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Reisebericht: Rundreise durch Litauen, Lettland und Estland

18.07. – 30.07.2017, 11/ 13 Tage Rundreise Baltikum: Vilnius - Trakai - Kaunas - Klaipeda - Kurische Nehrung - Riga - Gauja Nationalpark - Tartu - Peipussee - Tallinn - Lahemaa-Nationalpark

Eine Reise ins Baltikum – Litauen, Lettland und Estland – von den Italienern des Nordes bis zu den Süd-Skandinaviern bot uns die Natur weite Landstriche, idyllische Wiesen, jede Menge Störche und auch den ein oder anderen Elch.Beeindruckende Hauptstädte und gemütlich-einladende Kleinstädte, stets sauber und aufgeräumt haben wir sie erleben und entdecken dürfen.

1. Tag, Dienstag – Anreise, über Kaunas nach Vilnius


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Am frühen Morgen, ja man kann schon sagen mitten in der Nacht startete unsere Reise. Wir begannen am Dresdner Flughafen um kurz vor 5 Uhr unseren Weg nach Frankfurt am Main. Dort trafen wir auf alle weiteren Mitreisenden. Aus verschiedenen Teilen Deutschlands sind wir zusammen gekommen und flogen nun von Frankfurt aus gemeinsam in den Norden. Der knapp zwei-stündige Flug mit der Lufthansa brachte uns nach Kaunas und nicht wie ursprünglich geplant nach Vilnius, da dort Reparaturarbeiten am Flughafen vorgenommen wurden. Dementsprechend landeten wir am Nachmittag auf dem improvisierten Flughafen in Kaunas und nahmen unser Gepäck in einem großen Zelt entgegen, welches von mehreren Arbeitern per Hand weitergereicht wurde.
Als wir das Zelt verließen, wurden wir direkt von Roland und Tadeucz herzlich empfangen. Roland, unser örtlicher Reiseführer der uns die gesamte Zeit über begleitet hat, gab uns auf dem Weg in unser Hotel in Vilnius eine kleine Einführung auf die kommenden Tage.
Im Congress Hotel angekommen bezogen wir erst einmal unsere Zimmer. Kurze Zeit später fanden wir uns alle wieder zusammen und begannen eine erste Erkundung der 1323 gegründeten Stadt. Wir begannen an der Kathedrale St. Stanislaus und dem vorgelagerten Glockenturm, einem Wahrzeichen der Stadt, und schlenderten durch die Altstadt auf der Pilies Straße entlang. Von unten sah man gut die alte Festungsanlage mit dem roten Gediminas-Turm und auch die drei weißen Kreuze. Wir gingen weiter zu den gotischen Kirchen St. Annen und St. Franziskus die mit der litauischen Backstein-Architektur glänzen. Unsere Runde schlossen wir mit einem Rundgang durch das Universitätsviertel ab und kamen schließlich tot-müde von der langen Reise wieder in unserem Hotel, welches direkt an der Neris liegt, an.

2. Tag, Mittwoch – Vilnius & die Wasserburg von Trakai


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Nach einem ausgiebigen Frühstück mit vielen litauischen Leckereien sowie auch der klassischen englischen Speisen starteten wir mit dem Bus entlang der Neris wo wir an der Peter und Paul Kirche unsere erste Besichtigung machten. Ausgestattet mit unseren Kopfhörern und dem Radio-Roland haben wir uns an und in der Kirche aus dem frühen 18. Jahrhundert umgesehen.
Anschließend ging es wieder in den Bus und wir fuhren durch die Stadt an der Bibliothek Vrublevskiu und der Statue des König Mindaugas vorbei. Wir passierten das Künstlerviertel von Vilnius am ungefähr 79 km langen Fluss Vilnia oder auch Vilnele genannt, dem Namensgeber der Stadt. Wir machten noch einen kleinen Fotostopp oberhalb der Stadt und genossen die sonnige Aussicht, bevor wir noch einmal in die Altstadt gingen. Bergab, von Süd nach Nord, spazierten wir durch das Tor der Morgenröte und kamen zur russisch-orthodoxen Kirche. Von außen doch recht schlicht wirkend erschien die Kirche aber von innen in einem sehr strahlenden Glanz. Ein starker Duft von Weihrauch lag in der Luft – leichte Nebelschwaden flogen durch die Luft und brachen das Sonnenlicht was durch die weißen Fenster viel. Was doch aber völlig neu und anders erschien, war der gewaltige Altar der bis zur Decke reichte. Er erstrahlte in einem kräftigen Minz-Grün, beinahe schon Türkis, mit goldenen Verzierungen. In der Mitte davor, ein Gläserner Sarg mit drei einbalsamierten Heiligen, die ebenfalls in eine solch grüne Decke mit goldenen Stickereien gewickelt waren. Ein mystischer Ort. Wir verließen die Kirche nach einiger Zeit und gingen zum Rathaus Platz von Vilnius. Nach dem wir uns noch ein wenig im Zentrum entspannt hatten stiegen wir wieder in unseren Reisebus und fuhren in Richtung Wasserburg. Auf dem Weg dorthin fuhren hielten wir in einem der riesigen und höchst modernen Supermarkt. Dort aßen wir im Selbstbedienungsrestaurant Delano – es ist schnell und günstig und das Beste daran, es bietet jedem eine breite Auswahl an typisch baltischer Speisen. Nachdem wir uns also mit der deftigen Kost gestärkt hatten, ging es geradewegs nach Trakai zur Besichtigung der im 14. Jahrhundert errichteten Verteidigungsanlage, die auch später im Jahre 1377 vom deutschen Orden angegriffen wurde. Die spätmittelalterliche Burganlage wurde im 20. Jahrhundert akribisch restauriert und wiederaufgebaut und befindet sich deshalb in einem sehr guten Zustand. Viele Schauräume brachten uns die Geschichte und das Leben der Burg näher, weitere interessante Details lieferte uns Roland über den Funk. Spannend war aber auch der große Innenhof der Burg mit den schmalen Holzgeländern und einer engen Wendeltreppe. Das Kellergewölbe, mit der Schatzkammer, zeigte uns teure Habseligkeiten der damaligen Fürsten und Großherzöge. Am späten Nachmittag genossen einige eine Tasse Kaffee oder ein kühles litauisches Bier an einem schattigen Plätzchen und beobachteten die Boote die auch dem Galve-See schipperten. Zurück in der Stadt Vilnius erholten wir uns noch ein wenig und machten uns für das Abendessen frisch. Gemeinsam gingen wir in ein nahegelegenes Restaurant. Nationalgerichte aus Litauen wurden uns serviert, angefangen mit einer kalten Rotebeete-Suppe über knackige Gurken und Kartoffel-Variationen in verschiedensten Formen.

