Reisebericht: Südtirol und die Messner Mountain Museen

22.06. – 29.06.2019, 8 Tage Rundreise in Italien mit leichten Wanderungen und Besuch der 6 Museen von Reinhold Messner: Ortles - Juval - Firmian - Dolomites - Ripa - Corones

MMM Ortles in Sulden am Ortler, Schloss Juval, Firmian auf Sigmundskron, Dolomites auf dem Monte Rite, Ripa im Schloss Bruneck und Corones (Kronplatz) - sechs Museen Reinhald Messners - besichtigt und mit kleinen Touren bewandert

1. Tag (22.06.2019) Anreise nach Meran


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In Dresden bereits um vier Uhr startend, stiegen bis Nürnberg dreizehn Gäste dieser Reisegruppe in den „Gardasee-Pendel" zu. Nach Morgengrauen und Sonnenaufgang über Sachsen, wolkigem Bayern und Österreich, regnete es mit der Überfahrt nach Südtirol. Gemeinsam mit einundzwanzig Gästen, die individuell sich am Gardasee oder auch im Raum Meran erholen wollten, erreichten wir trotz gegenläufigem Staus und damit verbundenem Späterkommen des Transferbusses von Steinach nach Meran, zur Planzeit Meran. Mit Manfred Mayrhofer, unserem Südtiroler Busfahrer, ging es an Brennero, Brixen und Bozen vorbei– keine Bergblicke bei tiefhängenden Wolken und Regen. . Bereits 16:30 Uhr erreichten wir den Gruberhof, fast im Zentrum von Meran: über uns lichteten sich die Wolken und die Nachmittagssonne kam hervor. So war Zeit zum Auspendeln oder gar für einen Gang in die City von Meran nach über zwölf Stunden Busreisezeit und zeitigem Aufstehen.

2. Tag (23.06.2019) Sulden, MMM Ortles


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Anfangs bei Sonne durch den Vinschgau mit unendlich anmutenden Apfelplantagen und riesigen Lagerhallen brachte uns Manfred entlang der Etsch, nach Sulden auf 1900 Meter Höhe, wo die Sonne noch gegen die Wolken davor ankämpfte. Zunächst ein Blick auf jenes Hotel, wo die deutsche Bundeskanzlerin mitunter ihren Sommerurlaub verbringt. Mit dem Kanzel-Sessellift erreichten wir die obere Seilbahnstation in 2350 Meter Höhe. Im Westen ragte der Ortler, einst höchster Berg des alten Österreich-Ungarn empor. Links davon die Königspitze, nur fünfzig Meter niedriger aber bezüglich der noch vorhandenen Gletscher vielleicht sogar beeindruckender. Gemeinsam starteten wir an der „Kanzel", einer wahrhaft prächtige Aussichtskanzel, den Aufweg zum Rosimboden. Auf dieser Tour im alpinen Terrain hatte jeder die Möglichkeit oberhalb des Rosimbodens entsprechend seiner Lust und Kondition den weiteren Aufstieg zu nehmen. Die Spitzengruppe erreichte auf ca. 2600 Meter üNN jene Stelle, wo der Weg nicht mehr zweifelsfrei festzustellen war, da Restschneefelder in diesem Jahr bis in dieser Lage auftraten. Sicherheit geht vor – ein Grund den Rückweg anzutreten. Von hier oben – gleich in welcher Höhe – immer wieder ein beeindruckender Rückblick hinüber zum Ortler. Alle waren dann rechtzeitig an der oberen Seilbahnstation, um einen kleinen Imbiss, zum Beispiel eine Leber- oder Speckknödelsuppe, zu genießen. Abfahrt von hier mit dem Doppelsessellift – wer den Abstieg in das so nahe erscheinende Sulden plant, sollte 1,5 Stunden zügigen Marsches einplanen.
Am Nachmittag besuchten wir das Messner Mountain Museum Ortles, das die Verbindung von Berg und Eis darstellt. Dieses kleinste Museum Messners reflektiert das Thema Eis insbesondere durch Berggemälde und einen (neuen) Film über Antarktisexpeditionen, darunter jene von Reinhoold Messner und Arved Fuchs 1989/90 sowie Ausrüstungsgegenständen dieser Expedition. Reinhold Messner ist zur Zeit in Südtirol nicht anzutreffen, erfuhren wir, da er in Pakistan weilt. Dafür saß ein kaum zu erkennender Hans Kammerlander vor der Tür am Yak & Yeti.
Eine genussvolle Fahrt durch die Berglandschaft des Vinschgau brachte uns rechtzeitig vor der Tischzeit zurück zum Hotel in Meran.

