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Rumänien – eine wahre Schatzgrube

Reisebericht: 05.06. – 14.06.2026

Ein reiches Land mit wunderschönen Landschaften, kostbaren Klöstern, gepflegten Städten und alten Häuserzeilen – Rumänien verlassen wir mit neuen Eindrücken.

Vivian Kreft

Ein Reisebericht von
Vivian Kreft

Bukarest, Freilichtmuseum – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Bukarest, im Parlamentspalast – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Bukarest, auch an der Prachtstraße ist nicht alles Pracht.  – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Sinaia, Schloss Peles, der türkische Salon – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Sibiu, die Lügenbrücke – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Făgăraș, die Festung – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Storchennester noch und nöcher – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Bran, Innenhof des Schlosses – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Bran, wir sind nicht alleine. – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Sighisoara, eine historische Altstadt ohne Autos! – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Sighisoara, hier weiß man gleich, woran man ist. – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL) Vatra Moldoviței, das Wetter ist schön, überall wird Heu gemacht.  – © Vivian Kreft (Eberhardt TRAVEL)

Flug nach Bukarest – Stadtbesichtigung und Folklore–Abend

Anreisetage sind immer besonders. In aller Herrgottsfrühe steht man auf, schließt den Koffer, überlegt sich dann, beim Rausgehen, auf dem Weg, ob man noch etwas vergessen haben könnte. In Frankfurt strömen alle zusammen, die Reisegruppe formiert sich. Man setzt sich willig in den Flieger, hat vielleicht noch etwas in der Tubberware dabei – und kommt an.

Vergessen hat man nichts, das hat man auf der Reise mittlerweile abgeklärt. Und jetzt kann man sich nur noch überlassen – dem Reiseleiter Peter, der uns am Flughafen abholt, dem Reiseverlauf, der Reisegesellschaft, den Erlebnissen.

Und die sind stark. Wir nähern uns diesen langsam an und besuchen zunächst ein Freilichtmuseum. 363 Bauernhäuser, Mühlen, Werkstätten aus verschiedenen Regionen des Landes sind hier – 1936 – wieder aufgestellt worden. Und wir sehen, dass entweder Schnitzereien oder Farbe die Häuser zur Geltung bringen: die schön gestalteten Torbögen, die bemalten Türen und Fensterläden.
Obgleich es Nachmittag ist, überfluten Schulklassen gegen 15 Uhr das Gelände. Sie laufen von einem Haus zum anderen, um sich gegenseitig etwas zu zeigen.
Wir fahren ins Hotel, halten Zimmerstunde, um dann erfrischt wieder in den Bus zu klettern für den zweiten Teil des Tages.

Bukarest wirkt wie eine gealterte Diva; wie schön und prachtvoll diese Stadt einmal gewesen ist. Eine glanzvolle Zeit. Genug Geld war da, um sich Villen und Residenzen zu bauen, das Kapital drängte in die Stadt, große Versicherungen und Bankenhäuser künden davon. Die Rumänen waren ein sehr offenes Volk und luden sich nicht nur einen deutschen Herrscher ein, der sie mit den deutschen Tugenden regieren möge. Für den Bau ihre Hauptstadt orientierten sie sich an Paris und ließen französische Architekten kommen. Unter Marketingaspekten ein guter Schachzug, denn die Stadt hatte Flair, wirkte anziehend, band weitere Handelshäuser, Kaufleute und Investoren an sich – bis der Zweite Weltkrieg einen Schnitt machte.

Wir fahren die Victoriei Straße hinunter, vorbei am Konzerthaus, dessen Rundbau die ursprüngliche Bestimmung eines Zirkus deutlich zeigt. Am Königschloss steigen wir kurz aus, gegenüber das Ministerium, von dessen Balkon Ceaucescu seine letzte Reder hielt; er versuchte es, kam jedoch nicht zu Wort, da die Menge ihn niederschrie.

Am Sparkassenpalast steigen wir aus, auf dem eine mächtige Glas-Stahlkuppel sitzt, dann laufen wir durch eine Fußgängerzone zur Stavropoleos-Kirche, einer kleinen Basilika im Brâncoveanu-Stil, hinter der sich ein idyllischer mediterran wirkender Hof erstreckt.
Wir kommen an der Universität vorbei und begegnen der Kapitolinischen Wölfin, die den Stolz der Rumänen ausdrückt, dass die Römer im Land waren, um dieses zu besiedeln. Die Skulptur finden wir entlang unserer Reise noch in einige Städten.

Wir flanieren am Punkt 0 vorbei, der zunächst nur bizarr erscheint. Doch auf unserer Reise kommen wir an unzähligen Kilometersteinen vorbei, die die Entfernung zur nächsten Stadt angeben. Und darüber – weiße Zahl in rotem Feld – steht die Entfernung zum Nullpunkt, an dem wir vorbeigelaufen sind. So wird überall im Land der Bezug zur Hauptstadt hergestellt durch die Angabe der Distanz.

Die Stadt ist auffallend jung. Montag bis Freitag ist die Stadt voller, Bandita schätzt die Zahl auf drei Millionen, da werktags viele hier Arbeit suchen. Und er schätzt, dass zehn Millionen Rumänen im Ausland arbeiten, so dass die Einwohnerzahl von 20 Millionen schwankt. Ob so oder so, die Menschen verteilen sich gut, es gibt genug Platz für alle.

Ein „Han“ ist unser Ziel für den Abend. Das türkische Wort umschreibt ein Gasthaus, eine Herberge, Karawanserei. Sechs dieser Höfe gibt es noch, die früher wichtige Ausspannstationen für die Händler waren. Der große Innenhof ist ein Biergarten, voller fröhlicher Menschen.

Was für ein Tag: Kaum angekommen, haben wir im Freilichtmuseum die verschiedenen rumänischen Regionen kennengelernt, sind durch Bukarest gefahren und gelaufen, was uns hat staunen machen. Und haben in einer früheren Pferdewechselstation noch einen netten, flotten Folkloreabend erlebt. Das war der erste Tag.