3. Tag, Donnerstag – Vilnius, Kaunas, Memel


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Heute stand schon unser erster Hotelwechsel an. Nach einem sehr guten Frühstück luden wir das Gepäck in den Bus und fuhren nach Kaunas. Die erste Station war ein kleiner Aussichtspunkt wo wir die Stadt überblicken konnten. Von dort fuhren wir mit der Zahnradbahn den steilen Hügel zur Memel hinunter. Hier an der Stadt Kaunas treffen die beiden Flüsse zusammen. Die Neris aus Vilnius kommend fließt hier in die Memel, die dann weiter ins Memelland fließt. Unten am Fluss stiegen wir noch für kurze Zeit in den Bus. Er brachte uns dann weiter ins Zentrum von Kaunas. Wir starteten unseren Stadtrundgang an der alten Wehranlage die im 14. Jahrhundert auch ein wichtiger Verteidigungspunkt der Litauer gegen den deutschen Orden war. Wir liefen um die Wallanlage herum und besichtigten eine zerfallene Kirche. Es war ein sehr beeindruckendes Bauwerk, da hier noch nichts restauriert wurde und man somit einen ganz anderen Eindruck erhielt als bei den gewohnten, pompösen Kirchenschiffen. Darauffolgend spazierten wir am Priesterseminar von Kaunas vorbei. Es ist ein katholisches Bauwerk mit der Abteilung der Fakultät für Katholische Theologie der zweitgrößten Stadt Litauens. Nachdem wir den Campus durchquert hatten kamen wir auf den großen historischen Rathausplatz. Das weiße Rathaus aus dem 16. Jahrhundert wurde mehrmals wieder aufgebaut, da es der Zerstörung nicht standhielt. Heute ist der knapp 53 m hohe Turm ein Wahrzeichen von Kaunas. Wir spazierten weiter über das holprige Kopfsteinpflaster hinunter zur Memel und kamen dabei an einem besonders interessanten Gebäude vorbei. Das Donner-Haus, der frühere Sitz der Hanse-Vertretung in Kaunas, glänzte mit seiner wunderschönen Fassade der Backsteingotik. Heute gehört das aus dem 15. Jahrhundert stammende Perkunas-Haus dem Jesuitengymnasium. Wir sahen uns noch die St. Peter und Paul Kathedrale an und gingen für einen Moment in die eines der zahlreichen Restaurants und Cafés um einem Kaffee oder Espresso zu genießen. Wenig später fuhren wir mit dem Bus weiter und machten unsere Mittagspause wieder an einem der modernen Supermärkte. Das Land ist sehr hügelig, der Boden hat kleine, flache Wellen. Es ist viel Graslandschaft mit Kühen und kleinen Wäldern dazwischen. Im Sonnenschein ist es sehr warm, die kleinen Wölkchen stehen wie auf eine Leine geschnürt am Himmel und bewegen sich kaum. Auf der Autobahn ist nur wenig Verkehr, sie ist beinahe geradlinig und es kommt nur selten eine Ortschaft. Gegen Abend erreichten wir unser Zuhause im Memelland, in der drittgrößten Stadt Litauens, der Ostseehafenstadt Klaipeda. Die künstlerisch gestalteten Zimmer waren jedoch für manch einen gewöhnungsbedürftig. Dennoch hatten wir eine geniale Aussicht auf das Hafengelände und konnten einen schönen Sonnenuntergang gegen zehn Uhr abends genießen. Am Abend standen noch einige Hafenkneipen zur Verfügung oder auch die Amberton-Sky-Bar in unserem Hotel, wo man ebenfalls einen super Blick über die Kurische Nehrung und den Hafen hatte.