3. Tag (24.06.2019) von Tschars über Waalwege nach MMM Juval, Weingut Schloss Rametz


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Inmitten von Apfelplantagen des Vinschgau liegt Tschars. Nach einem Aufstieg zur Kirche St. Martin, deren romanische Bausubstanz in Renaissance (Außenfresken) und Barock (Altare und Innenmalerei) verändert wurde, verweilten wir hier zunächst bevor wir auf den markierten Weg Richtung Juval einschwenkten. Über einen angenehmen Wanderweg am Hang, unter schattigen Bäumen und mit häufigen Ausblicken auf das Vinschgau wanderten wir bald an den Wasserläufen der Waale – historischer Bewässerungsläufe - entlang. Dieser herausragend schöne Wanderweg bedarf ein wenig Trittstabilität, obwohl der Weg zum Schloss Juval nur 4,5 km beträgt. Einige Gäste ließen sich bequem im Shuttle-Bus nach oben fahren, mussten aber auf die Waalwege natürlich verzichten.
Pünktlich zur vereinbarten Zeit empfing uns der "Knecht des Schlossherrn" zur Führung durch die Sommerresidenz Reinhold Messners. Mit viel Liebe wurde das Schloss wieder aufgebaut und ausgestattet. Ein steiler Straßenabstieg oder der Shuttlebus brachten uns zu unserem Reisebus.
Am Nachmittag erreichten wir mit diesem Schloss Rametz mit seinem Weinkeller und Museum. Inmitten von Weinreben von Vernatzsch und Cabernet fachsimpelten wir am Berghang mit Maximillian über den Weinbau in Südtirol. Nach ein wenig Besichtigung von Schlosshof, Edelflaschenlager, Fasskeller und Weinmuseum verkosteten wir zum Käse-Schinkenteller einen Sekt aus überwiegend Chardonnay, einen weißen Cuvee, den regionaltypischen Vernatsch, einen Blauburgunder und zum Schluss einen kräftigen Cabernet.
Nach wenigen Minuten hatten wir dann mit dem Bus unser Hotel in Meran erreicht: Zeit zum Ausruhen oder Stadtbummel.

4. Tag (25.06.2019) MMM Firmian (Schloss Sigmundskron), Wandern am Montiggler See


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Mit zwei Kleinbussen fuhren wir von Meran zum Schloss Sigmundskron, wo sich das Messner Museum Firmian befindet. Hier fand das Umladen unseres Gepäcks
 Messner Museum Firmian befindet. Hier fand das Umladen unseres Gepäcks für den zweiten Teil der Reise und die folgende Unterkunft im Hotel Mühlgarten in Stefansdorf bei Bruneck statt.
Für das MMM Firmian auf der Burg Sigmundskron benötigt man Zeit für tolle Ausstellungen in den Bastionen und einem Gang über die Burgmauern sowie für den Film über die Messner Mountain Museen – aber natürlich sind die Interessen unterschiedlich und so reicht für manchen die Zeit kaum, während andere schon im Burgcafe sitzen wollen. Immer wieder interessant ist eine Darstellung von Reliefs der Landschaften der Achttausender mit unzähligen Postkartengrüßen von erfolgreichen Expeditionen und dann im Weißen Turm ein wenig Geschichte Südtirols.
Zur späten Mittagszeit trafen wir am Montiggler See ein. Ein kleiner Bummel auf eher ebenen Wegen von vier Kilometern führte uns um den Großen und den Kleinen See, umgeben von schönem Mischwaldbestand mit Blicken über den See. Zeit zum Baden bei wohl fünfundzwanzig Grad Wassertemperatur oder für ein Stück Erdbeertorte im Cafe am Kleinen See.
Zur Nachmittagszeit fuhren wir an Bozen vorbei, durch das Eisack- und das Pustertal und erreichten bei Sonne und Hitze unser Hotel Mühlgarten in Stefansdorf unterhalb des Kronplatzes. Marianne Gatterer, die Hausherrin, begrüßte uns mit einem Glas Sekt ... dann war Zeit das angenehme Hotel zu genießen. Zum Abendessen das versprochene 5-Gang-Menü; heute mit exclusiv zartrosa Scheiben von der Kalbsnuss.

