Zum Hauptinhalt springen ... Alle Themen & Ziele
  (03 52 04) 92 112 / Mo – Fr: 07:00 – 19:00 Uhr + Sa: 10:00 – 15:00 Uhr
Eberhardt TRAVEL GmbH
Testsieger 2025
Banner-Hero

Wüste – Hochland – Regenwald: Bericht von unserer Reise nach Perú

Reisebericht: 02.03. – 22.03.2026

Bericht von unserer dreiwöchigen Perú-Reise die uns vorbei an Küsten durch Wüsten und Gebirge über Hochebenen und bis in den amazoniscen Regenwald führte. Eine Reise voller Höhepunkte.

Andreas Böcker

Ein Reisebericht von
Andreas Böcker


Montag, 2. März 2026 – Start in unsere Perú–Reise

Wenn man über den Großen Teich will, dann heißt es früh aufstehen. Oder gar nicht erst ins Bett gehen! Von Berlin, Frankfurt oder Düsseldorf kommend, trafen wir uns in Amsterdam (die Berliner hatten sich schon zuvor kurzgeschlossen) am Gate nach Callao (Lima). Unser Flug startete und landete pünktlich, trotzdem musste Carina, unsere örtliche Reiseleiterin etwas auf uns warten, da die Einreiseprozedur über eine Stunde dauerte. Und dann war da noch der Hund. Wir hatten keinen dabei, so war das nicht, sondern eine Mitreisende – Gundra – wurde vom Hund als Schmugglerin identifiziert und musste zum Zoll. Der Corpus Delicti war ein Apfel. Es ist verboten, Früchte nach Perú einzuführen.
Dann endlich konnte Carina uns in Empfang nehmen und zum Hotel bringen, wo sie unseren Check-in organisierte. Sie fuhr nach Hause und wir gingen ins benachbarte Hotel zum Abendessen, das schon auf uns wartete.

Dienstag, 3. März 2026 – „Können wir nicht hier bleiben?“ – Besichtigung der Hauptstadt Lima und Fahrt nach Paracas

Der erste richtige Tag in Lima begann mit einer Rundfahrt durch die Stadtviertel Miraflores (wo die meisten Hotels, so auch unseres zu finden sind) und San Isidro, wobei wir auch an der Huaca Pucllana („Waka Pukyana“) vorbeikamen. Dann ging es in die Altstadt, wo wir neben Gebäuden im Kolonialstil auch welche im Jugendstil sahen. An der Plaza San Martín stiegen wir aus und besichtigten das Jugendstilhotel Bolívar, das noch heute den Mythos der 20er Jahre zelebriert. Fotos aus de 1920ern und ein Ford von 1920 an der alten Rezeption unterstreichen das.

Auf der Plaza de San Martín steht ein Denkmal des chilenischen Unabhängigkeitskämpfers, der auch – gemeinsam mit Simón Bolívar – die bolivianische und peruanische Unabhängigkeit von Spanien erstritten hatte. Darunter eine weibliche allegorische Figur mit einem Tier auf dem Helm. Manche sagen, es sei das Vicuña („Vikunya“), das sich auch im peruanischen Staatswappen befinde. Lustiger ist die Erzählung, dass der Präsident, der die Statue in Auftrag gab, den Künstler beauftragte, die Allegorie mit dem „llama der Freiheit“ darzustellen. Also kam das Lama (span. Llama („yama“)) auf den Helm der Freiheit. Gemeint sei allerdings die Flamme (ebenfalls span. Llama) gewesen.

Nachdem wir uns landestypisch monetarisiert (sprich Euro oder Dollar in peruanische Sol getauscht) hatten, ging es weiter in Richtung des Hauptplatzes (Plaza de Armas, wortwörtlich Waffenplatz). Dort befinden sich der Präsidentenpalast Perús, genau an der Stelle, wo Francisco Pizarro, der Eroberer Perús seinen Palast auf einer prähispanischen Anlage („Pyramide“) hatte errichten lassen, die Kathedrale mit dem Bischofspalais und das gelb gestrichene Rathaus von Lima.

In einer Bar wird uns erklärt, wie man Pisco Sour mixt – von einigen fortan das Lieblingsgetränk für den Rest der Reise – theoretisch hätten wir auch selber mixen können, aber niemand will das.

Anstatt die Kathedrale zu besuchen, schlug Karina die Casa de Aliaga zu besichtigen vor. Die Casa de Aliaga liegt direkt neben dem Präsidentenpalast und ist seit 16 Generationen in Familienbesitz. Wie auch der Präsidentenpalast, liegt sie auf einer prähispanischen Struktur, die oft als „Pyramide“ bezeichnet wird, wobei man sich hier nicht – wie etwa in Ägypten oder Mesoamerika – die geometrische Form vorstellen darf. Es handelt sich um Plattformen, die für rituelle Praktiken der prähispanischen Bewohner Limas (Rimaq) benutzt wurden. Wie auch die Huaca Puqllana mit ihrer erdbebensicheren Buchregalbautechnik (zwei große Ziegel, zwischen denen aufrecht, mit geringem Abstand mehrere kleine Ziegel stehen).

Der erste Aliaga – Jerónimo de Aliaga – war mit Pizarro als Conquistador (Eroberer) nach Perú gekommen. Sein Schwert ist in der Villa nach zu besichtigen. Während der Unabhängigkeitskriege nicht ganz 300 Jahre nach der Conquista - spielten die Aliagas eine durchaus komplexe Rolle. Während sie von der Familie heute als Unabhängigkeitskämpfer präsentiert werden – was nicht ganz von der Hand zu weisen ist – scheinen sie damals vor allem Waffen an beide Parteien verkauft zu haben, die Loyalisten wie die Independentisten…

Dazu muss man wissen, dass, obwohl es zwar im 16. und 18. Jhdt. Aufstände von Indigenen und Mestizen gegen die spanische Herrschaft gab (vor allem im Hochland), der eigentliche Unabhängigkeitskampf von der weißen, spanischen Oberschicht getragen wurde, zu der eben auch die Aliagas gehörten. Unter den merkantilistischen Politik der Bourbonen hatten die Kolonien zu leiden, zumal auch kategorisiert wurde. Wir kennen den Begriff des Kastensystems, den wir auf Indien und die Hindus anwenden. Der Begriff selbst kommt aber aus dem Spanischen und Portugiesischen (Teile Indiens waren, bevor sie britische Kolonie wurden, portugiesische Kolonie) und lautet auf Spanisch und Portugiesisch Las Castas. Dies war eine rassistische und sexistische Bevölkerungshierarchisierung, wobei die Weißen natürlich ganz oben standen, wobei immer auch wichtig war, zu welche Kaste der Vater und zu welcher die Mutter gehörte, die des Vaters dabei die ausschlaggebendere. Das Problem für die koloniale Oberschicht war aber nun, dass zwischen in Europa und in den Amerikas geborenen Weißen unterschieden wurde. Es konnten somit zwei Kinder derselben Eltern in unterschiedlichen Castas sein, wenn das eine Kind im spanischen Mutterland geboren wurde und das andere in den Amerikas. Allein in der Kolonie (bzw. korrekter gesagt: im Vizekönigreich) geboren zu sein, setzte eine Person statusmäßig gegenüber der in Europa geborenen Person herab. Dies wurde zwar im Zuge der unter napoleonischer Besatzung Spaniens (1808 - 1814) von antifranzösischen Spaniern erarbeiteten Verfassung von Cádiz (1812) aufgehoben, wirkte aber fort (zumal die Verfassung vom aus napoleonischer Geiselhaft zurückgekehrten König 1814 wieder aufgehoben wurde). Cádiz war der einzige Ort in Spanien, der nie von napoleonischen Truppen besetzt werden konnte, hier trafen sich die Deputierten aus Spanien und den amerikanischen Kolonien, um eine liberale (aber monarchistische) Verfassung auszuarbeiten.
Die merkantilistische Politik der Bourbonen hatte zufolge, dass Güter, die z.B. in Perú produziert wurden und nach Kalifornien verkauft werden sollten, offiziell über Sevilla hätte verhandelt werden müssen. Also eingeschifft in Lima, ausgeschifft in Panama oder Acapulco, vom Pazifik an den Atlantik gebracht, dort wieder eingeschifft, nach Spanien gebracht und in Cádiz ausgeschifft, in Sevilla registriert, wieder zurück nach Cádiz, über den Atlantik, durch Panamá oder Mexiko, wieder eingeschifft im Pazifik um dort in Los Angeles in Kalifornien endlich beim Käufer anzugelangen. Deshalb war es also die weiße Oberschicht, welche maßgeblich an der Uanbhängigkeit vom spanischen Mutterland interessiert war, bzw. die finanziellen Mittel und die politische Durchsetzungskraft für ein solches Projekt hatte und somit muss es nicht verwundern, dass eine Familie wie die Aliagas heute stolz darauf verweist, dass sie in direkter Linie von den Conquistadoren abstammt, andererseits aber auch von den Unabhängigkeitskämpfern (die Ambivalenz der Familie in der Unabhängigkeitszeit wird gerne unterschlagen)
Bis heute spielen die Aliagas in der Politik Perús eine Rolle, Präsidentschaftskandidaten trugen diesen Namen schon, so wie auch Minister und Bürgermeister Limas.

Zu den Castas: Ich hatte mich oben nur auf die Kategorisierung von Europa- und Amerikaspaniern beschränkt, aber das Kastensystem umfasste natürlich alle Bevölkerungsklassen und war extrem unübersichtlich: da waren die Indigenen („indios“) und die afrikanischen Sklaven („negros“), die Mestizen (Mischlinge zwischen weißen Männern und indigenen Frauen) und Mulatten (Mischlinge aus weißen Männern und schwarzen Frauen), sowie deren inferiore Konterparts (Mischlinge mit indigenen oder afrikanischen Männern und weißen Frauen, die sich wiederum in einer anderen Kategorie wiederfanden), sowie Mischlinge zwischen Indigenen und Afrikanern. Und dann wird es richtig kompliziert, weil jede denkbare weitere Vermischung zu neuen Castas führte, die sich dann irgendwann mangels Begriffs auch gar nicht mehr erfassen ließen.

ZURÜCK ZU UNS. Karina wollte uns einen Einblick auch in den Privatbereich des Hauses erlauben, manchmal könne man die Familie beim Frühstück sehen, aber die Fensterläden waren verschlossen. Als wir aber gerade dabei waren, die Besichtigung zu beenden, tauchte plötzlich der 93jährige (aber absolut fitte) Hausherr auf, beantwortete unseren Fragen und ließ sich mit uns fotografieren.
Unser Weg führte uns nun noch ins Dominikanerkloster, welches einst Sitz der ersten Universität der „Neuen Welt“ war, dann verließen wir Lima mit Ziel Paracas.

Überall in Perú gibt es die sogenannen Pueblos Jóvenes oder Invasiones, die jungen Dörfer oder Invasionen. Nach einem alten peruanischen Gesetz kann jeder ein Stück Land abstecken, wenn darauf ein Gebäude steht und ein paar Pflanzen angepflanzt wurden, kann man das Land nach zehn Jahren für sich beanspruchen. Teilweise nutzen dieses Gesetz Landlose, die dann tatsächlich in kurzer Zeit Straßenzüge hochziehen und dort leben (Invasion), teilweise aber auch mehr oder weniger mafiös strukturierte Vereine, die hoffen, das Land irgendwann einmal verkaufen zu können, weil es attraktiv wird. Und so ziehen sich entlang der Panamericana kilometerweit eingezäunte Parzellen mit Hütten (teilweise nichts weiter als ein Dach auf vier Pfählen, teilweise ein schnell hochgezogenes Gemäuer) und einer Anzahl von wenigen, mehr oder weniger liebevoll gepflanzten Pflanzen.

Abends kommen wir in unserer schönen Hotelanlage in Paracas an: „Können wir nicht hier bleiben?“

MIttwoch, 4. März 2026 –

Morgens um 7:00 treffen wir uns am Steg, direkt hinter unserer Hotelanlage mit Alex und Pedro. Alex ist unser Bootsführer, Pedro der Naturguide. Mit ihnen wollen wir zu den Ballestas-Inseln fahren.
Die Ballestas sind eine bizarre Inselgruppe mit vom Meer ausgespülten Bögen, auf denen viele Vögel nisten, aber auch Seelöwen ihre Jungen aufziehen. Da hier keine Haie und Orkas leben, eine ideale Kinderstube für die Robben.
Die Vögel hinterlassen ihren Dung, der die Inseln ganz weiß aussehen lässt, alle sieben bis zehn Jahre darf der Dung (das Guano, ein guter Dünger) abgebaut werden, bereits in der prähispanischen Zeit wurde Dung von den der Küste vorgelagerten Insel gegen Waren ins Hochland getauscht.

Ein erstes Highlight auf der Fahrt zu den Ballestas ist der Candelabro (Armleuchter/Kerzenständer), eine Geoglyphe, zu der uns Pedro mehrere Hypothesen präsentiert. Zum einen wird der Candelabro als Hinterlassenschaft der Paracas-Kultur gesehen und wäre somit etwa 1.500 Jahre alt (+/- 200), es würde sich wahrscheinlich um einen San Pedro-Kaktus handeln, der halluzinogene Rauschmittel spendet. Eine andere Hypothese ist, dass ein Anhänger des chilenischen Libertadors (Befreiers)José de San Martín, der direkt um die Ecke an einem Hafen, wo heute vorwiegend Guano und Salz verschifft wird, anlandete. (Die archäologische Literatur, die ich gelesen habe, behandelt den Armleuchter als Geoglyphe der Paracas-Kultur.)
Wir setzen unsere Fahrt in Richtung der Ballestas fort, als wir plötzlich einen Wal sichten. Ein Bryde-Wal. Die Tiere leben hier nicht, erklärt Pedro uns, daher sieht man sie nur selten. Sie ziehen durch, folgen dabei dem Humboldtstrom. Den kann man mit bloßem Auge sehen, wie Pedro uns zeigt. Nachdem wir dem Wal einige Minuten vorsichtig gefolgt sind, drehen wir wieder ab in Richtung der Inseln. Wir fahren direkt auf eine der Felsbrücken zu, unter der ein Seelöwenharem lagert. Wir könne die Tiere gut hören, aber sie liegen im Schatten, trotzdem können wir erste Jungtier ausmachen. Es geht weiter, wir sehen in den Felswänden Inka-Seeschwalben, Tölpel und oben auf den Felsen eine Gruppe von fünf Humboldpinguinen. Auf einer anderen Insel taucht eine deutsch-peruanische Forschungsstation auf, wo auch Pedro schon gearbeitet hat. An einem Strand sehen wir einen Seelöwen-Kindergarten. Die Kälber sind wenige Tage alt und haben ihre ersten Wasserberührungen. Sie robben in der Gruppe, von ein oder zwei Muttertieren beaufsichtigt bis auf den Wellensaum zu und dann wieder strandaufwärts. Ab und zu steckt zwischen den Booten auch eine erwachsene Robbe den Kopf aus dem Wasser, die Mütter müssen fressen, um Milch für ihre Kiner zu produzieren. Der Bulle bleibt in diesen Wochen an Land, um seinen Harem zu verteidigen, fremde Männchen würden seinen Nachwuchs töten, um die Weibchen von der Brutpflege schneller wieder in die Paarungsbereitschaft zu bringen.

