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Rundreise Madeira – Blumeninsel im Atlantik

Reisebericht: 06.04. – 16.04.2026

Es gibt keinen Ort wie Madeira .... Sonne, Meeresblumen, das schönste Grün von Europa, Berge, Levada und eine besondere Luft. All das wollen wir uns anschauen und genießen .... Madeira, wir kommen...

Simone Willner

Ein Reisebericht von
Simone Willner

Madeirabuschfinkmännchen bettelt um Futter – © Simone Willner (Eberhardt TRAVEL) Ein neues Blatt eines Baumfarns entsteht, Madeira – © Simone Willner (Eberhardt TRAVEL) Wir können uns gar nicht entscheiden – © Simone Willner (Eberhardt TRAVEL) Typisch Portugal - Azulejos – © Simone Willner (Eberhardt TRAVEL) Die Katze hält ihren Mittagsschlaf mitten im Souvenirladen, Cabo Girao – © Simone Willner (Eberhardt TRAVEL) Im Garten von Quinta Spledida wachsen Kräuter und Salat – © Simone Willner (Eberhardt TRAVEL) Bananenblüte, Quinta Splendida – © Simone Willner (Eberhardt TRAVEL) Hinter dieser kargen Mauer verbirgt sich ein spektakulärer Privatgarten – © Simone Willner (Eberhardt TRAVEL) Die Hummeln sind aktiv – © Simone Willner (Eberhardt TRAVEL) Bananenblüte bzw. Bananenherz – © Simone Willner (Eberhardt TRAVEL) Hochebene Paul da Serra, heute bei Traumwetter – © Simone Willner (Eberhardt TRAVEL) Uralte Lorbeerbäume ragen über den Ginster hinaus, Paul da Serra – © Simone Willner (Eberhardt TRAVEL)

Anreise und erstes gemeinsames Abendessen

Am ganz frühen Morgen trifft sich Simone, die Reisebegleiterin, mit acht Gästen auf dem Leipziger Flughafen. Wir erreichen Madeira bereits in den Morgenstunden. Unser Fahrer holt uns, gleich nachdem wir unsere Koffer in Empfang genommen haben, ab und bringt uns in unser unweit Funchals gelegenes 5 Sterne Hotel Pestana. Wir fahren an üppig blühenden Bougainvillea- und Hibiskushecken vorbei, überqueren tiefe grüne Schluchten, die Straßen sind rechts und links von Palmen gesäumt und direkt vor dem Hotel stehen unzählige Jakarandabäume, die gerade in voller Pracht lila blühen. Wir sind dem Frühling also heute ein ganzes Stück näher gekommen.

Im Hotel angekommen entscheiden wir uns, erstmal einen Kaffee trinken zu gehen und danach holen die meisten ein wenig Nachtschlaf nach. Am Abend empfängt uns Silvia, unsere Reiseleiterin und bringt uns den Ablauf der nächsten Tage nah. Langeweile wird auf keinen Fall aufkommen und bei dem Prachtpool werden wir auch keine Mühe haben, eine Weile Freizeit hier zu genießen.

Nach und nach kommen auch die Gäste, die von Düsseldorf und Frankfurt geflogen sind ins Hotel und am Abend erreicht auch unsere individuell anreisende Dame die Blumeninsel.

Bei einem ersten gemeinsamen Abendessen lernen wir uns ein wenig kennen und genießen die landestypischen Spezialitäten.

Morgen sind wir auf den Osten Madeiras gespannt ...

Der Osten Madeiras: Pico Arieiro, Ribeiro Frio, Santana, Machico und Spezialitäten–Abendessen

Auf der wundervoll gelegenen Terrasse des Frühstücksrestaurants genießen wir das üppige Frühstück und schauen dem Sonnenaufgang bei einem Gläschen Sekt zu. Ein Urlaubstag könnte nicht schöner beginnen.

Danach treffen wir Silvia wieder und fahren mit ihr gen Osten auf den Pico do Areiro, den mit 1.818 Metern höchsten Berg der Insel. Nach etlichen Kurven und vielen Höhenmetern erstrahlt über uns ein fantastischer Regenbogen und wenig später sehen wir - nichts mehr. Alles liegt im Nebel, die ersten Schneehäufchen entdecken wir am Straßenrand, beim Blick auf die Temperaturanzeige des Busses rutscht uns das Herz in die Hose vor Schreck. Sie zeigt eine Außentemperatur von 0 Grad an und vom spektakulären Blick, den wir erwartet hatten, ist überhaupt gar nichts zu sehen. Wir fliehen schnell in das windgeschützte Besucherzentrum und fahren wenig später wieder nach unten.

Zum Glück läßt der Regen nach und die Temperatur steigt auf immerhin 12 Grad. In Ribeiro Frio steigen wir aus, der hier beginnende Lorbeerwald zählt zum UNESCO Weltkulturerbe. Entlang der auf Madeira einzigartigen Levada - der Wasserkanäle - spazieren wir durch einen absolut faszinierenden Wald voller Lorbeerbäume. Hier findet man sowohl den Kanaren-Lorbeer (Laurus Novocanariensis) als auch den so genannten Stinkenden-Lorbeer (Ocotea Foetens), aber auch seltene Bäume wie die Maiglöckchenzimterlen (Clethra Arborea) oder die indische Persea (Persea Indica). Am Wegesrand hüpfen uns die neugierigen Madeirabuchfinken fast auf die Hände, sie erwarten Futter. Bevor die Portugiesen Madeira im 15. Jahrhundert besiedelten, war die gesamte Insel mit diesen Lorbeerwäldern bedeckt, die dann im Verlauf der Urbarmachung gerodet wurden, um Flächen für die Besiedlung und den Anbau von Zuckerrohr zu schaffen. Heute sind die wenigen Restbestände dieser einzigartigen Wälder unter strengem Schutz und sie beeinflussen das Klima der Insel entscheidend. Auf dem Aussichtsbalkon eröffnet sich uns ein fantastischer Blick auf das Tal von Ribeiro Frio und die zerklüftete Gebirgssilhouette.

