Die Gruppe, die loszog, den Sommer zu holen…..
Reisebericht: 15.05. – 21.05.2026
……oder so ähnlich kann man resümieren. Eine banale Zusammenfassung für eine tolle, ereignisreiche Woche in New York.
Ein Reisebericht von
Diana Mendel
Anreise NYC
Deutschland zeigte sich an unserem Abreisetag ausgesprochen frisch. Und das war nicht nur unserem subjektiven Gefühl nach einer ausgesprochen kurzen Nacht geschuldet, tatsächlich lagen die Temperaturen vielerorts eher im Jacken-und-Pullover-Bereich als im Mai-Gefühl kurz vor dem Sommer. Die Eisheiligen waren noch deutlich zu spüren, die Luft kühl, mancherorts windig, und zu diesem Zeitpunkt kein Gedanke daran, nur wenige Stunden später beinahe hochsommerliche Temperaturen zu erleben.
Für mich begann dieser Reisetag allerdings nicht nur mit dem Blick auf die Wetterseiten meines Telefons, sondern auch mit einer gewissen Nervosität um unseren Abflug. Meine Gäste sollten aus den unterschiedlichsten Teilen Deutschlands mit zahlreichen Zubringerflügen nach Frankfurt anreisen – und nach allem, was die vergangenen Monate rund um Flugverkehr, Verspätungen, vermeintlichem Kerosinmangel und Streiks so mit sich gebracht hatten, wartete ich innerlich beinahe auf den ersten Anruf: „Mein Flug wurde gestrichen.“
Doch überraschenderweise blieben die großen Probleme am Himmel diesmal aus. Fast ironisch war es am Ende doch wieder nur die Deutsche Bahn, die einigen Gästen die bekannten Anreiseschwierigkeiten bescherte.
In Frankfurt angekommen, überwog schließlich die Vorfreude. Noch während unseres Fluges nach New York verfolgten viele von uns ein letztes Mal die Wetterberichte, die wir in den Tagen zuvor bereits mit wachsender Begeisterung immer wieder studiert hatten. NYC: Sonnig. Warm. Frühsommerlich.
Was uns allerdings beim Öffnen der Flugzeugtüren erwartete, war mehr als nur angenehmes Reisewetter. New York empfing uns mit einer dicken Wärme, mit intensiver Sonne und sommerlicher Luft. Dass daraus in den folgenden Tagen sogar eine kleine und auch sehr herausfordernde Hitzewelle werden würde, ahnten wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.
Das System steht, die Abläufe sind eingespielt: Lisa erwartete uns nach einer wunderbar zügigen und völlig problemlosen Einreiseprozedur am Ausgang des Flughafens. Der Bus steht bereit und die taffe Jolanda hievt jeden unserer schweren Koffer in den Gepäckraum - eine unfassbare Frau. Man traut sich kaum, den Gedanken weiterzuspinnen und auf unsere Rahmen für Arbeitsbedingungen umzulegen. Wir sind in einer Gedankenblase zwischen schockiert sein, beeindruckt - auf jeden Fall „angefasst“.
Lisa begleitet dann unsere Fahrt mit einer ersten Orientierung bis wir auch schon die Skyline entdecken und nach einer Tunnelfahrt direkt dort wieder auftauchen wo wir uns alle hingesehnt haben: New York wie aus dem Bilderbuch! Erschöpfung wird zu Begeisterung und so liefen wir schon kurz nach unserer Ankunft durch das quirlige Manhattan bis hin zum wilden, überfüllten Times Square, um in der klassischen Hard-Rock-Cafe-Athmosphäre unser erstes Abendessen zu nehmen. Manchmal muss man dann auch gar nicht mehr viel reden. Aber die Augen und die Gedanken schwirren und nes ist genau diese Mischung aus Energie und Überforderung, die uns alle in unsre betten sinken lässt, voller Vorfreude auf die kommenden Tage.
Stadtrundfahrt mit Lisa
Der zweite Tag begann für mich persönlich zunächst etwas schwieriger als gedacht. Gesundheitlich war ich an diesem Morgen nicht ganz fit und deshalb innerlich ausgesprochen froh darüber, dass an diesem Tag unsere Stadtrundfahrt mit Lisa auf dem Programm stand. So konnte ich mich ein wenig zurücknehmen und darauf vertrauen, dass meine Tabletten im Laufe des Vormittags ihre Wirkung entfalten würden.
Lisa führte unsere Gruppe mit großer Ruhe und Erfahrung über die 8th Avenue hinauf bis zum Central Park und gab dabei immer wieder spannende Einblicke in Geschichte, Alltag und Leben dieser Stadt. Besonders angenehm war dabei, dass sich New York an diesem Morgen bereits von seiner lebendigen, sommerlichen Seite zeigte: schon früh voll, laut, bunt. Und genau hier zeigt sich ein so typischer Eindruck für diese Stadt: fast überall trifft man auf „den joggenden New Yorker“. Während wir zwischen dicker Sommerluft, die sich in den Hochhausschluchten staut und den uns dauerhaft umgebenden Abgasen fast nur oberflächlich atmen mögen, ist New York an so ziemlich jeder kleinen grünen Ecke joggend unterwegs.
Im Central Park angekommen, begann für meine Gäste ein wunderschöner Spaziergang durch einen der berühmtesten Stadtparks der Welt. Vom „The Dakota“ – dem ehemaligen Wohnhaus von John Lennon – führte der Weg weiter zum berühmten Strawberry Fields-Mosaik mit dem Schriftzug „Imagine“, an dem sich bereits am frühen Vormittag zahlreiche Besucher versammelten. Tatsächlich kann man nahezu zu jeder Tages- und Jahreszeit dort hinkommen…..es gibt immer einen „kleinen John Lennon“, der die unzähligen Besucher in den Bann zieht - manchmal sogar Gänsehaut macht, während unendliche Fotos geschossen werden. .Von dort ging es weiter vorbei an den großen Wegen und Grünflächen bis zur prachtvollen Bethesda Terrace and Fountain, die mit ihrer Architektur, den breiten Treppenanlagen und den vielen Straßenmusikern genau jene besondere Atmosphäre vermittelt, die viele Menschen sofort mit dem Central Park verbinden.
