Rundreise Slowenien – Von den Julischen Alpen bis zur Adria
Reisebericht: 24.05. – 04.06.2026
Slowenien liegt klein und fein zwischen Österreich und Italien und hat viel zu bieten: Berge, Meer, Strand, hervorragende Küche und Weine. Es ist eines der grünsten Länder der Welt - wir kommen...
Ein Reisebericht von
Simone Willner
Anreise nach Bled
Unsere Rundreise beginnt am frühen Morgen in Dresden am Flughafen, wo die ersten Gäste zusteigen. Unsere letzten Mitreisenden kommen im Vogtland zu uns und nun ist die Gruppe mit 29 Personen komplett und wir fahren weiter gen Süden.
Österreich passieren wir bei tollstem Sonnenschein und haben fantastische Ausblicke auf die Berge. Am Nachmittag dann steht die Sonne hoch über Kärnten und wir fahren vorbei am Millstätter und Ossiacher See.
Am frühen Abend erreichen wir dank unserem hervorragenden Busfahrer Sergey überpünktlich den Luftkurort Bled, der malerisch in den Bergen der Julischen Alpen und am bezaubernden Bleder See liegt. Auf einem Felsen hoch oben thront die Burg aus dem 11. Jahrhundert, die heute ein Museum beherbergt. Mitten im See ist eine kleine Insel, auf der die Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt mit ihrer steilen Treppe und dem berühmten Glockenturm liegt. Wir haben vor dem Abendessen noch Zeit, einen Spaziergang am See zu machen und können uns dabei von der Bilderbuchkulisse überzeugen.
Beim ersten Abendessen lernen wir uns ein wenig kennen, das Hotel hat zum Dessert sogar die berühmte Kremschnitte gebacken. Danach fallen wir müde in unsere Betten und freuen uns riesig auf den Bohinjsee morgen ...
Ausflug in das Bohinj Tal
Am Morgen starten wir in Richtung des Bohinjtales, welches mitten in den Julischen Alpen liegt. Das Wetter ist fantastisch und wir genießen Panoramafahrt entlang des Bleder Sees. Aus dem Bus heraus beobachten wir die hölzernen Pletnaboote - allein mit Armkraft betriebene Ruderbote. Mit ihnen kann man sich bis zur mitten im See gelegenen Insel und der darauf befindlichen Marienkirche übersetzen lassen. Rund um den See erheben sich die Gipfel der Julischen Alpen. Ursprünglich befand sich an der Stelle, an der heute die Marienkirche auf der Insel im See steht, ein heidnischer Tempel der slawischen Göttin Ziva, der allerdings bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der christlichen Religion und Heiden zerstört wurde. An derselben Stelle wurde im 8. Jahrhundert eine Kirche errichtet. Zwei Erdbeben zerstörten große Teile des damaligen Kirchenbaus und das heutige Kirchengebäude stammt aus dem 17. Jahrhundert. Am Altar kann man prunkvoll vergoldete Holzschnitzereien von 1747 bewundern und auch die Stifterfiguren von Heinrich II. und seiner Gemahlin Kunigunde sind im Inneren zu sehen. Auffällig bei der Inselbegehung ist, daß man ständig eine Glocke läuten hören kann und wir wären nicht in Slowenien, wenn es nicht wieder eine Legende dazu geben würde: Einst soll auf der Burg Bled die schöne Polixena gelebt haben, die sehr um ihren verstorbenen Ehemann trauerte. Aus dieser Trauer heraus habe sie entschieden, so die Legende weiter, der Kirche auf der Insel eine Glocke zu spenden. Leider sei aber beim Transport der Glocke über das Wasser während eines Sturmes die Glocke mitsamt der Besatzung auf den Grund gesunken. Und, so erzählen es die Bleder Einwohner, von dort aus den Tiefen soll man bis heute ihr Läuten ab und an hören können.
Weil die Kulisse so malerisch ist, halten wir gegenüber der Burg und schießen ein paar Erinnerungsfotos.
Weiter fahren wir durch die Bergwelt, und üppig grüne Täler mit ihren blühenden Wiesen. Eine halbe Stunde später erblicken wir den Bohinjska Jezero. Mitten im Tal liegt er vor uns mit seinem azurblauen Wasser. Er ist der größte natürliche See des Landes und um ihn herum gibt es viele unberührte Almen und mächtige Gipfel.
Um diese spektakuläre Aussicht so richtig genießen zu können, machen wir mit der Seilbahn einen Ausflug zum Vogelplateau. Hier oben leben einige Senner während der Sommermonate auf der Hochalm und im Winter fahren die Skifahrer auf den längsten Pisten des Landes entlang. Beim heutigen wolkenlosen Himmel haben wir einen fantastischen Blick auf die Julischen Alpen und den Triglav, den mit 2.864 Meter höchsten Gipfel Sloweniens. Nach nur dreiminütiger Fahrt steil nach oben erreichen wir das Plateau über 1.500 Meter über dem See und der Ausblick verschlägt uns schier den Atem.
Das Panorama ist so postkartengleich, daß wir wunderschöne Fotos schießen und die Daheimgebliebenen mit Sicherheit ganz neidisch machen werden.
Wenn man das Panoramarestaurant auf dem Plateau durchquert, gelangt man auf der anderen Seite auf eine Almwiese, von der aus man einen guten Blick auf die unzähligen Skipisten und Abfahrtshänge hat. Im Mai liegt allerdings kein Schnee mehr und auf den Pisten sind Wanderer unterwegs.
Nachdem wir ein wenig umherspaziert sind und die Aussicht in vollen Zügen genossen haben, fahren wir wieder ins Tal und machen uns auf den Weg zu einer zünftigen Sause in Bohinjska Bistrica.
Mitten im ländlichen Slowenien erwartet uns Simona, eine Sennerin eines urigen Bauernhofes. Wir laufen durch ein romantisches Dorf mit alten Heuscheunen und am Käsehof angekommen, sind die leckeren Spezialitäten für uns schon vorbereitet. Es ist so heiß heute, daß wir sofort über die schattigen Plätze, das kühle Wasser und den Holundersirup herfallen. Gleich neben uns stehen die Kühe auf der Weide und einige auch im Stall und schauen uns neugierig an.
