4 Jahreszeiten in 3 Wochen
Reisebericht: 21.02. – 15.03.2026
München, Winter 3 Grad, Schnee
Frankfurt, Frühling, 10 Grad.
Singapur, Sommer, 31 Grad, Sonne
Neuseeland, Herbst, 22 Grad
Ein Reisebericht von
Michael Rass
Weit ist der Weg
Für einen Bayern fängt der Tag gut an, wenn er ins Auto einsteigt, das Radio anmacht und gleich auf dem Heimatsender das Musikstück „Weit ist die Welt“ erklingt.
Wie passend und die gute Stimmung verkürzte doch gleich die Fahrtzeit nach Frankfurt zum Flughafen und der strömende Regen auf der Fahrt dorthin konnte auch nicht abschrecken.
Frankfurt ist doch eine Drehscheibe für die weite Welt und die weite Welt wartete buchstäblich auf 6 Reisende vor der Kofferabgabe und für 7 Reiselustige hinter der Kofferabgabe, hieß, sie waren bereits angekommen und im Transitbereich.
Eine freundliche Begrüßung, ein kurzes Kennenlernen und weg mit dem unnötigen Gepäck.
Möglichst schnell durch den Sicherheitscheck und dann war die erste Hürde geschafft. Die restlichen Gäste traf man am Gate und man wartete geduldig auf das Boarding.
Pünktlich um 21.45 Uhr verließ unsere Boeing 777 den deutschen Boden und flog gen Osten, der Sonne entgegen.
Lauer Wind von Singapur
…. Wo der Flieger nach 10 Stunden Flugzeit + 8 Stunden Zeitverschiebung = ...?…..
(kleine Prüfungsaufgabe 2027 für Oberschüler), den Sommer mit 31 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit in Singapur erreichte.
Achim stand schon bereit, der Bus ebenfalls und während der Fahrt zum Hotel Grand Park City machte er uns auf verschiedene Dinge in Singapur aufmerksam, auf die man achten sollte, bzw, unterlassen sollte.
Zum Beispiel, dass die Taxis unterschiedliche Preise haben, abhängig vom Verkehrsaufkommen. Angebot regelt die Nachfrage und den Preis. Mathematiker könnten da bestimmt eine Grundformel erstellen und berechnen, wann es am günstigsten wäre zu fahren. Die unbekannte Variable in dem Beispiel ist allerdings die Zeit. Und die hat man meistens nicht, bzw man hat die zeitliche Vorgabe wann man wo sein sollte.
In unserem Fall, die Wassershow bei der Marina Sands Bay. Im Anschluss wäre die Lichtershow der Supertrees im Garden by the Bay. Diese ließen wir ausfallen. Hätte sich nicht gelohnt, da wir uns mitten im chinesischen Neujahrsfest befanden und die Show deshalb nur 5 Minuten gedauert hatte.
Das beste Alternativprogramm ist Level 33 in unmittelbarer Nähe. Der Besuch dort hob doch gleich die Stimmung, die Aussicht einzigartig, das leuchtende Singapur unter uns, die Lichtershow der Supertrees sah man von oben und man konnte in aller Ruhe dabei noch eine Kleinigkeit essen.
Danach noch einen kleinen Spaziergang durch die Stadt zu den Garküchen im Laupasat, wo man unbedingt die Mutton- oder Hühnerspieße über offenem Feuer gegrillt probieren sollte.
Die Eindrücke der Atmosphäre einer lebendigen Stadt wurden auf dem Fußmarsch zurück zum Hotel noch einmal vertieft.
Wintermelonensuppe
Der Vormittag stand zur freien Verfügung
Ein Ausflug zum Garden by the Bay ist die beste Unternehmung .
Natürlich wieder mit dem Taxi, ist gelenkschonender und verursacht keine Hektik.
Man sollte nur rechtzeitig losfahren um genügend Zeit zu haben. Bei rechtzeitigem Losfahren kommt doch gleich die Vermutung wieder auf, Angebot und Nachfrage = Preis. Ja, man konnte es schon deutlich feststellen, besonders wenn man dann mit dem Taxi auch wieder zurückfährt. Aber keine Angst, so teuer ist Taxifahren in Singapur nicht.
Da wir eine der Ersten waren, die eingelassen wurden, gab es genügend Zeit, beide Hallen anzuschauen.
Der Flowerdome hatte als Thema: Gärten der Welt, wo alle möglichen Pflanzen aus der ganzen Welt zu finden waren.
Der Rainforrest hatte diesmal Jurassic Park als Thema. Ganz spektakulär gemacht, mit Musik, Figuren, die sich bewegten und die entsprechenden Laute von sich gaben, lebendige Aufzuchtstation und Theatervorführung. Fazit dieser Ausstellung: Gänsehautfeeling
Um 13.00 Uhr war es dann soweit. Achim und der Bus standen zur Stadtrundfahrt bereit.
Das Wetter, wenn man´s bloß richtig vorhersagen könnte. 3 Wetterapps, 5 Möglichkeiten.
Also erster Stopp Marina Bay Sands Tower, bevor er wegen schlechten Wetters schließt, denn es drohte Regen und Wind.
Und genauso war es auch.
Als wir den Meerlöwen, das Wahrzeichen Singapurs, eine halbe Stunde nach unserem Besuch auf dem Tower wieder verließen, sahen wir keine Menschen mehr über den Dächern von Singapur. Da hatten wir wieder die richtige Entscheidung getroffen, bzw unser Achim hat sie getroffen.
Vor dem Meerlöwen machten die Protagonisten und Influencer die tollsten Verrenkungen für ihre Fotos. Denn es heißt, wenn das Wasser, das der Löwe aus seinem Mund ausspeit in den Mund des Menschen fließt und nicht mehr herauskommt, soll Glück und Reichtum in ihn hineinfließen und dort bleiben.
Im Orchideengarten, der Teil des botanischen Gartens ist, kamen als nächstes unsere Blumenliebhaber bei einem Rundgang voll auf ihre Kosten.
Irgendetwas hat Olaf Scholz, unser ehemaliger Kanzler, in der Weltpolitik total verkehrt gemacht. Jetzt ist keine Orchidee mehr nach ihm benannt und auch das Bild wo er mit seiner ehemaligen Orchidee fotografiert wurde, ist nun endgültig entfernt worden. Er war wohl zu unbedeutend für die Weltgeschichte.
Zurück im Chinaviertel war natürlich viel los. Neujahrsfest 7. Tag. 2026 ist das Jahr des Pferdes und alle 12 Jahre wiederholt es sich.
Junge Künstler, die den Löwentanz aufführten. Eine wahre Akrobatik, wenn 2 Personen synchron im Gleichgewicht über verschieden hohe Eisensäulen hüpfen müssen und dabei noch tänzelnde Bewegungen machen müssen. Das Team um die Tänzer herum begleiten das Geschehen mit Trommen und Schellen. Ein Mordslärm.
Zeit wurde es für ein kleines Mittagessen, das Achim vorher auf freiwilliger Basis organisiert hatte, indem er die Menüauswahl abfragte. Neben den üblichen gebratenen Chicken oder Fisch, war doch die Wintermelonensuppe etwas Besonderes. Wintermelonen, fein geschnitten mit Fischbällchen. Erinnerte etwas an die berühmten Versteralen Fiskeballer von den Lofoten.
Während der Fahrt zu unseren jeweiligen Programmpunkten erklärte uns Achim sein Singapur, das er seit 17 Jahren kennt. Von den vielen Informationen blieb nachhaltig eines hängen. Die berühmten Stockschläge mit dem 1cm dicken Bambusstab der mit 120km/h auf die schuldige Person treffen kann, wenn sie etwas angestellt hat. Der Richter entscheidet über die Höhe der Schläge, geht von 3 bis 24 und das wird gnadenlos auch umgesetzt. Mit Sitzen oder liegen wird dann die nächsten Wochen nicht mehr viel sein.
Trifft nur die Männer, nicht die Frauen, die müssen zahlen oder ins Gefängnis.
Eine Todesstrafe gibt es wirklich noch bei Drogendelikten.
Im Gefängnis werden die Insassen verwöhnt mit harter Pritsche und Grundnahrung zum Essen. Sonstige Vorzüge und Vergünstigungen kosten Aufpreis, das heißt, der oder die Gefangenen müssen dafür arbeiten, dass sie das nötige Geld dafür verdienen.
Dieses gilt für jeden, für Einheimische und für Ausländer gleichermaßen. Ohne Pardon.
Was fiel uns noch auf, die unzähligen Kontrollen per Kameras. Überall Kameras die jeden identifizieren. Und die gesuchte Person wird auch im Ausland gefunden.
Wer hat bloß die Zeit erfunden, fragte einst Peter Cornelius in einem Lied und Zeit ist relativ, sagte ein Genie aus einem anderen Genre. Sie läßt sich nicht zurückdrehen, oder anhalten und rückt unaufhörlich vor. So leider auch bei uns und es wurde etwas knapp.
Das indische und arabische Viertel konnten wir nur noch vom Bus aus sehen, als er langsam daran vorbei fuhr. Nicht wir, aber Singapur Airlines schrieb vor, 2 Stunden vorher am Flughafen zu sein.
Das Einchecken und die Kofferabgabe verlief ziemlich zügig. Abendessen brauchten wir nicht mehr, wir waren ja noch satt von vorhin. Also mit dem Zug rüber zum Wasserfall. Gerade rechtzeitig um 20.45 begann die Lichtershow am Wasserfall.
Dann zurück zum Abfluggate und versuchen die Handys aufzuladen und die NZTD für Neuseeland digital auszufüllen. Bei den meisten klappte es gut, bei 6 Personen leider nicht.
Dann war es soweit, noch kurz durch die Sicherheitskontrolle und dann der Schock bei einer Person. Die Kiste mit den Wertsachen lief durch den Scanner und als sie wieder herauskam, war das neue Handy plötzlich verschwunden und die Handytasche am Boden liegend. Das Telefon unauffindbar. Ein Fall für den Meisterdetektiv Sherlock Holmes…wie fällt eine Tasche aus einem Korb auf den Boden, ohne Berührung?
Eine Antwort darauf blieb aus, eine Suche blieb erfolglos und wir mussten umgehend an Bord.
Ein Highlight, wir flogen diesmal mit der A 380 von Singapur Airlines. War schon viel ruhiger und angenehmer als die Boeing 777.
Und die Cabin Crew verteilte die NZTD Deklaration zusätzlich im Flugzeug in Papierform, sodass unseren 6 Gästen die Aufregung und der Druck hierzu genommen wurde.
