Reiseleiterbericht Südwest–und Zentralfrankreich
Reisebericht: 15.05. – 24.05.2026
Auf unserer Rundreise durch Südwest- und Zentralfrankreich sahen wir fantastische Bergwelten, mächtige Flusslandschaften, einzigartige Weltkulturerbestätten sowie prächtige und malerische Städte.
Ein Reisebericht von
Beate Schroedter
1. Tag Freitag 15.05.2026 Anreise nach Paris
Früh am Morgen starteten wir unsere Reise mit den ersten Reisegästen bei kühlem morgendlichen Wetter, die uns bis nach Süd-und Zentralfrankreich bringen sollten. Nach weiteren Zustiegen bei Chemnitz Mitte, Meerane und Jena kamen wir nach Eisenach, wo die Anfahrt unseres Busfahrers endete und der Busfahrer einstieg, der uns während der kommenden 10 Tage fahren sollte. Den letzten Zustiegsort hatten wir am Flughafen Frankfurt a. M.. Gegen Nachmittag erreichten wir dann die deutsch-französische Grenze und fuhren anschließend in schneller Fahrt durch die Loirraine (Lothringen), die Champagne und die Ils de France nach Paris, wo wir im Laufe des späteren Abends ankamen. Dort kehrten wir im Novotel Porte d'Orleans ein, wo man in Hotelrestaurant schon auf uns wartete. Unser Abendessen wurde leider etwas turbulent, weil die zuständige Agentur für uns nur eine Vorspeise und ein Hauptgericht bzw. ein Hauptgericht und eine Nachspeise bestellt hatte – ein Fehler, den unsere Reiseleiterin nur mit einiger Mühe beheben konnte. Dennoch wurden wir alle satt und waren froh, uns nach dem langen Reisetag zurück ziehen zu können.
2. Tag Samstag 16.05.2026 Zugfahrt mit dem TGV nach Bordeaux, Stadtführung Bordeaux und Besuch der Cité du Vin
Nach einem sehr guten Frühstück luden wir unsere Koffer in unseren Reisebus und fuhren zum Bahnhof, dem Gare Montparnasse. Von dort ging es später mit dem TGV in rasanter Fahrt nach Bordeaux. Schon nach drei Stunden waren wir angekommen. Vor dem TGV-Bahnhof St. Jean erwartete uns schon unsere örtliche Reiseleiterin Hildegard. Sie hatte Fahrscheine gekauft und so fuhren wir mit der Straßenbahn in die Altstadt. Dort stiegen wir aus und ließen uns zu den schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt führen. Bordeaux gilt als „heimliche Hauptstadt“ Frankreichs, weil sie mehrere Male zeitweise Sitz der französischen Regierung war, so 1870/71 währen des deutsch-französischen Krieges, 1914 sowie 1940 während es ersten und zweiten Weltkrieges. Sie ist Hauptstadt der Region Nouvelle-Aquitaine, Universitätsstadt und Sitz eines Erzbischofs.
Was gab es dort nicht alles zu entdecken: den Place des Quinconces, der mit seiner Fläche von 126.000 m² zu den größten Plätzen Europas gehört, das Grand Théâtre de Bordeaux, die Porte Cailhau, das mittelalterliche Stadttor mit der großen Glocke, mittelalterliche Gassen und hochherrschaftliche Bauten an prominenten Plätzen, wie der Place de la Bourse. Nach dieser spannenden Stadtführung und etwas Freizeit fuhren wir mit der Straßenbahn zur „Cité de Vin“, einem Weinbaumuseum mit Weinbar, das mit seiner extravaganten Architektur auf den Weinbau anspielt und nach gut zweijähriger Bauzeit im Mai 2016 eröffnet wurde. Hier wurden wir gleich in die Weinbar geleitet. Von dort hatten wir einen fantastischen Blick über die Garonne und die Altstadt von Bordeaux. Dieser Blick ließ sich mit eine Glas Bordeauxwein wunderbar genießen.
Später trafen wir unseren Reisebus wieder, der mit unseren Koffern inzwischen von Paris in Bordeaux angekommen war und fuhren zu unserem Hotel, dem Hotel Mercure. Nach dem Abendessen, dass wir im Hotelrestaurant einnahmen, machten sich einige Gäste aus unserer Gruppe noch mal auf, um zur Garonne zu laufen.