Ich frage, ob es hier Haie gebe, aber Haie und Orcas halten sich hier nicht auf: Die ideale Kinderstube für Robben.

Nach unserer Tour zu den Ballestas geht es weiter. Wir haben mittlerweile einen Eindruck von dem Küstenstreifen von Perú erhalten. Linkerhand sehen wir oft die Ausläufer der Anden, aber unser Küstenstreifen wechselt zwischen Trockensteppe und verschiedenen Formen Wüste. Doch trotz der Unwirtlichkeit der Landschaft reihen sich die Jungen Dörfer (die keine Dörfer sind, weil dort de facto so gut wie niemand lebt) aneinander. Landspekulation! Ab und zu, dort wo schöne Badebuchten sind, sieht man, wie die Jungen Dörfer sich in Resorts oder Ferienhausanlagen verwandeln. Doch wir verlassen zunächst die unmittelbare Küste und fahren ins Landesinnere, mit dem Ziel Nasca. In Palpa fahren wir am Museum Maria Reiche vorbei. Die Dresdner Mathematikerin war irgendwann nach Perú gekommen, wo sie zunächst als Kindermädchen arbeitete, dann aber diese Anstellung verlor. Sie wollte aber nicht zurück nach Deutschland, wo mittlerweile die Nazis an der Macht waren. Ein amerikanischer Archäologe, mit dem sie Kontakt hatte, schickte die Mathematikerin nach Nasca, um dort einige seltsame Linien auszumessen, die er entdeckt hatte. Sie verbrachte die nächsten Jahre und Jahrzehnte damit, die Linien auszumessen und entdeckte neben den trapezformigen Linien auch einige der figürlichen Linien. Erst spät bekam sie Gelegenheit, diese auch mal aus der Luft zu sehen. In Nasca sind Tiere dargestellt, die es vor Ort gar nicht gibt, sondern im Meer – wie etwa der Wal oder eine als Orca angesprochene Figur) oder auch der Affe oder der Papagei – wobei man jedoch weiß, dass schon vor über 2000 Jahren Papageien aus dem Regenwald über die Anden bis in die Küstengebiete gehandelt wurden. Vermutlich auch Affen. Aber man sieht auch Reiher, Pelikan, Kolibri und Spinne. Und den Astronauten, eine einfache menschenförmige Figur mit übergroßem Kopf und übergroßen Augen.

Donerstag, 5. März 2026 –

Wir fahren weiter entlang des Pazifik durch die Wüste. Helle „gelbe“ bis „weiße“ Sanddünen wechseln sich mit „bräunlichem“ oder „gräulichem“ Agglomerat ab und dann wiederum durch vulkanisches oder plutonisches Gestein. Ab und zu durchbrechen Flusstäler oasengleich diesen Anblick, so etwa in Yauca, wo wir einen Stopp machen. Yauca ist in Perú bekannt für den Olivenanbau. Wir probieren Oliven und Olivenprodukte, Susi kauft eine Flasche Maracuja-Pisco, weil sie die Nachricht von der Geburt ihres „Enkels“ erhalten hat, und spendiert eine Runde. Später fahren wir durch Ocoña und Camaná (wo wir spätnachmittags zu Mittag essen) wo in Reis angebaut wird (Nassreisanbau). Der erste Stopp nach Yauca ist aber das nahe Tanaka, weil der dringliche Wunsch geäußert wird, doch mal die Füße in den Pazifik strecken zu dürfen.

Am Strand liegen große Haufen aus Algen oder Tang, die von den Menschen zusammengetragen werden. Karina erklärt, dass diese für die Kosmetik-Industrie benötigt werden und die Menschen hier sich dadurch ein Zubrot erwerben.

Tanaka liegt genau an einer Übergangszone von einer relativ sanft zum Meer abfallenden Sandwüste zu einer Steinwüste mit hohen abfallenden Klippen zur See. Auch für den Straßenbau hat das Folgen, die Straße ist nun nicht mehr kilometerlang gerade, sondern gewunden. Überholen geht hier nicht. Dummerweise gilt das auch für den Schwertransport vor uns, der sich dann irgendwann in einem Tunnel festfährt. Der Tunnel ist nur 150 m lang, aber wir stehen fast zwei Stunden im Stau, zudem stehen wir in einem Funkloch, so dass Karina nicht einmal im Restaurant anrufen kann, dass wir später kommen. Als wir endlich durch den Tunnel durch sind, wird zunächst einmal an einer weiteren Engstelle der Gegenverkehr, der sich ja ebenfalls fast zwei Stunden aufgestaut hat, durchgelassen. Spät am Abend kommen wir endlich in Arequipa an und verabschieden uns vorerst von Karin und unseren beiden Busfahrern. Bei Karina wissen wir, dass wir sie wiedersehen, einen unserer Busfahrer durch Zufall auch.

Freitag, 6. März 2026 – Arequipa, die weiße Stadt

Neuer Tag, neues Team: Wir lernen Paola und Busfahrer Ernesto kennen. Paola schlägt vor, zunächst den Markt zu besuchen, da sei morgens mehr zu sehen, als Mittags. Ernesto fährt uns also zum Markt von Arequipa, wo wir zunächst einmal in die Abteilung für brujería gehen. Brujería wäre eigentlich Hexerei, aber das trifft es nicht ganz. Es geht um Glücksbringer und Opfergaben für Pachamama (Mutter Erde) oder die Apus (Berggipfel, Vulkane), da werden u.a. Koka-Blätter und Zuckerwaren, Alkohol und Zigaretten dargebracht, bei den Zuckerwaren wird oft nachgeholfen zu erklären, was man sich von Pachamama und den Apus wünscht. Diese sind nämlich so gestaltet, dass sie ein Auto, einen LKW, ein Hochzeitspaar, Geld, ein Haus oder andere Dinge darstellen. Das steht im peruanischen Hochland auch nicht im Widerspruch zum Katholizismus, dem noch ca. 80 % der peruanischen Bevölkerung anhängen. Evangelikale Kirchen sind aber aber auf dem Vormarsch. Gleichzeitig ist ein chinesischer Einfluss unverkennbar.
Wenn Blut geopfert werden muss, wird auf Alpaca-Föten verschiedener Entwicklungsstadien zurückgegriffen, auch diese hängen an den Ständen in der Brujería-Abteilung. Paola erklärt, dass diese nicht gezielt besorgt werden, sondern wenn man feststellt, dass eine Alpaca-Stute bei der Schlachtung trächtig war, dann nimmt man den Fötus her.

Durch die Fischabteilung ging es zum Gemüse. In Perú soll es nach unterschiedlichen Zählungen zwischen 3000 und 5000 Kartoffelsorten geben. Hier sahen wir einige davon, vielleicht zehn Sorten. Und Chuños. Chuños sind gefriergetrocknete Kartoffeln. Die Kartoffeln werden nach der Ernte in einem Gebirgsbach gewässert. Dann werden sie auf einer geraden Fläche über mehrere dem Nachtfrost ausgesetzt und durch Stampfen das Wasser ausgepresst. Die solcherart gefiergetrockneten Kartoffeln sollen noch nach Jahrhunderten essbar sein (angeblich hat man in Bolivien 1000 Jahre alte Chuños gefunden, die noch verzehrfähig gewesen sein sollen). Wir bekommen einige Tage später auf der Halbinsel Luquina Gelegenheit Chuño zu essen – mein Fall ist es nicht.

Nach dem Besuch des Marktes fahre wir zu einem Aussichtspunkt (Mirador de Carmen Alto). Von hier aus soll man einen besonders guten Blick auf die drei Arequipa umgebenden Vulkane haben, den Chachani, den Misti und den Picchu Picchu. Leider liegen alle drei Vulkane unter Wolken und sind mehr zu erahnen, als wirklich zu sehen.
Wir fahren weiter zu Kirche San Juan Bautista de Yanahuara, auch hier ist noch mal ein Mirador (Aussichtspunkt). Aber zunächst erklärt uns Paola die synkretistische Mischung aus andinen Einflüssen und spanisch-katholischem Barock anhand der Kirchenfassade.

Wir besuchen dann in der Innenstadt von Arequipa das Monasterio de Santa Catalina (Katharinenkloster). Hier lebten Nonnen aus reichen Familien. Das Kloster ist eine Stadt in der Stadt, teilweise gaben reiche Familien ihre Töchter zur Erziehung hier hin, wenn die Zeit gekommen war, sich zu entscheiden Novizin zu werden oder ins weltliche Leben zurückzukehren soll manche Familie mit der Entscheidung der Mädchen konfrontiert worden sein, dass sich die junge Frau für ein Leben im Zölibat entschieden hatte. Aber den Frauen im Kloster ging es nicht schlecht, bis zu einer Klosterreform lebten sie oft zu zweit oder dritt in eigenen Häusern innerhalb des Klostergeländes und hatten – sie kamen ja alle aus Familien der Oberschicht von Arequipa, der weißen Stadt (was sich nicht nur auf den Gebauch weißen Tuffgesteins bezieht, sondern auch darauf, dass hier vorwiegend Spanier lebten, keine Indigenen) – und hatten zudem Dienstpersonal, das sich um den Haushalt kümmerte, während die Nonnen sich dem Gebet und ihren Aufgaben widmen konnten. Das konnten Handwerks- oder Schreibarbeiten sein oder auch künstlerische Tätigkeiten, vor allem Musizieren.

Paola beendet die Stadtführung mit dem Besuch der Jesuitenkirche. Diese wurde, als die Jesuiten, die den portugiesischen und spanischen Königen unangenehm wurden – die traten doch tatsächlich für die Rechte von Indigenen ein! Ein Portugal wurden sie bezichtigt, an einem Mordkomplott gegen den König beteiligt gewesen sein – aus den iberischen Königreichen und ihren amerikanischen Kolonien und Vizekönigreichen vertrieben. Als die Jesuiten 1767 vertrieben wurden, wurde die Kirche geschlossen und angeblich erst nach der Rückkehr der Jesuiten 1871 wieder in Gebrauch genommen. So sind in der Kirche nur noch wenige der originalen Fresken erhalten, die uns Paola zeigt, ansonsten haben wir den blanken Tiffstein (span. Sillar). Aber dann geht Paola mit uns in die Sakristei. Hier sind die Fresken erhalten. Der Raum ist von oben bis unten mit Darstellungen von Pflanzen und Vögeln bedeckt. Fotografieren ist hier strengstens verboten.

Anschließend haben wir Freizeit, die wir ganz unterschiedlich verbringen.

Samstag, 7. März 2026

Der Weg führt uns nun weiter aufwärts, in Richtung des Colca-Tals. Auf dem Weg sehen wir Guanacos. Von denen leben in Perú nur noch wenige Exemplare, da sie lange bejagt wurden, in Argentinien und Chile sieht man mehr. Und wir sehen die Vicuñas. Die wildlebenden Vicuñas dürfen einmal im Jahr geschoren werden, ihre Wolle ist noch besser als die der Alpacas. Vicuñas sehen wir in kleineren und größeren Gruppen. Die kleineren Gruppen bestehen aus einem Hengst und mehreren Weibchen, sowie deren Nachwuchs. Größere Gruppen bestehen aus Junghengsten ohne eigenen Harem.

An einer Raststation trinken wir Mate Inka, ein Aufguss aus Kokablättern, Muña („Andenthymian“) und Chachacoma. Wir haben dabei einen Ausblick auf einen seltsam geformten Berg mit wiederkehrenden Spitzkegeln aus vulkanischem Tuff, die aus der vulkanischen Asche herausragen. Jetzt geht es weiter bergauf, Paola bietet uns Koka an. Sie erklärt uns, dass man wegen des Dualismus immer eine durch zwei teilbare Menge Blätter nehme, i.d.R. sechs oder acht. Sie hat außerdem Stevia mit verschiedenen Geschmacksrichtungen dabei, das kann man in die Blätter einrollen, das soll den Geschmack verbessern. Dann packt man die gerollten Kokablätter in eine der Wangentaschen und kann sie kauen oder lutschen. Dann spuckt man das alles aus und gut ist.
Runterschlucken? Geht auch.
Nach kurzer Zeit wird die Wange etwas taub, die Wirkung des Koka. Im Bus das Koka auszuspucken ist nicht so günstig, also schlucke ich es hinunter, mein Magen kribbelt für ein zwei Minuten ein wenig, dann ist die Wirkung vorbei. Unser Bus klettert derweil immer höher, es sind kaum noch Büsche am Wegesrand zu sehen, die Vicuñas werden weniger. Schließlich erreichen wir den Höhepunkt der Passstraße, der hier mit 4.901 m NN angezeigt ist: Wir sind am Mirador de Patapampa.

Paola ist sehr besorgt um unsere Gesundheit: Die Höhe. Es ist aber auch sehr kalt heute. Der Wind pfeift, die einheimischen Damen, die an den Verkaufsständen auf Kundschaft warten, sind dick eingepackt, ihre Gesichter kaum zu sehen.

Wir fahren weiter, jetzt geht es relativ schnell bergab, in engen Serpeninen nähern wir uns Chivay im Colca-Tal, wo unser Mittagessen auf uns wartet. Nach dem Mittagessen ist unser Programm-Punkt der Einfall in unser Hotel, die Colca Lodge. Über eine Hängebrücke gelangt man zur Lodge-eigenen Farm, wo Lamas und Alpacas aus nächster Nähe zu bewundern sind. Wer nicht ganz so weit kommt, bleibt an den aus heißen Quellen gespeisten Pools hängen, wo die Wassertemperatur zwischen 35° und 39° liegt. In einem weiteren Pool kann man sich etwas abkühlen und der Barmann von der Lodge bringt einem sogar den Pisco Sour an den Pool.