Nau mai Haere mai in Aoteaora
Öffnete man die Schiebeblenden am Flugzeugfenster und blickte hinunter aufs Meer, sah man in der Ferne etwas langes Weißes. Wir sahen dies in 12.000m Höhe. Kubes Frau sah vom Meeresspiegel auch etwas Weißes und Langes und Sie rief "He ao, He ao!!!", und wir "eine Wolke, eine Wolke".
In beiden Fällen kam man der Wolke immer näher und man erkannte eine Farbe und die Wolke wurde auch immer länger und länger, sodass man der "Ao" (der Wolke) ein "tea" (weiß) und ein roa (lang) hinzugefügte.
Aus der anfänglichen Wolke wurde eine lange weiße Wolke - Aotearoa.
Noch einmal ein bißchen Aufregung, ob auch wirklich alles bei der Einreise in Ordnung war und man nicht kontrolliert wird.
Bei einer Person, die durch den Zoll, wegen ein Stück Schafwolle gegangen waren, lachten die Zollbeamten eher und waren sehr freundlich und bei der anderen Person schlug der Spürhund an, was zur Kontrolle des Koffers führte und zu einem negativen Ergebnis. Hat man auch das einmal mitgemacht.
Nau mai, haere mai in Aotearoa!
Am Ende war alles gut und Roger, unser örtlicher RL, konnte eine freudenstrahlende Gruppe in Empfang nehmen.
Die Stadtrundfahrt in Auckland wurde ein bißchen durch den zähfließenden Verkehr mit Stau getrübt. Aber das Millionärssträßchen konnten wir noch durchfahren, bevor wir am Hotel ankamen und pünktlich zum Abendmenü erschienen.
Leider hatte nicht jeder Gast eine HP gebucht, sodass die Gruppe getrennt wurde.
Die Bar im Hotel schloss um 21 Uhr. Manche vertraten sich noch die Beine im nächtlichen Auckland.
Be a tidi Kiwi
Zeitig am Morgen verließen das städtische Leben und begaben uns in die friedliche Natur der neuseeländischen Vegetation.
Ein kleiner Tankstopp zwischendurch, denn der Bus hat auch mal Durst, und ein bissl einkaufen für den kleinen Hunger unterwegs musste auch mal sein.
Kaiwaka hieß das nette kleine Örtchen, wo wir unseren Halt machten. Gegenüber des Supermarktes die örtliche Bücherei, die von einer ehemaligen Bibliothekarin natürlich sofort besucht werden musste. Und das Schöne daran, es entstand zwischen beiden ein kleiner Smalltalk und Erfahrungsaustausch. Leider natürlich wieder zu kurz, denn wir hatten ja noch einige Programmpunkte vor uns.
Ähnlich erging es anderen auch, denn aus der „War Memorial Hall“ drang Musik ins Freie. Ein schöner Wiener Walzer. Davon angelockt erkannte man, dass drinnen ein Tanzkurz für Senioren angeboten wurde, wo wir freundlich eingeladen wurden.
Aus oben genannten Gründen mussten wir dankend ablehnen. Wer weiß, was daraus entstanden wäre.
Kurz vor Mittag erreichten wir dann Matakohe. Der erste Programmpunkt.
Kaurimuseum. Imposant die private Ausstellung von Kunstwerken, die aus dem Harz des Kauribaumes hergestellt wurden. Unglaublich zu sehen, mit welchen primitiven Werkzeugen und Möglichkeiten die Waldarbeiter die zigmeter dicken Kauribäume fällen mussten, bevor die Maschinen kamen. Hunderte Ochsen zogen einen einzigen Kauribaum aus dem Wald. Meterlange 2-händige Sägen mit Muskelkraft bewegt, erst viel später die Motorsägen, von klein bis groß mit bis zu 3m Schwertlänge. Auch nur mit 2 Mann zu bedienen. Oder Motorsägen, wo man extra Halterungen baute, weil sie viel zu schwer zu händeln waren. Sogar ein komplettes Sägewerk kann man besichtigen und Vieles mehr. Eine unglaubliche Ausstellung
Stärkung gab es gegenüber im Gumdigger Kaffee, dem Harzgräber Kaffee.
Bei 30 Grad war es eine Wohltat, draussen auf der Terrasse zu sitzen mit Kaffee und einem Snack und der Wind kühlte die Haut, während man tief hinunter ins Tal blickte.
Daneben die Pionierkirche mit dem Rosengarten, in dem seltene Sorten gedeihen.
Etwas versteckt, hinter dem Museum, die alte Schule, die noch bis in die 1950iger Jahre benutzt wurde. Schiefertafel, Lederranzen, Holzbank mit Tintenfass und Holzstühle. An der Tafel die Schönschrift und die Rechenaufgaben.
Kennen wir alle noch.
Nachmittags standen wir dann vor dem mächtigsten Kauribaum Neuseelands. Dem Tane Mahuta, dem König der Wälder.
Fast 2500 Jahre alt, knapp 51m hoch und 14.60m Umfang, Da hat man schon Respekt wenn man davor steht. Der Baum könnte uns erzählen, wie die Besiedelung Neuseelands abgelaufen ist, wenn er sprechen könnte. Laut Geschichtsbücher war er da schon über 1000 Jahre alt.
Um an den Baum zu kommen, gibt es einen speziellen Eingang. Alle Besucher müssen vor Betreten des Wanderweges, der übrigens auf Stelzen verläuft, damit man keine Berührung mit dem Waldboden hat, die Schuhe desinfizieren, um Krankheitsüberträger zu vermeiden. Manche werden darüber lachen, aber es ist tatsächlich in den 1950igern passiert, als gebrauchte Forstmaschinen importiert und sie nicht ordungsgemäß gereinigt wurden. Die Pilze und andere Krankheitserreger drangen in die Wurzeln der Kauribäume und schädigten sie. Nach Jahren stirbt der Baum.
Neuseeland hat eine empfindliche Natur, deshalb wird akkribisch darauf geachtet, was nach Neuseeland eingeführt werden darf und was nicht. Da Touristen auf der ganzen Welt die Angewohnheit haben, ständig Müll zu hinterlassen, sieht man deshalb des Öfteren das Hinweisschild „Be a tidi Kiwi“ Sei ein ordentlicher Neuseeländer, was bedeutet, „schmeiß nix weg und achte auf deine Natur“
Kurz vor Opononi am Pakia Hill hatte man eine herrliche Aussicht auf die Tasmansee und auf die Sanddünen gegenüber auf der Halbinsel. Am liebsten wäre man gleich ins Wasser gesprungen. Die Temperaturen gab es her.
Unten in Oponini erwartete uns das Grabmal des „freundlichen Delfins“. Ein wilder Delfin der für einen Sommer in die Bucht kam und die Kinder des Ortes mit sich spielen ließ. Eines Tages war er verschwunden. Eine Suche begann und man fand ihn tot am Strand liegen. Vermutet wird, er war ein Opfer der illegalen Dynamitfischerei. Ihm wurde neben dem Grab auch ein Denkmal gesetzt, zur ewigen Erinnerung.
Pahia war unsere Station für die nächsten 2 Tage. Traumhafte Lage mit Blick füm Restaurant aus direkt aufs Meer. Wenn die Türen geöffnet waren und das waren sie, konnte man das Meeresrauschen hören und das Salz schmecken.
Wir hörten, morgen früh sollte die Queen Mary 2 im Ort vor Anker gehen.
Lassen wir uns überraschen, ob wir sie sehen werden.
A big Day
Das Kingsgate Hotel hat schon eine herrliche Lage direkt am Meer.
Besonders bewusst wurde es uns, wenn man beim Frühstück sitzt und die noch nicht sichtbare Sonne den Himmel über Paihia, den Ort in ein morgendliches Rot taucht.
Hinter dem Felsen schob sich eine Bugspitze hervor, die sich langsam dem Ort näherte und immer mehr den Blick auf das Schiff freigab. Es war die Queen Mary 2, die weit draußen vor Anker ging und ihre Passagiere später per Tenderboote an Land bringen wird.
Die Gruppe hat sich heute geteilt. Für einige ging es hoch zum Nordkap Neuseelands, während die anderen ihre Freizeit in der Umgebung verbrachten, mit Spazierengehen, Wasserfall, Mangrovenwald und Hangiofen.
Die Cap Reinga-Fahrer begrüßte Berry, unser Busfahrer, mit einem lautstarken Kia ora und versprach uns einen Big day.
Während der Fahrt erzählte er über die Geschichte Neuseelands von Kube der im frühen 12 Jahrhundert, während einer Jagd nach einem Fisch, nach Neuseeland kam, bis 1840 wo die Briten das Trethy of Waitangi mit den Maoris unterzeichneten. Das leider bis heute noch zu Missverständnissen führt, weil damals ein Übersetzungsfehler passierte, bzw eine Zweideutigkeit und die Maoris den Sinn des Wortes Souveränität nicht verstanden, bzw in der Maorisprache eine andere Bedeutung hatte als in Europa.
Kerikeri wird das fruchtbare Land genannt, in dem Obstanbau, vor allem Kiwis gepflanzt werden. Ein gutes Geschäft für die Region, kostet eine Lizenz für den Anbau von goldenen Kiwis fast eine halbe Million €uro. Die weniger beliebten grünen Sorten dagegen nur etwa 50.000 €uro.
In Awanui, das „Große Wasser“ befand sich das Ka Uri Kaffee, wo ein Buswechsel stattfand, der für das Befahren des Sandstrandes der Ninty Mile Beach geeignet war. Ein Iveco LKW mit Busaufbau. In der Zeit bis der Bus kam, hatten alle Gelegenheit sich beim Kaffee zu stärken oder den Kauribaum mit 40t Gewicht zu bestaunen, den man inwendig mit Treppen besteigen konnte. Und Nina hatte uns verlassen. Eine deutsche Backpackerin, die eine Spezialtour mit einem Maori gebucht hatte.
Berry versprach uns ja einen Big Day.
Wegen der Gezeiten war es sinnvoll, die Ninty Mile Beach vor dem Kap zu machen.
Allrad rein und ab durch den Sand mit großer Geschwindigkeit. Eine Drehung am Wasserrand und weiter gings. Radfahrer Fußgänger, Jogger und Angler begegneten uns auf unserem Flug über den Sand. Und Menschen die im Sand buddelten.
Berry hielt an, alle stiegen aus. Stopp. Hier wurde Sand geboardet, oder die Füße im Meer gekühlt. Wir waren eine internationale Gruppe und die Jugend, bzw ein junger Mann aus deren Gruppe gewann das Borden knapp vor unseren tapferen Jungs.
