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Wanderungen und Kultur in Siebenbürgen – Aktivreise Rumänien

Reisebericht: 13.05. – 20.05.2026

Umgeben von den Gebirgsketten der Karpaten liegt das Land der sieben Burgen. Früher stets umkämpft, lebten hier deutsche Siedler, die das Land fruchtbar und die Siedlungen standhaft machten.

Gunter Looß

Ein Reisebericht von
Gunter Looß

Klausenburg - Michaeliskirche  – © Gunter Looß (Eberhardt TRAVEL) Blick vom Wehrturm auf Bazna = Baasen – © Gunter Looß (Eberhardt TRAVEL) Die größte Kirchenburg in Biertan – © Gunter Looß (Eberhardt TRAVEL) die wohl älteste Eheberatungsstelle - hier in Biertan – © Gunter Looß (Eberhardt TRAVEL) Der Stundturm in der Oberstadt von Schäßburg – © Gunter Looß (Eberhardt TRAVEL) Weinkeller in Seuca – © Gunter Looß (Eberhardt TRAVEL) Marktplatz in Sibiu – © Gunter Looß (Eberhardt TRAVEL) das Hirtendorf Sibiel – © Gunter Looß (Eberhardt TRAVEL) Kutschfahrt zum Dorf Moeciu – © Gunter Looß (Eberhardt TRAVEL) erhaltenes Stadttor Brasov – © Gunter Looß (Eberhardt TRAVEL) Das Wappen von Kronstadt – © Gunter Looß (Eberhardt TRAVEL) Blick über den Markt von Brasov – © Gunter Looß (Eberhardt TRAVEL)

Flug nach Cluj Napoca – Erkundungen in Bazna

Schon um 04.40 Uhr treffe ich mich mit drei weiteren Wanderfreunden am Infostand im Terminal 1 des Flughafens BER. Nach einer ersten Begrüßung checken wir unser Gepäck ein und passieren den Sicherheitscheck. Am Gate 15 erfolgt das Boarding und so können wir wie geplant um 07.45 Uhr in Richtung Warschau starten. Pünktlich treffen wir dort um 10 Uhr am Gate 5 auf sechs weitere Gäste, die zu unserer Wandergruppe gehören. Von Warschau starten wir um 10.40 Uhr in Richtung Cluj Napoca (Klausenburg) und erreichen unser Ziel nach einer Stunde Flugzeit.
In der Ankunftshalle erwartet uns bereits unser Wander-Reiseleiter für die gesamte Tour. Gyuri (Juri) begrüßt uns mit perfektem Deutsch und bringt uns anschließend zum klimatisierten Reisebus mit 20 Sitzplätzen. Dort lernen wir unseren Fahrer Mirel kennen, der ebenfalls alle 8 Tage für uns da sein wird. Auf einer kleinen Stadtrundfahrt durch Klausenburg, die ca. 300.000 Einwohner hat, lernen wir die beiden großen Universitäten der Stadt kennen. Ihre 33.000 Studenten prägen das Stadtbild im Zentrum. Es ist viel Verkehr und auch O-Busse kreuzen unseren Weg. Unser Reiseleiter Gyuri zeigt uns im Vorbeifahren den Schneiderturm, das Abraham Janku Denkmal sowie die katholische Kirche. Eine seit 8 Jahren im Bau befindliche orthodoxe Kirche im Zentrum der Stadt soll nun endlich fertiggestellt werden.
Viele Plattenbauten der 70-iger Jahre stören die Harmonie der Altstadt. Der Diktator Ceaucescu konnte jedoch den Abriss der Altstadt nicht voll umsetzen.
Nach einem kurzen Stopp an einer Tankstelle verlassen wir um 15.15 Uhr Klausenburg auf einer gut ausgebauten 4-spurigen Straße in südliche Richtung. Wir sehen eine hüglige Landschaft mit kleinen Teichen und Seen. Auch wenn wir unserer Zeit zu Hause eine Stunde voraus sind, hinkt die Vegetation hier gut 2 Wochen hinterher. Die weiten Wiesen der wenig zergliederten und dünn besiedelten Landschaft stehen für die Schaf- und Rinderzucht bereit. Auf den kleinen Feldern zeigen die Keimlinge erstes Grün.
In der Kleinstadt St. Martin verlassen wir die komfortable Landesstraße und schlängeln uns auf einer schmalen Straße nach Bazna, wo wir für zwei Nächte in der Pension "Casa Bazna" übernachten werden.
Um 17 Uhr checken wir ein und erhalten zur Begrüßung ein Glas rumänischen Rotwein - "noroc!".
Nachdem wir uns auf den Zimmern etwas frisch gemacht haben, treffen wir uns zu einer kleinen Wanderung durch den Ort Bazna (Baaßen). Unser Ziel ist die Kirchenburg des Ortes, wo wir eine Führung und ein Orgelkonzert erleben werden. Auf dem Weg durch den Ort erläutert uns Gyuri, dass hier 3.000 Einwohner leben. Die Häuser stehen typischerweise alle mit dem Giebel zur Straße, das Land dahinter (oft nur so breit wie das Haus) war die Ackerfläche, die den Siedlern zur Bearbeitung zugesprochen wurde. An den Giebeln sind immer wieder deutsche Sprüche zu lesen, Kreuze auf dem Dach sollten dem Haus den Segen bringen.
An der Kirchenburg angekommen, empfängt uns Frau Christel Hermann, die in Baasen geboren wurde, in perfektem Deutsch und erzählt uns über ihr Schicksal und ihre Arbeit des Vereins der deutschen Baaßener für den Erhalt der Wehrkirche. Seit 1945, aber besonders nach der Wende 1990, verlassen mehr und mehr Nachkommen deutscher Siedler die Region Siebenbürgen. Die sächsischen Dörfer und die vielen Kirchenburgen verfallen. In Baaßen lebt nur noch ein Deutschsprachiger, sieben Häuser werden noch von Deutschen im Sommer genutzt. Zu den jährlichen Treffen der Deutschen Baaßener kommen noch 300 Menschen nach Bazna, früher waren 700 Gäste angereist.
Bei einem einstündigen Orgelkonzert nur für unsere Gruppe stellt uns eine deutsch sprechende Organistin Stücke aus der Vergangenheit und der Neuzeit vor. Es sind auch Werke von Künstlern aus Siebenbürgen darunter. Die Orgel ist die älteste bespielbare Orgel in Siebenbürgen und wurde 2017 für 14.000 € saniert.
Anschließend führt uns Christel auf den Wehrturm. Wir genießen den freien Blick über die kleine Gemeinde. Christel Herrmann erläutert uns das Werden und Vergehen Ihres Heimatdorfes Baaßen. So wurden hier die erste Erdgasförderung Rumäniens vorgenommen. Dessen Nutzung zum Heizen und Kochen erfolgte zeitnahe in Baaßen. Durch eine fehlerhafte Bohrung entstand ein See und man entdeckte das Heilwasser, sodass Baaßen 1843 ein anerkannter Kurort wurde. Mit der ersten großen Rücksiedlungswelle nach der BRD in den 70/80-iger Jahren verließ auch Christel mit Ihren Eltern das Land, für das Haus bekamen Sie gerade mal 5.000 DM. Nur 2 Koffer pro Person durften sie mit nach Deutschland nehmen. Wir spenden für den Verein und verabschieden uns von den engagierten Deutschen. Es war für uns alle ein beeindruckendes Erlebnis.
Zurück in der Pension erwartet uns schon das Abendessen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde im Anschluss sinken wir müde in unsere Betten.

