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Rundreise Neuseeland • von Nord bis Süd

Reisebericht: 06.03. – 28.03.2026

Kia Ora • Einmal an das andere Ende der Welt, einmal Kiwis sehen, Hobbiton besuchen und unglaubliche Landschaften entdecken ... All das und noch so viel mehr war einer kleinen Reisegruppe gegönnt.

Franziska Bergmann

Ein Reisebericht von
Franziska Bergmann

© Franziska Bergmann (Eberhardt TRAVEL) © Franziska Bergmann (Eberhardt TRAVEL) © Franziska Bergmann (Eberhardt TRAVEL) © Franziska Bergmann (Eberhardt TRAVEL) © Franziska Bergmann (Eberhardt TRAVEL) © Franziska Bergmann (Eberhardt TRAVEL) © Franziska Bergmann (Eberhardt TRAVEL) © Franziska Bergmann (Eberhardt TRAVEL) © Franziska Bergmann (Eberhardt TRAVEL) © Franziska Bergmann (Eberhardt TRAVEL) © Franziska Bergmann (Eberhardt TRAVEL) © Franziska Bergmann (Eberhardt TRAVEL)

1. Tag, 06.03.26 // Anreise

Aus allen Teilen Deutschlands kam unsere kleine Reisegruppe zusammen und schließlich trafen wir uns am späten Nachmittag am Frankfurter Flughafen. Voller Vorfreude stiegen wir in die vollbesetzte Boeing 777 von Singapur Airlines, genossen den ersten Singapur Sling und flogen in 12,5 Stunden nach Singapur.

2. Tag, 07.03.26 // Ankunft in Singapur

Nach einem langen Flug landeten wir wohlbehalten in Singapur. Die Einreise verlief reibungslos und zügig, und schon wartete unser örtlicher Reiseleiter Alvin auf uns, der uns herzlich in Empfang nahm. Kaum hatten wir das klimatisierte Terminal verlassen, empfing uns die schwüle Tropenluft wie eine freundliche, aber unmissverständliche Begrüßung: Willkommen in Südostasien!
Auf der Fahrt zum Hotel ließ Alvin es sich nicht nehmen, uns bereits mit ersten Informationen über den faszinierenden Stadtstaat zu versorgen. Und dann sahen wir es zum ersten Mal mit eigenen Augen: das weltberühmte Marina Bay Sands Hotel, dessen drei geschwungene Türme mit der spektakulären Dachterrasse die Skyline Singapurs wie kein anderes Bauwerk prägen. Ein beeindruckender erster Eindruck!
Nach einer kurzen Verschnaufpause im Hotel ließen wir es uns nicht nehmen, gemeinsam loszuziehen. Unser Ziel: die allabendliche Laser-Fontänenshow an der Marina Bay, ein beeindruckendes Spektakel, bei dem Wasserfontänen, Laserstrahlen und Musik zu einer mitreißenden Show verschmelzen, die sich direkt vor der imposanten Kulisse des Marina Bay Sands Hotels entfaltet. Ein unvergesslicher Anblick! Anschließend spazierten wir weiter zu den Gardens by the Bay, wo uns die berühmten Supertrees erwarteten. Bis zu 50 Meter hohe, bepflanzte Stahlskulpturen, die abends in der Garden Rhapsody-Show in ein atemberaubendes Musik-Licht-Spektakel gehüllt werden. Wer einmal unter diesen leuchtenden Baumriesen gestanden hat, versteht, warum Singapur zu den faszinierendsten Städten der Welt zählt.
Für den Rückweg zum Hotel schieden sich dann die Geister. Die einen gönnten sich ein Taxi, die anderen zogen es vor, die laue Nachtluft noch etwas länger zu genießen und zu Fuß zu gehen. Letztere machten dabei eine besonders glückliche Entdeckung: ein paar Garküchen luden spontan zu einem ungeplantem Stopp ein. Bei einem eiskalten Tiger Beer und Dumplings ließen wir den Abend ausklingen, tauschten erste Eindrücke aus und stellten fest: Reisen verbindet, Bier aber auch.

3.Tag, 08.03.26 // Ein Tag in Singapur & Abflug nach Neuseeland

Der Morgen gehörte ganz uns: Während einige die freie Zeit für einen individuellen Bummel durch die Stadt nutzten, schlossen sich andere unserer Reisebegleiterin Franzi an und besuchten die berühmten Glaskuppeln der Gardens by the Bay. Im Flower Dome, mit rund 1,2 Hektar Fläche eines der größten Gewächshäuser der Welt, entfaltete sich eine atemberaubende Blütenpracht aus aller Herren Länder, während der Cloud Forest mit seinem 30 Meter hohen Indoor-Wasserfall und üppiger tropischer Vegetation in eine ganz andere Welt entführte. Besonderes Highlight: eine Jurassic World-Sonderausstellung, die selbst hartgesottene Nicht-Fans mit offenem Mund dastehen ließ. Beeindruckend, farbenfroh und definitiv einen Besuch wert!
Pünktlich zur Mittagszeit empfing uns Alvin gut gelaunt vor dem Hotel und startete mit uns in einen abwechslungsreichen Nachmittag. Erste Station war das Marina Bay Sands Hotel, wo wir mit dem Aufzug hinauf auf das SkyPark Observation Deck im 56. Stockwerk fuhren – auf stolze 200 Meter Höhe. Dort oben gab es zunächst natürlich einen verstohlenen Blick auf den legendären Infinity Pool, der sich scheinbar bis an den Horizont erstreckt. Schwimmen dürfen dort leider nur Hotelgäste, staunen durften wir alle. Der Panoramablick über die Skyline Singapurs, die Gardens by the Bay und den Hafen war schlichtweg atemberaubend.
Zu Fuß ging es weiter durch das Hotel und das anschließende Einkaufszentrum, wo die zahlreichen Shops uns teilweise ins Staunen versetzten. Unser nächster Halt war die Raffles-Statue am Singapore River, ein Denkmal für Sir Stamford Raffles, den Gründer des modernen Singapurs, der 1819 hier an Land ging. Natürlich wollten wir auch zum Wahrzeichen der Stadt, dem Merlion, halb Löwe, halb Fisch, der stoisch sein Wasser in die Bucht spuckt und für das obligatorische Foto herhalten musste.
Weiter führte uns Alvin in das bunte Chinatown, wo der Sri Mariamman Tempel, der älteste Hindu-Tempel Singapurs aus dem Jahr 1827, mit seiner farbenprächtigen, figurengeschmückten Fassade alle Blicke auf sich zog. An den Garküchen ringsum duftete es verführerisch, und wer noch Hunger hatte, wurde hier mehr als fündig.
Der Botanische Garten, UNESCO-Weltkulturerbe und einer der bedeutendsten botanischen Gärten Asiens, wartete mit der wunderbaren Orchideenschau auf: über 1.000 Arten dieser faszinierenden Blüten in allen erdenklichen Farben und Formen. Ein Fest für die Augen!
Anschließend führte uns die Stadtrundfahrt noch durch das Indische Viertel und das arabisch geprägte Kampong Glam mit seiner farbenfrohen Häuserzeile und der goldenen Kuppel der Sultan-Moschee. Ein letzter, eindrucksvoller Beweis dafür, wie viele Kulturen in diesem kleinen Stadtstaat friedlich nebeneinander existieren.
Dann hieß es Abschied nehmen: Alvin brachte uns zum Flughafen und verabschiedete sich von uns – ein herzliches Terima kasih, Alvin! Im Flughafen selbst wartete noch eine letzte Singapur-Attraktion auf uns: das Jewel Changi, ein futuristisches Einkaufs- und Erlebniszentrum mit dem höchsten Innen-Wasserfall der Welt, dem Rain Vortex, der sich von der Glaskuppel 40 Meter in die Tiefe stürzt. Ein würdiger Abschluss für diesen vollgepackten Tag.
Dann stiegen wir ins Flugzeug Richtung Auckland und wer beim Einschlafen noch ein kleines Helferlein brauchte, der wusste Rat: ein Singapore Sling, der pinke Cocktail-Klassiker, der 1915 im Raffles Hotel erfunden wurde und seitdem untrennbar mit Singapur verbunden ist. Auf gute Träume und auf Neuseeland!

4. Tag, 09.03.26 // Kia Ora, Neuseeland! – Ankunft und Orientierungsfahrt in Auckland

Nach dem langen Nachtflug landeten wir endlich in Auckland. Kia Ora, Aotearoa!
Die Einreise nach Neuseeland ist bekannt dafür, dass sie es sehr genau nimmt, und das bekamen wir gleich zu spüren: Der neuseeländische Zoll und die Biosicherheitsbehörde gelten als die strengsten der Welt. Kein Wunder, denn das Inselreich schützt seine einzigartige Flora und Fauna mit aller Konsequenz vor eingeschleppten Schädlingen und Krankheiten. Selbst eine vergessene kleine Nuss im Rucksack kann hier für große Aufregung sorgen. Ein Mitglied unserer Gruppe durfte das am eigenen Leib erfahren und wurde einer etwas genaueren Überprüfung unterzogen, was am Ende eine gute Stunde in Anspruch nahm. Lang? Ja. Wichtig? Absolut. Neuseeland nimmt seinen Naturschutz ernst, und das verdient Respekt!
Uns empfing die charmante Sandy, unsere örtliche Reiseleiterin, die uns von nun an durch ganz Neuseeland begleiten sollte. Und das mit einer Herzlichkeit, die sofort das Eis brach.
Gemeinsam starteten wir zur Orientierungsfahrt durch Auckland, die größte Stadt des Landes mit rund 1,7 Millionen Einwohnern. Auckland trägt den Beinamen „Stadt der Segel" und das aus gutem Grund: Pro Kopf gibt es hier mehr Segelboote als in jeder anderen Stadt der Welt. Der Hafen ist allgegenwärtig, das Meer ist nie weit, und die Neuseeländer sind leidenschaftliche Segler. Nicht umsonst hat Auckland die prestigeträchtige America's Cup-Regatta gleich mehrfach ausgetragen. Überall im Hafen schaukelten die weißen Segel in der Brise, ein Bild, das sofort erklärt, wie die Stadt zu ihrem Namen kam.
Entlang der Küste fuhren wir bis zum Bastion Point, einem geschichtsträchtigen Hügel mit einem der schönsten Panoramablicke über den Waitemata Harbour, die Hauraki Gulf und die vorgelagerten Inseln. Der Ort ist weit mehr als nur ein Aussichtspunkt: Er ist ein Symbol des Maori-Widerstands. 1977 besetzten Mitglieder des Ngati Whatua-Stammes das Land für 506 Tage, um es vor einer Bebauung zu schützen. Eine der bedeutendsten Protestaktionen der neuseeländischen Geschichte, die 1988 mit der Rückgabe des Landes an den Stamm endete. Heute erinnert ein Denkmal an diesen Kampf, und der Blick über die Bucht macht den Besuch zu einem ganz besonderen Moment.
Zurück im Zentrum bezogen wir unser Hotel, und wer noch Energie hatte, machte sich auf eigene Faust auf Entdeckungstour durch die lebendige Stadt. Am Abend trafen wir uns zum ersten gemeinsamen Abendessen, ein leckeres Menü, das die Runde sichtlich genoss. Bei Tisch wurde gelacht, erzählt und gestaunt und die Vorfreude auf das, was noch kommen sollte, war deutlich zu spüren. Neuseeland, wir sind bereit!

