Von Oberstdorf nach Meran – Zehn Tage, drei Länder, ein Erlebnis
Reisebericht: 10.07. – 19.07.2025
In den folgenden Zeilen berichte ich täglich von unseren gemeinsamen Erlebnissen auf dieser eindrucksvollen Alpenüberquerung – von bewegenden Momenten in der Natur bis hin zu kleinen, besonderen Begegnungen am Wegesrand. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen und vielleicht auch ein wenig Fernweh!
Ein Reisebericht von
Patrick Fritzsche
Anreise & Auftakt in Oberstdorf
Sehr früh am Morgen starteten wir mit dem Bus ab Dresden Richtung Süden. Trotz guter Stimmung an Bord wurden wir unterwegs durch ein kleines Transferproblem ausgebremst, sodass wir mit etwas Verzögerung in München ankamen. Dort wartete bereits ein Kleinbus, der uns sicher und bequem ins idyllische Oberstdorf brachte – unserem Ausgangspunkt für die große Alpenüberquerung.
Im charmanten Hotel Filser waren die Zimmer glücklicherweise schon bezugsfertig, sodass wir direkt einchecken und kurz durchatmen konnten. Am Nachmittag stand dann schon eine erste kleine Wanderung auf dem Programm: Mit dem öffentlichen Bus fuhren wir zur beeindruckenden Breitachklamm. Bei einem gemütlichen Spaziergang durch die schmale, tosende Schlucht genossen wir die frische Bergluft und das Naturschauspiel. Vom oberen Ende – bereits auf österreichischer Seite – ging es mit dem Bus zurück nach Oberstdorf.
In der Fußgängerzone ließen wir den Nachmittag bei einem erfrischenden Getränk ausklingen. Inzwischen waren auch unsere Gäste, die individuell mit dem Zug oder dem eigenen PKW angereist waren, gut angekommen. Am Abend stieß schließlich auch unser Bergführer Kevin zur Gruppe – perfekt vorbereitet und voller Vorfreude auf die bevorstehenden Etappen.
Bei einem leckeren Grillbuffet im Hotel lernten wir uns in entspannter Runde besser kennen und besprachen gemeinsam die Route für den nächsten Tag. Mit viel Vorfreude, ein wenig Aufregung und jeder Menge Wanderlust ging es schließlich ins Bett – bereit für das große Abenteuer.
Über die Grenze und hinein ins Kleinwalsertal
Nach einer ruhigen Nacht in Oberstdorf wurden wir heute Morgen im Hotel Filser mit einem reichhaltigen Frühstück bestens für unseren ersten Wandertag gestärkt. Pünktlich um 9 Uhr wurden unsere Koffer abgeholt – der Gepäcktransport funktionierte reibungslos – und wir spazierten gemeinsam durch den Ort zur Bushaltestelle.
Ein kurzer Transfer mit dem Linienbus brachte uns zur Talstation der Söllereckbahn. Dort gab es eine kleine Einweisung zur heutigen Tour – und gleich eine Überraschung: Da unsere Wandergruppe voller Tatendrang war, entschieden wir, die Etappe etwas zu verlängern und direkt bis zum Hotel nach Mittelberg zu laufen.
Mit der Bahn schwebten wir gemütlich hinauf auf das Söllereck – und starteten dort unsere erste Etappe der Alpenüberquerung. Gleich zu Beginn überquerten wir die Grenze nach Österreich und betraten Vorarlberg, genauer gesagt das wunderschöne Kleinwalsertal. Dieser besondere Talabschnitt liegt geographisch in Österreich, ist aber nur über Deutschland erreichbar und gehört wirtschaftlich wie kulturell zur Region Allgäu – eine geografische Besonderheit, die viele nicht kennen.
Wir wanderten über den aussichtsreichen Riezler Höhenweg – ein Panoramaweg mit herrlichen Ausblicken auf die umliegenden Gipfel. In Riezlern angekommen, legten wir eine Pause ein: Wir besorgten uns eine Brotzeit für den kommenden Tag und stärkten uns dann bei einem gemütlichen Mittagsstopp.