Wir konnten ja nicht gewinnen, erstens hatten sich die Jungendlichen schon ans Aufwärmtraining gemacht, wo wir noch mit Muschel essen beschäftigt waren. Das zuzügliche Gewicht verhinderte dann endgültig den Sieg.
Die Muscheln waren sozusagen das Amis Gueule für das Picknick in Taputataputa Camping nahe dem Kap. Ein herrlicher Platz direkt am Strand vom Pazifik, mit satten grünen Wiesen, einem feinen Sandstrand und mit Holzbänken und Tischen zum bequemen Sitzen. Und wenn Menschen sitzen, dann essen sie meist. Und Essen bedeutet satt werden und das haben die vielen Seemöwen hier gelernt. Sie kamen schon sehr nahe und bettelten nach Futter, verteidigten aber auch vehement ihr Territorium gegen „Fressfeinde“, die ständig versuchten Mund- bzw Schnabelraub zu machen.
Der Big Day bedeutete, zu sein an einem ganz besonderen Ort:
• wir waren an 3 Küsten Neuseelands, an der Ostküste, der Westküste und der Nordküste.
• Wir waren an der Vereinigung von Pazifik und Tasmansee
• Wir waren am Ort, wo die Seelen der Maoris über die Wurzeln des Pohutukawabaum dorthin zurückkehren, wo sie hergekommen waren.
• Und einige von uns hatten das Privileg, am Cap Reinga an der Gedenkstätte von Familienangehörigen unseres Busfahrers Berrys zu sein.
Berry legte uns ans Herz, den für Maori heiligen Ort, das Kap Reinga, respektvoll zu begegnen. Ist etwa so, wie wenn man sich in einer Kirche befindet.
Vor der Ankunft am Kap sprach er Formeln und sang ein Lied. Vermutlich zur Begrüßung der Götter und Ahnen und vielleicht auch um Erlaubnis zu bitten einzutreten zu dürfen.
Der Aufenthalt von einer Stunde verflog sehr schnell.
Bei Abfahrt sagte er wieder Formeln und ein Gesang, diesmal vielleicht als Danksagung, oder als guten Reisewunsch für uns Reisegäste.
In Awanui wurde der Bus erneut gewechselt und zur Freude aller, Nina die alle vermissten, kam wieder zu uns.
Auf derselben Strecke wie am Hinweg ging es zurück nach Paihia.
411km, ein wunderschöner Tag mit viel Sonnenschein, ein wahrlich Big Day!
Paradies für ökologische Experimente
Und wieder schwitzten wir bei Temperaturen von 27-30 Grad Celsius. Die Klimanalage im Bus lief auf Hochtouren. Eine lange Tagesetappe lag vor uns, von Pahia bis nach Pauanui auf der Coromandel Halbinsel.
Auf langen Fahrten sollte man auch mal einen Toilettenstopp einlegen. Der Allerbeste war in Kawakawa. Noch dazu öffentlich. Erschaffen von keinem Geringeren als Friedensreich Hundertwasser, der hier liebevoll „Fried“ genannt wurde, weil der ursprüngliche Name zu lang und zu schwer auszusprechen war für Neuseeländer.
Aber nicht nur die farbenfrohe WC-Anlage ist sein Werk, er pflanze nebenbei noch schnell ein paar tausend Bäume im Kaurinuital, damit der Boden, das Wasser, die Luft und die Seele in Harmonie atmen können und zuletzt auch wegen der Schönheit.
Gemäß seinem Motto der Harmonie ist er auch begraben, im Garten der glücklichen Toten.
Die Mittagszeit verbrachten wir in Auckland an der Missions Bay mit feinem Sandstrand, nachdem wir die Waterfront mit dem Werftgebäude der modernen Hochseesegeljachten mit den Tragflächen passiert hatten.
Wochenende heißt Stauzeit. So auch hier. Zähfließend und langsam kamen wir aus Auckland wieder heraus. Setzt doch der Feierabendverkehr in Neuseeland um 14 Uhr ein und noch dazu war Wochenende.
Da wir auf Coromandel die nächsten zwei Tage verbrachten und wir in der Lodge Frühstück am Zimmer hatten, war es sinnvoll das Frühstück etwas zu erweitern. In
Thames bot der Supermarkt die beste Gelegenheit zum Zukauf von Lebensmitteln.
Abendessen war nicht inkludiert, und eine Empfehlung von Roger war das Restaurant „The Local“, das ein paar Schritte von der Unterkunft entfernt lag.
Die Auswahl an Essen war gut und mit dem Service der engagierten jungen Leute konnte man mehr als zufrieden sein, sodass wir beschlossen, am nächsten Tag nochmal hier zu speisen.
Auf die Nachfrage hin waren Tischreservierung für morgen kaum möglich, da erstens bereits alles ausgebucht war, wegen dem Wochenende und zweitens, weil Regen angesagt war und somit die Tische im Freien nicht vergeben wurden.
Aber, wie gesagt, engagiert und freundlich und stets bemüht das Beste für die Gäste zu machen. Das Personal wollte versuchen für uns allen einen Platz im Restaurant zu organisieren und wir sollten nächsten Morgen bescheid bekommen.
Liquid Sunshine
In der Nacht hatte es angefangen stark zu regnen, der bis zum Morgen anhielt.
Frühstück heute im Zimmer und mit dem berühmten Foto unseres Profifotografen „Beach day today“ konnten wir uns auf den heutigen Tag einstimmen.
Frisch gestärkt und siehe da, bei der Abfahrt hörte der Regen auf und wir konnten den ganzen Tag mit angenehmen Temperaturen zwischen 20 und 23 Grad und vor allem trocken genießen.
Neuseeländer sind sehr positive Menschen. Bei ihnen gibt es immer Sonne, sie heißt nur ab und zu mal anders.
Heute zum Beispiel, Liquid Sunshine.
Mit diesem Optimismus starteten wir den Bus, ein kleiner Tankstopp, dann durch Tairua durch nach Hahai zur Hot Water Beach.
Unterwegs rief uns das Restaurant an und brachte uns die freudige Botschaft, dass wir ab halb 6 Abends zum Essen kommen und alle an einem Tisch sitzen können.
Die Gelegenheit sich ein Loch in den Sand zu buddeln uns sich in die heiße Quelle zu legen, nutzten leider nur wenige aus der Gruppe. Dafür grub man sich mit den Füßen ein und man konnte auch so die Wärme deutlich spüren.
Ansonsten war der beliebte Strandabschnitt gefüllt mit Menschenmassen die Löcher gruben, auf der Suche nach dem heißen Wasser.
Sogar ein kleiner Kaminofen rauchte, wo sich 2 Besucher einen Kaffee kochten.
Am besten war allerdings das Bad im Meer bei angenehmen 23 Grad Wassertemperatur, wenn die Wellen den Körper umspülten.
Unweit der Hot Water Beach befindet sich ein anderes Naturphänomen, dass es zu erkunden gab. Auf dem Parkplatz empfingen uns 2 Gockel auf ihrer ständigen Suche nach Futter.
Es tröpfelte leicht, auf unseren halbstündigen Spaziergang, hinüber zur Cathedral Cove. So wie der Regen kam, hörte er auch wieder auf, ganz plötzlich und bald. Was blieb, war die Schwüle.
Immer wieder faszinierend der Sandstrand, das Rauschen des Meeres, die schäumenden Wellen, das große Loch im Felsen, das dem Mittelschiff einer Kathedrale ähnelt, die Sphinx und der kleine Wasserfall.
Und wenn man schon mal da ist, dann auch hinein in die Wellen des Pazifiks. So oft hat man nicht Gelegenheit darin zu baden, bei angenehmen 23 Grad Wassertempertur.
Es war schon ein gigantisches Erlebnis und machte einen riesen Spaß, wenn die Wellen sich über unseren Köpfen brachen und wir in der Gischt des Meeres wieder auftauchten.
Viel zu schnell verging die Zeit am Strand von Hahai und Roger blies zum Rückzug.
Auf dem Rückweg nach Pauanui gabs noch einen kleinen Fotostopp an einer Kiwiplantage.
Kurze Pause im Motel und dann hieß es schon fertig machen zum Abendessen.
Ein gemütlicher Tag ging zu Ende, die Nachtruhe fällt heute länger aus, aber nur für den, der früher ins Bett geht, denn morgen ist die Abfahrt auf halb 8 geplant.
Wo der Frühling ein Herbst ist
Erster März, offizieller Herbstanfang in Neuseeland.
Erster März, offizieller Frühlingsbeginn in Europa
Wie wir erfuhren, hält der Winter hier Einzug im Mai bis Juli. Wobei die Temperaturen meist mild sind. Tageweise kann es mal bis -3 Grad Celsius gehen. In Höhen ab 900m aber auch mal bis -10 Grad. Nur Auckland bleibt die Ausnahme. Nie unter +5 Grad Celsius.
Wenn Roger den Motor startete, war das für uns der letzte Aufruf, endlich einzusteigen.
Anfänglich war es noch bewölkt, jedoch je näher wir Matamata kamen umso blauer wurde der Himmel. Perfektes Wetter für den Besuch bei den Hobbits.
Mittelerde, Auenland, 100jährige mächtige Kiefernbäume säumten den Weg und zwischendrin Farnbäume und Palmen. Blühende Äpfel- und Birnenbäume, Kohlenweißliche und Monarchfalter flogen von Blume zu Blume und suchten nach süßen Nektar. Ein freundliches Hobbitmädchen empfing uns mit einer Melodie aus Herr der Ringe. Aus dem ein und anderen Kamin qualmte Rauch, drinnen kochte man vermutlich das Mittagessen. Wäsche hing draußen auf der Leine zum Trocknen, frisches Brot, Honig und geräucherter Fisch wurde angeboten.
Das Highlight der Tour natürlich das Haus von Bilbo Baggins (Beutlin in der dt. Version) ganz oben auf dem Hügel mit der besonderen grünen Tür und dem Zeichen in der Tür. Darüber der berühmte Baum, dessen über 350.000 Blätter jedes einzelne für den Film mit grüner Farbe bestrichen wurde. Perfektion in höchster Vollendung, für 8 Sekunden Film.