Simonas Mann André ist in den Sommermonaten mit den Kühen auf einer nahe gelegenen Hochalm und zum Almabtrieb im September werden die Kühe bunt geschmückt. Ein Volksfest begleitet ihren mehrstündigen Marsch zurück ins Tal zum Winterquartier. Es ist urgemütlich auf dem Hof und all die Leckereien dürfen wir natürlich genießen mit dem Blick in die grüne Umgebung. Es ist so bezaubernd, daß wir gar nicht wieder weg wollen. Die Stille ist magisch und der hausgebrannte Schnaps mundet uns vorzüglich. Als wir uns endlich loseisen können, kaufen einige Gäste noch Käse oder Wurst, damit sie sich an dieses schöne Erlebnis erinnern können.
Am frühen Nachmittag halten wir unweit des Käsehofes an der Sankt Pauls Kirche und durchqueren das Dorf. Nach einem Kilometer erreichen wir die sogenannte Teufelsbrücke, eine alte Steinbrücke, um deren Entstehung sich eine Legende rankt. Der Teufel soll sie erbaut haben und der Preis dafür soll eine Seele eines Lebewesens gewesen sein, in diesem Falle, so sagt man, hat es ein Kälbchen das Leben gekostet.
Die Ausblicke in die schroff und sehr steil abfallende Mostnicaschlucht, in der smaragdgrün der gleichnamige Fluß entlangbraust, sind absolut beeindruckend. Auf dem Rückweg bewundern wir die verschiedenen am Waldrand blühenden Wildblumen und vor uns huschen die Eidechsen rechts und links in die Büsche.
Nach diesem wunderbaren Spaziergang machen wir uns auf den Rückweg, da wir in Bled noch die ein oder andere Unternehmung geplant haben. Einige wollen mit dem Pletnaboot zur Marieninsel fahren, andere ein Eis genießen. Das Wetter ist perfekt, Jacken brauchen wir nicht und zum Abendessen treffen wir uns alle wieder und berichten von unseren Erlebnissen.
Morgen sind wir nun gespannt auf unseren Ausflug in den Triglav Nationalpark ...
Zu Besuch im Triglav Nationalpark
Unser heutiger Urlaubstag ist ganz den Naturbeobachtungen im Nationalpark gewidmet.
Wir beginnen unsere spektakuläre Rundfahrt bei hochsommerlichen Temperaturen und fahren an Planica vorbei, den berühmten Schanzen, die wir alle aus dem Fernsehen und von den Winterspielen kennen. Unterwegs halten wir mehrfach an, um Fotos von der absolut spektakulären Bergwelt zu machen, die rechts und links neben uns aufragt. Der Himmel ist strahlend blau und selbst unser Busfahrer Sergey schießt ein paar Schnappschüsse, so postkartengleich sieht die Landschaft hier aus.
Nun steuern wir an Kranjska Gora vorbei, dem berühmten Wintersportzentrum Sloweniens und weiter fahren wir zum Predelpaß, der sich zwischen den Bergmassiven des Mangrt (2.677 Meter hoch) und des Kanin (2.571 Meter hoch) befindet, die wie auch der Paß die Grenze zwischen Italien und Slowenien bilden. Während des Ersten Weltkrieges war der Paß eine der wichtigsten und umkämpftesten Versorgungsrouten der Isonzofront. Noch heute kann man die davon zeugenden Bunker und Befestigungswerke sehen. Bis zum Ende des Krieges gehörte die Region zu Österreich-Ungarn und russische Kriegsgefangene mussten den Vrsic Paß unter schwersten Bedingungen errichten, unzählige von ihnen verloren beim Lawinenunglück 1916 ihr Leben.
Zur Mittagszeit erwartet man uns im Nationalparkmuseum und wir erfahren bei einer Führung viel über das Leben in früherer Zeit in den Tälern des Triglavmassivs, die damalige Holzkohle- und Eisenerzherstellung, lernen einige Tierarten und vor allem etliche endemisch vorkommende Blumenarten kennen und schauen einen Film über die wunderschöne Natur zu allen Jahreszeiten. Wir haben azurblauen Urlaubshimmel und davor hebt sich der König der Julischen Alpen, der Triglav, konturenreich ab und wir schießen begeistert Erinnerungsfotos. In der gemütlichen Kneipe neben dem Museum versorgt man uns mit Köstlichkeiten wie Jota (slowenischem Krauteintopf), Polenta mit Gulasch und einige Gäste lassen sich danach noch ein Schnäpschen schmecken. Was gibt es Schöneres, als bei diesem Traumwetter in dieser herrlichen Umgebung zu schlemmen. Wir genießen - und schweigen.
Während unserer Rückfahrt sehen wir neben uns erneut die Soca. Der Verlauf dieses smaragdgrünen Flusses wird von kleineren und größeren Wasserfällen, Stromschnellen und engen Felsschluchten geprägt. Das ganze Tal ist ein Muß für Naturliebhaber und Wassersportler. Allein die Farbe des Flusses begeistert uns.
Kurz vor dem Scheitelpunkt des Predelpasses in der Nähe der Stadt Bovec befindet sich die mächtige Festung Kluze. Sie liegt oberhalb der Kortinica Schlucht und diente seit dem 13. Jahrhundert vor allem der Verteidigung gegen osmanische Invasoren, später trotzte sie der Armee Napoleons und verhinderte Angriffe im Ersten Weltkrieg. Heutzutage befinden sich hier ein Museum und ein Festsaal, den man beispielsweise für Hochzeiten mieten kann.
Nun fahren wir den Grenzpass zwischen dem italienischen Friaul und Slowenien hoch, der viele Jahrhunderte lang vor allem strategisch bedeutsam war. Daran gemahnt noch das Löwendenkmal, an dem wir vorbeifahren, das an den österreichischen Kampf gegen Napoleons Truppen erinnert. Unter dem Paß verläuft ein alter Entwässerungs- und Versorgungsstollen von 1905, in den man vom Bergwerksmuseum auf italienischer Seite noch heute einfahren kann.