3. Tag Sonntag 17.05.2026 Weinbaugebiet & St. Emilion – Bergerac – Périgueux – Sarlat–la–Caneda
Früh am Morgen, nach einem guten Frühstück im Hotel, starteten wir unsere Erkundung Aquitaniens mit einem Aufenthalt in St. Emilion. Hier erwartete uns eine örtliche Führung, die uns die berühmte unterirdische Felsenkirche näher bringen sollte. Was war das für eine Entdeckung ! Wir staunten über die dem Felsen geradezu abgerungenen Architekturen, die so viele Jahrhunderte überdauert haben. Dann hatten wir noch etwas Freizeit in dem idyllischen Städtchen St. Emilion bevor es mit unserem Reisebus durch die wunderschöne Weinlandschaft von St. Emilion ging. Hier reihten sich die Weinhügel harmonisch aneinander und boten ein einzigartiges Panorama.
Gegen Mittag erreichten wir den Fluss Dordogne mit dem Städtchen Bergerac, das an seinem Ufer liegt. Hier wird an mehreren Stellen an den legendären Cyrano de Bergerac erinnern, der Titelheld des gleichnamigen Theaterstücks, das Edmond Rostad 1897 schrieb und in Paris aufführen lies. Es handelt von einem mit großer Poesie begabten Mantel- und Degenhelden, der jedoch wegen seiner riesigen Nase von Spott verfolgt wird, was den Spöttern jedoch in den folgenden Duellen nicht gut bekam. Inspirieren ließ sich Rostad von der historischen Persönlichkeit Savinien Cyrano de Bergerac, der im 17. Jahrhundert lebte und als Schriftsteller zwei fantastische Romane schrieb. Sie handeln von Reisen zu Bewohnern des Mondes und der Sonne. Er gilt als Vorläufer der Aufklärung im Allgemeinen und der Fantastischen Literatur im Besonderen. So zeigen die Denkmäler von Cyrano de Bergerac beides: den Mantel-und Degenhelden mit der großen Nase und den suchend in den Himmel blickenden fantastischen Literaten.
Nach diesem Aufenthalt durchfuhren wir die alte Kulturlandschaft des Périgord und kamen in seine historische Hauptstadt Périgueux am Fluss Isle an. Zunächst steuerten wir die Kathedrale Saint-Front an, bei der es sich um die größte Kathedrale Südwestfrankreichs handelt. Sie ist stark von der byzantinischen Architektur beeinflusst worden und trägt statt eines Kreuzgewölbes fünf Kuppeln von je 13 m Durchmesser. Darin erinnert sie besonders an San Marco in Venedig. Sie wurde zwischen 1852 und 1895 von dem Architekten Paul Abadie restauriert, der sich von diesem Bauwerk zum Bau der Basilika Sacré-Coeur auf dem Montmartre in Paris anregen lies. Unser anschließender Stadtrundgang fiel buchstäblich ins Wasser. Als wir aus der Kathedrale hinaus traten fing es in Strömen an zu regnen. So suchten wir schnell eine Bar oder ein Café auf, um der Nässe zu entgehen.
Am Abend erreichten wir unser Hotel in Sarlat-la-Caneda. Unser Abendessen nahmen wir gegenüber im Restaurant „L'Esprit Sarlat“ ein, wo es uns sehr gut schmeckte.
