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Reisebericht: Große Kaukasus-Rundreise mit Armenien, Georgien und Aserbaidschan

12.05. – 24.05.2014, 15 Tage durch den Kaukasus mit Jerewan - Klöster Goschavank und Haghartsin - Sevansee - Chor Wirap mit Araratblick - Tempel Garni - Höhlenkloster Geghard - Tbilisi - Uplisziche - Georgische Heerstraße mit Mzcheta - Weingebiet Kachetien - Sheki mit Khan's

Die armenische apostolische Kirche und die orthodoxe Kirche Georgiens prägten mit Ihren Klosterbauten die Entwicklung. Noch heute künden zahlreiche Klöster mit UNESCO-Welterbestatus von der Blüte der Kultur in der Zeit des Goldenen Vlieses

12.05.2014 Flug über Kiew nach Yerevan


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Elf Gäste trafen sich gegen Mittag in Berlin zum Start der ersten Eberhardt-Travel-Konbinationsreise Armenien – Georgien. In freudvoller Erwartung, aber durchaus auch in ein wenig Anspannung; flogen wir doch über Kiew, wo sich in der Ukraine bedenkliche bürgerkriegsartige Spannungen entluden. Die Fluggesellschaft Ukraine International brachte uns mit einer in Brasilien gebauten Embraer sicher nach Kiew, der dortige Flughafen ist überdimensioniert, modern, bietet aber im Transitbereich kaum einen Imbiss; vor allem nicht für dien von manchem Ukrainer so angestrebten Euro. Fast pünktlich ging es Richtung Krim und dann an der russischen Schwarzmeerküste –unten liegt Sotschi! – entlang durch Georgien in den armenischen Luftkorridor. An den „Fronten" unter uns schwiegen die Waffen; dafür empfing uns der Ararat mit mächtigen Gewitterblitzen. Am Ausgang empfing uns dann auch Narine, unsere armenische Reiseleiterin und ein guter alter Bekannter: der ehemalige Eberhardt-Satra Neoplan-Bus, einst mit dem Kennzeichen DW-ST-116 auf Europas Straßen unterwegs. Kurz nach Mitternacht waren wir im Ani-Plaza –Hotel inmitten des Stadtzentrums, unserem Ausgangspunkt für die kommenden Tage.

13.05.2014 Yerevan


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Nach einem mannigfaltigen Frühstück starteten wir zur Stadtbesichtigung, leider bei etwas Regen.
An der Kaskade, einem Art Ruhmesallee am Hügelhang ging es hinab Richtung Oper. Die von Diaspora-Armeniern gestiftete Kaskade  - ein terrassenartiger Ausstellungskomplex – birgt interessante Ausstellungsstücke neuer Kunst. Zum Mittag besichtigten wir das Historische Museum am Platz der Republik. Die konsequent gestaltete Ausstellung zeigt einen Einblick in die Geschichte der armenischen Vorfahren und der Besiedlung im Raum von Hethitern und Uraträern bis zur Christianisierung. Unweit der Armenischen Brandyfabrik nahmen wir in einem Restaurant mit lokalem Kolorit unser Mittagessen ein, bevor es zum „Dessert" in die Brandyfabrik selbst ging. An durch meist osteuropäische Präsidenten gestifteten Eichenholzfässern mit Branntwein ging es zur Verkostung zweier Brände. Trinkbar der Dreijährige, weich und aromatisch ein zehnjähriger Brandy, der nur aus Markenrechtsgründen nicht Cognac heißen darf. Mit wohliger innerer Wärme fuhren wir zu einer kleinen Pause zum Hotel, um in einem Yerevaner Restaurant etwas später unser Abendessen zu genießen. Dies wurde durch eine kleine musikalische Einlage gekrönt. Der Weg ins Hotel führte über den Platz der Republik, wo individuell das farbige Spiel der Fontänen mit Musik genossen wurde. Ein nun lauer Frühlingsabend im Hauptstadtgewimmel mit Musik und Vorfreude auf Kommendes...