Sonntag, 8. März 2026

Wir fahren nach Yanque. Yanque ist das nächste Dorf von unserer Unterkunft, der Colca Lodge, eigentlich nur durch den Fluss getrennt. Wäre die Topographie nicht, wie sie ist: Wir müssen dann doch viereinhalb Kilometer fahren.
In Yanque tanzen jeden Morgen Schülerinnen in einheimischer Tracht für die Touristen, die für Foto- und Filmaufnahmen etwas Geld geben. Dieses Geld wird gespart und dann am Ende der Schullaufbahn für die Abschlussfahrt investiert, welche sich die Familien sonst nicht würden leisten können. Jeden Tag tanzt eine andere Gruppe, nach Klassen gestaffelt. Jetzt waren Ferien, aber in der Schulzeit müssen die Mädchen nach dem Auftritt schnell nach Hause laufen und ihre Schuluniformen anziehen.

Wir fahren weiter zum Mirador Achoma, von dem aus man einen tollen Blick ins Colca-Tal hat. Schaut man auf die andere Seite findet man eine Wand, wo auf vulkanischer Asche Basalt aufliegt, Zeugen unterschiedlicher Vulkanausbrüche, die etliche Jahrmillionen zurückliegen.

In der nächsten Ortschaft macht uns Paola auf Risse in den Bergen aufmerksam. Diese sind nicht etwa auf Erosionsprozesse zurückzuführen, sondern Risse, die sich bei den hier häufigen Erdbeben aufgetan haben. Die Platten driften hier auseinander.
Wir fahren aber weiter zum Mirador Cruz de Condor (Aussichtspunkt Kondorkreuz). Hier sollen regelmäßig Kondore zu sehen sein, und zwar am besten zwischen 7:30 und 9:30 am Morgen, wenn sie die warme aufsteigende Luft nutzen, um sich in die Höhe zu schrauben. Wir sehen zwar einige – manchmal auch komische – Vögel, aber Kondore zeigen sich nicht. Nur ein Jungtier sitzt lange Zeit unbeweglich auf einem etwas abseits liegenden Felsen. Paola meint, die Jungtiere seien immer etwas faul. Irgendwann fliegt er dann aber doch los. Aber leider von uns weg und kehrt auch nicht mehr wieder.

Wir fahren weiter zum Mirador de Tapay. Hier befindet sich kein Mensch, wir sind alleine hier. Und wir sehen Kondore. Weiter geht es nach Cabanaconde. Hier treffen wir neben zwei europäischen Wanderern (die, wenn ich das richtig gehört habe, Schweizerdeutsch gesprochen haben) auch zwei Einheimische, die ich zunächst für Hirten halte. Daher wundere ich mich, dass sie aufgeregt kommentieren, als sie einen Adler sehen. Ich frage sie, ob sie nicht jeden Tag Adler sähen. Nein, sie kämen aus der Stadt, sie sind aus Arequipa. Auch hier haben wir wieder Glück und sehen außer dem Adler auch wieder Kondore.

Zurück geht die Fahrt zum Mirador Cruz de Condor: Die letzten Verkäufer packen ihre Waren zusammen, Touristen sind keine mehr da, vor einer Stunde war hier noch alles voll. Wir beginnen nun eine Wanderung entlang des Colca-Canyons, der tiefer (aber auch schmaler) als der Grand Canyon ist) bis zum Mirador Cruz del Cura (Aussichtspunkt Kreuz des Priesters). Paola erzählt, dass hier ein Priester in den Canyon gestürzt sei. Er habe eine Liebelei mit einer verheirateten Frau aus einer der Gemeinden gehabt, das habe der gehörnte Ehemann mitbekommen und auf der Flucht vor der wütenden Dorfbevölkerung stürzte der Priester in die Schlucht. Das Kreuz erinnert daran. Heute sind die Wege durch Geländer gesichert.

Nach unserer Wanderung kehren wir in Richtung der Colca Lodge zurück, nachdem wir noch am Mirador Antahuilque angehalten haben. Scheinbar haben alle Touristen seit halb zehn dem Colca-Tal den Rücken gekehrt. Während einige die Pools nutzen wollen, macht Paola mit dem Rest von uns noch eine kleine Wanderung durch die Ruinenstätte Uyo Uyo. Die Bevölkerung des Colca-Tals ein Quechua und ein Aymara sprechender Stamm hatte sich jeweils friedlich an den beiden Seiten des Flusses angesiedelt. Man trieb Handel miteinander aber duldete keine Ehen zwischen den Völkern. Um anderen die Einwanderung ins Tal zu verwehren, siedelten die beiden Stämme in der prähispanischen Zeit an strategischen günstigen Orten: Erhöht und nahe des Wassers. Als die Inka das Tal eroberten, beließen sie es dabei, als aber die Spanier kamen, zwangen sie die Bewohner ihre Siedlungen aufzugeben. So mussten die Bewohner von Uyo Uyo z.B. nach Yanque umsiedeln, ihr altes Dorf wurde aufgelassen. Teilweise benutzten sie Baumaterial von hier, teilweise legten sie Äcker in der alten Stadt an. Aber im Großen und Ganzen blieb die Struktur der Ortschaft unüberbaut erhalten (einiges ist auch restauriert). Wir haben hier also ein Beispiel einer befestigten bäuerlichen Siedlung aus der prähispanischen Zeit im Colca-Tal, wie sie in der Vor-Inka-Zeit und der Inka-Zeit ausgesehen hat.

Später am Nachmittag können sich dann auch die Wanderer in den von heißen Quellen gespeisten Pools der Colca Lodge bei einem Pisco entspannen. Ein Spanier fragt mich, ob mein Mobiltelefon mich auch vor dem Vulkanausbruch in der Nähe gewarnt habe. Der Sabancaya sei ausgebrochen, der ist nur 20 km von der Lodge entfernt.

Montag, 9. März 2026 – Wo das Alpaca spuckt – von Colca nach Puno

Am Folgetag müssen wir das Colca-Tal schon wieder verlassen, es geht auf einer Nebenstrecke Richtung Puno (wir vermeiden damit das Verkehrschaos in der Schmugglerstadt Juliaca, einem Verkehrsknotenpunkt der „Neuen Seidenstraße“ zwischen Perú, Bolivien und Brasilien), nicht ohne zuvor noch einmal einen Mate Inka mit den bekannten Ingredienzen Koka, Muña und Chachacoma an der bekannten Raststation zu trinken.

Zu allererst aber halten wir aber kaum, dass wir gestartet sind, schon wieder an: Über dem Sabancaya hängt eine Wolke. Keine Regenwolke, sondern Dampf aus dem Vulkan. Und dann plötzlich Aktivität am Vulkan, der eine Staubwolke ausspuckt. Paola erklärt uns, dass der peruanische Staat versucht hat, die Leute, die am Sabancaya leben umzusiedeln, aber etliche seien geblieben und würden aufgrund der Dämpfe des Vulkans krank sein. Mehr als Staub und Gase spuckt der ständig aktive Vulkan aber nicht aus.

Wir fahren nun wieder Richtung Ausgang des Colcatals, klettern mit unserem Bus die Serpentinen hoch, bis wir die Patapampa erreichen (das Quechua-Wort Bamba/Pampa, das es bis ins Deutsche geschafft hat, bedeutet im Prinzip nichts weiter als Hochebene).
Mitten auf der Straße, noch kurz bevor wir den Mirador de Patapampa erreichen, hält unser Fahrzeug: Busfahrer Ernesto hat ein Viscacha erspäht. Viscachas („Hasenmäuse“), die aussehen wie die Kreuzung eines verrückten Wissenschaftlers aus Kaninchen und Eichhörnchen, gehören zur Familie der Chinchillas. Das Viscacha lässt sich von uns seelenruhig fotografieren, obwohl unser Bus nur ein paar Meter entfernt steht. Nachdem wir alle unser Foto haben, geht es weiter zum Mirador de Patapampa, aber Paola ermahnt uns, nur fünf Minuten zu bleiben. An der Höhe von 4.901 Metern hat sich in den letzten zwei Tagen eben nichts getan. Aber heute scheint die Sonne, die Vulkane sind zu sehen und es ist wesentlich angenehmer als zwei Tage zuvor.

Nach unserer Mate Inka-Pause ist unser nächster Stopp der bizarre steinerne Wald (Bosque de Piedras) von Pillones. Die ersten auffallenden Formationen erinnern an Phallen. Wir folgen einem markierten Weg, um die Pflanzen nicht zu stören, der sich aber irgendwann verliert und treten „In den Wald“ hinein, bewegen uns zwischen den steinernen Formationen. (Leider ist hier auch eine asiatische Familie unterwegs, welche die Gegend als Kulisse für ihre Selbstinszenierung nutzt und dabei – das ist das eigentlich Störende – eine Drohne einsetzt).
Nach unserer Runde durch den steinernen Wald geht es weiter zu den Cataratas (Wasserfällen) von Pillones. Man kommt über eine staubige Hochebene und plötzlich tut sich eine Schlucht auf in der in zwei Wasserfällen ein recht breiter Fluss in die „Tiefe“ stürzt.

An der Laguna Lagunillas halten wir noch mal an und schauen über den großen Hochlandsee, an dessen Ufern aus der Schweiz importierte Kühe weiden. Natürlich sind überall, wo sich solche Haltepunkte befinden die unvermeidlichen Souvenirhändler, die aber auch oft saubere Toiletten bereitstellen. Hier halten sie ein paar Alpacas für Fotos. Eines verfolgt mich, weil es wohl glaubt, dass ich etwas Schmackhaftes für es dabei hätte, ein anderes tut - als Martina es streicheln will - das, wofür Alpacas und Lamas bekannt sind: Es spuckt! Zum Glück gibt es hier eine gut gepflegte Toilette. Und das Alpaca hat wohl auch nur einen Warnschuss abgegeben....

Am frühen Abend kommen wir in Puno an, wo wir uns von Paola und Ernesto verabschieden. Gemeinsam laufen wir in Richtung der Kathedrale von Puno. Von dort aus steigen wir hoch zum Kondor, der einen Aussichtspunkt über Puno und den Titicaca-See krönt. Wir überwinden dafür über ein Treppe ca. 150 Höhenmeter auf etwa 850 Meter, davon die letzten 300 m (eben die Treppe) relativ steil. Und das ganze in der dünnen Luft auf 3.900 Metern über dem Meeresspiegel. Das ist kräftezehrend. Als wir ins Hotel zurückkehren, sind wir dementsprechend hungrig.

Dienstag, 10. März 2026

Unsere nächste Reiseleiterin ist Inka, die aber – außer persönlichem archäologischem Interesse nichts mit „den Inka“ zu tun hat (eigentlich bezeichnet Inca im Quechua ja nur den Herrscher; Inca kann man gewissermaßen mit ‚Kaiser‘ übersetzen). Inka ist Deutsche, aber als Kind mit ihren Eltern nach Perú ausgewandert. Obwohl ihre Mutter Kolumbianerin ist, hat Inka erst in Perú Spanisch gelernt. Sie kann aber auch Aymara, eine Kenntnis, die sie etwas herunterspielt. Inkas Schwester, verrät mir Karina später, war Karinas Deutschlehrerin. Inka holt uns also morgens ab, gemeinsam fahren wir zum See – dem höchsten kommerziell schiffbaren See der Welt – wo schon Isaias mit seinem Boot auf uns wartet. Allein die Bucht von Puno, die nur knapp ein Achtzehntel des Titicaca-Sees ausmacht, ist schon größer als der Bodensee. Große Teile dieser Bucht sind aber relativ flach, denn in der Bucht von Puno befindet sich der Schilfgürtel aus Tortora-Schilf (eigentlich kein Schilf, sondern eine Teichbinse), das nur dort wächst, wo der Wasserspiegel unterhalb von drei Metern liegt. Die Schilf- bzw. Binsenwälder werden allerdings von einem „Fluss“ durchschnitten, der bis zu 14 m tief ist. Hier leben, auf ihren schwimmenden Inseln, die Uros. Die Inseln werden gewonnen, indem das Schilf mitsamt der Wurzel vom Seeboden getrennt wird, früher mühsam mit Hilfe primitiver Holzpaten, heute mit großen Sägen. Die Inseln schwimmen, solange das Schilf lebt, wenn es abstirbt, sterben sie ab. Es werden aber auf den Inseln immer wieder neue Lagen von frisch geschnittenem Schilf aufgelegt, was verhindert, dass die Bewohner und Besucher nasse Füße und einen nassen Hinter bekommen. Überhaupt ist das Tortora Lebensmittelpunkt der Uros: Es ist nicht nur Lebensgrundlage (im wahrsten Sinne des Wortes), sondern auch Baumaterial für Boote (heute vorwiegend die touristisch genutzten) und Hütten, sondern kann sogar gegessen werden. Auf der Insel, die wir besuchen, demonstriert das ein noch nicht von der Muttermilch entwöhntes Kleinkind, das neben uns und seiner stickenden Mutter sitzt und an seinem Schilfstängel lutscht, saugt und kaut, während sein Vater uns den Bau der Insel und das Leben der Uros erklärt. Die Inseln sind nicht besonders groß und es leben drei oder vier Familien auf einer Insel, die Hütten sind jeweils Einraumwohnungen (mittlerweile haben die meisten Inseln aber kleine Photovoltaik-Anlagen, die zumindest dafür reichen, die Mobiltelefone der Familien am Laufen zu halten und im Hintergrund eine schwimmende Toilette). Es gibt also wenig Privatsphäre und so erklärt man uns, man würde mit dem Boot ins Schilf fahren, sich dort treffen - knick-knack - und käme – zwinker, zwinker – zu dritt zurück.
Während der Bau der Insel erklärt wird, fischt hinter uns einer durch ein Loch in der Insel, was ein wenig an Eisfischen erinnert, dabei ist doch rund um die Insel Wasser.
Nach dem Vortrag werden wir eingeladen, die Einraumhütten zu betreten. Inselbewohner Bruno bittet einige von uns, sehr nachdrücklich, seine Hütte anzuschauen. Er erzählt uns einiges zum Leben und auch zur Schule, zu der die Kinder der Insel gehen, steht bei Fragen Rede und Antwort.