4. Tag, Freitag – Klaipeda & die Kurische Nehrung


Wir beginnen unseren Tag mit einer kleinen Stadtführung in Memel. Angefangen im alten Hafen von Klaipeda kamen wir an einem Königshaus vorbei. Von außen recht unscheinbar, einfach, klassizistisch, ein Haus in dem der König Friedrich Wilhelm III. von Ostpreußen mit seiner Gattin Königin Luise in den Jahren 1807 bis 1808 auf der Flucht vor Napoleon residierten. Wir gingen am Kai entlang, vorbei am Denkmal der Fischer und spazierten auf der anderen Seite an den alten Lagerhäusern vorbei. Man mag es kaum glauben, aber der deutsche Kaufmann und Archäologe Heinrich Schliemann errichtete hier im Hafengebiet seiner Zeit einige Lagerhäuser. Gleich dahinter liegt, das Theater von Klaipeda. Auf dem Platz davor, ein schöner Brunner mit einer Skulptur eines Memel-Mädchens – der Ännchen von Tharau Brunnen. – so gleich wurde ein Liedchen angestimmt, na klar! Die Ännchen von Tharau.
Ebenfalls am Brunnen angebracht, die Erinnerung an den deutschen Dichter Simon Dach, der hier in Klaipeda 1605 geboren war. Als wir unsere Runde beendet hatten stiegen wir in den Bus und fuhren ein Stück weiter in den Süden der Stadt, um auf einer Autofähre das Haff zu überqueren. Nach einer kurzen Überfahrt über das höchstens 5 m tiefe Süßwasser waren wir auf der Kurischen Nehrung, einer riesigen Sandbank. Unser Ziel war das kleine Örtchen Nida, was gut 45 km entfernt lag. Mit dem Bus fuhren wir also die schmale, wellige Teerstraße entlang, durch den Wald. Ein Wald aus Kiefern und Birken. Nach etwa zwanzig Minuten Fahrtzeit ein plötzlicher Aufschrei! Vor uns – ein Elch! Welch großes Glück hatten wir, dieses doch recht seltene und scheue Tier zu entdecken. Heute leben noch etwa fünf Dutzend Tiere auf der Insel. Gegen Mittag waren wir dann an der hohen Sanddüne von Nida. An der Steinernen Sonnenuhr genossen wir ein wenig die Aussicht, bevor wir ins Dorf nach unten fuhren. Dort angekommen machten wir einen Spaziergang durch den beschaulichen Kurort. Im Ort sind viele kleine Fischerhäuser aus Holz, meist mit Pastellfarben bemalt – in hell blau. Bei genauerem Hinschauen fallen einem die Kuren-Wimpel auf. Sie haben ihre eigene Bedeutung und existieren nur hier im Memelland. Farbe, Form und Symbole haben ihre eigene Sprache. Sie geben Auskunft über Wohnort, Familienstand, und die Straße wo der Fischer wohnt. Diese Wimpel markieren meist das Haus und wurden auch am Fischerboot angebracht. So konnte jeder aus dem Dorf erkennen, welcher Fischer gerade dort draußen auf dem Meer ist.
Kurze Zeit später haben wir im küstennahen Restaurant zu Mittag gegessen. Am Nachmittag spazierten wir weiter zum Bernsteinzimmer – ein Museum. Der baltische Bernstein, ein seltenes Material aus fossilem Harz, welches typisch ist für die Ostsee-Region. Kunstvolle Schmuckstücke wurden und werden aus diesem meist gold-glänzenden Material in mühevoller Arbeit hergestellt. Anschließend besuchen wir noch die evangelische Kirche und das Künstlerhaus von Hermann Blode, welches heute als Museum und Ausstellungsort dient. Nidden war im frühen 20. Jahrhundert ein Anziehungspunkt für viele Landschaftsmaler. Mittlerweile fing es an zu regnen, es wurde für kurze Zeit ein wenig ungemütlich. Aber warum der Ort Nida auch sehr bekannt ist, liegt daran das der Schriftsteller Thomas Mann sich hier ein Sommerhaus bauen ließ. Dort schrieb er unter anderem auch die Romantetralogie Joseph und seine Brüder. Mann war von dem Blick, den man von diesem Haus hatte so begeistert, dass er diesen Ort mit der italienischen Küste gleichstellte. So wie wir das reetgedeckte Haus besichtigt hatten fuhren wir mit dem Bus zurück ins Dorf, wanderten dort noch einen spannenden Märchenpfad mit kunstvoll geschnitzten Holzskulpturen entlang. Nach knapp einer Stunde, nun war es schon fast achtzehn Uhr, fuhren wir wieder durch den Wald zurück zur Fähre. Doch leider war eine riesige Autoschlange vor der Fähre. Wahrscheinlich hätten wir noch ein paar Stunden anstehen müssen bis wir endlich an der Reihe gewesen wären. Doch dank unseren Meisterbusfahrer Tadeucz mussten wir nicht lange warten. Mit einer Abkürzung an der Baustelle entlang setzte er uns an die Spitze – und auch der Fährmann hatte ein gutes Herz und ließ uns schnell passieren. So waren wir wieder rechtzeitig zum Abendessen im Hotel.

5. Tag, Samstag – Memel, Berg der Kreuze & Livland


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Heute hieß es wieder Kofferpacken, es stehen knapp 300 km auf dem Programm. Die Fahrt mit dem Bus führte uns weit übers Land: Wiesen, Felder und Wälder. Obendrein noch jede Menge Klapper-Störche. Wir fuhren durch Šiauliai und kamen kurz danach zum Berg der Kreuze. Ein wirklich beeindruckendes Bild. Ein kleiner Hügel voll mit tausenden Kreuzen verschiedener Religionen, in unterschiedlichen Größen, mit vielfältigen Schnitzereien. Gleich dahinter befindet sich eine kleine Kirche der Brüder des Ordens von St. Litauen. Alles ist sehr einfach gehalten. Der Altar, eine einfache Glasscheibe – so simpel und doch so wunderbar. Wenn man in der Kirche sitzt, sieht man durch dieses Fenster den Berg der Kreuze. Ist fast so, als wäre dies ein riesiges Gemälde, jedoch bewegt es sich ständig und verändert sich – ein magisches Bild. Nach einer kurzen Mittagspause im nahe gelegenen Gasthof ging die Reise weiter nach Riga – die Hauptstadt Lettlands. Nach gut zwei-stündiger Fahrt sind wir in unserem neuen Zuhause angekommen – dem Radison Blue Daugava Hotel direkt am Fluss gegenüber der Altstadt gelegen. Schnell die Sachen aufs Zimmer gebracht, denn wir haben uns ein Boot reserviert. Eine halbe Stunde stachen wir in See – bei stahlblauem Himmel haben wir noch eine Runde um die Insel Zakusala gedreht wo sich auch Rigas Fernsehturm steht. Ein architektonisch imposantes Bauwerk aus dem 20. Jahrhundert, das mit einer Höhe von 97 m fast aus jeder Richtung zu erkennen ist. Auf dem Daugava konnte man noch mal richtig ausspannen und sich von der längeren Busfahrt erholen. Ein kleiner Kräuter, ein Bierle oder Kaffee wurde auch noch dazu serviert. So schipperten wir also am Abend bei strahlender Sonne am Ufer der Altstadt von Riga entlang. Eine wunderbare Kulisse aus klassizistischen und jugendstiel-Häusern sowie toller Kirchentürmen. Um sieben Uhr abends gingen wir dann zum Buffet ins Hotel.