Die Scheitelhöhe des Passes beträgt 1.156 Meter und als wir auf der italienischen Seite im Tal ankommen erblicken wir den Predelsee, der türkisblau am Fuße der Berge liegt.
Am Nachmittag erreichen wir erneut das Örtchen Planica. Hier befinden sich mehrere Skisprung- und Skiflugschanzen, daher wird der Ort auch das "Tal der Schanzen" genannt. Die erste Schanze wurde bereits 1930 am Berg Ponca errichtet. Bei den sommerlichen Temperaturen fällt es uns schwer, uns den vielen Schnee und die unzähligen Besucher bei den Meisterschaften vorzustellen. Bei unserem Besuch werden die Schanzen gerade ausgebessert, für ein Sommervestival werden gerade Zelte aufgebaut und die Anlage wird auf die nächste Saison vorbereitet.
Nach dieser eindrucksvollen Rundfahrt durch den Nationalpark erreichen wir am Abend unser Hotel und lassen beim Abendessen die Eindrücke Revue passieren.
Morgen erwartet uns Ljubljana, die Hauptstadt Sloweniens, und wir sind sehr gespannt...
Willkommen in der Hauptstadt Ljubljana
Um zehn Uhr sind wir mit Mateja und Ivana in Ljubljana verabredet, sie werden mit uns heute die Hauptstadt erkunden.
Ljubljana erinnert einerseits sehr an österreichische Städte, andererseits könnte man es gerade durch die vielen Straßencafés und die Architektur Plecniks auch für eine mediterrane Stadt halten.
Um die Entstehung Ljubljanas rankt sich eine weitere Legende: die Stadt soll vom griechischen mythologischen Helden Jason gegründet worden sein, der dem König Aietes das Goldene Vlies raubte und im Anschluß daran mit seinen Gefährten, den Argonauten, auf dem Schiff Argo über das Schwarze Meer und auf Donau und Save bis zum Fluß Ljubljanica flüchtete. Auf dem Weg machten die Argonauten an der Quelle der Ljubljanica Halt und erspähten ein Ungeheuer, welches von Jason bekämpft und getötet wurde. Dieses Ungeheuer ist das heutige Symbol der Stadt - der Drache. Dieser Drache ist im Stadtbild immer noch allgegenwärtig und besonders schön ist die Drachenbrücke mit den riesigen Skulpturen des Fabeltieres anzusehen.
Vorbei an den Fakultäten der Universität und den berühmten drei Steinbrücken bummeln wir weiter, sehen auf der Ljublijanica die Ausflugsboote fahren, bewundern die Jugendstil-Fassaden und verweilen ein wenig vor der Kirche Maria Verkündigung mit ihrer barocken Fassade.
Wir verabschieden uns von Mateja und Ivana an der Seilbahnstation und fahren auf den Hausberg mit der imposanten Burg. Diese mittelalterliche Festungsanlage, auf deutsch die Burg von Laibach, ist das Wahrzeichen der Hauptstadt und liegt 376 Meter hoch. Die heute noch zu besichtigenden ältesten Gebäudeteile der Burg sind die 1489 geweihte Kapelle Sankt Georg und der 1496 errichtete Turm. Nachdem wir den Ausblick ausgiebig genossen und fotografiert haben fahren wir hinunter und die meisten Gäste planen nun einen Bummel durch die Stadt oder eine Bootsfahrt.
Erst am frühen Abend finden wir uns wieder am Bus ein und fahren zurück zu unserem Hotel in Bled. Auf dem Rückweg prasseln Hagel und ein Starkgewitter auf uns hernieder, daß wir alle heilfroh sind, jetzt im schützenden Bus zu sein. Alle Gäste sind pflastermüde und von den Eindrücken geschafft, es wird sehr ruhig im Bus.
Am Kreisverkehr vor Bled mit den Akkordeons, die an die berühmte Musikerfamilie Avsenik erinnern, fährt Sergey für die Fans dieser Musik extra drei Runden und ein Erinnerungsvideo wird aufgenommen.
Morgen werden wir auf eine Hochalm fahren, aber erstmal heißt es "Gute Nacht" ...
Fakultativer Ausflug in die Steiner Alpen auf die Velika Planina oder freier Tag in Bled
Einige Gäste entscheiden sich heute für einen freien Tag in Bled und genießen die Sonne bei einem Spaziergang durch das hübsche Städtchen, fahren mit den Pletnabooten auf die kleine Insel, wandern in der Vintgarklamm oder bummeln entlang des Sees.
Der wanderfreudige Teil der Gruppe macht sich auf den Weg zur Kabinenbahn, die uns auf die Hochalm Velika Planina bringt. Das Wetter ist viel besser, als vom Wetterbericht angekündigt, und als wir auf 1. 666 Metern Höhe ankommen, stehen wir inmitten blühender Almwiesen, die Sonne scheint und bei 17 Grad beginnen wir unsere Wanderung zur ältesten und größten noch existierenden Senneralm in Europa.
Da wir unseren Besuch mitten in der Woche geplant haben, sind nicht zu viele Besucher da, wir hatten zwar eine Gruppe aus Bayern am Lift vor uns getroffen, sie laufen aber eine andere Strecke und so sind wir bei Senner Jannik erstmal ganz allein. Wir probieren rege den Beerenlikör, kosten vom Trnic Käse, der hausgemachten Wurst und den süßen Strukli. Um uns herum erblicken wir endlose saftig mit Blumen übersäte Wiesen,, verstreut liegende Hütten, genießen die Stille und freuen uns an dem Panoramablick. Von einem Schüler des berühmten Slowenischen Architekten Plecnik wurde im Stil der Sennerhütten eine Kirche erreichtet. Leider sind in diesem Jahr die Kühe noch nicht auf der Alm, der Winter war zu lang und das Gras ist noch nicht hoch und nahrhaft genug, berichtet uns Jannik, in etwa 15 Tagen rechnet er mit dem Almauftrieb.