Fahrt nach Copsa Mare – Wanderung nach Biertan – Schäßburg – Weinverkostung

Nach einem gemeinsamen Frühstück erwartet uns heute ein volles Reiseprogramm.
Um 08.30 Uhr starten wir bei Nebel mit unserem Bus in Richtung der Kleinstadt Medias, wo sich eine der sieben Burgen befand. Während der Fahrt sehen wir schon, dass der Nebel aus den Bergwiesen aufsteigt und die Sonne scheint. Wir fahren bis nach Copsa Mare (Großkopisch) und beginnen da um 09:30 Uhr unsere Wanderung an der dortigen Kirchenburg. Auf dem Weg durch das Dorf besuchen wir den ABC-Laden des Ortes und kaufen Getränke und Snacks für den Tag. Wir wandern ein Stück auf der „Via Transilvanica“. Dieser gut markierte und ausgebaute Wanderweg führt die Wanderer auf 1.400 km durch Siebenbürgen. Unserer Wandergruppe schließen sich auch zwei Hunde des Ortes an. Gemächlichen Schrittes erreichen wir nach ca. 4 km das Ziel unserer heutigen Wanderung. Oberhalb der Ortschaft Biertan kommen wir aus dem Wald und werden mit einem tollen Panoramablick auf den Ort belohnt. Die Häuser Biertans (1.500 Einwohner) schmiegen sich um die im 15. Jahrhundert gebaute Kirchenburg, die wohl die wertvollste Wehrkirche Siebenbürgens ist. Deshalb wurde dieses Bauwerk bereits 1993 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Von den 110 Wehrkirchen, die es in Siebenbürgen gibt, haben 7 Burgen UNESCO-Welterbe-Status, 10 weitere sind gut erhalten, alle anderen sind dem Verfall preisgegeben. Die Wehrkirchen dienten im Mittelalter dem Schutz der Dorfbevölkerung, die sich bei Überfällen monatelang dort verschanzen und verpflegen konnte. Siebenbürger hatten bis 1867 das Privileg, ihre Dorfgemeinschaften und Traditionen zu erhalten, fremde Bevölkerungsgruppen (Ungarn, Sinti und Roma) wurden nicht in die Dorfgemeinschaft aufgenommen. Bis dahin entstanden diese wehrhaften Dörfer Siebenbürgens, die wegen ihrer Einzigartigkeit schützenswert sind. Als das Privileg zu Zeiten der Habsburger wegfiel, mischte sich vielerorts die Bevölkerung. Die Abwanderungswelle in den 70-iger und 80-iger Jahren brachte vielen Ortschaften den Exitus.
Doch heute ist Herrentag und so stoßen die 5 Herren unserer Gruppe erst einmal mit einem kleinen Kräuterlikör an.
Schließlich besichtigen wir die Wehrkirche. Bei einer Kirchenführung erklärt uns ein junger Mann (Stefan) in gutem Deutsch die Bauweise und den Altar des Gotteshauses. Bei einem individuellen Rundgang finde ich die "älteste Eheberatungsstelle" sehr amüsant. Hier wurden "kriselnde Eheleute" so lang zusammen eingeschlossen, bis sie Besserung gelobten. Das alles geschah in einem Raum mit nur einem Bett, einem Löffel, einem Teller und nur einem Stuhl.
Mittags verlassen wir Biertan und reisen weiter nach Schäßburg (1321 erwähnt). Nach kurzer Fahrt erreichen wir die Unterstadt und bummeln durch die quirligen Gassen. Im Anschluss an diese individuelle Mittagspause steigen wir gemeinsam hinauf in die Oberstadt und kommen am Fuße des Stundturmes an. Unser Reiseleiter Gyuri erläutert uns, dass die Holzfiguren des Uhrwerkes nicht nur Tag und Nacht anzeigen, sondern auch die sieben Wochentage darstellen. Auf dem Obermarkt angekommen besuchen wir das Geburtshaus des Fürsten Vlad III., den Sohn des Fürsten Dracul (Angehöriger eines Drachenordens), der also Dracula genannt wurde. Fürst Vlad III bzw. Dracula war ein sehr grausamer, aber auch erfolgreicher Kriegsherr. Er ließ seine Gegner pfählen ("Vlad der Pfähler"), was seine Feinde abschreckte. Das inspirierte einen englischen Schriftsteller im 19. Jahrhundert und er erschuf in seinem Roman die blutrünstige Figur des Vampirs Dracula, der in Transsilvanien sein Unwesen trieb. Leider hat sich auch der Tourismus des Landes dieses Themas angenommen und so kommen jährlich viele Gäste nach Schäßburg und Siebenbürgen.
Im zweigeschossigen Haus erwartet uns ein Gruselkabinett mit Multivisionsshow und dunklen Kammern. Anschließend lockt uns Gyuri hinauf zur Bergkirche. Dazu müssen wir die "Schülertreppe" (175 überdachte Holzstufen) bewältigen und stehen dann leider vor der verschlossenen Kirche. Das ist halt auch Rumänien, wir besichtigen den uralten Friedhof neben der Kirche.
Wir verabreden uns für 14:30 Uhr auf dem Parkplatz in der Unterstadt und reisen mit dem Bus weiter zu einer Weinverkostung. Schon nach kurzer Strecke sind wir auf dem Weingut in Seuca (Dunkeldorf) angekommen. Herr Friedrich Michael Windt (Siebenbürger-Deutscher) begrüßt uns und führt uns durch den Weinkeller. Um 16 Uhr beginnt die Weinverkostung der 3 verschiedenen rumänischen Weine. Dazu wird Käse und Weißbrot gereicht. 90 Minuten später und etwas angeheitert treten wir die "Heimreise" nach Bazna an, wo wir gleich vom Bus in den Pferdeplanwagen umsteigen. Bei einer lustigen Fahrt ins Nachbardorf Bojan singen wir und genießen den Moment. Dort angekommen dürfen wir die Burgkirche des Ortes betreten. Leider ist diese Kirche nicht mehr erhaltenswert, aber dennoch sehr beeindruckend. Ich erklimme den Wehrturm, der aber schon Spuren des Verfalls trägt. Nach einer Rückfahrt bei Abenddämmerung sind wir rechtzeitig zum gemeinsamen Abendessen in der Pension. Gemeinsam sprechen wir noch über das Erlebte und sind dann satt und erschöpft.