6. Tag, Sonntag – Riga


Am Morgen konnten wir das reichhaltige Frühstück von den Klassikern bis zum lettischen Fisch-Gedeck genießen. Durch die großen Fenster sah man die Altstadt von Riga, wie sie von der Morgensonne angestrahlt wird. Es musste ein herrlicher Tag werden. Mit dem Bus fuhren wir also in die Stadt. Wir begannen unseren Stadtrundgang im nördlichen Teil Rigas, der Alberstraße. Wir bestaunten die hohen Stadt-Villen aus der Epoche des Jugendstils. Riga ist eine Hochburg des Jugendstils und hat neben mittelalterlichen Bauten und der baltischen Holzarchitektur unglaublich viel an aufwändig restaurierten Elementen zu bieten, die man so nirgendswo sehen kann – deshalb auch der Titel des UNESCO-Weltkulturerbe. So liefen wir also durch die Straßen und bewunderten beispielsweise das einstige Wohnhaus des russischen Jugendstil-Star-Architekten Michail Eisenstein und vieler anderer phänomenaler Bauwerke. Schnell wurden wir aber von ein paar anderen Gruppen gestört, wo wir auch rasch eine Funkstörung bei Radio-Roland hatten und plötzlich mit holländischer und spanischer Sprache unterhalten wurden. Glücklicherweise waren wir schon mit den eindrucksvollsten Bauwerken fertig und zogen so auch weiter. Mit dem Bus ging es dann zum Ufer des 11. November, wo auch die Akmens Tilts Brücke ist, die direkt zu unserem Hotel führt. Zu Fuß über das Kopfsteinpflaster ging es hier weiter, am Rathaus Platz und auch vor dem Schwarzhäupterhaus, das gleich gegenüber steht, machten wir noch ein Gruppenfoto. Wir schlängelten uns durch die Gassen Rigas an der Petri-Kirche vorbei und kamen zur neoklassizistischen National Oper von Lettland, wo auch Richard Wagner einst weilte. Entlang des Pilsetas Kanals – des Stadt-Kanals – gingen wir durch einen sehr idyllischen Park zum Freiheitsdenkmal Rigas. Das insgesamt 42 Meter hohe Denkmal zeigt hoch oben eine Dame die drei goldene Sterne in die Höhe streckt. Am Fuße steht die lettische Ehrengarde stramm. Wir spazierten auf die andere Seite des Paradeplatzes weiter, wieder durch den Basteiberg, die Parkanlage. Einer der für mich am schönsten angelegten Parks die ich je gesehen hab. Wenig später waren wir auch schon am Pulverturm und der Jakobi-Kirche, wo wir wenige Schritte zuvor ein wunderschönes Lied hören durften, was von einer Dame auf einer Kantele gespielt wurde. Ein sehr schwer zu beherrschende Kastenzither, die etwas aus der Mode gekommen ist. Zum Ende hin sind wir am Rigaer Dom angekommen. Das ohnehin schon prächtige und große Bauwerk zeigt ein interessantes Detail auf – der Wetterhahn. Er hat zwei Seiten, eine goldene und eine schwarz-hölzerne Seite. Je nachdem wie der Wind steht, ob es für Seefahrer günstig ist in den Hafen einzulaufen oder nicht, zeigt der Hahn seinen Bewohnern. So zeigte der goldene Hahn, dass der Wind gut steht und neue Schiffe anlegen konnten und somit die Kassen der Kaufleute gefüllt wurden.
Zum Mittag gingen wir wieder in ein Buffet-Restaurant nahe der Rigaer Gilde. Dort gab es wieder einige baltische Spezialitäten zum durchprobieren. Am Nachmittag war ein wenig Freizeit angesagt. Einige von uns fuhren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Ostsee-Strand nach Majori. Dazu stiegen wir erst in die Straßenbahn und fuhren über die Akmens Tilts Brücke in die City, und weiter ein Stück zu Fuß, hoch und runter durch die Stadt bis zum Hauptbahnhof. Am Bahnsteig herrschte leichtes Gedränge. Wir kletterten in den lettischen Zug, der Einstieg erfolgte über ein paar schmale, eiserne Stufen. Die geräumigen Waagen mit Fünfer-Reihen waren gut gefüllt. Wir ratterten wieder über den Fluss, diesmal über die große stählerne Stabbogen-Brücke aus dem Jahre 1914. Wir fuhren etwas mehr als eine halbe Stunde, in den zahlreichen Zwischen-Stationen stiegen Leute aus und ein. „bump-brumb-bumb" schallte es, als der Zug erneut anfuhr und sich die schweren Waggons in Bewegung setzten. Eine aufregende Fahrt. Schließlich kamen wir in Majori an. Ein kleiner gemütlicher Bahnsteig direkt am schilfverwachsenen Ufer. Wir schlenderten in praller Sonne die Flaniermeile hinunter. Zahlreiche Restaurants, Souvenirläden und Cafés reihten sich auf. An diesem wunderbaren Sommertag herrschte dichtes Gedränge an der Promenade und am Strand. Einige Straßenmusiker unterhielten die Leute und verdienten sich ihr Taschengeld. Die See war etwas unruhig, das Wasser sehr braun und aufgewühlt. Aber erfrischend und nicht zu kalt. Genau das richtige an so einem warmen Tag. Der breite Sandstrand mit seinem auffällig weichem und feinem Sand lud ein sich mal einen Moment hinzulegen und die Seele baumeln zulassen.

7. Tag, Monatg – barockes Schloss Rundale


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Am Morgen nach dem Frühstück ging unser Ausflug los. Wir fuhren mit dem Bus gute 70 Kilometer in südliche Richtung. Nach einer Stunde Fahrtzeit erreichten wir das Schloss Rundale, welches zu den bedeutendsten Bauten des Barocks und des Rokoko in Lettland zählt. Im 18. Jahrhundert gestaltete man diesen Palast nach dem Vorbild des französischen Schlosses Versailles. Die einstündige Führung brachte uns die Nutzung und Ausstattung der Räume näher. Es sind viele Stuckarbeiten, Wandskulpturen und Fresken zu erkennen. Einige gewaltige Deckenarbeiten zeigen das doch relativ einfache Leben von damals. Figuren bei der Jagd, Land- und Gartenarbeit sowie dem täglichen Leben und auch die Jahreszeiten findet man an den Decken und Wänden. Große Säle die vergoldet sind aber auch welche die im frischen Weiß erstrahlen. Bei denen lediglich die feinen Arbeiten der Stuckateure glänzen. Dabei schön zu erkennen, dass auch damals schon der Storch ein häufiges und gern gesehenes Wesen war und an bestimmten Stellen im Mittelpunkt zu finden ist. Das Schloss Rundale ist sehr abwechslungsreich – man geht durch Räume mit Bildern italienischer und flämischer Kunst, sieht Zimmer mit preußischem Rokoko und Neu-Rokoko aus dem 19. Jahrhundert. Man findet Arbeiten des deutschen Bildhauers Johann Michael Graf. Am Ende der eindrucksvollen Führung durch die Gemächer genießen wir noch ein wenig Freizeit in dem großzügig angelegten Schlosspark im französischen Stile. Sehr interessant waren die unzähligen Rosensorten die dort angepflanzt waren. Dabei ist mir auch die Beetrose „Marie Antoinette" aufgefallen, die wieder eine Verbindung nach Frankreich schafft. Am Ende kann man sagen ein durchaus beeindruckende Schlossanlage im Stile Frankreichs mit vielen Livländischen Elementen.
Zum Mittag waren wir einem bescheidenen Gasthof geladen. Bei urigem Ambiente reichte man uns köstliche Salate und Suppen sowie Hauptgang und Dessert. Es schmeckte alles ausgesprochen frisch, als hätte man es vor fünf Minuten aus dem Garten gepflückt. Gleich danach fuhren wir wieder zurück nach Riga und genossen noch etwas freie Zeit in der zünftigen Altstadt. Da es der letzte Abend in Riga war gingen die meisten von uns noch mal ins Zentrum um in einem Restaurant zu speisen und das angehnehme Flair der Stadt zu genießen.