Wir beenden unseren Besuch bei den Uros mit einer kleinen Bootsfahrt. Die Kinder kommen mit einem Motorboot hinterher und entern das Boot, beginnen dann zu singen: Quechua, Aymara, Spanisch, Englisch, Französisch, Japanisch und auch Deutsch. Es ist „Alle meine Entlein“ zu erkennen, es hört sich freilich so an, wie von Personen, die nie Deutsch gelesen, geschweige denn gelernt haben. Die Melodie stimmt und einige Silbenfetzen sind identifizierbar. Anschließend sammeln die Kinder Geld ein.

Für uns geht es weiter auf die Insel Taquile. Wir verlassen die Bucht von Puno, Der See ist fast wie ein Meer, eben – wie bereits erwähnt – achtzehneinhalb Mal, so groß, wie der Bodensee. Im Boot sind wir fast auf einer Höhe mit der Wasseroberfläche uns so ergibt sich ein visueller Effekt: Berge in großer Entfernung wachsen nicht aus dem Wasser heraus, sondern scheinen über dem Wasser zu schweben. Ist man nur ein paar Meter höher, an Land, wird dieser Effekt nicht reproduziert.

Taquile gehört zum immateriellen Weltkulturerbe, es ist die Insel der strickenden Männer. Auch die Frauen machen Textilarbeiten, sie weben. Die Männer stricken Mützen, an den Mützen kann man sehen, ob ein Mann verheiratet ist (dann ist die gesamte Mütze bunt und mit Mustern versehen) oder unverheiratet (dann ist nur die untere Hälfte der Mütze bunt gemustert und die ober Hälfte aus weißer Wolle gestrickt). Jungen haben noch ihre eigenen Mützen, aus brauner Wolle. Inka erklärt uns, dass die Mützen so engmaschig gestrickt werden, dass sie sogar wasserdicht sind. Wollen ein Mann und eine Frau heiraten, zieht die Frau für ca. zwei Jahre zur Familie des Mannes, um zu testen, ob die beiden zusammen passen. Ehe auf Probe, aber ohne körperliche Interaktion. Die darf erst nach der offiziellen, endgültigen Eheschließung stattfinden. Davor steht aber der Vater der Braut, der anhand der Junggesellenmütze prüft, ob der künftige Schwiegersohn den richtig stricken kann! Der Härtetest ist die Wasserprobe: die Mütze wird mit Wasser gefüllt und muss eine bestimmte Zeit dicht halten. Auf Taquile wird aber keine Alpaca-Wolle gesponnen, gewoben und gestrickt, sondern Schafwolle.
Die Frauen weben für ihre Männer zwei Gürtel, einen mit praktischer Funktion – das ist der untere Gürtel – und einen mit dekorativer Funktion – das ist der obere, sichtbare Gürtel. Bis zur Hochzeit lassen Frauen auf Taquile ihr Haar wachsen und mit der Hochzeit schneiden sie es dann ab. Ihr abgeschnittenes Haar weben sie dann in den Gürtel mit ein, um so die Verbundenheit zwischen Mann und Frau zu dokumentieren.

Heute tragen die Männer von Taquile ihr Haar kurz geschoren, aber bei Feierlicheiten tragen sie oft Perücken, so dass es so aussieht, als hätten sie lange Haare. Die Spanier, so heißt es, hätten ihnen verboten, lange Haare zu tragen und daher sei in der Kolonialzeit die Langhaartracht verloren gegangen und die Perücken seien eine Reminiszenz daran.

Auf Taquile essen wir, dann kommen wir am Markt vorbei, der heute zufälligerweise stattfindet. Obwohl dies hier ein einheimischer Markt für Einheimische ist, ist man natürlich auch auf Touristen vorbereitet und wir sind ja zudem angemeldet und nicht die einzige Gruppe hier. Amerikaner und ein Filmteam sind auf der Insel. Oder gehören die Amerikaner zu dem Filmteam?

Während unseres Spaziergangs über die Insel, der aufgrund der Höhe ganz schön anstrengend ist, beobachtet Gundra einige Frösche.
Dann geht es mit dem Boot wieder in Richtung der Bucht von Puno, wo wir auf der Halbinsel Luquina in Luquina Chico anlegen. Am Anleger werden wir schon von drei Personen – Fernando, Angela und Hermegilda als Vertretern unserer Gastfamilien begrüßt. Die Halbinseln Luquina und gegenüber Capachica trennen die Bucht von Puno vom Rest des Titicacasees ab.

Wir werden auf die Familien verteilt, genießen ein wenig das Leben in der Landgemeinde, Martina und Uto werden von der kleinen Valentina – die wohl fünf Jahre alt sein wird – gleich okkupiert, insbesondere Martina wird zur Spielkameradin auserkoren.

Hier, in der Gemeinde Luquina Chico erleben wir einen Ausschnitt des einfachen Landlebens im peruanischen Hochland. Durch den See ist es vergleichsweise mild, wir erfahren aber am eigenen Leib, wie es trotz einer Reihe an Wolldecken nachts recht „schattig“ werden kann.

Vorher aber gibt es Abendessen und dabei ist auch ein wenig Initiative unsererseits gefragt, denn wir werden nicht einfach bekocht – gleichwohl die Hauptarbeit bei den einheimischen Frauen liegt, sondern wir bekommen ebenfalls Aufgaben zugeteilt, puhlen Erbsen und Saubohnen, würfeln Zwiebeln oder Kartoffeln, etc. Am Ende gibt es eine schmackhafte Quinoa-Suppe mit Gemüse vom eigenen Feld.

Mittwoch, 11. März 2026

Am kommenden Morgen gibt es in Öl gebackene Brötchen aus je hälftig Quinoa- und Weizenmehl, dazu ein hartgekochtes Ei und einem warmen Quinoa-Drink mit Apfel. Nicht nur nahrhaft, sondern auch wirklich lecker.

Nach einer Wanderung verabschieden wir uns gegen Mittag von unseren Gastgebern und verlassen, nachdem wir noch am Ufer in einem Restaurant zu Mittag gegessen haben (hier probieren wir auch mit Käse gefüllte Chuños, diese gefriergetrockenten Kartoffeln, die nur noch von Kartoffelstärke zusammengehalten werden) mit Isaias, der sein Boot hier hat liegen lassen und mit dem Bus nach Luquina gekommen ist, die Halbinsel wieder in Richtung Puno. Am Hotel entlässt Inka uns in unsere Freizeit, die wir unterschiedlich nutzen. Einige von uns werden Zeugen einer bunten und musikalischen Demonstration einer anderen Landgemeinde, die in Tracht einmal um den Hauptplatz zieht, um dann – friedlich(!) – ein Gebäude der Provinzregierung zu „stürmen“.

Donnerstag, 12. März 2026

Über Nacht ist Jorge aus Cusco gekommen und mit ihm und Fahrer Hernán geht es nun über Juliaca, wo uns erstaunlicherweise kein Stau aufhält, und Pukara in Richtung des Passes Abra la Raya.

Juliaca ist ein Verkehrsknotenpunkt der Neuen Seidenstraße, chinesische Produkte und Fälschungen von allem und jedem werden hier in alle Richtung verhandelt, Schmuggelware aus Bolivien kommt hier an und in Werkstätten wird gefälschte Ware produziert, Tankstellen dienen dazu, Geld zu waschen, welches mit Schmuggel und illegalem Bergbau verdient wird. Jorge erzählt, seine Mutter habe ihm immer gesagt, er solle bloß keine Frau aus Juliaca mit nach Hause bringen, die Hochzeit könnte sich die Familie nicht leisten, so viel Geld wird dort verdient und verprasst.
Wir halten in Pukara. Pukara ist ein aus dem Quechua stammender Name und wird oft mit ‚Festung‘ übersetzt, aber Jorge meint, es wäre mehr der Aussichtspunkt – der eben oft ein befestigtes Dorf ist. Außerhalb des modernen Pukara liegt die vorspanische Anlage, die von einer alten andinen Kultur augebaut wurde, der Pukara-Kultur. Bereits in der Inka-Zeit war die Stätte alt. Hier machen wir eine längere Kaffee-Pause.
Anschließen fahren wir weiter zum La Raya Pass (Abra la Raya). Wir sind hier nur auf lächerlichen 4.335 Metern. Pah, wir waren schon auf 4.901 Metern!
Der La Raya-Pass bildet die Wasserscheide zwischen dem Titicaca-Becken, wo das Wasser, das den Titicaca-See über einen Abfluss in Bolivien verlässt, verdunstet, und dem Amazonas. Der Schnee, der hier auf die umgebenden fünf- bis sechstausender fällt und schmilzt, verdunstet also entweder in Bolivien oder fließt durch Perú und Brasilien bis in den Atlantik.

Im Feliphon gibt es ein wirklich reichhaltiges, gutes Menü. Ich sage Jorge, dass ich mich nicht erinnern kann, dass das Essen im Feliphon so gut gewesen sei, und er bestätigt mir, dass es viel besser als früher sei. Und das Restaurant ist fast alternativlos auf der Strecke zwischen Puno und Cusco.

Anschließend geht es weiter nach Raqchi/Raqch’i. Der Ortsname bedeutet soviel wie ‚Keramik‘ oder ‚Vase‘/‚Amphore‘ und bezieht sich wohl auf die ca. 220 Qullqas (hispanisiert Colcas), die runden Lagerhäuser, die hier standen. Jorge interpretiert Raqchi als einen Ort, den die Inka angelegt hatten, um Krieg gegen die südlich siedlenden, Aymara sprechenden Völker zu führen. Wozu hätte man sonst so viele Lagerhäuser hier gebraucht?
Das Erliegen des Tourismus während der Covid-Pandemie haben die Peruaner genutzt, um hier die archäologischen Arbeiten voran zu treiben. Vor der Pandemie war die Zone mit den Lagerhäusern kaum (legal) zugänglich, heute ist der größte Teil gesichert und restauriert und somit ist auch der Zugang zum Ruinengelände ein anderer als zuvor. Man beginnt nun eben dort bei den Lagerhäusern den Rundgang über das Ruinengelände, kommt dann zum Wohnbereich und beendet die Führung vom Viracocha-Tempel und dem in der Inka-Zeit künstlich angelegten See. Viracocha (alternative Schriebweisen Wiracocha oder Huiracocha) ist eine Art Schöpfergott des prähispanischen andinen Pantheons. Ob der Temepl von Raqchi wirklich Viracocha gewidmet war, weiß man streng genommen nicht, aber es ist der Tempel, der vor seiner Zerstörung durch die Spanier von allen Tempeln in Perú die größte Dachkonstruktion hatte. Heute stehen noch einige Grundmauern und Säulen, insbesondere die mittlere Mauer mitteilweise noch originalen Steinsetzungen und Lehmwänden. Hier in Raqchi weist uns Jorge das erste Mal auf die unterschiedliche Ausführungen inkaischen Mauerwerke hin: Perfektion für Tempel und Paläste, nicht aber für Bauten der einfacheren Bevölkerung. In Cusco wird er uns unterschiedliche Grade von Perfektion an Palästen unterschiedlichen Alters der Herrscherfamilie zeigen.

Für uns geht es aber zunächst weiter in Richtung Andahuaylillas. Wir fahren vorbei an der Marienkapelle von Canincunca, Jorge weist darauf hin, dass diese zwar kleiner ist, als die berühmte „sixtinische Kapelle der Anden“, Andahuaylillas („Andawayliyas“), aber dieser im Prinzip künstlerisch in nichts nachsteht, nämliches gilt für due Täuferkirche in Huaro. Die drei Kirchen sind gewissermaßen aus einem Guss. Aber natürlich dauert die Fahrt von Puno bis Cusco (mit Stopps) eh schon den ganzen Tag und irgendwann wird es redundant, also stoppen alle in Andahuaylillas.

Wir können nicht mehr direkt am Marktplatz halten, sondern werden etwas außerhalb des Ortskerns aus dem Bus entlassen. Das hat merklich Einfluss auf die Stadt, denn man muss jetzt über einen kleinen Fluss und daher ist die Straße welche den neuen Abladeplatz mit dem Marktplatz verbindet attraktiv für Souvenirhändler geworden, die hier ihre Geschäfte eröffnet haben.

Die Kirche von Andahuaylillas ist auf Inka-Steinen errichte, was man unterschiedlich lesen kann. Zum einen den symbolischen Sieg der Christenheit über das andine Götterpantheon. Jorge aber liest das anders: Spanier gaben zwar den Befehl zum Kirchbau, aber die Arbeiter waren Einheimische, welche nicht einfach gezwungen waren, ihre heiligen Stätten zu Kirchen umzubauen, sondern die Elemente ihrer Religiosität in die Kirchen mit einbauten. Für beide Interpretationen gibt es gute Argumente. So sehen wir im Fundament der Kirche die typischen trapezförmigen Nischen, wie man sie aus Inkabauwerken, inbesondere auch Tempeln kennt, manchmal als dekoratives Element, manchmal als funktionales Element (etwa zum Aufstellen von Herrschermumien oder zur Deponierung von Opfergaben wie Koka oder Süßspeisen), manchmal als architektonisches Element (die trapezförmigen Elemente sind auch ein Schutz gegen Erdbebenschäden). Hier in Andahuaylillas sind die Nischen eher klein und am Boden, sind in den Stein gemeißelt, haben also wohl am ehesten dekorative Funktionen, als Spolien haben sie vielleicht auch mal zur Deponierung von Opfergaben gedient. (Spolien, von lat. Spolia, ‚Beute‘, vgl. engl. to spoil, ‚plündern‘, sind in der Fachsprache der Archäologen bearbeitete (oft dekorative) Bauelemente – meistens Steine -, welche aus einem ursprünglichen Bauwerk genommen und in neuer oder auch ursprünglicher Funktion wiederverbaut wurden.)