Fahrt nach Sibiu – Wanderung ins Hirtendorf Sibiel – Besuch Glasikonen–Museum

Nach dem Frühstück stehen wir mit gepackten Koffern zur Weiterreise bereit.
Um 08.30 Uhr starten wir bei Sonnenschein in Richtung Sibiu (Hermannstadt) Auf der Strecke oberhalb von Medias erblicken wir erstmals die schneebedeckte Bergkette des Forgarasch-Gebirges. Auf der 2,5 - stündigen Fahrt durch Siebenbürgen erzählt uns Gyuri einiges über die Bevölkerung Rumäniens. 94 % der Einwohner besitzen Wohneigentum, es gibt einen gesetzlichen Mindestlohn pro Monat (nicht pro Stunde) und auch Arbeitslosengeld und Sozialhilfe wird gezahlt, wenn auch sehr viel weniger als in Deutschland.
Als wir in die Region Sibiu kommen, erzählt er uns Einzelheiten zur Stadt. Hermannstadt wurde 1211 von Hermann von Nürnberg gegründet, wurde aber gleich wieder durch Wandervölker zerstört. Später wurde die Stadt immer mehr befestigt. So gibt es heute 3 Ringmauern um die Stadt. Sibiu war dreimal die Hauptstadt Siebenbürgens. Mit den Habsburgern verlor Sibiu 1867 das Privileg dazu. Es gibt in Hermannstadt deutsche Kitas, Schulen und eine deutsche Universität. Es existiert eine deutsche Tageszeitung und eine parlamentarisch wirksame deutsche Community. Der Ex-Bürgermeister von Hermannstadt, Klaus Iohannis, war von 2014 bis 2025 Präsident von Rumänien und wohnt noch immer in Sibiu. Wir stoppen taktisch an einer Raststätte in einem Gewerbegebiet vor Sibiu und sind wenig später auf dem Parkplatz vor der Stadtmauer.
Gemeinsam durchschreiten wir das Stadttor der ersten Stadtmauer und gelangen nach wenigen Schritten zu einer weiteren Stadtbefestigung. Hier stoppen wir am Armbrusterturm. Durch eine kleine Gasse gelangen wir zum "großen Ring", dem Marktplatz mit historischem Rathaus. Hier löse ich mich von der Gruppe und besuche den "Grünen Wochenmarkt", der hier jeden Freitag typische Produkte aus Hermannstadt anbietet. Für ein Überraschungspicknick kaufe ich Hermannstädter Salami, Hermannstädter Brot (dunkles Kastenbrot), den typischen Burduf (würziger Schafskäse) und natürlich etwas Wein aus der Region ein. Gerade als ich fertig bin, treffe ich unsere Gruppe wieder. Die hat inzwischen die Sehenswürdigkeiten der Stadt kennengelernt. Gut, dass ich die "Lügenbrücke" nicht betreten habe. Denn die Legende besagt, dass die Brücke zusammenbricht, wenn ein Lügner darüber geht. Man weiß ja nie!
Gemeinsam schauen wir uns noch die orthodoxe Kirche der Stadt an und haben anschließend noch etwas Freizeit für einen individuellen Stadtbummel. Unser Reiseleiter und ich bereiten in der Zeit das Gruppenpicknick am Ambrusterturm vor. Die Freude ist groß, als alle Gäste gemeinsam die frischen Köstlichkeiten vom "Grünen Markt" probieren können. Wir stoßen auf eine schöne Reise an und gehen anschließend gemeinsam zum Bus.
Um 14 Uhr sind wir schon wieder unterwegs und verlassen Sibiu in westliche Richtung, vorbei am Flughafen. Wieder grüßen uns die weißen Gipfel des Fogarasch-Gebirges aus der Ferne. Die Gegend wird bergiger, die bewaldeten Berge gehören zu den Vorkarpaten.
Wir verlassen die Hauptstraße in südliche Richtung und erreichen nach 30 Minuten unsere Ausstiegsstelle vor dem kleinen Hirtendorf Sibiel. Bergauf wandern wir in den Vorkarpaten durch das Dorf hinauf zur Bergkuppe und wieder zurück zur Kirche in der Ortsmitte. Neben ihr befindet sich das Glasikonen-Museum. Eine ältere Dame begrüßt uns am Eingang und erläutert auf Rumänisch den Werdegang und die Ausstellungsstücke des Museums. Gyuri übersetzt für uns ins Deutsche. Für jedes Ausstellungsstück kann man einen QR-Code scannen, der dann alle Details auch in Deutsch aufs Smartphone zaubert. Nach dem individuellen Rundgang wird uns noch die orthodoxe Dorfkirche gezeigt, heute wieder in der ursprünglich dunklen Wand- und Deckenbemalung. Frühere Dorfbewohner wünschten sich eine hellere Kirche und übertünchten die kunstvoll bemalten Wände mit Kalk. Bei einem Spaziergang durch den Ort treffen wir auch in diesem kleinen Ort auf ein Lebensmittelgeschäft und kaufen Snacks und Getränke. Zu Fuß erreichen wir die familiengeführte Pension "La Nana" und checken um 16:45 Uhr für eine Nacht ein.
Vor dem gemeinsamen Abendessen treffen wir uns, um über den morgigen Tag zu sprechen. Gyuri war selbst vor 2 Wochen im Fogarasch-Gebirge um die Wege zu testen. Wegen des Schnees wird er nur bergauf wandern (4 h und 1.000 Höhenmeter) und mit der Seilbahn hinunterfahren. Nur zwei Mutige wollen das so machen. Ich biete mich an, mit dem Rest der Gruppe die Wanderung zum Wasserfall und zurück zu machen und anschließend mit der Seilbahn hoch und wieder herunter zu fahren. So ist nun der Plan für morgen, wenn das Wetter mitspielt.
Zu unserem Abendessen werden (außer dem Reis) nur Produkte aus eigenem Anbau gereicht. Vorher gibt es einen selbstgebrannten Pflaumenschnaps zur Begrüßung. Da auch von dem selbst gemachten Wein und Schnaps genügend vorhanden ist, wird es ein recht geselliger Abend.