Der Parlamentspalast – Schloss Peles

Und dann ist man da. Steht davor, steht drin. Schon auf vielen Fotos gesehen, womöglich in Berichten gelesen, sei es aus der Zeitung, im Reiseführer, irgendwie bekannt und doch unbekannt.
Und dann stehen wir an diesem Morgen in dem Parlamentspalast, einem der größten Paläste der Welt. 5.000 Zimmer, die letzte Besenkammer mitgezählt, 15.000 Kristalllüster, ein Teppich von 2.200 m², dieses Gebäude wird immer mit Zahlen umschrieben – unvorstellbar, monströs – und steht doch eigentlich recht ansehnlich da. Sieben Geschosse, sehr hübsch gegliedert. Wenn alle Energiesparlampen der 15.000 Kristalllüster angeschaltet sind, verbrauchen sie ein Viertel des Stroms der Hauptstadt Bukarest. Doch muss man sie denn alle zum Leuchten bringen? Und ja, der Unterhalt dieses Dinosauriers verschlingt eine Million Euro im Monat. Doch der Abriss, den man nach dem Tod Ceauşescu überlegt hatte, wäre viel teurer gekommen als die Fertigstellung. Und welche Geschichte hätte man dann erzählen können?
Angebot unserer sehr versierten Führerin: hier zu heiraten, eine tolle Party zu feiern, ein Jubiläum oder einfach „so“, für 1.200 Euro ein Saal. Und der Event wird unvergesslich für jeden, der dabei sein durfte.

Es ist einfach eine tolle Geschichte dieses schönen Ungetüms: An der Ausschreibung nahmen 200 Architekturbüros teil. Bedingung: Sie mussten aus Rumänien stammen. Die 32-jährige Architektin Anca Petrescu (1949 – 2013) bekam diesen gewaltigen Auftrag, auch unter Architekten ein bisher unbeschriebenes Blatt. Vielleicht war der Auftrag vom Dornröschenschloss der Kindheit gar nicht so weit entfernt. Mach es einfach größer – von S auf XXX…L.
1980 bekam sie den Zuschlag und dann dauerte es vier Jahre, das Gelände zu „beräumen“. Denn hier war Stadt, gelebte Stadtgeschichte, mit einer Synagoge, 12 Kirchen, Gassen und Straßen, alten Häusern und 57.000 Familien, für die das Viertel Heimat war. Die Menschen wurden umgesiedelt, ihr Zuhause abgerissen, eingeebnet. Bauzeit von 1984 bis 1989 mit 20.000 Arbeitern, die meisten davon Soldaten, 24/7 – sprich rund um die Uhr.
400 Architekten und Ingenieure unter Federführung einer jungen Frau, die mit ihrem Stab in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber stand und stetig darlegte, wie jeder Raum geplant und ausgestattet werden sollte. Mithilfe von 50.000 handgezeichneten Plänen, Computer gab es damals noch nicht.

Heute arbeiten hier die beiden Kammern des Parlaments, der Senat und das Abgeordnetenhaus. Wir sitzen im Plenarsaal der Senatoren, dem letzten der drei Räume, die wir auf unserer Tour sehen.
Als der Erbauer und Diktator Ceauşescu im Dezember 1989 hingerichtet worden war, war sein Palast zu 70 Prozent fertig. Abreißen wäre teurer gekommen und so baute man tapfer weiter und vervollständigte die Inneneinrichtung mit den besten Materialien, die Rumänien hatte. Die prächtige Glaskuppel, unter der wir sitzen, kam zum Schluss, woraufhin der Kran mit einem Hubschrauber aus dem Innenhof geflogen wurde. Den grünen Marmor der Wandverkleidung hat Saddam Hussein seinem „lieben Freund“ geschenkt. 1996 war der Koloss fertig. 400.000 Tonnen, erdbebensicher gebaut bis zu einer Richterskala von 9. Neun Geschosse über der Erde, neun Geschosse unter der Erde. Kostenpunkt? 3,2 Milliarden Euro. Bezahlt von einem Land, das dadurch zum Armenhaus wurde und das doch so reich ist an Bodenschätzen und Landwirtschaft, doch ausgeblutet von Politikern, die allein auf ihren Vorteil bedacht waren.

Wir müssen uns das noch einmal von außen angucken und machen einen Fotostopp auf der Mittelachse, dort, wo der Boulevard der Einheit auf das Gebäude zuführt. Auf dem breiten Mittelstreifen sind auf mehrere Wasserbecken Springbrunnen verteilt, 41 an der Zahl, die für die rumänischen Regionen stehen. Sie machen ihrem Namen alle Ehre und springen immer wieder munter in die Höhe, sodass sie bei einem Springbrunnen-Wettbewerb – so etwas gibt es!? – 2025 den ersten Preis gewonnen haben.
Künstlich springendes Wasser über einem Gebiet, das über Jahrhunderte gewachsen ist, von Menschen besiedelt, die kamen und gingen und der nächsten Generation etwas hinterlassen haben, um ein Zuhause zu haben, ihr Leben zu gestalten. – Abgeräumt von einem Despoten, der Menschen zu Marionetten machte und der dann selbst handstreichartig abgeräumt wurde.

Wir lassen Bukarest hinter uns und fahren Richtung Karpaten. Auf dem Weg durch die Stadt fallen die vielen gepflegten Grünflächen auf, die Verkehrsinseln, die Seitenstreifen. Bepflanzt mit Rosen, Gräsern, der prächtigen Palmlilie mit ihren weißen Blütenrispen, die sich stolz aus ihrem lanzettförmigen Blätterwerk hervorrecken.

Das Bukarest der Gegenwart haben wir in bester Erinnerung. Die Stadt lädt zum Flanieren und Entdecken ein, sie ist quirlig, jung, und verführt, hier und dorthin zu laufen. Auch mit dem Rad kann man sich trauen, denn die vielen Radwege sind gut gekennzeichnet und sogar abgegrenzt vom Straßenverkehr. Good bye, Du Diva, die Du uns in so kurzer Zeit bezirzt hast. Du wirst ganz sicher einige von uns wiedersehen.

Nun also in die Karpaten. Zunächst über flaches Land, zu beiden Seiten Ackerbau. Tomaten, Zwiebeln, Kartoffeln, Aprikosen, gar Melonen werden an der Straße feilgeboten. Dann wird es waldig, es geht in die Höhe.

Auf dieser Reise erfahren wir vom Reichtum des Landes: Dacia, Ford und Autozulieferer, Erdöl, Erdgas, Maschinenbau, sogar zwei Uranminen. 50 Prozent der Wasserquellen Europas entspringen in Rumänien, so dass Coca Cola und Evian sich eingekauft haben und den Wasserreichtum ihrem Geschäftsmodell zuschlagen. Rumänien hat die größten Sonnenblumenfelder Europas, um daraus Sonnenblumenöl zu pressen. Leider geht durch diese Monokultur viel Biodiversität auf den Feldern verloren. Insekten, Schmetterlinge, Vögel, Bodenkriecher finden das nicht so gut.