4. Tag Montag 18.05.2026 Höhlenmalerei Lascaux – Sarlat–la–Caneda – La Roque–Gegeac
Wieder einmal früh am Morgen aber ohne Koffer, denn wir blieben in unserem Hotel in Sarlat noch einen zweiten Tag, starteten wir zu einem besonderen Ausflug. Als erstes stand die Besichtigung der Höhlenmalereien von Lascaux auf dem Programm. Unsere Museumsführerin zeigte uns die nach dem Original kopierten Höhlenmalerei von Lascaux 4. An ihnen lässt sich erahnen, welchen Schatz die vier jungen Männer im September 1940 zufällig entdeckten. Nach den letzten Forschungen wird die Höhlenmalerei in den Zeitraum von 36.000 bis 19.000 v. Chr. datiert. Sie steht seit 1979 unter dem Schutz des UNESCO Weltkulturerbes. 1948 wurde die originale Höhle für Besucher geöffnet, was jedoch der Höhlenmalerei alles andere als gut bekam. Atemluft und Kondenswasser führten zur Bildung von Schimmel, weshalb die Höhle 1963 für den Publikumsverkehr geschlossen wurde. Seit 2016 bietet Lascaux 4 in seinem neuen, avantgardistischen Museumsbau, die von dem norwegischen Büro Snohetta entwickelt wurde, eine haargenaue Nachbildung der Höhle. Staunend standen wir vor der unfassbaren Schönheit dieser Malereien. Es ist kaum zu glauben, dass es den genialen Schöpfern dieser Malereien schon so früh gelang Räumlichkeit sowie Licht und Schatten darzustellen. Nach der Führung hatten wir noch etwas Zeit für den Workshop des Museum, der einem sehr gut half, Antworten auf Fragen der Darstellung und des Materials zu finden.
Anschließend fuhren wir in die Altstadt von Sarlat-la-Canéda. Hier führte uns unsere Reiseleiterin zum Haus des Humanisten Etiènne de Boité, zur Kathedrale und zur Totenlaterne hinter der Kathedrale. Dann hatten wir Freizeit, um das schöne Städtchen selbst zu erkunden. Spannende Läden, gemütliche Cafés, malerische Gassen und Plätze – was für ein stimmungsvoller Ort !
Zum Abschluss dieses Ausflugstages stand eine Fahrt mit einer Gabare, einem traditionellen Schiff, auf der Dordogne auf dem Programm. Wir fuhren nach La Roque-Gageac, wo wir die Atmosphäre in diesem engen Flusstal zu erkundeten. Prähistorische Höhlenwohnungen schmiegen sich hier an die Felsen und oberhalb der Felsen sieht man immer wieder eine Burg oder eine Burgruine. Das sahen wir auch während unserer Bootsfahrt, die zu den schönsten Erlebnissen unserer Reise gehörte, wenn dabei auch die Sonne fehlte. Nach der fast einstündigen Bootsfahrt stiegen wir in unseren Reisebus und fuhren nach Sarlat, wo wir am Abend nochmals im Restaurant „L'Esprit Sarlat“ speisten.
5. Tag Dienstag 19.05.2026 Rocamadour – Conques am Jakobsweg – Millau
Die heutigen beiden Hauptziele Rocamadour und Conques in der Region Okzitanien haben beide mit großen, europäischen Pilgerbewegungen zu tun. Schon der Name des Ortes Rocamadour geht auf einen Heiligen zurück. Bei dem Heiligen Amadour soll es sich, so eine Version der Legende, um den Zöllner Zachäus aus der Bibel handeln, der nach der Kreuzigung Christi nach Gallien gekommen sei und in Rocamadour die Figur der Schwarzen Muttergottes geschnitzt haben soll. Später entstand hier ein Kloster, deren Mönchen seit dem 12. Jahrhundert von den Wundern der Schwarzen Madonna berichteten. Wenig später entwickelte sich das Wallfahrtswesen, das bis Heute nicht an Intensität verloren hat.
Neben dieser Legende wird in Rocamadour an die Legende des Ritters Roland erinnert, dessen Schwert, das sagenhafte Durendalschwert, im Felsen neben der Abteikirche steckt.
Der Ort erstreckt sich über drei Ebenen. Unsere Reiseleiterin führt uns von der obersten Ebene, auf der eine Mittelalterliche Burg steht, per Fahrstuhl zur mittleren Ebene. Dort schauten wir in die Gotteshäuser soweit es bei den Gottesdiensten überhaupt möglich war und genossen die Aussicht. Während einige Gäste sich entschieden, noch etwas länger auf dieser Ebene zu bleiben, fuhren andere mit hinunter auf die unterste Ebene von Rocamadour. Dort liegt das Dorf mit seinen mittelalterlichen Häusern, das wie ein Adlerhorst am Felsen über der Schlucht des Flusses Alzou schwebt.