Überhaupt war die Stadt an diesem Wochenende erfüllt von Veranstaltungen, Musik und Menschen aus aller Welt. Besonders auffällig war an diesem Tag eine Parade der türkischstämmigen Community New Yorks, die insbesondere für einen unserer Gäste interessant sein sollte. Solche Paraden gehören ganz selbstverständlich zum sommerlichen Leben dieser Stadt. New York versteht sich seit jeher als Stadt der Einwanderung, und pflegen die Communities hier bewusst ihre kulturellen Wurzeln, Traditionen und Feste.
Gerade darin liegt ein Teil der besonderen Atmosphäre dieser Metropole: Nationalitäten, Kulturen und Herkunftsländer dürfen sichtbar bleiben, sich präsentieren und gemeinsam feiern. Ob italienische, puerto-ricanische, chinesische, griechische, türkische oder viele andere Communities – beinahe jedes Sommerwochenende bringt irgendwo in der Stadt eine Parade, ein Straßenfest oder kulturelle Feierlichkeiten hervor. Und so begegnet man in New York nicht nur einer amerikanischen Großstadt, sondern gleichzeitig einer faszinierenden Mischung aus Kulturen aller Welt.
Doch nicht nur Menschen, Veranstaltungen und sommerliches Leben prägen New York in diesen Tagen – die Stadt wirkt zugleich wie eine einzige große Baustelle. Gefühlt wird an nahezu jeder Ecke gearbeitet, gebaut, erneuert oder umgestaltet. Straßen werden aufgerissen, Grünanlagen neugestaltet und Infrastrukturprojekte gleichzeitig an vielen Stellen vorangetrieben.
Dabei entsteht allerdings nicht unbedingt der Eindruck eines klassischen wirtschaftlichen Baubooms. Auch in den USA sind die großen Zeiten extrem günstiger Kredite und nahezu grenzenloser Investitionen längst vorbei. Vielmehr scheint New York nun mit großem Nachdruck Projekte umzusetzen, die teilweise schon seit Jahren geplant sind und die Stadt zugleich auf kommende internationale Großereignisse vorbereiten sollen – allen voran auf die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft 2026, bei der auch New York eine wichtige Rolle spielen wird.
Vieles davon stammt noch aus den großen Stadtentwicklungsprogrammen der Amtszeiten von Michael Bloomberg und Eric Adams, deren Infrastruktur- und Modernisierungsprojekte nun nach und nach sichtbar werden.
Für unsere Stadtrundfahrt bedeutete das allerdings auch: Stau, Umleitungen und stellenweise nur langsames Vorankommen durch die Häuserschluchten Manhattans. Doch gerade dabei zeigte sich auch ein Vorteil unserer klimatisierten Rundfahrt. Denn selbst dort, wo wir kaum aussteigen konnten, eröffnete sich aus dem Bus heraus ein nahezu ununterbrochener Strom kleiner Beobachtungen und bekannter Ansichten.
Besonders gefreut hat mich dabei, dass das berühmte Flatiron Building nach vielen Jahren hinter Baugerüsten und Schutznetzen inzwischen wieder zu großen Teilen sichtbar geworden ist. Für mich gehört dieses Gebäude mit seiner außergewöhnlichen Form ganz klar zu den großen architektonischen Wahrzeichen New Yorks, und so entstanden dort natürlich sofort zahlreiche Fotos.
Überhaupt war diese Stadtrundfahrt voller Wiedererkennungsmomente. Viele Straßenzüge, Kreuzungen, Häuserfassaden oder Parks kamen einem seltsam vertraut vor – nicht, weil man selbst schon einmal dort gewesen wäre, sondern weil New York seit Jahrzehnten Kulisse unzähliger Filme, Serien, Reportagen und Bildbände ist. Kaum eine andere Stadt der Welt ist medial so präsent wie diese.
Und genau das machte auch Lisas Erklärungen immer wieder besonders unterhaltsam. An vielen Orten konnte sie auf bekannte Filmszenen, berühmte Aufnahmen oder ikonische Momente aus Kino und Fernsehen verweisen – und plötzlich hatten viele Gäste genau dieses kleine Gefühl von: „Das kenne ich doch irgendwoher.“
Beendet wurde dieser lange und eindrucksvolle Tag schließlich mit einem ersten Blick von oben auf diese gigantische Stadt. Dafür ging es für unsere Gruppe auf das noch vergleichsweise neue SUMMIT One Vanderbilt direkt neben der berühmten Grand Central Terminal.
Schon die Auffahrt hinauf in den Wolkenkratzer erzeugte bei vielen Gästen auch dank der so typischen amerikanischen Kunst von Inszenierung eine besondere Spannung. Denn auch wenn man tagsüber bereits mitten durch Manhattan gefahren war, erschließt sich die tatsächliche Größe dieser Stadt erst aus der Höhe. Straßen werden plötzlich zu Schluchten aus Licht und Bewegung, die Hochhäuser ziehen sich scheinbar endlos bis zum Horizont, und erst dort oben beginnt man zu begreifen, wie gewaltig und gleichzeitig faszinierend dicht diese Metropole eigentlich ist.
Ich denke, trotz aller vorherigen Erklärungen und Hinweise zu den verschiedenen Aussichtstürmen der Stadt hat dieser erste gemeinsame Ausblick viele Gäste tief beeindruckt. Gerade am frühen Abend, wenn sich langsam das Licht verändert und Manhattan beginnt zu leuchten, entsteht dort oben eine ganz besondere Atmosphäre.
Und so wurde dieser erste große Tag in New York mit genau jener Perspektive beendet, die wohl viele Menschen für immer mit dieser Stadt verbinden: dem Blick über ein scheinbar grenzenloses Meer aus Hochhäusern.
