Im Land der freundlichen Menschen
Reisebericht: 28.12. – 02.01.2026
Warum sollte man nach Südmähren fahren?
Gute Frage werden sich wohl viele denken. Und zugegeben, die Antwort darauf ist nicht ganz einfach.
Lassen wir uns also überraschen und gehen auf die Suche.
Ein Reisebericht von
Michael Rass
Wetterdrama
Eisige Kälte in Chemnitz und Umgebung. Unser Bus, der Firma Bauer, kam aus dem Erzgebirge, hoch oben vom Fichtelberg. Große Rutschgefahr, besonders für große, lange und schwere Busse. Gut, dass ich Sven, den Busfahrer, schon von früheren Reisen her kannte und weiß, ich kann mich auf ihn 100%ig verlassen.
Er kam mit etwa 10minütiger Verspätung an der ersten Zustiegsstelle an, holte aber die Verspätung bis zum letzten Zustieg in Dresden an der Südhöhe wieder herein.
Die Araltankstelle an der Südhöhe bot natürlich gleich die Steilvorlage für eine 15minütige Fahrerpause und die ersten Gäste konnten schon gemütlich die Toiletten benutzen, da ja der erste Kaffee am Morgen bereits seine Wirkung zeigte und nicht nur die Müdigkeit vertrieb.
Hochnebel begleitete uns auf dem Weg Richtung Tschechien und die Sonne kämpfte unerbittlich um das dichte Nebelmeer über unseren Köpfen zu durchdringen.
Silber glänzende Bäume und vereiste Hügel, Schnee links und rechts der Fahrbahnen wechselten sich ab mit Frühlingsgrün in den Talsohlen.
Irgendwann vor Prag gewann die Sonne ihren Kampf gegen die dunklen Mächte und der Nebel löste sich auf. Strahlend blauer Himmel und eine kraftvolle Sonne, der wir entgegen fuhren.
Im Fahrerraum heizte sich die Luft dermaßen auf, sodass wir von einem Saunagang nicht mehr weit entfernt waren.
Zwei Fahrerpausen gab es noch auf unserem Weg nach Brünn. Sirejovice, zur Abhilfe der Wirkung von Kaffee und Mikulasov zur Erfüllung der schreienden Worte des Magens, „bitte füttere mich“.
Gut gelaunt kamen wir dann am frühen Nachmittag in Brünn im Quality Hotel am Congresscenter an und konnten uns anschließend der eigenen Freizeit widmen.
Leider hatte die Sauna im 6ten Stock geschlossen. Sonntagsruhe.
Dafür haben aber die Lebensmittelgeschäfte am Sonntag geöffnet.
Einige begaben sich noch auf eine Reise in die Innenstadt von Brünn. Zuerst zu Fuß und dann mit der StraBa Nr. 1 ins Zentrum.
Andere erholten sich im Zimmer oder machten einen Spaziergang in der näheren Umgebung.
Irgendwie kam jeder auf seine Kosten und so konnte man ganz entspannt zum Abendessen marschieren.
Hier trafen wir dann zum Erstenmal auf die Gäste, die schon Weihnachten hier verbracht hatten.
Gemeinsame Plätze wurden schnell gefunden und die Erlebnisse des Tages, bzw der letzten Tage, wurden untereinander ausgetauscht.
Man lernte sich schnell kennen und fremde Leute wuchsen zu einer schönen Reisegruppe zusammen, die auch noch lange nach dem Abendessen Spaß hatten.
Slowakeiconnection
Ich glaube nicht, dass jemand schon um halb 7 beim Frühstück war, es eilte ja nicht. Wir haben alle Urlaub.
Die Nacht war kalt, Minus 7 Grad Celsius. Das Wasser im Bus war gefroren und es dauerte einige Stunden, bis es aufgetaut war. Nichts mit morgendlichen Kaffee heute im Bus.
Gut gestärkt vom Frühstück ging es um 9 Uhr los Richtung Süden in die Slowakei, genauer in ihre Hauptstadt Bratislava, wo uns Tomas bereits am Donauufer erwartete.