Ein weiteres Highlight war der Besuch von Bilbos Haus innen, wo wir alle beeindruckt waren von der realen Ausgestaltung der Räume. Wer sich den Grundriss dieses Hauses noch einmal anschauen möchte, gibt in Google „Bilbo Beutlin Haus Grundriss“ ein und es erscheinen jede Menge Bilder dazu, auch in 3 D, die man aufrufen kann. Und ihr könnt in Gedanken nochmal durch die Räume gehen.
Von den Eindrücken begeistert braucht es jetzt eine kleine Stärkung im „Grünen Drachen“. Über die Brücke, an der Mühle vorbei und dann an die Theke, wo sich die Hobbits immer zum gemütlichen Umtrunk trafen.
Die Biere hervorragend, besonders das mit 3,7% Southfärthing girdley fine grain mit einem wunderbaren Malzcharakter.
Die Zeit bei den Hobbits verging zu schnell und wir mussten das Auenland wieder verlassen Richtung Rotorua.
3 aus Gruppe waren uns schon vorausgefahren und wir folgten 2 Stunden später mit einem Shuttelbus.
Wie sagte doch Frodo am Ende des Films, der im Bus gezeigt wurde, als wir zum Ausgangspunkt zurückfuhren: „I´m going for an adventure.“
Denn abends erwarteten uns die Ureinwohner vom Iwi Mitai zum kulturellen Abend mit Hangiessen.
Nach kurzer Vorstellung vom Ablauf des Abends stellten einige Besucher noch Fragen stellen, die umfangreich beantwortet wurde. Es ging um Herkunft der Maori, Tattoos und deren Bedeutung, Liebe und Hochzeit.
Ein James aus Irland meldete sich als Chief der Besucher, bevor es hinunter zum Fluss ging, wo ein Waka Taua mit Kriegern heraufgerudert kam, mit typischem Gesang.
Der berühmte Erdofen, der Hangi, wurde uns noch kurz gezeigt, bevor es dann endlich zum ersehnten Buffett ging. Tischweise natürlich.
Lamm, Hähnchen, Kumara, diverses Gemüse, Meeresfrüchte und das berühmte Hoki Poki Eis, wo die Schüsseln am ersten geleert waren. Unsere Gruppe war die letzte, die an das Buffet dürfte, sodass wir vom Hoki Poki nicht mehr viel abbekamen.
Alles eng getaktet, nach dem Essen gings zur Show mit Tanz, Gesang und Vorführung einzelner Kampftechniken.
Bevor das alles begann, natürlich die Begrüßungszeremonie des Stammes um sicher zu gehen, dass die besucher in friedlicher Absicht kamen. James machte seine Sache gut.
Das berühmte Liebeslied Pokarekare Ana über zweier Liebenden, die durch stürmische Gewässer getrennt sind, durfte natürlich nicht fehlen.
Der krönende Abschluß war der Hakatanz und dann entließ man uns hinaus in den dunklen Regenwald. Beim genauen Hinsehen konnte man Glühwürmchen sehen, die wie Sterne in der Nacht leuchteten.
Mit diesen schönen Erinnerungen endete der erste Tag im Herbst.
Mariana und der Regen
Frühmorgens hieß es schon wieder die Koffer verladen, aber das hatte seinen guten Grund. Der Geothermalpark Te Puia in Rotorua öffnet extra für uns eine Stunde früher, sodass wir ungestört von anderen Besuchern, den Park für uns alleine hatten.
Kia führte uns mit frischer Stimme und lockerer Erklärung durch den Park.
Genau zum richtigen Zeitpunkt erreichten wir die Ausbrüche der berühmten Geysire Pohutu Geysir, der 4. größter Geysir der Welt mit 40m Höhe und dem Prince of Wales. Allerdings konnte man meistens die Ausbrüche nur am Geräusch hören, da durch die kalte Außentemperatur und die Hitze des Wassers, das Gebiet um die Geysire in dichtem Nebel gehüllt waren. Eindrucksvoll war es trotzdem.
Ein kleiner Zug auf Rädern brachte uns hinüber zum Kiwigehege. Dort hatten wir das Glück zwei Kiwis aus nächster Nähe zu sehen.
Auf dem Weg von der Kiwistation hinüber zu den Schulungs- und Ausbildungsräumen für die Schnitzkunst der Maoris durften wir bei der morgendlichen Zeremonie der Arbeiter beiwohnen. Zunächst ging es vermutlich um eine morgendliche Andacht und zum Abschluss wurde ein fröhliches Lied gesucngen, das auch uns im Herzen berührte. Die Zermeonie gilt für einen guten Arbeitstag, dass keine Unfälle passieren und soll für die nötige Motivation und Freude an der Arbeit sorgen.
In der nationalen Kiwiaufzuchtstation in Rotorua erfuhren wir Vieles über Kiwis, deren Leben und Aufzucht und Schutzprogramm. Und in den Terrarien mit dem für Kiwis unsichtbaren roten Licht, hatten wir das Glück alle drei Kiwis direkt vor dem Schaufensterglas zu sehen.
Soviel Informationenverlangte auch seinen Tribut, wir kamen später los, als geplant. Denn unser nächster Termin erwartete uns bereits 1 Stunde später bei den Wairakei Terrassen. Wenn schon, denn schon, dann richtig. Eine größere Baustelle mit Ampelregelung bescherte uns erneut einen Zeitverlust von über einer halben Stunde.
Wir wurden bereits zur Führung durch die Terrassen erwartet und anschließend gab es eine Gesprächsrunde bei Mariana mit Kaffee/Tee und Kuchenstücke, bei der wir alle möglichen Fragen zu den Maoris stellen konnten. Dies wurde auch rege genutzt.
Einige unserer Gäste hatten sich jetzt auf ein wohlverdientes Bad in den warmen natürlichen Thermalquellen gefreut.
Aber just in dem Augenblick als wir gehen wollten, begann es so heftig zu regnen und zu graupeln, sodass wir geschützt im Haus von Mariana länger verweilen mussten als geplant und dadurch leider die Möglichkeit zum Baden für die Ruhe und Gelassenheit ausfallen musste, genauso wie die Huka Falls. Manchmal gibt es höhere Gewalten und wer weiß, wofür es gut war.
Vorbei an Taupo mit grandiosem Blick auf den Kratersee, die Vulkane ringsherum waren unter Wolken versteckt, dann ging es hinauf auf die Hochebene des National Parks, wo uns eine Temperatur von 3 Grad erwartete. Entsprechend kurz fiel der Fotostopp am Chateau Tongariro in Whakapapa aus.
Die Gipfel der Vulkane ringsherum bereits mit Schnee weiß angezuckert. Der Herbst lässt grüßen und der einsetzende Regen in Waimarino wo wir heute die Nacht verbrachten.
Gummistiefelwetter
In der Nacht hatte, Gott sei Dank, der Regen aufgehört und am Morgen schien sogar etwas die Sonne, als Roger unseren Bus startete und ihn Richtung Wellington steuerte.
Der Gipfel des Schicksalsberges aus Herr der Ringe, der Mount Ngauruhoe, hatte sich hinter einen dicken Wolkendecke versteckt. Leider. Und es schien auch so, dass sich die Wolken nicht auflösten und den Blick darauf freigeben werden.
Am Heilig Abend 1953 versuchte noch ein einzelner Herr mit einer Taschenlampe in der Hand, der zufällig in der Gegend von Tangiwei war, das größte Zugunglück der neuseeländischen Geschichte zu verhindern.
Leider vergeblich. Der Zug aus Wellington konnte trotz Vollbremsung nicht mehr verhindern dass er entgleiste und 151 Menschen mit in den Tod riss.
Heute erinnern Geschichtstafeln und ein friedlich fließender Fluss an die Tragödie von damals.
Lustiger ging es zu in Taihape. Ein Ort, wie eine kleine Westernstadt mit Bahnhof und einem Wohnanhänger als Kaffee umgebaut. Der Ort wurde berühmt mit Gummistiefeln. Nicht unbedingt beim Tragen, sondern eher beim weit werfen.
Hier finden Meisterschaften im Gummistiefelweitwurf statt. Und da immer ein paar ausranschierte Stiefeln herumstanden, versuchten wir unser Glück. Der Rekord derzeit bei den Frauen 34m und bei den Männern 48,65m.
Also der weiteste Mann aus unserer Gruppe kam 25m und bei den Frauen war es 15m.
Disqualifiziert wurden 2 Würfe, einer flog links über den Zaun auf die Bahngleise und der andere rechts über den Zaun und hätte fast seine eigene Frau getroffen.
Will man die Welt sehen, braucht man nur nach Neuseeland fahren. Als Überraschung des Tages wurde ein Ausflug nach Holland gemacht, oder besser gesagt: Klein Holland. In Foxton wurde eine Mühle nach holländischen Vorbild gebaut, die heute noch in Betrieb ist und Mehl mahlt. Unten im Shop konnte man typische holländische Produkte kaufen und auch eine Besichtigung war möglich, allerdings mit 3 NZD Eintritt. Auch am anderen Ende der Welt sind die Holländer geschäftstüchtig.
De Molen nennt sich der kleine Fleck, wo sich neben der Mühle ein Kaffee befand, mit leckerer heißer Schokolade und mit Blick auf die Mühle, die gerade vorbereitet wurde, damit sich ihre Flügel im Wind drehen.
Kurios, das Foxton Hotel mit den beiden Geistern auf der Überdachung, die dem Besucher zuwinkten.
Am Nachmittag erreichten wir Wellington im Sonnenschein…..noch, denn es sollte hier später noch regnen.
Um die Hobbiton gänzlich abzuschließen, gab es noch einen außertourlichen Abstecher zu den Weta Studios, in den Szenen zu Herr der Ringe, Hobbiton, Avatar und anderes gedreht wurden.
Vom Mount Viktoria schwebte unser Blick hinüber zu Flughafen, wo sich Flugzeuge schwer taten und Piloten schwitzen mussten, wenn sie im Wind ihren Vögel sicher auf die Landebahn aufsetzen wollten.
Und er gleitete hinunter zur Hauptstadt, die in einem dichten Schleier voller Regen eingehüllt wurde.
Mit der Stadtrundfahrt bekam man einen guten Eindruck von der Stadt, und wo man was finden konnte, denn am morgen hatten wir alle einen Tag zur freien Verfügung.
Sunny Welli
Endlich einmal ausschlafen. Das Frühstück ging bis 10 Uhr. Einige mussten früher aus den Betten, denn sie wollten mit der Cable Bahn hinauf zum botansichen Garten fahren.
Tama nui te ra war uns heute wohlgesonnen. Sonnenschein den ganzen Tag über, kein Wind, gute 20 Grad in der Sonne und in der Nacht sternenklar und Vollmond, der sich im Meer spiegelte. Einer der seltenen Tage in „Windy Welly“.
