Tsodilo – „Louvre der Wüste“ in Botswana

Botswana ist ein weitgehend flaches Land. Doch im Nordwesten erheben sich mehrere Felsformationen zum Teil mehrere hundert Meter aus der endlos scheinenden Weite der Kalahari. Es sind die Tsodilo Hills, die Menschen schon in der Steinzeit anzogen. Sie hinterließen einzigartige Kunstwerke in Form von Felsmalereien. Diese sind so bemerkenswert, dass sie 2001 in die UNESCO-Weltkulturerbeliste aufgenommen wurden.

Von Frank Nimschowski / 12.09.2023
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Es ist noch kalt an diesem Morgen im August, als sich unsere kleine Reisegruppe auf den Weg macht. Wir starten von unserer Lodge am Okavango in der Nähe von Shakawe. Hier sorgt das Wasser des Okavango Flusses für eine üppig grüne Uferlandschaft. Kurz darauf befinden wir uns auf einer staubigen Piste Richtung Westen. Nach einer Stunde erscheinen sie dann, die Tsodilo Hills.

Tsodilo – Zentrum der San? Laut archäologischen Forschungen haben sich hier Menschen bereits vor 100.000 Jahren aufgehalten. Unser lokaler Führer vertritt die Theorie, dass die Tsodilo Hills für die Buschmänner das Zentrum ihres Lebens bildete. Von hier aus brachen sie in alle Himmelsrichtungen auf, um später wieder hierher zurückzukommen. Oder sie verbrachten hier längere Zeit ihres Lebens. Hier gab es Schutz in Höhlen, ein inzwischen ausgetrockneter See spendete Wasser und Nahrung in Form von Fischen. Die Vegetation hier war und ist üppiger als sonst in der Kalahari. Das bietet auch vielen Tieren gute Lebensbedingungen. Die Buschmänner zeichneten mit ihren Händen oder selbst angefertigten Pinseln die Tierwelt der Umgebung: Zeichnungen von Nashörnern, Antilopen, Giraffen, Löwen, aber auch Fischen. Erstaunlicherweise sind auch Wale und ein Pinguin abgebildet. Das wird als ein Indiz dafür gedeutet, dass die Buschmänner schon früh in ihrer Geschichte bis zum Atlantik gewandert sind. Aus welchen Materialien wurden die Farben hergestellt? Die Buschmänner verwendeten zwei Farben - rot und weiß. Die rote Farbe hält sich besonders gut. Die ältesten Felszeichnungen sind rot und werden laut unserem Führer auf ca. 70.000 Jahre datiert. Das Rot enthält ein Mineral, aber auch Blut. Dagegen wurde die weiße Farbe aus Kalk, Knochenmark, Eiweiß und pflanzlichem Material hergestellt.

Laut UNESCO befinden auf einer Fläche von nur zehn Quadratkilometer über 4.500 Felsgemälde. Diese hohe Konzentration an Felsmalereien verhalf dem Ort zu seinem Beinamen „Louvre der Wüste“. Heiliger Ort: "Die Buschmänner glauben, dass die Hügel eine Ruhestätte für die Geister der Verstorbenen sind und dass ihre Götter in Grotten innerhalb des weiblichen Hügels leben, von wo aus sie die Welt regieren. Der heiligste Ort befindet sich nahe der Spitze des Male Hill. Der Legende nach betete der erste Geist, nachdem er die Welt erschaffen hatte. Es wird auch angenommen, dass diese Götter Unglück und Pech verursachen, wenn jemand in der Nähe der Hügel jagt oder tötet.“ (Quelle: UNESCO)

Einer, der anfangs den Willen der Götter missachtete, war Sir Laurens Jan van der Post, südafrikanisch-britischer Schriftsteller. Er begann in den 1950er Jahren die Felsmalereien zu dokumentieren, achtete dabei allerdings nicht die Natur. Laut unserem lokalen Guide verfolgte ihn das Pech, u. a. funktionierte seine Kamera nicht mehr. Erst als er auf Rat eines San die Götter um Vergebung bat, konnte er seine Arbeit erfolgreich abschließen. Wie auch immer, das Ergebnis seiner Arbeit fasste er in seinem Buch „The Lost World of the Kalahari“ zusammen.

Mittags klettern die Temperaturen auf über 30 Grad. Wir beenden die Besichtigung der Felsmalereien. Im klimatisierten Bus kehren wir an den Okavango zurück. Ohne Bus und Klimaanlage haben es die San seit tausenden von Jahren verstanden, in einer Art Symbiose im Einklang mit der Natur zu leben. Für sie boten die Tsodilo Hills eine grüne Oase im umliegenden Sandmeer der Kalahari, die ihr Überleben sicherte.



Botswana. Okavango Delta – © Inger Hogstrom/Danita Delimont - stock.adobe.com

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