Reisebericht: Rundreise durch Litauen, Lettland und Estland

26.04. – 06.05.2018, 11 Tage Rundreise: Vilnius - Trakai - Kaunas - Klaipeda - Kurische Nehrung - Riga - Gauja Nationalpark - Tallinn - Lahemaa-Nationalpark

In einer exklusiven Kleingruppe erlebten wir alle Facetten der drei baltischen Staaten in angenehmster Atmosphäre.....

1.Tag, Flug nach Vilnius


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Überpünktlich treffen 16 Reisegäste aus allen Himmelrichtungen von Hamburg über Berlin, Dresden, Leipzig und Valencia in Frankfurt, dem größten Flughafen Festlandeuropas ein. Am Gate ist genügend Zeit sich miteinander bekannt zu machen und den heutigen und morgigen Tagesablauf zu klären, zumal sich der Abflug um eine gute halbe Stunde verzögert. Vilnius, die Kapitale Litauens ist unser erstes Ziel. Die über 600000 Einwohner zählende Metropole hat auch einen deutschen Namen: Wilna. Sie liegt dort, wo der kleine Fluss Vilnia, was die Welle bedeutet, in die größere Neris mündet.
Nach dem Zoll begrüßt uns unser örtlicher Reiseleiter Rolandas und gerade als wir uns zum Bus begeben wollen, öffnen sich die Schleusen des Himmels. Es schüttet und hagelt wie aus Kübeln. Aber nach 10 min ist der Spuk auch schon wieder vorbei, sodass ich davon ausgehe, dass der Himmel Freudentränen über unsere Ankunft vergoß. Wir sind zwar schon recht spät, aber Rolandas läßt es sich nicht nehmen, uns auf einer kleinen Rundfahrt doch schon einmal einen Überblick über die Stadt zu verschaffen.
Nebenbei erfahren wir schon erste Dinge über das Leben in Litauen und die Zusammensetzung der Bevölkerung: Vier Völkerschaften und drei Religionen lebten hier seit Jahrhunderten friedlich nebeneinander. Russen, Litauer, Juden und Polen. Orthodoxe und katholische Christen und viele Menschen mosaischen Glaubens. Eine jüdische Gemeinde gibt es immer noch, jedoch ist von den einst 50 Synagogen der Stadt nur eine übrig geblieben. Nach dem ersten Überblick über eine Stadt mit multikultureller Geschichte erreichen wir unser Hotel im Herzen der Stadt: Ein Prachtbau aus dem 19. Jh. Wir beziehen unsere Zimmer und finden uns schnell zum Abendessen ein. Gut, reichlich und lecker kann man nur sagen. Also verhungern muss in Litauen niemand. Und was auch nicht sehr bekannt ist: Die Litauer sind wie alle Balten passionierte Bierbrauer und –trinker. Wir stoßen auf den ersten Abend, unsere heile Ankunft und die weitere Reise mit einem hellen oder dunklen Svyturys (Leuchtturm) an. Svyturys ist Litauens größte Brauerei. Sie wirbt mit dem Jahr 1734. Damals war es jedoch der Memeler Kaufmann J. W. Reincke, welcher sie als Brauerei Reincke daselbst gründete. Mit der ersten litauischen Unabhängigkeit wurde sie 1923 litauisch, dann wieder deutsch, 1945 sowjetisch und 1990 wieder litauisch und heißt seitdem Svyturys. Aber dass dieses Bier unter so verschiedenen Besitzen und Nationalitäten gebraut wurde kann nur heißen, dass es immer schon gut war. Davon konnten wir uns selbst überzeugen und es war ein sehr guter Abschluss unseres ersten Tages.