5. Tag 26.06.2019) MMM Dolomites auf dem Monte Rite und Falzaregopass


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Bei Sonne und der Ankündigung eines Hitzetages ging es mit einem Mercedes-Sprinter – ausreichend für unsere kleine Gruppe - in die Region Belluno, also nach „Richtig-Italien". Sein erstes Museum errichtete Messner nicht in Südtirol sondern auf dem Monte Rite, einem Berg, den fast einhundert Jahre lang das italienische Militär besetzte und Kasernen und Geschützstellungen errichtet hatte. Das war Anreiz für Messner sich dem Thema Dolomitenfront und bergsteigerische Erschließung der Dolomiten zu stellen. Nach Busfahrt durch das Pustertal bogen wir bei Toblach Richtung Süden ab. Vorbei an der Nasswand mit einem Soldatenfriedhof, dem Drei-Zinnen-Blick, dem Dürrensee erreichten wir im Angesicht des Cristallo Cortina d' Ampezzo, die Olympistadt von 1956, die vor wenigen Tagen in Partnerschaft mit Mailand und Südtirol die Olympische Winterspiele 2016 zugesprochen bekam. Am Sorapis vorbei benötigten wir noch eine weitere Stunde bis wir den Passo Cibiano erreichten. Die Gipfeltransferkleinbusse warteten bereits und trugen uns weitere sechshundert Meter hinauf. Nach einigen hundert Metern Militärstraße zu Fuß erreichten wir die ehemalige Geschützstellung, die Messner zu einem Museum ausbauen ließ. Drei Glaskuppeln ragen aus der Betondecke an Stellen, wo einst Geschützstellungen waren – eine geschickte Konstruktion zur Verbindung von Militärgeschichte und Museum. Im Stellungsbau Berggemälde und Ausrüstungsgegenstände; im langen Gang Liegen mit wohlgefalteten Decken und Sprüchen. Auf der Betondecke des Museums stehend, kann man heute eine 360-Grad - Aussicht genießen; eine neue Aussichtsplattform bietet den Rundum-Blick mit beschreibender Richtungsweisung auf die Bergwelt. Nach der Besichtigung teilte sich die Gruppe in Transfer-Abfahrer und Wanderer. Auf einem schmalen Weg durch den Wald überwanden die Wanderer auf sechs Kilometern die sechshundert Höhenmeter bis hinunter zum Pass.
Mit Fotostopp oberhalb von Cortina brachte uns unser regionaler Busfahrer durch enge Kehren hinauf auf den Falzarego-Pass. Am Falzarego, einem der bezüglich Felsenwelt und der damit verbundenen Geschichte wohl spannendsten Dolomitenpässe, machten wir einen Halt zum Schauen auf den Kriegsberg Lagazoui und die Cinque Torre. Durch das Hochabteital und das Gadertal erreichten wir rechtzeitig unser Hotel zum Genießen des Fünf-Gang-Menüs.

6. Tag (27.06.2019) MMM Ripa und Bruneck


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Die Nähe des Hotels „Mühlgarten" zu Bruneck mit dem MMM Ripa auf Brunecks Schloss ermöglichte ein ruhiges Angehen des Tages und nach dem Frühstück gegebenenfalls noch einen Poolbesuch im Hotel. Auf einem vier Kilometer langen Weg ging es durch Felder mit Korn, Kartoffeln und Mais, dann fragten wir, ob wir durch ein Grundstück auf einem recht romantischen Pfad aufsteigen dürfen. Der nun folgende Wald weist einige heftige Schäden durch Sturm aus, aber war angenehm zu begehen. Kaum zu glauben, dass wir uns auch bei dieser Hügelpartie in 1100 Meter Höhe befanden. Vor dem Ursulinentor von Bruneck bogen wir nochmals steil nach oben ab, um über eine recht festmontierte Hängebrücke zum Schloss zu gelangen. Aus der alten Bischofsburg ist ein wahres Goldstück im Ensemble der MMM geworden. In die rekonstruierte Burg bestens eingepasst zeigt Messner hier das Leben der Bergvölker, von einfachen Zelten der Turkvölker und indigener Bevölkerung Amerikas zu europäischen Bergvölkern. Ein herausragendes ethnografisches Museum, das vom schweren Leben der Bergvölker berichtet. Wer die alte Schlossanlage ohne touristischen Nutzwert kennt: ein Riesengewinn für das Pustertal und Bruneck. Davon profitiert auch das Städtchen Bruneck; die Fassaden jahrhundertealter Häuser haben an Glanz gewonnen. Mancher nutzte die individuelle Freizeit in Bruneck auch zu einem Mittagessen oder wenigstens zu einem Eis. Die Geschäftsschließzeit endet zumeist 15:00 Uhr, so dass mancher sogar noch auf eine Shopping-Idee kam. Bei 37 Grad und Sonnenschein erreichten wir unser Hotel zur besten Kaffeezeit und jeder konnte die Fitnesseinrichtungen des Hauses nutzen oder ein wenig in der Nachmittagssonne sitzen und die Aussicht ins Pustertal genießen.