14.05.2014 Etschmiadzin, Zvartnost


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Diesig und regnerisch begann der Tag. Als wir jedoch auf der kurzen Fahrstrecke von Yerevan nach Etschmiadsin an der Kirche St. Hripsime aus dem 7. Jahrhundert ausstiegen, sahen wir hoffnungsvoll  die ersten blauen Flecken über uns. St. Hripsime gilt als hervorragendes Beispiel der ersten Phase des armenischen Bauens von Kirchen in der Zeit des 3. – 7. Jahrhunderts; hieran lassen sich alle Charakteristika der armenischen Kirchen einführend gut erklären. Bei Sonnenschein erreichten wir dann nach wenigen Minuten Etschmiadzin, Sitz des Oberhauptes der Apostolischen Armenischen Kirche seit dem Beginn des 4. Jahrhunderts. Das Ende des Regens nutzten wir zunächst, um unter Einbeziehung aller Gäste – also quasi in einer „Aufstellung" -  die Teilung der christlichen Kirchen darzustellen. In der alten Kirche besichtigten wir auch die Schatzkammer mit zahlreichen besterhaltenen Reliquien der armenischen Kirchengeschichte, die seit 1990 in eine neue Epoche trat.
Unser Mittagessen nahmen wir in einem Hof- und Gartenrestaurant ein, das durch eine NGO (Nichtregierungsorganisation) mit dem Ziel betrieben wird, jungen Menschen eine Ausbildung in verschiedenen handwerklichen und künstlerischen Tätigkeiten zu bieten. Eine Nachtigall bezauberte uns mit Ihrer Stimme. Anschließend besuchten wir Zvartnost, bedeutende Kirchenruine aus dem 7. Jahrhundert. Bei unserer Zufahrt zur Anlage glitzerte der Große Ararat mit seinem Gipfel über einer Wolkenschicht durch die Bögen der Kirche – ein optischer Höhepunkt für jeden Armenienbesucher.
Nach den Besichtigungen aus den ersten Jahrhunderten des einstigen Armenierreiches ging es am Nachmittag zur Gedenkstätte an den Genozid am armenischen Volk 1915 auf einem Hügel am westlichen Stadtrand von Yerevan. Am Vortage legte der französische Präsident hier einen Kranz nieder.Die Ausstellung und Anlage wird derzeit für das Gedenken an das Geschehen vor hundert Jahren rekonstruiert.
In die Jetztzeit Armeniens führte uns zum Tagesausklang ein Stopp am neuen Markt mit seinem Angebot an gezuckerten Früchten, Nussprodukten, Gewürzen, Basturma und anderen Delikatessen.

15.05.2014 Chor Virap mit Araratblick, Noravank, Areni


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Ein Blick aus dem Hotelfenster machte uns froh – wir sahen den Ararat. Eine Stunde fuhren wir zum Kloster Chor Virap unmittelbar am Grenzgebiet zur Türkei. Im Süden zeigte sich der Fünftausender Große Ararat mit seiner noch starken Haube aus Schnee und Eis; links daneben der mehr als tausend Meter niedrigere Kleine Ararat. Trotz dieses Traummotivs blieb Zeit für eine Erkundung in einem für die Historie der Christianisierung Armenien legendären Kloster. Zwei Stunden später trafen wir in einem Tal, das Areni und das Kloster Noravank verbindet zum Mittagessen im Höhlencafe ein. So konnten wir erstmals den Geschmack von Fleisch empfinden, der durch Garen im Tonir, dem Tontopf der Armenier, entsteht. Bei Sonnenschein besuchten wir anschließend das Kloster Noravank am Felsenhang der Bergwelt.  Drei Kirchen sind am einstigen Klosterstandort zu besichtigen; insbesondere die Westseiten der Kirchen weisen eindrucksvolle Reliefs aus. Am Nachmittag hielten wir an einer privaten Weinkellerei in Areni und kosteten mehrere Tropfen des Weines aus der Arenitraube, die hier in den Bergen wächst: mehr Erfahrung als Genuss. Durch die mit einem Hauch Grün überzogenen Berghänge ging es dann zurück nach Yerevan; nochmals vorbei am Ararat mit seinem weißen Gipfel im gleißenden Gegenlicht.

