Norwegen–Kreuzfahrt mit MS Finnmarken zum Nordkap
Reisebericht: 15.05. – 29.05.2026
„Sternenlichtregen“ – dieser Begriff steht in der Literatur häufig für das helle, klare Licht des Nordens, das die große Faszination Skandinaviens ausmacht. Wir gehen auf die Reise, es zu entdecken…
Ein Reisebericht von
Heike Wagner
1. Tag: 15.05.2026 – Bus–Anreise nach Hamburg – Einschiffung
Hamburg mit seinen historischen Vierteln, den berühmten Fleeten, die der Stadt den Namen „Venedig des Nordens“ bescherten, seiner Waterfront mit den eleganten Elbvororten Blankenese und Oevelgönne und den großzügigen Parkanlagen rund um die Alster gehört zu den schönsten Städten Deutschlands. Die Hansestadt empfängt uns mit strahlenden Sonnenschein und zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Doch wir haben heute nur ein Ziel vor Augen: Unser Hurtigruten-Schiff MS Finnmarken. Der Reisebus kommt pünktlich am Cruise-Terminal Altona an, unsere Reisebegleitung erwartet uns bereits und schnell ist das Gepäck entladen. Der Check-In verläuft reibungslos und so sind wir im Handumdrehen auf unseren Kabinen. Danach haben wir die obligatorische Sicherheitseinweisung und dann machen wir uns auf, um das schöne Schiff kennenzulernen. Um 18 Uhr heißt „Leinen los“ und wir fahren elbabwärts, unsere Kreuzfahrt Richtung Norwegen startet! Während wir im Abendlicht auf der Elbe entlang gleiten, genießen wir unser erstes gemeinsames Abendessen und lassen den Abend dann in der Panorama-Bar 1893 ausklingen.
2. Tag: 16.05.2026 Esbjerg
Als wir am Morgen das dänische Esbjerg ansteuern, erblicken wir zuerst vier weiße Riesenfiguren: Die „Menschen am Meer“, die sehnsüchtig in die Ferne blicken, gelten als das Wahrzeichen der Stadt. Der Hafen an der windgepeitschten Westküste Jütlands vereint maritime Tradition mit quirligem modernen Leben. Wir liegen ganz zentral und können zu Fuß in das Zentrum bummeln oder die weitverzweigten Hafenanlagen entdecken. Manche Gäste machen einen Ausflug nach Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks, andere nehmen an der geführten Stadtbesichtigung teil. Kleine Lokale bieten die Möglichkeit, den dänischen Klassiker Smørrebrød oder leckeres Gebäck zu kosten. Unmittelbar am Rand des UNESCO-geschützten Wattenmeer-Nationalparks gelegen – Dänemarks größtem Naturreservat – eröffnet sich hier in Esbjerg eine
Landschaft aus wechselnden Gezeiten, weiten Sandflächen und dem unendlich wirkenden nordischen Himmel.
Am Mittag nehmen wir Abschied von der dänischen Westküste und es geht nach Norden, Richtung Norwegen. Am Nachmittag stellt das legendäre Hurtigruten-Expeditionsteam die Ausflüge vor und wir erfahren vieles über die bevorstehende Reise und die Abenteuer, die vor uns liegen.
Ein spezieller zusätzlicher Vortrag erfolgt am Spätnachmittag: Morgen wird im ganzen Land der norwegische Nationalfeiertag begangen und die geplanten Ausflüge fallen aus. Aber dafür erwarten uns zahlreiche Aktionen, Konzerte und Paraden, sodass wir uns auf ein außergewöhnliches Erlebnis freuen können.
Der Abend klingt aus beim gemeinsamen Abendessen, wer danach noch nicht müde ist, besucht die Kapitänsvorstellung in der Panoramabar auf Deck 8.