Wanderung im Fogarasch–Gebirge und Fahrt nach Predal

Im Hirtendorf Sibiel werden wir mit dem ersten Hahnenschrei geweckt. Nach dem gesunden Frühstück, bestehend aus den Produkten des Hofes, werden unsere Koffer im Bus verladen und wir starten um 08.30 Uhr zunächst wieder in Richtung Hermannstadt. Von da geht die Reise weiter nach Süden in Richtung Predal, wo wir drei Nächte im Hotel Piemonte übernachten werden.
Das Wetter ist klar und sonnig und die weiße Bergkette des Fogarasch-Gebirges kommt immer näher.
Nach einem taktischen Stopp an einer Tankstelle schlängeln wir uns die Serpentinen der Fogarasch-Passstraße empor bis zur Talstation der Seilbahn. Ab hier bleibt auch die beliebte Passstraße, der Transfogarascher Pass, noch bis Mitte Juni geschlossen.
Wir verlassen den Bus und gehen ein Stück zur Talstation der Gondelbahn.
Unser Wanderführer Gyuri wandert mit vier Mutigen zum Gipfel, müssen aber wegen aufziehender Gewitterwolken auf halber Strecke umkehren.
Wegen der klaren Sicht fahre ich um 10:45 Uhr mit der restlichen Wandergruppe (8 Personen) zuerst mit der Seilbahn zum Balea-Lac, dem zugefrorenen Bergsee in 2.040 m Höhe. Oben angekommen erwartet uns eine Winterlandschaft mit Eis und Tiefschnee. Wir kehren in der Bergbaude ein, um uns etwas zu stärken und aufzuwärmen. Später erklimmen wir noch das Gipfelkreuz der Hochebene und versinken knietief im Tiefschnee. Nach 1,5 Stunden fahren wir mit der Gondel zurück ins Tal. Während der fast 30-minütigen Abfahrt genießen wir die tolle Fernsicht und blicken auch auf die tief verschneite Passstraße zurück.
Unten angekommen starten wir bei schönstem Sonnenschein unsere eigentliche Wanderung zum Wasserfall "Balea Cascada", den wir schon vom Lift aus gesehen haben. Auf dem rot markierten Weg geht es zunächst gemächlich bergauf, aber der Aufstieg zum Wasserfall wird immer beschwerlicher. Auf den letzten 200 m benötigen wir auch die Hände, um den Aufstieg über Stock und Stein zu bewältigen. Umso mehr freuen wir uns, dass wir gemeinsam nach 1,5 Stunden das Ziel erreichen konnten. Ich und auch andere Wanderfreunde testen das Wasser des rauschenden Gebirgsbaches mit unseren nackten Füßen. Noch ein paar Fotos und eine kleine Rast, dann müssen wir uns auf den Rückweg begeben. Nach einer Stunde und Gott sei Dank ohne Zwischenfälle erreichen wir wieder die Talstation, wo wir auch unseren Reiseleiter mit der kleinen Wandergruppe treffen. Gemeinsam kehren wir in ein Café ein und tauschen unsere Erlebnisse aus.
Um 15.45 Uhr sind wir am Busparkplatz und starten unsere Fahrt nach Predal.
Ein Hinweisschild am Parkplatz weist darauf hin, dass man Bären keinesfalls füttern darf und tatsächlich sehen wir nach kurzer Fahrt einen jungen Bären am Straßenrand. Wo das Junge ist, ist die Bärin nicht weit weg, mein Gyuri und wir bleiben natürlich im Bus sitzen. Langsam fährt unser Bus die Serpentinen zurück ins Tal und bringt uns durch eine bergige Landschaft. Wir verlassen Siebenbürgen und sind nun in der „Walachei“ unterwegs. Rechts erblicken wir das Gebirgsmassiv "Bucegi" mit seinem Gipfel "Omu" (2.505 m). Nach 3 Stunden kommen wir im Wintersportort Predal an und checken für drei Nächte im Hotel Piemonte ein.
Nach dem Abendessenbuffet um 19:30 Uhr kann man noch für paar Schritte in die Stadt gehen oder man hat genug für den Tag und geht schlafen.

