endgültig „Sayonara“. Nach einem letzten japanischen Frühstück in Kyoto verstauen wir unser Gepäck im Bus und fahren zum Flughafen nach Osaka. Am Flughafen angekommen, verabschieden wir uns von unserem Busfahrer, Birgit bringt uns noch bis zur Sicherheitskontrolle. Bordkarten und Gepäckanhänger ziehen wir aus dem Automaten und geben die Koffer dann ebenfalls in Selbstbedienung auf. An einer Stelle stockt es, es gibt wohl Überbuchungen, aber alles kann geklärt werden und jeder darf mit nach Hause fliegen. Vierzehn Stunden sind nicht gerade wenig, aber irgendwann sind auch diese vorbei und wir landen in München. Hier verstreut sich unsere Gruppe in alle Winde, einige haben Anschlussflüge, andere fahren mit der Bahn weiter. Nun heißt es Koffer auspacken, Wäsche waschen, Fotos sortieren.
Liebe Reisefreunde, es war mir ein Vergnügen, mit Euch Japan zu erobern. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Erinnern an unsere vielen gemeinsamen Erlebnisse und hoffe, der Reisebericht wird euch dabei unterstützen. Bleibt gesund und reisefreudig.
Herzliche Grüße
Eure Reisebegleiterin Sabine Letzybyll
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