Unser zweites Ziel war heute die Abteikirche Sainte-Foy von Conques. Die romanische Kirche gehört zu den wichtigsten Pilgerkirchen auf dem Jakobsweg in Frankreich. Besonders sehenswert ist das Tympanon des Westportals, das vor 1130 entstanden ist und somit zu den frühsten romanischen Tympana gehört. Thema der Reliefs ist das Jüngste Gericht, dass die Menschheit aufteilt zwischen Paradies und Hölle. Unter den für das Paradies bestimmten Personen befindet sich der Kaiser Karl der Große als wichtigster Förderer der Abtei und Mitglieder seiner Familie. Wir besichtigten die Abteikirche und waren tief beeindruckt von den mächtigen und doch schlichten romanischen Bauformen.
Dann gingen wir durch das idyllische Dorf, das zu Recht zu den schönsten Dörfern Frankreichs gehört zu unserm Reisebus und fuhren nach Millau an den Tarn. Unser Hotel lag am Rande der Stadt und so waren es etwa 20 Min Weg, um zum nächsten Supermarkt zu kommen. Da wir am nächsten Tag ein Picknick am Tarn vorbereiten wollten, halfen wir unserer Reiseleiterin bei Tragen der dafür notwendigen Weinflaschen und Lebensmittel. Später nahmen wir im Restaurant des Hotels unser Abendmenü ein.
6. Tag Mittwoch 20.05.2026 Tarnschlucht, Sainte Enimie in den Cevennen und Viaduct von Millau
Heute sollte die Natur des südlichen Zentralmassiv und insbesondere der Cevenne im Mittelpunkt des Tages stehen. Gleich am Morgen ging es zum Pas de Soucy, einem Aussichtpunkt oberhalb der Tarnschlucht. Schon gestern hatte sich das Wetter zum Positiven geändert und so durchflutete warmes Sonnenlicht die Tarnschlucht. Von diesem wunderschön Eindruck unwegsamer, rauer Natur im milden Morgenlicht konnten wir uns kaum losreißen.
Auf dem Weg nach La Maléne kamen wir an traumhaften Landschaften und von Blumen übersäten Wiesen des Gévaudan entlang. In dieser Region sollen sich zur Zeit König Ludwig XV. im 18. Jahrhundert grausame Wolfsmorde ereignet haben sollen. In La Maléne, wo wir unser Brot zum Picknick kauften, erinnert ein kleines Wandbild an diese Ereignisse.
Wenig später erreichten wir den kleinen Ort St. Enimie. Dort unternahmen wir einen kleinen Ortsrundgang und bereiteten anschließend unser Picknick am Ufer des Tarn vor. Das konnte sich wirklich sehen lassen: es gab verschiedene Sorten Wurst und Ziegenkäse aus Rocamadour, Roquefort-Käse aus Aveyron, Tomaten, Erdbeeren und Äpfel aus Südfrankreich sowie die besten Weine aus dem Périgord.
Anschließend führten wir unsere Rundfahrt durch die Cevennen fort und erreichten den Ort Canourque, ein kleines Städtchen, das wir gemeinsam besichtigten.
Zum Abschluss des Tages wartete noch ein Technisches Meisterwerk auf uns: der Viadukt von Millau. Er wurde nach Entwürfen von Michel Virlogeux, u.a. Schöpfer der Pointe de Normandie, und Norman Foster in drei Jahren gebaut und 2004 eröffnet. Bei diesem beeindruckenden Bauwerk handelt es sich um eine Schrägseilbrücke mit 7 Pylonen. Sie ist mit 2460 m Länge die längste Schrägseilbrücke der Welt und mit einer Höhe von 343 m ist sie das höchste Bauwerk Frankreichs. Vom Aussichtshügel aus konnte man das gesamte Tal des Tarns mit diesem fantastischen Brückenbauwerk überschauen. Ein einzigartiges Erlebnis, das zu den großem Höhepunkten unserer Reise gehörte.
Später, nachdem wir uns im Besucherzentrum umgesehen haben, machten wir unterwegs noch einen Fotostopp. Dann ging es ins Hotel nach Millau, wo wir heute zum zweiten Mal unser Abendmenü hatten und übernachteten.