Die früheren Hütten auf der Alm stammten aus dem 16. Jahrhundert und hatten ausschließlich ovale Grundrisse. Darüber waren fensterlose schindelgedeckte einstöckige Holzgebäude mit einem mittigen Schornstein. In der Hüttenmitte befand sich traditionsgemäß die Küche, wo der luftgetrocknete Käse hergestellt wurde. Oberhalb der Küche war saisonal der Schlafraum des Hirten. Sie wurden einst nur von Juni bis September vom männlichen Familienmitglied bewohnt. Die Senner zogen am Berg auf und ab, je nachdem, wo das Vieh das beste Futter fand. Im September trieb man die Tiere wieder in die Täler und überwinterte dort in festen Häusern. Leider wurden sowohl diese schönen alten Hütten als auch die 1938 errichtete Kirche während des 2. Weltkrieges von den deutschen Besatzern zerstört, so daß auf dieser Alm keine Originalbauten mehr erhalten geblieben sind. Glücklicherweise wurden Hütten und Kirche aber auf Initiative von Hirten im Jahr 1988 wieder aufgebaut und heute beherbergen sie traditionelle Käsereien oder werden als Ferienwohnungen von Wanderern genutzt.
An der Station Zeleni Rob kehren wir ein und essen eine zünftige Krautsuppe. Während wir essen, türmen sich mehr und mehr dunkle Wolken auf und wir beschließen, lieber die Rückfahrt anzutreten. Das Sitzen im offenen Sessellift ist ein ganz besonderer Genuß mit faszinierendem Ausblick auf die Steiner Alpen und wir fühlen uns wortwörtlich wie "Über den Wolken".
Am Nachmittag ist es im Tal so heiß, daß wir spontan beschließen, der Eisdiele in Kamnik einen Besuch abzustatten, dort kühlen wir uns innerlich und äußerlich etwas ab und spazieren anschließend entlang der von kleinen Häuschen gesäumten Straße des Ortes entlang.
Nachmittags erreichen wir das Städtchen Domžale, in der Region Kamnica Bistrica, wo sich ein einzigartiges Strohhutmachermuseum befindet.
Die ganze Gegend ist bekannt und berühmt für ihre handgefertigten Strohhüte, die die Region in der Zeit von 1880 bis etwa 1910 europaweit berühmt machten. Sarah empfängt uns und erklärt uns mit aller Inbrunst und Detailliebe die einzelnen Arbeitsschritte, die nötig sind, um einen Strohhut herzustellen.
In den Wintermonaten hatten die Bauern der Umgebung in den vergangenen zwei Jahrhunderten Zeit, das Stroh wurde aus Weizen gewonnen und jede Familie in der Gegend konnte die schmalen Schnüre, die zur Herstellung erforderlich sind, flechten. Etwa 30 Meter einer solchen Strohschnur braucht man, erfahren wir von Sarah, um einen einzigen Hut zu nähen und die Maschinen dafür sind noch heute die alten von damals. Bis zu 60 Stunden sitzt eine Flechterin an solch einer Schnur und es braucht viel Erfahrung und Geschick, um einen Hut fertig zu stellen. Mit Hilfe einer schweren Aluminiumform und Glättvorrichtungen bringt man ihn am Ende in Form.
Wir sind müde und im Museum ist es sehr heiß, daher beschließen wir, hutlos zum Bus zurück zu kehren, obwohl verdammt schöne Modelle angeboten wurden.
Beim Abendessen tauschen wir unsere Erfahrungen aus und werden wehmütig, daß wir das schöne Bled morgen verlassen müssen.
Wir werden uns vom Norden Sloweniens verabschieden und uns an die Adriaküste begeben ...
Zu Besuch auf dem Gestüt der Lippizaner und Weiterreise nach Ankaran an die Adriaküste
Es geht in Richtung Adriaküste und durch die Karstlandschaft, die bekannt für ihre unterirdischen Höhlen ist. Bis heute hat man bereits über 8.000 entdeckt und davon knapp 30 für Besucher zugänglich gemacht. Charakteristisch für diese Landschaft sind die periodischen Seen, unterirdischen Flüsse, Karsttrichter (Dolinen) und Gruben.
Zur Mittagszeit erreichen wir das Gestüt der Lipizzaner und schon bei der Anfahrt sehen wir diese wundervollen Tiere auf den Weiden grasen. Die jungen Pferde sind noch braun und werden erst im Alter von vier bis sechs Jahren weiß. Zuerst unternehmen wir eine Kutschfahrt über das Gestüt und danach erklärt uns Janeta die Zuchtlinien und die Geschichte des Gestüts. Früher nannte man die Pferde die Karster, da sie aus dieser Region stammten. Unter der Herrschaft der Habsburger über das heute zu Slowenien gehörende Gebiet um Lipica erlangten diese Pferde Berühmtheit durch ihren Einsatz an der Spanischen Hofreitschule in Wien. Bereits im Jahre 1580 wurde mit Pferden der iberischen Halbinsel das Gestüt Lipica gegründet. Diese wunderschönen Tiere enthalten Anteile von spanischen, neapolitanischen-italienischen und arabischen Pferden.
Nach dieser interessanten Führung durch das Gestüt gelüstet es uns nach Mee(h)r. Wir fahren entlang der slowenischen Adriaküste, die insgesamt gerade 46 Kilometer lang ist. Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel herab und die Vegetation ist merklich mediterran. Rechts und links erblicken wir Weinstöcke, Olivenbäume, Zitrusfrüchte, Magnolien, Pinien und Zypressen. Unser Hotel liegt in Ankaran ist in ein Kloster aus dem 12. Jahrhundert integriert worden und nur elf Kilometer von Triest entfernt. Zum Strand sind es gerade zwei Gehminuten. Wir werden hier am Meer oder im Pool einen freien Nachmittag genießen und die vielen schönen Eindrücke der letzten Tage ein wenig Revue passieren lassen.