8. Tag, Dienstag – Riga, Gauja Nationalpark, Tartu


Wie jeden Morgen starteten wir um neun Uhr. Wir luden wieder unser Gepäck in den Bus, denn heute ging es in das knapp 250 Kilometer entfernte Universitätsstädtchen Tartu. Wir fuhren über die große Vanšu-Brücke und nahmen noch einmal Abschied von Riga. Auf der linken Seite sah man zwei Kreuzfahrtschiffe, auf der rechten Seiter der Brücke die schöne Altstadt. Das Wetter ist genial, stahlblauer Himmel, nicht eine Wolke zu sehen. Die Morgenluft war sehr erfrischend. Es dauerte nicht lang und wir waren in der litauischen Schweiz und kamen auch an einer Bobbahn vorbei. In Sigulda sah man schon die Burganlage Turaida am Anfang des Gauja-Nationalparks. In Turaidas besichtigten wir die mittelalterliche Bischoffsburg von der nur wenig restauriert wurde. Wenige Schritte vom Bischofssitz entfernt besichtigten wir noch eine baltische Holz-Kapelle, deren Fassade im satten Rot erstrahlte. Nicht weit entfernt ein Denkmal der sagenumwobenen Prinzessin Turaidas Roze, die laut der Erzählung nach ihr Leben in der Gutmannhöhle ließ um Ihre Ehre zu retten. Eine Sage aus dem 17. Jahrhundert – heute werden der Sandsteinhöhle heilende Kräfte zugesprochen die einen Liebe, Treue sowie Schönheit versprechen – ganz gleich der jungen Roze.
Als wir auch die Sandstein Höhle besichtigt hatten fuhren wir zu Ragnas Rasthof und aßen zu Mittag. Mit etwas lettischer Folklore ging es weiter, Storchennester am Wegesrand, Blumen und Heu Wiesen flogen an uns vorbei, dazwischen kleine Wälder. Gegen 15:30 überquerten wir die Grenze nach Estland. Die Landschaft veränderte sich aber wenig. Am späten Nachmittag erreichten wir die Reformationsstadt Europas 2016 – Tartu. Eda begrüßte uns und startete mit uns einen kleinen Rundgang durch die Studenten-Stadt. Am Fluss Emajõgi entlang, dem größten Estlands gingen wir am schiefen Haus vorbei zum Rathaus Platz. Die meisten Gebäude sind recht jung und stammen frühestens aus dem 18. Jahrhundert. Einen erfrischenden Anblick schaffte der Brunnen aus dem Jahre 1998 der vor dem rosa Rathaus steht. Er ist zugleich Symbol für die Stadt – ein küssendes Studentenpaar unter einem Regenschirm.
Eda führte uns weiter einen steilen Hügel hinauf, wir besichtigten die Engels- und Teufelsbrücke nahe der Universität. Hinter der Kathedralen-Ruine aus Backstein befindet sich ein Denkmal an Kristian Jaak Peterson der Anfang des 19. Jahrhunderts lebte. Der Schriftsteller und Dichter hat seiner Zeit mit nur 21 Jahren bedeutende Werke der estnischen Kultur geschaffen. Heute ist sein Geburtstag ein Nationalfeiertag der Esten. Als letztes gingen wir noch an den alten Universitätsgebäuden entlang und stoppten noch einmal an der Johannes Kirche. Die Backsteinkirche beherbergt zahleiche Terrakotta-Figuren damaliger Bewohner die mittlerweile über 700 Jahre alt sind.
Gleich im Anschluss sind wir gemeinsam in den Pulverturm zum Abendmahl gegangen. Roland erwartete uns dort schon. In einem urigen Gewölbe das sich über mehrere Stockwerke erstreckt wurde uns deftiges der estnischen Küche gereicht. Sehr interessant das die Suppe, die in einem großen Weißbrot serviert wurde. Ein schmackhaftes und gemütliches Örtchen!