Die Karpaten sind ein beliebtes Ski- und Wandergebiet und bei unserer Fahrt durch Sinaia sehen wir beim Vorbeifahren eine Übersicht über die Wanderregion im Sommer und Skipisten im Winter. Doch es wird schnell klar, dass der Ort seine beste Zeit hinter sich hat und ein neuer Plan entwickelt, eine neue Geschichte erzählt werden muss, um die hübschen Häuser mit heruntergekommener Fassade, eingefallenem Dach, die geschlossenen Hotels vor dem Verfall zu retten. Mit Schneekanonen wird das nicht gelingen.

Wie erfindungsreich war man früher: Sinaia bekam seinen Namen durch ein Kloster, das nach einer Pilgerreise des Adligen Mihail Cantacuzino auf den Berg Sinai von ihm genau hier erbaut worden ist. Und siehe da – dieses Bauwerk wurde zum Hot Spot und zog andere Hochnoble in diese Gegend. So König Carol I., der sich unweit eine Sommerresidenz erbauen ließ, die wir besichtigen.

Schloss Peles hat einen schönen Standort – in einem weiten Wiesental, hell und luftig. Einzelne Fachwerkbauten entlang der Straße kündigen das Schloss, zu dem wir laufen. Über 100 Räume hat der königliche Wohnsitz, der recht zierlich aussieht. Hier laufen wir treppauf, treppab, geführt von einer Kordel, die eine gute Führungslinie bildet. Eingangsbereich, Empfangshalle, die alle Stockwerke durchmisst und von einem Glasdach überspannt wird. Waffensaal, Bibliothek, Musik- und Lesesaal, Konzertsaal mit einer Orgel, die von zwei Räumen aus bespielt werden kann. Maurischer Salon, Türkischer Salon, Französische Galerie, Ankleideraum, Schlafzimmer, Badezimmer, mehrere Gästezimmer… Die Kunstfertigkeit ist meisterlich. Aus Wien, Mainz, gar aus Florenz, aus vielen anderen Städten stammen die Handwerker für Paneele, Decken, Stuck, Verzierungen, Möbel. Unzählige Kopien von Gemälden wie Veronese, Rubens und anderen zieren die Wände.

Was für ein Tag. Begonnen mit dem riesigen Parlamentsgebäude in Bukarest, wo jeder Raum die Größe einer Wohnung hat. Und dann Schloss Peles mit dieser Puppenstubenatmosphäre. Beide Gebäude, so unterschiedlich sie sind, sind Ausdruck von Macht. Der eine versichert sich seiner Macht durch schiere Größe und teure Materialien, der andere durch Antiquitäten, Bildprogramme in den Räumen, eine eigene Sammlung von Waffen, Kopien alter Meister und einem Raumprogramm.

Wir fahren in unser Hotel nach Predeal, der höchstgelegenen Stadt der Karpaten. Auch wir wollen hoch hinaus und das schon am zweiten Tag. Auf dem Weg sehen wir, es hat geregnet. Die Hänge zu beiden Seiten sind baumbestanden, ganz dicht. In Rumänien gibt es die letzten Urwälder Europas. Über uns legt der Wind hohe markante Gipfel frei. An einigen Stellen hoch oben liegt Schnee.
Im Hotel werden wir mit einem Glas Rotwein empfangen, der samtig schmeckt. Rund eine Stunde bis zum Abendessen bleibt uns.

Kurz bevor wir uns wieder treffen, öffnet der Himmel seine Schleusen. Ein Regen bricht herunter, wie ich ihn mir für Berlin wünschen würde. Es donnert, Sturzbäche die Straße runter. Vor dem Hotel bildet sich ein See und gibt den vorbeifahrenden Autos eine kostenlose Unterbodenwäsche. Die Fische im Aquarium, das im Eingangsbereich des Hotels steht, müssen sich jetzt besonders wohl fühlen. Man könnte sich in diesem Moment mit ihnen verbunden fühlen. Sind sie überhaupt noch da oder schon weggeschwommen?

Tagesausflug nach Sibiu (Hermannstadt)

Heute Nacht gab es Bärenalarm auf dem Handy, das ist das Gesprächsthema am Frühstückstisch. Wie gut, dass uns Bandita gestern darüber informiert hatte. Der sintflutartige Regen hat wohl auch die Bären verdrossen gemacht, so dass sie Trost an den Mülltonnen suchten. Endlich eingeschlafen, schreckten die Gäste gegen 23 Uhr bei sirenengleichem Lärm aus den Betten hoch. Ein Service, der eingerichtet worden ist, da es immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen kommt.

Es hat über Nacht stark abgekühlt, es ist verhangen. Schauen wir, was der Tag uns bringt. Wir klettern in den Bus und fahren 3,5 Stunden nach Sibiu (Hermannstadt). Zunächst geht es in Serpentinen durch den Wald. Wo Papierkörbe an Rastplätzen stehen, sind diese von kundigen Bärennasen durchforstet worden.

Wir haben die Ebene erreicht und können jetzt nur noch nach oben gucken. Râsnov ist eine eindrucksvolle Festung, hoch oben nimmt sie die gesamte Bergkuppe ein. Sehr wehrhaft und scheinbar uneinnehmbar, wenn da nicht der Wassermangel gewesen wäre. Nach der ersten Niederlage wurde daraufhin ein rund 50 m tiefer Brunnen angelegt.

Das Fâgâraş-Gebirge hat die höchsten Gipfel der Karpaten, doch leider sehen wir nicht viel. Dafür fahren wir an einigen Schafherden vorbei, bewacht von Schäfern und mehreren Hunden. Und da stromern auch Gänse zwischen den Schafen, ein bilderbuchgleiches Miteinander.

Dann ein entzücktes „Oh“! Auf den Strommasten, die durch die Ortschaften führen, haben sich Störche niedergelassen. Auf dicken Nestern, die an Boxspringmatratzen erinnern, stehen sie, einige kleine Köpfe lugen hervor. Da kann ein Ort es locker auf 20 Storchenpaare bringen. Die Häuser sind mit dem Giebel zur Straße gebaut, mit großen Toreinfahrten. Von unseren erhöhten Plätzen können wir in die dahinterliegenden Höfe schauen – fast wie die Störche.