16.05.2014 Kloster Geghard, Garni


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Am Vormittag stand eine der weltbedeutendsten Sammlungen alter Schriften auf dem Programm: die Matendaran in Yerevan. Zu den kostbarsten Schriften gehört ein Druck der ersten Bibelübersetzung aus dem Aramäischen ins Armenische, die im 5. Jahrhundert vorgenommen wurde und so als eine Art „Mutterbibel" gilt. Punkt 12 Uhr stießen wir bei einem Ausblick auf den Ararat auf den Biblischen Berg mit einem Schluck Pfirsich an. Wer dabei an etwas klebrig Süßes denkt, irrt, denn dieser ist weiß und hat 60 Umdrehungen. So kamen wir gut über die Achterbahn nach Geghard, einem bedeutenden Felsenkloster. Fünf Armenierinnen empfingen uns in der felsigen Kirchenhalle mit biblischen Gesängen. Anschließend war noch Zeit für einige Fotos vom Kloster aus dem 13. Jahrhundert in den Bergen östlich von Yerevan.
Spätes Mittagessen gab es dann in einem Dorfhaus. Behände warfen die Frauen die Teigfladen durch die Luft und tapezierten die Wand des warmen Tonir(ofens). Nach kaum zwei Minuten kamen leckere, knackige Lavash-Fladen heraus, die wir mit Käse und Kräutern verspeisten. Viele Kräuter und Salate garnierten uns dann auch die gegrillte Lachsforelle. Am Nachmittag trafen wir um die Ecke unserer Mittagsrast am Tempel Garni ein, einem heidnischen Tempel aus der Römerzeit hoch oben über einem steilen Abgrund. Zum Ausflugsabschluss dann noch Halt am zentralen Postamt, um die Ansichtskarten höchstselbst zum Stempeln abzugeben.
Das Abendessen war dann schon das Abschlussabendessen für Yerevan: ein vier-Gang-Menü mit Abschiedstorte des Eberhardt-Partners in Armenien.

17.05.2014 Sevansee und Goshavank


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Nach dem Verlassen von Yerevan hielten wir im fernen Anblick des Aragat – des höchsten Berges Armeniens – einem ehemaligen Vulkan und sammelten einige Obsidiansteine auf, die der Vulkan einst hier als Schicht über der Erde verteilte. Bald treffen wir am Sevansee ein und stiegen auf die nach der Wasserabsenkung enstandene Halbinsel mit Ihren Kirchen: Sevanovank. Bei herrlichem Sonnenschein schauten wir auf den drittgrößten Hochgebirgssüßwassersee der Erde bevor es auf das Motorschiff ging. Mit diesem kreuzten wir zum Südwestüber, wo sich zwei kleine Inseln herausbildeten, die von tausenden Möwen besiedelt werden. Nach dem Fischessen am See führen wir in eine ganz andere Welt: nachdem wir durch einen drei Kilometer langen Tunnel einen Bergkamm unterquert hatten, fanden wir uns in einer  grünen Landschaft mit Laub- und Nadelbäumen wieder. In dieser Landschaft, der „kleinen armenischen Schweiz" liegt Dilijan, einst auch von Künstlern als Erholungsort genutzt. Nach einem kurzen Stopp an wieder rekonstruierten Ortsbauten fuhren wir hinauf zum Kloster Goshavank. Goshavank ist besonders für einige besonders herausragende Kreuzsteine bekannt. Nach der Besichtigung der Kirchen von Goshavank bummelten wir noch durch das typisch armenische Dorf, in dem sich seit Jahrzehnten wohl nicht viel veränderte.
Rechtzeitig vor dem Abendessen erreichten wir am östlichen Zugang zu Dilijan unser Hotel Best Western Dilijan Paradise.

18.05.2014 Sanahin und Hagpath; Fahrt nach Georgien


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Mit einem Fotostopp oberhalb der Altgläubigendörfer (hier sind es Molokanen, also in der Fastenzeit Milchtrinker) führte uns unsere vormittägliche Fahrt zunächst durch die ehemalige Industrieregion um Vanadzor.Es ist wohl mehr der Anstand, den sich ein Gast auferlegt, um nicht laut sein Unverständnis für 25 Jahre wirtschaftlichen Stillstand und kilometerlange Industrieruinen hinauszuschreien. Ähnliches dann in Alaverdi, wo eine Kupferhütte ihre Rauchgase in Rohren den Berg hinauf leitet und in kurzem Schornstein vom Berggipfel in den Himmel eines UNESCO-Welterbes bläst (ICOMOS und Dresden-Sponsor Prof. Blobel waren sicher noch nie hier!). Zur Beruhigung erregter Gemüter: das so schmutzig produzierte Kupfer geht auch nach Deutschland.
Zu Freudvollerem: Die Klöster Sanahin und Hagpath im Raum Alaverdi stammen aus dem 10. Jahrhundert und gehören berechtigterweise zum Welterbe. Insbesondere die fast palastartige Anlage der Vorkirche und des Übergangs zu den Außenbereichen ist wohl einzigartig. Einst gab es an den Innenwänden Fresken, die in Byzanz entlehnt wurden. Von Hagpath war es nicht mehr weit bis zur armenisch-georgischen Grenze. Mit dem Koffer in der Hand rollten wir durch die unkomplizierten Passkontrollen und über die Brücke des Grenzflusses. Nino (weiblich !!), unsere georgische Reiseleiterin, erwartete uns  und erklärte auf der einstündigen Fahrt nach Tbilisi die ersten Zusammenhänge im Lande des Heiligen Georgs. Ganz mannigfaltiges  un d reichliches Abendessen in einem Brauhaus; Übernachtung im Courtyard by Marriott mitten im Stadtzentrum.