Beim Willkommenssekt stellt sich die Besitzerin im alten Kreuzgang persönlich vor. Auf der wundervollen Terrasse des Anwesens genießen wir ein Abendessen und danach spazieren wir hinunter zum Strand, um den Sonnenuntergang zu beobachten und auf Fotos festzuhalten.
Morgen freuen wir uns auf die Perle der Adria - Piran ...
Zu Besuch in Piran und Weinverkostung bei Familie Kralj
Am Morgen fahren wir ein Stück die Küstenstraße an der Adria entlang und erreichen nach einer Stunde das Hotel Bernhardin in Portoroz. Da das Wetter fantastisch ist, laufen wir den Rest der Strecke zur Perle der Adriaküste Sloweniens - der Stadt Piran. Sie gilt als die schönste Stadt des Landes, die einst durch Salz reich geworden ist. Venedig war früher der Hauptabnehmer des weißen Goldes und noch heute wird in den Salinen vor Strunjan und Portoroz nach alten Verfahren die erstklassige Salzblüte gewonnen. Uns empfängt am Hafen ein mediterranes Flair, wir sehen die im Wind schaukelnden Boote und passieren das frühere Stadttor mit dem venezianischen Löwen, an dem noch Reste der mittelalterlichen Ringmauer zu sehen sind. Die schmalen Gassen, durch die wir spazieren, mit den eng aneinander gereihten Häusern, erinnern unheimlich an Venedig, besonders wenn an den Fenstern die Wäsche zum Trocknen aufgehängt ist, wirkt es wie in Italien.
Als wir den Tartiniplatz erreichen, haben wir einen fantastischen Blick auf das Rathaus von Piran. Die Skulptur eines Sohnes der Stadt, Guiseppe Tartini, steht genau davor und wir erblicken den Glockenturm der Kathedrale des heiligen Georg. Steil hinauf steigen wir, um von oben den tollen Ausblick auf die Julischen Alpen, die italienischen Alpen und sogar die Dolomiten zu genießen. Auf dem Glockenturm thront eine Skulptur des Erzengel Michael, die den Einwohnern der Küstenstadt das Wetter anzeigt. Diesen Glockenturm kann man auch besteigen und nachdem man 175 Stufen hochgestiegen ist, hat man einen Rundumblick auf die Stadt und die gesamte Küste.
Danach dürfen wir ein wenig Freizeit in diesem pittoresken Städtchen verbringen und viele probieren die von Mateja empfohlene S´torta, einen Kuchen mit leicht gesalzenem Karamel und einer Olive aus Marzipan oben drauf. Die meisten genehmigen sich bei den hochsommerlichen Temperaturen allerdings ein Eis oder springen zur Abkühlung gleich in die Adria. Einige Gäste machen einen Abstecher in den hervorragend sortierten Salzladen auf dem Tartiniplatz oder shoppen in den unzähligen kleinen Läden. Jeder findet ein schönes Plätzchen, um etwas zu essen, zu trinken und die Seele baumeln zu lassen.
Am frühen Nachmittag treffen wir uns am Bus wieder und machen gemeinsam einen Ausflug zu einem in der Nähe von Koper gelegenen Weingut der Familie Kralj. Wir fahren in Richtung Koper, biegen dann von der Hauptstraße ab und finden uns in einer Landschaft wieder, die sehr an die Toskana erinnert. Zypressen stehen auf sanften Hügeln, knorrige Olivenbäume säumen die Wege. Vereinzelte Höfe liegen verstreut. Das Wetter ist hochsommerlich heiß, Grillen zirpen, die Granatapfelbäume blühen und die Weintrauben sind gut entwickelt. Mit dem Traktor werden wir empfangen, die lauffreudigen Gäste gehen zu Fuß.
Das Weingut ist ein gemütlicher Bauernhof, der von einer Großfamilie betrieben wird. Die Mutter bäckt das Brot, die Wurst stammt aus der hauseigenen Schlachterei und von eigenen Schweinen, der Käse von einem benachbarten Milchbauern. Für etliche Weine hat die Familie bereits Preise auf internationalen Messen gewonnen. Wir probieren zuerst Malvasja, einen in Istrien sehr verbreiteten süffigen Weißwein und danach den kräftigen Refosk, einen typischen Rotwein der Gegend und zum Schluß einen süßen, schweren und fruchtigen Muskat, den man vor allem an heißen Sommertagen zum Dessert trinkt.
Uns schmecken alle Weine sehr und wir nehmen natürlich zum Andenken mehrere mit nach Hause. Slowenischer Wein ist im Ausland wenig bekannt, zu klein sind die Anbaugebiete, exportiert wird er kaum. Auf der Rückfahrt zum Hotel in Ankaran wird es still, alle sind müde von den Erlebnissen des heutigen Tages und erst zum Abendessen treffen wir uns alle wieder.
Morgen werden wir einen Ausflug nach Goriska Brda in die kleinste Weinregion Sloweniens machen und sind schon sehr gespannt...
Freizeit an der Adria oder fakultativer Ausflug in die Weinregion Goriska Brda
Zu unserem heutigen fakultativen Ausflug in die westlichste Weinregion Sloweniens begleitet uns Mateja, die uns viel über die Region berichtet, wir erfahren, daß unter jugoslawischer Herrschaft Titos in dem Gebiet viel geschmuggelt wurde, vor allem Jeanshosen und Kaffee. Während des ersten Weltkrieges war die Gegend durch die Auseinandersetzungen zwischen Italien und den Habsburgern stark in Mitleidenschaft gezogen.
Nun geht es höher und höher, zuerst durch den Karst und danach an der Stadt Gorica vorbei. Am Vormittag erreichen wir die kleinste Weinregion Sloweniens: Brda.
Unsere erste Pause machen wir am Gonjace Lookout Tower. Auf diesen 23 Meter hohen Aussichtsturm steigen wir die 144 Stufen hinauf und es läßt sich kaum beschreiben, wie grandios der Blick von hier oben über die sanften Hügel der Brdaregion ist. Bei gutem Wetter kann man bis zum Triglav blicken. Vor uns liegen unzählige Weinberge, dahinter saftig grüne und bewaldete Hügel und auf jeder Hügelspitze thront ein mittelalterliches Dörfchen. Wir sehen ein Panorama in allen vier Himmelsrichtungen, die Karnischen und die Julischen Alpen, die Dolomiten, Friaul, den Golf von Triest, den Karst, das Vipavatal und den Hoch- und Schwarzwald Trnovski Gozd.