Getrennt machte sich die Gruppe auf Wellington zu erkunden. Jeder auf seine Art, die ihn am meisten interessierte.
One way mit der Cable Car zum botanischen Garten hoch und zu Fuß wieder zurück, durch das dynamische und inter-aktive Te Papa Museum, das einen gesetzlich geregelten Auftrag hat:
„Die Nation, das Erbe seiner Kulturen und das Wissen über die Natur des Landes zu präsentieren, erforschen und erhalten, mit dem Ziel, seine Geschichte zu verstehen und wertzuschätzen, die Gegenwart zu bereichern und den Herausforderungen der Zukunft zu entsprechen“
Ein Spaziergang an der Waterfront entlang oder von einen der unzähligen Cafes das Leben und Treiben der Wellingtoner zu beobachten.
Sicher fand jeder seine Erfüllung für einen gelungenen Tag.
Abends erfuhren wir von Roger, dass sich unsere Abfahrtszeit nach Pikton um 3 Stunden nach hinten verschieben wird. Statt 8.45 wird es wohl eher 11 Uhr werden.
Genauere Infos dazu wird er morgen früh erhalten.
Die ausgefallene Weinprobe
Die Abfahrt unseres Schiffes hatte sich auf Grund eines starken Unwetters vor 3 Tagen verzögert, also konnten wir wieder etwas länger schlafen.
Geplante Abfahrt war um 11.45 Uhr, aber daraus wurde auch nichts.
Die Gangway auf das Schiff war auch beschädigt, sodass wir im Bus eincheckten und an Bord fuhren. Das war richtig optimal.
Erst nach 12 Uhr mittags legte das Schiff ab. Schwarzer Rauch stieg aus dem Schornstein hoch, wo Diesel noch mit Liebe verbrannt wird, als das Schiff drehte und Kurs Süd nahm. Bei einer sonnigen und sehr ruhigen Überfahrt konnte man die Cookstrasse genießen, und darüber nachdenken, wie Kapitän James Cook sich einst fühlen musste, als er Neuseeland neu vermessen hatte, dabei diese Durchfahrt entdeckte und feststellte, dass die Nord- und die Südinsel eins sind.
Eine kleine Öffnung zwischen den Felsen der Arapaoa Insel und der Te Pangu Bay öffnete uns Weg hinein in den Queen Charlotte Sound uns weiter nach Picton.
Vor Tagen wurde uns mitgeteilt, dass der geplante Walbeobachtungsflug ausfällt, vermutlich aus technischen Gründen. Tat aber nichts zur Sache, denn wenn er nicht ausgefallen wäre, hätten wir ihn zeitlich eh nicht geschafft, durch das verspätete Ablegen. Alternativ war eine kleine Weinprobe geplant, die leider auch im leeren Fasse verschwand, da das Weingut um halb 5 nachmittags die Pforten schloss und wir erst gegen 4 Uhr von Bord fahren konnten.
Also das Beste daraus machen und die Natur an der Pazifikküste mit den meterhohen Wellen genießen.
Wenn es schon keine Weinprobe geben sollte, dann zumindest die Fahrt durch das berühmte Weingebiet Marlborough an der Westküste der Südinsel.
Unsere Gruppe ist ja erfinderisch, bzw hat sich den Optimismus der Neuseeländer bereits angeeignet und findet natürlich auch hier die Lösung für das Problem, abgesagte Weinprobe.
Man kaufte sich im Supermarkt verschiedene Weine, setzt sich abends zusammen und macht seine eigene Weinprobe. Also, das Beste daraus gemacht.
Über Blenheim, Seddon, an der Black Sand Beach verließen wir das Weinparadies Marlborough und steuerten die Ohau Küste an, wo sich zahlreiche Seebärenkollonien befanden, die auch gerade ihre Nachwuchs versorgten und großzogen. So manches Schmunzeln kam ins Gesicht, wenn man die Kleinen beim Spielen zusah, während die Erwachsen faul auf den heißen Steinen lagen und ihre Bäuche wärmten.
Kaikorua war nicht mehr weit. Im Supermarkt war es sinnvoll noch etwas für das Frühstück im Zimmer zuzukaufen. Und natürlich den Wein für die private Weinprobe auf der Terrasse mit dem Sound des Meeres im Hintergrund.
Ein Bilderbuchsonnenuntergang zauberte eine Gänsehautstimmung als sich die Wellen an den Steinen vor dem Ufer brachen und eine meterhohe Gischt in die Luft schleuderten.
Und natürlich noch der Abschluss des Tages im Pier- Restaurant, das fast immer ausgebucht ist. Wunderbares Essen zu vernünftigen Preisen und eine Toilette mit goldenen Wasserhähnen und einer Unterwasserwelt an den Wänden.
Vier Länder an einem Tag
Das Frühstück gab es heute wieder mal im Zimmer, Gott sei Dank, denn ein Restaurant hatte nicht das Feeling wie wir es hatten. Die Zimmertüre zum Meer hin geöffnet, die salzige Luft des Pazifiks, das Rauschen des Meeres, wenn die Wellen an den Strand brechen und im Hintergrund ein traumhafter Sonnenaufgang. Und Du sitzt wie vor einem Fernsehapparat in der erster Reihe und genießt das Schauspiel.
Es blieb aber nicht bei diesem Highlight allein. Roger fuhr uns hinauf zum Aussichtspunkt von Kaikoura und wir erlebten eine grandiose Aussicht mit einer Farbenexplosion hinunter auf den Ort und den umliegenden Berggipfeln des Manakaugebirges in der Region Canterbury im Lichte der aufgehenden Sonne.
Ein Haus dort oben in Toplage zu besitzen wäre traumhaft. Und es gibt sie zu kaufen und nicht nur eines. Warum verkaufen Menschen diese Häuser?
Roger erklärte es, meist sind es Wochenendhäuser und Neuseeland erlebt seit längerem eine Rezession. Das heißt, manchen Menschen müssen sich zwangsläufig von Zweitwohnungen trennen und liegen sie noch so schön. Das Überleben ist wichtiger, wenn man bedenkt, dass fast die Hälfte aller Rentner in Neuseeland mit einer Rente von 800€ im Monat auskommen müssen. Schier unmöglich.
Bei Oaru verließen wir die Pazifikküste und fuhren in das Hügelland mit überwiegend Viehwirtschaft. Interessant war, dass die Rinder auf den Weiden das ganze Jahr über im Freien sind und im Normalfall keine Unterstände haben. Unterstände bekommen nur Pferde, Hühner und Schweine.
Die Farmer haben riesige Weideflächen von 100 bis einige 1000 Hektar, die bewässert werden müssen. Im Normalfall geschieht dies durch ein Bewässerungssystem auf Räder, die langsam die Fläche abfährt. Das System besteht aus einzelnen selbstständigen Segmenten mit einer geschätzten Länge von ca. 25m oder mehr.
Die längste Anlage die ich sah hatte 18 solcher Segmente. Überschlagen war dieses System knapp einen halben Kilometer lang. Und ein Segment kostet umgerechnet 18.000€.
Bis zum Ziel unserer Reise in Lake Tekapo sollten wir 4 Länder in Naturformen durchfahren, die es in der Welt gibt. Man konnte meinen, man fährt durch Bosnien und Herzegowina, nach der nächsten Kurve meinte man, man wäre irgendwo auf einer Alm im Bairischen. Die Hochebene kurz vor dem Lake Tekapo auf 700m erinnerte mehr an eine Prärie wie einst im „Wilden Westen“. Fehlten nur noch John Wayne, Lex Barker und Pierre Price.
Christchurch war ein wunderbarer Ort in dem noch Straßenbahnen fahren, wie Anfang des 20.Jahrhunderts in Europa. Damals spannte man vor diesen Wägen noch Pferde, heute geht’s elektrisch. Eine Stadtrundfahrt und ein kleiner Spaziergang durch die ehemalige Universität, die heute eine Kunstgallerie ist, und durch den botanischen Garten eröffneten uns einen kleinen Einblick in die bezaubernde Stadt, die wir zum Ende der Rundreise nochmal besuchen werden.
In Fairlie solls die besten Pies von ganz Neuseeland geben, und in Fairlie beginnt die Starlight Straße hinauf zum Burgers Pass und weiter zum Lake Tekapo.
Diese Region ist bedeutend für Sternenbeobachtungen, gibt es hier doch kaum bis gar keine Lichtverschmutzung. Also beste Beobachtungsplätze für Astronomen. Der Blick in den Himmel bei klarer Nacht ist einfach nur gigantisch und das Kreuz des Südens leuchtete.
Die blauen Häute
Verschlafen und ruhig lag der Lake Tekapo in seinem Bett. Über der Kirche des Guten Hirten ging die Sonne auf.
Die Berggipfeln in rötlichem Licht getaucht, Rinder auf den Weiden beim Grasen in der Morgensonne,
Der Aroaki, der Wolkendurchstecher, besser bekannt als Mount Cook und der Mount Tasmann versteckten ihr Gesicht unter den Wolken und spiegelten sich nicht im dunkelblauen Lake Pukake. Dafür bekamen wir die Himalajaziege im Morgenlicht zu Gesicht, aber nur, weil sie ihren festen Platz als Statue am Besucherzentrum hatte.
Uiii, ganz neu, der Toilettenbesuch kostet jetzt Eintritt und nicht wenig. 2 NZD, entspricht 1€. Scheinbar haben auch hier, am anderen Ende der Welt, die Gemeinden auch kein Geld mehr, wie in den meisten Ländern der Erde.
Hoffentlich wird das kein neuer Trendsport in Neuseeland.
Im ganzen Waitakital, wo überwiegend Rinderzucht betrieben wird, wurden die Felder mit Wasser gegossen. Natürlich wieder mit den fahrbaren Spritzanlagen.
Hatte ich noch vor Tagen eine Anlage mit 18 Segmenten gesehen und dachte, das sei schon Rekord, aber eine mit 29 in Reihe, war schon gigantisch. Mehr als 1km Länge und Kostenpunkt, eine gute halbe Million Euro, plus Wasser.
Neuseeländer sind davon nicht begeistert, da die Angst wächst, das Trinkwasser reicht nicht mehr für die nächsten Generationen.
Wissenschaftler haben ausgerechnet, für 1 Liter Milch werden in Neuseeland ca. 1000 Liter Wasser benötigt.