Anschließend folgten wir dem idyllischen Burmi-Weg, benannt nach dem Maskottchen des Kleinwalsertals. Der Weg führte uns entlang der rauschenden Breitach, durch schattige Waldstücke und vorbei an malerischen Almhütten. Schließlich erreichten wir am frühen Nachmittag unser Hotel in Mittelberg.
Da wir heute recht früh angekommen waren, blieb noch genügend Zeit für Entspannung: Ob im Schwimmbad, in der Sauna oder einfach bei einem ruhigen Moment auf dem Balkon – jeder konnte diesen gelungenen ersten Wandertag auf seine Weise ausklingen lassen.
Kühe, Pässe und Panorama pur
Nach einem stärkenden Frühstück ging es direkt vom Hotel mit dem öffentlichen Bus zum kleinen Ort Baad im hintersten Winkel des Kleinwalsertals – Startpunkt unserer heutigen Etappe.
Ursprünglich war eine andere Route geplant, doch ein Hindernis der besonderen Art zwang uns zur Umplanung: Rund 300 Milchkühe hatten den Wanderweg zu einer rutschigen Herausforderung gemacht. Also entschieden wir uns für eine Alternativroute – und das war eine goldrichtige Entscheidung!
Ein breiter, angenehm zu gehender Forstweg führte uns sanft bergan durchs Tal, vorbei an der urigen Bärgunt-Hütte. Das Wetter hätte nicht besser sein können – strahlender Sonnenschein, klare Sicht und ein fantastisches Alpenpanorama begleiteten uns. Entlang des Weges begrüßten uns neugierige Kühe, die uns friedlich beobachteten.
Bald wurde der Forstweg schmaler und ging in einen gut begehbaren Wandersteig über. Jetzt hieß es: Höhenmeter machen! Wir stiegen stetig hinauf bis zum alten, verfallenen Zollhaus – ein geschichtsträchtiger Ort kurz vor dem Hochalppass auf 1.938?m. Hier legten wir eine kurze Rast ein und genossen die Aussicht.
Doch damit nicht genug: Ein weiterer kurzer Anstieg führte uns zur Bärgunt-Hochalpe. Der Weg schlängelte sich vorbei am kleinen, idyllischen Hochalpsee und am mächtigen, steil aufragenden Widderstein – einem echten Blickfang in dieser Region. Auf einem herrlichen, nahezu ebenen Panoramaweg wanderten wir weiter – stets begleitet von weiten Blicken ins Lechquellengebirge. Zu erkennen waren u.a. die Gipfel der Braunarlspitze (2.649 m), der Mohnenfluh (2.544 m) und der Juppenspitze (2.412 m).
Gegen 12:30 Uhr erreichten wir die urige Widdersteinhütte – Zeit für eine ausgiebige Rast mit Blick auf das, was wir geschafft haben. Gestärkt machten wir uns schließlich an den Abstieg: Über steinige Serpentinen, Wurzelpfade und grüne Almwiesen meisterte unsere Gruppe diese Herausforderung mit Bravour – fast wie eine kleine Herde Gämsen.
Im Tal angekommen, hatten wir noch ein wenig Zeit bis zur Busabfahrt. Kein Problem – wir nutzten die Gelegenheit für nette Gespräche und stießen mit einem wohlverdienten Zirbenlikör auf diese erste „richtige“ Etappe an. Prost!
Gegen 15 Uhr erreichten wir Schröcken und bezogen unser Quartier im wunderschönen Berghaus Schröcken. Ein echtes Highlight: Nachmittagsjause, Infinitypool mit Bergblick, stilvoller Saunabereich – hier hätten wir gern noch ein paar Tage verbracht. Wir sind im Wanderhimmel!
Beim Abendessen wurden wir mit feinster österreichischer Küche verwöhnt – ein rundum perfekter Abschluss eines großartigen Tages.