„Siebenbürgen“ leitete sich ab von den Sieben Stühlen, die die Verwaltungseinheiten bildeten. Auch die sieben Burgen im Wappen von Siebenbürgen

Dann Hermannstadt, das große Erwartungen weckt als Europäische Kulturhauptstadt von 2007. Durch eine gute Ansiedlungspolitik kam diese Stadt zu Wohlstand und einem guten Ruf. Letztlich hatte sie mehr Zünfte als die Hansestadt Lübeck und spielte eine bedeutende wirtschaftliche und politische Rolle in Transilvanien.

Peter gibt uns in 1,5 Stunden einen Überblick, dann laufen wir alleine los. An fast jedem Haus weist eine Plakette das Gebäude als historisches Monument aus mit Entstehungszeit und Umbauten. Im 15. Jahrhundert erbaut, im 18. Jahrhundert umgebaut, ergänzt, erweitert, das ist keine Seltenheit. Die Lügenbrücke hält Stand – unserem Gewicht und unserer Aufrichtigkeit. Man muss nur die richtige Geschichte ersinnen, dann hält sich diese bis in alle Ewigkeit.
Die evangelische Stadtkirche ist beeindruckend. Sehr viele Grabplatten mit QR-Code lassen Stadtgeschichte und ihre Protagonisten lebendig werden. Und der Turm bietet eine gute Aussicht auf die Stadt. Der Platz ist mit Bänken und Beeten mit Wiesenblumen sehr einladend gestaltet.

Auf dem Großen Ring ist ein Kunstgewerbemarkt aufgebaut. Baron Samuel von Brukenthal steht in eindrucksvoller Pose vor seinem Palais. Er war der Verbindungsmann zu Kaiserin Maria Theresia, der einzige aus Siebenbürgen mit Kontakt zum Habsburger Hof und einem dementsprechenden Netzwerk. Seine Kunstsammlung im Brukenthal-Palais macht das Haus zu einem der bedeutendsten Museen Rumäniens mit Werken von Breughel, Dürer, Tiepolo, Piranesi.

Auf dem Rückweg hat es sich aufgeklart und wir sehen die Schneefelder des Fâgâraş-Gebirges. Die Störche stehen auch jetzt in ihren Nestern und kümmern sich um ihren Nachwuchs.

Unser Hotel ist im höchsten Ort der Karpaten gelegen – Predeal. Die gute Luft dieses Luftkurort war gestern schon zu erschnuppern. Heute Abend macht es Freude, das Farbenspiel des Abendrots in den Wolken und an den Berghängen zu beobachten.

Harman/Honigberg – Brasov/Kronstadt – Bran/Törzburg

Es verspricht ein sonniger Tag zu werden mit angenehmen Temperaturen. Als erstes fahren wir nach Harman. Dan ist der Leiter der Wehrkirche und gibt uns eine hervorragende Einführung in die Zeit von 1211, als der Deutsche Ritterorden die Aufgabe übernahm, hier Menschen anzusiedeln, bis 1420, als die Osmanen das Land mehrfach überfielen. Es ist ein Zeitreise, die Dan sehr anschaulich darstellt.

Fünf Pässe führten nach Transilvanien, das Land jenseits des Waldes - Schutz und Hindernis zugleich. Und wenn man die bewaldeten Bergflanken hochschaut, dann brauchte es sehr viel Durchhaltewillen, sich hier anzusiedeln, Wald zu roden und Ackerbau zu betreiben.

Ende des 9. Jahrhundert nahmen die Ungarn den Karpatenbogen in Besitz und um das Land zu besiedeln, beauftragte der ungarische König Géza 1211 den Deutschen Ritterorden damit. Clevere Idee: der Orden konnte christianisieren und der König vergrößerte die Zahl seiner Untertanen. Der Orden erhielt Verwaltungsrechte, keine terrestrischen Rechte. Zudem sollten Burgen nur aus Holz und nicht aus Stein gebaut werden, um keine Herrschaftsansprüche daraus entstehen zu lassen. Bereits 1214/15 kamen die ersten Siedler an – aus Luxemburg. Die ersten neun Siedlungen entstanden. Die Einwohner von Honigberg, einer Ortschaft in der Nähe von Aachen, scheuten ebenfalls die Entfernung nicht und nahmen ihren Ortsnamen gleich mit – was sicher identitätsstiftend war und das Heimweh kleiner werden ließ. Die Aussicht auf freies Land und ein freies Leben überwog und so zog man in das fremde Land.

100 bis 200 Bewohner hatte eine Ortschaft. Und wenn sie das Recht erhielt, sich Markt oder Burg nennen zu dürfen, war das eine Auszeichnung, die mit Privilegien einherging. Dann hatte man es geschafft.

1420 fielen die Osmanen im Land ein. 120.000 Soldaten zählten ihre Streitkräfte und die waren hungrig. So wurden die Wehrkirchen gebaut, von denen es 250 bis 300 gab. Um die Kirche zog man in Harman eine 4,5 m dicke Mauer mit Wehrgängen, Lagerräume innerhalb der Mauer und um die Kirche selbst. Das Vieh wurde in einem Viehhof gehalten, der sich außen an die Wehrmauer schmiegt und von hohen Mauern geschützt war. 800 Menschen fanden Zuflucht in dieser Wehrburg.

Bei Dracula hilft keine Wehrburg, nur Knoblauch. Bandita hat ihn dabei und so können wir getrost nach Bran fahren. Die Burg wurde gebaut, um einen der fünf Pässe zu sichern und Zölle einzutreiben. Markant erhebt sie sich auf einem Felssporn mit gutem Ausblick in die Ebene. Als die Burg diese Dienste eines Tages nicht mehr übernahm, hielt man sie am Leben. Bis die rumänische Königin I. sich romantischen Burgenträumen hingab und das Gemäuer zu neuem Leben erweckte. Sie richtete es nach ihrem Geschmack ein, den wir heute dort sehen.

Die Durchgänge und Treppen sind sehr schmal und so schieben wir uns wie auf einer Ameisenstraße durch die Räume, sehen ihr Schlafzimmer, zwei, drei Kleidungsstücke von ihr, Fotografien, einige Möbel. Kitsch as Kitsch can und so wird, da nichts soweit an die schaurige Gestalt von Dracula erinnert, in einigen Räume digital nachgeholfen.

Der kleine Innenhof ist am hübschesten, die Sonne scheint herein. Man schaut auf die umlaufenden Gänge und Rankenpflanzen. Ja, es hat etwas Romantisches.
Und da das Schloss in Besitz der rumänischen Königsfamilie ist und unterhalten werden muss, die Ausstattungsstücke jedoch nicht zugkräftig genug sind, rührt man kräftig die Werbetrommel mit Dracula.

