Reisebericht: Unterwegs in Ostpreußen und im Memelland

17.08. – 26.08.2018, 10 Tage Rundreise: Danzig - Königsberg - Rauschen - Tilsit - Kurische Nehrung - Kaunas - Masuren

Ostpreußen, Memelland, Masuren: Das sind einzigartige Kulturlandschaften mit noch unberührter Natur auf der Kurischen Nehrung, entlang der Memel und im Samland. Die Kulturdenkmäler in den Orten sind voller Bezüge zur deutschen und europäischen Geschichte

1. Tag: Freitag 17.08.2018 – Anreise nach Danzig [polnisch Gdansk]


Von Dresden fuhren wir mit dem Bus über Frankfurt/Oder, dann Posen [polnisch Poznan] nach Danzig [polnisch Gdansk], unserem ersten Etappenziel. Es ging flott voran, denn immer neue Abschnitte der polnischen Autobahn werden fertig.
Während der Fahrt gab es Ausführungen zur Geographie und Geschichte Polens wie auch zur aktuellen Politik des Landes. Auch Danzig und seine Umgebung, überhaupt der polnische Norden, wurden vorgestellt. Die Nachbarstaaten Polen und Litauen sind durch ihre gemeinsame Geschichte sehr eng verbunden, so durch die Polnisch-Litauische Union.
In Danzig angekommen, konnten wir nach dem Abendessen im Hotel gleich noch in die Altstadt ausschwärmen, denn das Novotel Gdansk Centrum liegt nur wenige Gehminuten von der Altstadt entfernt. Auch unsere 3 Fluggäste waren gut angekommen und hatten die Stadt schon ein wenig individuell erkundet. Nun war die Gruppe komplett.

2. Tag: Sonnabend 18.08.2018 – Danzig [polnisch Gdansk] – Königsberg [russisch Kaliningrad]


Vor der Weiterreise nach Königsberg konnten wir uns zunächst auf einen Stadtrundgang in Danzig freuen. Natürlich wollten wir diese wunderbare Stadt genauer kennenlernen. Ein Video, das wir auf der Anreise gesehen hatten, hatte uns sowieso schon neugierig gemacht, natürlich auch der Abendspaziergang.
Mit unserer Stadtführerin Anna, die uns nach dem Frühstück am Hotel abholte, nahmen wir Kurs auf den Langen Markt, das Rathaus und den Artushof, den Neptunbrunnen, auf die herrlichen Stadttore. Und wir sahen natürlich auch die riesige gotische Marienkirche, konnten sogar hinein. Es war gerade keine Messe. Weiter ging es zum alten Hafenkran an der Mottlau [polnisch Motlava]. Und ein neues Wort haben wir beim Rundgang auch gleich noch gelernt: Beischläge, das sind eine Art Terrassen rechts und links der Treppe vor dem Haus. Natürlich gibt es hier noch viel mehr zu sehen und zu besichtigen. Aber der Anfang ist gemacht. Wir wollen ja sowieso wiederkommen in diese großartige historische und gleichzeitig quicklebendige Stadt an der Ostsee mit ihrer regen Bautätigkeit.
Die Kirche von Gdansk-Oliwa, die durch die Streiks berühmt gewordene Werft, das Solidarnosc-Museum, die Halbinsel Hel [polnisch Hela] und auch die beiden Schwesterstädte Gdingen [polnisch Gdynia] und Sopot heben wir uns für einen späteren und dann garantiert längeren Besuch auf.
So machten wir uns, zufrieden mit dem ersten Punkt unseres Reiseprogramms, auf den Weg mit dem Tagesziel Königsberg [russisch Kaliningrad]. Die Straßenbauarbeiten in Richtung polnisch-russischer Grenze sind noch immer nicht abgeschlossen, d.h. wir hatten Stau. Dazu sind wir auf einer viel befahrenen Transitstrecke unterwegs.
Vor der Grenze halten wir noch auf polnischer Seite im kleinen Ort Braniewo. Hier ist eine gute Möglichkeit, sich schon mit russischem Geld zu bevorraten. Auch unsere Mittagspause legten wir auf dem Parkplatz gleich hinter der Tankstelle ein.
Auf der Fahrt bis zur Grenze gab es schon einige Informationen zu Königsberg und dem Kaliningrader Gebiet. Wir wollen gut vorbereitet ankommen.
Nachdem wir den Grenzübergang Mamonovo passiert hatten, begrüsste uns auf der russischen Seite Larissa, unsere Reiseleiterin für Königsberg und das Kaliningrader Gebiet. Gleich begann sie mit ihren Ausführungen.
Wir sind schon gespannt auf Königsberg, die frühere Hauptstadt Ostpreußens, wo wir für 2 Nächte unser Quartier haben werden. Und schon für den heutigen Nachmittag ist die Stadtführung vorgesehen, jedenfalls große Teile davon. Wir fahren vorbei am nagelneuen Stadion. Dann ging es zunächst zum Dom, auch zum Grab von Immanuel Kant. Wir sahen den Innenraum des mit deutscher Hilfe wiedererbauten Königsberger Doms mit einer wunderbaren Schuke-Orgel, die wir sogar hören konnten, denn am Abend sollte ein Orgelkonzert sein, und der Orginist probte noch ein wenig.
Anschließend besuchten wir das im Dom untergebrachte Historische Museum und das Kant-Museum. An einem Modell der früheren Stadt Königsberg konnten wir die damals völlig intakte Stadt sehen, ein architektonisches Schmuckstück.
Auf der Fahrt zum Hotel erklärte und zeigte uns Larissa weitere Sehendswürdigkeiten. Wir sahen u.a. das Haus der Räte, das an der Stelle des früheren Schlosses steht, die Universität, das Brandenburger Tor, die Kronprinzenfestung und Teile erhaltener Villenviertel. Das Kant-Denkmal vor der Universität nahmen wir uns für den übernächsten Tag vor.