Nach dieser spektakulären Wanderung fahren wir weiter nach Santana, einem der bekanntesten Dörfer in Madeira. Hier stehen die strohgedeckten dreieckigen Bauernhäuser und ein netter Insulaner bittet uns sogleich hinein. Sein Vater lebte noch in diesem Minihäuschen. Bad und Küche sind winzig klein, es wurde mit Holz der Küchenofen gefeuert, in einem weiteren Zimmer haben gerade so ein Bett und ein Schrank Platz und davor befindet sich ein Mini-Wohnzimmer. Heutzutage wohnt niemand mehr in diesen kleinen Häuschen, dafür hat man für die Reisenden einige Souvenirgeschäfte in diese Strohhäuschen gebaut und wir spazieren durch die Lädchen, nachdem wir ein Mittagessen in dem Ort genossen haben.

Am Nachmittag setzen wir unsere Fahrt über den Portella-Pass mit grandiosen Ausblicken über die Nordküste fort und an den Aussichtspunkten Miradouro do Cortado und Ponta do Rosto sind wir ganz verzaubert von dem tollen Anblick. Bei Ponta do Rosto herrscht eine völlig andere Vegetation, als vorher bei unserer Wanderung durch das üppige Grün der Lorbeerwälder und dem der Küstengebiete. Mehr Oppuntien, Kakteen und alle Arten Aloe säumen die ansonsten karge Berglandschaft und der Aussichtspunkt erinnert uns sehr an die Cliffs of Mohair in Irland.

Einen allerletzten Halt legen wir am Miradouro do Queimada ein, wo wir in eine malerische Bucht mit puderzuckerweißem Sandstrand blicken, davor blühen die Strelizien, einfach postkartengleich.

Voller wunderschöner Eindrücke kehren wir ins Hotel zurück und treffen uns am Abend, um heute DIE Inselspezialität zu probieren: den schwarzen Degenfisch mit Bananen und das berühmte Bolo do Caco, das Knoblauchbrot. Alles wird abgerundet durch eine fruchtige Maracujasauce, die hervorragend zu dem butterzarten Fisch paßt.

Nun sind wir gesättigt und fallen müde in unsere Hotelbetten. Morgen werden einige Gäste wandern gehen, andere legen einen freien Tag ein ...

Freizeit oder Wanderung entlang der Levada dos Marocos

Früh am Morgen genießen wir erneut das Morgenrot und den spektakulären Sonnenaufgang während des Frühstücks.

Danach brechen neun Gäste gemeinsam mit Silvia auf in Richtung Machico zur Marocos-Levadawanderung. Das Wetter ist uns heute hold und als wir aus dem Bus steigen, kommt die Sonne hinter den dichten Wolken hervor. Direkt an den alten Wasserkanälen starten wir unsere wunderbare Entdeckungsreise zu den Kulturen und Traditionen Madeiras. Die schöne Berglandschaft bietet einen wunderbaren Blick über die Umgebung von Machico. Als einem Gast die Mütze vom Kopfe geweht wird und auf der darunterliegenden Terrasse hängen bleibt, haben wir während der Wiederbeschaffungskletteraktion der beherzten Ehefrau die Möglichkeit, eine Einheimische bei ihrer täglichen Arbeit auf den Terrassen mit der Spitzhacke zu beobachten. Eine anstrengende Plackerei, den steilen Terrassen ein wenig Gemüse abzutrotzen.

Im Gegensatz zur gestrigen Wanderung, haben wir heute das Glück, ganz allein auf dem schmalen Pfad zu sein, was uns ausnehmend gut gefällt

Bereits im 15. Jahrhundert begann man auf der Insel, die ersten Bewässerungskanäle anzulegen, nur dadurch war überhaupt der Anbau des Zuckerrohrs möglich. Sie dienen dazu, das Wasser aus den niederschlagsreicheren Gebieten im Norden und im Zentrum der Insel zu den landwirtschaftlichen Anbauflächen an der Küste im Süden zu geleiten. Die Gesamtlänge dieses Kanalsystems beträgt unglaubliche 3.000 Kilometer. Ein geringes Gefälle läßt das Wasser plätschern und es fließt durch Täler und Berge, sogar durch extra angelegte Tunnel und auf Aquädukten. Arabische und afrikanische Sklaven mußten einst die halsbrecherischen Arbeiten in schwindelerregenden Höhen verrichten. Das Geschick der Mauren, die nach der spanischen Reconquista ab 1492 systematisch aus Andalusien vertrieben wurden und über große Erfahrungen in der Bewässerungstechnik verfügten, dürfte viel zum Bau der Kanäle beigetragen haben.

Früher wie heute gibt es noch die Hereus - die Wasserverteiler. Sie sind heutzutage Angestellte des Landes und verantwortlich dafür, die Levada von ins Wasser gefallenem Holz und Blättern zu befreien, die Kanäle und Mauern zu warten und bei Bedarf zu reparieren. Ihre verantwortungsvollste und sicher schwierigste Aufgabe ist es, das Wasser über kleine Seitenkanäle den jeweiligen Bauern für ihre Felder zuzuteilen. Dafür werden Schächte für mehrere Stunden geöffnet und dann wieder verschlossen, gern auch mit allerlei Altkleidern wieder nahezu wasserfest verstopft, damit vom kostbaren Naß nichts vergeudet wird.