Wir betreten dann die Kirche, die über und über mit Fresken bemalt ist. Am Eingang der Taufkapelle sehen wir Inschriften, welche in Latein, Spanisch, Quechua und Aymara den Taufsegen wiedergeben. Dies ist noch aus Zeiten, als die Jesuiten die Kirche errichteten. Die Jesuiten wollten die Indigenen zum christlichen Glauben bekehren, in dem sie deren eigenen Elemente mit aufnahmen. Nachdem die Jesuiten vertrieben wurden, wurden die indigenen Elemente stärker unterdrückt, waren von den kirchlichen Autoritäten nicht mehr erwünscht. Die Nutzung der Indianersprachen entzog die Indigenen eben der kirchlichen Kontrolle.

Besonderes Augenmerk in der Kirche von Andahuaylillas verdient das Fresko an der Eingangsseite: Hier ist der Weg des Individuums zu Himmel und Hölle dargestellt, mit Erläuterungen des Künstlers. Während der Weg in die Hölle breit beginnend immer schmaler werdend mit Rosen bestreut ist, geht der Weg in den Himmel, schmal beginnend immer breiter werdend über Dornen. Sowohl Teufel, als auch Engel versuchen die Menschen jeweils auf ihre Seite zu ziehen.

Nach dem Besuch der Kirche geht die Fahrt weiter in Richtung Cusco, vorbei an der vorinkaischen Ruinenstätte Pikillaqta, von der wir im Abendlicht noch das Aquädukt sehen. Dann erreichen wir Oropesa. Oropesa ist benannt nach Oropesa in der Extremadura in Westspanien, aus der Extremadura kamen viele der Konquistadoren, weshalb viele Orte in Lateinamerika Namen selbst unbedeutender Siedlungen aus der Extremadura tragen. Oropesa ist bekannt für seine Bäckereien. In meiner Erinnerung lag das Dorf etwas abseits der Verbindungsstraße nach Cusco, aber mittlerweile scheinen Oropesa und Cusco zusammengewachsen zu sein. Jorge bestätigt, dass seine Geburtstadt Cusco in den letzten 30 Jahren explodiert ist und befürchtet, dass der Trend anhält, selbst archäologisch geschützte Gebiete würden illegal besiedelt werden.

Freitag, 13. März 2026

Heute steht Cusco auf dem Programm. Zunächst fahren wir nach Tambomachay, etwas außerhalb der Stadt. Dort befindet sich ein als Bad des Inka bezeichnetes Wasserheiligtum, mit mehreren Quellen (eigentlich Wasserleitungen aus derselben Quelle!), die ewige Jugend, Schönheit und Fruchtbarkeit bringen sollen. Nun… leider ist der Zugang zu den Wasserströmen nicht mehr möglich, da sie abgesperrt sind, so müssen wir auf ewige Jugend und Schönheit verzichten. Tatsächlich weiß man nicht genau, was die Inka hier genau für Rituale und zu welchem Zweck durchführten. Aber alle Erklärungen von Jorge und die Inkaruinen erübrigen sich, als wir die Wildform des Meerschweinchens (nicht bunt gefleckt, sondern in gleichmäßigem Dunkelbraun) entdecken. Sie sind jetzt die Stars, denen wir nachstellen.

Anschließend fahren zum Qenqo/Q’enqo. Hier wurde in der Inkazeit in Tunneln unter dem Fels vielleicht mumifiziert oder vielleicht auch operiert? Es gibt einen blank polierten Stein, den wir anfassen sollen im Vergleich zu anderen Steinen: Er ist kälter als die umgebenden Steine. Weil er eisenhaltig ist, erklärt Jorge. Man weiß nicht, was hier genau gemacht wurde, sicher ist, dass es mit Ritualen verbunden war, immer wieder sehen wir die Stufen des Chakana („Andenkreuz“, das die Oberwelt, die Unterwelt und die Welt der Menschen darstellt) und Opferplätze, dass hier mumifiziert und ggf. auch operiert wurde, ist aber wahrscheinlich bzw. möglich.

Jetzt geht es endlich nach Saqsayhuamán, der großen „Festung“ (Pukara) oberhalb von Qosqo, dem Nabel der Welt. Eigentlich handelt es sich dabei um keine Festung, sondern um einen Tempel, auch wenn die Inka bei einem Aufstand nach der Eroberung Cuscos durch die Spanier den Komplex zeitweise tatsächlich als Festung verwendeten. Wir sehen die großen Felsen, die von Ferne betrachtet vulkanisch wirken (Andesit), aus denen die drei gezackten Mauern von Saqsayhuamán aufgebaut sind (vor allem die untere), was den festungsartigen Eindruck verstärkt, tatsächlich handelt sich dabei um Kalkstein, wie Jorge erklärt. Jorge erklärt auch, dass man zwar häufig Pukara mit ‚Festung‘ übersetze, aber das Wort eigentlich nur ‚Aussichtspunkt‘ bedeute.

Zunächst gehen wir durch kurze durch Karst (und menschliche Tätigkeit) gebildete Tunnel (Chinkana Chica, kleines Labyrinth, wobei Chinkana ein hispanisiertes Quechua-Wort ist, das Adjektiv chica bedeutet spanisch ‚klein‘), hier sind überall Nischen für die Opfer, vermutlich an die Gottheiten der Unterwelt und kommen dann zu einem Ort – Qocha –, der oft für eine Art Amphietheater gehalten wird, tatsächlich aber ein künstlicher Teich war. Jorge zeigt uns die Wasserrinnen, die ihn speisten. Von der dort geht es zum Granitfelsen Suchuna, der wellig rund geformt ist, sein Spitzname ist Rodadero (Rutschbahn) und Kerstin rutscht ihn herunter. Doch zuvor zeigt uns Jorge aktuelle archäologische Grabungen, die gerade wegen des Regens in den Wochen zuvor pausieren. Die Archäologen spüren Legenden nach, wonach es zwischen Saqsayhuamán und Cusco Tunnel gegeben habe – das sogenannte Chinkana Grande, das große Labyrinth.

Über eine lange Treppe steigen wir hinunter zur Esplanade und dem eigentlichen Saqsayhuamán, dem so oft fälschlich als Festung apostrophierten Tempel, bestaunen die übermenschlich großen Felsen, die auf bis zu 120 t geschätzt werden, sehen aber auch, dass alles nur Fassade ist. Die Perfektion der Fugen ist nur für die Schauseite der Mauern. Im Inneren sind sie mit Bruchsteinen angefüllt, nichtsdestoweniger ist die Perfektion ebenso beeindruckend, wie, dass man teilweise tonnenschwere Steine in gebirgigem Gelände bis hierher verfrachtet hat.

Wir sehen die Überreste eines Palastes, den ein Inka sich an der Stadtseite von Saqsayhuamán hat errichten lassen, gewissermaßen die Villa mit Aussicht der prähispanischen Zeit und Muyuk Marka, einen Turm innerhalb des Tempels, der von den Inka als Wasserturm verwendet wurde, gleichzeitig aber auch Ritualen für den Sonnengott (Inti) diente.

Jetzt verlassen wir die ganze Anlage und fahren herunter in die Stadt. Von der Plaza de Armas, dem Hauptplatz Cuscos laufen wir zunächst zum Restaurant, in dem wir zum Essen angemeldet sind: Im Saqra’da. Der Koch hat seine Ausbildung in einem mehrfach besternten Restaurant in Lima gemacht (die peruanische Küche gilt derzeit als eine der besten der Welt) von den Decken hängen an Quipus (die „Knotenschrift der Inka“) erinnernde Wollfäden, an den Wänden sind teilweise noch Fresken aus der Kolonialzeit erhalten. Der Ursprung des Gebäudes war eine Art Schule für die Kinder des Hochadels in der Inkazeit, erklärt mir unser Kellner.

Nach dem Essen führt uns Jorge durch die Kathedrale von Cusco mit ihren drei großen Kapellen, der Hauptkapelle in der Mitte und den beiden großen Seitenkapellen, die ihrerseits eigene Kirchen sein könnten – es sind keine Seitenschiffe der Hauptkapelle – und auch wiederum ihre Seitenkapellen haben. Wir sehen Bilder der Malerschule von Cusco, welche indigene und christliche Elemente miteinander verbindet, Madonnenstatuen, die an Berge erinnern und somit auch Pachamama und die Apus erinnern, die Berggötter und natürlich – wie es sich in Perú gehört – das Cuy (Meerschweinchen) auf dem Tisch des letzten Abendmahls. Auf dem Wirakocha-Stein, einem kegelförmigen Stein in der Kathedrale, sehen wir Kerzenwachs und Kokablätter. Die Kirche lässt es zu, dass die Menschen hier auch Wirakocha opfern, denn die Kathedrale wurde auf einem alten Wirakocha-Tempel errichtet, zudem gibt es kein Bild dieses Gottes, was wohl traditionell dazu genutzt wurde, die Indigenen davon zu überzeugen, dass Wirakocha am Ende niemand anderes sei, als der Gott der Christen, um so die Evangelisierung der Einheimischen zu erleichtern.

Anschließend gehen wir durch eine Straße in Richtung des Goldhofs (Qoricancha) bzw. Sonnenhofs (Inticancha). Jorge macht uns dabei auf die unterschiedliche Bauart der Paläste links und rechts der Straße aufmerksam: Zwar sind überall die Fugen (fast) perfekt gestaltet, aber man kann eine Entwicklung zwischen den Mauern ausmachen, die eine ist gröber, die andere feiner gearbeitet. Zwischen den Palästen mögen ein oder zwei Generationen liegen, aber die Technik hat sich erweitert.

Der Qoricancha, der Goldhof, ist ein Tempelkomplex aus mehreren Tempeln, wovon der Sonnentempel aber der Wichtigste und Herausragendste war, angeblich sollen seine Mauerkronen mit Gold bedeckt gewesen sein, Gold soll als Fugenmörtel verwendet worden sein. Auch Tiere und Pflanzen im Garten des Tempels sollen aus Gold nachgebildet gewesen sein, die Conquistadoren sackten das alles ein und schmolzen es. Nun… dass der Fugenmörtel aus Gold bestand, können wir wohl ins Reich der Legende verwerfen.

Pizarro übergab de Tempel den Dominikanern, welche über diesen ihr Kloster bauten. Dabei nutzten sie die älteren Tempelanlagen teilweise als Mönchszellen weiter. Als das Kloster bei einem Erdbeben 1953 stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, wurde deutlich, dass – im Gegensatz zum spanischen Kloster die trapezförmig gesetzten Inkamauern dem Erdbeben widerstanden hatten.

Anders als andere Mauern, die wir gesehen haben, sind die Steinreihen hier gerade und nicht über Eck gebaut, aber wir sehen auch einen perfekt eingepassten, gerade fingernagelgroßen Stein. Aber auch hier Perfektion.
Wir haben bereits in den Tagen zuvor gelernt, dass Inkamauern immer einen Trapezförmigen Aufbau haben, das gilteinerseits für Türen aber auch für die Gebäude als Ganzes: Dadurch, dass die Mauern leicht an Innen geneigt sind, stützen sie einander.
Nun gibt es im Qoricancha einen ganz besonderen Stein, er ist unscheinbar, man muss auf ihn extra hinweisen, auf der anderen Seite wird er aber von Plexiglas gegen uns Menschen, die wir zum haptischen Erfassen neigen, geschützt. Dieser Stein befindet sich im „Türrahmen“ eines Durchgangs zwischen zwei Tempelgebäuden der Inkazeit und bildet zudem auf jeweils beiden Seiten des Durchgangsrahmens einen Teil der Wand. Was hier unverständlich klingt, ist für mich der Höhepunkt der Baukunst der Inka, mindestens genauso beeindruckend, wie die tonnenschweren Steine auf Saqsayhuamán oder die wir noch in Ollantaytambo sehen werden.

Nach dem Besuch des Qoricancha zertreut sich die Gruppe, ich bleibe noch kurz da, andere gehen in die Stadt und der Rest lässt sich von Jorge ins Hotel zurückbringen.

Samstag, 14. März 2026

Cusco ist zwar der Nabel der Welt – zumindest der Nabel der Welt der Inka – aber viele der interessanten Inkastätten liegen rund um das Valle Sagrado oder geheiligte Tal, das zwischen Cusco und Machu Picchu liegt. Zunächst fahren wir an schon bekannten Stätten vorbei, Qen’ko, Puka Pukara, Tambomachay. Dann, plötzlich, liegt das Heilige Tal vor uns. Steil ragen die Berge vor uns auf, aber der Talboden breitet sich flach vor uns auf. Überall sehen wir die Terrassen der prähispanischen Kulturen, von denen heute nur noch die wenigsten bewirtschaftet werden. Klar, anstrengend war das schon immer und die modernen Traktoren kann man dort nicht einsetzen. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Drohneneinsatz für die Terrassenwirtschaft?

Wir halten am Aussichtspunkt Taray, schauen über das Tal, riechen an einem Zweig Kolumbuspfeffer. Dann geht es weiter nach Pisaq. Ins koloniale Pisaq, das heute als Markt Bekanntheit hat.
Natürlich hinterlässt der Tourismus seine Spuren. Anstatt des ursprünglichen Marktes, wo Obst, Gemüse, Tiere feilgeboten werden, findet sich vor allem Kunsthandwerk, echte und falsche Wolle und natürlich auch viel Nippes oder zu Antiquitäten umdefinierter Schrott.

Oberhalb der Stadt liegt das Pisaq der Inka. So wie das Cusco der Inkas geformt ist, wie ein Puma, ist das Pisaq der Inkas geformt, wie ein Vogel, Jorge meint ein Condor, ich habe anderweitig gehört, wie eine Wachtel… Während aber das Qosqo der Inka im Cuzco bzw. Cusco der Spanier aufgegangen ist, liegt das Pisaq der Inka verlassen auf einem Felsen oberhalb des kolonialen Pisaq.
Nachdem wir gemeinsam durch die Marktstraße in der Innenstadt geschlendert sind, steige ich in der Freizeit hoch in Richtung des prähispanischen Pisaq. Ich komme weit, aber irgendwann muss ich umdrehen. Normalerweise bin ich runter schneller als hoch, aber heute nicht. Es hat geregnet und die Steine sind rutschig, also geht es bedächtig runter und werde schon am Ausgang des Marktes sehnsüchtig erwartet. Sorry noch mal dafür…

Dafür geht es jetzt nach Lamay zum Mittagessen. Von uns 8 (10) bestellen vier Cuy, Meerschweinchen. Der Rest isst anderes aus der peruanischen Küche. Jorge und Nelson teilen sich die Köpfe der Meerschweinchen, an welche sich unsere vier nicht herantrauen. Jorge betont, dass diese eine besondere Delikatesse seien. Meerschweinchen sind auch für Peruaner kein alltägliches Essen, sie werden insbesondere zu festlichen Anlässen gereicht.