19.05.2014 Tbilisi


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Zur besten zeit für einen Stadtbummel starteten wir zunächst zur Metechi Kirche im Stadtzentrum oberhalb der Kura. Nino erklärte zunächst an der Außenfront einige Besonderheiten der georgisch-orthodoxen Kirche, da sich flüchtig betrachtet der Eindruck ergeben könnte, dass es kaum bauliche Unterschiede zwischen den armenisch-apostolischen und den georgisch-orthodoxen Kirchen gibt. Im Inneren war dann alles eindeutig: orthodoxe Kirche mit Marienverehrung, Ikonen, Ikonostase, Weihrauch. Vom Plateau am Reiterstandbild Wachtang Gorgassalis blickten wir auf die Stadt am Fluss Kura. Im Altstadtteil direkt neben der Kura entstehen in neuer Architektur ein Theater in zwei silberglänzenden Röhren, ein Justizpalast wie Pilzköpfe und eine schwungvoller Brückenzug für Fußgänger. Hoch oben über dem Fluss drohnt der neue Präsidentenpalast in einer Mischung von sowjetischem Klassizismus und Reichstagskuppel. Unser Weg führte uns in die Gassen der erhaltenen Altstadt zur Synagoge, zur Sioni-Kathedrale und zur Antschischati-Kirche, einer Kirche aus dem 6. Jahrhundert. Begeistert warteten wir am Turm des Puppenspielmuseums auf den die Glocke schlagenden Engel  und den Brautzug. Nach dem Mittagessen ließen wir uns auf den Stadthügel in die Nähe des opulenten Wohnsitzes des Parteigründers der Partei  „Georgiens Traum" (man muss sich nur die Nummer 41 merken) fahren. Auf aussichtsreichem Weg bummelten wir zur Festung Nariqala und dann steil, aber gut laufbar, hinab zu den Schwefelbädern. Diese stammen aus der persischen Zeit und tragen unverkennbar deren architektonische Züge.
Da montags auch in Georgien Schließtag der Museen ist, verschoben wir unseren Museumsbesuch auf Dienstag und hatten uns so individuelle Freizeit organisiert; wollte doch mancher original grusinischen Tee und die bekannte Schaschliksoße als Souvenir erstehen.

20.05.2015 Tbilisi, Kloster Bodbe, Signani


Am Morgen begrüßte uns ein leichter Regen. Da der (gestrige) Montag üblicher Schließtag der Museen ist, hatten wir unsere Besichtigung im Historischen Museum auf den heutigen Dienstag verlegt. Zu Fuß erreichten wir in wenigen Minuten das Historische Museum am Rustaveli Prospekt.
Nino führte uns gleich selbst und das so kompetent, das wir die später (zu spät)  kommende Museumsführerin abwählten. Der ausgestellte Gold- und Silberschmuck aus der Zeit des Goldenen Vlieses – zwischen dem 2. Jahrtausend v.C. und etwa dem 6. Jahrhundert n.C. war überaus eindrucksvoll und wird modern präsentiert. Einige Minuten nutzten wir im Museum, um uns mit dem Thema der sowjetischen Okkupation Georgiens zwischen 1921 und 1991 zu beschäftigen.
Dann brachte uns der Kleinbus nach Kachetien, der agrarischen Region  Georgiens, insbesondere einer Weinanbauregion. In einem Bauern- und Winzerhaus voller gesammelter und verstaubter Häuslerbedarfsgegenstände erklärte uns Nino die Weinherstellung in den im Boden eingelassenen Tonfässern. Den weißen und roten Wein  sowie einen aus Weintrauben hergestellten weißen Trinkbranntwein –in Italien ist das ein Grappa – kosteten wir in ausreichender Menge zum Mittag. U nun schon fortgeschrittener Nachmittagszeit fuhren wir zum Kloster Bodbe, einem Nonnenkloster, in dem die Apostelin Nino begraben ist. Insbesondere die Wandbemalung und natürlich die kleine Grabkapelle für Nino sind bemerkenswert. Bei recht starkem Regen aus tief hängenden Wolken bummelten wir ein kurzes Stück durch das Städtchen Signani; grad so weit, um wenigstens etwas von der Stadtmauer mit seinen Türmen zu sehen. Nach zwei Stunden der Rückfahrt trafen wir pünktlich zum Abendessen in einem Stadtrestaurant ein und ließen uns wieder von der Menüfolge verschiedener Speisen überraschen und begeistern. Ob wir uns zu Hause noch an alle die ausgetauschten Rezepte erinnern werden?