Rund um Manhattan und entlang der Highline
Da die New Yorker U-Bahn nicht unbedingt zu meinen Favoriten gehört, bevorzuge ich es – sofern das Wetter mitspielt – viele Wege in Manhattan gemeinsam mit der Gruppe zu Fuß zurückzulegen. Gerade zwischen den einzelnen Aussichtspunkten oder Programmpunkten lassen sich viele Strecken wunderbar erlaufen. Und genau dabei erschließt sich diese Stadt oft viel intensiver als irgendwo unter der Erde zwischen Bahnsteigen und U-Bahn-Waggons.
Mir ist dabei so wichtig, dass die Gäste New York nicht nur „sehen“, sondern während des Laufens auch erleben können. Denn gerade auf diesen Wegen entdeckt man die vielen kleinen Einzelheiten, die diese Stadt ausmachen: Fassaden, Straßenecken, Gerüche, Geräusche, kleine Geschäfte oder einfach das Tempo des Alltags.
Und spannend ist die Stadt sogar am frühen Morgen. Wenn man bereits gegen neun Uhr unterwegs ist, erlebt man nämlich ein völlig anderes New York als jenes, das viele aus Filmen oder vom Times Square kennen. Das eigentliche Tagesleben der Stadt schläft zu dieser Uhrzeit vielerorts noch. Büros öffnen erst langsam, viele Geschäfte bereiten sich noch auf den Tag vor, und Touristenströme sind an einzelnen Orten noch überraschend überschaubar.
Stattdessen gehört die Stadt zu diesem Zeitpunkt vor allem den Menschen, die im Hintergrund dafür sorgen, dass New York überhaupt funktioniert. Lieferanten fahren ununterbrochen Waren heran, Reinigungsteams sind unterwegs, Geschäfte werden bestückt, Müll entsorgt, Straßen gereinigt und Baustellen vorbereitet. Überall rangieren Lastwagen, werden Rollcontainer geschoben oder Waren durch Hintereingänge transportiert.
New York ist früh am Morgen voller Bewegung – allerdings auf eine ganz andere Weise als später am Tag. Es ist gewissermaßen die Arbeitsphase der Stadt, bevor wenig später die eigentliche Bühne für Millionen Menschen geöffnet wird.
Unser Weg führte uns an diesem Vormittag Richtung Hudson River zu den Circle Line Sightseeing Cruises – einer der klassischen Rundfahrten auf dem Wasser, die New York noch einmal aus einer völlig anderen Perspektive erlebbar machen.
Da die Sonne bereits früh kräftig wurde und der Himmel sich nahezu wolkenlos zeigte, bewaffneten sich viele aus unserer Gruppe inzwischen mit Sonnenbrille und Sonnencreme. Das Wetter meinte es an diesem Tag wirklich außergewöhnlich gut mit uns. Und so liefen wir entspannt über die 42nd Street Richtung Westen.
Unterwegs gab es wie immer unzählige Dinge zu erzählen und zu zeigen. Denn selbst auf wenigen Straßenzügen verdichtet sich in New York unglaublich viele Geschichten um Alltag und Gegenwart. Vorbei ging es unter anderem in Richtung des Intrepid Museum am Hudson River – zu jenem Fluss, der weltweit noch einmal besondere Aufmerksamkeit bekam, als dort 2009 spektakulär eine Passagiermaschine notlandete.
Ein obligatorischer Zwischenstopp durfte für mich dabei ebenfalls nicht fehlen: der berüchtigte Port Authority Bus Terminal. Architektonisch wahrscheinlich eines der unerquicklichsten Gebäude dieser Stadt ( man spricht auch vom wohl „hässlichsten Gebaüde NYs“), funktional dagegen ein beeindruckendes logistisches Herzstück Manhattans. Und so halte ich dort inzwischen fast schon traditionell meine kleine Tirade über den Busbahnhof – die meist gleichzeitig in einem Loblied auf genau diesen Ort endet.
Pünktlich erreichten wir schließlich die Circle Line, checkten entspannt ein und sicherten uns an Bord wunderbare Plätze mit Schatten und perfekter Rundumsicht.
Und dann begann eine dieser Fahrten, die ich tatsächlich jedes einzelne Mal aufs Neue liebe.
Denn vom Wasser aus zeigt sich Manhattan in einer Weise, die man von den Straßen aus kaum erfassen kann. Erst dort draußen erkennt man die gigantische Überbauung dieser schmalen Landzunge in ihrer ganzen Wucht. Hochhäuser drängen sich scheinbar bis an den letzten verfügbaren Meter, Glas, Stahl und Stein wachsen in den Himmel, und die gesamte Skyline wirkt beinahe unwirklich dicht und monumental.
Von Deck aus eröffnet sich ein überwältigender Blick auf nahezu sämtliche Türme Manhattans. Die Stadt wirkt geordnet und gigantisch, strukturiert und vollkommen. Und bei diesem nahezu perfekten Wetter – klarer Himmel, glitzerndes Wasser, scharfe Konturen der Skyline – war diese Rundfahrt schlicht spektakulär.
Besonders schön war dabei auch zu beobachten, wie sich die Stadt für viele Gäste nun langsam „zusammensetzte“. Immer wieder hörte man Sätze wie: „Da waren wir doch gestern!“ oder „Das kennen wir schon!“
Genau darin liegt für mich ein großer Reiz New Yorks. Durch das klare Straßensystem, die geometrische Struktur Manhattans und die markanten Orientierungspunkte lässt sich diese riesige Stadt erstaunlich gut erschließen. Schritt für Schritt entsteht bei den Gästen dadurch nicht nur Orientierung, sondern auch Ruhe und Selbstvertrauen im Umgang mit dieser überwältigenden Metropole.
Und ehrlich gesagt: Diese Rundfahrt ist eigentlich immer schön. Ich habe sie bereits bei tiefhängenden Regenwolken, dramatischem Sturmhimmel und grauem Wetter erlebt – und jedes Mal hatte die Skyline ihre ganz eigene Magie. Aber an diesem Tag, unter diesem klaren Himmel und mit dieser Sicht, war sie schlicht traumhaft.