5. Tag, 10.03.26 // Fahrt in den Norden – Kauri–Riesen und Ankunft in Paihia

Mit strahlendem Sonnenschein im Gepäck starteten wir unsere Fahrt in den Norden der Nordinsel und die Landschaft ließ uns von Kilometer zu Kilometer stauner werden. Erste große Station des Tages war das Kauri-Museum in Matakohe, das der Geschichte eines der beeindruckendsten Bäume der Welt gewidmet ist. Der Kauri (Agathis australis) ist eine der ältesten Baumarten der Erde und war einst in riesigen Wäldern über die gesamte Nordinsel verbreitet. Sein hartes, harzreiches Holz war so begehrt, dass die Wälder im 19. und frühen 20. Jahrhundert durch intensive Abholzung fast vollständig verschwanden. Das Museum erzählt diese Geschichte eindrucksvoll, von den Maori, die den Kauri seit Jahrhunderten verehren, über die europäischen Siedler, die das Holz für Schiffbau und Möbel nutzten, bis hin zu den Bemühungen um den heutigen Schutz der verbliebenen Bestände. Besonders faszinierend: das sogenannte Kauri-Gum, das fossile Harz des Baumes, das jahrtausendelang im Boden konserviert wurde und einst als begehrter Rohstoff für Lacke und Linoleum abgebaut wurde. Nach so viel Wissen war es Zeit für eine Stärkung – Mittagessen und ein kleiner Souvenirbummel ließen niemanden hungrig weiterfahren.
Weiter ging es Richtung Dargaville, das sich selbst stolz als „Kumara-Hauptstadt Neuseelands" bezeichnet. Die Süßkartoffel, auf Maori Kūmara, gedeiht in dieser Region besonders prächtig und ist seit Jahrhunderten ein Grundnahrungsmittel der Maori. Die Vegetation entlang der Strecke veränderte sich zusehends: Üppige Baumfarne reckten ihre federartigen Wedel in den Himmel, und immer wieder tauchten stattliche Kauri-Bäume am Wegesrand auf.
Denn dann standen wir vor ihm: Tane Mahuta, dem „Herrn des Waldes". Mit einem Stammumfang von über 13 Metern, einer Höhe von rund 51 Metern und einem geschätzten Alter von 1.500 bis 2.000 Jahren ist er der größte lebende Kauri-Baum der Welt und eine der eindrucksvollsten Naturerscheinungen, die Neuseeland zu bieten hat. In der Maori-Mythologie ist Tane Mahuta der Gott des Waldes und der Vögel, Sohn des Himmelvaters Ranginui und der Erdmutter Papatūānuku. Der Legende nach war es Tane, der Himmel und Erde voneinander trennte und damit erst Licht und Leben ermöglichte. Er stemmte sich mit den Schultern gegen die Erde und drückte den Himmel mit seinen Beinen empor. Vor diesem uralten Riesen zu stehen und zu begreifen, dass er bereits stand, als in Europa das Mittelalter herrschte, das hinterlässt beeindruckte Reisegäste.
Beim Fotostopp in Opononi am Hokianga Harbour hielten wir inne und ließen den Blick über die weite Mündungsbucht schweifen. Opononi ist vor allem bekannt durch eine charmante Geschichte aus dem Jahr 1955: Ein junger wilder Delfin, liebevoll „Opo" getauft, tauchte plötzlich im flachen Wasser vor dem Ort auf und begann, mit Badegästen, besonders mit Kindern, zu spielen. Der freundliche Meeressäuger wurde zur lokalen Berühmtheit und zog Besucher aus ganz Neuseeland an. Als Opo im März 1956 tot aufgefunden wurde, trauerte das ganze Land und Opononi erinnert bis heute mit einer Statue an seinen berühmten Delfin.
Im Ort selbst legten wir einen kleinen Stopp ein: Bei einer spontanen Vorstellungsrunde lernten wir uns als Gruppe so richtig kennen und dabei entstand sie: DIE Liste. Was wollen wir auf dieser Reise unbedingt sehen? Die Wünsche sprudelten nur so heraus: ein Kiwi-Schild, natürlich echte Schafe, die rot blühenden Pohutukawa-Bäume, Manuka-Honig und noch vieles mehr. Eine Liste voller Vorfreude und wir waren fest entschlossen, sie Punkt für Punkt abzuhaken! Dazu gab es die erste Werbepause von lokalen Spezialitäten: L&P-Limonade, eine urneuseeländische Zitronenlimonade, die seit 1907 in Paeroa gebraut wird und deren Slogan „World Famous in New Zealand" schon alles sagt, sowie Pīkao (Pigaboo), eine rote Birne, die als Kreuzung aus europäischen, japanischen und chinesischen Birnen entstanden ist und für neugierige Gaumen sorgte.
Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich Paihia, den charmanten Ferienort an der Bay of Islands. Das malerische Städtchen liegt direkt am Wasser und gilt als das Tor zu einer der schönsten Küstenregionen Neuseelands: 144 Inseln, türkisfarbenes Wasser und eine bewegte Geschichte machen die Bay of Islands zu einem der beliebtesten Reiseziele des Landes. Paihia selbst ist ein entspannter, lebhafter Ort mit bunten Cafés, kleinen Läden und einem Hafen, von dem aus Boote zu den Inseln ablegen. Historisch bedeutsam ist die Region ebenfalls: Nicht weit entfernt, in Waitangi, wurde 1840 der Vertrag von Waitangi unterzeichnet, das Gründungsdokument Neuseelands, das die Beziehung zwischen der britischen Krone und den Maori bis heute prägt.
Nach dem Hotelbezug ließen wir den ereignisreichen Tag bei einem leckeren gemeinsamen Abendessen ausklingen.