Wärend unserer Wanderung genießen wir das üppige Grün um uns herum, saugen den sanften Duft der gerade im Tal blühenden hellgelben Akazienblüten auf, sehen Papayas, Bananen, Cherimoyas, Pepinos (Melonenbirnen), Paprika, Chili, Kartoffeln, Bataten (Süßkartoffeln) und allerlei Kohlsorten auf den Terrassen am Hang. Die Pitangabäume (Surinamkirschen) stehen in voller Blüte. Diese kleinen Früchte werden auf Madeira gern zu Säften, Gelees und Fruchtwein verarbeitet. Die Erträge der wenigen Weinreben, die wir erblicken, werden nicht zu Wein verarbeitet, die süßen Trauben werden gegessen.

Am Ende dieser wunderschönen Wanderung erreichen wir eine kleine Bar, wo wir uns mit Kaffee oder Limonade stärken, bevor wir zurück ins Tal zu unserem Bus laufen.

Zwei Gäste haben spontan beschlossen, den Nachmittag in Funchal ausklingen zu lassen, wir setzen sie unterwegs ab und so kommen wir anderen in den Genuß, heute mal die Küstenstraße direkt durch die Hauptstadt zu fahren, anstatt der höher gelegenen Schnellstraße. Von Weitem schon erblicken wir die Gondeln der Seilbahn, die Funchal mit Monte verbindet. Am Hafen und am Christiano Ronaldo Museum Museum ist viel los.

Den Nachmittag genießen wir die Annehmlichkeiten des Hotelpools und ruhen uns ein wenig aus.

Morgen haben wir die Gelegenheit, unsere ersten Eindrücke von der Hauptstadt der Insel zu vertiefen und sind schon sehr gespannt ...

Funchal, die Hauptstadt Madeiras

Nach dem Frühstück fahren wir in Richtung Funchal und werden dort von einem wunderschönen farbintensiven Regenbogen begrüßt, der die ganze Stadt überspannt. Als wir allerdings am Botanischen Garten ankommen, öffnet der Himmel seine Schleusen und wir beschließen, zuerst in die berühmte Markthalle Mercado dos Lavradores weiterzufahren. Sie ist überdacht und bietet ausreichend Wetterschutz. Gebaut wurde sie in den 1930er Jahren. Schon am Eingangsbereich gibt es wunderschöne Azulejos zu bestaunen, die Kacheln zeigen typische Marktszenen und von dort aus gelangen wir in den Innenhof, in dem man uns die Köstlichkeiten der Insel präsentiert. Allein fünf verschiedene Maracujasorten, Tamarillos (Baumtomaten), Minimangos, alle Arten von Bananen, die Früchte der Monstera, die wie eine Mischung aus Ananas und Bananen schmecken, Cherimoyas und Erdbeeren sind in Weidenkörben schön drapiert und wir dürfen sogar probieren. An den Ständen gibt es Strelitzienstecklinge, Proteen und allerlei Samen. Eine Halle weiter sehen wir die Fische wieder, die wir in den vergangenen Tagen bereits am Abend verspeist haben.

Das Wetter hat sich gebessert, als wir den Markt verlassen und wir spazieren gemeinsam mit Silvia weiter zur Kathedrale von Funchal. Sie wurde als spätgotische Kirche zur Zeit des berühmten portugiesischen Königs Manuel I. 1488 geplant, der eigentliche Bau begann 1500. Besonders beeindruckend ist die Decke. Sie wurde aus Zedernholz von der Insel gefertigt und ist ein monumentales Beispiel für die Dekoration im Mudejarstil der islamischen Bautradition. Neben dem hölzernen kunstvollen Chorgestühl in der Hauptkapelle beherbergt dieses Monument auch ein Prozessionskreuz, das als eines der Meisterwerke der portugiesischen manuelinischen Goldschmiedekunst angesehen wird.

Unweit entfernt liegt die berühmte Weinkellerei Blandy´s - unser nächstes Ziel. Hier reifen seit 211 Jahren und sieben Generationen die besten Weine Madeiras nach der traditionellen Canteiromethode. Dieses Familienweingut befindet sich in einem historischen Gebäude aus dem 16. Jahrhundert. Über 650 Fässer und Bottiche werden heute hier gelagert und von diesen exzellenten Tropfen dürfen wir zwei probieren, die fünf Jahre im Faß gereift sind, einen weißen trockenen und einen schweren rotbraunen. Madeira wird mit Branntwein angereichert und hat einen Alkoholgehalt von etwa 20 Volumenprozent. Es ist ein süßer Dessertwein, der besonders gut zum ebenfalls hier hergestellten Honigkuchen paßt.

Am Cabo Girao, dem sogenannten Kap der Umkehr, blicken wir auf die beeindruckende Steilklippe im Süden der Insel in der Nähe von Camara de Lobos. Das Kap liegt 580 Meter über dem Atlantik und unterhalb der Klippe sehen wir Fajas (Terrassenfelder), die man in früheren Zeiten nur mit Booten erreichen konnte. Wir stehen auf der Aussichtsplattform mit gläsernem Boden und genießen den traumhaften Blick aufs Meer.

Wenig später erreichen wir das kleine Fischerdorf Camara de Lobos, wo wir den typischen Inseldrink probieren: den Poncha. Er wird aus Honig, Zitronen- und Orangensaft und vieeeeeel Zuckerrohrschnaps gemixt und wir beobachten gespannt die Zubereitung. Er schmeckt herrlich fruchtig, honigsüß und man sollte nicht zu viel davon genießen, denn die Dame in der Bar hat es gut mit uns gemeint und reichlich Schnaps hineingegeben. Vergnügt spazieren wir danach durch den bereits 1430 gegründeten Ort, sehen hoch oben am Berg das 1459 gegründete Kloster de Sao Bernardino. Der kleine Ort erlangte Berühmtheit, nachdem der britische Premierminister Winston Churchill ihn auf einem Gemälde verewigt hatte, daran erinnert noch eine Skulptur im Ortskern.