7. Tag Donnerstag 21.05.2026 Le Puy–en–Velay – Issoire – Clermont–Ferrand
Nach zwei Tagen in der Region Okzitanien, deren Präfektur sich in Toulouse befindet, führte uns dieser Tag unserer Rundreise in die Region Auvergne-Rhône-Alpes. Wie der Name der Stadt schon sagt, liegt Le-Puy-en-Velay in der zur Auvergne und damit zum Südosten des Zentralmassivs gehörenden Landschaft des Velay. Hier prägen erloschene Vulkane das Stadtbild. Auf einer dieser ehemaligen Vulkanschlote steht wie auf einer Felsnadel die Kirche Saint-Michel d'Aiuilhe. Auf einem weiteren dieser Vulkankegel, dem Rocher Corneille, thront die Statue Notre-Dame de la France - ein 16 m hohe Marienstatue, die 1860 aus über 200 im Krimkrieg erbeuteten Kanonen gegossen und aufgestellt wurde. Wir besuchten hier gemeinsam die unterhalb dieser Marienstatue errichtete Kathedrale Notre-Dame, die ebenfalls zu den Pilgerkirchen am Jakobsweg gehört. Zu ihrem Eingang hinauf führt eine monumentale Freitreppe, als sei sie für große Scharen von Pilgern gebaut worden. Die Kathedrale selbst erhielt ihre Baugestalt im 12. Jahrhundert, wurde jedoch Mitte des 19. Jahrhunderts stark restauriert.
Nach unserer Mittagspause in Le Puy fuhren wir in den kleinen Ort Issoire, in dem sich ebenfalls eine romanische Kirche befindet. Diese Kirche Saint-Austremoine wurde in der kurzen Bauzeit zwischen 1130 und 1150 errichtet und dokumentiert den pyramidalen Aufbau wie er für die Architektur dieser Region im 12. Jahrhundert typisch ist. Leider wurde auch sie im 19. Jahrhundert stark restauriert. Die intensive Farbfassung im Inneren verleiht dem Raum eine orientalische Atmosphäre, die in scharfen Kontrast zu der romanischen Architektur steht. Am Schönsten ist hier die Choransicht von Außen. Nach dieser Besichtigung unternahmen wir einen kleinen Rundgang, der uns zum Uhrenturm und zur ehemaligen Markthalle fuhren sollte.
Am Abend trafen wir in Clermont-Ferrand ein. Hier ließen wir uns im Hotel Holliday Inn ebenfalls für zwei Nächte nieder. Wir speisten an beiden Abenden im Restaurant des Hotels.
8. Tag Freitag 22.05.2026 Puy du Dome, Rundfahrt durch die Auvergne und Käseprobe in Saint Nectaire
Nach dem Frühstück fuhren mir zur Station der Zahnradbahn, die uns hinauf zum Puy du Dome bringen sollte. Mit 1465 m Höhe ist er der höchste Berg der Vulkankette bei Clermont-Ferrand. Schon zu keltischer Zeit soll sich auf diesem Vulkankegel ein keltisches Heiligtum befunden haben. In römischer Zeit wurde an seiner Stelle ein Merkurtempel errichtet, dem im Mittelalter eine Kapelle folgte. 1956 errichtete man auf dem Puy du Dome moderne Sendeanlagen und von 1952 bis 1988 war er ein Etappenziel der Tour de France. Mit der 2012 gebauten Zahnradbahn erreichten wir fast den Gipfel des Puy du Dome. Von dort führt ein Wanderweg hinauf zum derzeit im Umbau befindlichen Restaurant. Von hier hatte man einen geradezu atemberaubenden Blick über die weite Vulkanlandschaft der Auvergne.
Anschließend begannen wir unsere Rundfahrt durch die Auvergne. Sie führte uns zum Aussichtspunkt Tuilière / Roche Sanadoire und zum See Lac de Guery wo wir Fotostopps einlegten sowie durch die Monts Dore, eine durch Vulkane entstandene Bergkette. Leider mussten wir wegen Straßenbauarbeiten größere Umwege fahren und konnten aus demselben Grund auch nicht hinauf in den Ort Saint Nectaire fahren. So blieb nur eine kurze Mittagspause am Fuße des Hügels, auf dem das Dorf Saint Nectaire liegt.