2. Tag, Vilnius – Wasserburg Trakai


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Nach einem sehr reichhaltigen und abwechslungsreichen Frühstück, wie es sich für 4 Sterne gehört, erkunden wir überwiegend zu Fuß die große Altstadt Wilnas, die nicht umsonst auf der Unesco-Welterbeliste steht. Wir beginnen mit der Kathedrale, die außen klassizistisch ist, innen jedoch, vor allem in der Kazimirkapelle tollen italienischen Barock zeigt. Darüber trohnt die obere Burg nit dem Gediminas-Turm. Benannt nach dem Stadtgründer, dem ein Traum von einem eisernen Wolf an dieser Stelle aufzeigte hier 1323 die Siedlung zu gründen. Wir schlendern durch die Burgstraße, in der das Leben erst spät erwacht, aber auch spät in der Nacht endet und erreichen den Präsidentenpalast und den Universitätskomplex einer der größten und ältesten Unis in Europa; gegr. 1579. Durch das jüdische Viertel gelangen wir zum sog. Gotischen Dreieck. Es besteht aus der spätgotischen Bernhardinerkirche und der hochgotischen St. Annakirche von der Napoleon sagte, sie sei so schön. Wenn sie kleiner wäre, würde er sie mit nach Paris nehmen. Die dritte Ecke bestand aus einem Franziskanerkloster, welches jedoch in sowjetischer Zeit abgebrochen wurde. Danach durchschlendern wir das Künstlerviertel Uzupis mit eigener Verfassung und Hymne und gelangen nach einer kurzen Fahrt zum Tor der Morgenröte, an der sich ein letzter Rest der Stadtmauer aus dem 16. Jh. anschließt. Nach dem Durchschreiten des Tores leigt gleich rechter Hand die prächtige Theresienkirche und gleich dahinter die orthodoxen Heiliggeistkirche. Hier treten wir ein während gerade eine Messe zu Ehren der drei Märtyrer gefeiert wird, deren Gebeine hier begraben liegen. Die Luft ist schwer Weihrauchgeschwängert. Vorbei an der prächtigen Philharmonie und der prächtigen barocken Kasimirkirche gelangen wir zum schön sanierten Rathausplatz. Hier stand das erste gotische Rathaus, welches aber durch den heutigen klassizistischen Bau ersetzt wurde. Nach 4 Stunden umfangreichsten Kulturgenusses haben wir uns eine Pause verdient. Wir machen diese schon auf dem Weg nach Trakai. Am Stadtrand befindet sich ein riesiger Einkaufstempel, wo man schauen kann, was der normale Litauer für ein Angebot für seine Wochenendeinkäufe hat. Zahlreiche Cafes und Restaurants mit internationaler und heimscher Küche lassen keine Wünsche offen. Nach einer Stärkung brauchen wir nicht lange bis zur alten Residenz der der litauischen Großfürsten Trakai. Hier befindet sich die einzige Wasserburg des Baltikums im Galves-See. Sie hat etwas vom Stil der Burgen des dt. Ordens, ist jedoch rein litauisch und für die Litauer fast so etwas wie ein Nationaldenkmal. Der Anblick ist einfach malerisch. Nach einer geführten Besichtigung bleibt uns freie Zeit für die Burg und auch den Ort, der stark von der Volksgruppe der Karäer geprägt wurde. Sie wurden vom Großfürsten Vytautas vornehmlich als Leibgarde hier angesiedelt und stammten von der Krim. Ihren alttestamentlichen Glauben praktizieren sie in einem Kenesa genannten Gebetshaus. Typisch für die Karäer sind die bunten Holzhäuser, die man leicht an den drei Fenstern zur Straße hin erkennt, welche sie haben müssen: Eines für Gott, eines für den Großfürsten und das dritte für die Familie. Nach so viel Erlebten beschließen wir den Abend in einem Restaurant in der Stadt mit typisch Litauischem Essen. Viel Kartoffeln, Würste, der berühmte litauische Kümmelkäse, Rote Beete, Kraut, Kwas, Wodka, Schokoladenkuchen und riesige Zeppelinas; in Form der Flugzeuge geformte Kartoffelklöße mit Hackfleischfüllung. Fast biegen sich die Tische unter der Last der Speisen. Da kann man nur sagen: Leben wie Gott in Litauen.

3. Tag, Vilnius – Kaunas – Memel


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Auf dem Rückweg zum Hotel knickte gestern Abend unser örtl. Reiseleiter mit dem Fuß um. Heute Morgen erfuhren wir, dass er sich einen Bruch zugezogen hat. Er ist notdürftig gegipst, sodass er uns noch bis in seine Heimatstadt Memel/Klaipeda begleiten kann.
Von Wilna aus reisen wir gut 100 km nach Kaunas. Die zweitgrößte Stadt war zwischen den beiden Weltkriegen sogar Hauptstadt des Landes. Schon immer war sie hart umkämpft. Der deutsche Orden hätte zu gerne seine Ostpreußischen und Livländischen Besitztümer durch die Einnahme dieses Gebietes miteinander verbunden. Und so wurden Stadt und Burg immer wieder angegriffen und beschädigt. Auch heute ist von der Burg im Grunde nur noch ein einziger Turm übrig.
Wir fahren zunächst zu einem Aussichtspunkt, von dem aus wir sehen können, wie die Neris in die größere Memel mündet. Von zwei Seiten durch Flüsse geschützt liegt die Altstadt auf dieser Halbinsel. Da Rolandas im Bus bleiben muss, erläutere ich die Stadt von oben und die Dinge, welche wir gleich bei unserem Rundgang näher betrachten werden. Wir verlassen nahe der Kathedrale den Bus und ich führe die Gäste auch gleich in das Gotteshaus hinein. 1410 war die Grundsteinlegung, just im Jahr der durch Polen, Litauern und Russen gewonnenen Schlacht bei Tannenberg. Die Gotik von außen täuscht über die prachtvolle barocke Ausgestaltung im Innern hinweg. Gleich nebenan gelangen wir auf den Marktplatz mit dem schönen Rathaus, welches wegen seines 5-stöckigen Turmes der weiße Schwan genannt wird. Nach verschiedensten Nutzungen – nur die wenigste Zeit als Rathaus – dient das Gebäude heute als Heiratstempel. Hier ist das Standesamt untergebracht. Rechts daneben befinden Teile der Universität mit einem Priesterseminar einschließlich der Trinitatiskirche. Links steht die imposante Jesuitenkirche in lupenreinem Barock. Der Rest des Platzes ist von schön sanierten Bürger- und Gildehäusern gesäumt.
Auf die Hanse weist ein sehr schönes gotisches Backsteinhaus, das Perkunashaus hin. Es ist nach einer Statue des baltischen Gewittergottes benannt, die man in einer der Nischen des Hauses gefunden haben will. Statten noch der Vytautaskirche in reiner Backsteingotik einen Besuch ab wo gerade eine Hochzeit war, und schlendern hernach durch die Vilniusstraße, der Hauptmeile der Innenstadt. Schon ist unsere Stadtbesichtigung vorüber in dem Ort, der einst eine reiche Textilindustrie hatte, und auch über eine große jüdische Gemeinde verfügte. Von beidem ist so gut wie nichts mehr zu sehen.
Nun reisen wir weiter nach Westen und pausieren an einem Gasthof zu einem kleinen Mittagsimbiss direkt an der Autobahn.
Bald erreichen wir Klaipeda. Es ist der litauische Name für die als Memel von deutschen 1252 unweit der baltischen Siedlung Klaipeda gegründeten Stadt, die somit die älteste Litauens ist. Die Ordensritter wähnten sich an der Memel und gaben der Burg und Stadt ihren Namen. Leider irrten sie sich, denn hier mündet die Dane in das Haff. Die Memel fließt 50 km südlich davon in das kurische Haff. Der Name für den Ort aber blieb. Nach einer kurzen Runde mit dem Bus durch die Stadt erreichen wir unser Hotel direkt gegenüber der Altstadt. Doch bevor wir unsere Zimmer beziehen, verabschieden wir uns wehmütig von Rolandas mit seinem gebrochenen Fuß. Wir wünschen ihm, der uns zwei Tage schon hervorragend mit Litauen angefreundet hat baldige Genesung. Ab Morgen wird uns Regina ihr Baltikum nahebringen. Bis zum Abendessen ist noch etwas Zeit. Ich besorge Stadtpläne und etliche Gäste nutzen auch schon einmal die Gelegenheit, sich per pedes mit der Altstadt vertraut zu machen. Morgen werden wir sie intensiv kennen lernen. Den Tag beschließen wir heute im Hotelrestaurant bei Ostseekabeljau: Dem Dorsch.