6. Tag, 11.03.26 // Ausflug zum Cape Reinga – Ans Ende der Welt

Der Wecker klingelte früh an diesem Morgen und der Blick aus dem Fenster verhieß zunächst nichts Gutes: Regen. Aber was ist schon ein bisschen Wasser für eine Gruppe, die ans Ende der Welt fahren will? Wir schnappten uns Regenjacken und gute Laune und stiegen in den Bus, wo uns bereits George erwartete, Maori, Busfahrer, Geschichtenerzähler und heimlicher Star des Tages. Von der ersten Minute an war klar: Mit George wird es kein gewöhnlicher Ausflug. Zwischen den Ortschaften, Wäldern und Küstenstreifen, die an uns vorbeizogen, sang er uns Maori-Lieder, erzählte von seiner Kultur und seinem Volk und natürlich von der Legende, wie Neuseeland überhaupt entstand.
Denn nach Maori-Überlieferung war es der Halbgott Māui, der die Nordinsel Neuseelands aus dem Meer zog und zwar mit einer Angel. Die Legende erzählt, dass Māui heimlich an Bord des Kanus seiner Brüder schlich und mit ihnen aufs Meer hinausfuhr. Als sie weit genug draußen waren, warf er seine magische Angel aus, deren Haken er aus dem Kieferknochen seiner Großmutter gefertigt hatte, und zog mit aller Kraft. Was er heraufholte, war kein Fisch, sondern ein riesiges Land: Te Ika-a-Māui, der Fisch des Māui, die Nordinsel Neuseelands. Die Südinsel gilt dabei als sein Kanu, und der Steward Island als sein Anker. Wer heute auf die Landkarte schaut, kann die Form eines Fisches tatsächlich erahnen: Kopf im Süden, Schwanzflosse im Norden.
Auf dem Weg nach Norden durchfuhren wir eine Reihe reizvoller Ortschaften. Kerikeri, eine der ältesten europäischen Siedlungen Neuseelands, bekannt für seine Zitrusfrüchte und seinen Wein sowie das älteste noch erhaltene Steingebäude des Landes, den Stone Store aus dem Jahr 1836. Weiter vorbei am Waipoua-Kauri-Wald, dem größten verbliebenen Kauri-Schutzwald der Nordinsel, der nicht nur Tane Mahuta beherbergt, sondern einen ganzen Tempel aus uralten Baumriesen. Durch Coopers Beach und Cable Bay führte uns die Strecke, bevor wir in Waipapakauri eine willkommene Kaffeepause einlegten.
Im dortigen kleinen Museum wartete eine ganz besondere Kuriosität: ein uralter Kauri-Baumstamm, der Jahrtausende lang im Moor konserviert worden war, das sogenannte Swamp Kauri, und in den eine Treppe eingebaut wurde. Kauri-Stämme, die vor bis zu 50.000 Jahren umgestürzt und im Torfmoor versunken sind, bleiben durch den Sauerstoffausschluss nahezu unverändert erhalten. Das Holz ist dabei so gut konserviert, dass es noch heute bearbeitet werden kann. Wir sahen ein lebendiges Stück Urgeschichte, das man anfassen darf.
Dann kam der große Moment: der Buswechsel. Unser gewöhnlicher Reisebus wurde gegen einen robusten Hochlandbus getauscht, denn was vor uns lag, war kein normaler Weg, sondern der Ninety Mile Beach. Der Name ist dabei eine kleine geografische Untertreibung: Der Strand ist „nur" etwa 88 Kilometer lang, aber das klingt eben weniger dramatisch. Die Bezeichnung geht vermutlich auf frühe Missionare zurück, die die Strecke zu Pferd zurücklegten und die Tagesmärsche ihrer Pferde falsch berechneten. Bis 2008 galt der Strand offiziell als öffentliche Straße und durfte mit dem Auto befahren werden, heute ist das nur noch mit speziell zugelassenen Fahrzeugen erlaubt. Unser Hochlandbus war natürlich eines davon, und so rollten wir majestätisch über den endlosen Sandstreifen, während die Wellen des Tasman-Meeres uns zur Linken begleiteten.
Am Strand tummelten sich zahlreiche Fischer, die ihr Glück beim Fang von Snapper versuchten, einem der beliebtesten Speisefische Neuseelands. Wer wollte, konnte sich beim Sandboarding auf den Dünen versuchen oder einfach bis ans Wasser laufen und die Füße in den Pazifik tauchen. Nach Tuatuas, den begehrten kleinen Muscheln, die sich im Sand vergraben, hielten wir zwar Ausschau, aber die scheuen Tierchen ließen sich an diesem Tag nicht blicken. Vielleicht beim nächsten Mal!
Dann erreichten wir unser eigentliches Ziel: das Cape Reinga, die nördlichste zugängliche Spitze Neuseelands. Es regnete, warm, aber beharrlich. Wir zogen uns entsprechend an und machten uns auf den Weg zum Leuchtturm. Unterwegs fiel unser Blick auf einen alten, knorrigen Pohutukawa-Baum, der einsam an der Klippe wächst und der für die Maori von tiefer spiritueller Bedeutung ist. Der Legende nach steigen hier die Seelen der Verstorbenen in die Unterwelt hinab: Sie gleiten die Wurzeln des Pohutukawa hinunter, tauchen ins Meer ein und treten ihre letzte Reise nach Hawaiki an, dem mythischen Ursprungsland der Maori, von dem ihre Vorfahren einst aufgebrochen waren. Cape Reinga ist damit kein gewöhnliches Kap, sondern ein heiliger Ort: Te Rerenga Wairua, der Abflugpunkt der Seelen.
Der Leuchtturm von Cape Reinga wurde 1941 errichtet und ist mit seinen leuchtend weißen Wänden eines der meistfotografierten Motive Neuseelands. Er steht auf einer Höhe von 165 Metern über dem Meeresspiegel, und sein Licht ist bei klarer Sicht bis zu 49 Kilometer weit zu sehen. Zu seinen Füßen treffen zwei Meere aufeinander: der Südpazifik und die Tasman-See. Erkennbar an den aufeinanderprallenden Wellen, die auch bei bedecktem Himmel ein faszinierendes Farbenspiel erzeugen.
Mit einem guten Snack im Bus gestärkt, traten wir die Rückfahrt an, zurück zum Museum, wo Souvenirs und Tois auf uns warteten und der Hochlandbus wieder gegen unseren gewohnten Reisebus getauscht wurde. Am frühen Abend erreichten wir das Hotel. Etwas durchnässt, aber bei bester Laune. Denn manchmal sind es gerade die verregneten Tage, die die schönsten Geschichten schreiben. Beim gemeinsamen Abendessen wurde gut gegessen und der Plan für den nächsten Tag mit Sandy und Franzi geschmiedet.

7. Tag, 12.03.26 // Auf zur Coromandel–Halbinsel

Wieder hieß es früh aufstehen. Langsam wurden wir zu echten Frühaufstehern, ob wir wollten oder nicht. Doch der Morgen hielt gleich zu Beginn eine besondere Begegnung bereit: ein Marae am Wegesrand. So nennen die Maori ihr traditionelles Versammlungs- und Gemeinschaftszentrum, das Herzstück jeder Maori-Gemeinschaft. Ein Marae besteht in der Regel aus einem offenen Vorplatz (Marae Ātea), dem Versammlungshaus (Wharenui), das oft mit kunstvollen Schnitzereien und Flechtarbeiten verziert ist, sowie weiteren Gemeinschaftsgebäuden. Hier finden Zeremonien, Beerdigungen, Feste und wichtige Versammlungen statt. Der Marae ist ein heiliger Ort, der nur auf Einladung betreten werden darf. Die aufwendigen Schnitzereien an den Fassaden erzählen dabei die Genealogie und Geschichte des jeweiligen Stammes, ein in Holz gemeißeltes Geschichtsbuch, das Generationen überdauert.
Dann wurde es historisch: Sandy erzählte uns die Geschichte des Vertrages von Waitangi, des wohl bedeutendsten Dokuments der neuseeländischen Geschichte. Am 6. Februar 1840 unterzeichneten Vertreter der britischen Krone und rund 500 Maori-Häuptlinge (Rangatira) diesen Vertrag in Waitangi, unweit von Paihia. Er sollte die Beziehung zwischen den Maori und den britischen Siedlern regeln, doch schon damals gab es ein grundlegendes Problem: Die englische und die Maori-Version des Vertrages unterschieden sich in entscheidenden Punkten. Während die englische Fassung den Maori die Souveränität über ihr Land abverlangte, sprach die Maori-Version lediglich von einer Art Gouverneursgewalt der Krone. Dieses Missverständnis, ob absichtlich oder nicht, führte zu Landkonflikten, Kriegen und Enteignungen, die das Verhältnis zwischen Maori und Pākehā (Nicht-Maori) noch heute prägen. Seit 1960 ist der 6. Februar Neuseelands Nationalfeiertag: der Waitangi Day, ein Tag, der je nach Perspektive gefeiert, aber auch kritisch hinterfragt wird.
Neben dem Gelände von Waitangi warfen wir einen kurzen Blick auf das ehrwürdige Treaty House, das älteste noch erhaltene Holzhaus Neuseelands, einst Wohnsitz von James Busby, dem britischen Residenten, der maßgeblich an der Ausarbeitung des Vertrages beteiligt war. Das schlichte weiße Holzhaus aus dem Jahr 1834 wirkt fast unscheinbar angesichts seiner historischen Bedeutung. Dann entdeckten wir auch die Maori-Flagge, Tino Rangatiratanga, die Flagge der Maori-Souveränität: Schwarz steht für Te Kore, die Dunkelheit und das Potenzial; Rot für Te Whenua, die Erde und das Blut der Menschen; und Weiß für Te Ao Mārama, die Welt des Lichts und der Erkenntnis. Eine Flagge mit tiefer Bedeutung, und ein kraftvolles Symbol für den anhaltenden Kampf der Maori um Anerkennung und Selbstbestimmung.
Weiter ging die Fahrt nach Kawakawa, einem unscheinbaren kleinen Städtchen, das jedoch eine ganz besondere Sehenswürdigkeit beherbergt: die wohl berühmteste öffentliche Toilette Neuseelands. Entworfen vom österreichischen Künstler und Architekten Friedensreich Hundertwasser, der seine letzten Lebensjahre in der Nähe von Kawakawa verbrachte und 2000 hier verstarb. Was als kleines Gemeinschaftsprojekt begann, ist heute eine internationale Touristenattraktion und vermutlich die meistfotografierte Toilette der Welt. Ein Pflichtbesuch!
Um die lange Fahrtzeit des Tages zu überbrücken, hörten wir von Sandy allerlei interessante Dinge über das neuseeländische Leben. Als ausgewanderte Deutsche, die Neuseeland in- und auswendig kennt, ließ sie uns in den neuseeländischen Alltag blicken. So erfuhren wir, dass Neuseeland seinen Strom zu rund 80–85 Prozent aus erneuerbaren Energien gewinnt, vor allem aus Wasserkraft, Geothermie und Wind. In städtischen Gebieten ist die Versorgung zuverlässig und modern, während es in ländlichen Regionen schon mal etwas abenteuerlicher zugehen kann. Die Wasserversorgung ist regional sehr unterschiedlich: In manchen Gegenden kommt das Wasser direkt aus dem Hahn in Trinkwasserqualität, andernorts verlassen sich Haushalte auf Regenwassertanks, ganz selbstverständlich und ohne großes Aufhebens.
Das Gesundheitswesen ist staatlich organisiert und für alle Einwohner zugänglich, wenngleich die Wartezeiten für nicht dringende Eingriffe mitunter lang sein können. Wer als Ausländer einwandern möchte, braucht Geduld und einen langen Atem: Das neuseeländische Visums- und Einwanderungssystem funktioniert nach einem Punktesystem, bei dem Alter, Ausbildung, Berufserfahrung und Sprachkenntnisse zählen. Besonders gefragt sind im Moment Fachkräfte in Handwerk, Medizin und IT. Sandy erzählte das alles mit einer Mischung aus Sachkenntnis und persönlicher Erfahrung, die ihre Berichte besonders lebendig machte.
Zwischendurch gab es natürlich die obligatorischen kleinen Pausen zur Stärkung und eine ganz besondere Werbepause im Bus: Tim Tams! Die schokoladenüberzogenen Kekse mit der cremigen Füllung sind Australiens bekanntester Keksexport und in Neuseeland mindestens genauso beliebt. Wer noch keinen Tim Tam gegessen hatte, wurde umgehend bekehrt.
Die Landschaft veränderte sich zusehends, als wir in die Region mit den großen Rinderherden kamen. Neuseeland ist eines der bedeutendsten Rindfleisch-Exportländer der Welt. Rund 10 Millionen Rinder grasen auf den saftigen Weiden des Landes, was bei einer Bevölkerung von nur fünf Millionen Menschen bedeutet: Hier kommen auf jeden Menschen zwei Kühe. Das neuseeländische Rindfleisch, vor allem Weidehaltung das ganze Jahr über, gilt weltweit als besonders hochwertig und wird in alle Welt exportiert. Kein Wunder, dass die Weiden hier so gepflegt und die Tiere so prächtig aussehen!
Ein kurzer Stopp im Supermarkt in Thames, für Proviant, Neugier und den unvermeidlichen Blick in die lokalen Regale, und dann erreichten wir am späten Nachmittag unser Ziel: Pauanui auf der Coromandel-Halbinsel. Die Halbinsel, die wie ein langer Finger in den Hauraki Gulf ragt, ist eine der beliebtesten Ferienregionen Neuseelands. Und das zu Recht. Sanfte grüne Hügel, einsame Buchten, goldene Sandstrände und eine entspannte Atmosphäre machen sie zum Liebling der Neuseeländer selbst. Pauanui ist ein ruhiges, gepflegtes Küstenstädtchen an der Ostküste der Halbinsel, das vor allem als Feriendorf bekannt ist, mit einem der schönsten Strände der Region und einer Stille, die man in der Stadt vergeblich sucht.
Unser Quartier für die nächsten Nächte war die Pauanui Motor Lodge von Carol und Simon. Das Abendessen im nahe gelegenen Restaurant rundete einen langen, ereignisreichen und überaus informativen Tag würdig ab.