Aber morgen geht’s weiter – die Alpen warten nicht!
Über den Körbersee zum Simmel – Ein Tag zwischen Regen und Sonne
Die Nacht brachte Regen – und mit ihm kam frische, klare Bergluft, die am Morgen durchs Schröckener Tal zog. Nach einem vorzüglichen Frühstück im Berghaus Schröcken starteten wir pünktlich um 9 Uhr direkt vom Hotel in unseren heutigen Wandertag.
Der erste Anstieg brachte uns sofort auf Betriebstemperatur: Zunächst über ein Stück der alten Bundesstraße, dann über einen gut zu gehenden Forstweg hinauf zum Alpmuseum „uf m Tannberg“. Dort erwischte uns der erste kurze Regenguss – Zeit für die Regenjacken! Kaum angezogen, hörte es schon wieder auf…und so ging es heute gleich mehrmals: an – aus – an – aus.
Trotz allem erreichten wir den malerischen Körbersee – laut TV der „schönste Platz Österreichs“. Heute zeigte er sich zunächst etwas mystisch-verhangen, doch mit jedem Höhenmeter vom See weg lichteten sich die Wolken und schließlich zeigte sich sogar die Sonne. Der Körbersee lag eingebettet zwischen grünen Berghängen – ein wirklich besonderes Fleckchen Erde.
Der Abstieg zur Alpe Körb gestaltete sich dann spannend: Der Regen hatte den Weg in eine kleine Schlammschlacht verwandelt. Trittsicherheit und Konzentration waren gefragt – aber unsere Gruppe meisterte auch das souverän, und so kamen wir alle heil und gut gelaunt an der Alpe am Hochtannbergpass an. Die Sonne verwöhnte uns wieder und wir genossen unsere wohlverdiente Jause im Freien.
Danach stiegen wir noch kurz zum Kreuz am Simmel auf – ein schöner Aussichtspunkt mit Gipfelbuch, in dem wir uns natürlich verewigten. Von dort begann der landschaftlich reizvolle Abstieg entlang der alten Salzstraße Richtung Warth. Ein ruhiger Panoramaweg mit tollen Blicken ins Tal und auf die umliegenden Gipfel.
In Warth angekommen, gönnten wir uns eine kleine Erleichterung für müde Füße: Mit dem öffentlichen Bus fuhren wir direkt bis zum Hotel Styrolerhof, unserem heutigen Quartier. Ein schöner Abschluss eines abwechslungsreichen Tages – mit allem, was das Bergwetter zu bieten hat!
Zwischen Nebel, Murmeltieren und Mut zum Wandern
Der Wetterbericht für heute ließ nichts Gutes erahnen: Dauerregen von 8 bis 16 Uhr, durchsetzt mit Gewittern – und das genau über unserem geplanten Wandergebiet. Wir überlegten ernsthaft, ob wir die Etappe zur Anhalter Hütte überhaupt angehen sollten oder ob eine Schlechtwetter-Alternative besser wäre. Doch unser Optimismus wurde belohnt – und am Ende waren wir uns einig: Gott sei Dank haben wir es gemacht!
Am Morgen fuhren wir mit dem Bus nach Bschlabs, dem kleinen Ort im abgelegenen Bschlabertal – Startpunkt unserer heutigen Tour. Kaum losgewandert, kamen wir schnell wieder auf Betriebstemperatur: Der erste Anstieg war ordentlich steil, führte uns aber auf einen wunderschön angelegten Wandersteig hinein ins Plötzigtal. Der Weg stieg nun gleichmäßig an, begleitet von saftigen Wiesen, einer Vielzahl blühender Alpenpflanzen – und ja, auch von leichtem Regen.
Die Regenjacken und Schutzhüllen waren also im Einsatz, aber der gemeldete Starkregen blieb aus, ebenso das Gewitter. Und dann kam ein echtes Highlight: Wir entdeckten eine Gruppe Baby-Murmeltiere! Ganz aus der Nähe konnten wir sie beobachten – ein seltener Moment, der alle Mühen vergessen ließ.