Als letztes Ziel des Tages besuchten wir eine Käsefarm, die bekannt ist für die Herstellung des Käses „Saint Nectaire“. Dort erfuhren wir sehr viel darüber, welche Kühe die Milch für den Käse liefern, wie sie leben, wovon sie sich ernähren und wie die Zubereitung des „Saint Nectaire“ erfolgt. Im Anschluss an unseren ausführlichen Rundgang gab es eine großzügige Käseverkostung, bei der wir fünf verschiedene Käseproben kosten durften.
An diesem Tag kamen wir schon am späten Nachmittag zurück, um noch etwas von der schwarzen Stadt Clermont-Ferrand zu haben, deren dunkles Lavagestein unter manchen hellen Anstrich noch hervorleuchtet. Unser Hotel befand sich schließlich nur ca. 15 Minuten von der Altstadt entfernt und lud geradezu ein für einem Spaziergang zur Kathedrale.
Später trafen wir uns alle im Restaurant des Hotel zum gemeinsamen Abendmenü.
9. Tag Samstag 23.05.2026 Paray–le–Moniale – Cluny – Beaune
Nach drei Tagen nahmen wir heute Abschied von Zentralmassiv, von den wir die Teilgebirge der Causses, der Cevennes und der Vulkanlandschaft der Auvergne mit dem Massiv der Mons Dore kennengelernt hatten. Wir fuhren am Morgen mit unserem Reisebus zunächst nach Norden und dann nach Osten, wo wir die historische Region Burgund, heute Teil der Region Bourgogne-Franche-Comté, erreichten. Die historische Landschaft Burgund erlebte ihre Blüte zur Zeit des 100jährigen Krieges in Frankreich im 14. und 15. Jahrhundert unter den vier Herzögen Philipp II. der Kühne, Johann Ohnefurcht, Philipp III. der Gute und Karl der Kühne. Teil ihres Herzogtums war Flandern, dass durch den intensiven Handel mit dem England seinerzeit auf dem Gipfel seiner wirtschaftlichen Macht stand. So wurde Burgund für einen kurzen Zeitraum in Hinblick auf Handel und Kultur tonangebend für ganz Europa. Aber Burgunds Blüte war Frankreichs Niedergang und so sollte mit dem Ende des 100jährigen auch Burgunds stolze Unabhängigkeit ein Ende finden, in dem es eine Provinz unter vielen im Französischen Königreich wurde.
Burgund war jedoch schon lange vor dieser Zeit ein Ort der wichtigsten Klosterreformen und Klostergründungen im Mittelalter. Und so erreichten wir zunächst den schönen Ort Paray-le-Monial, der am Ufer des Flusses Bourbince liegt. Hier befindet sich die Abteikirche Sacre Coeur, die oft als Basilika von Cluny „im Taschenformat“ angesprochen wird, da sie nach dem Vorbild der dritten Abteikirche von Cluny erbaut wurde. Der Bau dieser Abteikirche begann mit der Vorhalle und später dem Bau der Westtürme. Dann erst wurde die frühromanische Kirche durch das heute erhaltene Bauwerk ersetzt. In kleineren Abmessungen bietet sie das gesamte Spektrum an Neuerungen in der Baukunst dieser Zeit. Zum ersten mal wurden hier nach antikem Vorbild Pilaster zwischen den Arkaden und im Obergaden eingefügt – ein Beispiel für die Antikenrezeption im 12. Jahrhundert. Beim Rundgang durch die Abteikirche staunten wir über die Harmonie und die auf den Menschen bezogenen, klaren Proportionen des Bauwerks. Nach diesem Erlebnis blieb noch etwas Zeit für eine kleine Stadtbesichtigung. Wir gingen an der Bourbince entlang und kamen zu dem Rathaus der Stadt, dass sich in einem reich dekorierten Renaissancegebäude befindet.
Nach einer Pause, bei der einige Gäste in einem der hübschen Caffès einkehrte, fuhren wir weiter durch Burgund. Der wichtigste Orden im 11. und 12. Jahrhundert war der Benediktinerorden, der die Abtei von Cluny zu einer regelrechten Klosterstadt ausbaute, in der etwa 400 Mönche kontinuierlich lebten. Von dieser Klosterstadt ist seit der Französischen Revolution kaum noch etwas erhalten geblieben. Nach dem Mittagsimbiss am Bus spazierten wir gemeinsam in den Ort. Dort erhielten wir von unserer Reiseleiterin eine Erklärung zur Klosterkirche, Tipps zum Museumsbesuch und zum Klostergarten.