9. Tag, Mittwoch – Peipussee


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Heute ging es für uns an den Peipussee. Auf dem Weg dorthin fuhren wir am estnischen Nationalmuseum vorbei, das erstaunlicherweise hier in der zweitgrößten Stadt Tartu steht und nicht in der Hauptstadt Tallinn. Die einstündige Fahrt an den in der Nord-Süd-Achse über 143 Kilometer langen und bis zu 50 Kilometer breiten Sees brachte uns in das Land der Altgläubigen. Das Volk die als hervorragende Fischer, Bauern, Maurer und Tischler bekannt sind werden im Volksmund auch als Zwiebel-Russen bezeichnet. Wir fuhren mit unserem Bus durch die kleinen Dörfchen Varnia, Kasepää und Kolkja die aus sehr kleinen Grundstücken und einfachen, altertümlichen Holzhütten bestehen. Diese Dörfer sind auch schon exotisch für die Esten, eben dadurch dass die Häuser klein und eng gebaut wurden. Es sind oft verschlossene Gemeinden in denen wenig Fremde dazukommen. In Kolkja besuchten wir dann das Museum der Altgläubigen. Eine Dame berichtet uns von dem Leben und der Religion der Altgläubigen. Sie spricht nur estnisch, daher übersetzt Eda für uns. Sie berichtet uns, dass es sehr strenge Regeln gegeben hat, die sich mittlerweile aber auch hier ein kleinwenig gelockert haben. So erzählt sie uns zum Beispiel das die Männer in der Kirche immer rechts stehen und die Frauen links. Es seien auch weibliche geistliche erlaubt. Jedoch ist die Kleidung meist schwarz und die Frauen tragen oft ein Kopftuch. Sie berichtet weiter, früher haben die Menschen mit der Fischerei und als Maurer und Tischler ihr Geld verdient. Oft waren die Männer für mehrere Monate draußen unterwegs. Danach, als die zurückkehrten, mussten sie erst einmal in Quarantäne. Um sich zu erholen und zu reinigen! Zur sowjetischen Zeiten wurden alle Zwiebel-Erzeugnisse in Leningrad, St. Petersburg verkauft. Mit einem großen Lastwagen wurden sie dorthin gefahren. Durch den Verkauf einer Ernte konnten die Familien das ganze Jahr Leben. Die Beete sind fast einen halben Meter ausgeschachtet, aufgrund der hohen Feuchtigkeit und Nähe zum Peipussee. Die Hochzeit, sagt sie, ist für ein Leben lang. Man lebt engzusammen. Es kommen auch wenig, bis keine neuen Leute ins Dorf. Heute Leben in etwa 700 Einwohner in dem Dorf, davon ungefähr 100 Kinder, 150 Arbeiter – die anderen sind im Rentenalter. Es kam schon vor das ein paar behinderte Kinder geboren wurde. Da die Familien eng zusammen gewachsen sind. Man hat sich dann gelegentlich mit frischen Blut aus einem 20 km entfernten Dorf geholfen.
Nach diesen tiefen Einblicken und Berichten aus dem Leben der Altgläubigen am Peipussee ging die Reise weiter nach Alatskivi. Das weiße neugotische Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert war sehr eindrucksvoll und zeigte uns interessante Einblicke in das Leben des Gutsherren Arved Georg von Nolcken, dessen Familie und Angestellten. Die Nelke findet man als Symbol im ganzen Haus. An Tapeten und auch am Kamin – die Nelke. Die Pflanze die auch im Familiennamen des Gründers von Nolcken steckt. Im oberen Teil des Herrenhauses eine kleine Ausstellung von Eduard Tubin. Der Musiker und Schriftsteller ist sozusagen dauerhaft im Gästebereich des Hauses untergebracht. Wie auch zu damaliger Zeit blieben die Gäste oft mehrere Wochen, ja sogar Monate.
Als nächstes ging es zum Johann Liv Museum. Der bedeutende estnische Schriftsteller lebte hier nahe des Herrenhauses von Alatskivi zusammen mit seiner Familie. Die 3 Bauernhäuser des Museums waren von der Familie Liv bei den von Nolckens gepachtet. Bei der Besichtigung des Hofes viel uns auch der Spa-Bereich aus dem 19. Jahrhundert auf. Er war zu gleich Sauna aber auch als Räucherofen für Fisch und Fleisch verwendet worden.
Zum Abschluss fuhren wir noch weiter nördlich an den Peipussee in das beschauliche Örtchen Kallaste. Viele heruntergekommene Bauten aus der Sowjet-Zeit waren zu sehen und auch sonst ziemlich ärmliche Verhältnisse. Aber wir waren da – am geschichtsträchtigen Peipussee, der auch sehr bekannt durch die Schlacht von 1242 ist. Als der Fürst Alexander Newski den Livländischen Orden auf dem vereisten See stoppte und damit eine weitere Ausweitung des deutschen Reiches verhinderte. Wir hielten noch kurz die Füße ins Wasser, spazierten am Strand oder genossen noch ein kühles Bier in der Kajakas Kohvik-Baar.
Nun war es schon Abend geworden und wir schafften es gerade noch rechtzeitig zum Abendessen im Hotel Dorpat.

10. Tag, Donnerstag – von Tartu nach Tallinn


Nun mussten wir das gemütliche Städtchen Tartu wieder verlassen und luden unser Gepäck in den Bus. Die vorerst letzte Etappe von 200 Kilometern stand an. Auf dem Weg in die Hauptstadt Estlands, sahen wir wie auch zuvor viele Störche. Und auch einige Rapsfelder in voller Blüte begegneten uns. Was doch für uns Mitteleuropäer recht ungewöhnlich zu dieser Jahreszeit ist. Tallinn die Stadt am Finnischen Meerbusen trägt auch noch den Namen Reval, der offiziell nur bis 1918 galt, aber der immer noch häufig zu hören ist.
Bei der Einfahrt in die Hafenstadt sah man immer wieder, vor allem in den Vororten, die alten baltischen Holzhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Am Mittag kamen wir dann im Hotell Euroopa an. Wenig später, nach dem alle einen Mittagssnack genossen hatten, fuhren wir auf die andere Seite von Reval nach „Rocca al Mare" um in das Freilichtmuseum zu gehen. Das Vabaõhumuuseum ist ein Museum für estnische Landkultur, was bereits 1964 eröffnet wurde. Das 84 Hektar große Gelände zeigt Bauernhäuser, Windmühlen, Kirchen und Landhäuser aus dem 18., 19. und frühes 20. Jahrhundert. Zusammen mit unserer Museumsführerin haben wir uns das reetgedeckte Riegenhaus genauer angeschaut. Denn die Esten haben jahrhundertelang in solch einem Gebäudetyp gewohnt. Beeindruckend war dabei auch, dass die einräumige Rauchstube mit einem Hitzsteinofen ohne Schornstein betrieben wurde. Wenig später saßen wir in der Kirche – eine schwedische – ganz und gar aus Holz gefertigt, an den Wänden hingen Kränze zur Erinnerung an die nie zurückgekehrten Seemänner. Wir schlenderten weiter ans Meer – eine frische, salzige Brise weht uns entgegen. Von der Bucht aus bekamen wir auch einen schönen Blick auf den Hafen von Tallinn. An den Windmühlen endete unsere geführte Tour durch das Museum und wir genossen noch ein wenig freie Zeit. Etwas getrieben von den kleinen Mücken, die zum Glück aber nicht gestochen haben, versammelten wir uns wieder am Bus und fuhren zurück ins Hotel nahe des Yachthafens.