3. Tag: Sonntag 19.08.2018 – Königsberg [russisch Kaliningrad] – Ausflug nach Pillau [russisch Baltijsk], Palmnicken [russisch Jantarnyj] und Rauschen [russisch Svetlogorsk]


Zunächst zeigte Larissa noch weitere Teile der Stadt Königsberg. Immer wieder spielten da auch die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges eine Rolle. Vieles von dem, was heute noch erhalten ist, harrt der Sanierung.
Ziel des heutiges Tages war eine Rundfahrt durch Teile des Kaliningrader Gebietes, ein Ausflug entlang der Samlandküste, zunächst in die Marinestadt Pillau [russisch Baltijsk]. Hier sahen wir auf einem kleinen Rundgang am Hafen ein Denkmal für Peter I. Dann war der deutsche Soldatenfriedhof am Strand von Pillau unser Ziel. Nach einer Besichtigung hatten wir noch genügend Zeit für einen Bummel, bevor es dann nach Palmnicken [russisch Jantarnyj] ging, wo wir eine Bernstein-Werkstatt besuchten. Durch viele kleinere Orte, alle mit einer jahrhundertealten deutschen Geschicht, kamen wir dann im Ostseebad Rauschen [russisch Svetlogorsk], dem „Sotschi des Nordens", an. Mit Larissa unternahmen wir einen Rundgang, sahen u.a. den Gedenkstein für Thomas Mann und waren natürlich auch am Strand. An einer bestimmten Stelle führt eine breite Treppe hinunter, ähnlich wie in Odessa die Potemkinsche Treppe. An der Promenade steht die Skulptur einer Nyphe von Hermann Brachert, die man unbedingt berühren muss, was wir auch taten. Hinauf fuhren wir mit der Seilbahn. Voller Eindrücke ging es zurück nach Königsberg. Wir freuten uns auf das Abendessen und wollten danach endlich die unmittelbare Umgebung unseres Hotels ein wenig erkunden.

4. Tag: Montag 20.08.2018 – Freizeit oder Ausflug nach Tilsit [russisch Sovjetsk]


Heute hatten wir die Qual der Wahl: entweder Freizeit in Königsberg, wo es auch noch eine Menge zu entdecken gibt, oder ein Ausflug durch das Samland. Fast alle hatten sich für den Ausflug entschieden. Zunächst fuhren wir nach Sovjetsk [deutsch Tilsit]. Die alte Grenz- und Garnisionsstadt Tilsit an der Memel wurde gern auch „die Stadt ohne gleichen" genannt. In Tilsit sahen wir während des Stadtrundgangs das Elch-Denkmal und natürlich das Wahrzeichen der Stadt, die Königin-Luise-Brücke über die Memel. In der Mitte des Flusses verläuft die russisch-litauische Grenze. Ragnit [russisch Neman] ist die Schwesterstadt Tilsits. Larissa wurde nicht müde, uns alle Zusammenhänge wie auch die historischen Fakten zu erklären. Dass der Zustand der Landwirtschaft in diesem Gebiet dringend einer Verbesserung bedarf, konnten wir selbst gut sehen. Nach einem kurzen Abstecher in die frühere Kreisstadt Insterburg [russisch Cernjachovsk] kehrten wir voller Eindrücke, die uns auch in den Gesprächen immer wieder beschäftigten, zurück in unser Hotel in Königsberg, nicht ohne vorher noch das Kantdenkmal an der Universität zu besuchen. Auf der Heimfahrt zeigte uns Larissa noch einen bewegenden Film zu Königsberg. Einer der Hauptdarsteller war Wolfgang Stump.