8. Tag, 13.03.26 // Coromandel–Halbinsel – Hot Water Beach, Cathedral Cove und das erste Kiwi–Schild!

Der Morgen begann mit einem individuellen Frühstück in unseren gemütlichen Bungalows.
Erste Station des Tages war der berühmte Hot Water Beach und der Name ist dabei wortwörtlich zu nehmen. Unter dem Sand dieses unscheinbar wirkenden Strandes brodelt nämlich ein geothermales Geheimnis: Heißes Wasser aus unterirdischen Quellen drückt bei Ebbe durch den Sand an die Oberfläche und vermischt sich mit dem kühlen Meerwasser zu einer natürlichen Badewanne. Mit Schaufeln, die wir selbstverständlich dabei hatten, gräbt man sich sein ganz persönliches Thermal-Becken in den Sand. Klingt einfach, ist aber eine Wissenschaft für sich: zu nah am Wasser, und die Wellen spülen alles wieder zu; zu weit weg, und das Wasser ist schlicht zu heiß. Wir gruben, planschten und lachten, umgeben von vielen anderen Touristen, die ebenfalls eifrig buddelten. Ein herrlicher, etwas chaotischer und rundum vergnüglicher Spaß!
Nach einer kurzen Busfahrt folgte eine leichte Wanderung zur wohl bekanntesten Bucht der Coromandel-Halbinsel: der Cathedral Cove. Der Name ist Programm: Wind und Wellen haben über Jahrtausende einen gewaltigen Felsbogen aus weißem Kalkstein geformt, der wie das Portal einer Kathedrale zwei traumhafte Buchten miteinander verbindet. Das wilde Wasser, der helle Sand und die dramatischen Felsen ringsum machen diesen Ort zu einem der fotogensten Neuseelands. Und zu einem der Drehorte von „Narnia: Prinz Kaspian", was dem Ganzen noch einen Hauch Filmmagie verleiht. Die Kameras klickten im Akkord, und einige Unerschrockene ließen es sich nicht nehmen, trotz der Wellen und frischen Wassertemperatur ins Meer zu springen. Respekt!
Zurück am Bus entspann sich ein nettes Gespräch mit einem einheimischen Farmer, der sichtlich stolz auf seine Hunde war. In Neuseeland sind Hütehunde keine Haustiere, sondern echte Arbeitstiere, ohne die die Schaf- und Rinderwirtschaft schlicht nicht funktionieren würde. Der Farmer, und später Sandy, erklärte uns den Unterschied zwischen den zwei wichtigsten Rassen: Der Huntaway ist ein kräftiger, lautstarker Hund, der die Herde durch gezieltes Bellen antreibt und in Bewegung hält. Sein tiefer, weitreichender Ruf ist auf den Weiden Neuseelands allgegenwärtig. Der Heading Dog hingegen arbeitet lautlos und mit Blickkontakt: Er „fixiert" die Schafe mit seinem intensiven Blick, umkreist die Herde und lenkt sie präzise in die gewünschte Richtung. Beide Rassen ergänzen sich perfekt und zusammen sind sie das unschlagbare Dreamteam der neuseeländischen Landwirtschaft.
Zum Mittagessen machten wir Halt in Hahei, einem kleinen, charmanten Küstenort unweit der Cathedral Cove, der im neuseeländischen Sommer zum beliebten Ferienort wird. Mit seinen bunten Holzhäuschen, dem entspannten Café-Leben und dem Blick aufs Meer versprüht Hahei genau jenen unaufgeregten Charme, der die Coromandel-Halbinsel so besonders macht. Benannt wurde der Ort nach dem Maori-Häuptling Hei, einem der frühen polynesischen Einwanderer, der hier einst mit seinem Stamm siedelte.
Auf der Weiterfahrt passierten wir einige Kiwi-Plantagen und Sandy nutzte die Gelegenheit, uns über das neuseeländische Schulsystem aufzuklären. In Neuseeland beginnt die Schulpflicht mit fünf Jahren. Kinder starten an ihrem fünften Geburtstag, ganz individuell, mitten im Schuljahr. Die Schule ist bis zum 16. Lebensjahr Pflicht, bis 19 kostenlos. Das System ist stark auf Eigenverantwortung und praktisches Lernen ausgerichtet, Schuluniformen sind an vielen Schulen üblich, und der Unterricht endet oft früher als in Deutschland, was erklärt, warum nachmittags so viele Kinder draußen spielen. Universitäten genießen einen guten internationalen Ruf, und der Hochschulzugang ist vergleichsweise unkompliziert.
Und dann, bei Tairua, war es so weit: Das erste Kiwi-Schild! Zugegeben, kein offizielles Verkehrsschild, aber ein Schild war es! Und die Freude in unserem Bus war trotzdem riesig. Feierlich wurde DIE Liste hervorgeholt: der erste Haken durfte gesetzt werden. Klein, aber fein, so sind manchmal die schönsten Reisemomente.
Am Nachmittag erreichten wir wieder unsere gemütliche Lodge in Pauanui und als hätte Neuseeland auf unsere Rückkehr gewartet, zeigte sich endlich die Sonne. Die Gäste ließen sich auf ihren kleinen Terrassen nieder, streckten die Beine aus und genossen die warmen Strahlen nach den ereignisreichen Stunden. Ein wohlverdienter Moment. Das Abendessen in einem kleinen, nahegelegenen Restaurant setzte den perfekten Schlusspunkt unter einen Tag, der alles hatte: Wärme, Wasser, Wandern – und das erste Kiwi-Schild.