Nun ist es bereits Nachmittag geworden und wir wagen einen zweiten Versuch, nun endlich den botanischen Garten von Funchal zu besuchen. Es nieselt zwar wieder ein wenig, aber unter dem üppigen Grün dieses auf den Hängen angelegten bezaubernden Garten fällt uns das gar nicht auf. Dieses kleine grüne Paradies umfaßt eine Fläche von acht Hektar und wurde 1960 angelegt. Es gibt eine Vielfalt von Baumarten und Ziersträuchern, einen Bereich mit Orchideen, Rasenflächen, Aussichtspunkte mit ausschweifendem Blick über die Hauptstadt und ein Amphitheater. Wir wandeln beeindruckt zwischen den meterhohen Säulenkakteen und Opuntien entlang, sehen die seltenen weißen Strelitzien, beäugen neugierig die Früchte des Leberwurstbaumes und die der Monstera.

Voller schöner Eindrücke aber geschafft kehren wir ins Hotel zurück und ruhen uns erstmal ein wenig aus, bevor wir in einem kleinen Restaurant einkehren und den Abend bei leckerem Essen ausklingen lassen.

Morgen werden wir den wilden Nordwesten kennenlernen, aber jetzt heißt es erstmal: Boa noite.

Rezept für Poncha

2 cl frisch gepreßter Zitronensaft
2 cl frisch gepreßter Orangensaft
1 TL Honig
3 - 4 cl Aguardente de Cana (Zuckerrohrschnaps)

1. Den Honig im Zitronensaft auflösen am besten mit einem Holzstößel
2. Alle Zutaten in ein Glas geben und kräftig rühren, bis sich der Honig vollständig aufgelöst hat.
3. Der Poncha wird üblicherweise ungekühlt serviert, kann aber auch mit Eis serviert werden.

A Saude - Prost

Der wilde Nordwesten Madeiras: Ribeira Brava, Paul da Serra, Porto Moniz und Sao Vicente

Heute fahren wir gen Westen und legen unseren ersten Halt an einem Aussichtspunkt hoch über Ribeira Brava ein. Hier wartet bereits der vierte Regenbogen auf uns, so langsam gewöhnen wir uns daran, daß wir jeden Tag einen sehen.

Im Ort unten am Meer leben knapp über 6.000 Einwohner und zum ersten Mal haben wir den Eindruck, daß in diesem abgelegenen Teil der Urlaubsinsel nicht so viel los ist. Als wir ankommen, sehen wir keinen weiteren Bus.

In der Kirche Matriz de Sao Bento sind wir ganz allein. Sie wurde im 16. Jahrhundert erbaut und innen mit prächtigen Barockdekorationen ausgeschmückt den Kirchturm zieren blau-weiße Azuleijos. Wir bummeln durch den kleinen Ort, stöbern in ein paar Lädchen und setzen unsere Fahrt in Richtung Nordwesten fort.

Über den 1.007 Meter hohen Encumeadapaß fahren wir in eine dichte Nebelwand hinein. Unser Fahrer hat Mühe, die nächsten 20 Meter vor der Frontscheibe zu erkennen und als wir das Hochplateau Paul de Serra erreichen, glauben wir, das Land gewechselt zu haben. Neben uns stehen Kühe, gelb blühende Stechginster überall, die Landschaft erinnert an Schottland - das Wetter ebenso!

Wir befinden uns hier auf einer Höhe von etwa 1.400 Metern. Die Vegetation erschöpft sich mit Gräsern und Ginster. Basaltgestein ragt rechts und links der Straße heraus und die Levada kann das Wasser der üppigen Regenfälle der letzten Tage gar nicht mehr aufnehmen. Daher haben sich neben der Straße riesige Seen gebildet. Das Plateau wird als Weide für Schafe, Ziegen und Kühe genutzt. Als plötzlich zwei wetterresistente Wanderer neben uns am Straßenrand aus dem dichten Nebel auftauchen, erschrickt selbst unser Busfahrer und fährt schnell einen Haken.

Auf der Weiterfahrt nach Porto Moniz bessert sich das Wetter ein wenig, die Sicht wird klarer, wir erblicken von oben bereits die charakteristischen Lavaschwimmbecken. Der Ort wurde nach dem portugiesischen Adligen Francisco Moniz benannt, der sich hier 1533 angesiedelt hatte. Früher lebten die Bewohner vom Walfang und der Fischerei, heutzutage sind es Weinanbau und Tourismus.

An der Uferpromenade steigen wir aus, um erstmal eine ausgedehnte Mittagspause zu machen. Danach bummeln wir an der steilen Küste entlang und können es gar nicht glauben, daß selbst bei dem kühlen, windigen und wolkigen Wetter heute einige Badefreudige in den Lavabecken schwimmen.

Wir folgen weiter der Nordwestküste und sehen immer wieder die alte, sehr steile und schmale Straße, die heutzutage für Fahrzeuge gesperrt ist, da häufige Steinschläge ihre Nutzung zu gefährlich machten. Man hat eine neue breitere Straße mit vielen Tunneln errichtet. Rechts neben uns rauschen die Wasserfälle ins Tal hinunter und an einem hängen doch tatsächlich drei spanische Touristen und seilen sich mitten im Wasserfall ab. Interessantes Hobby! 😏

In Sao Vincente machen wir unseren letzten Halt. Vor der kleinen Pfarrkirche liegt ein kunstvoll mit schwarzen und weißen Steinen gepflasterter Platz. Die Kirche selbst wurde 1692 im Stil des Manierismus gebaut und bildet einen reizvollen Kontrast zum schlichten modernen Rathaus. Wir schauen uns im Ort um, zwei Gäste finden eine schöne Tischdecke mit portugiesischen Motiven für den Garten und am späten Nachmittag kehren wir in unser Hotel zurück.