Das Tal öffnete sich zunehmend, und wir begannen mit dem letzten, etwas anstrengenderen Anstieg hinauf zur Anhalter Hütte. Die hohe Luftfeuchtigkeit und der stetige Nieselregen machten es uns nicht leicht – aber die mystische Stimmung mit Nebelschwaden, die langsam über den Hang zogen, machte diese Etappe zu etwas Besonderem. Wir passierten eine friedliche Haflinger-Herde, bevor wir schließlich gegen Mittag die Hütte auf 2.040 m erreichten.
Drinnen erwartete uns das volle Hüttenglück: zünftige Jause, warme Suppe und sogar ein Kachelofen, an dem wir uns aufwärmen und trocknen konnten. Eine echte Belohnung für diesen fordernden Vormittag.
Frisch gestärkt machten wir uns an den spektakulären Aufstieg zum Steinjöchle – ein hochalpiner Weg mit fantastischem Ausblick in die Lechtaler Alpen. Oben angekommen, am kleinen Gipfelkreuz, machten wir unser obligatorisches Gruppenfoto – zufrieden, stolz und etwas durchnässt, aber strahlend.
Der Abstieg führte uns hinunter zum Hahntennjoch, wo uns der gemietete Bus abholte. Gemeinsam mit unserem Gepäck ging es weiter ins Explorer Hotel Ötztal nach Umhausen – unser heutiges Quartier. Ein herausfordernder, aber unvergesslich schöner Tag – und wieder ein Beweis: Die Berge schenken, was das Wetter nicht versprechen kann.
Vom Stuibenfall zur Wiesle Alm und weiter nach Obergurgl
Heute starteten wir direkt ab dem Explorer Hotel Ötztal in Umhausen – zunächst ganz entspannt durch den ruhigen Ort, dann stetig bergauf in Richtung Stuibenfall, Tirols höchstem Wasserfall. Bereits nach wenigen Minuten erreichten wir den wunderschönen Waalweg, der uns in sanftem Auf und Ab durch lichten Bergwald führte.
Unser Bergführer Kevin nutzte die Gelegenheit für eine kleine Einführung in die Welt der Zirben.
Dann begann der Aufstieg hinauf zum Stuibenfall. Immer wieder boten sich spektakuläre Ausblicke auf die tosenden Wassermassen, die über 150 Meter in die Tiefe stürzen. Besonders eindrucksvoll: Die Hängebrücke, die uns auf luftiger Höhe über die Fallkante führte – ein unvergessliches Erlebnis für alle mit etwas Schwindelfreiheit. Und für alle anderen auch, denn: Es gab schlicht keinen anderen Weg ;).
Nach vielen Treppenstufen, Gischt und Höhenmetern erreichten wir schließlich offenes Almgelände und wanderten auf einem Wiesenweg weiter nach Niederthai. Doch unser Ziel lag höher: Ein weiterer Anstieg führte uns hinein in einen herrlich duftenden Bergwald – es roch nach frischem Holz, feuchter Erde und Sommer. „Waldbaden“, würde man heute sagen – wir nennen es einfach: Natur pur!
Zur Wiesle Alm, traumhaft gelegen auf einer kleinen Lichtung, war es dann nicht mehr weit. Dort erwartete uns beste Tiroler Küche – herzhaft, ehrlich und genau richtig nach dieser Etappe.
Gestärkt machten wir uns an den Abstieg hinunter nach Längenfeld-Au – über einen stellenweise anspruchsvollen Pfad mit Wurzeln, Steinen und nassem Waldboden. Trittsicherheit war gefragt – und unsere Gruppe meisterte es wieder einmal mit Bravour.