9. Tag, 14.03.26 // Hobbiton, Maoris und Redwoods

Früh aufstehen, das hatten wir ja inzwischen perfektioniert. Mit der Aussicht auf einen sonnigen Tag und einem prall gefüllten Programm fiel das Aufstehen heute besonders leicht. Wir verabschiedeten uns von der wunderschönen Coromandel-Halbinsel und fuhren Richtung Süden.
Erster Stopp: Paeroa, eine kleine Stadt mit einer ganz großen Berühmtheit. Hier, wo der Ohinemuri River auf den Hauraki Gulf trifft, wurde einst das Quellwasser abgefüllt, das zur Basis der legendären L&P-Limonade wurde. „World Famous in New Zealand", der Slogan sitzt, und wer beim Tag 5 auf den Geschmack gekommen war, nutzte die Gelegenheit für einen weiteren Schluck des zitronigen Kultgetränks. Bei einem Kaffee in der Hand und L&P im Herzen fuhren wir weiter, dem Auenland entgegen.
Denn das nächste Ziel ließ vor allem einige Herzen höher schlagen: Hobbiton! Während die nicht ganz so tolkienbegeisterten Mitreisenden mit Sandy gemütlich Richtung Rotorua weiterfuhren, tauchten wir ein in die wohl berühmteste Filmkulisse der Welt. Doch wie kam das idyllische Neuseeland überhaupt zu dieser Ehre?
Die Geschichte beginnt 1998, als Scouts des Filmteams von Regisseur Sir Peter Jackson auf der Suche nach dem perfekten Auenland aus dem Hubschrauber auf die Farm der Familie Alexander bei Matamata blickten und sofort wussten: Das ist es! Sanfte grüne Hügel, ein malerischer See, alte Eichen und Weiden. Die Natur hatte das Auenland bereits gebaut, man musste es nur noch einrichten. Die neuseeländische Armee half beim Bau der Zufahrtsstraße, und über Monate entstand auf der Schaffarm eine der aufwendigsten Filmkulissen aller Zeiten. Nach den Dreharbeiten zu „Der Herr der Ringe" wurde die Kulisse zunächst abgebaut, doch die Anfragen von Fans aus aller Welt rissen nicht ab. Als „Der Hobbit" in Produktion ging, baute Peter Jackson Hobbiton kurzerhand wieder auf. Diesmal dauerhaft und in voller Pracht. Seit 2012 ist das Filmset offiziell für Besucher geöffnet, und seither pilgern Fans aus aller Welt ins Auenland.
Wir erkundeten alle 44 Hobbit-Löcher, die in verschiedenen Größen gebaut wurden, je nachdem, ob sie für Hobbits, Menschen oder die optische Täuschung der Kamera gedacht waren. Jedes Hobbit-Loch hat seinen eigenen Charakter: bepflanzte Vorgärten, kleine Wäscheleinen, winzige Gemüsebeete und liebevoll platzierte Requisiten lassen die Welt von Tolkien zum Greifen nah erscheinen. Wir bestaunten den mächtigen Party Tree, eine künstlich angefertigte Eiche mit 250.000 Einzelblättern, die per Hand befestigt wurden, weil die echten Blätter die falsche Farbe hatten. Wir überquerten die geschwungene Doppelbogenbrücke, bewunderten die Mühle am Teich und standen schließlich vor dem Green Dragon Inn, dem gemütlichen Hobbit-Pub, in dem uns zum Abschluss der Tour ein inkludiertes Getränk erwartete. Ob Hobbit-Bier, Apfelwein oder Ingwerlimonade, im Green Dragon schmeckt alles ein bisschen nach Mittelerde.
Gegen Mittag fuhren auch wir weiter nach Rotorua und die Stadt kündigte sich bereits von Weitem an. Nicht durch ihre Skyline, nicht durch Lärm, sondern durch ihren ganz unverwechselbaren Geruch: Schwefel liegt hier permanent in der Luft, mal dezenter, mal sehr deutlich. Der Grund dafür liegt buchstäblich unter unseren Füßen: Rotorua sitzt mitten auf einem der aktivsten Geothermalgebiete der Welt. Heiße Quellen, Geysire und Schlammtümpel durchziehen die gesamte Region, und das vulkanische Gas, vor allem Schwefelwasserstoff, entweicht unaufhörlich aus dem Boden. Die Einheimischen haben sich längst daran gewöhnt und scherzen gerne: „Das ist der Geruch des Geldes", denn der Tourismus, den die geothermale Aktivität anzieht, ist eine der wichtigsten Einnahmequellen der Stadt. Nach dem Hotelbezug blieb Zeit für individuelle Erkundungen.
Während wir im Auenland unterwegs waren, hatten die anderen Mitreisenden einen ebenfalls besonderen Ort besucht: Sandy hatte sie direkt in den Whakarewarewa Redwood Forest geführt, einen der beeindruckendsten Wälder Neuseelands. Die riesigen Küstenmammutbäume (Sequoia sempervirens), die hier bereits seit über 100 Jahren wachsen, ragen bis zu 70 Meter in den Himmel und tauchen den Waldboden in ein magisches, grünes Dämmerlicht. Doch der eigentliche Höhepunkt war der Baumwipfelpfad: Auf Hängebrücken und Plattformen, die sich in bis zu 12 Metern Höhe durch die Baumkronen schlängeln, erkundeten sie den Wald aus einer ganz anderen Perspektive, luftig, wackelnd und absolut spektakulär. Wer einen Blick nach unten wagte, wurde mit einem atemberaubenden Ausblick auf die mächtigen Baumstämme belohnt. Wer lieber geradeaus schaute, auch.
Am frühen Abend versammelten wir uns wieder und fuhren gemeinsam zum Mitai Maori Village, einem der authentischsten Orte, um die Kultur der Maori hautnah zu erleben. Der Abend begann mit einer traditionellen Waka-Zeremonie: Krieger in einem Einbaum-Kanu paddelten den Fluss herunter, ihre Gesänge hallten durch den abendlichen Wald. Anschließend durften wir das Hāngī-Festmahl begutachten: Das traditionelle Maori-Gericht wird in einem Erdofen zubereitet. Fleisch, Süßkartoffeln, Kürbis und Brot werden in Körben über heiße Steine gelegt, mit Erde bedeckt und stundenlang gegart. Das Ergebnis ist ein zartes, aromatisches Festmahl, das nach Erde, Rauch und Neuseeland schmeckt. Und uns auch!
Gut gesättigt wurden wir mit einer Pōwhiri, der traditionellen Maori-Willkommenszeremonie, von einer Bühne empfangen. Dabei forderten die Krieger unseren Chief mit dem Wero (Herausforderung) auf: Ein Krieger legt einen Zweig vor dem Chief nieder. Nimmt man ihn auf, signalisiert man friedliche Absichten. Unser Vertreter bestand die Prüfung mit Bravour!
Es folgten Haka-Vorführungen, der kraftvolle Kriegstanz, der mit stampfenden Füßen, herausgestreckter Zunge und donnernden Rufen die Sinne überwältigt, sowie weitere traditionelle Tänze und Gesänge, die Geschichten aus der Maori-Mythologie erzählten. Wirklich besonders: die Poi-Darbietung der Frauen, bei der Kugeln an Schnüren in fließenden Bewegungen durch die Luft geschwungen werden.
Satt und müde vom Tag kehrten wir ins Hotel zurück.

10. Tag, 15.03.26 // Te Puia, Kiwis, Wairakei Terrassen und der Tongariro–Nationalpark

Noch bevor die ersten regulären Besucher das Gelände betraten, durften wir bereits durch die Tore des Te Puia schlüpfen. In der frühmorgendlichen Stille, bevor der Touristenstrom einsetzt, entfaltet das Geothermalgelände eine ganz eigene, fast mystische Atmosphäre.
Te Puia ist das bedeutendste geothermale Reservat Neuseelands und liegt mitten im Whakarewarewa-Tal am Rande von Rotorua. Das Gelände beherbergt über 500 geothermale Merkmale, darunter brodelnde Schlammtümpel, zischende Fumarolen, schimmernde Sinterterrassen und natürlich den berühmten Pōhutu-Geysir, der mit bis zu 30 Metern Höhe der größte aktive Geysir der südlichen Hemisphäre ist und täglich bis zu 20 Mal ausbricht. Für die Maori ist das Gebiet seit Jahrhunderten heilig. Sie nutzten die heißen Quellen zum Kochen, Waschen und Heilen, und die geothermale Energie ist bis heute untrennbar mit ihrer Kultur verbunden.
Unsere Führung ließ uns tief in diese faszinierende Welt eintauchen: Schwefelwolken stiegen um uns herum auf, der Boden dampfte, Schlammquellen blubberten gemächlich vor sich hin, und der Pōhutu-Geysir.
Dann kam der Moment, auf den viele von uns schon seit Tagen gewartet hatten: das Kiwihaus. In dem speziell abgedunkelten Gehege, denn Kiwis sind nachtaktiv und brauchen Dunkelheit, um sich wohlzufühlen, sahen wir ihn endlich: einen echten Kiwi! Das kleine, birnenförmige Tier mit dem langen Schnabel und dem zottigen, haarähnlichen Gefieder watschelte geschäftig durch sein Gehege und schien von unserer Begeisterung völlig unbeeindruckt. Wir hingegen waren aus dem Häuschen! DIE Liste wurde später feierlich hervorgeholt, und mit einem breiten Grinsen durfte der nächste Haken gesetzt werden. Ein echter Kiwi!
Weiter ging es in die Werkstätten des Maori Arts and Crafts Institute, wo wir Kunsthandwerkern bei ihrer Arbeit zusehen durften. Aus Stein, Knochen, Holz und Flachs (Harakeke) entstehen hier traditionelle Maori-Kunstwerke. Von filigranen Halsketten über kunstvoll geschnitzte Figuren bis hin zu geflochtenen Körben und Matten. Die Flachspflanze spielt dabei eine besondere Rolle: Sie ist in der Maori-Kultur ein Symbol für Familie und Gemeinschaft. Die mittlere Pflanze steht für die Eltern, die äußeren Blätter für die Kinder. Wer eine Flachspflanze beschädigt, verletzt symbolisch die Familie.
Und dann war da noch die Sache mit dem längsten Ortsnamen der Welt: Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu – ein Hügel auf der Nordinsel, dessen vollständiger Maori-Name 85 Buchstaben umfasst und übersetzt in etwa bedeutet: „Der Gipfel, wo Tamatea, der Mann mit den großen Knien, der Bergbesteiger, der Landbezwinger, der Reisende, auf seiner Flöte für seinen geliebten Bruder spielte." Der Guide vor Ort übte den Namen geduldig mit uns ... mit mäßigem, aber herzlich belustigtem Erfolg.
Anschließend besuchten wir eine Kiwi-Hatchery, eine Aufzuchtstation, die sich dem Schutz und der Vermehrung des bedrohten Nationalsymbols widmet. Der Kiwi hat es nicht leicht: Eingeschleppte Raubtiere wie Hermeline, Ratten und Possums dezimieren die Population seit Jahrzehnten dramatisch. In der Hatchery werden Eier gesammelt, in Brutschränken ausgebrütet und die Küken aufgezogen, bis sie groß und stark genug sind, um in der Wildnis zu überleben. Ein Kiwi-Ei ist im Verhältnis zur Körpergröße des Weibchens übrigens das größte Ei aller Vogelarten. Es macht bis zu 20 Prozent des Körpergewichts der Mutter aus. Respekt, liebe Kiwi-Damen!
Mit einem letzten Blick auf das dampfende Whakarewarewa-Tal traten wir die Weiterfahrt Richtung Süden an. Und prompt kam die nächste Werbepause im Bus: Minties! Die weißen, kaubonbonartigen Süßigkeiten mit dem charakteristischen Pfefferminzgeschmack sind ein australisch-neuseeländischer Klassiker seit 1922. Und eine echte Herausforderung für alle Zahnfüllungen. Der Slogan „It's moments like these you need Minties" begleitete uns kauend weiter südwärts.
Nächster Halt: die Wairakei Terrassen. Ein atemberaubendes Geothermalgebiet mit leuchtend weißen und cremefarbenen Sinterterrassen, die von heißem, mineralreichem Wasser geformt wurden. Hier wurden wir nach einer Führung von einer Maori-Frau empfangen, die uns mit Kaffe und Kuchen willkommen hieß und uns anschließend geduldig all unsere Fragen beantwortete. Über die Bedeutung des Landes für ihr Volk, über Traditionen, die bis heute gelebt werden, und über das Miteinander von alter Kultur und moderner Welt.
Weiter vorbei an den Huka Falls, wo der gesamte Waikato River, Neuseelands längster Fluss, sich durch eine nur 15 Meter breite Schlucht zwängt und mit donnernder Kraft in die Tiefe stürzt. Kurz darauf passierten wir Taupō und den gleichnamigen Taupō-See, mit einer Fläche von 616 Quadratkilometern der größte See Neuseelands und entstanden durch einen der gewaltigsten Vulkanausbrüche der Erdgeschichte vor rund 1.800 Jahren. Heute liegt er ruhig und glitzernd in der Sonne.
Am Strand des Taupo-Sees legten wir eine kleine Fotopause ein und entdeckten dabei ein besonderes Souvenir der Natur: Bimssteine, die vom Seeboden angespült werden und leicht wie Kork in der Hand liegen. Ein geologisches Mitbringsel, das nichts kostet und alles erklärt.
Am Abend erreichten wir schließlich unser Hotel mitten im Tongariro-Nationalpark, Neuseelands ältestem Nationalpark, gegründet 1887, und eines der wenigen Gebiete weltweit, das gleich doppelt von der UNESCO ausgezeichnet wurde: als Weltnaturerbe für seine vulkanische Landschaft und als Weltkulturerbe für seine tiefe Bedeutung für die Maori. Die drei Vulkane Ruapehu, Ngauruhoe und Tongariro thronten majestätisch am Horizont.