Anschließend stiegen wir wieder in unseren Reisebus und fuhren nach Beaune. Die kleine Stadt ist das Zentrum des Weinanbaugebietes „Côte de Beaune“. Schon während der Fahrt waren uns die vielen Weinberge an der Ostflanke des 300-400 m hohen Plateau von Langres aufgefallen. Hier in Beaune, wo alljährlich die großen Weinauktionen stattfinden, besuchten wir das Hotel-Dieu, ein spätmittelalterliches Krankenhaus, dass im Jahr 1443 von Nicolas Rollin, dem Kanzler des Herzogs Philipp des Guten, gestiftet wurde. In einem Teil des gesamten Gebäudekomplexes ist heute ein Museum eingerichtet, dass die Geschichte der Krankenpflege seit dem 15. Jahrhundert dokumentiert. Das absolute Highlight des Museums ist jedoch der Altar mit der Darstellung des „Jüngsten Gerichts“ von Rogier van der Weyden, dem Hofmaler der Burgundischen Herzöge. Wir standen staunend vor diesem Kunstwerk und waren tief berührt von der meisterhaften Darstellung des Malers.
Nach diesem intensiven Kunsterlebnis stiegen wir wieder in unseren Reisebus, um zu unserem Hotel zu fahren. Da das Hotel Kyriad, in dem wir heute übernachten sollten, weit von der Altstadt entfernt lag, wo unser Abendmenü diesmal bestellt war, fuhren wir bald nach dem Check-In mit unserem Reisebus zum Restaurant „Le Béléna“. Hier genossen wir das beste Abendessen unserer Reise und waren voll des Lobes über die burgundische Kochkunst. Nach dem Abendessen ist der größte Teil unserer Gruppe zu Fuß zum Hotel gelaufen. Während einige Gäste, die den weiten Weg nicht laufen konnten, mit unserer Reiseleiterin fast 1 Stunde auf ein Taxi warten mussten, das an diesem Pfingstwochenende noch in der Kleinstadt Beaune grade noch verfügbar war.
10. Tag Sonntag 24.05.2026 Heimreise von Beaune nach Dresden
Am frühen Morgen mussten wir nun unsere Heimreise antreten, was uns nicht leicht viel nach den vielen schönen Eindrücken in den vergangenen Tagen. Zum Glück hatten wir am Morgen eine fast leere Autobahn, so dass wir rasch voran kamen. Während der Fahrt sprach unsere Reiseleiterin über die Sehenswürdigkeiten Burgunds, die manchen von uns zu einer Burgundreise motivierten. Gegen Mittag schon erreichten wir die französisch-deutsche Grenze und bald danach kamen wir zum Frankfurter Flughafen, wo uns unsere ersten Reisegäste verließen. Zum Glück war auch auf den deutschen Autobahnen nicht sehr viel Verkehr, so dass wir noch am späten Nachmittag Thüringen erreichten. An der Autobahnraststätte Werratal verabschiedeten wir uns von unserem Busfahrer Torsten Kulemann von Schubert Touristik GmbH, der uns während er vergangenen zehn Tage super sicher durch Frankreich gefahren hat. Mit dem Busfahrer, der Torsten ablöste, steuerten wir den nächsten Ausstieg für unsere Gäste bei Jena an. Dann hielten wir noch einmal in Hermsdorf, wo wir überraschender Weise zwei Reisegäste aus einem anderen Reisebus aufgenommen hatten. Mit ihnen ging es dann zum nächsten Ausstieg bei Glauchau bevor wir kurz vor 22.00 den Dresdner Flughafen, Ausgangspunkt unserer Reise, erreichten.
Dankbar für diese schöne Reise, die mit vielen wunderbaren, einzigartigen Erinnerungen verbunden war, nahmen wir Abschied von einander und von unserer Reiseleiterin und waren froh, gesund und heil wieder nach Hause zu kommen.
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