Das Timing war perfekt: Wir erreichten die Bushaltestelle pünktlich und fuhren mit dem Schnellbus weiter durchs panoramareiche Ötztal – bis hinauf nach Obergurgl, wo wir im gemütlichen Hotel Alpenaussicht herzlich empfangen wurden. Ankommen, Kaffee, Bierchen, Sauna, Aussicht genießen – was will man mehr?
Am Abend erwartete uns ein exzellentes Abendessen mit regionaler Küche, das keine Wünsche offen ließ. Der Service war herausragend – aufmerksam, freundlich und persönlich. Den Abend ließen wir gemütlich an der einladenden Hotelbar ausklingen – bei guten Gesprächen, einem Glas Wein oder Zirbenlikör und dem Gefühl, einen weiteren erfüllten Wandertag gemeinsam abgeschlossen zu haben.
Vom Nebel in die Sonne – Ein besonderer Tag auf dem E5
Der Tag begann mit einem starken Frühstück und einem besonders herzlichen Abschied im Hotel Alpenaussicht – die Gastfreundschaft wird uns in Erinnerung bleiben. Dann ging’s mit dem Linienbus hinauf zum Schmugglerdenkmal, wo uns bereits dichter Nebel, drei Grad Celsius und echtes Hochgebirgsgefühl empfingen.
Wir ließen zunächst die andere Wandergruppe etwas vorausgehen und nutzten die Gelegenheit, das Denkmal und die eindrucksvolle Szenerie in Ruhe auf uns wirken zu lassen. Gut eingepackt und voll motiviert begannen wir unseren Anstieg – zunächst noch recht entspannt, doch nach der Überquerung der Passstraße wurde es sportlich.
Der Nebel blieb unser ständiger Begleiter, mal dichter, mal lichtdurchflutet – und mit ihm eine ganz besondere, mystische Stimmung. Die Sonne versuchte durchzubrechen, schaffte es aber nur teilweise. Oben, am Timmelsjoch, überquerten wir schließlich die Grenze von Österreich nach Italien – ein emotionaler Moment.
Der Wind pfiff kräftig über den Pass, also machten wir uns zügig an den technisch fordernden Abstieg. Trittsicherheit und Konzentration waren gefragt, während Nebelschwaden über die Hänge zogen und feiner Nieselregen einsetzte. Und trotzdem – wieder Glück mit dem Wetter! Kein Gewitter, keine Unwetter – einfach nur: alpine Herausforderung pur.
Nach dem langen, kräfteraubenden Abstieg legten wir eine wohlverdiente Pause ein, bevor es in den letzten Aufstieg des Tages ging – kurz, aber steil und an die Substanz gehend. Doch wir hatten ein Ziel vor Augen: die Obere Gostalm. Und dieses Ziel lohnte sich! Ein Garten Eden hoch über dem Tal, mit liebevoll zubereiteter Südtiroler Küche, herzlichen Gastgebern und einem Panoramablick, der für alles entschädigte. So gestärkt fielen die letzten Höhenmeter bergab fast wie von selbst.
Unten angekommen, wurden wir von einem privaten Bus abgeholt. Während der Fahrt durch das Passeiertal zeigte sich das Wetter dann doch noch versöhnlich: strahlender Sonnenschein, leuchtende Bergwiesen und ein echtes Postkartenpanorama.
Am Nachmittag erreichten wir unser Hotel Das Bergland in St. Leonhard – erfüllt, stolz und ziemlich glücklich.
Sonnenspaziergang durch Schluchten & Geschichte
Schon am Morgen war klar: Dieser Tag wird gut. Strahlend blauer Himmel, Sonne satt – perfektes Wanderwetter! Nach einem leckeren Frühstück im Hotel in St. Leonhard gab es gleich zu Beginn ein kleines Highlight: ein musikalisches „Ständchen“ für unser Geburtstagskind Rainer! Schön, dass er seinen Geburtstag mit uns feiert! ;)
Ein kleiner Bus brachte uns noch einmal hinein ins Passeiertal, wo kurz vor Rabenstein unsere heutige Etappe begann. Im Tal war es noch recht kühl, und der Wind pfiff uns um die Ohren – doch mit Bewegung wurde es schnell angenehmer.