4. Tag, Ausflug auf die kurische Nehrung


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In der Frühe besichtigen wir zunächst die recht überschaubare Altstadt von Memel. Zwar haben die Sowjets nach 1945 sämtlichen Kirchen gesprengt, jedoch ist noch so einiges aus der alten Zeit stehen geblieben. Zum Beispiel das Theater aus dem 19. Jh. vor dem der Simon Dach Brunnen steht, mit der Figur des Ännchen von Tharau. Gemeinsam stimmen wir das bekannte Liebeslied vor dem Brunnen an.
Auch an jenem Stadtpalais kommen wir vorbei, in das sich König Fried. Wilhelm III. 1806 nach der Eroberung Preußens durch Napoleon zurückgezogen hatte, quasi geflüchtet in die hinterste Ecke des Reiches. In Berlin spottete man: Unser Dämel sitzt in Memel.
Wir schlendern durch die schachbrettartig angelegten z. T. engen Gassen mit Kopfsteinpflaster und erblicken neben alten Speichern und mitunter schon schön sanierten Häusern fast an jeder Ecke eine Skluptur. Das wundert nicht, denn Memel hat eine Kunsthochschule.
Vorbei an der Stelle der Memelburg direkt am Haff fahren wir zur Fähre und setzen in nur 7 min auf die Kurische Nehrung über. Auf der alten Poststraße nach Königsberg gelangen wir zunächst nach Schwarzort, dem heutigen Juodkrante. Auf einem wahrlich verwunschenen Pfad unternehmen wir eine Wanderung über den Hexenberg. Dieser Rundweg ist mit 82 Holzfiguren aus der litauischen Märchen- und Sagenwelt gestaltet, die von ortsansässigen Künstlern gestaltet wurden. Einige der Märchen werden von Regina gekonnt erzählt. Unser Weg führt uns weiter zur Hohen-, oder Parniddendüne. Von hier oben sieht man nicht nur die Ostsee und das Haff, sondern blickt auch in das nur ca. 3 km entfernte Russland hinein. Oben steht eine große Sonnenuhr, deren Beschädigungen durch einen Sturm mittlerweile repariert sind. Am Fuß der Düne bieten Bernsteinhändler ihre Ware feil. Der ist hier günstiger als in Wilna oder Kaunas und erst recht Estland oder Lettland. Nachdem wir eine Weile durch den berühmten Ort Nida, früher Nidden geführt worden sind, kehren wir in unserer Freizeit in eines der vielen Restaurants ein, um uns mit süßen oder herzhaften Speisen etwas zu stärken. Der Ort ist voller Schiffswimpel, die früher auf den Masten der Kurenkähne steckten. Jeder Fischer hatte sein individuelles und Regina erläutert uns die Bedeutungen. Wir durchqueren den Ort der Länge nach und gelangen zum Sommerhaus von Thomas Mann, das seinerzeit nur mit einer Kutsche zu erreichen war. Ihm waren jedoch nur drei Sommer von 1930-32 hier vergönnt, bevor er in die USA auswanderte.
Da wir nun die meiste Zeit am Haff verbracht haben statten wir zum Schluß noch der Ostsee einen Besuch ab. Mehr als 100 km feinster weißer Sandstrand sind der Nehrung eigen. Da verlieren sich die Menschen und Gedränge ist ein Fremdwort. Manch einer hält schon mal die Füße ins Wasser.
Zurück im Hotel können wir während des Abendmenus aus dem Panoramarestaurant im 12. Stock die Aussicht über die Stadt genießen.