Schloss Peles und Kloster in Sinaia – Schloss Bran – Kutschfahrt nach Moieciu

Nach unserem gemeinsamen Frühstück treffen wir uns ohne Gepäck, aber mit Regensachen zur Abfahrt nach Sinaia. Auf der kurzen Fahrt durch den Regen erläutert uns unser Reiseleiter Gyuri, dass nach dem Zusammenfall des osmanischen Reiches ein unabhängiger Monarch in Rumänien eingesetzt werden sollte. So wurde 1867 Karl I., ein deutscher Adliger von Hohenzollern, ins Land gerufen und zum König von Rumänien gekrönt. Königin Elisabeth (auch Schriftstellerin und Malerin) ließ die Sommerresidenz in Sinaia - 160 Zimmer mit Zentralheizung und Elektrizität - errichten. Das Schlosses Peleș ist heute wieder in königlichem Besitz, denn die Rückübertragung erfolgte nach der Wende 1990.
Auf der 2-stündigen Besichtigung des Schlosses werden wir durch die kunstvoll ausgestatteten Gemächer der königlichen Familie geführt, die sich in drei Etagen um das lichtdurchflutete, edle Treppenhaus/Empfangshalle anordnen. Anschließend kehren wir wegen des Regens in ein Café am Schlosspark ein. Aber mittags ist der Regen vorbei und so gehen wir gemeinsam durch den schönen Schlosspark, um ein Foto der Sommerresidenz zu machen. Weiter bergab erreichen wir schließlich das Kloster in Sinaia, welches wir ebenfalls kurz besichtigen.
Um 13:00 Uhr holt uns unser Bus ab und unser Fahrer bringt uns in die Touristenstadt Bran, wo wir um 14:30 Uhr ankommen. Nach einem kleinen Bummel durch die Läden und Stände der Stadt verabreden wir uns am Einlass zum Schloss Bran, welches wir gemeinsam besuchen werden. Das Schloss selbst ist ein imposantes Bauwerk, welches 1377 von den Kronstädter Sachsen auf einem Felsen am Eingang des Tales errichtet wurde und so strategisch Schutz vor Feinden bot. Heute wird es wegen der Dracula-Geschichte eines englischen Schriftstellers als "must see" vermarktet und die Touristen strömen zu Hauf, um die pittoreske Törzburg zu sehen. Wir schauen uns die kleinen Kammern und Türmchen an und genießen den Blick vom oben über das Tal. Der Rummel um den Fürst Dracula erscheint mir etwas übertrieben, zumal die historische Figur "Vlad der Pfähler" nie in diesem Schloss gewohnt hat.
Um 16 Uhr reisen wir mit dem Bus weiter ins nahegelegene Dorf Moeciu, wo wir am Ortseingang auf zwei Pferdekutschen aufgeteilt werden.
Ich sitze vorn beim Kutscher, der mir die Zügel gibt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kann mich mein Pferd "Lory" zum Ziel, eine Gastwirtschaft, führen, obwohl ich den Eindruck hatte, dass "Lory" auch ohne mich den Weg gefunden hätte.
Angekommen im Landhaus „Crăiasa Munților“ in Moeciu bekommen wir ein typisch rumänisches Abendessen und wieder rumänischen Wein. Satt und beschwingt steigen wir um 20:00 Uhr in unseren Bus ein, der uns nach einer Stunde Fahrt zurück zum Hotel Piemonte nach Predal bringt. Wieder ist ein Tag voller Erlebnisse zu Ende.