Heute war ein Tag zum Kilometersammeln: ohne große Anstiege, aber mit vielen schönen Eindrücken. Unser Weg führte uns immer entlang der Passer, durch Auen und über Wiesen – mit stetigem Blick auf die umliegende Bergwelt. Nach kurzer Zeit erreichten wir Moos im Passeiertal, angeblich die reichste Gemeinde Italiens – ob das stimmt, bleibt offen, aber schön ist es allemal.
Spontan entschieden wir uns zu einem kleinen kulturellen Zwischenstopp: dem Bunker Mooseum (ja, mit zwei „o“! Wortspiel). Der ehemalige Bunker wurde in ein kreatives Museum umgewandelt, das spannende Einblicke in Natur, Geschichte und regionale Besonderheiten bietet. Nach einer kurzen, persönlichen Einführung machten wir den Rundgang individuell – inklusive Original-Wendeltreppe hinauf zu den Steinböcken im Außengehege. Absolut lohnenswert!
Im Anschluss verlief unsere Tour auf den spektakulären Erlebnisweg durch die Passerschlucht: vorbei am Stieber Wasserfall, über Holzstege, Brücken, schmale Waldpfade und entlang der wilden Passer. Ein abwechslungsreicher, aber gut begehbarer Weg – im Vergleich zu gestern fast ein Spaziergang, wie einige meinten.
Unsere wohlverdiente Einkehr im Hinterbruggerhof war ein weiteres Highlight: Südtiroler Spezialitäten, ein uriger Platz und beste Stimmung machten die Rast perfekt. Die letzten Kilometer zurück nach St. Leonhard vergingen wie im Flug. Im Ortskern machten wir noch einen kleinen Abstecher zum Franzosenfriedhof, einem stillen und eindrucksvollen historischen Ort.
Zum Schluss wartete noch ein kurzer, aber knackiger Anstieg zurück zum Hotel – und dann war erstmal Entspannung angesagt: Sauna, Pool, Liegestühle, Sonne. Und am Abend? Wieder ein wunderbares Essen, ein letztes Glas auf Rainer – und viel Vorfreude auf die morgige Schlussetappe nach Meran.
Vom Höhenweg nach Meran: Ankommen zwischen Apfelbäumen und Applaus
Der letzte Tag unserer Alpenüberquerung begann – wie so oft – mit einem guten Frühstück und bestem Wetter. Ein Kleinbus brachte uns durchs Passeiertal und die Serpentinen hinauf nach Vernuer. So sparten wir uns einige Höhenmeter – denn heute ging’s ums Genießen und Ankommen.
Unsere Wanderung startete auf dem traumhaften Meraner Höhenweg, und schon bald tauchte unser Ziel auf: Meran – zum Greifen nah. Der Weg führte uns durch schattigen Bergwald, vorbei an einem idyllischen Bauernhof mit Pony und Esel, die uns neugierig begrüßten.
Dann wurde es noch einmal technisch: Ein anspruchsvoller Abstieg durch den Wald führte uns hinunter zum Waalweg, der sich schließlich in weiten Schleifen dem Tal näherte. Am Tiroler Kreuz gönnten wir uns eine kleine Verschnaufpause – und entschieden uns, die letzten Asphaltkilometer per öffentlichem Bus abzukürzen. Eine gute Wahl!
In Dorf Tirol angekommen, öffnete sich vor uns ein spektakulärer Blick: Schloss Tirol, die Dächer von Meran, Apfelplantagen, Weinberge und das Tal in voller Pracht. Ein echter Gänsehautmoment bei sommerlich warmen Temperaturen.
Im Sandgruberhof kehrten wir mit Blick auf Schloss und Stadt ein – Marillenknödel, Apfelstrudel und andere Südtiroler Köstlichkeiten waren der verdiente Lohn nach neun Tagen auf den Beinen.