Anschließend geht es weiter nach Ollantaytambo, der letzten Festung der Inka. Die Anlage ist aber bereits älter und geht wahrscheinlich auf die Tiawanacu/Tiahuanacu -Kultur zurück. Dementsprechend gibt es auch Versuche, den Ortsnamen aus dem Aimara anstatt aus dem Quechua zu erklären, wobei der Namensbestandteil -tambo aus dem Quechua stammt. Aber obwohl sowohl das Aimara als auch das Quechua nach wie vor in Perú, Ecuador, Bolivien, Chile und Argentinien gesprochene Sprachen sind, ist das nicht immer ganz zu klären, die Sprachen haben gegenseitig Begriffe entlehnt und bei manchen Worten weiß man einfach nicht, wie sie in ihre Wortbestandteile zu zerlegen sind, weswegen es manchmal für den gleichen Ortsnamen Erklärungen aus dem Quechua, manchmal aus dem Aimara gibt. Man muss auch berücksichtigen, dass Quechua und Aimara nur die das Inka-Reich und die spanische Kolonisierung überlebenden Sprachen sind (Quechua war natürlich die Sprache der Inka) und somit viele Sprachen, die vor dem Inka-Imperium in der Region gesprochen wurden entweder durch die Inka oder durch die Spanier verdrängt wurden bzw. teilweise auch durch das Aimara, wie etwa die Sprache der Uros, die heute Aimara sprechen, aber ursprünglich ihr eigenes Idiom hatten. Im peruanischen Regenwald, der vom Inkaimperium kaum berührt wurde und auch, obwohl nominell zum Vizekönigreich Perú gehörig von den Spaniern nur oberflächlich durchdrungen wurde, gibt es heute noch ca. 40 indigene Sprachen, auch wenn deren Sprechergemeinschaften sehr klein sind.

Ollantaytambo besteht aus mehreren Teilen. Zum einen der Stadt, die – ähnlich Cusco, noch auf die Stadtplanung der Inka zurückgeht – und den Tempelbezirk mit Sonnentempel, Wasserheiligtum und Lagerhäusern.

Ganz langsam steigen wir Ollantaytambo hinauf. Andere Gruppen hetzen an uns vorbei, aber Jorge sagt: „Wir haben Zeit! Genießen wir!“ Und so kommt wirklich jeder mit. Wir arbeiten uns von Terrasse zu Terrasse, immer eine Eben höher. Jorge erklärt die bekannte Theorie, dass die vorspanischen Völker auf den Terrassen nicht nur unterschiedliche Pflanzen anbauten, sondern diese auch nach nach ihren jeweiligen Klimabedürfnissen zwischen oben und unten gut 2° Unterschied liegen und die vorspanischen Völker dies bei der Auswahl der Pflanzen für die einzelnen Terrassen berücksichtigten.

Am unfertigen Sonnentempel von Ollantaytambo sehen wir "Nasen" oder "Huppel" in den Steinen. Wir haben das auch schon in Cusco gesehen. Zu den "Nasen" gibt es verschiedene Hypothesen. Eine Hypothese besagt, dass die "Nasen" eine Art Sonnenkalender oder -uhr darstellten, eine andere, dass sie nur für Zwecke des Baus nicht wegpoliert wurden und da das Gebäude nicht fertig gestellt sei, eben noch zu sehen seien. Beide Hypothesen haben ihre Gründe aber auch ihre Schwächen und sind nicht wirklich zufriedenstellend.

Jorge zeigt uns auch zwei Gesichter im gegenüberliegenden Berg. Über dem einen Gesicht liegt eine Pukara (also ein Aussichtspunkt), so dass das so aussieht, als habe es eine Kopfbedeckung. Im "Schulter- und Rückenbereich" liegen drei Lagerhäuser, so dass es so aussieht, als trage "die Figur" eine Kiepe oder eine Art primitiven Rucksack. Ob die Erbauer das auch schon so sahen - oder nur wir modernen Menschen?

Das zweite Gesicht ist weiter oben am Berg. Zum Tag der Äquinox, der Tag- und Nacht-Gleiche soll die Sonne, wenn sie hinter den Bergen auftaucht genau an diesem Gesicht vorbei auf einen bestimmten Punkt am Sonnentempel strahlen. Wobei hier natürlich zu sagen ist, dass die Hypothese zirkelschlüssig ist: Dass die Inka diese Felsformation als Gesicht sahen - wir sehen das Gesicht jedenfalls - und dem eine Bedeutung zumaßen, wird daraus geschlossen, dass genau am Tag des Äquinox die Sonne daran vorbei auf den Sonnentempel scheint. Andererseits wissen wir gar nicht wirklich, was das für ein Tempel der Sonnentempel war, wir haben diesbezüglich keine verlässlichen Informationen. Aber dem Zirkelschluss ist zumindest eine gewisse Plausibilität nicht abzusprechen.

Hinter dem Sonnentempel zeigt uns Jorge eine Rampe, auf der noch einige Steinquader liegen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Heiligen Tals liegen die Steinbrüche, in denen man die Quader für Ollantaytambo gebrochen hat. Die tonnenschweren Steinquader mussten vom gegenüberliegenden Berg hinunter gebracht, über den Fluss geschafft und dann wieder den Berg hoch gebracht werden. Da aber während des Baus des Sonnentempels die Spanier das Inkareich eroberten, sind die Steine liegen geblieben. Stattdessen errichteten die Inka eine Stadtmauer um Ollantaytambo, welche auch die Rampe verschloss. Der Ort war gewissermaßen das letzte Widerstandsnest gegen die von Pizarro geführten Invasoren.

Wir steigen die Stufen der alten Treppe wieder hinab (einige gehen auch wieder über die Terrassen hinunter, das ist weniger steil) und gehen in den Bezirk, wo die Wasserheiligtümer von Ollantaytambo liegen, wie etwa das Baño de la Ñusta (das Bad der Prinzessin). Durch den Fluss getrennt ist der Wohnbereich von Ollantaytambo- Ähnlich, wie in der Altstadt von Cusco folgen die Straßen hier noch den Straßen aus der Inka-Zeit, die Häuser haben noch die Grundmauern aus der Inkazeit, aber hier ist nur sehr wenig dazu gebaut worden, so dass Ollantaytambo als die best erhaltene bewohnte Inka-Stadt gilt.

Für uns geht es nun ins Hotel einige Kilometer entfernt, nicht allzu weit, denn wir kommen ja morgen nach Ollantaytambo zurück, um ins berühmtere Machu Picchu zu fahren.

Sonntag, 15. März 2026

Nur mit leichtem Gepäck bewaffnet, besteigen wir in Ollantay, wie Ollantaytambo umgangssprachlich genannt wird, den Zug. Es gibt zwei Zuglinien, eine teurere für Touristen und eine weniger teure, die aber an jedem Zaunpfahl hält, für die Einheimischen. Die Eisenbahngesellschaft wacht mit Argus-Augen darüber, dass Touristen nicht den Zug für die Einheimischen nehmen, sondern schön den vollen Preis bezahlen. Dafür ist hier der Service besser und der Zug ist mit Panoramafenstern ausgestattet.

Die Zugstrecke folgt von Ollantay dem Lauf des Urubamba, der hier mit großer Kraft durch ein immer enger werdendes Tal fließt, man hat fast den Eindruck, dass die gante Strecke eine einzige Aneinanderreihung von Stromschnellen ist. Die landwirtschaftliche Nutzung des Gebietes wird dünner, dafür die Bewaldung immer dichter, wir kommen in die Sphären des Nebelwaldes, beobachten an den Bäumen Bromelien. Hin und wieder sehen wir mal ein Gehöft oder eine Hacienda, wo Pferde gehalten werden, an den Hängen die eine oder andere Ruinenstätte der Inkas, bis wir nach gut anderthalb Stunden Fahrt gegen Mittag das nach seinen heißen Quellen benannte Aguas Calientes erreichen, das sich seit einigen Jahren Machu Picchu Pueblo nennt.

Unser Gepäck lassen wir an der der Hotelrezeption und nehmen den Bus, der uns über den Urubamba, die Serpentinen hoch zu der alten Stadt, die zwischen den beiden vom Urubamba in einer Schleife umflossenen Gipfeln Machu Picchu (alter Berg/Gipfel) und Huayna Picchu (Junger Berg/Gipfel) umspült, liegt.

Die spanischen Conquistadoren hatten Machu Picchu nie entdeckt, geschweige denn erobert, erst Hiram Bingham stieß 1911 auf die Stadt. Aber stimmt das überhaupt? Natürlich nicht so richtig. Es interessierte sich bloß niemand für die alten Gebäude, die heute wohl berühmteste Ruinenstätte Südamerikas darstellen. Hiram Bingham fand eine Anlage vor, deren Terrassen ganz selbstverständlich von benachbarten Bauernfamilien benutzt wurden.

Wir betreten also endlich die Anlage und folgen unserem Weg. Seit einigen Jahren ist es nicht mehr möglich, wenn man einmal eine Eintrittskarte ergattert hat, frei über das gesamte Gelände zu streifen: Machu Picchu ist durch die Touristenströme stark gefährdet und so gibt es nun festgelegte Wege die man gehen darf und je nach Art der Eintrittskarte, ist man auf die jeweiligen Wege festgelegt. Bei der preiswertesten Eintrittskarte kommt man nicht einmal in den Kernbereich der Ruinenstätte, aber für Instagrammer reicht diese wohl aus, da man dort den berühmten Blick auf Machu Picchu hat - sofern einem Regen oder Nebel keinen Strich durch die Rechnung machen, liegt Machu Picchu doch mitten im Nebelwald!
Wir aber sind keine Instagrammer und somit haben wir auch die richtige Eintrittskarte erworben, um in die Kernbereiche der Stadt vorzudringen.

Zu Machu Picchu und warum es aufgegeben wurde, gibt es verschiedene Hypothesen. Eine besagt, dass die Stadt nach Zusammenbruch des Inka-Reiches nicht mehr versorgt wurde, dem widersprechen aber andere, die meinen, dass die Stadt durchaus in der Lage gewesen sei. ich autark zu versorgen.

Jorge führt uns gewohnt gemütlich. Sollen die anderen Gruppen doch drängeln, wir haben Zeit. Zunächst geht es, an grasenden Lamas, die hier als Rasenmäher und touristisches Fotomotiv dienen - einige Ebenen bergauf, bis man den berühmten Postkartenblick von Machu Picchu hat (wobei paradoxerweise der gleichnamige Gipfel hinter einem, der Huayna Picchu vor einem liegt). Dann folgen wir einer Treppe hinab in die Stadt. Vor dieser liegt ein Graben, der Jorge fasziniert und er versucht seine Faszination für diesen mit uns zu teilen! Denn bei dem Graben handelt es sich um eine geologische Verwerfung! Die Inka haben genau entlang dieser geologischen Verwerfung gebaut, sie nicht zu überbrücken versucht. Dahinter liegt so etwas wie ein Stadttor mit auf der Innenseite in en Stein eingebauten Türangeln.

WIr gehen weiter, sehen Tempel (etwa den Sonnentempel), Wohnhäuser und - ungewöhnlich - Gräber. Normalerweise finden sich Gräber an unzugänglichen Stellen im Berg - bei Ollantay haben wir einige sehen können - aber hier mitten in der Stadt. Auch auf Wasserleitungen weist Jorge uns hin und hinter einer Ecke sitzt ein Viscacha. Die Hasenmäuse kennen wir ja schon. Über den großen Platz gehen wir, bis wir zu einem Felsen kommen, der in der Interpretation mancher wie ein Cuy, ein Meerschweinchen aussieht. Ob die Inka das auch so gesehen haben? Ob sie den Stein verehrt haben? Jorge kennt eine andere Interpretation: Der Stein sehe aus, wie der Machu Picchu und werde als Repräsentation dieses Berges verehrt. Langsam streben wir dem Ausgang entgegen, schauen noch von oben in ein Grab und sehen uns den Kondor an, ein Fels, der so geformt ist, wie ein großer Vogel mit ausgebreiteten Flügeln, darunter hat man in einen Stein den Kopf eines Kondors gemeißelt, dann verlassen wir ganz allmählich die Anlage. Wer will kann runter laufen, der Rest fährt mit dem Bus, wie wir hergekommen sind. Ein einzelner Reiseleiter steigt alleine die Stufen bis zum Urubamba hinab und kommt erschöpft, aber fast pünktlich zum Abendessen ins Hotel.