3. Tag: 17.05.2026 Stavanger und Fahrt in den Lysefjord
Stavanger, die Ölhauptstadt am Lysefjord, lebt von seiner Fischerei- und Ölindustrie. Schön ist schon die Einfahrt durch die Schären - und heute gibt es noch ein besonderes Highlight: Wie ein Fels erhebt sich die riesige Queen Mary 2 an der Pier und nimmt die Aussicht auf Gamle Stavanger. Das romantische alte Stadtzentrum hat über 170 alte Holzhäuser, die zu den besterhaltendsten Europas gehören und trägt stolz den Titel UNESCO Welterbe. Schön ist auch die prächtige Kathedrale Stavanger Domkirk aus dem 12. Jahrhundert, außerdem lockt ein Besuch des Norwegischen Erdölmuseums. Unser Liegeplatz ist ganz zentral und so gelangen wir zu Fuß in das Zentrum, um durch die schmalen Gassen zu bummeln und auch die berühmte Straße Øvre Holmegate mit ihren bunten Häusern und den lebhaften Cafės zu genießen. Heute ist der 17. Mai, der norwegische Nationalfeiertag und die ganze Stadt steht Kopf. Alle Ausflüge sind abgesagt und wir machen einen gemeinsamen Spaziergang, um das lebhafte Treiben zu sehen. Alle Frauen tragen Trachten, die Männer elegante Anzüge, es gibt Kinderparaden, Musikumzüge, Konzerte und überall wird gefeiert. Häuser und Gaststätten sind mit der Nationalflagge geschmückt und es herrscht eine fröhliche Atmosphäre. Wir freuen uns sehr, dass wir bei diesem besonderen Ereignis dabei sein können. Es ist überwältigend zu sehen, mit welcher Liebe für ihr Heimatland die Norweger diesen feierlichen Tag begehen.
Doch heute erwartet uns noch ein weiterer Programmpunkt: nach dem Abendessen biegen wir in den 42 km langen Lysefjord, vorbei am „Predigerstuhl“, dem über 600 Meter hohen Aussichtspunkt Preikestolen. Atemberaubend ist der Anblick der steilen und senkrecht abfallenden Klippen, und das Expeditions-Team serviert uns auf Deck 5 leckeren Apfelpunsch, das macht das Erlebnis noch schöner!
4. Tag: 18.05.2026 Bergen mit Stadtrundgang
Obwohl Bergen als eine der regenreichsten Städte Norwegens gilt, empfängt es uns heute mit Sonnenschein. Wir machen gemeinsam einen Stadtrundgang mit dem örtlichen Reiseleiter Hans-Joachim und lernen dabei viel Wissenswertes über die alte Hansestadt und ihre Geschichte. Die ehemalige norwegische Hauptstadt mit ihren 300.000 Einwohnern ist eine der malerischsten Städte Norwegens. Berühmt ist das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Viertel Bryggen mit seinen bunten hölzernen Speicherhäusern aus dem 14. Jahrhundert, die heute zahlreiche Läden und Lokale beheimaten. Die Standseilbahn, deren Talstation mitten in der Stadt liegt, führt hinauf zum Berg Fløyen. Von hier oben bietet sich ein einzigartiges Panorama über die Stadt und umliegenden Bergzüge. Am Ende des Hafenbeckens erstreckt sich der legendäre Fischmarkt. Frisch gefangene Fische werden hier verarbeitet und verkauft und mehrere Restaurants bieten die Köstlichkeiten an.
Nach dem Abendessen freuen wir uns auf die Passage durch den Radfjord, sie beginnt an der Nordhordland-Brücke. Der Fjord ist mit einer Tiefe von über 210 Metern ein hervorragendes Gebiet für den Garnelenfang. Von Tjuvholmen im Süden bis zum Bongnestraumen im Norden gilt das Gewässer zudem als äußerst fischreich.