Zu Fuß spazierten wir durch das malerische Dorf Tirol hinunter zur Talstation – und schwebten ganz entspannt mit dem Sessellift nach Meran. Zeit zum Innehalten. Zeit, zurückzublicken. Wir waren angekommen – körperlich, emotional, gemeinsam.
Im Hotel Flora bezogen wir unsere Zimmer – Wanderschuhe aus, Füße in den Pool, Herz ganz leicht. Einige zog es in die Stadt zum Eis essen, bummeln und einkaufen – Meran zeigte sich von seiner schönsten Seite.
Abends feierten wir den Abschluss unserer Reise in der Pizzeria Soulfood – gutes Essen, viele Erinnerungen, Lachen, vielleicht ein bisschen Wehmut. Bei der feierlichen Übergabe der Urkunden wurde allen nochmals bewusst: Wir haben es geschafft. Zu Fuß über die Alpen – ein Erlebnis, das bleibt.
Abschied von den Bergen
Nach einer letzten, erholsamen Nacht im schönen Hotel Flora in Meran hieß es heute: Abschied nehmen – vom Ort, von der Reise und voneinander.
Zwei Gäste starteten früh mit einem Shuttle zurück zu ihrem geparkten Auto nach Oberstdorf – zurück zum Anfang dieser besonderen Reise. Ein weiterer Gast trat seine individuelle Heimreise per Zug an – mit vielen Eindrücken im Gepäck.
Die übrigen Mitreisenden genossen noch ein ausgiebiges Frühstück in aller Ruhe, bevor wir am Vormittag abgeholt und nach Bozen gebracht wurden. Von dort begann die gestaffelte Heimfahrt: Zunächst ein kurzer Transfer bis zum Brenner, dann Umstieg in den Eberhardt-Reisebus, der uns wieder in Richtung Heimat brachte.
Die Fahrt durch das Inntal, durch das Alpenvorland, vorbei an München und Nürnberg, bot nochmal reichlich Gelegenheit, aus dem Fenster zu schauen und all die Erlebnisse Revue passieren zu lassen. Gespräche, kurze Nickerchen, letzte Erinnerungsfotos.
Am späten Abend erreichten wir schließlich Dresden – fast eine Stunde vor der geplanten Ankunftszeit. Und so ging sie zu Ende: unsere Alpenüberquerung – mit müden Beinen, vollen Herzen und dem Wissen, dass wir gemeinsam etwas Großes geschafft haben.
Ein Weg, der bleibt!
Zehn Tage, drei Länder, unzählige Eindrücke – und wir mittendrin. Unsere Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran war weit mehr als nur eine Wanderreise. Sie war ein gemeinsames Abenteuer voller Naturerlebnisse, Überraschungen, Herausforderungen – und wunderbarer Momente, die uns noch lange begleiten werden.
In Zahlen?
- 95,5 Kilometer zu Fuß
- 5.350 Höhenmeter im Aufstieg
-?5.440 Höhenmeter im Abstieg
…und unendlich viele Schritte voller Begegnungen, Gespräche und Aussichten.
Wir sind durch Täler gewandert, über Pässe gestiegen, haben Wasserfälle bestaunt, Murmeltiere beobachtet, geschwitzt, gelacht, geruht und gefeiert. Aus einer Gruppe wurde ein echtes Team – und aus einem Plan eine Erinnerung fürs Leben.
Ich danke euch allen, dass ich euch begleiten durfte – für euer Vertrauen, eure Offenheit und den gemeinsamen Weg. Es war mir eine Freude und Ehre.
Und wer weiß: Vielleicht sehen wir uns im kommenden Jahr wieder – denn der nächste Weg wartet schon:
Der SalzAlpenSteig – von Hallein bis zum Hallstätter See.
In diesem Sinne: Bleibt wanderlustig, bleibt neugierig –
und nehmt euch immer wieder Zeit für Wege, die gut tun.
Euer Patrick