Als wir Funchal erreichen, glauben wir, erneut das Land gewechselt zu haben. Die Sonne scheint, der Himmel leuchtet blau, die Temperaturen sind sommerlich, viele Menschen laufen in kurzen Hosen die Straßen entlang. Wenn man auf Madeira unterwegs ist, sollte man sich auf vier verschiedene Jahreszeiten und Klimazonen an einem Tag einstellen.

Morgen wollen wir einen Abstecher ins Nonnental und nach Monte machen und freuen uns schon drauf ...

Nonnental und Monte, Kräutergarten

Heute Morgen strahlt die Sonne vom blauen Himmel und wir vermissen fast unseren täglichen Regenbogen.

Bei unserem ersten Halt an der Kirche Nossa Senhora do Monte oberhalb von Funchal haben wir einen fantastischen Ausblick über die Hauptstadt. Diese Wallfahrtskirche wurde 1741 erbaut. Jedes Jahr am 15. August findet hier eine große Prozession zu Ehren der Jungfrau statt.

Im linken Seitenschiff sehen wir den Sarg des letzten Kaisers von Österreich, Karl I. Er wurde nach dem Ersten Weltkrieg 1921 hierher in die Verbannung geschickt und starb wenig später an einem Lungenleiden. Oberhalb der Kirche befand sich das Herrenhaus, in dem die Familie einst residierte, leider wurde es bei einem Waldbrand 2016 vollständig zerstört.

Die meisten Gäste kommen hier hoch, um mit einem Korbschlitten den Berg hinunterzusausen. Das wollen wir natürlich auch erleben. Diese ausgefallenen Fahrzeuge entstanden im 19. Jahrhundert und wurden damals von der einheimischen Bevölkerung der Gemeinde Monte als öffentliches Verkehrsmittel genutzt, um schneller nach Funchal zu gelangen. In den Holzschlitten und den darauf befindlichen Körben wurden auch Waren des täglichen Bedarfs transportiert. Das Gefährt wurde von zwei Carreiros geschoben, diese "Fahrer" sind auch heute noch in weiß gekleidet, tragen Strohhüte und benutzen gelbe Stiefel mit dicken Gummisohlen aus alten Autoreifen, mit denen sie bremsen.

Als im 19. Jahrhundert immer mehr gutbetuchte Gäste die Insel besuchten und gefahren werden wollten, entwickelten sich diese rasanten Abfahrten zum Besuchermagneten. Wir reihen uns artig in die Schlange ein, haben aber Glück, daß wir früh dran sind und müssen nicht lange warten. Los geht´s den Berg hinunter. Die Straße ist durch die Kufen der Schlitten ganz glatt geschliffen und die Gefährte können bis zu 50 Stundenkilometer erreichen. Früher mußten die zwei Carreiros die Schlitten auf ihren Schultern den Berg jedes Mal wieder hinauf tragen. Das wird heute durch LKWs erledigt und die Fahrer dürfen gemeinsam im Bus wieder zum Ausgangspunkt zurück fahren, wo sie die nächsten Gäste aufnehmen. Ein Spektakel, das man unbedingt einmal erlebt haben sollte.

Im Anschluß an die Talfahrt begeben wir uns wieder in luftige Höhen zum Miradouro Pico dos Barcelos. Er befindet sich in der Gemeinde Santo Antonio, der Heimat des Fußballvereins "Andorinha", der die Karriere von Cristiano Ronaldo begründete. Er wuchs hier in einem kleinen Haus in sehr bescheidenen Verhältnissen auf. Heute träumt jeder kleine Junge auf der Insel von einer Karriere á la Ronaldo und alle spielen schon von Kindheit an in einem Fußballverein.

335 Meter über dem Meeresspiegel bietet sich uns eine fantastische Sicht auf die Hauptstadt. Wir erblicken im Hafen die MSC Musica, viele rote Ziegeldächer an den Hängen, dazwischen Bananenstauden und dahinter den Atlantik. Links davon eröffnet sich der Blick auf die sanfte Bergkulisse. Wir schießen begeistert viele Erinnerungsfotos.

Weiter winden wir uns eine schmale Straße zum Aussichtspunkt über dem Curral das Freiras hinauf, dem sogenannten Nonnental in dem winzige Dörfer umgeben von steilen Bergen liegen. Als im 16. Jahrhundert eine Gruppe Nonnen aus Funchal hier Schutz vor Piratenüberfällen suchte, fanden sie in den abgelegenen Bergen eine sichere Zuflucht. Seit diesem Ereignis heißt das Tal Nonnental. Vom Aussichtspunkt Eira do Serrado hat man einen atemberaubenden Blick auf die gesamte Schlucht, die kleinen Häuschen, die berühmten Nonnental-Wanderwege und den davor liegenden Atlantik. Und siehe da - unser täglicher Regenboten ist plötzlich wieder da und spannt sich diesmal genau über das malerische Tal.

Am Nachmittag fahren wir zum Kräutergarten Quinta Splendida, flanieren vorbei an Erdbeeren, Zwiebeln, Salatbeeten, Papayas, Thymian, Rosmarin, Majoran, Lavendelsträuchern, Petersilie und Koriander. In dieser Anlage lag einst nur das Herrenhaus, heute ist eine über und über begrünte Hotelanlage hinzugekommen und am Pool lassen wir uns nieder und laben uns an hausgemachtem Schokoladenkuchen und aromatischem Zitronengrastee, der selbstverständlich aus dem Kräutergarten frisch gepflückt wird.