Die Hudson Yards können in ihrer Erzählung diese Gigantomanie New Yorks eigentlich nur noch weiter steigern. Und tatsächlich ertappe ich mich regelmäßig dabei, Zahlen oder Dimensionen zu nennen, die ich später selbst noch einmal nachschlage, weil sie beinahe absurd wirken. In New York scheint vieles nicht nur gedacht oder geplant, sondern tatsächlich umgesetzt zu werden – und zwar oft in Größenordnungen, Zeitfenstern und mit einer Konsequenz, die immer wieder fast unwirklich erscheint.
Dabei faszinieren nicht nur die fertigen Gebäude oder spektakulären Bauwerke selbst, sondern oft schon die Abläufe dahinter: die Organisation, die Geschwindigkeit, die Entscheidungsstrukturen und diese enorme Umsetzungskraft. Gerade in den Hudson Yards wird deutlich, wie anders hier gebaut, geplant und entwickelt wird als wir es aus Deutschland oder vielen Teilen Europas gewohnt sind.
Man muss diese Vorgehensweisen nicht immer mögen oder unkritisch sehen – aber sie erzeugen Ergebnisse, die in ihrer Größe und Konsequenz schlicht beeindruckend sind.
Gleichzeitig versucht New York bei all dieser Verdichtung immer wieder auch neue Freiräume und Grünflächen zu schaffen. Projekte wie die High Line oder später auch Little Island zeigen genau diesen Versuch, urbane Lebensqualität mitten zwischen Glas, Stahl und Beton entstehen zu lassen.
Und dennoch bleibt bei mir manchmal ein ambivalentes Gefühl zurück. Denn diese Orte sind inzwischen selbst zu weltberühmten Sehenswürdigkeiten geworden. Menschenströme aus aller Welt bewegen sich dort oft nahezu pausenlos entlang, fotografieren, filmen und erleben genau jene Highlights, die ursprünglich als Rückzugs- und Aufenthaltsräume für die Bewohner der Stadt gedacht waren.
Wenn man an manchen Tagen über die völlig überfüllte High Line läuft oder Little Island betritt, fragt man sich unweigerlich, wie viel dieser neu geschaffenen Erholungsräume den eigentlichen New Yorkern im Alltag tatsächlich noch bleibt.
Für uns führte der Weg schließlich weiter zum Chelsea Market, der sich in einer ehemaligen Fabrik der berühmten Oreo-Kekse befindet. Zwischen den vielen kleinen Restaurants, Marktständen und Gerüchen aus aller Welt legten wir dort unsere Mittagspause ein.
Am Nachmittag ging es schließlich mit der Subway zurück Richtung Penn Station. Diesmal näherten wir uns unserer Unterkunft allerdings bewusst von der anderen Seite Manhattans, denn ich hatte für meine Gäste noch einen kleinen Zwischenstopp eingeplant.
Unser Weg führte uns nämlich gezielt an der Feuerwache unseres Distrikts vorbei. Denn wann immer es möglich ist, versuche ich in New York auch jene Seiten der Stadt zu zeigen, die man in klassischen Reiseprogrammen oft gar nicht wahrnimmt.
Dazu gehört für mich seit Jahren genau diese besondere Nähe zwischen Bürgern und den Menschen, die den Staat im Alltag vertreten – Feuerwehr, Polizei oder auch die Streitkräfte.
Die Einrichtungen wirken in den USA häufig erstaunlich offen und zugänglich. Man steht nicht automatisch vor großen Barrieren oder hat das Gefühl, grundsätzlich außen vor zu bleiben. Stattdessen erlebt man oft genau das Gegenteil: Man wird freundlich begrüßt, darf Fragen stellen, Fahrzeuge anschauen oder mit den Einsatzkräften ins Gespräch kommen.
Deshalb erzähle ich meinen Gästen auch immer wieder, dass man sich in vielen amerikanischen Feuerwachen tatsächlich ganz selbstverständlich bewegen kann. Und genau so erleben wir es dann auch. Denn genau diese Situationen faszinieren mich in den USA immer wieder. Natürlich gibt es auch dort Sicherheitsbereiche und klare Regeln. Gleichzeitig entsteht aber häufig eine unmittelbare Nähe zwischen den ausführenden Kräften des Staates und den Bürgern selbst. Feuerwehr, Polizei oder Militär wirken dadurch nicht wie abgeschottete Institutionen, sondern vielmehr wie sichtbarer Teil des öffentlichen Lebens. Diese bei uns so oft zitierte „Bürgernähe“ erscheint dort vielerorts nicht nur wie ein politischer Begriff, sondern tatsächlich greifbar und gelebt.
Und so hat New York an diesem Nachmittag erneut ein wenig für uns gezaubert. Unser kurzer Besuch bei der Feuerwache wurde wieder genau zu jener offenen und herzlichen Begegnung, die ich meinen Gästen so gern zeige. Wenn auch mit Zigarre an Tank. :-)
Und vielleicht sind es gerade diese kleinen Momente abseits der großen Sehenswürdigkeiten, die eine Reise am Ende rund machen.
Und ich glaube tatsächlich, dass meine Gäste an diesem Abend mit vielen Eindrücken, einem besseren Verständnis für diese Stadt erschöpft und müde in ihre Betten gefallen sind.
Von der Wall Street nach Brooklyn
An diesem Tag sollten wir früh starten. Für den Vormittag hatten wir eine Auffahrt auf einen der wohl schönsten Aussichtstürme New Yorks geplant, zuvor wollten wir die wichtigsten Orte rund um die Wall Street erlaufen – darunter die Federal Hall, die berühmte Trinity Church und natürlich die Straßenzüge des Financial Districts selbst.
Der frühe Start fühlte sich an diesem Morgen sehr kraftvoll an. Zu dieser Uhrzeit lag noch eine gewisse Leichtigkeit über der Stadt. Die Luft wirkte klarer, die Straßen noch nicht überhitzt, und das Fortbewegen durch Manhattan erschien beinahe angenehm ruhig – zumindest nach New Yorker Maßstäben.