Brasov/Kronstadt mit Stadtrundgang – Wanderung im Skigebiet Poiana Brasov

Manuela und Ronny feiern heute Silberhochzeit, deshalb treffen wir uns vor dem Frühstück in der Lobby zum Sekt. Wir singen den beiden ein Ständchen und übergeben ein kleines Präsent.
Nach dem Frühstück starten wir dann um 09.30 Uhr unsere Reise nach Brasov. Nach kurzer Fahrt erreichen wir Kronstadt und der weiße Schriftzug "BRASOV" ist am Hausberg "Zinne" von weit her sichtbar.
Unser Stadtrundgang beginnt am Busbahnhof neben der Bibliothek und führt uns zum Markt von Brasov mit dem historischen Rathaus, das mit seinem Uhrenturm eher wie eine Kirche aussieht. Dennoch wurde von hier 500 Jahre lang Kronstadt regiert, heute beherbergt das Gebäude ein Museum. Wir schlendern weiter zur 2 m dicken Stadtmauer und durchschreiten eines der Stadttore zur verwinkelten Altstadt. Vor unserer Mittagspause besichtigen wir eine kleine orthodoxe Kirche und treffen uns um 12:30 Uhr vor der "Schwarzen Kirche", die wir gemeinsam besuchen werden. Schwarz ist die gotische Kirche nach der Sanierung heute nicht mehr, aber sie wäre bei einem verheerenden Stadtbrand 1689 fast abgebrannt und bekam so ihren Namen.
Zurück am Ausgangspunkt unseres Stadtrundganges bringt uns unser Fahrer hinauf in das Skigebiet nach Poiana Brașov (Schulerau). Vom Busparkplatz laufen wir zur Talstation der Gondelbahn. Von da bringt uns der Lift bis in 1.712 m Höhe. Die letzten Höhenmeter steigen und klettern wir hinauf zum Postavaru-Gipfel (1.799 m). Von ganz oben genießen wir den Ausblick und die gute Fernsicht. Auf unserem Weg zurück zur Talstation wandern wir über 3 Stunden auf der blauen Skipiste und finden immer wieder fantastische Fotomotive von Landschaft und Natur. Im Skiort Poiana Brasov angekommen kehren wir in eine "Skibaude" ein und genehmigen uns ein Erfrischungsgetränk, bevor wir die Heimreise nach Predal antreten.
Zurück im Hotel Piemonte erwartet uns das Abendessen. Anschließend sitzen wir noch in der Runde zusammen und genießen den Abend.

Bärenreservat Zărnești – Fahrt nach Bukarest

Nach dem Frühstück müssen wir uns mit gepackten Koffern um 08.30 Uhr zur Abfahrt bereithalten, denn die letzte Station unserer Reise ist Bukarest.
Aber vorher besuchen wir das Bärenreservat Zărnești, welches wir nach kurzer Fahrt erreichen. Gemeinsam mit vielen anderen Touristen werden wir durch einen englisch sprechenden Guide über die weitläufige Anlage geführt. Hier leben zurzeit ca. 80 Braunbären, die aus problematischen Verhältnissen gerettet wurden. Dieses Projekt, welches durch eine Stiftung und Spenden finanziert wird, ist das größte Bärenschutzgebiet Europas. Der Guide erläutert uns an Beispielen die Vergangenheit der Zirkus-, Zoo- und Tanzbären und den mühevollen Weg der Therapie. Ziel ist die Auswilderung der Bären, was aber nicht bei jedem Tier möglich ist.
Um 11.00 Uhr reisen wir von hier weiter nach Bukarest und kommen zurück nach Predal. Das frische Grün der Laubbäume im Frühjahr mischt sich mit dem Dunkelgrün der Nadelbäume. Der Wintersportort Busteni wird rechts durch eine hohe Bergkette überragt, die dem Ort das Sonnenlicht versagt. Nochmals gelangen wir nach Sinaia. Weiter nach Süden wird das Land flacher und dichter besiedelt. Vor den Toren der Hauptstadt legen wir noch einmal eine kleine Rast ein, bevor wir zur Zeit des Berufsverkehrs in das Getümmel der Metropole eintauchen.