3. Tag: 19.05.2026 Fjordfahrt
Nach dem so reizvollen und lebhaften Bergen genießen wir heute einen Seetag entlang der norwegischen Küste. Das Wetter meint es gut mit uns und so erfreuen wir uns an den herrlichen Landschaften mit ihren kleinen Inseln, traumhaften Fjorden und malerischen Buchten im strahlenden Sonnenschein. Mit Glück erspähen wir sogar einen der majestätischen Seeadler, die hier in dieser geschützten Region, abseits der großen Kreuzfahrtlinien, ein beschauliches Leben führen. Die Reederei begann Ende des 19. Jahrhunderts, die Region nördlich von Trøndelag zu befahren, was damals noch als maritimes Neuland galt. Auch heute verkehren nur wenige Schiffe zwischen den nvielen Schären, Inselchen und engen Fjorde, was gerade die Faszination dieses Gebietes ausmacht. Die Fahrtstrecke Hustadvika ist ca. 10 Seemeilen lang, ein offenes Gebiet zwischen Molde und Kristiansund. Es gilt wegen seiner flachen Gewässer mit zahlreichen Riffen als sehr gefährlich und erfordert hohe Konzentration und Erfahrung von Kapitän und Offizieren.. Während der Passage sehen wir die zahlreichen Leuchttürme und Markierungen, die die Schiffe sicher durch dieses anspruchsvolle Fahrtgebiet führen sollen. Wir begegnen auch einem Schiff der Havila-Flotte, die seit einigen Jahren ebenfalls - zusätzlich zur klassischen Hurtigrute - die Postschifflinie betreibt. Obwohl es die Konkurrenz ist, begrüßen wir sie freundlich mit drei tiefen Typhon-Tönen und werden ebenso höflich zurückgegrüßt.
Am frühen Abend nähern wir uns dann dem Leuchtturm Kjeungskjæret, dem markanten achteckigen Steinturm, der seit 1880 als maritimes Wahrzeichen gilt. Während wir den leuchtend roten Turm fotografieren, gibt es auf Deck 5 eine kurze Information, sodass wir mehr über das Leben der Leuchtturmwärter erfahren, die einst auf diesem einsamen Felsen lebten und arbeiteten.
Neben all den wunderschönen Landschaftserlebnissen dieses sonnigen Tages gibt es auch ein weites Programmangebot an Bord. So erwartet uns im Außenbereich aufmDeck 8 eine Verkostung von Fenalår, dem traditionellen gepökelten Lammfleisch, von dem sich die Küstenbewohner schon seit Jahrhunderten ernähren,und Aquavit, der Schnaps, der danach der Verdauung dient. In der Bar 1893 kann man regionale Biersorten probieren, Wir können an einem Wettspiel teilnehmen, bei dem jeder seinen Tipp abgibt, wann wir morgen den Polarkreis überqueren. Dem Sieger winkt ein kleines Geschenk. Der Vortragsraum lockt mit unterhaltsamen und interessanten Themen wie einem Fotoworkshop, typisch norwegischen Souvenirs und anschaulichen Erklärungen über das Licht der Mitternachtssonne und die Entstehung der Aurora Borealis.
Traumhaft schön sind auch die Abendstunden, wo wir in der goldenen Abendsonne durch die wunderschöne Landschaft gleiten. Was für ein Tag!
6. Tag: 20.05.2026 Traena–Archipel
Weit draußen auf dem Meer, rund 33 Seemeilen (65 km) vor der norwegischen Helgelandskysten liegen die 400 spektakulären Inseln, Felsen und Holme der Inselkommune Træna. Ein raues und scheinbar unzugängliches Paradies am Rande der Zivilisation, direkt auf dem Polarkreis. Lediglich die vier Inseln Husøy, Selvær, Sanna und Sandøy sind besiedelt, obwohl Træna zu den ältesten Fischersiedlungen von Norwegen zählt. Naturliebhaber und Abenteurer werden von der abgelegenen Region magisch angezogen, Wandern, Paddeln oder Vogelbeobachtung locken.
Schon die Einfahrt in den Hafen von Husøy ist bei dem herrlichen Wetter sehenswert, der blaue Himmel strahlt über den grünen Wiesen, die majestätischen Felsen und die bunten Holzhäuser spiegeln sich im Wasser. Im Hintergrund entdecken wir schneebedeckte Gipfel. Die heutigen Ausflüge bringen uns die Sehenswürdigkeiten und Traditionen der Insel näher. Im Dorf wird extra für uns die Kirche und das pittoreske Museum geöffnet, ein kleiner Spaziergang führt zur Petter-Dass-Kapelle oder wir trinken einen Kaffee im „Aloha“, der berühmten Dorfgaststätte. Gäste, die Ausflüge gebucht haben, machen eine Wanderung, einen kulturellen Spaziergang oder eine Bootstour durch die Inselwelt des Archipels. Wir anderen treffen uns an der Gangway und bummeln zur Kirche und durch den Ort, immer wieder bieten sich Blicke auf den malerischen Hafen und die niedlichen kleinen Häuser. MS Finnmarken überragt sie alle und so sehen wir von überall den Schornstein mit dem Hurtigruten-Logo.