5. Tag, Memel – Berg der Kreuze – Riga


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Wir verlassen Memel über die Lindenstraße in der historischen Neustadt. Hier steht noch das gewaltige Postamt aus wilhelminischer Zeit und wirkt wie eine Burg. Viele Namen hat die Straße nach den jeweiligen Herrschern schon gehabt. Benannt nach Zar Alexander, Hitler, Lenin, heißt sie heute auf Litauisch wieder Lindenstraße, wie zuerst auch auf Deutsch. Gegen Mittag erreichen wir den wohl wichtigsten Wallfahrtsort des überwiegend katholischen Litauens, den Berg der Kreuze. Hier soll sich eine von den Kreuzrittern zerstörte Burg befunden haben, aber womöglich befand sich schon in grauer Vorzeit eine heidnische Kultstätte auf dem weithin sichtbaren Hügel. Die ersten Kreuze begann man hier für die Opfer der Aufstände gegen das zaristische Russland aufzustellen, später auch für die Deportierten in der Sowjetzeit. Doch je häufiger die jeweiligen Machthaber die Kreuze abräumten und verbrannten, desto mehr wurden es hinterher von Mal zu Mal. Und so entwickelte sich der Hügel nicht nur zu einer Manifestation tiefer Volksfrömmigkeit, sondern auch zum starken Zeichen des Widerstands gegen die Usurpatoren. Vor einigen Jahren hat man eine Zählung der Kreuze versucht, Diese jedoch bei 50000 abgebrochen.
Nachdem wir noch in der Nähe von Siauliai (Schaulen) unsere Mittagsrast in einem schicken Rasthof mit Bonsai-Steingarten genossen haben, begeben wir uns auf den Weg nach Norden in Richtung Riga. Wie schon den ganzen Tag zieht endlose Frühlingslandschaft an uns vorbei, nur leicht wellig oder gehügelt. Wald und Wiesen, sowie Felder werden nur selten von Dörfern unterbrochen. Oft sehen wir kleine Einzelgehöfte in der Weite der Landschaft. Die baltischen Staaten sind, abgesehen von den städtischen Zentren rein agrarisch geprägt.
Am Nachmittag erreichen wir Riga, mit 700000 Einwohnern die größte Stadt des Baltikums und Hauptstadt Lettlands. Unser Hotel befindet sich direkt am Altstadtrand und hat alles, was 4 Sterne im Zentrum einer Kapitale ausmachen sollte. In Sichtweite liegen die ausgedehntesten Markthallen Europas, die auch Morgen, am Unabhängigkeitsfeiertag geöffnet haben. Nach dem Zimmerbezug und ein wenig Frischmachen verleitet uns die superzentrale Lage dazu, gleich mal einen kleinen Bummel durch die Stadt zu machen. Geführt von Regina beschauen wir uns das mächtige Opernhaus, und schlendern an den Stadtgräben der ehemaligen Bastionen entlang bis zur Freiheitsstatue, dem vermutlich wichtigsten Denkmal Lettlands, welches schon aus der Zeit der ersten Unabhängigkeit stammt. Es wird durch eine Ehrenwache permanent im Auge behalten. Langsam schlendern wir zurück, und lassen linker Hand den Pulverturm der ehem. Stadtbefestigung stehen. Die Gruppe löst sich langsam auf, weil die vielen Geschäfte doch schnell mal zu Reinschauen locken. Kaum haben wir erfahren, daß Riga auch eine berühmte Schokoladenstadt ist, vor allem mit der Traditionsmarke Laima, da erblicken wir auch schon einen Laden voll mit diesen Köstlichkeiten. Schon sind etliche von uns darin verschwunden.
Zum Abendessen bei Schweinsbraten und einem Lielvardes-Bier lassen wir den Tag ausklingen, oder schöpfen neue Kraft, noch einmal in die auch nachts lebendige Altstadt zu gehen.