Den Roman „Dracula“ hat der Ire Bram Stoker (1847 – 1912) 1987 veröffentlicht. Er war Beamter und besserte sein Gehalt durch die Schriftstellerei auf. 1890 traf Stoker den ungarischen Professor Arminius Vámbéry, der ihm von der Legende rund um den rumänischen Fürsten Vlad III. Drăculea erzählte. Fasziniert von dieser Geschichte, arbeitete Stocker sieben Jahre an dem Roman.

Anschließend fahren wir weiter nach Brasov (Kronstadt). Die Stadt wurde im 13. Jahrhundert von den Rittern des Deutschen Ordens gegründet und war über Jahrhunderte das wirtschaftliche und geistige Zentrum der Siebenbürgener Sachsen, die bis zum 19. Jahrhundert eine Mehrheit der Bevölkerung darstellten.

Zunächst machen wir erstmal ein Päuschen, stärken uns, bummeln für einen ersten Eindruck durch die Stadt. Dann führt uns Peter zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten: den Rathausplatz, das Katharinentor, die Schwarze Kirche mit ihrer imposanten Buchholzorgel mit 4.000 Pfeifen und anatolischen Teppichbehängen sowie den Zunftschildern, die das Gestühl zieren.

Eine kurze Verschnaufpause ist uns gegönnt im Hotel, dann laufen wir zum Restaurant Rozmarin in der Nachbarschaft. Der Aperitif und Vorspeise werden auf der Terrasse gereicht. Der Blick geht von hier auf die umliegenden Berge, die besonnt vor uns liegen. Mit den roten Geranien weiß man nicht, ob man im Schwarzwald, in Bayern, der Schweiz oder Österreich ist. Eine sangesfreudige Sängerin mit schöner Stimme begleitet uns durch den Abend.

Crit/Deutschkreuz – Sighisoara/Schäßburg – Targu Mures/Neumarkt

Der Besuch von Deutschkreuz ist der Grund, warum ein Gast aus München mit seiner Frau diese Reise gebucht hat. Er stammt von diesem Ort und ist 1972, mit 15 Jahren, mit seiner Familie nach Deutschland umgezogen. 1978 war er das letzte Mal hier und nun nach 48 Jahren wieder!

Ein Siebenbürge in unserer Gruppe, ein Zeitzeuge! Das lässt auch uns Anteil nehmen und so laufen wir gemeinsam durch die Straßen, stehen vor dem früheren Wohnhaus seiner Familie. Von der Schule, in der auch der Kindergarten war, stehen nur noch die Außenmauern. Die Klassen hatten entweder vormittags oder nachmittags Unterricht, um zu Hause und auf dem Feld helfen zu können.

Und die Kirche - eine Kirchenburg. Diese wird gerade für 350.000 Euro renoviert. Eine Kunsthistorikerin aus unserer Gruppe spricht den Bauleiter an und so stehen wir in der Kirche. Sie ist leergeräumt, der Altar und der Gekreuzigte unter Plastik. Unser Gast beschreibt lebendig, wie die Konfirmanden auf Bänken auf der Altarstufe saßen, ganz vorne im Kirchenraum saßen die unverheirateten, dann folgten die verheirateten Frauen. Auf der ersten Empore saßen die Männer, auf der zweiten, hoch oben, die unverheirateten Männer, mit bestem Blick auf den Altar – und die Damenwelt des Dorfes. Die Burschen mussten dem Pfarrer hin und wieder zur Hand gehen, im Garten, in der Kirche.

Der Ort ist nicht asphaltiert und soll diesen „Look von damals“ behalten. Prinz Charles ist ein großer Freund von Siebenbürgen, sehr engagiert und setzt sich dafür ein, dass der eine oder andere Ort sein Lokalkolorit behält. Ein Lüftchen geht, so dass der aufwirbelnde Staub eines Autos in der Luft ist, bevor er sich in der aufgehängten Wäsche in Garten verfangen kann.

Viele von damals haben den Ort verlassen. Von den deutschen Siebenbürgen ist keiner zurückgekommen. Man darf sich über jeden freuen, der sich hier niederlässt und sich für ein Haus und den Ort engagiert. Das Land bietet genügend schöne Möglichkeiten, sesshaft zu werden.


Sighisoara (Schäßburg) gefällt uns sehr. Die Stadt an den Ufern der Großen Kokel beeindruckt mit einem der schönsten mittelalterlichen Ensembles in Europa. Das historische Zentrum gehört seit 1999 zum Unesco-Weltkulturerbe. Der 64 Meter hohe Uhrturm aus dem 14. Jahrhundert ist das Wahrzeichen der Stadt und verbindet heute Ober- und Unterstadt miteinander. Eine fast vollständig erhaltene Ringmauer mit mehreren Türmen umgibt die Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen.

Nach ein bisschen rumschauen entdecken wir am Marktplatz das mittelalterliche Händlerhaus mit dem „Hirschgeweih“ an der Hausecke. Das Venezianische Haus mit seinen gotischen Spitzbogenfenstern und roten Geranien gegenüber der Klosterkirche sieht sehr malerisch aus.

Der Bürgermeister ließ 1654 die Schülertreppe, die vom Ort hoch zur Schule führt, überdachen lassen, damit die Kinder einigermaßen trocken in die Schule und nach Hause kommen. Diesen hölzernen, überdachten Treppenaufgang mit über dreihundert Stufen nehmen wir auch, um von den Altstadtgassen auf den Schulberg und die Bergkirche zu führen. Die Kirche war anfänglich katholisch, dann evangelisch. Sie hat als einzige der Kirchen in Siebenbürgen eine Krypta, die man durch eine Falltür betritt.
Der dahinterliegende Friedhof ist interessant, denn die Grabsteine tragen deutsche Inschriften und nennen häufig den Beruf des Verstorbenen. Hier erfahren wir, wer in der Stadt gewohnt und gearbeitet hat.

Targu Mures, die größte Stadt des Szeklerlandes, ist für heute unsere letzte Besichtigungsstation. Zunächst geht es in die größte orthodoxe Kirche Transsilvaniens, die über und über mit Bildern ausgeschmückt ist. Da haben wir viel zu gucken.
In der Mitte der Straße, die wir entlanggehen, befindet sich eine hübsche Parkanlage. Die Straßenlampen sind mit Petunien geschmückt, Blumenkübel säumen bereits bei der Einfahrt in die Stadt die Straßen. Das macht einen sehr hübschen und gepflegten Eindruck.
Der Kulturpalast wurde von 1911 bis 1913 im ungarischen Jugendstil erbaut. Die Fassade sowie das Innere sind mit bunten Mosaiken verziert.