Dafür leben die Kühe sehr gesund. Kein Kraftfutter, nur das was sie auf den Wiesen finden und kein Antibiotika. Und das erkennt man beim Essen am Geschmack. Wir in Bayern sagen, das Fleisch hat Biss und jeder weiß, dass damit nicht zäh gemeint ist.
Einen spannenden Einblick in die Wasserkraftwerke boten die Informationstafeln am Waitaki-Staudamm.
Um die Mittagszeit erreichten wir die Küste bei Moeraki. Ein malerischer Sandstrand mit den berühmten Kugeln.
Einer Maorilegende nach sollen die Steine das versteinerte Proviant eines Wakas gewesen sein, das hier vor vielen Jahrhunderten Schiffbruch erlitten hatte.
Geologisch gesehen sind die Boulders vor etwa 65 Millionen Jahren entstanden, aus Silikat, Quarz und Dolomit. Bis zu 6 Millionen Jahre dauerte es dann, bis eine Kugel entstanden ist. Als Mensch steht man daneben und denkt sich, 100 Jahre sind ein langes Menschenleben.
Noch heute sind Bolders in der Küstenkante vergraben, die darauf warten, vom Meer freigelegt zu werden.
Der spannend geologische Abschnitt zog wohl auch eine Gruppe Studenten an, die mit Helm und Warnwesten die Küstenwand unter Leitung erfahrener Experten erforschten.
Wir dagegen erforschten das nahe gelegene Kaffee oder den Souveniershop, bevor es wieder weiter ging zur „Bucht der blauen Häute“.
Schon ein verwegener Name, aber man musste sich vorstellen, da kamen vor Jahrhunderten weiße Männer aus Britannien übers Meer gefahren, möchten hier an Land gehen und sehen seltsame Menschen. Keine grünen Männchen, denn dann wären sie auf dem Mars gelandet, nein, sie sahen blaue Männchen und auch Weibchen. Das konnte nicht am Rum liegen, den die Seebären als tägliche Ration bekamen zur Motivation für die harte Arbeit auf Segelschiffen. Die seltsamen Menschen waren friedliche Maoris, die nicht nur ihr Gesicht, sondern auch ihre Körper mit Tätowierungen übersät hatten und ihre Haut schimmerte in der Sonne bläulich.
Die Bucht ist gezeitenabhängig. Als wir vorbeifuhren war gerade Ebbe und der Himmel blau. Das restliche Wasser, dass sich in der Bucht befand, schimmerte blau und die Bucht sah aus, als ob eine blaue Haut darüber gezogen war.
Dunedin empfing uns mit außergewöhnlich hohen Temperaturen. Plus 28 Grad Celsius, anstatt 17-18 Grad, wie es um diese Jahreszeit üblich ist. Sobald eine „2“ davor steht, ist es außergewöhnlich.
35% Steigung oder 19,3 Grad Winkel, die Baldwin Street. Im Guinessbuch der Rekorde als steilste Straße der Welt vermerkt. Alle Jahre findet hier ein Rennen statt, rauf und runter – wer ist der Schnellste. Rekord seit 1994 ungebrochen, 1,56 Minuten. Keine Ahnung wie man das schaffen kann. Aber es geht scheinbar.
Das war der Lauf, es geht aber auch mit dem Fahrrad. Der schnellste bergab war ein Bayer, Thomas Hugenschmied. Er vertraute seinen Bremsen am Rad und schoss mit 117 km/h die Straße runter. Waghalsig und lebensmüde, aber er hat´s geschafft.
Eine kleine Stadtrundfahrt noch im schottischsten Ort Neuseelands, mit Blick auf das Universitätsgelände mit dem Glockenturm, der zur vollen Stunde geschlagen hatte, dem imposanten 450m langen Bahnhofsgebäude im Renaissancestil und dem berühmten Mosaik im Fußboden. Zwei Damen, typisch englisch gekleidet, warteten geduldig im Bahnhof auf ihren Zug. Sie waren der Motivfang für Fotografen.
Nachmittags erwartete uns die Monarch. Ein Boot der Wildlife Cruises, das aussah wie ein Fischkutter. Ihr Kapitän Berry, im Winter könnte er den Nikolaus spielen, schipperte uns hinaus auf den Pazifik, damit wir Albatrosse, Zwergpinguine und Robben sehen konnten.
Wir hatten großes Glück, das Wetter war perfekt, der Wind moderat mit 20km/h pro Stunde, kein nennenswerter Wellengang und wir bekamen während der einstündigen Tour alles zu Gesicht, bzw vor die Linse.
Wieder zurück in Dunedin, noch eine schnelle Runde um das Oktagon und dann ins Hotel zum Abendessen. Heute mal wieder Buffet.
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Raindancer
In der Nacht hatte es geregnet und so sollte es auch den ganzen Tag über bleiben.
Unsere Gäste im Bus störte es weniger, für Roger, unserem Driverguide, war es nicht unbedingt eine Erholung, ständig den Scheibenwischer vor Augen zu haben.
Wenn sich auch Regenwetter nicht schön anhört, aber ich war dem Regen dankbar.
Es war mein insgeheimer Wunsch, sollte es doch heute regnen soviel es geht, denn dann erleben wir den Milford Sound in voller Pracht und mit allen gigantischen Wasserfällen und einer Stimmung, die so geheimnisvoll und mystisch wirkt, wie die Nebel von Avalon. Und Morgen wachen wir auf mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein. Genau so sollte es sein und genauso war es auch. Der Herrgott hatte ein Einsehen und erfüllte uns den Wunsch und wir hatten tolle Erlebnisse an Bord der Milford Mariner, der Senior-Lady in Blau.
Tenderboot fahren, mit den Kajaks den Fjord ganz nah am Ufer erkunden und natürlich das Highlight, der Sprung von Bord ins kalte Fjordwasser. Nur drei Mutige taten es, zwei waren aus unserer Gruppe und die blieben auch am längsten drin und genossen das erfrischende Wasser.
Ein riesiges Kreuzfahrtschiff der Holland Amerika Linie mit Lotsen an Bord fuhr langsam in den Fjord ein, drehte an geeigneter Stelle und verließ ihn wieder, so still und leise, wie es gekommen war.
Ein wunderbares Abendessen und eine Abendstimmung sondersgleichen machte den Tag vollkommen.
Der Regen hatte mittlerweile auch aufgehört und man merkte ganz deutlich, wie die Wasserfälle zurückgingen, bzw. ganz verschwanden.
Weitere Highlights des Tages bis wir überhaupt zum Milford Sound kamen, waren der 44km lange Präsidentenhighway von Clinton nach Gore mit der berühmten Forelle und die Mirrow Lakes mit besonders bemerkenswerten Fotomotiven, wenn sich die Nebelberge aus Herr der Ringe darin spiegelten.
Und dann empfing uns Kapitän Berry mit seiner Lady in blau.
Der rollende Koffer
Nach einer ruhigen Nacht in einer geschützten Bucht im Fjord legte das Schiff im Morgengrauen ab mit Kurs hinaus auf die Tasmannsee. Die Sonne ging auf, die Wolken und die Berggipfeln erstrahlten im golden Licht und eine steife Brise blies uns entgegen.“ My favorit wind“ hörte man eine Dame sagen und streckte ihre Nase in den Wind und genoss das Schauspiel, während andere gegen den Wind ankämpften und darauf hofften, nicht weggeblasen zu werden.
Schön und unvergesslich war er, unser Ausflug am Milford Sound.
Als Zeitvertreib bis wir von Bord gehen konnten, wurde in der Gruppe ein neues Spiel erfunden. „Der rollende Koffer“, 2 Personen sitzen sich gegenüber und schieben sich den Trolley gegenseitig zu.
Es gibt nur eine Straße von Te Anau zum Milford Sound und diese mussten wir auch wieder zurückfahren.
Diesmal mit Halt am Chasm, einer in der Eiszeit entstanden Schlucht. Leider konnte man sie nicht mehr umrunden, da eine der beiden Brücke über die Schlucht ganz weggerissen, und die andere aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde. Leider fehlt der Gemeinde hier das Geld zur Wiederherstellung.
Ganz eindrucksvoll war der kurze Wanderweg dorthin, durch den dichten Regenwald, der definitiv an Jurassic Park und undurchdringlichem Dschungel erinnerte.
Auf dem Parkplatz sollte es Keas geben, aber heute hatte sich ein Weka Laufvogel hierher verirrt. Humorvoll könnte man ihn auch „Kurzschnabelkiwi bezeichnen, dann sieht man zumindest Kiwis auch am Tage.
Eindrucksvoll auch der Blick hinunter ins Hollyfordtal, ein markantes U-Tal, geformt in der letzten Eiszeit vor ca. 18.000 Jahren.
Genauso wie das nach dem britischen Earl of Eglinton benannte Tal. Der einzigartige Kontrast setzte sich zusammen aus den wogenden goldenen Tussokgräsern im ganzen Talboden und den mit Tieflandbuchenwäldern dunkel bewachsenen und steilen Berghängen. Perfekt für Landschaftsaufnahmen. Das dachte sich auch Peter Jackson und stellte die Berge als die Nebelberge dar und das Tal als die wilde, unberührte Mittelerde
Die herrlichen bunten Lupinienfelder am Cascade Creek waren um diese Jahreszeit leider schon abgeblüht.
Noch ein wunderbarer Ausblick wurde uns von Roger geschenkt, der Blick von Te Anau Lions Aussichtspunkt hinunter auf die Wanderhauptstadt Neuseelands. Eine Idylle, die zum längeren Verweilen einlud.
Und den letzte grandiose Ausblick des heutigen Tages bot der Halt am Whakatipusee vom Devils Staircase aus auf ein Drittel des 80km langen Sees, dem drittgrößten See Neuseelands.
Eine kleine Orientierungsfahrt noch durch Queenstown, Bezahlung der Geländetour zum Skippers Canyon für 3 Teilnehmer und der Abend stand zur freien Verfügung.
I go for an Adventure
Zwei Möglichkeiten bot der heutige Tag, entweder Entspannung oder Abenteuer.
Spätes Frühstück, Unternehmungen in der Stadt, oder mit der Seilbahn hinauf zum Bob´s Peak. Für drei Personen ging es mit dem Geländewagen in den Skippers Canyon und für eine Person zum Tandem-Fallschirmsprung.
Das Wetter traumhaft, nicht zu heiß, angenehme Herbsttemperatur und ganz viel Sonne.