Auf einer vierspurigen Magistrale fahren wir um einen Triumphbogen herum. Der sozialistische Staatsführer Ceausescu wollte es Paris gleich machen und ließ diese Straße wie die Champs-Elysées errichten. An dieser Straße befindet sich das beeindruckende Freilichtmuseum "Muzeul Satului", ein Dorfmuseum, wo ca. 300 alte Bauernhäuser, Kirchen, Mühlen und Brunnen aus den verschiedenen Regionen Rumäniens abgetragen und hier wieder aufgebaut wurden. Wir besuchen das parkähnlich angelegte Museum für eine Stunde.
Anschließend führt uns unsere kleine Stadtrundfahrt weiter zum Funkhaus aus den 50-iger Jahren und zum heutigen Parlamentspalast, wo wir aussteigen. Ceausescu ließ 20.000 Arbeiter fünf Jahre an diesem Prunkbau arbeiten, erlebte aber die Fertigstellung im Jahr 1990 nicht.
Auf der Weiterfahrt gelangen wir zur Nationalen Kathedrale. Sie wird nach der Fertigstellung 2027 die größte orthodoxe Kirche der Welt sein.
Weiter sehen wir den Präsidentenpalast, Botanischen Garten und das nie fertiggestellte Radiogebäude im Zentrum der Stadt. Der riesige Betonklotz kann wegen der hohen Kosten nicht abgerissen werden und bleibt so als "Lost Place" im Herzen Bukarests stehen.
Überhaupt gibt es in Bukarest neben schmucken Bauten auch viele verfallene Häuser. Unser Reiseleiter Gyuri erklärt uns, dass es hier 1977 ein schweres Erdbeben gab und seitdem nur noch erdbebensicher gebaut wird. Alle Altbauten wurden kategorisiert, erhaltungswürdige Häuser werden oder wurden saniert, baufällige Häuser erhalten keine Baugenehmigung oder Förderung.
Um 17.15 Uhr erreichen wir unser Hotel "Minerva" und checken ein.
Bereits um 18.30 Uhr beginnt unsere Fahrt ins Zentrum Bukarests, wo wir an einem Prachtbau der Bukarester Bank aussteigen. Von hier beginnt unser Abendspaziergang durch die Fußgängerzone von Bukarest. Wir laufen auf der "Leipziger Straße" weiter und erleben das quirlige Stadtleben der Menschen vor den Cafés und Restaurants. Schließlich kommen wir an der ehemaligen Karawanserei "Hanul lui Manuc" an, wo für unsere Gruppe ab 19:30 Uhr ein feierliches Abendessen mit Folkloreprogramm reserviert ist. Wir werden zu 2 Tischen geleitet, die sich in unmittelbarer Nähe zur Musikgruppe und der Tanzfläche befinden. Das sehr schmackhafte 3-Gang-Menü wird durch die rumänischen Musiker und den Sänger musikalisch umrahmt, die Tänzerinnen und Tänzer versüßten uns den Wein. Fröhlich und beschwingt verlassen wir den Gasthof und sehen im "Biergarten" der Karawanserei das tobende Nachtleben Bukarests.
Da unser Busfahrer "Mirel" ein Bukarester ist, lädt er uns zu einer nächtlichen Lichterfahrt durch seine Heimatstadt ein. Nach einer Stunde Fahrt lassen wir uns an einem Restaurant absetzen, wo wir bei einem "Absacker" auf eine gelungene Reise und eine glückliche Heimkehr anstoßen.
Nach einer Stunde holt uns Mirel ab und bringt uns sicher zurück ins Hotel.