11. Tag, Freitag – Tallinn, die dänische Stadt


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Nach einem angenehmen Frühstück startete unserer Tag wieder um neun Uhr morgens. Heute stand die Entdeckung der dänischen Stadt auf dem Programm. Der Name Tallinn leitet sich nämlich von den Worten Taani-linn, was so viel heißt wie Dänische Stadt oder Dänische Burg. Diesen Namen trägt die Stadt im estnischen Sprachgebrauch seit der Eroberung durch den dänischen König Waldemar II. im Jahr 1219. Unsere erste Station war das Lauluväljak-Stadion, was für Musikveranstaltungen verwendet wird. Große Stars sind hier schon aufgetreten – Tina Turner, Elton John, Michael Jackson und viele mehr! Doch die Hauptattraktion findet zum estnischen Liederfest satt, das alle fünf Jahre ausgetragen wird. Dann stehen dort etwa 33.000 Sänger auf der Bühne und knapp 150.000 Zuhörer davor. Die Akustik ist hervorragend, davon haben uns ein paar Handwerker bei ihren Instandhaltungsarbeiten überzeugt. Wir haben dann noch eine kleine Schleife in das ehemalige Olympia-Dorf von 1980 gemacht, da wir von dort einen schönen Blick auf Reval hatten. Kurz vor zwölf Uhr waren wir dann in der oberen Altstadt – dem Domberg. Wir begannen unseren Stadtrundgang auf dem Lossi-Platz am estnischen Parlament, nahe dem langen Hermann der im 14. Jahrhundert errichtet wurde. Zunächst besuchten wir die am Ende des 19. Jahrhundert gebaute Alexander-Newski-Kathedrale, die sich zwischen dem Parlament und der Residenz des deutschen Botschafters befindet. Die Kathedrale hat elf in Sankt Petersburg gegossene Glocken, die größte wiegt etwa 16 Tonnen. Man sagt, dass mit der Unabhängigkeit Estlands 1915 das damalige Blattgold der Zwiebeltürme abgetragen wurde und man davon ein U-Boot anschaffte. Frisch beweihräuchert führte uns Roland zum Tallinner Dom, wo wohl früher die von den Dänen eroberte, estnische Burg stand. Sehr eindrucksvoll sind die zahlreichen Wappen im Innern der Kirche. Weiter ging es am Vereinshaus der estnischen Ritterschaft vorbei durch ein Stadttor wo wir den berühmten Turm aus dem 15.Jahrhundert sahen – Kiek in de Kök. Hier an dem Kanonenturm soll der dänische Eroberer König Waldemar II. sein Lager aufgeschlagen haben. Heute befindet sich dort ein Museum. Wir schlenderten weiter über das Kopfsteinpflaster, erst zur Nikolai Kirche, zum Haus der großen Gilde, dann zur Heiliggeistkirche, die für mich eines der einprägsamsten Wahrzeichen Tallinns ist. Denn mit Ihrem hohen, minarettartigem Barock-Turm aus dem späten 17. Jahrhundert ist sie von überall gut zu erkennen und hilft bei der Orientierung. Wir schlängelten uns durch die kleinste Straße Revals – die Saiakang – und gelangten auf den Rathausplatz wo sich eine Menge Restaurants tummelten. Roland führte uns noch bis zum Viru-Tor, dem Ost-Tor der Altstadt, und zeigte uns noch ein paar Möglichkeiten für den Mittagstisch. Die meisten von uns sind dann wieder in ein nahegelgenes Selbstbedienungsrestaurant gegangen, wo man von den zahlreichen livländischen Köstlichkeiten probieren konnte.
Am Abend kamen wir noch einmal gemütlich zusammen. Wir spazierten noch von unserem Hotel aus in die Altstadt und kehrten in das Haus der kleinen goldenen Schweinchen ein. Glücklicherweise ist der Wolf nicht aufgetaucht und so konnten wir bei Kuldse Notsu Kõrts gemütlich speisen.

12. Tag, Samstag – Lahemaa-National Park


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Am Tag vor der Heimreise wagen wir uns in sumpfiges Gebiet vor. Heute zeigt Eduard uns das Territorium östlich von Tallinn. Nach einer einstündigen Fahrt sind wir im 72.500 Hektar großen Lahemaa-National Park angekommen. Es ist der erste Nationalpark der von der Sowjetunion im Jahre 1971 gegründet wurde. Die fast eineinhalbstündige Wanderung brachte uns zuerst über Schotterwege durch den Nadel-Wald, wenig später balancierten wir über Planken durch das Sumpfgebiet. Kleine Büschel von Heide und auch Blau-, Heidel-, und Moosbeeren waren vermehrt am Boden zu sehen. Anschließend waren wir wieder im Bus und fuhren die wellige Teerstraße durch den Wald. Wir kamen durch Võsu, Vergi und Altja. Ein paar tapfere Schwimmer nahmen noch ein Bad in der nahegelegenen Bucht von Altja. Das Wasser war ganz glatt – kaum eine Welle war zusehen. Die großen Findlinge lagen ganz behutsam im flachen Gewässer. Als wir die Ruhe der Natur in uns aufgenommen hatten, kamen wir zum Mittagessen in der alten Schenke zusammen. Es gab verschiedene Sorten baltischen Fisch, Kartoffelstampf, Salat, Graupen und Pilzsoße.
Frisch gestärkt ging es über den Gutshof Sagadi nach Palmse Mõis. Das deutsch-baltische Gut aus dem 13. Jahrhundert hat ein sehr repräsentatives Herrenhaus im Mittelpunkt, welches allerdings aus dem 18. Jahrhundert stammt. Zunächst haben wir uns im anliegenden Museum eine kurze Dokumentation über den Nationalpark angesehen. Beim Betreten des Gutshofes sah man wie eine Pferdekutsche abfuhr. Auf der Hof-Wiese spielten zwei Mädchen Croquet. Mit langen Biedermeier-Kleidern liefen sie spielerisch über das Gras. Man fühlte sich direkt in ein anderes Zeitalter versetzt. Ein Rundgang durch die Gärten, das angrenzende Fabrikgelände aus dem letzten Jahrhundert mit seiner Schnaps-Brennerei und Wintergarten war sehr interessant. Die Gemächer des Herrenhauses wunderbar restauriert – man konnte sogar etwas von der Kleidung aus vergangen Tagen anprobieren. Am Ende der Führung, Nahe der geräumigen Küche im Kellergeschoss, gab es ein schwarzer Johannisbeere- oder Rhabarber-Schnäpsle aus eigener Herstellung. Wir genossen noch ein wenig das Flair des 19. Jahrhunderts und sahen den Biedermeier-Damen beim Croquet spielen zu oder schaukelten auf der weißen Hof-Schaukel. Kurz bevor wir die Heimreise nach Reval angetreten haben, gab es noch einen Schwups Vana-Tallinn gegen die Würmer.
Am Abend spazierten wir gemeinsam zum Tallinner-Rathaus. Wir hatten einen Tisch in der Olde Hansa reserviert. Das mittelalterliche Gasthaus wirkt sehr authentisch – es lockt mit baltischen Klängen von mittelalterlichen Musikinstrumenten. Die Burschen und Damen hießen uns mit altertümlicher Sprache willkommen. Bei dunklem Kerzenschein kletterten wir die unzähligen Gänge nach oben, bis wir schließlich unseren Saal unterm Gebälk gefunden hatten. Als Speis und Trank gab es meist Bier mit Honig gepanscht, Wildschwein, Elch oder Schwein mit deftigen Kartoffeln und Kraut. Nun war es an der Zeit sich langsam von Baltikum zu verabschieden. Ein letzter Spaziergang durch das lebhafte Zentrum von Reval half dabei.