Nun beginnt der längste Fahrtabschnitt des Tages, doch dass er so lang wird, ahnen wir noch nicht. Zunächst geht es die Bundestraße entlang, doch der Verkehr ist zäh. Und so entscheidet das Cockpit, einen anderen Weg zu wählen. Dieser führt uns durch unzählige Dörfer, malerische Landschaften. Die Straße ist neu geteert und wo zwischendurch nicht, da kommt das sicher noch. Bis dahin ist es eine Schotterpiste, die auch wir nehmen.
Auf der linken Seite tauchen grasende Pferde und Planwagen auf. Eine neue Art für Touristen, das Land zu entdecken, kommt mir spontan in den Sinn. Ich werde von Johann eines Besseren belehrt: es sind Wanderzigeuner.

Und dann überholen wir einen Pferdewagen, der Heu geladen hat. Auf dieses Motiv haben wir gewartet. Wer so schnell war, es zu fotografieren, kann sich freuen.

Bistrița – Kloster Moldovita – Kloster Sucevita

Wir sind nicht die ersten in Bistrița, in den Cafés sitzen schon einige junge Leute, als wir kurz nach acht ankommen.
Der Ort war Handels- und Handwerkerzentrum in Siebenbürgen, davon zeugen der Kornmarkt mit seinen Laubengängen, in denen Händler Tuchwaren aus Flandern anboten, Seide aus Venedig oder Gewürze. Die breiten Straßen und die Verteidigungsmauern sind durch schmale Gassen verbunden, sog. „Zwirngassen“, von denen es noch 22 gibt.

Wir fahren Strecke zu den Moldauklöstern durch eine Landschaft, die wir so ähnlich von Deutschland her kennen. Hier wachsen vornehmlich Nadelwälder, groß und dicht und Bären gibt es hier auch. Bei einer Höhe von 1201 m fahren wir auf der anderen Seite wieder herunter.

Der Ort Vama trägt die Bezeichnung für „Zollstation“. Hier war die Grenze zwischen Moldawien und dem Habsburger Reich.
19.000 Eier aus 82 Ländern, diese einzigartige Sammlung findet sich in Vama. Da die Kostbarkeiten nicht groß sind, reicht für das Ei-Museum ein gut ausgebautes Einfamilienhaus. Das filigrane und detailreche Bemalen der Eier hat in Rumänien eine jahrelange Tradition. Nach dem Ausblasen das Ei in eine Salzlake zu legen, stabilisiert die zarte Schale und sorgt für bessere Langlebigkeit, vorausgesetzt, man geht mit dem Ei weiterhin sorgsam um.
Wie kann es sein, dass kein Dekor dem anderen gleicht? Und wie ist es möglich, die Borten, den Rapport gleichmäßig um die Rundung zu verteilen?

Wir sind lange gefahren und haben eine Stärkung nötig. Peter weiß ein Restaurant für uns, in dem wir vorbestellt haben und zügig serviert bekommen: Hühnersuppe, eine regionale Spezialität und/oder Steinpilze mit Polenta und danach auf jeden Fall einen mit Heidelbeeren gefüllten Pfannkuchen.

Um uns herum, in der Landschaft ist eine unglaubliche Stille, der man zuhören muss, um sie wahrzunehmen.

Danach sind wir gut gerüstet für das Kloster Moldovita, ohne auch nur zu ahnen, dass Schwester Tatjana uns in der nächsten satten Stunde eine Crashkurs in Religionsgeschichte gibt. Die resolute Dame ist mit ihren 74 Jahren eine Grand Dame und Teil des rumänisch-orthodoxen Frauenklosters. Wie sie uns mit ihrem grünen Pointer die wunderbaren Bildergeschichten entlang der Außenmauer erklärt, ist einmalig. Schwarz gekleidet von der Haube bis zu den Schuhen, lässt sie kurz beim Raffen ihres Rockes das geblümte Unterkleid aufblitzen. Dabei gilt unsere ungeteilte Aufmerksamkeit den Seraphinen, den Wächter, und den Cherubinen, jenen geflügelten Wesen mit den vielen Augen, die das Licht bringen.

Schwester Tatjana schafft es, den Glauben auch immer wieder in das Hier und Jetzt zu bringen. Wir können Liebe verschenken, wir sind unser eigenes Licht und können auch andere zum Leuchten bringen. Wir sind für unser Leben selbst verantwortlich, das uns geschenkt worden ist und das nicht ewig währt. Gott schickt uns keine Prüfungen, wir müssen sie eigenständig meistern und an den Erfahrungen reifen. Die Rose steht im Christentum für das Leben und passenderweise säumen Rosen die Rasenflächen.

In all das flicht sie den postbyzantinischen Stil ein, in dem die Bildergeschichten gemalt sind, den der erste Hofmaler entwickelt hat. Die von den Adeligen gestifteten Kirchen waren kleiner als jene von der Kirche selbst gebauten Gotteshäuser. Das kann auch an der Höhe des Kirch- oder Glockenturms ausgemacht worden sein.

Jakob fährt uns unverdrossen durch den dichten „Schwarzwald“, über eine schmale Straße, an der wir auch einer Schafherde begegnen, zum Kloster Sucevita. Geübt im Sehen dank Schwester Tatjana sehen wir das Jüngste Gericht, die Wurzel Jesse, die Propheten und Philosophen – wo sind die Cherubine und Seraphine? – und können nun einen Vergleich ziehen. Die Figuren hier sind schön dargestellt, in all ihrer Bedeutung, Würde und Farbigkeit. Doch ihnen mangelt es an Beweglichkeit. Die Darstellungen im ersten Kloster waren beschwingt, durch ihre Bewegung brachten sie die Erzählung voran ins nächste Bild.

Wir sind dem Himmel heute ein Stück näher gekommen. Zum einen durch die Erzählfreude von Schwester Tatjana, an der der liebe Herrgott ganz sicher seine Freude hat, zum anderen durch unseren Durchhaltewillen. Nun ist es genug, ab ins Hotel, so dass uns Jakob mit seinem Bus noch einmal durch die Landschaft fährt. Hier fallen sehr hübsche Pavillons auf, die mit durchbrochenen Blechdächern geschmückt sind. Ein Teepavillon, ein Hausaltar im Garten? – Ein Brunnenhäuschen, das an der Seite ein Rad hat, mittels dem man den gefüllten Wassereimer wieder hochzieht.