Zurück im Hotel erholen wir uns am Nachmittag von den vielen Eindrücken und gönnen uns eine Pause am Pool in der Sonne.

Morgen freuen wir uns, weitere Gärten der Insel kennenzulernen ...

Halbtagsausflug Gärten Madeiras und fakultatives Abendessen

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg nach Funchal und wollen dort Patrick besuchen, einen Briten, der hier in Madeira Orchideen züchtet. Hinter einer unspektakulären Mauer und einer winzigen Tür eröffnet sich ein wahres Pflanzen-Paradies. Gleich hinter dem Eingang wuchern Schwanenhalsagaven und riesige Tillandsien hängen wie Vorhänge entlang des Weges. Daneben hat Patrick ein überdachtes Gewächshaus für alle Arten von Orchideen angelegt und erzählt uns begeistert von der intensiven Pflege, ihren Gewohnheiten, der Vermehrung und wie er sie liebevoll zum Blühen bringt. Er zeigt uns ein sehr mickriges Exemplar, was ihm die Nachbarn überlassen haben. Unter seiner Obhut wird allerdings auch diese halbtote Orchidee bald wieder zu einem Blühwunder werden, da sind wir sicher.

Ihm ist es mit seiner Pflanzenbegeisterung sogar gelungen, einen Jadewein zu kultivieren. Diese Smaragdlilienart gedeiht eigentlich in den Tropen auf den Philippinen und klettert mit ihren leuchtend türkisgrünen klauenförmigen Blüten an Geländern oder anderen Bäumen hinauf. In Südostasien ist sie aufgrund von Lebensraumverlust äußerst selten geworden. Patrick demonstriert uns, wie diese Blüten geschickt die nach Nektar suchenden Fledermäuse dazu benutzen, ihre Samen mit sich zu nehmen und so ihre Vermehrung zu sichern.

Ein weiterer Exot in diesem Privatgarten ist die Juckbohne oder Mucuna aus Ostindien. Sie ist in den Tropen als Futterpflanze weit verbreitet, da sie viel Protein enthält. Die Samen werden aufgrund des hohen Gehalts an Levodopa bei Parkinson- Patienten eingesetzt. Röstet man die Juckbohnenfrüchte, kann man sie sogar als Kaffeeersatz verwenden. Wir sind total begeistert, welch ein üppiges Grün sich in solch einem kleinen Privatgarten anlegen läßt und verabschieden uns von Patrick mit dem Versprechen, all die Tipps und Tricks bei unseren heimischen Schätzchen auf der Fensterbank ebenfalls anzuwenden.

Unser zweites Ziel heute ist der Palheiro Garten, der auch als Blandys Garten bekannt ist. Diese riesige Parkanlage liegt auf einer Anhöhe östlich von Funchal und ist Teil einer der größten und prächtigsten Quintas (Gutshöfe) von Madeira. Der Hof wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts erbaut und umfaßt eine Gesamtfläche von knapp 150.000 Quadratkilometern. Sein ursprünglicher Besitzer war der erste Graf von Carvalhal, der viele der heute noch hier stehenden Bäume pflanzte und Kamelien sammelte. In diesem Garten gibt es mehrere künstlich angelegte Seen mit Lotosblüten, in denen die Frösche lauthals quaken. 1885 erwarb die Familie Blandy das gesamte Grundstück. Einige Familienmitglieder hatten wir ja schon vor ein paar Tagen in der Weinkellerei im Zentrum von Funchal kennen gelernt. Sie wohnen hier oben auf jeden Fall in einem wirklichen Paradies und beschäftigen zehn Gärtner, um alles zu pflegen. Wir spazieren durch die Anlage und Silvia zeigt uns unendlich viele exotische Bäume, wie den Taschentuchbaum oder den pink blühenden Judasbaum. Die Proteen, die eigentlich aus Südafrika oder Australien stammen, blühen hier gleich neben Jasmin und Mohnblumen. Auf dem Gelände befindet sich ebenfalls ein stilvolles Teehäuschen, in dem wir eine Kaffeepause einlegen, umrundet von Minze und Thymian.

Am Nachmittag kehren wir ins Hotel zurück, machen eine ausgedehnte Pause und am Abend treffen wir uns alle wieder, um zu einem Spezialitätenrestaurant nach Funchal zu fahren. Man kredenzt uns die Espetada: traditionell gegrillte Rindfleischspieße, gewürzt mit Knoblauch, Salz und Lorbeer. Dazu werden das berühmte Bolo do Caco (Knoblauchbrot) und die Milho Frito (Maiswürfel) gereicht. Wir genießen schweigend.

Morgen werden wir mit der Santa Maria einen Abstecher auf dem Meer machen ...

Ausflug mit dem Schiff Santa Maria

Wir Glücklichen dürfen heute ausschlafen und ein spätes Frühstück genießen. Den Vormittag haben wir zur freien Verfügung. Die meisten Gäste nutzen die Zeit, um einen Abstecher nach Funchal in die Rua de Santa Maria zu machen. Diese schmale Gasse in Madeiras Hauptstadt war einst verfallen und schmutzig, bis sich Künstler zusammentaten, um dem zunehmenden Häusersterben entgegenzuwirken und ihnen neues Leben einzuhauchen. Sie bemalten die alten Türen und Fenster und immer mehr Schaulustige kamen, was dazu führte, daß man investierte, sanierte und siehe da .... heute sind unzählige kleine Lädchen und Restaurants rechts und links, die schönen Bilder sind geblieben und die Häuser erstrahlen wieder im alten Glanz.