11. Tag, 16.03.26 // Tag der Hauptstädte

Bevor wir den Tongariro-Nationalpark verließen, erzählte uns Franzi die Maori-Legende, die hinter dieser einzigartigen Landschaft steckt. Der Überlieferung nach waren Tongariro, Ruapehu, Ngauruhoe und weitere Berge der Nordinsel einst mächtige Krieger. Und wie es unter Kriegern so ist, entbrannte ein heftiger Streit. Der Grund: die Liebe zu Pihanga, einem bewaldeten Hügel in der Nähe des Taupo-Sees, der als die schönste aller Bergen galt. In einer gewaltigen Schlacht, die die Erde erbeben ließ und Feuer vom Himmel regnen ließ, obsiegte Tongariro und durfte Pihanga als seine Gefährtin behalten. Die unterlegenen Berge mussten das Gebiet verlassen und zogen in der Nacht, denn Berge dürfen das Tageslicht nicht sehen, an ihre heutigen Standorte. Taranaki, der schöne kegelförmige Vulkan an der Westküste, soll dabei so tief betrübt gewesen sein, dass er die Tränen, die er auf seinem Weg vergoss, als Flüsse hinterließ. Bis heute, so sagen die Maori, wartet Taranaki auf seine Rückkehr, und wenn er sich in Wolken hüllt, weint er noch immer um Pihanga.
Wir fuhren durch Ohakune, eine kleine Stadt am Fuße des Ruapehu, die sich selbst stolz als „Karottenhauptstadt Neuseelands" bezeichnet. Die fruchtbaren Vulkanböden der Region sind ideal für den Anbau von Karotten, und eine überdimensionale Karotten-Skulptur am Ortsrand lässt keinen Zweifel daran, womit man hier seinen Lebensunterhalt verdient. Heute zeigte sich der Ruapehu von seiner besten Seite: wolkenlos und in voller Pracht. Mit 2.797 Metern ist er der höchste Berg der Nordinsel und ein aktiver Vulkan, der zuletzt 2007 ausbrach. Wer ihn so friedlich und majestätisch vor sich sieht, kann kaum glauben, welche Kräfte in ihm schlummern.
Dann erreichten wir Taihape ... und hier wurde es sportlich. Denn Taihape trägt den stolzen Titel „Gummistiefelhauptstadt der Welt" und nimmt diesen Titel sehr ernst: Beim traditionellen Gummistiefelweitwurf treten Einheimische und Besucher gleichermaßen an. Natürlich ließen auch wir es uns nicht nehmen! Einer nach dem anderen trat an, holte aus und schleuderte den Gummistiefel mit mehr oder weniger eleganter Technik durch die Luft. Ob Schwung, Kraft oder pures Glück die entscheidende Rolle spielte, darüber lässt sich streiten. Was feststand: Dem Gewinner winkte ein Muffin. Und selten wurde ein Backwerk so heiß begehrt. Die Freude über den Sieger war genauso groß wie das Gelächter über alle anderen.
Weiter ging die Fahrt durch Bulls, ein Städtchen, das seinen Namen konsequent und mit viel Humor lebt: Hier heißt die Polizeistation „Const-a-bull", die Kirche „Forgiv-a-bull" und die Bibliothek „Read-a-bull". Man muss es mögen.
Durch Levin, eine ruhige Gartenstadt in der Region Horowhenua, bekannt für ihre Gemüseproduktion und als Durchgangsstation für Reisende zwischen Wellington und dem Rest der Nordinsel, fuhren wir weiter Richtung Küste, wo uns ein besonderer Anblick erwartete: Kāpiti Island. Die langgestreckte Insel liegt gut zwei Kilometer vor der Westküste und ist eines der bedeutendsten Naturschutzreservate Neuseelands. Seit 1897 ist sie streng geschützt, eingeschleppte Raubtiere wurden vollständig entfernt, und heute ist die Insel ein sicheres Refugium für viele vom Aussterben bedrohte Vogelarten, darunter der Kākāpō (der flugunfähige Eulenpapagei), der Kiwi und der Weka. Der Zutritt ist streng reglementiert und nur mit Sondergenehmigung möglich.
Am frühen Nachmittag rollten wir in Wellington ein. Die windige, charmante Hauptstadt Neuseelands, die mit rund 215.000 Einwohnern zwar nicht die größte, aber mit Abstand die kulturreichste Stadt des Landes ist. Sandy führte uns auf einer kleinen Orientierungsfahrt durch das Zentrum. Erstes Highlight: das Parlamentsgebäude, ein Ensemble aus drei sehr unterschiedlichen Gebäuden, von denen eines sofort ins Auge sticht: der Beehive, der Bienenkorb. Das runde, sich nach oben verjüngende Gebäude aus dem Jahr 1977 beherbergt die Büros der Minister und des Premierministers und ist, trotz oder gerade wegen seiner ungewöhnlichen Form, zum Wahrzeichen Wellingtons geworden. Architekt Sir Basil Spence soll die Idee dazu auf einer Serviette skizziert haben. Ob das stimmt, wissen wir nicht, aber die Geschichte ist zu gut, um sie nicht zu erzählen.
Entlang der Waterfront, Wellingtons belebter Uferpromenade mit Cafés, Galerien und dem Nationalmuseum Te Papa, fuhren wir weiter hinauf zum Mount Victoria, dem markanten Hügel mitten in der Stadt, der einen atemberaubenden Panoramablick über Wellington, den Hafen und die Cook Strait bietet. Filmfans aufgepasst: Auch hier wurde gedreht! Die Auenland-Szenen, in denen die Hobbits vor den Ringgeistern fliehen, entstanden in den Wäldern des Mount Victoria. Neuseeland und Mittelerde, sie sind einfach untrennbar.
Nach dem Check-in im zentral gelegenen Hotel gehörte der Rest des Tages ganz uns. Wellington lädt zum Entdecken ein, und jeder tat es auf seine Art: Waterfront-Spaziergang, Café-Hopping oder einfach die Füße hochlegen. Das Abendessen war diesmal individuell und Wellington als anerkanntes Food-Mekka Neuseelands mit seiner dichten Café- und Restaurantszene ließ dabei garantiert keine Wünsche offen.

12. Tag, 17.03.26 // Ein Tag in Wellington

Wellington beschenkte uns an diesem Tag mit strahlendem Sonnenschein, als hätte die Stadt extra für uns ihre berühmten Winde in die Tasche gesteckt und ihr bestes Gesicht aufgesetzt. Wer einfach entspannen wollte, tat genau das. Wer Lust auf Entdeckungen hatte, schloss sich Reisebegleiterin Franzi zu einem gemütlichen Stadtspaziergang an.
Erste Station war die Cuba Street. Wellingtons bunteste und schrillste Straße, die so gar nicht in das Bild einer braven Hauptstadt passen will, und das ist ihr größtes Kompliment. Die Cuba Street ist seit den 1960er Jahren das Herz der Wellingtoner Alternativkultur.
Von dort aus spazierten wir zur Talstation des Wellington Cable Car, seit 1902 eines der beliebtesten Wahrzeichen der Stadt. Die knallroten Wagen der historischen Standseilbahn verbinden die Hauptgeschäftsstraße Lambton Quay mit dem höher gelegenen Stadtteil Kelburn. 120 Höhenmeter auf gerade einmal 610 Metern Streckenlänge, in gemütlichen fünf Minuten. Was einst als schnödes Transportmittel für Pendler gedacht war, ist heute eine Institution: Seit 1933 elektrisch betrieben, befördert der Cable Car täglich Einheimische und Besucher gleichermaßen und bietet auf dem Weg nach oben einen immer schöner werdenden Blick über die Dächer Wellingtons und den Hafen.
Oben angekommen, tauchten wir ein in den wunderschönen Botanischen Garten von Wellington. 25 Hektar Grün mitten in der Stadt, angelegt bereits 1868 und damit einer der ältesten Neuseelands. Geschwungene Wege führten uns durch verschiedene Themenbereiche: von der Rosengarten-Anlage über den Begonia House bis hin zu naturbelassenen Waldabschnitten mit einheimischen Farnbäumen und Pohutukawa. Der Garten ist nicht nur botanisch interessant, sondern auch ein beliebter Treffpunkt der Wellingtoner. Hier picknicken Familien, lesen Studenten, und Brautpaare lassen sich fotografieren. Eine grüne Oase der Ruhe, direkt über der geschäftigen Stadt.
Die obligatorische Kaffeepause mit Blick über Wellington war natürlich Pflicht und bei diesem Panorama schmeckte der Kaffee, oder das erfrischende Bierchen, gleich doppelt so gut. Die Stadt zu unseren Füßen, der Hafen glitzernd in der Sonne, die Hügel ringsum satt und grün ... Wellington von oben ist schlicht wunderschön.
Für den Rückweg nahmen wir wieder den Cable Car bergab, denn wer einmal gefahren ist, fährt gerne zweimal. Unten angekommen, spazierten wir entspannt entlang der Waterfront, Wellingtons belebter Uferpromenade. Hier pulsiert das Leben der Stadt: Joggern und Radfahrern begegnet man ebenso wie Familien mit Kinderwagen, Touristen mit Kameras und Einheimischen, die in einem der zahlreichen Cafés die Mittagssonne genießen. Die Waterfront ist in den letzten Jahren liebevoll umgestaltet worden und zeigt Wellington von seiner modernsten und weltoffensten Seite.
Am Ende der Promenade wartete das Te Papa Tongarewa, Neuseelands Nationalmuseum, dessen Name auf Maori so viel bedeutet wie „der Behälter der Schätze dieses Landes". Das 1998 eröffnete Museum am Ufer des Hafens ist eines der innovativsten und interaktivsten Museen der Welt und bietet auf sechs Etagen faszinierende Einblicke in die Geschichte, Natur, Kunst und Kultur Neuseelands, von der Maori-Kultur und den polynesischen Wurzeln des Landes über die europäische Einwanderungsgeschichte bis hin zu Neuseelands einzigartiger Tierwelt. Besonders beeindruckend: ein echter Riesenkalmar (Architeuthis), der im Museum konserviert ist. Mit einer Länge von über vier Metern das größte erhaltene Exemplar weltweit.
Am Abend fanden sich einige aus der Gruppe zusammen für ein gemeinsames Abendessen in einem örtlichen Restaurant. Wellington machte es einem dabei nicht schwer, denn die Stadt gilt als kulinarische Hauptstadt Neuseelands, mit mehr Cafés und Restaurants pro Kopf als New York City. Gutes Essen, gute Gesellschaft, gute Laune, ein entspannter, sonniger Tag in einer Stadt, die man eigentlich gar nicht so schnell wieder verlassen möchte.