Montag, 16. März 2026 – Aguas Calientes – Pachamanca – Folkloreshow

Den Vormittag über hatten wir noch Zeit, uns ein wenig in Aguas Calientes umzutun. Für Frühaufsteher hätte sogar die Möglichkeit bestanden, ein weiteres Mal nach Machu Picchu hochzufahren, diesmal mit einem anderen Ticket, um z.B. den Gipfel Machu Picchu zu erklimmen oder um auf den Huayna Picchu (nur für gut konditionierte, trittsichere, schwindelfreie Personen zu empfehlen!) zu steigen. Aber das tat niemand von uns und so blieben wir im Dorf.
Einige besuchten die heißen Quellen - der Ort heißt ja übersetzt 'heiße Gewässer' - ohne aber darin zu baden. Beides kostet Eintritt, lediglich die Kosten unterscheiden sich, ob man badet, oder "nur schaut".
Im Prinzip ist Aguas Calientes auf dem Tourismus nach Machu Picchu aufgebaut. So besteht der Ort eigentlich nur aus Hotels, Restaurants, Souvenirshops und den Wohnungen derer, die hier mittelbar oder unmittelbar im Tourismus arbeiten. Es gibt noch ein Mariposario (Schmetterlingshaus, Mariposa = Schmetterling), aber das ist mittlerweile etwas heruntergekommen. Mittags geht unser Zug nach Ollantay. Dort, gewissermaßen im Bahnhof, liegt das Hotel El Albergue (wie das französische Auberge verwandt mit dt. Herberge und über das fränkische in die romanischen Sprachen gekommen). Dieses Hotel, das von Joaquín Randall, dem Sohn des amerikanischen Künstlerehepaars Wendy Weeks und Robert Randall betrieben wird, bietet unter anderem die Pachamanca an. Wir kennen die Pacha Mama, die Mutter Erde, die Pacha Manca ist der Erd-Topf - so zumindest die Erklärung aus dem Quechua. Aber es wäre auch eine Erklärung aus dem Aymara möglich: Dann hieße das Gericht übersetzt Erd-Essen.
Nach einer kurzen Führung durch die Gärten des Hotels kommen wir zu dem Platz, wo die Pachamanca zelebriert wird. Wir sehen zwei Erdöfen, in einem der beiden brennt seit etwa einer Stunde - wird uns gesagt - ein Feuer. In diesem Feuer liegen Steine. Es kann nicht jeder Stein dafür verwendet werden, Schist soll sich besonders gut für die Pachamanca eignen. Man erklärt uns aber auch, dass so ein Stein nur wenige Male taugt, für die Pachamanca verwendet zu werden, was irgendow schon überraschend ist. Irgendwann werden die Steine mit Greifhilfen und (einigermaßen) feuerfesten Handschuhen aus dem Erdloch entfernt und die glühende Asche wird ausgekehrt, gleichzeitig werden die Zutaten für die Pachmanca herangetragen: mariniertes Fleisch (Geflügel, Schwein, Rind) und Wurzelgemüse. Das Gemüse wird direkt in den Ofen gelegt, eine Ananas kommt auch dazu, das Fleisch in Bananenblätten eingewickelt. Immer wieder werden die heißen Steine dazugeschichtet, so, dass das Fleisch und Gemüse von den Hitze abgebenenden Steinen umgeben ist. Nach ganz oben kommt in einer Keramikschale der Fisch für Kerstin, die kein Fleisch isst. Dann wird Erde über die ganze Angelegenheit gegeben. Natürlich nicht direkt. Zunächst wird ein feuchtes Laken über den Steinhaufen ausgebreitet, dann eine dicke Schicht Erde darüber geschaufelt - Kerstin muss helfen - und zu guter letzt ein Strauß Blumen in den Erdhaufen gesteckt.
Wir haben nun 20 Minuten Zeit und werden daher eingeladen, die "Andendestillerie" zu besuchen. Hier wird Zuckerrohr destilliert und der Destillationsmeister hat seinen besonderen Spaß daran, sein Produkt zu Aufgesetztem weiterzuverarbeiten. Natürlich dürfen wir das Destillatz probieren und auch eine Variation. Fast jedes Produkt, was der Hotelgarten zu bieten hat, wird hier auch verwendet, um Aufgesetzten zu produzieren, in den Regalen stehen hunderte Flaschen mit aufgesetztem verschiedener Art. Selbst Fische aus dem Titicaca-See finden sich in einer Flasche und es ist nicht die einzige Flasche, in der Fische dem Alkohol zugesetzt sind.
Außerdem betreibt das Hotel seine eigene Kaffeerösterei (tostado a mano - handgeröstet) und auch die bekommen wir erklärt.
Die 20 Minuten sind so schnell herumgegangen, der Blumenstrauß wird aus dem Erdhaufen entfernt, die Erde abgeschaufelt und dann vorsichtig, mit geübten Händen, das Laken genommen, so, dass nichts von der Erde in unser Essen fällt.
Fleisch und Gemüse wird aus dem Steinhaufen geklaubt und alles in bereitstehende Schüsseln gegeben, Gemüse zu Gemüse, Fleisch zu Fleisch, die Ananas gibt's zum Nachtisch. Noch sind wir skeptisch: Das kann doch alles nach 20 Minuten nicht gar sein, denken wir - und irren uns gewaltig! Das Essen ist lecker und wir schlagen zu. Dennoch ist es viel zu viel und den Nachtisch gibt es ja auch noch!
Derweil wartet unser Busfahrer Héctor draußen auf uns, der wusste, wann unser Zug in Ollantay ankommt, aber nichts von unserer Pachamanca. Wir bitten das Hotelpersonal, dass es für unseren Busfahrer etwas von der Pachamanca einpackt.

Noch einmal geht es zum Hotel von vorgestern, da wartet unser Gepäck auf uns, dann geht es zurück nach Cusco. Einen Plan, in Chinchero zu halten, müssen wir aus Zeitgründen verwerfen. Schade!

An der Plaza Regocijo in Cusco wirft uns Héctor aus dem Bus und wir laufen durch den Regen zum Tunupa, das an der Plaza de Armas liegt. Irgendwie haben wir uns alle auf einen längeren Fußmarsch eingestellt, aber eigentlich ist es direkt um die Ecke gelegen. Héctor fährt derweil unser Gepäck ins Hotel.

Eigentlich sind wir noch von der Pachamanca satt, aber hier im Tunupa gibt es auch ein sehr leckeres Abendessen und es gehört mit zur Folklore-Show, die wir hier erleben. Stellvertretend für die verschiedenen historischen und aktuellen Ethnien in Perú werden uns einige Tänze gezeigt. Aber zuerst kommen die Musiker hinein; diese sind multiinstrumental, will sagen, da wechselt der Schlagzeuger an die Flöte und der Gitarrist ans Schlagzeug und der Flötist an die Gitarre, je nachdem, wie es gerade passt.

Die Show wird auf Quechua, Spanisch und Englisch gehalten, wobei zu sagen ist, dass der meiste Teil der Show auf Spanisch ist. Auf Quechua nur am Anfang, als Inti, dem Sonnengott und Killa, der Mongöttin geopfert wird. Aber auch die afrikanischen Sklaven sind in der Folklore-Show vertreten und die Ethnien des Regenwalds. Dazwischen spielen die Musiker bekannte "lateinamerikanische" Lieder, von La Bamba, über Tequila, bis hin zum Lambada und Despacito.
Als wir zum Hotel zurückkehren, hat es zu regnen aufgehört.

Dienstag, 17. März 2026 – Flug in den Regenwald – erste Berührung mit dem Regenwald

Heute fühlt sich fast an, wie Urlaub, denn wir können ausschlafen. Jorge holt uns erst später ab. Nach nur 15 Minuten sind wir am Flughafen - der liegt ja auch mitten in der wuchernden Stadt. Bei Chinchero ist ein neuer Flughafen in Planung, der - nicht nur nationale Flüge empfangen und abfertigen soll, sondern auch internationale Flüge.
Jorge organisiert unseren Check-in und passt auf unser Handgepäck auf, dann verabschieden wir uns von ihm, wir hätten ihn gerne mit in den Regenwald genommen, aber er wollte ja unbedingt zurück zu seiner Frau und den Kindern...

In Puerto Maldonado angekommen, werden wir von unserer Ecolodge abgeholt, auch Eder, unser Regenwaldführer ist schon dabei, der Bus ist eng, Inkaterra betreibt zwei Lodges und die Gäste kommen natürlich alle mit demselben Flieger an, das Gepäck wird auf das Busdach verfrachtet. Im Büro von Inkaterra packen wir um, was wir für die nächsten Tage benötigen: Es muss nicht alles mit auf's Boot. Dann geht es noch einmal um die Ecke und wir werden auf die Boote verteilt. Hacienda Concepción - das sind wir - das eine Boot, Reserva Amazónica das andere. Puerto Maldonado ist nach dem 1861 in einem der Nebenflüsse des Tambopata ertrunkenen Forschers Faustino Maldonado benannt worden, der hier in einem Baum eine Inschrift hinterlassen hatte. Der Kautschukhändler Carlos Fitzcarrald, Sohn eines irisch-amerikanischen Handelsmarineseefahrers und einer Peruanerin fand die Nachricht von Faustino Maldonado an ihrem Baum und benannte daher den Hafen, den er hier 1898 gründete, nach diesem. Wer jetzt Klaus Kinski vor Augen hat: Ja, die Figur des Fitzcarraldo ist an Carlos Fitzcarrald angelehnt.

An und für sich ist die Ortschaft, die sich darauf hier entwickelte, aber nicht so interessant, sie dient der Versorgung der legalen und illegalen Aktivitäten im Regenwald, sei es der Handel nach Bolivien und Brasilien - Handel, das haben wir schon in Puno gelernt, bewegt sich dabei oft in einer Grauzone zwischen Handel und Schmuggel - der Betrieb von Ananas- oder Bananenpflanzungen oder auch Koka oder Kakao - und schließlich auch der illegalen Goldgräber. Man sieht hin und wieder mal ein Casino, wo sicherlich viel Geld verspielt wird, aber im großen und ganzen ist die Stadt am Zusammenfluss von Tambopata und Madre de Díos (Muttergottesfluss) nicht sehr bemerkenswert. Mit unserem, einem Einbaum nachempfundenen Boot fahren wir den Madre de Díos runter bis zu unserer Regenwaldlodge, wo wir zunächst ins Haupthaus des Hotels geleitet werden, hier empfangen wir unsere Zimmerschlüssel, an die an Faultieren aus Balsaholz hängen. Das Balsaholz ist schon faszinierend, weil es so unglaublich leicht ist - das Holz des Eisenbaums, lernen wir später, ist hingegen furchtbar hart und schwer (und deshalb ist der Eisenbaum als Baumaterial geliebt und gefürchtet).

Zunächst gibt es Mittagessen, dann lädt uns Eder zu unserem ersten Regenwaldspaziergang ein. Bevor es losgeht, müssen wir noch die passenden Gummistiefel für uns finden. Auf unserem Erkundungsgang haben wir Glück, sehen gleich ein paar Hoatzins, Stinkvögel, die nach verwesendem Kadaver und Erbrochenem riechen (wir sind außer Geruchsweite), was dafür ausreichend ist, dass sie keine Fressfeinde haben. Eder erklärt uns, dass die Hoatzins die Nahrung nicht im Magen, sondern in der Speiseröhre verdauen, was eine anatomische Besonderheit einerseits, der Grund für ihren Gestank andererseits ist. Gerade, als Eder uns eine Kakaoschote aufgeschlagen hat und uns die Bohnen prbieren lassen will, kommt eine Gruppe rotfelliger Brüllaffen kommt vorbei. Wir sind das ja nicht gewohnt, aber selbst Eder scheint sich wie ein Kind zu freuen, diese Tiere zu sehen.
Dann müssen wir aber schon wieder los, natürlich nicht ohne zuvor von den Kakaobohnen probiert zu haben. Die Kakabohnen wachsen direkt am Stamm und den Ästen der Bäume, was sehr interessant ist. Dass hier so viele davon wachsen, liegt aber daran, dass unsere Lodge - daher auch hier Name, Hacienda Concepción - auf dem Gelände einer aufgegebenen Kakaoplantage errichtet wurde.

Die Sonne geht schon unter und wir merken schnell, dass man hier im Regenwald doch sehr auf sich selbst zurückgeworfen ist. Die Wege zwischen Haupthaus und Lodges werden mit Öllampen beleuchtet, aber ansonsten wird hier versucht, den ökologischen Fußabdruck gering zu halten. Das heißt eben: Wasser in Metallflaschen, statt Wegwerftrinkflaschen und Strom sparen. Strom gibt es nur zu bestimmten Tageszeiten. Bis auf den Weg und die Cabañas (Hütten), ist alles ringsherum dunkel, sobald es Nacht ist.

Nach dem Abendessen geht es noch mal los, wir fahren mit dem Boot auf den Fluss, die Guides suchen mit Taschenlampen die Wasseroberfläche und die Uferböschungen ab, wir suchen nach den rot leuchtenden Augen der Kaimane, haben aber diesbezüglich kein Glück. Lediglich ein paar Vogel an den Uferböschungen werden durch die Lichtkegel der Taschenlampen aufgeschreckt.

Mittwoch, 18. März 2026 – Zweiter Tag im Regenwald – Tambopata und Eder–Fisch im Lago Sandoval

Am Abend mit den Geräuschen des Regenwalds eingeschlafen, aber am Morgen nicht von den Brüllaffen geweckt worden, deren an Flugzeugmotoren erinnerndes Heulen (Eder) hören wir erst zum Frühstück. Dabei sind unsere Cabañas fensterlos. Das einzige, was uns von der Wildnis da draußen trennt, sind die Stelzen auf denen sie stehen und die Fliegengitter, die um alles drumherumgespannt sind. Ein Netz über unserem Bett gibt weiteren Schutz vor Mücken und vermittelt das Gefühl, als Prinzessin in einem Himmelbett zu liegen.
Trotz alledem haben Uto und Martina einen Frosch in ihrem Schlafzimmer. Den lassen sie in Ruhe, obwohl er wahrscheinlich nicht giftig ist. Vermutlich hat er den Weg durch die Dusche gefunden.

Nach dem Frühstück ist erst einmal eine Bootsfahrt angesagt. den Fluss ein gutes Stück weit hinunter, bis wir den Eingang zum Tambopata-Reservat erreichen. Dies ist ein Schutzgebiet. Vom Fluss führt ein Weg bis zum Sandoval-See und wir haben wirklich Glück heute. Bereits auf dem Hinweg haben wir mehrere Begegnungen mit Affen: Brüllaffen, Kapuzineraffen und Totenkopfäffchen. Aber auch Eichhörnchen sehen wir, Blattschneideameisen und auch eine Kugelameise bzw. 24-Stunden-Ameise, deren Biss sehr unangenehm ist. Eder weiß wovon er redet. Und der Name 24-Stunden-Ameise kommt nicht von ungefähr: Der Schmerz hält ungefähr 24-Stunden an. Laut Eder das schmerzhafteste, was er in seinem Leben erlebt hat. Es gibt aber auch eine andere Ameisenart, die ähnlich groß ist, wie die Kugelameise (die größte Ameisenart hier), die völlig harmlos ist. Wir bewundern die Wurzeln der Fici und sehen Lianen. "Nein, das sind keine Lianen, sagt Eder, das sind die Wurzeln der Würgefeige: Ein Affe frisst ihre Frucht und hinterlässt seinen Kot irgendwo in luftiger Höhe in einer Baumkrone. Die Würgefeige keimt und sitzt ähnlich einer Bromelie auf dem Wirtsbaum, doch allmählich wachsen ihre Luftwurzeln den Baum hinab und "erwürgen" diesen schließlich. Der Wirtsbaum stirbt langsam ab, oben nehmen die Blätter der Würgefeige seinen Blättern das Licht, unten werden seine Gefäße durch die Wurzeln der Würgefeige erdrückt. Am Ende - nach Jahrzehnten - steht die Würgefeige wie ein eigener Baum im Regenwald, nur dass sie innen hohl ist.
Hier und da sehen wir auch einen Eisenbaum, der ähnlich beeindruckende Wurzeln hat, wie der Ficus oder eine Wanderpalme. Das sind Bäume, die je nachdem, was im Kronendach passiert, ihre Wurzeln ausstrecken und andere absterben lassen. Immer dem Licht nach. Fällt also ein großer Schattenspender an Altersschwäche um, versucht die Wanderpalme, mehr Sonnenlicht abzubekommen.