Kloster Humor – Kloster Voronet – Kloster Agapia

Gestern zwei Klöster und so geht es heute weiter... Das Kloster Humor haben wir so gut wie für uns alleine.
Das Kloster Voronet ebenso. Die vielen Souvenirstände, die den Weg dorthin säumen, lassen auf sehr viele Besucher schließen. Doch wir sind mit wenigen anderen Interessierten auf dem schön gepflegten Grundstück fast unter uns. Und so stehen wir andächtig vor der beeindruckenden Darstellung des Jüngsten Gerichts und beschreiben uns gegenseitig, was wir sehen.

Eine Schulklasse ist auch zu Gast und mucksmäuschen still stehen sie vor der Nonne, die ihnen die Malereien erklärt. Kein Anrempeln, keine Unachtsamkeit, volle Konzentration auf das Neue und Respekt vor jener, die vor ihnen steht.

Dann weiter zum Kloster Agapia. Auf dem Weg dorthin klingeln beständig unsere Handys. Immer wieder wird eine Wetterwarnung abgesetzt. Jetzt sind es nicht die Bären, sondern die Regenwolken, von denen uns Ungemach droht. Das Warnsystem ist beeindruckend.

Das Kloster gehörte zu den größten orthodoxen Nonnenklöstern Europas. Es liegt ein wenig verborgen in einem Tal. Schon in einigen Vorgärten arbeiten schwarz gekleidete Frauen. Das Kloster ist ein offener Gebäudetrakt mit wunderschönen Blumenbeeten und blumengeschmückten Laubengängen. Von hier gehen die verschiedenen Werkstätten ab. Wir betreten eine Schneiderei, in der eine Nonne gerade die Strickmaschine aus Chemnitz bedient. Die Kirchen und Klöster müssen sich selbst tragen und so gehen die ehrwürdigen Damen allerlei Tätigkeiten nach, um sich zu halten.

Die Kirche sticht von den bisher in Moldawien gesehen ab: Die Innenmalereien stammen von dem bekannten rumänischen Maler Nicolae Grigorescu, der im 19. Jahrhundert gelebt hat. Die Räume sind dunkel.

Kurz hinter dem Ort machen wir unsere Mittagspause, die länger ausfällt. Kaum sind wir im Gastraum, fängt es heftig an zu regnen, dann zu hageln. Zeit für das Verwöhnprogramm und so bestellen wir à la carte. Dabei schauen uns die zahlreichen Wildtrophäen über die Schulter, die an der Wand hängen. Und da wir lange genug sitzen, fängt es draußen wieder an, heller zu werden. Gut genährt besteigen wir den Bus für die letzte Etappe – nach Bacau, wo wir heute Nacht ruhen wollen.

Fahrt nach Tulcea – Bootsfahrt

Heute machen wir Strecke: 350 Kilometer nach Tulcea, das am Rand des Donaudeltas liegt. Kaum stehen wir mit den Koffern vor dem Bus, kommen die ersten Tropfen. Und dann gießt es. Wir sitzen im Trockenen – noch. Denn nach einiger Zeit bahnt sich ein kleines Rinnsal den Weg zu uns in den Innenraum und ergießt sich über die erste Reihe. Zum Glück sind genügend Plätze frei. Doch kurios ist das Ganze. Denn bei unserem Regenguss in den Karpaten war am nächsten Morgen das Tischchen auf der anderen Seite patschenass. Und beim Blick an die Decke zeigen sich weitere feuchte Flecken. Ein lecker Bus… Es hilft ein munteres Gespräch und Umsetzen. Beim nächsten Halt legen wir „das Kind trocken“. Zum Glück hilft uns auch Petrus, der seine Regenwolken zurückhält.

Die Landschaft hat sich verändert: Weite Felder mit Sonnenblumen liegen rechts und links der Straße. Was muss das für eine Augenweide sein, wenn sie blühen (und eine Diaspora für die Insekten).

Wir halten an einer Tankstelle, Rastplatz für die einen und die anderen, denn nebenan ist ein Friedhof. Es gibt keine Urnenbestattung in Rumänien und jeder behält sein Grab auf immer. Es ist genug Platz da. Die Fotos der Ehepaare sind rührend, wobei die Frau mit Kopftuch immer mehr einer Dienstmagd ähnelt als einer ebenbürtigen Frau an der Seite ihres Mannes.

Die lange Fahrt unterbrechen wir mit einer Mittagspause. Bandita führt uns in ein Restaurant, das wir wohl eher zu besonderen Anlässen aufsuchen würden: Gedeckte Tische mit schönen Gläsern, Stoffservietten, sehr gediegen und das an einem Mittag. Wir sind ein wenig irritiert, vertrauen jedoch auf Bandita, der uns schon so viele Tage mit viel Wissen und Umsicht durch sein Land führt. Die Karte ist sehr verführerisch. Es hat sehr stark geregnet, sogar in den Bus hat sich das Wasser ergossen, wir waren bisher vier Stunden unterwegs, zwei weitere liegen vor uns – also, was darf es sein? Die Kellner in schwarzer Weste und gar mit Handschuhen haben ihr Handwerk gelernt. Die Teller sind schön angerichtet, es schmeckt sehr gut. Und so (t)rollen wir uns nach eineinhalb Stunden wieder in den Bus und nehmen Anlauf.

Die Donaubrücke blinkt vom weitem mit ihren Orientierungslichter und erinnert an die Golden Gate. Sie hängt – ist Hängebrücke – stabil. Ein japanisch-italienisches Team bekam 2018 den Zuschlag für die längste Donaubrücke, 2023 wurde sie freigegeben. Und auf einem sanften Bogen überqueren wir den Fluss. Jakob fährt freundlicherweise langsam, so dass es wie ein Schweben auf einem Teppich ist – erst sanft nach oben, dann sanft nach unten.

Vor Tulcea biegen wir ab und fahren über einen Schotterweg zu einem Bootsanleger. Hier besteigen wir eine Schaluppe und fahren zwei Stunden durch das Donaudelta. Ein Pelikan macht uns die Freude, seiner von weiter Ferne ansichtig zu werden. Stolze Schwaneneltern mit acht Schwänlein ziehen an uns vorbei. Einer sitzt Huckepack und lässt sich mitnehmen.
Wir fahren durch einen Arm, vorbei an Seerosen, Schilf, Weiden. Seeschwalben, Reiher, ein rüttelnder Falke – es ist eine sehr entspannte Fahrt, die man unspektakulär nennen könnte, wüssten wir nicht, dass das Donaudelta das zweitgrößte Europas ist. Und die Stadt Wien mehr als zwölfmal in der Fläche Platz hätte. Die Wolga hat ein noch größeres Delta, das ins Kaspische Meer mündet.