13. Tag, 18.03.26 // Fährüberfahrt zur Südinsel

Der Morgen gehörte dem Meer. Mit der Fähre verließen wir die Nordinsel und setzten über die berühmte Cook Strait, jene manchmal tückische, manchmal wunderschöne Meerenge, die Nord- und Südinsel trennt. Knapp drei Stunden waren wir unterwegs, und die Überfahrt belohnte uns mit herrlichen Ausblicken: Die Marlborough Sounds, ein verzweigtes Labyrinth aus Buchten, Halbinseln und bewaldeten Hügeln, begleiteten uns auf dem Weg ins Hafenstädtchen Picton. Wer an Deck stand und die salzige Meeresluft einatmete, spürte: jetzt beginnt ein neues Kapitel dieser Reise.
In Picton angekommen, fuhren wir durch die berühmte Weinregion Marlborough, die für ihre weltbekannten Sauvignon Blancs gefeiert wird. Die Rebzeilen zogen sich in langen, ordentlichen Reihen über die sonnenbeschienenen Hänge, und natürlich konnten wir nicht einfach so daran vorbeifahren. Die Werbepause für den Abend wurde kurzerhand in einer Winzerei gekauft. Zurück im Bus folgte dann die offizielle Bus-Werbepause: Whittaker's Hokey Pokey Schokolade! Die neuseeländische Kultmarke Whittaker's gilt als die beliebteste Schokolade des Landes, und die Hokey-Pokey-Variante mit knusprigen Karamellstückchen ist dabei der absolute Publikumsliebling. Wer noch nicht überzeugt war, war es nach dem ersten Stück.
Entlang der Küste führte uns die Strecke weiter südwärts, und Sandy erzählte uns von einem der einschneidendsten Ereignisse der jüngeren neuseeländischen Geschichte: dem Erdbeben von Kaikōura am 14. November 2016. Mit einer Stärke von 7,8 war es eines der stärksten Erdbeben, die Neuseeland je erlebt hat. Es erschütterte die Küstenregion in den frühen Morgenstunden, löste Tsunamiwarnungen aus und verursachte massive Erdrutsche, die die Küstenstraße und die Bahnlinie vollständig verschütteten. Kaikōura war tagelang von der Außenwelt abgeschnitten, die Versorgung der Einwohner musste per Hubschrauber sichergestellt werden. Der Wiederaufbau der Infrastruktur dauerte Jahre und kostete Milliarden. Am beeindruckendsten war dabei, wie die Natur selbst das Erdbeben sichtbar machte: Der Meeresboden hob sich stellenweise um bis zu zwei Meter, ganze Felsformationen wurden aus dem Wasser gedrückt, und die Küstenlinie veränderte sich dauerhaft. Wir sahen diese Zeugen der Naturgewalt noch deutlich in der Landschaft, freiliegende Felsen, veränderte Küstenabschnitte und Narben in den Hängen, die daran erinnern, wie schnell die Erde unter einem in Bewegung geraten kann. Ein stilles, nachdenkliches Staunen machte sich im Bus breit.
Kurz vor Kaikōura hielten wir bei Ohau für einen der tierischsten Stopps der Reise: eine Robbenkolonie direkt am Straßenrand! Neuseeländische Pelzrobben (Kekeno) räkelten sich in der Sonne, streckten ihre Flossen in die Luft und schienen unsere Anwesenheit mit königlicher Gleichgültigkeit zu ignorieren. Jungtiere tollten zwischen den Felsen umher, und der Geruch, nun ja, der war unverkennbar. Aber für diesen Anblick nahm man das gerne in Kauf.
Am Nachmittag erreichten wir Kaikōura, das malerische Küstenstädtchen, das zwischen den schneebedeckten Gipfeln der Kaikōura-Bergkette und dem Pazifik eingeklemmt liegt. Der Name bedeutet auf Maori übrigens „Mahlzeit aus Langusten", und tatsächlich ist Kaikōura für seine frischen Meeresfrüchte ebenso bekannt wie für seine außergewöhnliche Meeresfauna. Denn vor der Küste Kaikōuras geschieht etwas Besonderes: Der Kontinentalsockel fällt hier abrupt in eine über 800 Meter tiefe Meeresrinne ab, den Kaikōura Canyon. Durch diesen Canyon strömen nährstoffreiche Tiefenwasser an die Oberfläche und schaffen damit ein außergewöhnlich reiches Ökosystem. Genau das zieht Pottwale das ganze Jahr über an, denn in dieser Tiefe finden sie ihre Lieblingsbeute: riesige Tintenfische. Pottwale können bis zu 18 Meter lang werden, bis zu 3.000 Meter tief tauchen und dabei über eine Stunde die Luft anhalten. Kaikōura ist einer der wenigen Orte weltweit, wo man diese faszinierenden Giganten der Meere zuverlässig und ganzjährig beobachten kann.
Umso bedauerlicher war die Nachricht, dass die Wings Over Whales-Tour leider aufgrund technischer Probleme abgesagt werden musste. Schade, denn einen Pottwal aus der Vogelperspektive zu erleben, wäre zweifellos unvergesslich gewesen. Neuseeland bleibt eben ein guter Grund wiederzukommen!
Sandy tröstete uns mit einer kleinen Wanderung entlang der Küste, bei der das Meer, die Berge und die frische Luft schnell für bessere Stimmung sorgten. Das Abendessen im örtlichen Restaurant tat sein Übriges.
Den krönenden Abschluss des Abends bildete eine kleine Weinverkostung auf Franzis Terrasse. Die Flaschen aus der Marlborough-Winzerei kamen endlich zum Einsatz, die Gläser wurden gefüllt, die Sterne über Kaikōura leuchteten, und die Gruppe fand zu einem schönen Abend zusammen.