Gleichzeitig wurde dieser Morgen für viele meiner Gäste zur Premiere mit der berühmten New Yorker Subway. Und genau dort beginnen sich die Gegensätze dieser Stadt besonders deutlich zu zeigen. New York präsentiert nach aussen für die Welt als glitzernde Supermetropole voller Prestigeprojekte, Luxusimmobilien, gigantischer Hochhäuser und weltweiter Investitionen. Über Jahrzehnte floss enormes Kapital in diese Stadt – besonders während der langen Niedrigzinsphase, als Geld nahezu grenzenlos verfügbar schien und weltweit nach Anlagemöglichkeiten suchte. Viel davon landete in all diesen spektakulären Neubauten, Prestigeobjekten und gigantischen Entwicklungsprojekten, die heute die Skyline neu prägen.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch gerade in den alltäglichen Infrastrukturen ein vollkommen anderes Bild. Denn wer die Subway benutzt, erlebt sehr schnell auch die andere Seite New Yorks: alternde Bahnhöfe, teils marode Technik, schwierige Belüftung, Hitze, Feuchtigkeit und ein System, das vielerorts sichtbar unter jahrzehntelang aufgeschobener Sanierung leidet.
Und genau darin spiegeln sich auch politische und strukturelle Unterschiede wider. Denn wo private Investitionen auf der einen Seite enorme Hochhausprojekte und Luxusentwicklungen ermöglichen, wirken öffentliche Infrastruktur, Verkehrssysteme oder technische Grundversorgung so erstaunlich überaltert für uns. Diese Gegensätze begegnen einem in New York beinahe überall. Die gigantische Überbauung, der globale Kapitalfluss und die spektakulären Neubauten stehen direkt neben Systemen, die vielerorts fragwürdig erscheinen.
Besonders deutlich wurde uns das ja bereits bei Ankunft am Flughafen John F. Kennedy International Airport. Obwohl JFK zu den berühmtesten und wichtigsten Flughäfen der Welt gehört und sich seit Jahren in großen Umbau- und Modernisierungsprozessen befindet, empfinden ihn internationale Reisende zunächst überraschend ernüchternd. Teilweise funktionieren Klimatisierungen nur eingeschränkt, Wege wirken provisorisch, Baustellen begleiten den Alltag und manche Bereiche erscheinen weit entfernt von dem Bild, das man mit einer globalen Spitzenmetropole verbindet.
New York glänzt in vielen Bereichen spektakulär – und wirkt gleichzeitig an anderer Stelle roh, überfordert oder unfertig. Vielleicht zeigt sich gerade darin aber auch ein sehr ehrlicher Blick auf die Vereinigten Staaten selbst: auf ihre Prioritäten, ihre wirtschaftlichen Strukturen und die Frage, wohin Geld tatsächlich fließt – und wohin eben nicht.
Unerschrocken nahmen wir also an diesem Morgen also die Subway und erreichten schließlich den südlichen Teil Manhattans – den Financial District, der sich in den vergangenen Jahren ebenfalls spürbar verändert hat.
Gerade dort wird deutlich, wie dynamisch sich New York permanent neu erfindet. Denn selbst in diesem jahrzehntelang streng von Banken, Finanzhäusern und Bürogebäuden geprägten Viertel haben sich innerhalb erstaunlich kurzer Zeit neue Entwicklungen ergeben. Die Veränderungen der Arbeitswelt, Homeoffice-Modelle insbesondere nach Covid und daher teilweise leerstehende Büroflächen haben inzwischen auch hier Umwandlungen und neue Nutzungen möglich gemacht, die vor wenigen Jahren in einer speziellen, elitären Region kaum vorstellbar gewesen wären.
Gemeinsam durchliefen wir so die Straßen rund um die Wall Street, vorbei an all den bekannten Orten dieses Stadtteils, ehe wir schließlich pünktlich bei strahlendem Wetter vor dem beeindruckenden One World Trade Center standen – dem sogenannten „Tower One“.
Und ich erzähle es tatsächlich immer wieder gern: Für mich ist dieser Turm einer der schönsten Aussichtspunkte New Yorks.
Nicht allein wegen seiner Höhe oder seiner spektakulären Aussicht, sondern weil dieser Ort eine ganz besondere Atmosphäre besitzt. Das One World Trade Center wirkt auf mich nicht protzig oder laut, sondern fast ruhig und würdevoll. Gerade an diesem historischen Ort rund um Ground Zero und die Erinnerung an 9/11 entsteht eine besondere Stimmung aus Weite, Ruhe und Erhabenheit.
Oben angekommen eröffnet sich ein nahezu unglaublicher Rundumblick über Manhattan, Brooklyn, den Hudson River und weit hinaus bis in die umliegenden Stadtteile. Und manchmal denke ich dort oben tatsächlich an diese großen Kinder-Wimmelbücher: Man schaut zuerst auf das große Ganze, glaubt bereits alles gesehen zu haben – und entdeckt dann doch immer neue Einzelheiten.
Straßen ziehen sich scheinbar endlos durch die Häuserschluchten, winzige Autos verschwinden in Tunneln, Fähren gleiten über das Wasser, Brücken verbinden die Stadtteile miteinander, und irgendwo tief unter einem bewegen sich die berühmten gelben Taxis wie kleine Spielzeugautos durch Manhattan.
Besonders faszinierend finde ich dabei immer wieder diesen Kontrast: Man weiß genau, wie laut New York dort unten eigentlich ist. Man kennt das Hupen, das Rauschen, die Sirenen, die permanente Geräuschkulisse dieser Stadt.
Und doch ist dort oben plötzlich alles ruhig. Die Stadt funktioniert weiter, pulsiert unter einem in ununterbrochener Bewegung – und gleichzeitig wirkt sie aus dieser Höhe beinahe friedlich, leise und geordnet.