13. Tag, Sonntag – Heimreise


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Der Tag der Abreise – heute begann unser Tag ein wenig später. Wir starteten erst um 10 Uhr und luden zum letzten Mal unser Gepäck in den Bus. Tadeucz setzte uns am barocken Schloss Katharinental aus dem 18. Jahrhundert ab und wir besichtigten die Kunstaustellung ganz individuell. Nach etwa zwei Stunden kamen wir an der Russalka-Statue wieder zusammen. Die Statue erinnert an den Untergang des gleichnamigen russischen Panzerschiffes im Jahre 1869. Mit dem Bus sind wir noch einmal in die Stadt gefahren um dort entspannt zu Mittag zu essen. Nahe des Rotermann-Viertels, eines modernisierten Fabrik- und Lagerhausgeländes mit Boutiquen und Restaurants, sammelte Tadeucz uns wieder ein und brachte uns auf den Talliner Flughafen. Mittlerweile hatten wir nun mehr als 2.000 Kilometer mit dem Reisebus hinter uns, und nun mussten wir uns leider von unserem Busfahrer Tadeucz und unseren Baltikum-Experten Roland verabschieden. Alle gemeinsam flogen wir zurück nach Frankfurt am Main von wo wir uns in verschieden Teile Deutschlands verteilten.


Großen Dank gilt Roland für die hervorragende Reiseleitung! Es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht das Baltikum so zu entdecken. Danke an Tadeucz für die ruhige und angenehme Fahrweise, die uns stets sicher und schnell an unser Ziel gebracht hat.
Mir hat es wirklich sehr viel Freude bereitet diese Reise zu begleiten und ich hoffe sehr die Reisefreunde auf einer meiner nächsten Begleitungen wieder zusehen!

Bis bald – Praegu nägemist!
Eric

Bildergalerie zur Reise

Kommentare zum Reisebericht

Danke lieber Eric fuer den schoenen Bericht!
Gruesse aus der kalten Heimat.
Der Elch
(Roland S.)

Roland Sipavicius
08.08.2017

Danke Roland für die tolle Reiseleitung, es hat großen Spaß gemacht! Ich hoffe wir sehen uns bald auf der nächsten Tour! :)

Eric 19.08.2017

Vielen Dank für den gelungenen Bericht - Gott sei Dank ohne zahlreiche Geschichtszahlen. Wir konnten die ganze Reise, diesmal ganz gemütlich auf dem Sofa liegend, nochmals kostenlos Revue passieren lassen, was uns viel Freude bereitet hat. Jetzt wissen wir endlich, was Du unterwegs dauernd in Dein Smartphone getippt hast. Mach weiter so.

Otto-Erwin Ebert, der Mann mit dem Käppi und der US-Ehefrau

Ebert Otto-Erwin
12.08.2017

Wie könnte ich euch vergessen, lieber Otto-Erwin. Vielen Dank für den Kommentar - es freut mich sehr das er euch gefällt! Es war toll mit euch zu reisen, ich hoffe wir sehen uns bald wieder! Vielleicht ist ja etwas bei "meinen nächsten Reisen" für euch dabei.
Viele Grüße nach München und Umgebung!

Eric 19.08.2017

Hallo Eric,
der Bericht über deine Reise durch die 3 Länder des Baltikums ist insofern für mich interessant, weil meine Vorfahren aus Danzig stammen und sie mir viel über diese geschichtsträchtige Region erzählt haben. Deine anschaulichen Darstellungen des Gesehenen und Erlebten haben Erinnerungen wachgerufen und ich hatte das Gefühl, auf dieser Reise dabeigewesen zu sein. Die restaurierten Altstädte, die prachtvollen Schllösser u. Herrenhäuser - alles tauchte wieder vor mir auf. 2000 km mit dem Bus - eine lange Reise, gefüllt mit Juwelen der Moderne und der Tradition, wandeln auf den Spuren der alten Hanse und des Bernsteins, Gedenken an Heinrich Schliemann, Thomas Mann u. Richard Wagner u.v.m.
Eric, du hast diese Reise genossen - und ich deinen Bericht!
Wo bekommt man schon nach Ende der Reise ein gesamtes Tagebuch als
Erinnerungsgeschenk?

Eric - du hast's drauf!

Margret Hauser
13.08.2017

Hallo Margret, vielen Dank für dein Kompliment! ...Ich wusste gar nicht das du Vorfahren in Danzig hast. Toll das dir der Bericht gefällt!
Bis bald und sonnige Grüße in meine alte Heimat Hamburg! ;)

Eric 19.08.2017

Hallo Eric,
danke für diesen schönen ausführlichen Reisebericht mit Deinen tollen gelungenen Fotos.
Auf diesem Wege möchten wir nochmal danke sagen. Es war eine wunderschöne unvergessliche Reise. Sie war bestens organisiert, alles hat reibungslos geklappt.
Nochmal danke und die nächste Reise wird sicher wieder bei Eberhardt-Reisen gebucht.
Dir wünschen wir für die Zukunft alles Gute und noch viele schöne Reisen.
vieleicht trifft man sich ja mal wieder.
Grüße von Familie Hoffmann aus Arnstadt :-)

Gerlinde Hoffmann
17.08.2017

Vielen Dank Familie Hoffmann. Die Reise hat mir auch sehr viel Spaß gemacht, um so mehr freue ich mich das es euch auch gefallen hat! Hoffentlich bis bald - viele Grüße nach Arnstadt!

Eric 19.08.2017

Auch von uns herzlichen Dank. Wir haben sofort allen von der Reise vorgeschwärmt und bestimmt einigen Leuten Appetit gemacht. Wie zu erwarten war, hatte es sich so niemand dort im Baltikum vorgestellt.
Susanne und Sylvio Peklo

Susanne und Sylvio Peklo
30.08.2017
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