Im Auge des „Ufos“ startete unsere Wanderung in deren beschauliche Altstadt.
Zunächst der Donau entlang bis zum Denkmal der Gründung der Republik der lieben Bruderschaft der Tschechen und Slowaken 1918. Leider zerstritten sich die „lieben Brüder“ im Laufe der Jahre und ließen sich dann 1993 wieder scheiden. Die Goldene Hochzeit konnten sie noch miteinander feiern, ebenso die Gnadenhochzeit mit 70 Jahren, aber dann war es vorbei mit Gottes Gnaden im langen Leben der Brüderlichkeit.
Der Duft von Glühwein, geräucherter Schinken über Holzfeuer und anderen Spezialitäten begleiteten uns hinüber zur Pestsäule, vorbei am der Statue von Hans Christian Anderson und dem „Denkmal des Alkohols“.
Von dort hatte man einen herrlichen Blick auf die Burg, wo im 5 Jahrhundert Bratislava gegründet wurde. Rechts daneben, die Krönungskirche oder die Kathedrale. Ein paar Schritte daneben, das tschechische Gasthaus, indem Beethoven nicht nur die Musik liebte, sondern auch die bezaubernde Tochter des Hausherrn.
Ein paar Häuser weiter gab Mozart hier als 6 jähriger sein erstes Konzert und gleich gegenüber die Gasthausbrauerei House of Beers. Ein Schelm wer jetzt denkt, der kleine Mozart musste arbeiten und sein Vater lauschte nebenan den Tönen seines Sohnes bei einem gepflegten Bierchen.
Ein Foto mit dem „Schönen Naci“ (nicht zu verwechseln mit dem heute von der Politik und Medien geächteten Wort Nazi, was im Grunde nur Nationalstolz bedeutet), vor dem Haus des Kaffee Mayer, ist ein MUSS in Bratislava.
Naci ist die Kurzform des Vornamens Ignac oder Ignaz. Der schöne Naci lebte um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert und war das Original der Stadt. Heute erinnert eine Silberstatue an ihn in einer Pose, wie er charmant und lieb die Damen der Stadt begrüßte.
Ebenso der „Man at work“, ein kommunistischer Arbeiter der aus dem Kanal herausschaut, gerade viel Zeit hat und die Damen beim Vorrübergehen unter die Röcke schauen könnte.
Im Kaffee Meyer fand sich so mancher aus der Gruppe wieder, zu einem Käffchen und einem Stück Kuchen. Wer ganz viel Glück hatte, konnte vielleicht einen Platz in der berühmten Konditorei Kormuth ergattern, denn dort standen die Menschen Schlange um überhaupt in die Konditorei zu gelangen.
Der Weihnachtsmarkt hatte noch geöffnet, der mit einem gigantischen Angebot an Essen und Trinken die Menschen aller Herrenländer anzog.
Die Sonne ging schon unter als wir zur Heimreise zurück zum Hotel aufbrachen. Der Himmel bot ein farbenprächtiges Schauspiel mit glutroten Farben.
In der Ferne konnte man noch die Ausläufer der Weißen Karpaten erkennen.
Herden von Rehe sah man links und rechts der Fahrbahn äsen, aber je näher wir uns Brünn näherten umso dunkler wurde es. Der Himmel wurde erneut von dicken Wolken überzogen, was uns aber nicht abhielt, noch schnell die „besoffenen Häuser“ anzuschauen.
Am Ende eines erlebnisreichen Tages verwöhnte wieder ein Buffett unsere Gaumen und wir bereiteten uns auf den nächsten Tag vor.
Winterwind
Ob es den Soldaten vor 220 Jahren auch so kalt war, wie uns heute. Temperaturen um den Gefrierpunkt, genauso wie damals 1805, als Napoleon zum Kampfe rief und die beiden Kaiser aus Russland und Österreich herausforderte.