Am späten Nachmittag dann Treffen mit den 9 Teilnehmern zur Walter Peak Farm an der Rezeption und Fußmarsch hinunter zur Ablegestelle, wo uns kurz darauf die TSS Earnslaw in Empfang nahm. Die schwimmende Lady des Wakatipusees wurde 1911 als Dampfschiff in Dienst gestellt und fährt heute noch genauso flott wie damals. Das Alter kennt man ihr nicht an und das Schiff hat noch Seele und Flair. Wer mochte, konnte den Heizer unten im Maschinenraum zusehen, wie er die 4 Öfen zur Dampferzeugung mit Kohlen auf Laufen hielt. Eine schweißtreibende Arbei, dafür trieben die Kolben und Nockenwellen die Schiffsschraube an.
Die Farm, gegenüber von Queenstown gelegen, 1860 von schottischen Einwanderern gegründet, ist eine typische neuseeländische Farm in unberührter Natur, da sie mit dem Auto ganz schwer zu erreichen ist. Heute ausgebaut als Ausflugziel für Touristen und mit einer atemberaubenden Kulisse, die nicht zu beschreiben ist.
So schön wie die Atmosphäre war, so eng war auch unser Zeitplan in den 4 Stunden getaktet. Ein Gourmet Dinner-Buffet vom Feinsten. Die Vorspeisen aus Salat und Fisch, das Fleisch exakt über Kohlen gegrillt, egal ob Huhn, Lamm oder Schwein. Vom Schweinefleisch die Haut so kross und gut gewürzt, wie man sie meist nur in Bayern serviert bekommt. Und Liebhaber von Nachspeisen kamen voll auf ihre Kosten, bzw in Genuss.
In der Farmshow wurde uns das Scheren eines Schafes gezeigt und darüber auch erzählt. 6000 Schafe laufen noch auf der Farm herum. Und alle müssen mal geschoren werden. Heute mit elektronischen Scherapparaten, früher mit der Handschere.
38 Sekunden für ein Schaf ist bis dato der ungebrochene Rekord mit der elektronischen Schere. Rechnet man das um auf einen Tag, dann können gute Scherer schon 3 - 400 Schafe am Tag schaffen. Unser Herausforderer brauchte für sein Schaf gefühlte 2-3 Minuten.
Die Vorführung der Augenhunde, wie sie die Herde unter Kontrolle halten und führen können, war schon sehr beeindruckend. Sie gehorchen auf das Wort des Schäfers, auf seine Handzeichen und auf seine Pfeiftöne. Gute zwei Jahre Training braucht so ein Hund, bis er die Herde beherrschen kann. Diesen Gehorsam der Hunde wünscht man so manchen Hundebesitzer in der Heimat, wo meist der Hund der Herr im Hause ist.
Zum Abschluss noch kurz durch den Souvenirladen und schon blies der Kapitän ins Horn zum Zeichen, dass alle an Bord kommen sollten. Die Besatzung möchte dann auch in den wohlverdienten Feierabend gehen.
Viel zu schnell verfolg die Zeit in dieser traumhaften Umgebung, die mit den Bergen und dem See entfernt an Schottland erinnerte.
Die Nacht der glühenden Weibchen
Ein letzter Blick hinauf zum Bob´s Peak mit seiner Baustelle, dann schweifte der Blick über die Dächer der Stadt und dem See hinüber wo wir gestern unser großartiges Gourmetdinner und einige ihr einmaliges Abenteuer hatten. Egal ob Fallschirmsprung oder Allradtour in den Canyon, oder nur beim Shoppen.
Für uns hieß es Abschied nehmen von der Abenteuerhauptstadt Neuseelands, die überwiegend von jungen Menschen aus aller Herren Länder bereist wird, die hier ihren Kick suchen.
Einen Kick suchten auch die Chinesen im 19. Jahrhundert, zwar nicht in Queenstown, aber ganz in der Nähe, in Arrowtown.
Ihr Kick bestand darin, ein paar Nuggets zu finden um irgendwie der Armut entfliehen zu können.
Und die Chinesen waren schlau, sie kämpften nicht als Einzelkämpfer, waren sie hier doch unerwünschte Migranten und ein Leben war damals nicht immer viel wert. Sie beschlossen deshalb sich zur Gemeinschaft zusammenzuschließen und gründeten ein kleines Dorf und suchten gemeinsam nach Gold. Das was sie fanden, wurde unter allen brüderlich aufgeteilt. Das sicherte ihr Überleben.
Spaziert man so durch die Stadt, die 1860 gegründet wurde, fühlte man sich wirklich in eine Zeit zurückversetzt, die an den Wilden Westen erinnert, wie man ihn aus den Filmen kennt, mit Saloon, Hotel, General Stores und diverse Goldhändler. Die Kulisse der Häuser, aber nicht nur hier, sondern in ganz Neuseeland, haben den Charme dieser legendären Westernstädte.
Über 7 Haarnadelkurven ging es hinauf zum Crown Range Aussichtspunkt auf 1076m. In der Ferne blitzte der Wakatipusee in der Morgensonne.
Wenn nicht so viele Urlauber da gewesen wären mit ihren Wohnmobilen und modernen Motorrädern, dann wäre der Besuch des historischen Hotels Cardrona eine Zeitreise ins 19.Jahrhundert gewesen. Das Hotel kann heute noch gebucht werden. Innen mit offenem Kamin und außen mit einem wunderbaren Rosengarten. Im alten Schulgebäude nebenan befindet sich, für die heutige Zeit unverzichtbar, ein Souvenirladen. Vor der Texaco-Tankstelle mit Kurbelbetrieb wartete vergeblich der beige Oldtimer, mit der Bitte nicht draufstehen, auf den Tankwart mit der Mütze der ihn volltanken sollte.
Nach einer durchzechten Silvesternacht 1998/99 wurden nicht weit vom Hotel entfernt, bei der Einfahrt zur einer Pferderanch, BH´s an einem Zaun aufgehängt. Warum auch immer…..
Die heute international bekannte Sehenswürdigkeit erweckte in unserem Bus allerdings wenig Interesse.
Dafür vielmehr die angrenzende Whiskydestille mit kleiner Verkostung.
Aber auch der berühmte Instagrampunkt in Wanaka, wo unsere Mittagspause war, fand Interesse. Der Wasserspiegel war so niedrig, dass man den Wanakatree trockenen Fußes erreichen konnte.
Immer weiter führte uns der Highway Nr. 6 nach Norden, vorbei am Lake Hawea in das durch Eiszeit entstandene weite und breite Makaroratal. Der Zufluss des Wanakasees dem wir rechterhand folgten ist ein ausgezeichneter Forellenfluss und bei Anglern sehr beliebt. Fast unbemerkt fuhren wir auch immer höher, bis sich plötzlich die Vegetation änderte. Vom Buchenwald zum Regenwald, das Hinweisschild Haast Pass auf 560m Höhe war die Grenze. Von jetzt ab ging es bergab. Wir ließen die Ortago Region hinter uns und gelangten in die Westlandregion mit den ausgedehnten dichten Regenwäldern.
Nach einer kleinen Wanderung durch den dichten Regenwald beeindruckte uns der 96m hohe Thunder Creek Wasserfall.
Ein Toilettenstopp am Haast-Infocenter, über die längste Einbahnbrücke mit über 1200m Länge und zwei Ausweichmöglichkeiten während der Überfahrt für entgegenkommende Fahrzeuge, zwei Einbahn-Hängebrücken und Wälder, die sich dem Pazifikwind beugen mussten, waren spannende und eindrucksvolle Stellen auf unserem Weg in den Ort Foxgletscher, mit seinen paar Hundert Einwohnern.
Zu vorgerückter Stunde machten sich dann noch 7 Entdecker auf den Weg in den schwarzen Regenwald. Tagsüber versetzt dieser spannende Minnehaha-Walk die Besucher in die Urzeit der Dinosaurier mit gespenstischer Kulisse zurück und nachts entführt er sie in einen magischen Märchenwald.
Abertausende Glühwürmchenweibchen leuchteten um die Wette um Männer anzulocken. Wir waren fasziniert von diesem Schauspiel. Dunkel war der Weg und öfters musste mal der Monitor des Mobilphones eingeschaltet werden um zu sehen, geht der Weg nun links oder rechts herum. Und dann standen wir wieder vor einer Wand mit hunderten von Leuchtkäfern. Über uns sah man durch die Farne hindurch den Sternenhimmel in all seiner Pracht. Millionen von Sternen, die Milchstrasse, der Orion und das Kreuz des Südens.
Mit viel frischer Luft und einem unvergesslichen Besuch bei den „glühenden Weibchen“ fand der Tag sein Ende.
Wetcoasttravel
….oder heißt es Westcoasttravel?
Hier konnte man es sich aussuchen, denn beides ist richtig.
Wir bewegten uns entlang der Westküste,
Und wir bewegten uns durch Regenwälder. Und der Name beinhaltet irgendwie Nässe. Ohne Nässe, bzw. Wasser kein Regenwald. 7m Niederschlag /Jahr gibt es hier an der Westküste, dadurch gedeiht dieser Wald so prächtig.
Und Erinnerungen an Singapur kamen wieder. Am Anfang unserer Reise besuchten einige den Rainforrest Dome im Garden by the Bay. Und wenn man durch das Eingangstor ging, sah die Landschaft dort genauso aus, wie wir hier und jetzt in dieser Gegend. Der Wasserfall in Singapur erinnerte stark an den Thunder Creek Wasserfall, den wir gestern sahen.
Mit dem Wetter hatten wir Glück. Übrigens schon die ganze Reise über. Die Sonne strahlte auf die Gletscher von Fox und Franz Josef. Letzteren möchten wir gerne näher kennenlernen, also fuhren wir in dessen Nähe auf den Parkplatz, der um diese frühe Uhrzeit schon recht gut besucht war.
Seit 8.00 Uhr morgens brachte ein Hubschrauber nach dem anderen die Gäste auf den Gletscher. In wenigen Stunden ein lukratives Geschäft, allerdings sehr stark wetterabhängig. Schönwetterfenster müssen genutzt werden, ansonsten stehen die Piloten herum, trinken Kaffee oder warten ihre Flugobjekte.
Wir machten einen kleinen Fußmarsch zum Sentinel Rock mit sehr guter Sicht auf den Gletscher. Eine Infotafel machte deutlich, wie weit der Gletscher schon zurückgegangen ist und wie er um 2100 aussehen wird.
Hari Hari, ein ganz kleiner Ort mit einer imposanten Geschichte. Denn hier landete Guy Menzies 1931, als 21jähriger, mit seinem Doppeldecker in einem Sumpfgebiet in der Nähe. Es war der erste Trans-Tasmann-Alleinflug von Sidney nach Neuseeland.