Meist entwickelt jede Reisegruppe nach schon kurzer Zeit ihre ganz eigene Harmonie, ihren eigenen Humor, manchmal gezwungenermaßen auch ihren eigenen Galgenhumor. Und so kamen wir hin zu „Wo gehobelt wird, fallen Späne“ oder eben auch „Ein bisschen Schwund ist immer.“, denn als wir uns nach einer längeren Mittagspause und individueller Freizeit – die viele Gäste unter anderem für den Besuch des 9/11 Memorial & Museum nutzten – wieder an unserem Treffpunkt versammelten, fehlten plötzlich tatsächlich zwei Gäste. Und das ist selbst für erfahrene Reiseleiter zunächst einmal kein besonders angenehmer Moment. Denn bei aller Routine und allem Humor: New York bleibt eine riesige, hektische Millionenstadt. Und natürlich schießen einem in solchen Augenblicken sofort viele Gedanken durch den Kopf. Gerade wenn man bereits verschiedenste Situationen auf Reisen erlebt hat, weiß man sehr genau, dass theoretisch an dieser Stelle vieles möglich wäre.
Also warteten wir zunächst – mitten in der inzwischen sengenden Nachmittagshitze Manhattans.
Doch unsere beiden Gäste tauchten nicht auf.
Und so beschloss ich schließlich mit einem Augenzwinkern, unsere Reisegruppe vorübergehend mit leicht „reduzierter Mannschaftsstärke“ weiterzuführen.
Unser nächster Programmpunkt führte uns nämlich noch einmal mit der Subway hinüber nach Brooklyn. Denn einer der großen Höhepunkte sollte an diesem Spätnachmittag natürlich noch folgen: der gemeinsame Rückweg über die berühmte Brooklyn Bridge.
Und spektakulär war dieser Weg wie immer. Doch gleichzeitig wurde der Spaziergang auch zu einer echten körperlichen Herausforderung. Die Temperaturen lagen deutlich über 30 Grad, Schatten gab es praktisch keinen, und die Sonne stand erbarmungslos über der Brücke. So wurden die großen Pfeiler der Brooklyn Bridge unterwegs beinahe zu kleinen Rettungsinseln. Immer wieder nutzten wir die wenigen Schattenbereiche kurz zum Durchatmen, um den Wind einmal um den Körper ziehen zu lassen und neue Kraft für die nächsten Meter zu sammeln.
Aber genau diese Mischung aus Erschöpfung, Hitze und überwältigender Kulisse macht New York manchmal auch unvergesslich. Denn gleichzeitig bot die Brücke natürlich wieder jene Ausblicke, die man eigentlich pausenlos fotografieren möchte: die Skyline, den East River und dieses ununterbrochene Leben dieser Stadt.
Zurück im Hotel folgte dann schließlich meine große persönliche Erleichterung: Die Gruppe war wieder vollständig.
Unsere beiden „verschollenen“ Gäste hatten sich schlicht in der Zeit vertan und waren bereits eigenständig zurück ins Hotel gelangt – worauf ich ehrlich gesagt auch ein kleines bisschen stolz war. Denn genau daran merkt man irgendwann, dass die Gäste beginnen, sich sicher und selbstständig in dieser Stadt zu bewegen.
Und so konnten wir den Abend schließlich doch wieder in voller Besetzung gemeinsam ausklingen lassen – bei einem Abendessen im Planet Hollywood Times Square an der 42nd Street.
Wobei ein Abend in diesem Teil Manhattans natürlich selten wirklich endet. Denn rund um den Times Square ergeben sich beinahe automatisch noch unzählige Möglichkeiten: ein wenig shoppen, noch einmal durch die leuchtenden Straßen bummeln, spontane Entdeckungen machen oder vielleicht sogar eine nächtliche Bustour unternehmen.
Und genau das ist vielleicht eine der größten Stärken New Yorks, die Nächte bieten nicht weniger als die Tage - da reicht die Rooftop-Bar unseres Hotels völlig. Eigentlich ist diese Beschreibung fast undankbar, denn tatsächlich ist diese kleine Dachfläche mit oder auch ohne einem Kaltgetränk in der Hand einfach nur spektakulär.
Von Lady Liberty bis auf den Top of the Rock
An unserem eigentlich schon letzten vollständigen New-York-Tag zog es uns noch einmal ganz in den Süden Manhattans. Ziel war der Battery Park, von wo aus die Fähren in einem nahezu ununterbrochenen Kreislauf zwischen Manhattan, Statue of Liberty und Ellis Island verkehren.
Und auch an diesem Morgen zeigte sich New York wieder von seiner hochsommerlichen Seite: wolkenloser Himmel, intensive Sonne und bereits früh erstaunlich warme Temperaturen.
Natürlich bedeutete das erneut: Subway-Abenteuer Richtung Downtown Manhattan.
Mit der Fähre ging es zunächst hinaus zur berühmten Freiheitsstatue. Und tatsächlich hatten wir bereits während unserer Circle-Line-Rundfahrt über einen Effekt gesprochen, den ich scherzhaft gern den „Mona-Lisa-Effekt“ der Lady Liberty nenne.
Denn irgendwie stellt man sich die Freiheitsstatue automatisch deutlich größer und monumentaler vor, als sie tatsächlich ist.
Und das liegt vermutlich an mehreren Dingen. Zum einen entstand sie in einer Zeit, in der New York selbst noch vergleichsweise niedrig bebaut war und die Statue dadurch wesentlich dominanter erschien. Und natürlich war sie für ihre Zeit tatsächlich ein gigantisches technisches Meisterwerk – insbesondere wenn man bedenkt, dass sie in Einzelteilen über den Atlantik transportiert wurde. Zum anderen wird die Freiheitsstatue bis heute fast immer isoliert fotografiert – als einzelnes Monument, ohne direkten Größenvergleich. Dadurch entsteht automatisch eine monumentale Vorstellung im Kopf. Und doch wirkt sie heute, im Zeitalter der gigantischen Skylines Manhattans, beinahe kleiner als erwartet. Genau wie viele Türme, Kirchen oder Wolkenkratzer aus den 1920er- und 1930er-Jahren, die einst als gigantische Bauwerke galten und inzwischen neben den heutigen Superhochhäusern fast bescheiden erscheinen. Besonders deutlich wurde dieser Wandel ja auch entlang der sogenannten Billionaires’ Row, wo inzwischen ultradünne Luxuswohntürme wie Stecknadeln in den Himmel Manhattans ragen und die Maßstäbe der Stadt noch einmal völlig verändert haben.