14. Tag, 19.03.26 // Von Kaikōura zum Lake Tekapo – Delfine, Geschichte und Sternenhimmel

Kaum hatten wir Kaikōura hinter uns gelassen, gab es den ersten Aufschrei des Tages: Eine große Delfinschule tummelte sich direkt vor der Küste im Meer! Der Bus hielt, Kameras und Handys flogen aus den Taschen, und für einige Minuten war die Straße vergessen. Dutzende Dusky Delfine, eine der häufigsten Delfinarten vor der neuseeländischen Küste, sprangen, überschlugen sich und schossen pfeilschnell durch die Wellen. Dusky Delfine sind für ihre akrobatischen Sprünge bekannt und gelten als besonders verspielt und kontaktfreudig. Was für ein Abschiedsgeschenk von Kaikōura!
Weiter ging die Fahrt Richtung Christchurch, und Sandy nutzte die Zeit, um uns über eines der einschneidendsten Kapitel der jüngeren neuseeländischen Geschichte zu erzählen. Am 22. Februar 2011 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6,3 die Stadt, mitten am helllichten Tag. Was nach der Stärke nicht besonders dramatisch klingt, war in seiner Wirkung verheerend: Das Epizentrum lag nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und in geringer Tiefe, was die Erschütterungen besonders zerstörerisch machte. 185 Menschen verloren ihr Leben, Tausende Gebäude stürzten ein oder wurden so schwer beschädigt, dass sie abgerissen werden mussten. Die historische Kathedrale von Christchurch, das Wahrzeichen der Stadt, wurde schwer getroffen und steht bis heute als teilweise Ruine. Das gesamte Stadtzentrum musste weiträumig gesperrt werden, und der Wiederaufbau zog sich über mehr als ein Jahrzehnt hin. Christchurch hat sich seither neu erfunden: Wo einst klassische viktorianische Gebäude standen, entstanden moderne Architektur, Containermärkte und innovative Stadtkonzepte. Die Stadt trägt ihre Narben sichtbar, aber mit bemerkenswerter Resilienz und Kreativität. Ein Beispiel dafür ist der Re:START Mall, ein Einkaufsviertel, das nach dem Erdbeben aus bunten Schiffscontainern aufgebaut wurde und zum Symbol des Neubeginns wurde.
Wir legten eine Pause am wunderschönen Botanischen Garten von Christchurch ein, einer der schönsten Parkanlagen Neuseelands, angelegt bereits 1863 am Ufer des Avon River. Ein kurzer Spaziergang durch die gepflegten Anlagen, ein Kaffee in der Hand, und schon fühlte man sich wieder geerdet.
Weiter führte uns die Strecke durch Geraldine, ein gepflegtes Landstädtchen in der Region Canterbury, das für seine handwerklichen Spezialitäten und seinen entspannten Charme bekannt ist. Unterwegs lockte ein Merino-Shop am Straßenrand, und wer konnte da schon widerstehen? Merino-Wolle gilt als eine der feinsten und weichsten Wollfasern der Welt, und Neuseeland ist einer der bedeutendsten Produzenten. Die Faser ist so fein, dass sie direkt auf der Haut getragen werden kann, ohne zu kratzen, und dabei gleichzeitig wärmend, atmungsaktiv und feuchtigkeitsregulierend. Pullover, Socken, Decken, Schals, alles in dieser unvergleichlichen Qualität.
Dann fuhren wir hinauf auf die Mackenzie-Hochebene, eine der eindrucksvollsten Landschaften der Südinsel. Diese weitläufige, von Gletscherflüssen durchzogene Hochebene auf rund 700 Metern Höhe ist das klassische Gebiet der Merinoschafe: Hier grasen sie auf den kargen, trockenen Weiden, wo andere Schafrassen kaum überleben würden. Das Mackenzie Basin ist nach dem schottischen Schäfer James McKenzie benannt, der 1855 mit einer Herde gestohlener Schafe durch dieses abgelegene Gebiet trieb und dabei half, es der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die weiten, goldbraunen Graslandschaften, die schneebedeckten Gipfel im Hintergrund und der unendliche Himmel darüber ergaben ein Panorama, das man einfach in sich aufnehmen musste.
Und dann, am späten Nachmittag, lag er vor uns: der Lake Tekapo. Das türkis-blaue Wasser des Gletschersees, welches durch fein gemahlenes Gletschergestein entsteht, konnten wir leide nicht sehen aber dennoch waren wir verzückt. Am Ufer des Sees steht die wohl meistfotografierte Kirche Neuseelands: die Kirche des Guten Hirten (Church of the Good Shepherd). Das kleine, schlichte Steingebäude wurde 1935 aus lokalem Stein erbaut und ist der Pioniergemeinschaft der Mackenzie-Region gewidmet. Was sie so besonders macht, ist ihr Altarfenster: Anstelle eines Glasgemäldes blickt man durch klares Glas direkt auf den See und die Berge dahinter. Die Natur selbst ist hier das Kunstwerk. Kein Wunder, dass sich vor der Kirche zu jeder Tageszeit eine Schlange von Fotografen bildet. Wir reihten uns natürlich ein.
Nach dem Hotelbezug und einem gemütlichen Abendessen wartete der eigentliche Höhepunkt des Abends: der Sternenhimmel über Lake Tekapo. Das Mackenzie Basin gehört zum Aoraki Mackenzie International Dark Sky Reserve, einem der größten Sternenreservate der Welt. Die geringe Luftverschmutzung, die trockene Luft der Hochebene und die konsequente Regulierung der Lichtemissionen in der Region machen den Nachthimmel hier zu einem der klarsten und sternreichsten der Erde. Einige Gäste traten hinaus in die kühle Nacht, hoben die Köpfe und suchten den Sternenhimmel ab. Die Milchstraße zog sich in einem breiten, leuchtenden Band über den Himmel und für einen Moment fühlte sich das Ende der Welt gar nicht so weit weg an.

15. Tag, 20.03.26 // Lake Pukaki, Moeraki Boulders, Dunedin und die Otago–Halbinsel

Zeitig aufgestanden, wie immer. Der Morgen empfing uns jedoch mit dichtem Nebel, der sich wie eine weiche Decke über die Landschaft gelegt hatte. Am Lake Pukaki hofften wir auf den großen Moment: den Blick auf den Aoraki Mount Cook, mit 3.724 Metern der höchste Berg Neuseelands. Doch der Wolkendurchbohrer, wie ihn die Maori ehrfürchtig nennen, hüllte sich heute in Schweigen und Nebel. Kein Gipfel, kein Schnee, nur das graue Wasser des Sees. Neuseeland behält eben manche seiner Schätze für sich. Vielleicht beim nächsten Mal!
Weiter Richtung Omarama, vorbei an einem beeindruckenden Staudamm, der zum gewaltigen Waitaki-Wasserkraftsystem gehört. Der Waitaki River und seine Stauseen sind das Rückgrat der neuseeländischen Stromversorgung: Das gesamte System aus mehreren Staudämmen und Kraftwerken produziert rund 30 Prozent des gesamten neuseeländischen Stroms aus Wasserkraft. Die Staumauern, die sich mächtig und imposant in die Landschaft fügen, sind ein eindrucksvolles Zeugnis menschlicher Ingenieurskunst in einer der wildesten Regionen des Landes.
Dann erreichten wir Oamaru, eine charmante Kleinstadt an der Ostküste der Südinsel, die für ihre prächtigen viktorianischen Gebäude aus lokalem Kalkstein bekannt ist. Das historische Hafenviertel mit seinen weißen Steinfassaden versprüht einen ganz eigenen, fast europäischen Charme und hat der Stadt den Spitznamen „Whitestone City" eingebracht. Oamaru ist außerdem berühmt für seine lebhafte Steampunk-Szene, die dem Städtchen eine ganz unerwartete, skurrile Note verleiht.
Kurz hinter Oamaru hielten wir an einem der geheimnisvollsten Naturschauspiele Neuseelands: den Moeraki Boulders. Am Strand von Koekohe liegen riesige, nahezu perfekt runde Steinkugeln im Sand und Wasser, manche davon über einen Meter im Durchmesser und bis zu sieben Tonnen schwer. Ihre Entstehung ist dabei alles andere als mystisch, aber nicht weniger faszinierend: Die Kugeln bildeten sich vor rund 60 Millionen Jahren durch einen geologischen Prozess namens Konkretionsbildung, bei dem sich Kalziumkarbonat konzentrisch um einen Kern aus organischem Material ablagerte, ähnlich wie eine Perle in einer Auster entsteht. Über Jahrmillionen wurden sie durch die Erosion der umgebenden Sedimentgesteine freigelegt und ans Licht gespült. Die Maori haben für sie eine romantischere Erklärung: Die Boulders seien die versteinerten Körbe, Kürbisse und Süßkartoffeln, die beim Untergang des Vorfahrenkanus Araiteuru ins Meer fielen und an den Strand gespült wurden. Beides, Wissenschaft und Legende, macht diese Kugeln zu etwas ganz Besonderem.
Am frühen Nachmittag erreichten wir Dunedin, die südlichste Großstadt Neuseelands und das kulturelle Herz der Otago-Region. Gegründet von schottischen Siedlern im Jahr 1848, trägt Dunedin den Beinamen „Edinburgh des Südens", und das schottische Erbe ist überall spürbar: im Stadtbild, in den Straßennamen und sogar im Namen der Stadt selbst, der die gälische Bezeichnung für Edinburgh ist. Erste Station war der prächtige Dunedin Bahnhof, eines der schönsten Bahnhofsgebäude der südlichen Hemisphäre. Das 1906 fertiggestellte Gebäude im flämischen Renaissance-Stil ist aus schwarzem Basalt und weißem Oamaru-Kalkstein erbaut, was ihm den Spitznamen „Gingerbread George" eingebracht hat. Die aufwendigen Mosaikböden im Inneren, gefertigt aus über 725.000 Kacheln, sind allein schon eine Reise wert.
Dann führte uns die Strecke auf die Otago-Halbinsel, und was für eine Fahrt das war! Bei strahlendem Sonnenschein schlängelten wir uns entlang einer atemberaubenden Panoramastraße direkt am Wasser entlang, das Meer zu unserer Linken, die grünen Hügel der Halbinsel zu unserer Rechten.
Höhepunkt der Halbinsel war die Fahrt mit der MV Monarch, einem kleinen Ausflugsschiff, das uns auf die Suche nach den Königen der Lüfte brachte: den Königsalbatrossen. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 3,3 Metern sind sie die größten flugfähigen Vögel der Welt, und die Otago-Halbinsel beherbergt auf dem Taiaroa Head die einzige festlandnahe Königsalbatros-Brutkolonie der Welt. Und wir hatten Glück: Wir sahen sie! Majestätisch glitten sie über das Schiff, kaum einen Flügelschlag brauchend, getragen von den Winden des Südpazifiks. Dazu gesellten sich Pelzrobben, die sich auf den Felsen aalten und uns mit schläfrigem Desinteresse betrachteten. Ein unvergesslicher Moment auf dem Wasser.
Zurück in Dunedin erkundeten wir das Stadtzentrum rund um das Octagon, den achteckigen zentralen Platz der Stadt, der von Cafés, Restaurants und historischen Gebäuden gesäumt wird und das gesellschaftliche Herz Dunedins bildet. Dann führte uns Sandy zur wohl berühmtesten Straße der Stadt, ja vielleicht sogar der Welt: der Baldwin Street. Mit einer maximalen Steigung von 35 Prozent gilt sie offiziell als die steilste Wohnstraße der Welt, zertifiziert vom Guinness-Buch der Rekorde. Wer hinaufschaut, fragt sich unwillkürlich, wie die Anwohner im Winter mit dem Auto nach Hause kommen. Wer hinaufläuft, fragt sich nach wenigen Metern, ob das wirklich eine gute Idee war. Wer oben ankommt, ist stolz. Sehr stolz. Und außer Atem.
Nach dem Hotelbezug und einem wohlverdienten Abendessen ließen wir einen langen, abwechslungsreichen Tag ausklingen, der von Nebel zu Sonnenschein, von Steinkugeln zu Albatrossen und von schottischem Erbe zur steilsten Straße der Welt geführt hatte. Dunedin, du hast uns beeindruckt.


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