Auf der Weiterfahrt geht es vorbei am alten Handelsposten Selsøyvik, der schon seit 1777 ununterbrochen in Betrieb ist. Er wurde 1942 unter Denkmalschutz gestellt, die ältesten Gebäude sind über 200 Jahre alt. Kurz nachdem wir Selsøyvik passiert haben, sehen wir auf den Schären um Rødøya einige Installationen moderner Kunst.
Am späten Abend kam noch die Durchsage, dass eine Schar Delfine unser Schiff begrüßt, aber da lagen wir schon im Bett…
Die Strecke Richtung Norden führt uns heute auch über den nördlichen Polarkreis. Wir freuen uns schon auf morgen früh, dann wird eine zünftige Polartaufe gefeiert!
7. Tag: 21.05.2026 Einfahrt Trollfjord und Insel Senja
Frühaufsteher werden heute mit einem Super-Erlebnis belohnt: morgens gegen 5.30 Uhr biegen wir ein in den engen Trollfjord, zum ersten Mal in diesem Jahr wagt der Kapitän die Einfahrt. Herrlicher Sonnenschein begleitet uns, mystisch schwebt der Morgennebel über dem Wasser und steigt langsam an den Hängen auf. Wir halten den Atem an, als wir an den gigantischen Felshängen vorbeigleiten, manchmal denken wir, man braucht nur die Hand auszustrecken über der Reling und kann die Felsen berühren. Die schneebedeckten Gipfel spiegeln sich im ruhigen Wasser und es ist ein einzigartiges Erlebnis, durch diese felsige Enge zu manövrieren.
Bei der Weiterfahrt werden wir vom Nebel eingehüllt, aber das kann die Stimmung nicht trüben: Polartaufe ist angesagt auf Deck 7! Bei diesem Spektakel bleibt kein Auge trocken, grell sind die Schreie der Täuflinge, denen mit der Suppenkelle Eiswürfel in den Kragen gekippt werden. Da kann nur ein Schnaps helfen - und der wird zünftig ausgeschenkt vom eifrigen Servicepersonal.
Wir setzen die Fahrt fort Richtung Senja, sie ist die zweitgrößte Insel Norwegens und an landschaftlicher Schönheit kaum zu übertreffen. Ihre Nordwestküste ist durch eiszeitlichen Gletscherschliff außergewöhnlich stark zerklüftet, und ein Fjord drängt sich dicht an den nächsten.
Wer schroffe, nahezu vertikal ins Meer stürzende Felswände von schwindelerregender Höhen liebt, ist in Senja gut aufgehoben! Wir liegen im Hafen von Torsken an Senjas Nordküste, der kleine Ort hat nur ca. 210 Einwohner. Senja wird wegen seiner landschaftlichen Vielfalt auch oft „Norwegen im Miniaturformat“ genannt. Hier im Norden der Insel finden wir weite Sandstrände, kristallblaues Wasser und steile Berge, während das südliche Senja und der Ånderdalen-Nationalpark geprägt sind von felsigen Küsten und dichten Wäldern. Senja gilt in Norwegen noch als Geheimtipp und bietet grenzenlose Naturerlebnisse. Gäste, die einen Ausflug gebucht haben, gehen auf abenteuerliche E-Bike-Tour oder machen eine gemütliche Rundfahrt mit dem Bus, auf der man die berühmte Goldene Toilette am Ende des Ersfjords sehen kann, noch schneebedeckte Berge und sogar Rentieren begegnet. Wir anderen treffen uns an der Gangway und bummeln gemeinsam durch den kleinen Ort, vorbei an der Kirche und der Fischfabrik Wilsgārd bis zum Aussichtspunkt, von dem sich heute leider kein weites Panorama bietet. Aber als wir gemeinsam beim Abendessen sitzen und unser Schiff wieder durch die Wellen gleitet blinzelt die Sonne zwischen den Wolken hindurch - wir hoffen auf gutes Wetter für unseren morgigen Nordkap-Tag!
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