Rückflug nach Deutschland

Ein letztes gemeinsames Frühstück planen wir um 08:00 Uhr, dann heißt es Koffer packen. Wegen der Verkehrssituation in und um Bukarest vereinbaren wir die Abfahrt um 09:30 Uhr und sind doch schon eine Stunde später am Flughafen.
Wir verabschieden uns von unserem netten Busfahrer Mirel und unserem engagierten Reise- und Wanderführer Gyuri, dann stehen wir an der Anzeigetafel. Der Lufthansa-Flug für drei Damen wird schon angezeigt und so verabschieden wir uns auch von ihnen.
Für unseren Flug mit der polnischen Gesellschaft LOT müssen wir uns bis 12.40 Uhr gedulden, ehe dann die Schalter 92 – 95 zur Abfertigung bereitstehen.
Trotz dem etwas verspäteten Start erreichen wir Warschau pünktlich. Da wir neun Verbliebenen von hier nun in drei verschiedene Richtungen fliegen, verabschieden wir uns alle herzlich und ich gehe mit noch 3 weiteren Wanderfreunden zum Gate 42. Dort dürfen wir 16:30 Uhr an Bord und starten mit etwas Verspätung nach Berlin BER.
Berlin erreichen wir pünktlich um 18:20 Uhr und schon liegen wir uns ein letztes Mal in den Armen.


Ich durfte eine wunderschöne Wanderreise durch die geschichtsträchtige Region Siebenbürgen begleiten. Das Land und die Geschichte wurden von fleißigen Auswanderern Deutschlands geprägt. Diese Wanderreise wurde durch die Reisemacher von Eberhardt-Travel und die rumänische Partneragentur entwickelt. Unser engagierter Reise- und Wanderleiter Gyuri und der Busfahrer Mirel führten diese Reise mit uns durch, das Wetter hat uns dabei unterstützt. Gelungen ist diese Reise aber erst durch die liebe und nette Art der teilnehmenden Wanderfreunde. Ich möchte mich recht herzlich bei Euch allen für die gute Stimmung und das wirklich tolle Gruppengefühl bedanken. Über ein Wiedersehen auf der einen oder anderen (Wander-)Reise würde ich mich sehr freuen.


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