6. Tag, Riga


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Heute ist Feiertag. Den 1. Mai, verbinden viele Letten mit dem 1. Unabhängigkeitstag am 4. Mai durch Brückentage. Aber alle Geschäfte und auch die meisten Sehenswürdigkeiten sind geöffnet. Wir begeben uns mit dem Bus zunächst in den Art Nouveau District. Jugendstil gibt es zwar in ganz Riga, aber hier tritt dieser Architekturstil geballt und in einer für Riga kolossalen Ausprägung auf. Herausstechend sind vor allem die Bauten von Michael Eisenstein (1867-1921). Die Wohnungen hinter den von Ornamentik und Plastiken überbordenden Fassaden haben mitunter von 200 bis zu 400 qm. Wohnfläche oder mehr. Die Gentrifizierung ist hier schon lange abgeschlossen. Ein Quadratmeterpreis von 5000 € ist noch sehr günstig. Und so verwundert es nicht, dass sich hier auch viele Botschaften befinden.
Zu Fuß erkunden wir die Altstadt. Gegenüber des Rathauses auf dessen Platz auch ein Roland steht, befindet sich das Schwarzhäupterhaus. Benannt nach der Vereinigung unverheirateter Kaufleute. Einen Steinwurf entfernt stehen wir schon vor der Kirche St. Petri mit ihrem 133 m hohen Turm. Für 8 € kann man hinauffahren und hat einen wunderbaren Blick über die Stadt. Vorher muss man aber noch den regulären Eintritt für die Kirche bezahlen. Insgesamt 11 € sind recht viel und sorgen dafür, dass sich keine langen Warteschlangen bilden. Immerhin. Schön ist der Livenplatz vor den Gildehäusern, die schon im 14. Jh. entstanden, heute aber ein Ensemble aus purer Neogotik des 19. Jh. bilden. Letten waren in den Gilden nicht zugelassen, nur Deutsche Kaufleute. Aus Groll über seine Ablehnung errichtete ein reicher lettischer Kaufmann direkt gegenüber ein großes Haus mit zwei Karten auf den Türmchen, deren Hinterteile sich den Gildehäusern zuwandten. Per Gerichtsbeschluss mussten die Katzen jedoch umgedreht werden.
Im altehrwürdigen Dom treffen wir auf den Stifter und Stadtgründer Albert von Bremen, bzw. Albert von Buxheovenden, der 1211 den Grundstein legte. Viele beeindruckt der riesige Orgelprospekt, der aus dem Jahr 1602 noch original erhalten ist. Dahinter verbirgt sich jedoch eine Walcker Orgel aus dem Jahr 1884 mit über 6000 Pfeifen. Hernach betrachten wir mit den „Drei Brüdern" bürgerliche Wohnarchitektur des 14. , 17. und 18. Jh., werfen einen Blick in die Jakobskathedrale aus reiner Backsteingotik und sehen dahinter sogleich das Parlamentsgebäude. Dieses wirkt – man reibt sich die Augen – als hätte man einen Palazzo aus Florenz hierin versetzt. Reinste florentinische Renaissance, allerdings Neo. Nun noch hinter dem Schwedentor einen Teil der alten Stadtmauer mit dem Pulverturm und gegenüber das längste Haus der Stadt, die Jacobskasernen bestaunen. Oh, es gibt so viel zu entdecken! Gut, dass der Nachmittag für eigene Erkundungen freigehalten ist.
Nach drei Stunden ist unser Rundgang beendet und es ist Zeit, für das leibliche Wohl zu sorgen. Unzählige Cafes und Restaurants laden zum Ausruhen und Schlemmen ein. Gut gestärkt und ausgeruht sind die individuellen Ziele für den Nachmittag schon gesteckt. Viele zieht es u. a. in die Markthallen, die größten Europas, für deren Dächer 1930 Teile von Zeppelinhangars zweitverwendet wurden. Unseren Riga-Tag beschließen wir wieder bei einem herzhaften Abendmenu in unserem Hotel.

7. Tag, Tagesausflug zum Schloss Rundale


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Heute wollen wir in barocker Pracht schwelgen. Fast die gesamte Gruppe kommt mit zum Schloß Rundale, der bedeutendsten Barockanlage im gesamten Baltikum. Baumeister war Bartolomeo Francesco Rastrelli: In Paris gebürtig, italienischer Abstammung und russischer „Stararchitekt". In un d bei St. Petersburg stammen u. a. das Smolny Kloster, der Kastharinenpalast und der Winterpalast, also die Ermitage von ihm, aber auch Rundale. Auftraggeberin war Zarin Anna Ivanowna, die es für ihren Vertrauten Ernst Johann Biron errichten ließ, als sich abzeichnete, dass der den Herzogstand erreichen würde. 1736 begann der Bau von Schloß und Garten und endete jäh 1740, als Biron nach dem Tod seiner Gönnerin für 22 Jahre nach Sibirien verbannt wurde. Erst nach seiner Rehabilitierung und Rückkehr 1762 wurde der Bau unter Zar Peter III. beendet. Man nennt es auch das Versailles des Baltikums.
Das 20. Jh. hat dem Schloß nicht gut getan. 1920 wurden die damaligen Besitzer enteignet und die Räumlichkeiten verschiedensten Nutzungen zugeführt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde es sogar als Kornspeicher missbraucht und das meiste der wertvollen Inneneinrichtung ging zugrunde.
Wir bekommen eine sehr detailreiche Führung durch viele der 138 Räume und sind erstaunt, wie viel man wieder schön restauriert und rekonstruiert hat. Angefangen vom Goldenen Saal für Audienzen, den weißen Saal mit überbordenden Stuckarbeiten, welcher als Ballsaal genutzt wurde, bis hin zu den Privatgemächern des Herzogs und seiner Gattin. Mir hat es am meisten das Rosenzimmer angetan, an dessen Wänden sich 21 bunte Blumengirlanden aus Stuck herunterranken.
Zum Schloß gehört auch ein von Rastrelli entworfener 10 ha großer französischer Garten, der wie im Barock üblich, streng geometrische Formen mit weiten Sichtachsen auf das Schloß aufweist. Der Garten beinhaltet einen sehr großen Rosengarten mit historischen Sorten, u. a. die „Ännchen von Tharau Rose" aus der 2. Hälfte des 19. Jh. Die Rosen blühen zwar im Mai noch nicht, dafür werden unsere Augen mit Tulpen, Narzissen und anderen Frühlingsblühern erfreut.
Die vielen Schritte machen hungrig. Das kommt ein kleiner Mittagsimbiss in einem urigen Restaurant auf dem Schloßgelände gerade richtig. Dieser erweist sich als ausgewachsenes Drei-Gänge-Menü mit Pilzsuppe, Schweinebraten und Bratapfel mit Eis. Viele halten deshalb auf der Rückfahrt nach Riga ein kleines Verdauungsschläfchen. Die Fahrt führt uns auch durch die Stadt Bauska mit Ihrer mächtigen Trutzburg über dem Fluß Lielupe.
Den Abend verbringen wir bei einem Abendessen im Restaurant „Melnie Muki", also bei den schwarzen Mönchen. Hier lassen wir uns in gemütlichem Ambiente das leckere Karpfenfilet schmecken.