Im Gegensatz zu seinen Untertanen war er in Brünn in einer warmen Stube untergebracht, aber er ritt täglich die 20km hinaus aufs Schlachtfeld bei Austerlitz um zu sehen, ob seine Strategie aufging. Er nutze das Gelände, die Täuschung und den Nebel an jenem 1. Dezember und ging tags darauf als Sieger hervor und veränderte damit die Grenzen Europas.
Gott sei Dank brauchten wir nicht so viele Stunden auf dem Schlachtfeld stehen und entschieden uns nach kurzer Besichtigung des Schauplatzes wieder in den warmen Bus zu steigen, bevor uns der Wind über die Felder wehte.
Das gleiche bevorzugten wir auch am Friedensdenkmal Mohyla miru. Obwohl wir strahlend blauen Himmel hatten, ohne Wolken, aber der Wind blies durch die Kleider.
Gemütlicher wurde es dann im Schloss Lednice. Ein imposantes Bauwerk der Fürsten der Lichtensteiner mit geschnitzter Wendeltreppe, einem 160armigen Kerzenleuchter der noch vor 1900 elektrifiziert wurde, einer große Sammlung an Hirschgeweihen, versehen mit genauer Herkunft, Schussdatum und dem Namen des Jägers.
Besonders interessant war die Toilettenschüssel in Form eines sitzenden Fisches, der etwas einzusaugen scheint und daneben gleich die riesige Badewanne aus weißem Marmor.
Das letzte Einhorn, war auch zu sehen und ein orientalisches Minarett, dass der Herr Fürst aus Trotz hat bauen lassen, weil ihm der Bischof den Bau einer Kirche verweigert hatte.
Der riesige Park, durchzogen mit Wasserläufen lud noch zu einem kleinen Spaziergang ein, bevor es dann an Bord unsere viel gerühmte Verpflegung gab.
Weiter ging es dann zur ehemaligen slawischen Siedlung Mikulov. Ebenfalls mit Rundgang um das Schloss, das ebenfalls den Lichtensteinern gehörte. Ein wunderbarer Blick eröffnete sich uns hinüber nach Österreich, war doch die Grenze zum Greifen nahe. Aber der Wind blies kräftig und so Mancher suchte die wohlige Wärme in einem der kleinen Kaffees im Zentrum der Stadt
Die Sonne verschwand hinter den Hügeln, der Tag neigte sich dem Ende und die Nacht brach herein. Auf einem Schlag war es dunkel, als wir das Hotel Ryzlink erreichten. Abendessen und Weinprobe der berühmten Weine aus dem Palava-Gebirge. Zuerst das Abendessen, denn eine Weinprobe sollte man nie auf nüchternem Magen machen.
Die ausgezeichnete Küche verwöhnte uns somit vorab mit einem 3 Gänge-Menü, Pfannkuchensuppe, gegrillte Hähnchenbrust an Risotto mit Pilzen und Parmesanchips, die Nachspeise, ein angefrorener Erdbeer-Käsekuchen.
Während wir so friedlich im Lokal saßen und genüsslich unsere Hähnchen aßen, begann es draußen heftig zu schneien und zwar so heftig, dass man den Bus am nahen Parkplatz kaum mehr erkennen konnte. Nach einer guten Viertelstunde war der Schauer dann vorbei, aber die Straße war weiß.
Nach unserer Magenfüllung empfing uns Roman, der Sommelier des Hauses in seinem Keller und servierte uns 5 verschiedene Weine mit entsprechender Erklärung dazu. Diverse Käse- und Wurstsorten aus der Region gehörten zu einer zünftigen Weinprobe natürlich dazu….nur die Musik fehlte.
Vielleicht hat noch mancher zum Abschied etwas eher Unscheinbares entdeckt, besser gesagt probiert. Die Vanillekipferln an der Theke. Gemacht von der Oma des Hauses und da muss ich sagen, das waren Vanillekipferln wie es sich gehört. Rein in den Mund, mit der Zunge leicht gegen den Gaumen gedrückt und explosionsartig erfüllt sich der Raum mit einem lang anhaltenden Vanillegeschmack, während man den Kipferlstaub mit sanften kreisenden Bewegungen über die Zunge rieseln läßt bis sie sich aufgelöst haben…himmlisch.