5. Tag: Dienstag 21.08.2018 – Rossitten [russisch Rybachij] und Nidden [litauisch Nida] – Kurische Nehrung


Heute sollte es auf die Kurische Nehrung gehen. Da waren wir wirklich alle ganz besonders gespannt. Die Kurische Nehrung ist jetzt ein geteiltes Land. Auf ihr verläuft die russisch-litauische Grenze. Seit 1998 gehört die Nehrung zum UNESCO-Weltnatur-Erbe. Im russischen Teil besuchten wir die traditionsreiche und berühmte Vogelwarte Rossitten [russisch Rybachij], bevor wir dann die Grenze zu Litauen passierten. Vorher hatten wir uns von Larissa verabschiedet, die nun mit dem Linienbus zurück nach Königsberg fuhr. Am litauischen Grenzposten wartete schon Daiva, unsere litauische Reiseleiterin.
Und auch mit ihr ging es gleich auf eine Rundfahrt. Zunächst besuchten wir die Hohe Düne mit der Sonnenuhr und sahen die an eine Wüste erinnernden Wanderdünen. Das Thomas-Mann-Haus war unser nächstes Ziel. Das Haus in den typischen Niddener Farben liegt etwas außerhalb von Nidden auf dem sogenannten Schwiegermutterberg. Heute ist dort das Thomas-Mann-Kulturzentrum, in dem sich auch ein Museum über Thomas Mann und seine Aufenthalte hier am Haff befindet. Der Schriftsteller ließ das Haus nach einem Besuch der Nehrung im Jahre 1929 für sich und seine Familie als Urlaubsquartier errichten. Einen entsprechenden Film mit Originaldokumenten zeigte uns Daiva dann unterwegs im Bus.
Nachdem wir in unserem zentral gelegenen Hotel die Zimmer bezogen hatten, nahm uns Daiva noch mit auf einen Spaziergang durch Nidden. Nidden ist der südlichste litauischen Ort auf der Nehrung. Daiva machte uns u.a. auf die typischen Kurenwimpel aufmerksam, an denen man in der Vergangenheit etwas über die Geschichte und Größe der Familie eines jeden Fischers erfahren konnte.

6. Tag: Mittwoch 22.08.2018 – Rundfahrt auf der Kurischen Nehrung – Schwarzort [litauisch Juodkrante]


Heute stand eine Rundfahrt auf der Kurischen Nehrung auf dem Programm. Zunächst fuhren wir zum Märchenwald am Hexenberg von Juodkrante, dem ehemaligen Schwarzort. Hier erklärte uns Daiva die zahlreichen Holzfiguren. Unterwegs hatten wir schon den schönen Ort bewundert, auch die Reiherkolonie gesehen.
Wieder zurück in Nidden, sahen wir noch die evangelische Kirche und den alten Friedhof des Ortes. Wir besuchten auch eine Bernsteinwerkstatt mit Museum und Ausstellung.
Die Freizeit am Nachmittag kam uns allen sehr gelegen, um diesen wunderbaren Ort noch genauer kennenlernen zu können. An Möglichkeiten für vielfältige Aktivitäten mangelte es wahrlich nicht. So waren auch die Berichte am Abend interessant, denn vom Bad in der Ostsee, über eine Bootspartie im Haff, Spaziergänge auf der Promenade bis hin zur Verkostung der sprichwörtlich guten Niddener Kuchen war alles vertreten.

7. Tag: Donnerstag 23.08.2018 – Durch das Memelland nach Kaunas


Heute mussten wir leider Abschied nehmen von der Kurischen Nehrung, die jeder längst ins Herz geschlossen hatte. Nur wenige Minuten auf der Fähre, und schon waren wir über das Haff, d.h. von Smiltyne [deutsch Sandkrug] nach Klaipeda [deutsch Memel] gekommen, wo sich der größte Hafen Litauens befindet. Er ist außerdem einer der wenigen Häfen der Ostsee, die im Winter eisfrei bleiben. Eine regelmäßige Fährverbindung gibt es nach Kiel. Auf einem Rundgang erklärte uns Daiva die Geschichte der Stadt, die lange militärisches Sperrgebiet gewesen war. Vorbei an geschmackvoll sanierten Speichern am Hafen, durch Gassen und über Plätze, führte uns Daiva auch zum Simon-Dach-Denkmal. Es ist für den in Klaipeda geborenen Dichter Simon Dach errichtet worden. In der Mitte des Brunnens steht die Figur des Ännchen von Tharau. Vor dem Brunnen sangen wir das Ännchen-Lied. Den Text hatten wir vorsorglich dabei. Wir sahen auch das Theater, spazierten rings um den Markt mit schönen Ständen voller Bernsteinschmuck.
Unser nächstes Ziel war das beschauliche Städtchen Heydekrug [litauisch Šilute]. Hier besuchten wir die Kirche, wo uns der Pfarrer einige Informationen zu seiner Arbeit und dem Gemeindeleben gab. Entlang der Memel fuhren wir nun in Richtung Kaunas. Daiva wußte zu allen Orten, die wir durchfuhren die historischen Fakten und informierte uns natürlich auch über die Gegenwart. Noch vor dem Abendessen gingen wir dann in Kaunas auf einen Stadtrundgang. Diese schöne Stadt, die auch zeitweilig die Hauptstadt Litauens war, liegt am Zusammenfluss von Neris und Memel. Wir besuchten u.a. die Burgruine und die St. Georgenkirche und gingen anschließend zum Rathausplatz mit dem schönen Rathaus aus dem 16. Jahrhundert.