Das mittelalterliche Dorf Smartno mit seinen fünf erhaltenen Türmen, ist in der Region von überall aus zu sehen und wir statten ihm einen Besuch ab. Wie ein Adlernest hockt es hoch oben auf dem Hügel. Auf römischen Fundamenten gebaut, entstand dieses Dörfchen als Festung mit strategisch günstiger Lage an der venezianischen Grenze. Vom 16. bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war Smartno ein wichtiger Verteidigungspunkt als Teil eines Festungssystems, das durch Söldner verteidigt wurde, die vorrangig uskokischer Abstammung waren. Heutzutage ist alles im Ort liebevoll saniert, keine Spuren von Verteidigungen und Kämpfen sind mehr zu sehen und um den Martinstag herum finden hier etliche Weinfeste und Veranstaltungen statt. Wir werfen eine Blick in das Volkskundemuseum und schauen uns an, wie man in den vergangenen Jahrhunderten hier oben lebte und am Ende bewundern wir die Fresken von Tone Kralj in der Pfarrkirche des Heiligen Martin. Danach verstreuen wir uns in den Gassen des kleinen mittelalterlichen Örtchens und suchen uns ein schattiges Plätzchen mit fantastischem Ausblick, um Kaffee oder Wein zu genießen.
Was liegt in einer so schönen Gegend näher, als eine Weinprobe? Die Familie Sosolic wartet bereits auf uns. Dieser berühmte slowenische Weinkeller ist eingefügt auf den Rand des mit Weinbergen komplett bepflanzten Hügel, dessen Seiten alle in der Sonne regelrecht baden. Auf dem Anwesen wachsen knorrige Olivenbäume und Kirschen, für die diese Region ebenfalls berühmt ist. Das Gut ist seit Generationen im Familienbesitz, Vater Izidor übernimmt immer noch einen Teil der Verantwortung, Sohn Dominik hilft bei allen Arbeiten fleißig mit und in ein paar Jahren werden die beiden Enkel alles übernehmen. Wir werden von den Herren des Hauses mit zwei Weißweinen, zwei kräftigen Rotweinen und einem Dessertwein verwöhnt, Käse und Brot runden diese Weinprobe ab und die Blicke vom Hügel aus in die Umgebung sind postkartengleich und werden uns lange in Erinnerung bleiben, und damit wir uns daran erinnern können, nehmen wir gaaaaaaanz viele Flaschen dieser leckeren Tröpfchen mit nach Hause, bevor wir weiter fahren.
Unter der Solkanbrücke begegnet uns die smaragdgrüne Soca wieder. Diese Steinbrücke mit einer Spannweite von 85 Metern ist die größte Eisenbahnsteinbrücke der Welt. Dieses technische Meisterwerk wurde 1905 als Teil der Wocheiner Bahn errichtet, sie verbindet Gorica mit Jesenice. Man mußte 4.533 Steinblöcke meißeln, um sie zu errichten. Der Bahnverkehr wurde im Jahr 1906 aufgenommen. Leider wurde die originale Brücke im Ersten Weltkrieg zerstört und erst 1985 nach den alten Plänen wieder aufgebaut. Heutzutage fährt in den Sommermonaten ein Museumszug mit einer Dampflokomotive darüber und es ist jedes Mal ein Spektakel für viele Fotografen und Eisenbahnfans von nah und fern, wenn die Lok dampfend und schnaufend angebraust kommt.
Den letzten Halt machen wir an der modernen Wallfahrtskirche Monte Grisa oberhalb von Triest, um die fantastische Aussicht auf die Küste zu genießen. Diese Kirche wurde mit ihrer speziellen Architektur nach Entwürfen des Triester Bauingenieurs Antonio Guacci 1966 fertig gestellt. Wenn man hinter den futuristischen Bau geht, erblickt man auf der einen Seite Triest, die slowenische und die kroatische Küste und auf der anderen Seite das Schloß Miramare.
Am Abend kehren wir voller schöner Eindrücke und mit etlichen Flaschen Wein beladen nach Ankaran in unser Hotel zurück
Morgen machen wir wieder gemeinsam mit Mateja einen Ausflug in den slowenischen Karst und werden den hervorragenden luftgetrockneten Schinken verkosten ...
Ausflug in den slowenischen Karst in den Dinarischen Alpen
Die Karstlandschaft in Slowenien ist bekannt für ihre unterirdischen Höhlen und steinigen Landschaften.
Bevor wir nach Stanjel fahren, halten wir an der Skocjan Höhle. Wir laufen einen Lehrpfad entlang und lernen die Vegetation und Vielfalt des Karsts besser kennen, viele seltene und vom Aussterben bedrohte Vogel- und Fledermausarten leben hier. Unter uns tost der Fluß Rega wild im Tal entlang und an einem Aussichtspunkt können wir den Ausgang der Höhle und die tiefe Schlucht erkennen.
Nun geht es enge Straßen hinauf, rechts und links erblicken wir nur noch Weinreben. Vor dem kleinen Karstort Stanjel machen wir noch einen Fotostop, damit wir erstmal das grandiose Panorama auf die Fotos bannen können. Der Name Stanjel leitet sich vom Schutzheiligen der Stadt, dem heiligen Daniel ab. Aufgrund der hervorragenden Lage auf einem Hügel, war Stanjel schon in prähistorischen Zeiten besiedelt und während der Antike entstanden hier die ersten Befestigungen. Die Festungsmauer, die heute wieder teilweise restauriert wurde, stammt aus dem 15. Jahrhundert und sollte vor den Angriffen der Osmanen schützen.