Silvesterblues
Der Tag heute versprach viel Spannendes. Auf unserer Reise durch die südmährische Landschaft, die weitgehenst eher flach geprägt ist, ging´s heute zu den Kalkbergen im Norden Südmährens, dessen Gebiet früher auch „mährische Schweiz“ genannt wurde.
Kalk bedeutet immer weiches Gestein und weiches Gestein verbirgt so manche Geheimnisse unterhalb der Erdoberfläche. Gemeint sind die berühmten Tropfsteinhöhlen und eine davon besuchten wir heute.
Die Größte und Schönste – die Punkvahöhle, die Teil des größten Höhlensystems Tschechiens ist, mit über 30km Länge.
Unsere Führung bestand aus einem trockenen Teil und einem Wasserteil, der zweifellos der Höhepunkt der Besichtigung war.
Und wie in jedem spannenden Film, muss die Spannung zunächst aufgebaut werden, so begannen auch wir zuerst mit den kleinen Stalagmiten und Stalagtiten, die immer spektakulärer und monströser wurden, je weiter wir in die Höhle vordrangen. Ein 4 Meter hoher Stalagnat gilt als Wächter der Höhle, Formen die an Eulen, Felsenburg, umgedrehte Regenschirme und Wasserfall erinnern, spiegelten sich im sogenannten Spiegelsee. Weiter hinten ist der einmalige Engel mit ausschweifender Sinterkruste und dem Vorhang zu sehen.
Der Höhepunkt des Trockenteils war die 139m hohe „Stiefmutterschlucht“, Macocha.
Viele waren froh, die 99 Stufen hinunter zur Schlucht nicht gehen zu müssen, das hatten wir Lenka zu verdanken. Die Schlucht, entstanden durch den Einsturz eines mächtigen Felsendomes birgt so manches Geheimnis. Der Legende nach soll hier eine Stiefmutter zu Gunsten ihres eigenen Sohnes, den Stiefsohn in die Tiefe geworfen haben. Der verfing sich allerdings in den Ästen und überlebte.
Das wurde im Dorf bekannt und kurz darauf stürzte die Schwiegermutter in den Tod….und so Manche auch noch heute.
Noch ein paar Stufen hinunter in die geheimnisvolle Tiefe. Leise, kaum spürbar fließt hier der Fluss Punkva durch die dunklen Höhlengänge. Die flachen Aluboote mit Außenborder warteten bereits auf unsere Gruppe und mit 14 bis 16 Personen im Boot startete eine wirklich abenteuerliche und spannende Reise durch die Unterwelt des mährischen Karstes.
Wer Höhlen mag und sich etwas dafür interessiert, wird wohl kaum etwas Spektakuläreres auf der Welt finden, als diese unbeschreiblichen Minuten während der Bootsfahrt. Faszinierende Beleuchtung unter und über Wasser, niedrige Passagen unter Tropfsteinen und Felsdecken hindurch, wenn man nicht aufpasst, bumst man mit dem Schädel gegen die Decken oder Felsüberhänge. Und genau das ist der Grund, dass man hier nicht fotografieren soll. Man erschrickt, und das Handy liegt im Wasser. Vorbei mit den Urlaubserinnerungen, nur noch das, was ich Kopf als Erinnerung geblieben ist.
Wenn man eine Reise macht, sollte man sie mit allen Sinnen machen, nicht nur mit den Augen. Leider habe ich es versäumt, aber zukünftige Südmährenfahrer sollten auf jeden Fall dort die Macocha-Oblaten probieren. Sie werden in kleinen Bäckereien gebacken und nicht industriell. Ebenso das berühmte Macocha-Kräuter-Tröpfchen. Das gibt es ebenfalls excusiv nur dort. Einige aus meiner Gruppe hatten sicher Gelegenheit diese Spezialitäten zu probieren und können dies bestätigen.
Wenn wir schon bei der Kulinarik sind, die Stärkung nach dem spannenden Ausflug in die Unterwelt gab es aus der Bordküche. „Párek v rohliku“, bevor es zurück nach Brünn ging, zur Stadtbesichtigung.