Am Nachmittag haben wir uns für ein Abenteuer entschieden. In Madeira haben ein Niederländer und eine Portugiesin die Santa Maria, mit der Kolumbus einst zu seiner Entdeckungsreise aufbrach, originalgetreu aufbauen lassen. Dieses Schiff repräsentierte den Madeirawein auf der Expo-Ausstellung 1998 in Lissabon. Im kleinen Fischerdörfchen Camara de Lobos entstand dieser spektakuläre Nachbau, mit dem wir drei Stunden an der Südküste der Insel entlang segeln. Wir sind noch nicht lange aus dem Hafenbecken raus gefahren, da ertönt schon der Ruf: WAL VON VORN und unser Seemann in der Takelage hat einen Pottwal entdeckt. Wir sehen das Blas, also die Fontäne, die er beim Ausatmen ausstößt. Auf der anderen Seite entdeckt der Kapitän einen etwa 18 Meter langen Finnwal, den größten Vertreter seiner Art in diesen Gewässern. Dieses Exemplar ist zeigefreudiger als sein Vorgänger und der graue Rücken erscheint mehrmals genau neben dem Boot bevor der Riese wieder in den Tiefen verschwindet. Wir sind begeistert!

Danach spendiert man uns den leckeren Honigkuchen und traditionellen Madeirawein und wir gleiten am Miradouro Pico dos Barcelos vorbei, den wir vor wenigen Tagen bereits besucht hatten. Nun sehen wir die am Fuße des Felsen liegenden Terrassen mit dem Gemüse aus der Nähe. Die Ernte muß mühevoll mit Hilfe einer Gondel an der steilen Wand nach oben transportiert werden. Für ein Foto öffnen unsere Seemänner die Segel, damit das Schiff mal in ganzer Pracht zu sehen ist.

Jedes Jahr im Juni spielt man auf porto Santo, der kleinen Nachbarinsel von Madeira die Landung von Christoph Kolumbus im Jahr 1478 nach, ein Mittelaltermarkt und natürlich die voll in Segeln stehende Santa Maria dürfen bei diesem Spektakel nicht fehlen.

Nach drei Stunden erreichen wir wieder den Hafen von Funchal, wo uns Cicero schon erwartet, um uns ins Hotel zurück zu bringen.

Morgen sind wir gespannt auf die Bananenwanderung ...

Wanderung Bananroute: Leuchtturm Ponta do Pargo, Wanderung Fanal und Besuch eines Weingutes

Im Südwesten der Insel Madeira liegen die größten Anbaugebiete für Bananen. Mitten durch die Stauden führt uns unsere Plantagenwanderung und wir haben die Möglichkeit, alles genau zu studieren. Obwohl die Banane kein Baum ist, bildet sie Stammdurchmesser von bis zu 45 Zentimetern. Jede Pflanze trägt nur ein einziges Mal Früchte und stirbt danach ab. Die Pflanze wird zurückgeschnitten und aus dem Stammrest kommen die neuen Bananenstecklinge heraus. Nach etwa einem Jahr sind diese Stecklinge groß genug, um selbst Blütenstände auszubilden. Nachdem das große rot ummantelte Bananenherz kleine trichterförmige Blüten gebildet hat, dauert es nochmal weitere vier Monate, bis daraus erntereife Bananen gewachsen sind. Um die Bananen zu schützen, umwickelt man sie mit Plastikfolie. Darunter bildet sich ein Mikroklima, die Früchte reifen schneller und die Obstfliegen können keinen Schaden an den Früchten anrichten. Wir probieren reife Bananen an der Kasse des Vertrauens. Sie schmecken viel süßer als die großen Chicitabananen, die man in deutschen Supermärkten bekommt, dürfen aber in die Europäische Union nicht ausgeführt werden, da sie für die Vorgaben der EU zu kurz sind. Eine Familie, erfahren wir von Silvia, hat sich darauf spezialisiert, aus den Fasern der Stämme Schuhe und Taschen herzustellen.

Den nächsten Halt legen wir am westlichsten Punkt der Insel am Leuchtturm von Ponta do Pargo ein, der spektakulär auf einer rund 300 Meter über dem Atlantik liegenden hohen Steilklippe thront. Der Panoramablick von hier oben ist atemberaubend, wir genießen die Weite des Ozeans und versuchen, vor den steilen Klippen für ein Erinnerungsfoto die optimale Pose zu finden.

Während unserer Reise waren wir bereits auf der 1.500 Meter hoch gelegenen Ebene von Paul da Serra, nur gesehen haben wir durch den dichten Nebel rein gar nichts. Als wir sie heute erreichen, können wir unser Glück kaum fassen. Über den Wolken im Tal ist strahlend blauer Himmel, kein Lüftchen weht und die Sonne wärmt uns. Zwischen gelb blühendem Stechginster und kleinen lila Veilchen starten wir zur zweiten Wanderung. Uralte knorrige Lorbeerbäume säumen den breiten und steinigen Weg. Auf einer Grasebene stehen direkt neben uns die Kühe, die hier das ganze Jahr draußen frei herumlaufen. Nach etwa einer Stunde erreichen wir Fanal, wo wir nochmal einen tollen Blick in eine Schlucht und die Wolkendecke UNTER uns haben.

Cicero wartet bereits mit dem Bus auf uns und über kurvige Straßen geht es wieder hinunter gen Süden an die Küste zurück. Bevor wir allerdings zur Weinverkostung fahren, beschließen wir, noch etwas zu essen, damit uns vom Alkohol nicht flau im Magen wird und machen eine Pause in Ribeira Brava.