Die kulturelle Blüte erlebte der kleine Ort im 16. und 17. Jahrhundert. Zwischen den beiden Weltkriegen spielte vor allem der damalige Bürgermeister und Architekt Max Fabiani bei der Prägung des Aussehens von Stanjel eine große Rolle. Er errichtete für die Familie seines Schwagers einen Garten, den er um eine Reihe von Gebäuden des ehemaligen Ostwalls der Stadt herum anlegte. Dabei schuf er auch ein Wassersystem, welches den ewigen Wassermangel des Karstes berücksichtigt und heute noch Besucher begeistert. Im Ort selbst fühlen wir uns eher in ein mittelalterliches Szenario versetzt. Gemeinsam laufen wir durch den absolut malerischen und romantischen Ort und landen am Ortseingang bei Grad Stanjel - einem Restaurant mit einem Freisitz in einem Hof unter schattigen Bäumen. Das Flair verleitet uns zu Limonade, Wein, Kaffee und Eis und wir verbringen hier ein Weilchen in der Stille und grünen Romantik der Karstlandschaft, bevor wir weiter fahren.
Nur wenige Kilometer von den alten Stadtmauern entfernt treffen wir eine junge Familie, die den wunderbaren Prsut, einzigartigen Schinken nach alten Traditionen, nämlich luftgetrocknet, herstellt. Wir bekommen genau erklärt, wie der Schinken zu einer Leckerei heranreift und genießen in vollen Zügen diese einzigartige Spezialität, zu der der dunkle intensive Karstwein Teran hervorragend paßt. Wir probieren andächtig und kein einziges Scheibchen der Leckereien bleibt übrig. Um diesen Schinken zu kaufen, kommen sogar die italienischen Nachbarn von weit her angefahren. Im Anschluß an die Verkostung werden uns die riesigen Keulen gezeigt, die bis unter die Decke in einer kleinen Halle aufgehängt wurden und dort mindestens 12 Monate reifen müssen. Die Lufttrocknung wird stark vom Borawind beeinflußt, der dem Schinken seinen speziellen Geschmack verleiht. Der kleine Tresen mit den verschiedenen Schinkensorten wird danach regelrecht erstürmt von den Gästen.
Als wir alles aufgegessen haben, und eigentlich schon aufbrechen wollen, öffnet der Himmel seine Schleusen und es regnet wie aus Kübeln. Natürlich gehen wir bei einem solchen Wetter auf keinen Fall hier weg und Simone, die Reiseleiterin, bestellt noch einmal Nachschub. Jetzt verkosten wir den 36 Monate getrockneten Schinken, der eine Cremigkeit hat, die uns sehr begeistert, der Teranwein wird aufgefüllt und als auch diese Köstlichkeiten verspeist sind, hat der Regen aufgehört.
Beschwingt, die Hände voller Schinkenpakete verlassen wir den Ort und kehren zu unserem Bus zurück. Von den Spezialitäten fühlen wir uns so gut gefüllt und müde, daß wir im Bus ein Nickerchen halten und erst kurz vor Ankaran wieder erwachen.
Morgen müssen wir die schöne Adriaküste verlassen, allerdings erwartet uns mit dem Besuch der Postojna-Höhle nochmal ein absolutes Highlight...
Die spektakuläre Höhle von Postojna und Fahrt nach Maribor an der Drau
Heute früh müssen wir die Küste und das Meer verlassen und brechen in Richtung Postojna auf, wo ein absolut einmaliges Highlight auf uns wartet: die Postojnska Jama oder Adelsberger Grotte. Diese Höhle ist das meistbesuchte Ziel in ganz Slowenien. Sie ist die zweitgrößte für Touristen erschlossene Tropfsteinhöhle der Welt, das gesamte Höhlensystem ist 24 Kilometer lang, wovon für Besucher fünf zugänglich sind und man dreieinhalb davon in einem Zug zurücklegt, der in die Höhle hineinfährt. Die Fahrt allein ist wie die Tour in ein Märchenland und noch märchenhafter wird es beim Spaziergang durch die Höhle.
Eine Welt aus Stalaktiten und Stalakmiten erscheint, durch die untere Höhlenebene fließt der Fluß Pivka und man kommt aus dem Staunen, was die Natur so zustande bringen kann, gar nicht mehr raus. Kurz vor dem Ausgang dieser faszinierenden Welt gibt es ein Terrarium, in dem man einige Exemplare des seltenen Grottenolms beobachten kann. Dieses Tier zählt zu den Schwanzlurchen, sieht aber aus wie ein Fabelwesen, es hat keine Augen, eine völlig weiße durchscheinende Haut, Kiemen und die Gliedmaßen eines Salamanders. Diese Wesen, die wie aus einer anderen Welt zu kommen scheinen, können bis zu 70 Jahre alt werden und in Postojna ist es erstmals gelungen, die Tiere bei der Eiablage und sogar die Geburt der Jungen zu beobachten.
Völlig fasziniert und der Welt ganz entrückt fahren wir mit dem Zug wieder ans Tageslicht und sind von der Sonne erstmal geblendet. Ein fantastisches Erlebnis.
Am Nachmittag erreichen wir Maribor an der Drau. Morgen werden wir diese Region näher kennenlernen ...
Weinverkostungin Ptuj und Stadtrundgang in Maribor
Unweit von Maribor liegt das kleine Städtchen Ptuj an der Drau. In der historischen Landschaft Spodnja Stajerska, auf deutsch Untersteiermark, befand sich die Hauptstadt des ehemaligen Herzogtums Steiermark. Die Region war schon in der Jungsteinzeit besiedelt, später nannten die Römer sie Petovio, Vespasian wurde hier zum römischen Kaiser ausgerufen und unter Kaiser Trajan erhielt die Siedlung die Stadtrechte. Ab dem 9. Jahrhundert gehörte das Pettauer Gebiet den Erzbischhöfen von Salzburg. Im 12. Jahrhundert ließ Erzbischof Konrad I. auf dem Berg oberhalb der Stadt eine verfallene Burg wieder aufbauen, um die Reichsgrenzen besser zu sichern, im 13. Jahrhundert kam eine Stadtmauer hinzu. Erst im Jahr 1555 kaufte König Ferdinand I. die Stadt mitsamt dem Schloß wieder zurück und integrierte das Gebiet endgültig in das Herzogtum Steiermark, worin es bis zum Ende der Habsburger Monarchie 1919 verblieb.