8. Tag, Gauja Nationalpark – Tallin


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Wir verabschieden uns von Riga und wenden uns zunächst nach Westen. Unsere Ziele befinden sich im Gauja-Nationalpark. Er ist (1973 gegründet) der älteste seiner Art im Baltikum und nach dem gleichnamigen Fluß benannt. Markant ist die Bergig-hügelige Landschaft, die der Gegend auch den Namen Livländische Schweiz eintrug. Nahe der Kleinstadt Sigulda besuchen wir die Gutmannshöhle mit einer heilsamen Quelle. Generationen von Besuchern haben seit dem 18. Jh. Ihre Namen mit Datum hier eingeritzt. Den Namen, so erzählt uns Regina, hat sie von einem ehemaligen Besitzer, welcher das heilsame Wasser großherzig an alle Menschen verschenkte, anstatt es teuer zu veräußern. Ein guter Mann also. Ich dagegen schenke heute großherzig im Namen von Eberhardt den berühmten Rigaer schwarzen Balsam aus. Der Schnaps ist mindestens genauso heilsam; besteht er doch aus 24 wohltuenden Kräutern und Beeren und hat schon Katharina der Großen wieder auf die Beine geholfen (s. Reisetipp). Hiermit stoßen wir auf die schöne Reise an und das gute Gelingen an.
Nur einen guten Kilometer entfernt befindet sich die Bischofsburg Turaida hoch über dem Tal der Gauja. Anstelle einer livländischen Holzburg wurde sie Anfang des 13. Jh. von Rigaer Bischof in Stein errichtet. Erklimmt man den 30 m hohen Bergfried, eröffnet sich ein atemberaubender Ausblick auf die bewaldeten Flächen der Umgebung. Im Vorfeld der Anlage befindet sich zum einen eine der ältesten Holzkirchen Lettlands aus dem Jahr 1750 und das Gelände eines alten Friedhofs. Der ist nicht mehr vorhanden, aber eine Gedenktafel für die berühmteste Betattete hier: Die Rose von Turaida. Eine wunderschöne Jungfrau, welche, um ihre Ehre zu retten, für Ihren Versprochenen mit einer List in den Tod ging, nur um nicht von Söldnern entehrt zu werden. Die Aussage dahinter: Lieber ehrenvoll sterben, als sich schmachvoll ergeben. Jedes Lettische Schulkind kennt die Legende von Maja und Viktor, in der sich ein historisch verbriefter Kern aus dem Jahr 1620 verbirgt.
Nachdem wir unweit von Turaida in der Hexenküche, einem Lokal mit deftigster und nahrhafter Hausmannskost unsere Mittagspause verbracht haben zieht es uns Richtung Estland. Als Überraschung bekommen wir von Regina Pärnu, bzw. auf Deutsch Pernau gezeigt. Eine alte Hansestadt, die jedoch zu einem wichtigen Seebad avancierte. Berühmt ist Pärnu vor allem für seine Holzarchitektur, von denen noch sehr viele Häuser die Sowjetzeit überstanden haben. Wir sehen zudem die wunderschöne Katharinenkirche und die Kuranlagen direkt am Meer. Da es jedoch in Strömen regnet, verspürt niemand Lust den Bus zu verlassen. Aber dann macht doch der eine oder andere Gast von den sehr sauberen Toiletten am nagelneuen Busbahnhof Gebrauch.
Noch eine gute Stunde Fahrt sind es von Pärnu nach Tallin, der Hauptstadt Estlands. Von den drei baltischen Hauptstädten ist sie mit 400000 Einwohnern die kleinste. Wir erleben aber gerade hier den dichtesten Verkehr. Das kann aber auch daran liegen, dass wir genau zum Feierabend in die Stadt gelangen. Doch auch hier erreichen wir wohlbehalten unser Hotel, welches direkt am Jachthafen liegt und nur einen Steinwurf von der Altstadt entfernt. So lassen es sich etliche Gäste dann doch nicht nehmen, trotz der Kühle noch einen Spaziergang Richtung Altstadt zu machen, deren mittelalterliche Silhouette so einladend grüßt.