Brünn empfing uns mit Schneefall, dennoch machten wir tapfer unseren kleinen Spaziergang durch die Stadt.
Mährischer Platz vor der St. Thomaskirche mit den vier Tugenden. Die Reiterstatue als Symbol der Tapferkeit, die Statue der Gerechtigkeit, der längliche Brunnen als Besonnenheit und das Bronzemodell des mittelalterlichen Brünns, symbolisiert die Weisheit.
Im angrenzenden ehemaligen Augustinerkloster nächtigte Napoleon 1805.
Anton Pilgrim verewigte sich mit einem kleinen, scheinbar obszönen Kunstwerk am Turm der Thomaskirche. Wer jedoch genauer hinschaute erhielt ein anderes Bild.
Am Krautmarkt empfing uns die Statue des kindlichen Mozart, der hier als 11 jähriger 1767 ein Konzert gab. Das Besondere, die kindliche Gestalt mit Flügeln hat den Kopf des erwachsenen Mozart.
Zu sehen bekamen wir auch die 3 berühmten Symbole Brünns am Durchgang zum „Alten Rathaus“.
Der Brünner Drache, der heute nur so herumhängt , damit sich die Leute amüsieren.
Das Wagenrad, die Einlösung einer Wette, die gewonnen wurde.
Das krumme Türmchen von unserem Bekannten Anton Pilgrim, von der St. Thomaskirche, der hier künstlerisch darstellte, welche gierigen Gauner die Stadt Brünn einst führten.
Letztendlich gab es noch einen Besuch in der Kathedrale Peter und Paul, deren Glocken noch heute um 11 Uhr zu Mittag läuten, zum Gedenken an den schwedischen General Torstensson, der die Stadt Brünn deswegen im 30jährigen Krieg verschonte.
Noch einige Stunden, dann ist das alte Jahr vorbei. Die Zeit bis zum Beginn der Silvestergala konnte, wer wollte, noch in der hoteleigenen Sauna verbringen. Um 19.00 Uhr dann pünktlich der Start zum Silvesterbuffett, wo 3 Busgruppen anwesend waren. Die „Schlacht am Buffett“ war natürlich vorprogrammiert und manchmal musste man auch einige Minuten Wartezeit hinnehmen, bis wieder nachgefüllt wurde.
Das Programm mit Profitänzer und Tanzeinlagen aus verschiedenen Ländern sorgten für heitere Stimmung, bevor es dann für die Alle auf die Tanzfläche ging.
Unsere Eberhardtgruppe hatte die Bühne gerockt und sie war bis zum Schluss voll vertreten. Die Musik reichte Pop, Schlager bis hin zu Walzer und Karel Gott. Der Spaß an der Freude und die glücklichen Gesichter waren unserer Gruppe deutlich anzusehen und es zauberte mir so manches Lächeln ins Gesicht.
So ging es durch bis 2 Uhr morgens. Das Feuerwerk um Mitternacht vermisste niemand.
Weihnachtsstollenrendevouz
Für manche war die Nacht kurz, aber am Morgen fanden sich alle munter und frohgelaunt beim Frühstück wieder. 3 aus unserer Gruppe beschlossen den heutigen Ausflug zu den beiden UNESCO-Welterbestädte nicht mitzumachen, sondern lieber entspannt das neue Jahr zu beginnen.
Telc, dessen Charakteristik der Marktplatz, das romantische Schloss und die kristallklaren Teiche sind, war unser erster Halt.
Die farbenprächtigen Häusern und hohen Dachgiebeln am Marktplatz erinnern entfernt an Amsterdam, fehlt nur noch die Gracht. Ihr schönes Aussehen verdankt man dem Konkurrenzkampf der Bürger, denn sie wollten durch die Dachgiebel ihren Reichtum und ihre gesellschaftliche Position kundtun.
In Genua verfiel Zacharias von Neuhaus der Renaissancearchitektur und baute das ursprünglich gotische Schloss zu einem Renaissanceschloss um.