Er überlebte und wurde berühmt. Eine Nachbau des Flugzeuges und eine lebensgroße Puppe mit seinem Konterfei wurden in einer Halle ausgestellt.
Guy starb leider 9 Jahre später bei einem Abschuss durch italienische Kampfflugzeuge während des Fluges von Malta nach Sizilien.
Hokitika ist bekannt für seine Jadeverarbeitung und für Goldschmuck. Der Grünstein war für die Maori sehr bedeutend, auch heute noch. Nicht finanziell gesehen, aber als Schmuck und Gebrauchsgegenstand. Und sie schrieben ihm Kräfte zu, aber nur, wenn man ihn geschenkt bekommt.
In Hokitika gibt es zwei Jadeverarbeitungsbetriebe. Die Kleinere der beiden ist familiengeführt. Der Vertrieb von Jade allgemein, liegt aber nach wie vor in Maorihand. Und Originaljade aus Neuseeland erkennt man an zwei Zeichen, entweder dem NZ für Neuseeland oder Pounamui, der maorische Name für Jade.
Interessant ist auch ein Spaziergang am Strand entlang. Wieviele Künstler haben sich hier wohl verewigt mit ihren Kunstwerken, gefertigt aus angeschwemmtem Strandgut. Wieder andere verewigten sich in den Wandmalereien.
Hokitika, ein sehenswerter Ort mit reicher Geschichte.
Unser Tagesziel Greymouth lag nur noch eine halbe Stunde entfernt. Roger machte eine Orientierungsfahrt durch den Ort und dann checkten wir im Ashley ein.
Für Morgen wird Regen erwartet, deshalb heute noch an den Strand und den für uns vielleicht letzten Sonnenuntergang Neuseelands sehen, bevor das Bettchen ruft.
Freitag der 13.te
Roger ließ uns heute länger schlafen. Abfahren wollte er erst um 10.00 Uhr.
Und heute traf der Titel der Westküste mit Wetcoast den Nagel auf den Kopf.
Bei der Abfahrt Regenschauer und warm mit 17 Grad. Typisches Tropenklima.
Die Wolken hingen tief und die Sonne hatte heute kaum Chance durchzukommen.
In weiser Voraussicht, bevor der Ansturm am Nachmittag auf die Tickets zum Trans Alpine nach Christchurch begann, besorgten wir uns schon am Vormittag die Fahrkarten und fuhren anschließend zu den Pancakefelsen in Punakaiki.
Als wären wir auf einem anderen Kontinent, so beeindruckend war die Landschaft, die mit ihren Baumfarnen, Palmen, Rimu-Nadelbäumen, Südbuchen, Totara – der Tulpenbäume und der Rata-Bäume. Dazu die Schluchten, die tief hängenden Wolken und das schäumende Meer. Urzeitfeeling, als wären wir die ersten Entdecker Neuseelands. Was hatte sich wohl einst Kube oder Abel Tasmann gedacht, als er diese Kulisse sah?
Ein Kleinschnabelkiwi fand auf der Straße sein Fressen und vorausschauende Autofahrer hupen rechtzeitig um die Vögel zu warnen, damit sie noch rechtzeitig die Straße verlassen können. Dies gelingt auch meistens, aber halt nicht immer. So auch bei uns. Der Vogel entschied sich zu spät und lief leider auch noch in die falsche Richtung.
30 Millionen Jahre alte Kalksteinformationen, wie Omas Pfannkuchen auf einem Teller geschichtet. Von Wind, Wetter und Meer gegerbt.
Schichtweise durch Ablagerungen von Kalk- und Tonsedimenten entstanden und durch die Landhebung sichtbar geworden.
Punakaiki hieß der Ort, ein maorischer Name, der „Quelle“ und „haufenweise herumliegen“ bedeutet. Noch heute formt das Meer die Küste jeden Tag aufs Neu. Besonders spektakulär sind die Blowholes, durch denen das Wasser bei Flut in die Höhe schießt. Der gut ausgebaute Rundweg führte uns anfangs durch einen urzeitlichen Regenwald mit Nikaupalmen und später durch Harakekefelder.
Etwas Zeit für einen Kaffee und eine Kleinigkeit zu Essen oder ein Besuch im Souveniershop blieb noch, bevor es zurück nach Greymouth ging. Vor dem Bus wartete bereits ein Weka der die Anstalt machte, mit uns mitzufahren. Er zeigte auch keine richtige Scheu und ließ sich sogar mit einem Eis bestechen. Als er bekommen hatte, was er wollte, verzog er sich in die Büsche und wir zur Mündung des Grey im Máwhera, wo wir noch etwas Aufenthalt hatten, bevor es mit dem Zug nach Christchurch ging. 4 Stunden mit dem berühmten Trans Alpine über den Arthur´s Pass. Eine grandiose Landschaft, die Steppe, Prärie und Weite gleichermaßen repräsentiert. Auf dem Weg hinunter von der Passhöhe nach Christchurch gings entlang des Waimakariri Rivers mit seiner tiefen Schlucht und den zwei eisernen Brücken.
Danach rollte der Zug durch das größte Flachland Neuseelands, die Canterburyregion, die die Heimat der Viehzüchter ist.
Der Zug hatte Waggontüren mit automatischem Schließmechanismus, bzw man konnte sie auch manuell betätigen mit dem grünen „Tür auf“ und dem roten „Tür zu-Knopf“. Denn manchmal zog kalte Luft in den Waggon, bzw die Geräuschkulisse konnte laut sein. Aber weder Automatik noch Manuell konnte helfen das Problem der offenen Türe zu lösen, wenn die Jacke eines Gastes die Sensoren verdeckte.
Pünktliche Ankunft in Christchurch und der Bus stand auch schon bereit. Ein kurzer Weg zum Hotel, denn der Magen knurrte schon. Das Abendessen, eine 3-Gänge-Menü vom Feinsten. Sogar der erkundigte sich bei uns, ob alles schmeckte und alles in Ordnung sei.
Ich denk, dieses Essen wird jeden noch lange in Erinnerung bleiben.
Und dann kam der Abschied. Tja, 3 Wochen zusammen und jetzt mussten wir uns von Roger, dem wandelnden Lexikon, verabschieden. Natürlich mit einem kleinen Geschenk, einem moosgrünen wasserdichter Rucksack mit entsprechendem Inhalt, damit er sich auch den Rucksack mit Proviant füllen kann.
Morgen früh werden uns Taxis zum Flughafen bringen.
Heute war Freitag der 13. Und es war ein Glückstag, zumindest für Zwei aus der Gruppe. Das anfangs in Singapur am Flughafen während der Sicherheitskontrolle „verlorene“ neue Mobiltelefon ist wieder unversehrt gefunden worden, bzw aufgetaucht. Etwas kurios zwar die Geschichte dazu mit dem indonesischen Geldschein, aber es ist wieder da und es liegt morgen zur Abholung bereit.
Zeitreise
Nach einem ausgiebigen Frühstück holten uns zwei Taxis der Firma A2B ab Richtung Flughafen. Das Einchecken am Vorabend verlief bei Einigen noch etwas holprig, aber am Ende war auch das geschafft.
Nur noch den Reisepass vorzeigen, durch die Sicherheitskontrolle und ab in den Flieger nach Singapur, bzw. einer wollte noch eine Woche nach Australien. Guten Flug und hab dort eine schöne Zeit.
Zehn Stunden Flug lagen vor uns, auf den Bildschirmen am Stuhl vor uns liefen die unterschiedlichsten Filme zum Zeitvertreib. Zweimal warmes Essen und etwas Schlafen. Über Singapur drehten wir zwei Warteschleifen was uns nochmal einen herrlichem Blick auf die Stadt bescherte, bevor wir dann sanft den Boden des Changi Airports berührten und sicher landeten. Bei Tag gestartet, bei Tageslicht angekommen.
6 Stunden Zeit bis kurz vor Mitternacht. Zunächst einmal gab es eine sehr große Erleichterung für eine Person, da das anfangs verlorene, der Verdacht liegt näher bei gestohlen, Mobiltelefon wieder aufgetaucht ist und am Infostand zur Abholung bereit lag. War es doch ganz neu mit bester Kameratechnik ausgestattet.
Noch war es Tag und es bot sich an, die Schmetterlinge einen Besuch abzustatten, bevor sie schlafen gingen. Wunderbare Exemplare aus nächster Nähe konnte man sehen und sie bei ihrer Entwicklung im Brutkasten beobachten. Allerdings durfte einem das tropische Klima mit der hohen Luftfeuchtigkeit nichts ausmachen.
Trotzdem wir uns im Transitbereich des Flughafens befanden, mussten alle noch einmal durch den Sicherheitscheck mit Körperscanner. Singapur gilt eben als eine sichere und saubere Stadt und so soll es auch bleiben und dann hob kurz vor Mitternacht der Flieger in die Heimat ab.
Wieder in der Gegenwart
Flogen wir von Christchurch nach Singapur von Tag in den Tag, so flogen wir jetzt von Nacht zur Nacht. Trotz Krieg im Iran gab es keine Schwierigkeiten. 13 Stunden direkte Linie, über Indien, Afghanistan, Kasachstan, Ukraine, Tschechien.
Manchmal etwas holprig, bedingt durch Turbulenzen, aber wenn man die Augen zu hatte und ein bißchen Fantasie nimmt, konnte man meinen, man fährt mit dem Geländewagen im Skippers Canyon.
Kurz vor Sonnenaufgang landeten wir wieder in Frankfurt bei 5 Grad Celsius.
Auf den Bergen lag immer noch Schnee und die Temperatur so wie beim Abflug.
In der Heimat hatte sich nichts geändert, oder hatte ich ein Déjà-vu?
Mein Dank geht an die Gruppe, die mit ihrem Humor über so manche Fauxpas lachen konnte und was nicht passte einfach passend machte.
Beste Voraussetzungen für den Zusammenhalt der wesentlich dazu beitrug, dass jeder seinen Spaß an der Freud haben konnte.
So hoffe ich, den ein oder anderen auf einer neuen Reise wieder zu begegnen.
Neuseeland bleibt unvergessen.
Am anderen Ende der Welt erwartete uns eine atemberaubende Landschaft mit lebensfrohen und offenen Menschen.
Wir als Gruppe durften diesen Menschen begegnen und Roger als unser Driverguide brachte sie uns mit seinem ganzen Wissen näher. Auch dir nochmal ein Dankeschön.
Má te wá
Euer Michael
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