Der Sonnentempel von Konarak

Im Gegensatz zu den vielbereisten Regionen Indiens wie dem „Goldenen Dreieck“ Delhi – Agra – Jaipur oder dem bunten und geschichtsträchtigen Bundesstaat Rajasthan und den dortigen, weithin bekannten Sehenswürdigkeiten des großartigen Subkontinents Indien sind viele Gegenden der riesigen indischen Union und viele besondere Sehenswürdigkeiten bei Ausländern wenig bekannt und besucht. Dabei stellen einige von ihnen ganz extravagante Kulturbeispiele dar oder sind Heiligtümer, die von gewaltigen Kulten der Vergangenheit zurückgelassen wurden. Weniger im Zentrum der wachsenden Reiselust der Europäer in Indien steht z.B. Bengalen bzw. der Osten des Landes vom Gangesdelta an der Grenze zu Bangladesh bis hinunter zur Hafenstadt Chennai (früher Madras).

Dennoch gibt es hier geheimnisvolle Höhlentempel und Klöster und beispielsweise in Städten wie Bhubaneswar oder Puri herrliche Tempelanlagen, von denen der alte Sonnentempel von Konarak, unweit von Puri am Golf von Bengalen gelegen, schon seit 1984 zu den ersten überhaupt in die Liste aufgenommenen Objekten des UNESCO-Weltkulturerbes gehört.

Von Michael Krause / 20.08.2018
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Surya, der Gott, der die Sonne im Hinduglauben personifiziert, gehört zu den ältesten und wichtigsten Gottheiten der altindischen Religion. Vor allem sehr alte Tempel, von denen manche heute nicht mehr in Gebrauch sind, wurden dem Sonnengott geweiht, obwohl sein Kult bis heute Bedeutung im Hinduismus besitzt.

Das wohl größte erhaltene Heiligtum seines Kultes ist der an der Küste des Golf von Bengalen gelegene Sonnentempel von Konarak im Bundesstaat Odisha, nicht allzuweit von dessen sehenswerter Hauptstadt Bhubaneswar. Der gewaltige Tempelkomplex war vor allem britischen Reisenden des 19.Jh., damals noch einsturzgefährdet und nicht gesichert wie heute, als „Schwarze Pagode“ bekannt. Der Tempel ist bis heute ein Wallfahrtsort und Zielort großer Scharen einheimischer Touristen.

Als ausländischer Tourist und Nicht-Hindu wird man aufs herzlichste aufgenommen, beinahe gefeiert und fühlt sich sogleich überaus wohl, trotz der beeindruckenden Wucht des Bauwerkes.

 

Vom Architekturstil her ist Konarak etwas ganz Besonderes: eine einzigartige Mischung nord- und südindischer Einflüsse trifft sich hier und so wurde der aus dem 13. Jh. stammende Bau einerseits vom nordindischen Nagara-Stil beeinflusst, andererseits auch vom Stil der südindischen Dravida-Architektur. Deshalb gilt er als beispiellos und einzigartig. Der über Bengalen siegreiche König Narasimha Deva I. ließ ihn als Triumphbau und Zeugnis seiner militärischen Überlegenheit erbauen, aber auch als Dank und Verehrung für den Sonnengott Surya, der ihm geholfen habe, so wie er einst dem legendären Kriegergott Rama den Sieg über die Dämonen verlieh…

Der heute noch begeisternde Baukörper der gewaltigen Tempelanlage wurde, wie bei den indischen Großprojekten üblich, von mehreren tausend Arbeitern in über 16 jähriger Arbeit errichtet. Trotz Einsturzes des einstigen Hauptturmes und einiger Dachkonstruktionen ist der Hauptteil und Kern des Bauwerks, mit phantastischen Steinmetzarbeiten hervorragend erhalten.

Neben Reliefs mit tausenden Figuren, die das höfische Leben oder Gestalten aus der Götter- und Legendenwelt widerspiegeln, gibt es viele erotische Darstellungen, die die Freizügigkeit damaliger Glaubens- und Lebensprinzipien zeigen. Auffälligstes Detail aber sind insgesamt 24 reich verzierte

aus dem Stein herausgearbeitete überdimensionale Wagenräder, die den Tempel insgesamt zur steinernen Darstellung eines Kultwagens werden lassen, ähnlich den „Rathas“, die als hölzerne Nachbildungen tatsächlich bei Tempelfesten verwendet werden oder natürlich als Symbol des Sonnenwagens, mit dem Gott Surya über die Erde fährt.



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