Vielleicht ist genau das ein wenig das Schicksal der Lady Liberty geworden: Sie bleibt eines der bedeutendsten Symbole der Welt – wirkt in dieser Stadt der permanenten Superlative heute jedoch fast überraschend unscheinbar menschlich gemacht.
Anschließend ging es weiter nach Ellis Island, das sich zwar weiterhin teilweise in Sanierungs- und Modernisierungsphasen befindet, sich aber dennoch bereits sehr gut erkunden lässt. Besonders die Audioguides ermöglichen dort einen eindrucksvollen Zugang zur Geschichte der Millionen Einwanderer, die hier einst erstmals amerikanischen Boden betraten.
Aufgrund des großen Besucherandrangs hatten wir uns allerdings bereits vorher darauf verständigt, beide Inseln zunächst gemeinsam möglichst entspannt zu besuchen und anschließend wieder nach Manhattan zurückzukehren, um allen noch einmal freie Zeit für eigene Entdeckungen zu geben.
Und genau das wurde natürlich intensiv genutzt: zum Flanieren, Shoppen, Fotografieren, Essen oder einfach zum letzten bewussten Aufsaugen dieser Stadt.
Wobei insbesondere die Sportschuhgeschäfte während dieser Reise offensichtlich einen ganz besonderen Stellenwert besaßen – und durchaus für einige ausgesprochen glückliche Gäste- und Reiseleitergesichter sorgten. Auch Trump Tower und Tiffany‘s durften nicht fehlen.
Gegen frühen Abend machten wir uns schließlich bewusst zeitig auf den Weg Richtung Rockefeller Center. Und natürlich wieder vorzugsweise zu Fuß. Denn gerade entlang der Fifth Avenue erschließt sich Manhattan noch einmal völlig wie aus Filmen und Serien: elegante Fassaden, berühmte Geschäfte, ikonische Straßenzüge und diese besondere Mischung aus Luxus, Hektik und Großstadtatmosphäre - für uns noch einmal zum Mitatmen und Mitlaufen. Da ist es auch schon mittlerweile egal, was die Ampel anzeigt, meine Gäste bewegen sich seibstbewusst im Tempo der Stadt, ganz unauffällig im Fluß.
Wir besuchten St. Patrick’s Cathedral – das größte katholische Gotteshaus New Yorks. Und natürlich sieht und spürt man dort auch sehr deutlich jene typisch amerikanische Interpretation von Kirche und Religiosität, die für europäische Besucher manchmal durchaus ungewohnt wirken kann wie anhand der großen Wandgemälde im Eingangsbereich.
Schließlich erreichten wir die Umgebung des Rockefeller Centers mit seiner wunderbaren Architektur der 1920er- und 1930er-Jahre – einer jener Orte, an denen das alte glamouröse New York noch besonders spürbar bleibt.
Doch bereits beim Einbiegen in die Straße rund um die Radio City Music Hall wurde klar, dass dieser Abend anders verlaufen würde als gedacht.
New York war an diesem Tag außergewöhnlich voll, ja übervoll, wie selbst ich es noch nie erlebt hatte.
Der Grund dafür waren die zahlreichen Graduation Days der High Schools und Colleges der Stadt. Überall feierten Absolventinnen und Absolventen ihren Schul- oder Studienabschluss, und viele Sehenswürdigkeiten boten spezielle Packages und Veranstaltungen für diese Gruppen an. Genau deshalb entwickelte sich der Zugang zum Top of the Rock an diesem Abend beinahe zum Ausnahmezustand. Schon vor dem Eingang standen scheinbar endlose Menschenmassen, bei denen ich auch mit hartnäckigem Verweisen auf unseren Timeslot fast machtlos war. Und dann oben auf den Aussichtsplattformen war die Situation teilweise kaum noch kontrollierbar. Menschen drängten sich dicht an dicht über die verschiedenen Ebenen, Bewegung wurde schwierig, und zeitweise war es kaum möglich, sich überhaupt noch vernünftig fortzubewegen.
Für mich bestand die größte Herausforderung darin, meine Gäste mit Sonderbuchungen wie Skylift oder Beam in diesem Chaos überhaupt noch ausfindig zu machen.
Ehrlich gesagt hatte ich mir diesen letzten großen Aussichtspunkt unserer Reise nicht nur deutlich entspannter vorgestellt, es sollte doch ein letztes Resümieren werden, ein würdevoller Abschluss einer besonderen Reise für meine Gäste.
Und ich hoffe doch sehr, dass viele meiner Gäste trotz all dieses Trubels noch jene besondere Atmosphäre erleben konnten, die dieser Ort eigentlich bietet: die warme Abendluft über Manhattan, den Blick auf den Central Park, die langsam aufleuchtende Skyline und dieses Gefühl, ein letztes Mal über diese gigantische Stadt mit einem leichtem Wind um die Nase zu blicken.
Umso schöner war dann schließlich der Ausklang des Abends. Denn ein großer Teil der Gruppe traf sich später noch einmal auf der Rooftop-Bar unseres Hotels, wieder – mit direktem Blick auf das Empire State Building.
Und genau dort spielte sich an diesem Abend noch einmal ein ganz besonderer New-York-Moment ab.
Im Madison Square Garden lief ein Playoff-Spiel der New York Knicks, für das sich auch einige Gäste unserer Gruppe begeistert hatten. Lange Zeit sah es so aus, als würden die Knicks das Spiel verlieren. Doch dann gelang der Mannschaft eine spektakuläre Aufholjagd – und plötzlich explodierte gefühlt ganz Manhattan vor Begeisterung.
Jubel brandete durch Bars, Straßen und Dachterrassen, Menschen schrien, feierten und applaudierten. Und direkt vor uns begann schließlich auch noch das Empire State Building in den Farben der Knicks zu leuchten: Blau und Orange.