21.05.2014 Mzcheta, Kutaisi


Nur wenige Kilometer trennen Tbilisi von der alten Hauptstadt Mzcheta, das noch heute das religiöse Zentrum Georgiens ist. Oben auf dem Berg steht die Dschavi-Kirche aus dem 6. Jahrhundert. Von dort hat man einen guten Blick auf die wehrhafte Anlage der Svetizchoveli-Kathedrale im Ort. Bedeutende Fresken schmücken diese orthodoxe Kirche. Auf der neu angelegten Straße ging es dann weiter Richtung Kutaissi. Die Straße verläuft teilweise in ca. 25 km Entfernung zu Südsosetien, das seit 2008 von Russland besetzt wird. Dörfer exilierter Georgier aus Südossetien stehen nun entlang der autobahnartigen Hauptstraße und künden von einem in Europa kaum bekannten Kapitel der Zeitgeschichte. Nahe Gori  aßen wir zu Mittag, bevor es nochmals reichlich zwei Stunden weiter Richtung Westen geht. Wir durchfuhren die Provinz Imereti, eine grüne Landschaft mit Mischwald, Feldern, Weiden und Dörfern. Die zweitgrößte georgische Stadt ist Kutaissi; sie leidet arg unter dem Niedergang der Industrie. Die Ansiedlung des georgischen Parlaments soll ihr mehr Beachtung und Wohlstand verschaffen. Am nordwestlichen Stadtrand besuchten wir den Gelati-Klosterkomplex, ein Nonnenkloster, dessen Aufbau durch mehrere Organisationen finanziell unterstützt wird. Hier waren die phantastischen Wandmalereien ebenso beeindruckend wie das Akademie-Gebäude; galt doch dieses Kloster in der Zeit des Goldenen Vlieses gar als zweites Jerusalem. Fast oberhalb des Stadtzentrums befindet sich die Bagrati-Kathedrale, deren Ursprünge aus dem 11. Jahrhundert stammen und die im vergangenen Jahr endgültig wieder aufgebaut wurde. Die Kuppel hat eine Höhe von fast 50 Meter über dem Kathedralenboden. Beim Wiederaufbau dieser Kirche hatte man auf die nachträgliche Wandbemalung verzichtet, um deutlicher die alten von den neugebauten Anteile der Kathedrale zu unterscheiden. Nun waren es nur noch wenige Minuten bis zum Hotel, einem traditionellen georgischen Haus , dessen Flair und Potential leider noch nicht richtig genutzt wird.