Als die Südbahn zwischen Wien und Triest am Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, blieben Maribor und Ptuj unberücksichtigt und verloren an Bedeutung, die Einwohnerzahl schrumpfte von da an stetig. Beim endgültigen Zerfall Österreich-Ungarns beanspruchte die neu gegründete Republik Deutschösterreich das gesamte Gebiet von Pettau, ohne Abstimmung gliederte man es allerdings zu Jugoslawien hinzu. Daher verringerte sich die überwiegend deutschsprachige Stadtbevölkerung noch mehr. Während der nationalsozialistischen Zeit und durch die Besetzung der deutschen Wehrmacht 1941 bis 1944 wurde die verbliebene slowenische Bevölkerung teilweise enteignet und deportiert. Hitler und Mussolini schlossen 1939 ein Abkommen, daß sich die einst aus ihrer Heimat vertriebenen Deutschen aus Südtirol und der Krain hier ansiedeln durften. Diese Deutschen flüchteten allerdings nach Ende des zweiten Weltkrieges 1945 aus dem Gebiet und seitdem wird Ptuj fast ausschließlich von Slowenen bewohnt.
Wir überqueren die Drau und spazieren durch die mittelalterliche Altstadt. Leider meint es der Wettergott heute überhaupt nicht gut mit uns. Es regnet und regnet und regnet. Manche erklimmen trotzdem das Schloß auf dem Berg, um schöne Fotos von der Umgebung zu machen. Die meisten hoffen im Café auf dem Rathausplatz darauf, daß der Regen aufhört. Am Mittag treffen wir uns wieder und laufen zum ältesten Weinkeller Sloweniens. Wir schauen uns zuerst die riesigen Eichenfässer im Keller aus dem 13. Jahrhundert an. Sie sind nur mit Wasser gefüllt, um sie zu erhalten, der Wein wird heutzutage in einem modernen Gelände etwas auswärts von Ptuj hergestellt. Nachdem wir im Archiv Flaschen von 1917 und etliche aus den 1950er Jahren entdeckt haben, steigen wir nach oben und verkosten einen Rose, zwei Weißweine und einen süßen Muscatello.
Als endlich der Regen etwas nachläßt, fahren wir ins unweit entfernt gelegene Maribor und treffen dort Valentina und Bozidar. Sie nehmen uns mit in die 115.000 Einwohner zählende zweitgrößte Stadt Sloweniens. Zuerst werfen wir einen Blick in die Basilika der Mutter der Barmherzigkeit, eine rötliche Franziskanerkirche mit einem angegliederten Kloster. Wir erfahren, daß auch Maribor eine Weinstadt ist, spazieren durch die Innenstadt mit ihren Gebäuden, die an die Zeit der Habsburger Monarchie erinnern. Nach deren Zerfall wurde die überwiegend deutschsprachige Stadt 1918 sowohl von der neu gegründeten Republik Deutschösterreich aber auch vom neu gegründeten Staat der Slowenen, Kroaten und Serben beansprucht. Marburg, wie die Stadt auf deutsch heißt, wurde ohne Volksabstimmung und gegen den Willen der frei gewählten Gemeinderäte als Teil der Untersteiermark dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, dem späteren Königreich Jugoslawien zugeordnet.
Hitler besuchte die Stadt 1941 und forderte seine Anhänger auf "dieses Land wieder deutsch zu machen". Nach diesem Besuch wurden Slowenen nach Serbien vertrieben oder zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich verschleppt. Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurden die letzten deutschsprachigen Bewohner nach Österreich vertrieben und nach Kriegsende entwickelte sich die Stadt zu einem blühenden industriellen und kulturellen Zentrum für den gesamten Norden Sloweniens. 1975 gründete man die Universität Maribor, die heute noch zu einem der schönsten Gebäude der Stadt zählt. Unseren Spaziergang beenden wir an der Kathedrale von Maribor von 1248 und der ältesten Weinrebe des Landes. Sie steht bereits seit über 400 Jahren an einem kleinen Haus an der Drau und trägt noch immer Trauben.
Nach diesem letzten regnerischen aber eindrucksvollen Tag geht unsere Slowenienreise zu Ende und beim Abendessen werden wir etwas melancholisch, daß wir morgen nach Hause fahren müssen ...
Heimreise
Nach einem sehr zeitigen Frühstück treten wir die lange Heimreise an.
Am Abend erst erreichen wir den Flughafen in Dresden überpünktlich, wir hatten Glück, in Bayern war ein Feiertag und dadurch war wenig LKW-Verkehr. In Dresden verlassen uns die letzten Gäste. Eine schöne Reise ist viel zu schnell vergangen, aber wir werden Freunden und Bekannten die tollen Fotos von dem kleinen Land zwischen den Alpen und der Adria zeigen und haben jetzt viel zu erzählen.
Liebe Reisegäste,
was war das doch für eine wunderschöne Reise in einem so kleinen und vielen unbekannten Land. Berge haben wir gesehen, über Pässe sind wir gefahren, haben kristallklare Bergseen gesehen, bildschöne Kurorte entdeckt, den Karst kennengelernt, die kleinste Weinregion nahe des italienischen Friaul erkundet und vor allem hatten wir eine schöne Zeit bei den Einheimischen, die mit viel Liebe und handwerklichem Geschick Schinken und Wein herstellen.
Ich bedanke mich bei Ihnen für den Mut, 12 Tage in dem kleinen Slowenien zu verbringen, für die Geduld, wenn das rare Personal etwas länger brauchte, um uns zu versorgen, für das Ausharren, wenn es mal wieder hieß, einen der wenigen Parkplätze zu ergattern...
Bleiben Sie reisefreudig.
Ihre Reiseleiterin Simone
Europa
Asien
Orient
Nordamerika
Südamerika
Afrika
Ozeanien