Während Lenka die Gruppe bei einem kleinen Spaziergang durch das winterlich verschneite Städtchen führte, bereiteten Sven und ich das Mittagessen vor. Heute, zum Start ins neue Jahr großes Menü. Eine warme Suppe, Würstl mit Senf und Brot, und danach ein kleines Naschwerk für die süßen Stunden im neuen Jahr.
Die kleine preisgekrönte Überraschung in Form eines exklusiven Stollens entfaltete bei den Gästen scheinbar eine Geschmacksexplosion, so dass jeder wissen wollte, woher er stammt. Zu finden im Internet unter Bäckerei Gießler, Greiz.
Frisch gestärkt chauffierte uns Sven durch das tief verschneite Tschechien hinüber zur nächsten Erkundungstour, nach Trebic, ebenfalls ein UNESCO-Weltkulturerbestädtchen. Die mittelalterliche Architektur und das jüdische Viertel sind hier prägend.
Die an den Dom von Worms erinnernde St. Prokop Basilika war für Besucher heute leider geschlossen, wegen dem Neujahrskonzert. Der Eintritt war nur mit gültiger Eintrittskarte möglich, dennoch konnten einige aus der Gruppe einen schnellen Blick in die Kirche werfen, da das Konzert noch nicht begonnen hatte.
Vom angrenzenden Kräutergarten aus hatte man einen herrlichen Blick hinunter auf die Stadt, auf den Fluß Jihlava und auf der gegenüberliegenden Seite konnte man in der untergehenden Sonne noch eine Mühle nach holländischer Art erkennen. 1836 gebaut, diente sie zum Mahlen von Baumrinde, die entstandene Lohe benutzte man zur Gerbung.
Eindrucksvoll konnte man auf unserem Spaziergang erleben, wie im Mittelalter Christen und Juden friedlich und in Harmonie jahrhundertelang nebeneinander in Respekt gewohnt haben.
Den Abschluss unseres Rundganges durch das kleine Städtchen, bevor es zurück zum Bus ging, machte der Karlsplatz. Einer der größten Plätze Tschechiens mit 22.000qm. Die verschlossenen Holzbuden waren stumme Zeugen des vergangenen Weihnachtsmarktes. In der Mitte des Platzes, die Statuen der beiden Herren aus Thessaloniki, Kyrill und Method, die Begründer der kyrillischen Sprache und Aposteln des Christentums in Tschechien. Der Fuß von Method ruht auf dem Kopf eines heidnischen Götzen, als Zeichen dafür, dass das Heidentum verbannt wurde.
Am Ende des Platzes der Christbaum, darunter eine geschnitzte Weihnachtskrippe mit ausdrucksstarken Gesichtern, die fast lebendig wirkten. Mir ist aufgefallen, dass unter der Vielzahl der Heiligen 3 Könige, die man gewöhnlich in Krippen sieht, diese 3 Könige die Einzigen sind, die ein Lächeln auf den Lippen haben und sich freuen, den Erlöser der Welt gefunden zu haben. Achtet mal darauf, denn die meisten der 3 Könige haben einen eher traurigen Gesichtsausdruck.
Fast unscheinbar wirkte daneben die kleine Glocke, eine Wunschglocke. Mit dem Glockenschlag sollte sich ein Wunsch erfüllen, wenn man ihn nicht laut ausspricht. Das Ergebnis wird sich bei Einigen zeigen, dann sollte man sich an die Glocke erinnern.
Große Bewunderung fand auch das Schwarze Haus, ebenfalls am Ende des Karlsplatzes zu finden, durch die aufwändige Sgraffitiverziehrung.
Sie stellen einzelne menschliche Tugenden dar, wie Glaube, Liebe, Hoffnung, Gerechtigkeit, Weisheit und Ruhm. Auch Jagdszenen und Porträts der römischen Kaiser Vespasian und Titus waren zu sehen.
Für die Heimfahrt zurück nach Brünn entschieden wir uns nicht über die Autobahn zu fahren, sondern auf der alten Straße Nummer 23 durch die wunderschöne, im Schnee glänzende Landschaft Tschechiens.