9. Tag, Tallin


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Nach einem sehr reichhaltigen Frühstück geht zieht es uns zunächst durch den von Zar Peter d. Gr. Gegründeten Vorort Kardiorg mit schönen Holzhäusern zur Sängertribüne aus dem Jashr 1960, welche eine der Keimzellen der so genannten singenden Revolution Ende der 80er Jahre war. Auch heute noch treten hier ausgewählte Chöre vor bis zu 25.000 Zuschauern auf. Weiter führt uns unser Weg in den Vorort Pirita, wo 1980 die Segelregatten der Olympischen Spiele ausgetragen wurden. Neben viel sowjetischer Monumentalarchitektur erblicken wir auch die Ruine der riesigen Kirche des 1407 gegründeten Brigittenklosters. Unweit davon haben wir direkt am Wasser einen wundervollen Blick auf die Stadtsilhouette. Wir umkreisen die Altstadt mit dem Bus und bestaunen die noch zu großen Teilen erhaltenen mächtigen Stadtmauern der mittelalterlichen Doppelstadt. Von den ehemals 40 Türmen stehen noch 26. Wir beginnen unseren Fußmarsch in der Oberstadt, bzw. auf dem Domberg. Hier wohnten früher vornehmlich geistliche Würdenträger und Adlige; in der Unterstadt dagegen Bürger und Handwerker, die während der Hansezeit der Stadt Reval, so der deutsche Name zu höchster Blüte verhalfen. Beide Städte waren eigenständig und verstanden sich gar nicht. Die Folge davon war, dass sich beide mit einer jeweils eigenen Stadtmauer umgaben und sich immer mißtrauisch beäugten. In der Oberstadt sehen wir zunächst auf dem Gelände der alten Burg des dänischen Stadtgründers Waldemar II. das Parlamentsgebäude und gegenüber die orthodoxe Alexander Newski Kathedrale. Dieser stammt aus dem 19. Jh., obwohl die Stadt schon von Peter dem Gr. Erobert wurde. Neben der Domkirche aus dem 13. Jh. lassen wir uns von Regina auf dem Weg zu verschiedenen Aussichtspunkten etliche der großen Stadtpalais berühmter Adelsgeschlechter erklären, wie z. B. die der Stenbocks und Uexkülls.
In der Unterstadt umfängt uns allenthalben hanseatisches Flair. Große spitzgiebelige Speicherbauten wechseln mit Gildehäusern, Kirchen und Kapellen. Die größten Stadtkirchen sind St. Olaf im Norden und St. Nikolaus im Süden. In letzterer hat sich u. a. ein Fragment des berühmten Totentanzgemäldes des Lübecker Malers Bernt Notke aus dem 15. Jh. erhalten. Auf einer der Hauptachsen, der Pikk sehen wir nach der Heiliggeistkirche neben einigen schönen Jugendstilhäusern auch hier, wie in Riga ein Schwarzhäupterhaus; diesmal mit dem Schutzheiligen der Gilde, dem hl. Mauritius über einer prachtvollen Barocktür. Durch eine enge Gasse gelangen wir unter einem Durchgang der Ratsapotheke von 1422 auf den Marktplatz. Hier steht seit über 600 Jahren unverändert das Rathaus in stolzer Pracht. Wir schlendern noch ein paar Schritte durch die Altstadt , lassen uns zeigen, wo wir heute Abend speisen werden und können nun den Nachmittag das Weltkulturerbe Altstadt Tallin individuell erkunden.
Bis zu unserem Hotel ist es wirklich nicht weit. Entweder erreicht man es durch die doppeltürmige Virupforte, oder durch das nördliche Stadttor, welches von einem mächtigen Geschützturm, der dicken Margarete flankiert wird.
Am Abend finden wir uns alle unweit des Rathauses im Restaurant zum kleinen Schweinchen ein. Hier gibt es deftige einheimische Küche, z. B. Sauerkrautsuppe und Kartoffelauflauf. Dazu genießen wir als Dessert das traditionelle Kama. Eine typisch finnisch-estnische Spezialität aus verschiedenen Mehlsorten wie Hafer-, Erbsen-, Roggen- und Bohnenmehl in Kefir oder Joghurt, die häufig mit Pfeffer gewürzt, oder mit Honig und Beeren gesüßt wird. Ja, das estnische Essen kann recht mächtig sein. So ist es schon sinnvoll, danach sozusagen als Verdauungsspaziergang durch die Gassen zu unserem Hotel zurück zu schlendern.