22.05.2014 Gori – Gudauri


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320 Kilometer von Kutaisi entfernt liegt Kasbegi, unser Ziel für den Abend. Zunächst rollten wir die Hauptverkehrsader entlang, die in einigen Orten von großen Angebotsständen für Töpfer- und Holzwaren, später von Backwaren flankiert wird. Natürlich musste da ein Fotostopp sein. Am späten Vormittag trafen wir in Gori, der Geburtsstadt Stalins ein, die heute ein bedeutender georgischer Garnisionsstandort ist. Häufig sieht man Fahrzeuge einer OSZE-Beobachtertruppe, die die Einhaltung des Waffenstillstandsabkommens zwischen Georgien und Russland um den Zankapfel Südossetien überwacht. Der heutige Streit zwischen den vielen Völkern im Kaukasus geht auch auf die Gebietsordnung zurück, die Stalin 1921 durchsetzte. Mit dessen Geschichte und Politik setzten wir uns im Bus auseinander und besuchten in Gori seinen ehemaligen Eisenbahnwagon und das Häuschen, in dem er seine Kinderjahre verbrachte. Das große Museumsgebäude trieft wohl auch innen noch vor Glorifizierung – das muss nun doch nicht sein.
Fast am Stadtrand von Gori befindet sich die dreitausend Jahre alte Höhlenstadt Uplichziche auf einem felsigen Hügel. Diesen erklommen wir auf felsigen, naturnah-ausgetretenen Wegen.
Nachdem wir auf der Seidenstraße gefahren waren, erreichten wir die alte georgische Heerstraße, die Georgien seit Jahrhunderten mit Russland (Tschetschenien) verbindet. Die Wehrkirche Ananuri war vor 18 Uhr nicht mehr zu erreichen, so dass wir weiter in den Kaukasus hinauf fuhren. In zweitausend Meter Höhe erreichten die Temperaturen 8 Grad und riesige graue Wolken drückten in das Tal hinein. Im Wintersportort Gudauri erreichten wir in 2200 Meter Höhe unser Berghotel: mancher fand in der Ruhe der Berge tiefen Schlaf, mancher musste sich an die Höhe gewöhnen und lag wohl lange wach.

23.05.2014 Kasbegi, Ananuri – Tbilisi


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Tief lagen die Wolken über den Bergen. Rechts skeptisch blickten wir beim Frühstück, aber brachen mit Optimismus auf, um in einer Stunde Busfahrt den Ort Kasbegi zu erreichen. Bereits während der Busfahrt sahen wir ein größer werdendes wolkenloses Feld Richtung Norden, also über Kasbegi. Die Gruppe teilte sich in diejenigen die 5 km Aufstieg über 400 Höhenmeter zu Fuß in Angriff nehmen wollte und jene, die diese Strecke mit einem Allrad-Kleinbus bewältigen wollten. Hoch über uns in Kasbegi sahen wir bereits unser Ziel: die Gergeti-Dreifaltigkeitskirche. Noch vor Erreichen des Zieles der Wandergruppe schaukelte der Kleinbus auf der Rückfahrt an der Wandergruppe vorbei. Ein kurzes Sonnenfenster hatte aus 2200 Meter Höhe vom Kloster sogar den Blick auf den Viertausender Kasbeg ermöglicht. Als wir uns nach knapp vier Stunden wieder trafen, war jeder glücklich: die einen, weil Sie in toller Bergfahrt großartige Blicke auf die Berge erheischen konnten, die anderen, weil sie eine kleine Wanderung von zehn Kilometern mit vierhundert Höhenmetern geschafft hatten.
Nach einem trockenen und ein wenig sonnigen Vormittag kam am Nachmittag ab und zu Regen auf. Die Pausen zwischen den Scheuern nutzten wir für Fotostopps. Schönen Sonnenschein hatten wir bei der Besichtigung der Wehrkirche Ananuri aus dem 17. Jahrhundert. Diese Kirche besitzt einen, der für manche Gebiete in Georgien so typischen, Wehrturm.
Rechtzeitig vor dem Abendessen erreichten wir das uns bereits bekannte Hotel Courtyard by Mariott in Tbilisi. Das Abendessen gab es über der Stadt am südlichen Stadthügel: Abschiedsblick auf die Stadt.

24.05.2014 Heimflug über Kiev


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Sehr zeitiges Wecken und dann ging es in kurzer Fahrt zum Flughafen Tbilisi. Mit Ukraine International flogen wir bei prächtiger Sicht über den russischen Kaukasus und landeten pünktlich in Kiev. Morgen finden in der Ukraine Präsidentenwahlen statt; werden sie zu Frieden im krisengeschüttelten Land führen? In den drei Stunden des Zwischenaufenthalts ist von den Spannungen in der Ukraine nichts zu spüren. Nachdem wir aus Georgien nach Kiev mit einer recht neuen Boeing 737-900 geflogen waren, reichte nun eine – im Lebensalter wohl so alte wie die unabhängige Ukraine – 737-400. Aber: sicher gelandet!
Die erste Eberhardt-Kombinationsreise Armenien und Georgien ist voller Eindrücke beendet.
Es ist – wie im Katalog einführend beschrieben – eine spannende Erfahrung, die Geschichte der Staaten und ihren schwierigen und widerspruchsvollen Weg in die Unab

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