7. Tag (28.06.2019) MMM Corones auf dem Kronplatz


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Wieder ein Tag mit Sonne und angesagter Hitze, aber auf der Höhe des Kronplatzes sollte es erträglich sein. Zu gutbürgerlicher Zeit starteten wir mit dem Bus zunächst durch das Pustertal, an Olang vorbei und dann aufwärts zum Furkelpass an der Südseite des Kronplatzes. Auf der Glatze des Kronplatzes in über zweitausendzweihundert Meter Höhe war es kühler als am Fuß des Berges, aber sonnig. Es war lange Schnee hier oben, so dass die hiesige Yak-Herde noch im Tale war. Die Aussichten vom Kronplatz, wenn auch in der Weite leicht milchig, sind prächtig: die weit entfernten Ötztaler Alpen, die Zillertaler Alpen im Norden mit einigen markanten Bergen, im Süden das Panorama der Dolomiten bis Heiligkreuzkofel und Marmolada und im nahen Westen schoben sich der Peitlerkofel und die Geislerspitzen erkennbar in die Höhe. Zunächst besichtigten wir MMM Corones – modernste Betonarchitektur von Sarah Hadid unter der Erde mit zwei großen Fenstern (den Augen Reinhold Messners – gerichtet auf das Villnösstal und den Kreuzkofel: Kindheit und schwerste Kletterei) und einer Aussichtsplattform zwischen den Augen. Das Museum widmet sich der alpinistischen Erschließung der Dolomiten und soll wohl das letzte von Messners Museen in den Alpen bleiben – eben „die Krone / Corones". Am Südhang wanderten wir knapp vier Kilometer bis zum Furkelpass hinab, vom kahlen Summit über einstige Almwiesen, sogar noch durch grünen Nadelwald. Zum Abschluss unserer Touren durch die Dolomiten fuhren wir in das ruhige Rautal (Vigiltal) und erlebten unzählige Rinder auf ihrer Zwischenalm bevor sie den Zug über den Pass in Richting der Hochalmen antreten. Welch toller Anblick zum Abschluss einer Genussreise: das Glockengeläut der Rinder neben uns am Talende bei der Übergabe der Stempelurkunde aller Besichtigungen der Messner Mountain Museen; dazu ein Schluck Limoncello.
Zum Abend im Hotel "Mühlgarten" ein Abschlussessen, das den Namen Galadiner wirklich verdient; aber waren nicht die Abendspeisen an den Vortagen bereits auf höchstem Niveau? Super!

8. Tag (29.06.2019) mit dem Gardaseependel zurück nach Deutschland


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Nehmen wir es mal ökologisch bewusst: mit nur einem vollbesetzten Bus fuhren Individualurlauber vom Gardasee, aus Meran und aus dem österreichischen Tirol sowie die zwölf Gäste der Reisegruppe zurück nach Deutschland. Um dieses Timing zu realisieren, verabschiedeten wir uns von Marianna Gatterer, der engagierten und freundlichen Hotelchefin vom Mühlgarten gegen elf Uhr und erreichten unseren Zustieg, die Autobahnkreuzung bei Brixen / Vahrn immer noch vorfristig. Mit neuem italienischen Bus schwenkten wir auf die Brennerautobahn ein und erreichten den Wechselpunkt zum deutschen Bus am Wipptaler Hof in Tirol. Gut in der Zeit, nutzten wir den Aufenthalt noch für einen kleinen Imbiss. Wegen des nun wieder erforderlichen Fahrrichtungswechsel ging es nochmals bis nach Brennero hinauf, dann aber zügig durch Österreich und auch ohne Kontrollen und Staus hinein nach Bayern. Gegen 18:30 Uhr erreichten wir den Nürnberger Raum und mit schönem Sonnenuntergang das Vogtland. Das erforderliche Pausenregime nötigte uns zwanzig zusätzliche Minuten ab, aber einige Minuten nach 23 Uhr erreichten wir Dresden nach einem langen und sonnigen Tag sowie einer erlebnissreichen Woche.
Ihr Dr. Jürgen Schmeißer
„Wo beginnt der Alpinismus, wenn der Tourismus den Gipfel des Mount Everest erreicht hat?"
(R. Messner)

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