Dann hieß es auch schon Abschied nehmen von unserer lieben Lenka, die uns mit viel Herzblut und Liebe, mit Humor und nötiger Ernsthaftigkeit, ihre wunderbare Heimat Mähren ein Stück näher brachte.
Marktgeschwader
Viel zu schnell kam der Abschied und wir mussten das wunderschöne Land Südmähren, eine Region der Sonne, der köstlichen Weinen, der außergewöhnlichen Architektur und der herzlichen Menschen leider verlassen.
Verständlich, dass Einige so schnell wie möglich nach Hause wollten und lieber auf einen Aufenthalt in Prag verzichteten. Leider technisch nicht umsetzbar, da wir ja nicht der einzige Bus waren, die heute wieder nach Dresden zurückkehrten, sondern einer unter Vielen und die einzelnen Taxiunternehmen für den Haustürservice der Reisegäste bereits für die jeweiligen Busse getaktet waren.
Also auf nach Prag in die goldene Stadt, oder Stadt der 100 Türme.
Auf einem kleinen Zwischenstopp auf dem Weg dorthin, bekamen auch noch unsere 3 Reisegäste von dem köstlichen und preisgekrönten Stollen ein Stück ab, der Rest verteilte sich schnell unter den anderen.
Prag empfing uns mit Sonne, aber extrem kaltem Wind. Besonders zum Spüren war er beim Gang über die Czech-Brücke mit Blick auf die Moldau und dem Hradschin, der größten geschlossenen Burganlage der Welt, laut Guinness Buch.
Etwas geschützter war man dann in der berühmten Einkaufsmeile, wo sich Luxusmarken die Hände reichen und die Geldbeutel schmäler werden.
Am Ende der Straße luden die Buden des Weihnachtsmarktes, wo sich Kunsthandwerk, Tredlnik, Grillschinken und Glühwein vereinen, zum Verweilen ein.
An der astronomischen Uhr konnte man sich kundig machen, wieviel Zeit uns noch in Prag blieb. Lohnt sich ein Besuch in einem der berühmten Schwejk-Wirtshäuser, wo der Gast eine Reise in die Zeit Kaiser Franz Josefs macht und man den braven Soldaten Schwejk in der Ecke sitzend zu sehen glaubt.
Oder reicht die Zeit noch für einen Spaziergang hinüber zum Wallfahrtsort der tschechischen Bierliebhaber. Andere sehen es als interessantes historisches Denkmal, oder als die berühmteste Prager Bierstube. Das U Fleku, wo seit 1499 ununterbrochen Bier gebraut wird.
Egal wie die Stunden in Prag verbracht wurden, am Ende waren alle froh doch noch den Abstecher nach Prag gemacht zu haben und nicht direkt nach Hause gefahren sind.
Mit einem letzten Blick auf das Prager Metronom, der Zeitmaschine, in der es um den Lauf der Zeit geht und damit auch um die Erinnerung an die Vergangenheit enden unsere Entdeckungen „im Land der herzlichen Menschen“
Kennt ihr nun die Antwort auf die Frage; warum Südmähren?
Es war die Kombination aus Weinbergen, Naturwundern, Schlössern, lebendiger Kultur, modernen Erlebnissen und das alles eingebettet in einer reichen Geschichte.
Das werden mir meine Reisegäste bestätigen, wenn man sie fragen würde nach dem Warum.
Der Beweis liegt darin, dass wir alle Spaß und Freude hatten und so für moderne Erlebnisse sorgten.
Dass Lenka als Reiseleiterin mit viel Wissen und Humor diese Kombination erklärte.
Dass Sven als netter und freundlicher Busfahrer uns immer sicher in jedes kleine Gässchen brachte und auch wieder heraus.
und dass das hart arbeitende Eberhardtteam im Hintergrund für einen problemlosen Ablauf der Reise sorgte.
Euch allen ein herzliches Dankeschön.
Auf bald
Euer Michael
Europa
Asien
Orient
Nordamerika
Südamerika
Afrika
Ozeanien