10. Tag. Ausflug in den Lahemaa Nationalpark


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Eine gute Stunde Fahrt benötigen wir von Tallin aus in den ältesten und größten estnischen Nationalpark.  Ein Drittel des Parks ist Meer. Weil es noch recht feucht und kalt ist, verschieben wir unseren Moorspaziergang auf den Nachmitteg und ziehen die Inaugenscheinnahme zweier Gutshäuser vor. Estland war voll mit Landgütern. Ca. 2000 zählte man vor dem 1. Weltkrieg. Oft gingen sie bis ins 13. Jh. auf livländische Rittersitze zurück. Viele wurden ab dem 18. Jh. prächtig im barocken oder klassizistischen Stil umgestaltet. Spätestens 1939 kam das Ende und die meist deutschen Besitzer mussten ihre Güter und Ländereien verlassen. Heute versucht man viele dieser Häuser zu restaurieren, wenn das noch möglich ist, und oft einer touristischen Nutzung zuzuführen. In Palmse ist das sehr gut gelungen. 1676 kam das Gut in den Besitz der Familie von Pahlen, deren Nachfahren heute in Deutschland leben. Wir bekommen eine Führung durch das Haus und können uns an der Einrichtung erfreuen, die vom Empire über Biedermeier bis zum Historismus reicht. Das Gut verfügte auch über eine Orangerie und im schön angelegten Garten mit Badehaus und Pavillon kann man sich gut ergehen. Verschiedene Wirtschaftsgebäude gehören zum Gut von denen ein Teil der Stallungen heute ein Hotel birgt. Ein weiteres Gut des deutschbaltischen Adels sehen wir mit Gut Sagadi, das sich ab ca. 1750 im Besitz der Familie von Fock befand. Wir betrachten es von außen, denn es ist ein Schulungszentrum der staatl. Forstverwaltung darin untergebracht. Die ehemaligen Stallungen beherbergen neben einem Hotel auch ein Forstmuseum. Hiernach unternehmen wir einen ersten Spaziergang durch den Wald des Nationalparks, der im Wesentlichen aus dicht stehenden Kiefern und Fichten besteht, und von zahlreichen Bächen durchzogen wird. Am Altja-Fluss gibt es einen Biber Lehrpfad, den wir ein Stück entlang gehen. Der Wald ist recht verwunschen und man geht weich wie auf einem Teppich. Den Biber sehen wir zwar nicht, dafür machen wir uns auf nach Altja, einem ursprünglichen Bauern- und Fischerdorf. Einige der Häuser hier sind noch in Blockbauweise errichtet und mit Reet gedeckt. Um hierher zu finden sollte man schon eine gute Straßenkarte haben. Die Straßen sind sehr schmal und beidseitig von dichtestem Urwald gesäumt. Tina berichtet, dass es in dem kleinen Estland 600 wilde Braunbären gibt und viele Wölfe noch dazu. Gerade hatte ich überlegt, wie toll es wäre, hier einmal Pilze zu sammeln. Nun denke ich daran, wieviele Augen einen dabei wohl beobachten?
In Altja begeben wir uns zunächst zum Ufer der Ostsee. Die Gletscher der letzten Eiszeit haben hier eine Unmenge an Findlingen hergeschoben. Manche fast so groß wie eine Gartenhütte. Weit geht unser Blick aufs Meer hinaus, an dessen anderem Ufer Finnland liegen muss.
In einem der stohgedeckten Bauernhäuser werden wir zu einem nahrhaften Mittagsmahl geladen. Es gibt Fisch, Graupen mit Speck, würzigen Kartoffelstampf, Waldpilze in Rahmsoße und Blaubeerkuchen.
Einfaches, aber leckeres und sättigendes Bauernessen wie früher. Die Kalorien wollen wieder runter, und so machen wir uns bei nun strahlendem Sonnenschein auf ins Moor. Hochmoore sind für den Lahemaa Nationalpark typisch. Wir begeben uns in das Viru-Moor. Schon der Wald an der Straße ist mit Pfützen und Tümpeln recht durchnässt und je weiter wir hineingehen, desto üppiger werden Flechten und Moose an den Bäumen und auf dem Boden. Irgendwann ist es so feucht, dass es nur noch über einen Holzbohlenweg geht. Stelltafeln daneben unterrichten den Wanderer über die Flora und Fauna, sowie über die Entstehung dieser Hochmoore. Der Moosboden ist vollgesogen wier ein Schwamm. Der Boden hat nur wenige Nährstoffe. So wundert es nicht, dass die Krüppelkiefern, nicht höher als 2 m schon über 100 Jahre alt sein sollen. In der Mitte befindet sich ein Aussichtsturm von welchem wir einen guten Rundblick über das Moor haben. Bei Nebel oder in der Dämmerung herrscht hier sicher eine recht unheimliche Atmosphäre vor. Wir müssen uns heute jedoch nicht ängstigen, denn es ist Samstag und viele Menschen sind mit Kindern und Hunden unterwegs. Gehört doch das Viru-Moor zu den meistbesuchten Natursehenswürdigkeiten im Nationalpark.
Am späten Nachmittag erreichen wir unser Hotel und haben den letzten Abend der Reise die Möglichkeit, diesen individuell nach eines Jeden Gutdünken zu gestalten.

11. Tag Rückflug


baltikum

In der Morgendämmerung checke ich die Reisegäste online ein und lasse die Bordkarten vom Hotel ausdrucken. Dann geht am Flughafen nachher alles etwas reibungsloser und schneller. Nachdem wir ein letztes mal das üppige Frühstücksbuffet in unserem 4 Sterne Hotel genossen habenbegeben wir uns, weil noch etwas Zeit ist, begeben wir uns noch einmal in den Vorort Kadriorg. Peter d. Gr. Beschloss 1714, sich bei Reval, so hieß Tallin damals noch ein Sommerresidenz zu errichten. Er beauftragte den italienischen Architekten Niccolo Michetti mit dem Bau und benannte das Schloss nach Katharina, seiner Gemahlin, nämlich Katharinental. Mit der Abgeschiedenheit war es bald vorbei, denn um den großen Schloßpark herum, siedelten sich alsbald betuchte Bürger in schicken Holzvillen an. Auch heute gehört Kadriorg zu den teureren und bevorzugten Wohnlagen der Stadt. Wir beschauen uns das Schloß von außen, in dem heute ein Teil des Estländischen Kunstmuseums untergebracht ist, und schlendern noch ein wenig durch den Park, für den seinerzeit 300 Bäume neu gepflanzt wurden. Danach begeben wir uns endgültig zum Flughafen und es heißt Abschied nehmen vom Baltikum, von Regina und unserem Chauffeur Gintaris. Bis Frankfurt/Main fliegen wir alle gemeinsam um dort in die Maschinen umzusteigen, die uns zu den jeweiligen Zielflughäfen bringen.
Es war eine wunderschöne Reise mit einer netten und harmonischen Reisegruppe, guten Hotels, kundigen Guides, leckerem Essen, einer guten Mischung aus Natur und Kultur und sogar das Wetter hat gut mitgespielt. Kurz gesagt: Eine Reise, die allen Teilnehmern noch sehr lange in guter Erinnerung bleiben wird.

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