Wir erreichen nach etwa zwei Kilometern Wanderung, meist über Holzstege, den Lago Sandoval, einen alten Flussarm des Río Madre de Dios.
Hier besteigen wir ein Kanu und über eine Art kleinen Fluss erreichen wir den offenen See. Wir sehen einen Vogel, den Eder Kuckuck nennt, zumindest verhält er sich so, wie der Kuckuck bei uns: Er legt seine Eier in fremde Nester und überlässt die Aufzucht der Fremdvogelfamilie. Wir sehen auch Eisvögel, Reiher und Aras. Nach Kaimanen halten wir vergeblich Ausschau, aber zwischen zwei anderen Booten sehen wir Köpfe im Wasser: Riesenfischotter auf der Jagd. Wir folgen also den Ottern. Die Regenwaldführer aus den verschiedenen Lodges rufen sich gegenseitig zu, wo welche Tiere zu sehen sind, so haben alle mehr davon. Wir können derweil beobachten, wie die Riesenfischotter erfolgreich waren. Sie tauchen unter unseren Booten durch - das sehen wir natürlich nicht - nur eben sind die Köpfe erst auf der einen, dann auf der anderen Seite. Irgendwann wird es Zeit für die Rückkehr, das Mittagessen wartet! Außerdem sind wir auf dem See vor der immer stärker werdenden Sonne nicht geschützt. Wir fahren also in Richtung des Anlegers zurück. Am Eingang des kleinen natürlichen Kanals zum Anleger drehe ich mich kurz nach hinten um, sehe Martina im Boot stehen, die gerade mit ihrer Videokamera etwas filmt. Ich drehe mich wieder um und höre nur Sekunden später ein lautes "Platsch!", erschrocken drehe ich mich um, erwarte Martina im Wasser und wundere mich dann aber doch, dass statt Martina, die längst wieder sitzt, unser Guide und Bootsführer Eder auf eines der anderen Boote zuschwimmt, während unser Boot nach vorne treibt. Ich nehme mein Stechpaddel und versuche wieder zurückzurudern. Wir legen mehrere Boote zusammen und Eder kommt zu Fuß in unser Boot zurück. Was war passiert? Ein Windstoß hatte Eder die Mütze vom Kopf geweht, er beugte sich vor, um nach der Mütze zu greifen, ein weiterer Windstoß trieb sie weiter vom Boot weg, er lehnte sich weiter vor und - schwupps - lag er im Wasser. Auch wenn Pirañas (Piranhas ist die portugiesische Schreibung) im See leben, so ist das Risiko natürlich gering, denn Eder blutet ja nicht. Und die Kaimane im See sind zu klein, um ihm gefährlich zu werden. Eder übernimmt wieder seine Position als Steuermann bei uns im Boot und muss pitsche-patsche-nass den Weg durch den Wald zurück zum Fluss antreten. Zum Glück ist es warm und Eder ist der Typ, der so etwas mit Humor nimmt.

Auf dem Weg zurück zum Boot sehen wir wieder mehrfach Affen, eine sehr große Gruppe Kapuziner und Totenkopfäffchen kreuzt unseren Weg, die Tiere teilweise so nah, dass man fast den Eindruck hat, man könne sie anfassen. Da mir nun schon häufiger aufgefallen ist, dass Kapuzineraffen und Totenkopfäffchen gemeinsam durch die Gegend ziehen, frage ich bei Eder nach und der erklärt, dass die kleinen Totenkopfäffchen den Schutz der größeren Kapuziner suchen. Auf einem Baum sitzt zudem - nur wenige Meter vom Weg entfernt - ein blaugrauer Bussard (so sagt zumindest Eder zu dem Vogel). Auch hier hat man das Gefühl, dass man den Vogel fast anfassen kann. Auch der lässt sich von uns überhaupt nicht stören.

Nach dem Mittagessen - Eder ist wieder trocken und hat frische Kleidung - geht es zum Baumwipfelpfad. Wieder besteigen wir das Boot, fahren den Fluss ein Stück hinunter. Nach wenigen Metern im Wald stehen wir vor zwei Hütten, die wohl als eine Art Seminarraum verwendet werden. Über Holzplatten, die aber rutschig sind, weshalb wir lieber durch den Matsch laufen, wir haben ja Gummistiefel von der Lodge an, geht es zum Canopy Walk, zum Baumwipfelpfad. Zunächst müssen wir mehrere Etagen eines Holzturms hochsteigen, auch als wir die Höhe des Baumwipfelpfades längst erreicht haben, geht es noch weiter hoch. Von oben sehen wir den nahen Fluss, ein illegales Feuer, wo jemand sich einen Acker im Wald vorbereitet und auf einem Baum, einige hundert Meter entfernt den Schreihals, den wir hören: Ein Tukan.

Dann geht es wieder ein paar Etagen runter auf die Höhe des eigentlichen Canopy Walks. Hier staut es sich etwas, da nach Möglichkeit immer nur eine Person sich auf den einzelnen Brücken befinden soll, um Unsicherheiten durch Schaukeln zu verlangsamen. Interessante Tiere beobachten wir vom Baumwipfelpfad leider nicht, aber wir waren schon heute Morgen von Angesicht zu Angesicht mit Totenkopfäffchen gewesen. Als wir wieder unten und zurück bei den Hütten sind, springt Eder plötzlich zur Seite: Im Garten (hier wird das Gras kurz gehalten und es stehen Obstbäume herum) hat sich etwas durch das Gras geschlängelt. Dann stellt sich aber heraus, dass es eine harmlose Schlangenart ist, eine kleine Würgeschlange. Wir sehen kaum etwas von ihr, lediglich ihre Bewegungen im Gras und für Sekundenbruchteile auch mal einen Teil ihres Körpers, der aus dem vielleicht zehn Zentimeter hohen Gras mal herauskommt. Aber im Großen und Ganzen bleibt sie unseren Blicken verborgen.

Nach dem Abendessen geht es noch mal raus, zur Nachtwanderung durch den Wald in der unmittelbaren Umgebung des Hotels. Unser Ziel sind Spinnen und Schlangen. Schlangen sehen wir keine, aber ein paar Frösche. Und Spinnen. U.a. eine Bananenspinne, die wir aus den Boulevardmedien zur Saure-Gurken-Zeit kennen. Aber Elke hatte in ihrer Zeit als Supermarktmitarbeiterin tatsächlich mal die Begegnung mit einer. Die Bananenspinne ist das gefährlichste Tier, dem wir begegnen, ihr Biss ist potentiell tödlich. Auch eine für Menschen harmlose Wanderspinne sehen wir.

Donnerstag, 19. März 2026 – Bootsfahrt auf dem hoteleigenen See, Besuch einer Lehmlecke und der medizinische Garten

An diesem Morgen geht es mir nicht gut - ich hatte schon gestern Abend auf das Abendessen verzichtet - und ich nehme daher nicht an den beiden Ausflügen des Vormittags teil. Der erste Ausflug bleibt gewissermaßen auf dem Gelände des Hotels, eine Bootsfahrt auf dem hoteleigenen See, eigentlich ein größerer Tümpel, der vor Jahrzehnten noch ein Seitenarm des Madre de Díos war. Zeugnis davon ist das Wrack des Bootes, das hier im See liegt. Der Arzt Arturo Gonzáles del Río, der auf dem Gelände der Hacienda Concepción eine Kakao-Plantage betrieb, hatte dieses Boot um 1950 als schwimmende Krankenstation gekauft. Vor 70 Jahren war der Tümpel also noch mit dem Fluss verbunden. Auch hier lassen sich Kaimane beobachte, aber die Gruppe hat kein Glück diesbezüglich. Schildkröten und Vögel zeigen sich. Und dann plötzlich Geraschel im Gebüsch am Seeufer. Welcher Affe wird es diesmal sein? Keiner! Viel besser!!! Ein Nasenbär zeigt sich, klettert anhand dünner Ästchen und Lianen über die Köpfe der Ausflügler hinweg. Wow!
Der zweite Ausflug geht zur Lehmlecke. Diese auch Colpas genannten Orte werden von den Wildtieren regelmäßig aufgesucht, um Lehm zu lecken. Die Tiere regulieren so ihren Mineralienhaushalt und das hilft ihnen Giftstoffe aus unreifen Früchten zu neutralisieren. Die Gruppe hat hier das Glück, einen Hirsch zu sehen, vermutlich ein Graumazama. Ich sitze derweil vorm Hotel, beobachte verschiedene Affen und sehe ein Eichhörnchen.
Am Nachmittag gehen wir gemeinsam zum Medizinalgarten der Hacienda Concepción, dort lernen wir Copoazú kennen - als Nachspeise und Limonade kennen wir die Frucht schon - eine Verwandte des Kakao. Aber auch Pflanzen, mit denen man färben und betäuben kann. Dann zeigt uns Eder noch Brasilnüsse, wie wir sie in Europa im Supermarkt nicht zu sehen bekommen. Brasilnüsse werden nicht in Plantagen gepflanzt, sondern man sucht die Bäume im Wald auf. Niemals ohne Schutzhelm, denn es handelt sich um dicke, schwere Kugeln, die aus vielleicht 40 Metern Höhe hinunterfallen. Mit Hilfe von gespreizten Stöcken pickt man sie auf, mit einer Schraubzwinge kann man sie öffnen und die Paranüsse, wie wir sie aus dem Supermarkt kennen, daraus holen.

Als wir zurück an der Hacienda sind, geben wir unsere Gummistiefel ab, wir benötigen sie nicht mehr.

Freitag, 20. März 2026 – Flug nach Lima und Abschiedsessen

Den Morgen haben wir ein wenig Leerlauf und können die Annehmlichkeiten der Lodge noch ein wenig genießen. Dann nehmen wir das Boot nach Puerto Maldonado, holen unser Gepäck aus dem Büro von Inkaterra und fahren zum Flughafen, von wo wir unseren Flieger nach Lima nehmen.

In Lima holt uns Karina wieder ab und bringt uns zum Hotel. Gemeinsam fahren wir dann etwas später ins Cala, einem Restaurant am Pazifik. Wir sehen, bevor wir das Restaurant betreten, den Sonnenuntergang und bewundern, wie schnell die Sonne hier untergeht. Wir sind ganz froh, dass wir drinnen sitzen und nicht auf dem Balkon, denn es zieht draußen doch ganz schön. Leider wird ein Abendessen vergessen, so, dass Andrea etwas länger als der Rest auf ihr Essen warten muss. Ärgerlich! Aber am Ende haben wir alle gut und lecker gegessen.

Samstag, 21./Sonntag 22. März 2026 – Abschied von Perú

Unser letzter Tag ist angebrochen und wir haben den Tag frei, nutzen die Zeit, um spazieren zu gehen und einzukaufen, gehen runter zum Pazifik und erkunden die Stadtviertel Miraflores, wo unser Hotel liegt und Barranco, das als das Künstlerviertel Limas gilt, jeder nach seinem Gusto.
Am Morgen sehen einige von uns noch einen unserer Busfahrer vom Anfang der Reise, der in unserem Hotel mit Reiseleiterin Elisabeth, die mir Karina am Abend zuvor vorgestellt hat, eine Kleingruppe - noch kleiner als wir acht - abholt.
Wir hingegen verstreuen uns über die genannten Stadtviertel. Ich bringe es auf etwa elf bis zwölf Kilometer an diesem Tag.

Am Nachmittag holt uns Karina wieder am Hotel ab und bringt uns zum Flughafen. Jetzt geht es nach Hause. In Amsterdam trennen sich dann unsere Wege und jeder fliegt zu seinem Zielflughafen

Schlusswort

Oh man, was haben wir alles gesehen, allein die Tiere: Wal, Pelikane, Pinguine, Seelöwen, Krebse, Tölpel, Inka-Seeschwalben, Guanaco, Vicuna, Lama, Alpaca, Kühe, Schweine, Guarizo, Ibis, Flamingo, diverse Enten und Gänse, Condor, Adler, Falken, Frösche, Fische, Meerschweinchen, Tukan, Brüllaffen, Kapuzineraffen, Totenkopfäffchen, Tamarinaffen, Viscacha, Schlange, Aras, Fischotter, Eisvögel, Kuckucks, Hirsch, Ameisenbär, Frösche/Kaulquappen, Bananenspinne, Wanderspinne.
Und die Landschaften: Küste, Steinwüste, Sandwüste, vulkanische Wüste, flache Strände und steile Klippen, Hochgebirge und Hochebenen, fruchtbare Täler, Gebirgs- und Nebelwälder und den amazonischen Regenwald. Neben der urdeutschen Kartoffel (die Peruaner wollten mir par tout nicht glauben, dass die Kartoffel von den Wikingern aus Deutschland nach Amerika gebracht wurde, ich weiß gar nicht, wieso?) aßen wir Quinoa und Mais, lernten an Meerschweinchen und Alpaca von ihrer herzhaften Seite kennen - ja, wir Barbaren haben sie gegessen. Außer Kerstin. Gefriergetrocknete Kartoffeln haben unter uns keine neuen Freunde gefunden.
Zum Frühstück etablierten sich Granadillas, eine Art Maracuja, die von der Größe an Granatäpfel erinnern (daher ihr Name), und andere exotische Früchte, die man in unseren Breiten nicht so oft bekommt. Tonka-Bohne und Copoazú bekamen wir - verarbeitet zum Nachtisch und neben Chicha Morada, dem alkoholfreien Getränk aus lila Mais mit für uns weihnachtlich anmutenden Gewürzen und Früchten lernten wir das eine oder andere für uns neue Essen kennen. Alles in allem eine Reise, die alle unsere Sinne ansprach und uns mit reichlich Eindrücken, die sicher noch lange sortiert werden, nach Hause kommen ließ.


Kommentare zum Reisebericht