Am Nachmittag erwartet uns direkt neben einem Gartenmarkt eine junge Dame und stellt uns die hiesige Kooperative vor, die 2012 gegründet wurde. Alles hier ist einfach gehalten, ganz anders als in dem altehrwürdigen Weingut der Familie Blandy in Funchal. Trotzdem munden uns die Weine vorzüglich und wir probieren vier verschiedene: einen trockenen dreijährigen, einen halbtrockenen fünfjährigen, einen süßen fünfjährigen und einen dunklen amberfarbenen zehnjährigen Madeira. Da wir natürlich von diesen Tröpfchen welche erwerben möchten, gehen wir ganz zünftig dafür in den Baumarkt nebenan, wo die Fläschchen neben etlichen Obst- und Gemüsepflanzen und Gartengeräten aufgereiht stehen.

Beschwingt und mit etlichen Flaschen im Gepäck kehren wir am Abend in unser Hotel zurück und wollen nicht so recht glauben, daß morgen schon unser letzter Urlaubstag sein soll ...

Die Nordküste erleben

An unserem letzten Urlaubstag auf Madeira hat sich Silvia nochmal ein ganz besonders schönes Programm für uns ausgedacht. Zuerst fahren wir nach Santana in den Nordosten zur Seilbahn Rocha do Navio. Hier oben an der Bergstation hat man einen atemberaubenden Panoramablick auf das Meer und die unten liegenden Landwirtschaftsflächen - die sogenannten Fajas. Die kleine Seilbahn wurde erbaut, um den örtlichen Landwirten den Zugang zu ihren Feldern zu erleichtern. Bei guter Sicht kann man bis zur Nachbarinsel Porto Santo blicken. Leider ist das Häuschen mit dem Seilbahnverantwortlichen geschlossen, als wir ankommen, und auf einem Zettel steht salopp: "Ich komme gleich wieder". Als nach einer halben Stunde und zwei Telefonaten von Silvia immer noch niemand aufgetaucht ist, um die Seilbahn zu bedienen, beschließen wir, weiter zu fahren, da der Blick von oben bereits spektakulär war.

Im kleinen Sao Vicente an der Nordküste von Madeira halten wir erneut und schauen uns die Pfarrkirche und die kleine Kapelle Capelinha do Calhau an, die 1692 landeinwärts gerichtet in eine Felsnische hinein, inmitten des Ribeiraflusses errichtet wurde. Der Strand ist hier rau und felsig, hohe Wellen türmen sich auf - fast kommt ein wenig Nordseefeeling auf. Wir verweilen auf der Aussichtsterrasse, saugen die salzige Meeresbrise ein und fahren danach weiter nach Ribeira da Janela. Die interessanten Felsformationen im Wasser sehen wir schon von weitem. In einem der Felsen ist ein großes markantes Loch. Auf einen davor liegenden Basaltfelsen kann man hinaufsteigen und den Ausblick aufs Meer genießen. Viele Gäste vor uns haben kleine Steintürmchen am Strand aufgestellt und wir fotografieren eifrig. In der örtlichen Konditorei holen wir uns einen Kaffee und einen Snack und machen uns auf den Weg hinauf in die Berge.

Der Encumeadapaß ist ein 1.007 Meter hoher Übergang zwischen Ribeira Brava im Süden und Sao Vicente im Norden der Insel. Bevor das moderne Straßentunnel fertig gestellt wurde, war er einer der wichtigsten Übergänge vom Südteil der Insel in den Norden. Nach unzähligen Haarnadelkurven erreichen wir das malerische Tal Ribeira Brava, blicken auf riesige Bergspitzen an deren steilen Hängen Dörfer förmlich zu kleben scheinen. Unten im Tal schlängelt sich ein Fluß entlang und ein Berg in Form eines Zuckerhutes erregt ganz besonders unsere Aufmerksamkeit. Hier steigen wir aus und kraxeln steile Stufen hinauf auf eine Aussichtsterrasse. Dieser Ausblick ist wahrlich spektakulär und ein würdiger Abschluß für unsere schöne Reise auf der grünen Insel mit der vielfältigen Flora und Fauna.

Endlose Kurven schlängelt sich unser Cicero den Berg wieder hinunter in Richtung Südküste und am Nachmittag erreichen wir das letzte Mal und angefüllt mit bereichernden Eindrücken unser Hotel.

Am Abend treffen wir uns alle zu einem leckeren Abschiedsessen wieder, lassen die Eindrücke nochmals Revue passieren und genießen unser letztes gemeinsames Essen.

Morgen müssen wir die Insel verlassen, der Urlaub ist leider (viel zu schnell) zu Ende ...

Abschied von der grünen Insel und Heimreise

Die Leipzig-Flieger müssen heute bereits acht Uhr das Hotel verlassen. Die Gäste, die nach Hamburg und Frankfurt fliegen sind klar im Vorteil, sie können ausschlafen und ein ausgedehntes Frühstück genießen. Auf dem Flughafen geht alles zügig, im Nu haben wir unsere Tickets erhalten und die Koffer abgegeben. Pünktlich elf Uhr starten wir und erreichen Leipzig am Nachmittag. Die anderen Gäste fliegen nach Hamburg, Frankfurt und Berlin und kommen etwas später in der Heimat an. Hier trennen sich unsere Wege...


Liebe Reisegäste,
was war das für eine schöne Reise mit Euch! In allen Winkeln der Insel haben wir spektakuläre Ausblicke genossen, dem Wind, Nebel und Regen getrotzt, Madeirawein genossen, Blumen und Pflanzen kennengelernt, von deren Existenz wir vorher noch nicht mal etwas ahnten. Wale haben wir bei unserer Bootsfahrt beobachten dürfen und die fischreiche Inselküche hat uns sehr gut geschmeckt. Ich hoffe, daß Euch die Reise gut gefallen hat, bedanke mich bei Euch für die Harmonie in der Gruppe, die Geduld mit dem Wetter, die Pünktlichkeit und gute Laune an allen Tagen.
Ich wünsche Euch alles Gute und bleibt reisefreudig.
Eure Reisebegleiterin Simone


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