Vielleicht hätte man sich für einen letzten Abend in New York kaum einen passenderen Abschluss wünschen können.
Noch ein kurzer Vormittag und wir reisen nach Hause
Es waren an diesem letzten Vormittag tatsächlich nur noch wenige Gäste, die bereit waren, gemeinsam mit mir noch einmal ein wenig New York zu erobern.
Und ehrlich gesagt war das auch vollkommen verständlich.
Denn diese Reise kostete Kraft. Nicht im negativen Sinne – sondern weil New York permanent fordert. Die Hitze dieser Tage, die langen Wege, die ununterbrochenen Eindrücke, die Geräuschkulisse, die Bewegung, das Licht, die Menschenmengen und diese Stadt selbst mit ihrer gewaltigen Präsenz verlangen einem körperlich und mental unglaublich viel ab.
New York ist sicherlich kein klassischer Erholungsurlaub. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – verzaubert diese Stadt ihre Besucher immer wieder aufs Neue.
Viele Gäste glauben am Anfang einer solchen Reise oft noch, dass die Tage vielleicht zu kurz sein könnten und dass man möglichst noch viel mehr sehen müsste. Doch meist stellt sich gegen Ende genau das Gegenteil ein: Man spürt plötzlich sehr deutlich, dass es nun auch richtig ist, nach Hause zu reisen. Nicht weil man genug von der Stadt hätte – sondern weil New York einen so intensiv erlebt, dass man irgendwann schlicht erschöpft ist.
Und gerade auf dieser Reise hat das außergewöhnlich heiße Wetter sicherlich noch seinen Teil dazu beigetragen.
Umso mehr habe ich mich über jene kleine Gruppe gefreut, die an diesem letzten Vormittag noch gemeinsam mit mir die New York Public Library besuchen wollte. Selbst dort zeigte sich allerdings erneut, wie sehr sich New York bereits auf die kommenden großen Ereignisse dieses Sommers vorbereitet. Wegen verschiedener Jubiläen, Veranstaltungen und der Vorbereitungen rund um die Fußball-Weltmeisterschaft war ausgerechnet die berühmte Treasures-Ausstellung der Library geschlossen.
Und trotzdem nahmen meine Gäste auch das wieder mit bemerkenswert viel Gelassenheit.
Es tat mir zwar leid, dass sie sich an diesem erneut sehr warmen Vormittag fast umsonst noch einmal auf den Weg gemacht hatten – aber ich hoffe sehr, dass ihnen dieses beeindruckende Gebäude trotzdem in Erinnerung bleiben wird.
Denn ich bin sicher: Früher oder später werden sie diese von ihren beiden steinernen Löwen bewachte Bibliothek irgendwo wiedersehen. In einem Film. In einer Serie. In einer Dokumentation. Und vielleicht wird es dann diesen kleinen Moment des Wiedererkennens geben. Dieses stille innere Lächeln und den Gedanken: „Da war ich schon einmal.“
Genau das wünsche ich mir eigentlich für all meine Gäste.
Vielleicht braucht es nach dieser Reise zunächst einmal Erholung, Ruhe und ein wenig Abstand. Aber ich glaube fest daran, dass viele dieser Eindrücke erst in den kommenden Monaten oder Jahren ihre eigentliche Wirkung entfalten werden.
Irgendwann wird irgendwo plötzlich New York auftauchen – in einer Erzählung, einem Film, einem Gespräch oder vielleicht einfach nur in einem Bild.
Und dann wird hoffentlich dieses zufriedene, ruhige Gefühl entstehen:
„Ja. So ist diese Stadt wirklich.“
Oder vielleicht auch:
„Ja, genau dort stand ich schon einmal.“
Denn New York gehört für mich nach wie vor zu jenen Städten, die man im Leben wenigstens einmal gesehen haben sollte.
Und vielleicht liegt gerade darin ihre besondere Kraft:
Dass sie niemals vollkommen greifbar wird. Dass sie sich ständig verändert, immer anders wirkt und trotzdem in Erinnerung bleibt.
Deshalb gleicht auch keine meiner Reisen dorthin der anderen.
Während dieser Tour wurde ich mehrfach gefragt, ob ich auch diesmal wieder einen Reisebericht schreiben würde. Und natürlich lautet die Antwort darauf: ja.
Denn jede Reise verdient ihre eigene Geschichte.
Und ich hoffe sehr, dass sich meine Gäste gerne an diese Tage zurückerinnern werden – vielleicht auch mit vielen eigenen kleinen Momenten, Eindrücken und Gefühlen, die ich selbst niemals vollständig sehen oder beschreiben kann.
Aber vielleicht ist genau das das Schönste am Reisen:
Dass jeder dieselbe Stadt erlebt – und am Ende doch seine ganz eigene Erinnerung mit nach Hause nimmt.
Und vielleicht schloss sich genau damit am Ende dieser Reise ein ganz besonderer Kreis. Denn während wir im Flugzeug zurück nach Deutschland saßen, zog sich der Himmel über New York langsam zu. Dunkle Wolken schoben sich über Manhattan, erste Gewitterfronten kündigten sich an und jene große Wetteränderung begann, die nach den hochsommerlichen Tagen schließlich kühlere Luft in die Stadt brachte. Fast wirkte es, als würde New York uns den Sommer überlassen haben. Denn als wir schließlich morgens um 5:25 Uhr in Frankfurt landeten, empfing uns Deutschland sommerlich. Im frühmorgendlichen Licht entwickelte sich ein spektakulär schöner Sonnentag für alle Heimkehrer und Weiterreisenden. Die Luft war mild, der Himmel klar – und tatsächlich sollte genau dieses wunderbare Sommerwetter nun auch in den folgenden Tagen bei uns in Deutschland anhalten.
Vielleicht waren wir also am Ende tatsächlich die Gruppe, die auszog, den Sommer heim zu holen.
( Oder wie war das bei Mary Poppins….:-)))
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