Das Hotel Esplanade ist das richtige für die letzten zwei Nächte. Von den großzügig bemessenen Zimmern schauen wir auf die Donau – links der Hafen mit den Kränen, rechts die Altstadt, unter uns die Promenade. Morgen nehmen wir das genauer in Augenschein.

Donaudelta–Museum – Stadtbesichtigung von Tulcea – Schifffahrt im Donaudelta

Tulcea ist mit knapp 74.00 Einwohnern die größte Stadt der Region und gilt als Tor zum Donaudelta. Das Schwarze Meer ist 70 km entfernt. Und von den 25 Dörfern des Deltas sind 21 nicht an das Straßennetz angeschlossen. Das ändert sich sicher nun nach und nach.

Nach dem Frühstück laufen wir die Promenade entlang zum Donaudelta-Museum. Es ist erstaunlich, wie viele Kindergruppen am Samstag ins Museum gehen. Das motiviert uns. Das Museum bietet einen guten Überblick über die Entwicklung des Donaudeltas sowie über Flora, Fauna. Anhand von Schaubildern sieht man, dass das Delta über die Jahrhunderte hinweg gewachsen ist und von Phöniziern, Griechen, Römern und weiteren besiedelt worden ist. Zum einen war es über das Schwarze Meer hin gut zu erreichen, zum anderen war es ein großartiger Nahrungsmittellieferant: Fisch, Wild, Landwirtschaft. Vom Erdgeschoss schauen wir in das große Aquarium der Störe. Vier Arten schwimmen hier nebeneinander, kleinere, größere und sehr große. In weiteren Becken werden Schwarzmeer-, Donau- und Zierfische gezeigt.
Dann haben wir frei bis zu unseren nächsten Bootstour.

Am Nachmittag brechen wir zu einer weiteren Schifffahrt ins Donaudelta auf, ein kurzes Stück den Strom hinunter, dann links abgebogen. Am Ufer sitzen gut verteilt Angler. Gleich mehrere Angeln liegen in den Astgabeln, Zelte, Tische und Stühle sind aufgestellt. Es wirkt wie ein gut geplantes Wochenende unter Männern. Man sieht selten Boote und so höre ich, dass die Angler per „Wassertaxi“ an die Stellen gefahren werden. Petri heil.

Auf der Fahrt sehen wir Reiher, Kormorane, Seeschwalben, ausgelegte Netze. Es ist wunderbar ruhig, die Sommerwolken ziehen über dem Schilfgürtel dahin. Unter Deck gibt es heute das letzte Abendessen und eine Kanne Wein steht auf jedem Tisch, um den Abschied aus diesem schönen Land zu begießen.

Rückreise von Tulcea über Bukarest nach Deutschland

Ein Drittel Hochebene, ein Drittel Tiefebene, ein Drittel Karpaten – was uns Peter am ersten Tag schon genannt hatte, können wir nun nach dieser ausführlichen Rundreise erst ermessen. Ein gesegnetes Land, nicht nur ein der Topographie unterschiedlicher Höhenvermessungen, sondern ganz besonders in der Ausgestaltung dieser drei unterschiedlichen Landschaftstypen.

Auch die Landschaft hinter Tulcea ist wieder ganz anders: Großflächige Felder mit Getreide, Sonnenblumen, Mais erstrecken sich fast bis zum Horizont. Weit und breit kein Dorf, keine Scheune. Es ist menschenleer.

Doch es gibt Ortschaften, in einem dieser wenigen Dörfer ist eine Türkin Bürgermeisterin, wie uns Peter berichtet und zeigt, wie Zusammenleben funktionieren kann – unter der Obhut einer Frau.

Wir machen Halt in Hârșova, wo Rumänen, Türken, Roma, Russen und Ungarn friedlich zusammenleben. Der Ort liegt an der Donau und ist vermutlich seit dem Neolithikum durchgängig besiedelt. Im 1. Jahrhundert n. Chr. eroberten die Römer das Gebiet. Aufgrund der strategisch wichtigen Lage an einem Donauübergang ließ der römische Kaiser Trajan hier 103 n. Chr. eine Burg errichten. Diese Befestigung wurde stetig erneuert, ergänzt, von verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die hier herrschten – bis die Russen im Russisch-Osmanischen Krieg 1828/29 die Festung und weite Teile der Stadt zerstörten.
Hârșova verlor an Bedeutung. In den letzten Jahren der kommunistischen Herrschaft verfielen einige der alten Baudenkmäler oder wurden zerstört. Und so stehen wir vor einem großen Steinhaufen, der mit Wegen und einer Aussichtsplattform die Bedeutung dieser frühen römischen Festung oberhalb der Donau darlegt.

Unser Weg führt auch durch Țăndărei. Die Häuser wirken wie nach einem Bausatz zusammengefügt: zwei bis dreistöckig, runde Balkone zur Straße hin, hin und wieder ein großer Sitzplatz vor dem Haus. Sieht fast wie bei uns aus, wenn da nicht die chromglänzenden phantasievollen mannshohen Zäune wären, die das Grundstück umgeben. Hier haben Roma sich ihr Zuhause geschaffen, klärt uns Peter auf.

Mit Pausen erreichen wir zügig den Flughafen von Bukarest. Zehn Tage sind wir durch dieses uns neue Land gefahren und tragen nun im Gepäck viele neue Bilder, Eindrücke und Begegnungen aus Rumänien mit nach Hause.


Liebe Gäste,

es waren leichte und heitere Tage mit Euch.
Ich danke Euch für Eure Begeisterungsfähigkeit und Euer Interesse an allem, was diese schöne Reise uns geboten hat.

Ein ganzes Land auf 1904 km haben wir durchkreuzt. Peter, unser Reiseleiter, hat uns seine Heimat in all den Tage mit vielen Informationen, Geschichten und Menschen vor Ort wie Schwester Tatjana und Dan nahegebracht.
Jakob hat den Bus und uns sicher und entspannt von einem Ort zum anderen gebracht.
Ich hoffe, dass Ihr die Reise in guter Erinnerung behalten, dass hin und wieder etwas hervorblitzt.

Ich wünsche Euch alles Gute, Gesundheit und schöne Reiseerinnerungen und freue mich, wenn es ein Wiedersehen gibt,
Eure Vivian


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