8. Tag: Freitag 24.08.2018 – Von Kaunas nach Sensburg [polnisch Mragowo]/Masuren [polnisch Mazury]


Am Morgen starteten wir zur litauisch-polnischen Grenze. Auf der Fahrt erfuhren wir von Daiva noch etwas zum Bildungs- und Gesundheitswesen, auch zum Rentensystem und stellten natürlich Fragen. In Marijampole am Bahnhof kam dann der Abschied. Wir fuhren weiter nach Sensburg [polnisch Mragowo], unserem Übernachtungsort in Polen. Unterwegs ließen wir uns während der Mittagspause die Tomaten schmecken, die uns Daiva aus ihrem Garten mitgebracht hatte.
Unser Hotel in Sensburg liegt direkt am Wasser. Vor dem Abendessen war noch genügend Zeit für einen Spaziergang oder ein Bad im See. Am Abend gab es ein Essen mit Würstchen und Fleisch vom Grill.

9. Tag: Sonnabend 25.08.2018 – Masuren [polnisch Mazury]


Am Morgen begrüßten wir unsere örtliche Reiseleiterin für diesen Tag, Helga. Auf unserer Rundfahrt durch den Norden von Masuren sahen wir die bekannteste Wallfahrtskirche Masurens, die Heilige Linde [polnisch Swieta Lipka]. Neben der barocken Pracht und der prunkvollen Ausstattung der Kirche beeindruckte uns die überdimensionale Orgel mit ihren beweglichen Figuren und natürlich das kleine Konzert auf diesem einzigartigen Instrument.
Zwischen Lötzen [polnisch Gizycko], der „Sommerhauptstadt von Masuren" und Nikolaiken [polnisch Mikolajki], dem masurischen Venedig, verbinden zahlreiche Wasserläufe und Kanäle die großen Seen. Helga wurde nicht müde, uns alles genau zu erklären. Nach einem kleinen Rundgang in Nikolajken fuhren wir weiter nach Danzig [polnisch Gdansk], unserem heutigen und gleichzeitig letzten Übernachtungsort, wo alle für die Zeit nach dem Abendessen noch eine kleine Abschiedsrunde durch diese wunderbare Stadt geplant hatten. Den Regen, der uns in den Masuren ereilt hatte, hatten wir hinter uns gelassen.

10. Tag: Sonntag 26.08.2018 – Heimreise


Aber nun mussten wir leider die Heimreise antreten. Zurück fuhren wir flott über die neue polnische Autobahn. Unsere Mittagspause legten wir in Gnesen [polnisch Gniezno] unterhalb der berühmten Kathedrale ein, die wir bei dieser Gelegenheit gleich noch besichtigen konnten. Über diesen kleinen Abstecher freuten sich alle. Nun hatten wir wieder genügend Sitzefleisch bis zu unseren Zielorten.
Meinen Bericht schließe ich mit einem sehr herzlichen Dank an Sie, meine Damen und Herren, allen guten Wünschen für Sie sowie der Hoffnung auf ein Wiedersehen auf einer zukünftigen Reise.
Sie waren eine interessierte, aufgeschlossene und disziplinierte Gruppe und haben durch Ihre Fragen und Anregungen selbst viel zum Gelingen dieser wunderbaren Tour beigetragen.
Es hat mir viel Freude gemacht, mit Ihnen unterwegs zu sein. Gern erinnere ich mich auch an die zahlreichen Gespräche während unserer gemeinsamen Fahrt.
Ihnen alles, alles Gute, Gesundheit vor allen Dingen und Energie für viele schöne Reisen, auf denen wir uns dann hoffentlich begegnen.
Ihre Dr. Inge Bily

Bildergalerie zur Reise

Kommentare zum Reisebericht

Captcha

Mit dem Eberhardt-Newsletter immer aktuell: Reiseberichte, Experten-Tipps & Angebote!
Sichern Sie sich 20 € auf Ihre nächste Buchung.

Folgen Sie uns in allen Netzwerken: