Reisebericht: Rundreise Kanada - Höhepunkte im Osten und Westen

01.06. – 20.06.2018, 20 Tage Rundreise von Ost nach West-Kanada: Montreal - Quebec - Ottawa - Toronto - Niagara - Calgary - Rocky Mountains - Whistler - Vancouver - mit Vancouver Island

20 Tage reisen wir durch das zweitgrößte Land der Erde und erleben zunächst viel Kultur und Geschichte im Osten und anschließend viel Natur im Westen. Sogar die Bären spielen mit und präsentieren sich uns sehr fotogen am Straßenrand.

1. Tag: Flug nach Montreal in Ost-Kanada


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Ab Dresden bzw. Frankfurt fliegen wir gemeinsam mit Air Canada in die zweitgrößte kanadische Stadt und zweitgrößte Stadt der Welt nach Paris, in der Französisch als Muttersprache gesprochen wird. Auch für unsere Stadtführerin Celine, die uns am Flughafen sehr charmant in Empfang nimmt, ist Französisch die Muttersprache, was sich an einem liebenswerten Akzent bemerkbar macht. Bevor wir im Hotel einchecken können, nutzen wir die Zeit, um uns vom Turm des Olympiastadions einen ersten Überblick über die große Stadt auf der Insel im Sankt-Lorenz-Strom zu verschaffen. Anschließend fahren wir noch auf die beiden Inseln Île Sainte-Hélène und Île Notre Dame. Heute bilden beide zusammen eine große Parkanlage. 1967 aber fand hier die Weltausstellung statt, wovon noch heute einige Pavillons und Bauten zeugen, darunter das Casino, die Biosphère und das Habitat 67. Auch die Formel-1-Rennstrecke befindet sich hier – und in einer Woche findet sogar der Große Preis von Kanada statt, weshalb auch schon fleißig aufgebaut wird! Da wir nach dem langen Anreisetag doch etwas müde sind, fahren wir nach einem kurzen Stopp am Dorchester Square zum Hotel und checken ein. Vor dem Abendessen bleibt noch etwas Zeit, uns mit Proviant zu versorgen oder auf eigene Faust spazieren zu gehen. Dann ist der erste (lange) Tag in Kanada vorbei, und wir fallen glücklich in die weichen Hotelbetten.

2. Tag: Stadtrundfahrt in Montreal – Reise nach Quebec City


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Am nächsten Morgen holt uns Celine wieder vom Hotel ab und wir setzen unsere Erkundungstour fort. Unser erstes Ziel ist die Kathedrale Notre Dame. Die römisch-katholische Basilika im neugotischen Stil wurde von einem protestantischen Architekten aus New York entworfen und ab 1824 erbaut. Kurz vor seinem Tod trat der Architekt zum katholischen Glauben über, damit er in der Krypta unter „seiner" Kirche begraben werden konnte. Auch unser nächster Halt ist an einer Kirche – an der anglikanischen Christ Church Cathedral, erbaut in den Jahren 1857 bis 1859. Wir gehen allerdings nicht hinein, sondern fahren mit der Rolltreppe unter die Kirche in die unterirdische Stadt. Zum Glück ist Celine dabei, denn hier in den Einkaufspassagen könnten wir uns wirklich verlaufen. Das Netzwerk von unterirdischen Passagen hilft den Einwohnern von Montréal im Winter, trotz vereister Straßen und sich stapelnder Schneemassen morgens zur Arbeit und abends wieder nach Hause zu gelangen. Wir wollen aber weder arbeiten noch shoppen, sondern uns die Sehenswürdigkeiten von Montréal anschauen, weshalb uns Celine noch bis zum Rathaus bringt, wo wir uns von ihr verabschieden. Die quirlige Altstadt zwischen Rathaus und ehemaligem Hafengelände können wir nun bei sehr schönem Wetter auf eigene Faust erkunden, bevor wir uns gegen Mittag wieder am Bus treffen. Bevor wir Montréal endgültig verlassen, habe ich meinen Gästen noch versprochen, dass wir auf den namensgebenden Hügel, Verzeihung: den königlichen Berg, hinauffahren. Dort befinden sich zwei sehr schöne Aussichtspunkte, die uns einen Blick Richtung Innenstadt und Hafen bzw. Richtung Olympiagelände eröffnen. Jetzt müssen wir aber wirklich aus der Stadt raus, denn bis Québec liegen einige Kilometer vorwärts, zumal ich gern die Panoramastrecke am Ufer des Sankt-Lorenz-Stroms nehmen möchte, der uns durch kleine Dörfchen mit hübschen Häuschen führt. An der Wallfahrtskirche Notre-Dame-du-Cap in Trois-Rivières legen wir einen Zwischenstopp ein. An diesem Ort sollen sich zwei Wunder ereignet haben – zuerst soll sich eine Brücke aus Eis über den Sankt-Lorenz-Strom geformt und später dann soll die Marienstatue in der alten Kirche (eine der ältesten Steinkirchen Nordamerikas) vor drei Zeugen ihre Augen geöffnet haben. Architektonisch interessant ist die moderne Basilika auf jeden Fall – es findet sogar gerade ein Gottesdienst statt – doch bzgl. der Wunder bin ich sehr skeptisch. Am Abend erreichen wir dann Québec City, und spätestens als wir vor dem Abendessen durch die gerade sehr ruhige untere Altstadt wandeln und über uns das von der Abendsonne angestrahlte Château Frontenac erblicken, ist es um uns geschehen.

3. Tag: Stadtrundfahrt in Quebec City – Montmorency-Wasserfälle – Sugar-Shack-Abend


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Am nächsten Morgen erkunden wir die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz dann zusammen mit unserer Stadtführerin Silke. Gemeinsam besichtigen wir zunächst die obere Altstadt mit den Plains of Abraham, auf dem die schicksalhafte Schlacht zwischen Engländern und Franzosen stattfand, dem Parlamentsgebäude und dem Château und dann zu Fuß die untere Altstadt. In den pittoresken Gassen fühlen wir uns schnell in das mittelalterliche Europa zurückversetzt. Bis zum Mittag haben meine Gäste noch einmal etwas Freizeit, aber jetzt herrscht schon etwas mehr Gewimmel in den Gassen, als am gestrigen Abend. Den Nachmittag verbringen wir dann östlich der Stadt am Sankt-Lorenz-Strom. Unser erstes Ziel ist dabei der Canyon Sainte-Anne. Wir spazieren gemütlich über drei Brücken entlang hinunter in die Schlucht und wieder hinauf und bewundern dabei den herrlichen Wasserfall inmitten dieser unbeschreiblich schönen Natur. Zweiter Zwischenstopp ist das Sanctuaire de Sainte-Anne-de-Beaupré, die wichtigste Wallfahrtskirche Nordamerikas. Die 91 m hohe und 105 m lange katholische Basilika im neugotischen Stil wurde 1926 fertiggestellt. Von den zahlreichen Wunderheilungen, die sich hier ereignet haben sollen, zeugen die vielen Geh- und Krückstöcke im Eingangsbereich des Hauptschiffs. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass wir auch heute wieder tolles Wetter haben? Ideale Voraussetzungen also für die Besichtigung des Montmorency-Wasserfalls. Mit 84 m ist er sogar 30 m höher als die Niagarafälle! Wir halten zuerst am Besucherzentrum unterhalb des Wasserfalls für einen Fotostopp, bevor wir dann hinauffahren und den Wasserfall und seine unmittelbare Umgebung zu Fuß erkunden. Anschließend fahren wir gleich weiter zum Restaurant „Erabliere Du Lac-Beauport" etwas außerhalb, wo unser Abendessen auf uns wartet. Zunächst wird uns hier die Herstellung des berühmten Ahornsirups erklärt, die die europäischen Siedler von den First Nations erlernt haben. Ein mühevoller Prozess! Heute geht natürlich dank der Industrialisierung alles viel einfacher. Dann werden wir bei Live-Musik mit traditionellen Québecer Speisen bewirtet. Doch so viel, wie auf dem Tisch steht (und es wird immer nachgefüllt) können wir gar nicht essen! Gemeinsam mit einer französischen Reisegruppe werden wir zum Mitsingen und -tanzen aufgefordert und tragen so trotz Sprachbarriere unseren Teil zur Völkerverständigung bei. Ich tanze sogar diesmal auch mit, was ich mich vorher noch nie getraut habe! Bevor wir in unser Hotel zurückkehren, können wir noch von uns selbst hergestelltes Ahorn-Toffee probieren.

4. Tag: Omega-Wildlife-Park – Reise nach Ottawa – Stadtrundfahrt in Ottawa


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Bis in die kanadische Hauptstadt Ottawa sind es mehr als 400 Kilometer, weshalb wir heute schon um 8:00 Uhr starten. Immerhin erwartet uns nach dem größten Teil der Strecke zur Belohnung ein Mittagessen vom Buffet im Château Montebello. Nicht nur die Außenfassade des 1930 im kanadischen Blockhüttenstil in Rekordzeit erbauten Hotels ist sehr sehenswert, auch der riesige Empfangsraum mit seinem Kamin beeindruckt uns. Nach dem Mittagessen fahren wir dann zum Parc Omega, einem privat betriebenen Wildpark, und steigen in einen umgebauten Schulbus um. Hier können wir die Fenster öffnen, die Tiere mit Karotten füttern und ungehindert Fotos knipsen. Im Park gibt es Hirsche, Elche, Bisons, Wildschweine, Kojoten, Rentiere, Moschusochsen, Polarfüchse, Polarwölfe und ganz zum Schluss auch Bären zu sehen. Mein Highlight bei diesem Besuch sind jedoch die schwarzen Wölfe mit ihren Jungtieren. Leider lässt uns ausgerechnet jetzt zum ersten Mal auf dieser Reise das Wetter im Stich. Wir sehen natürlich viele Tiere, aber auch sie suchen vor dem Regen Schutz und kommen uns daher nicht so nahe wie wir das gerne hätten. Dennoch wollen wir es ihnen nicht verübeln. Auf dem Weg nach Ottawa bessert sich das Wetter wieder und wir können am späten Nachmittag wie geplant mit unserer Stadtführerin Stephanie die kanadische Hauptstadt erkunden. Sie fährt mit uns zunächst zur hiesigen Kathedrale Notre-Dame, die ebenfalls sehr hübsch ist, wenn auch natürlich nicht so beeindruckend wie ihre Namensvetterin in Montréal. Dann erkunden wir ein bisschen das Botschaftsviertel, in dem auch die Generalgouverneurin, die Vertreterin der Königin, und auch der Premierminister ihren Wohnsitz haben. Am Ottawa River machen wir einen Fotostopp, ebenso am Canadian Museum of History in Gatineau, auf der anderen Seite des Ottawa River (und damit in der Provinz Quebec). Letzter Stopp unserer Tour ist natürlich das beeindruckende Parlamentsgebäude selbst mit seinem 92 m hohen Friedensturm, errichtet im neogotischen Stil nach einem verheerenden Brand, der das vorherige Gebäude zerstörte und den nur die Bibliothek überstand. Vor dem Parlament sehen wir auch ein paar „Mounties" – allerdings nur in ihrer „normalen" Polizeiuniform, denn die berühmte rote Paradeuniform tragen sie nur zu speziellen Anlässen. Als wir im Hotel ankommen, liegt wieder ein Tag voller neuer Eindrücke und schöner Erinnerungen hinter uns.

5. Tag: Nationalmuseum in Ottawa – 1.000 Inseln – Weiterfahrt nach Toronto


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Das Canadian Museum of History geht in seinen Anfängen zurück bis vor die Gründung des Dominion of Canada 1867. Seit 1989 befindet es sich am jetzigen Standort in Gatineau am Ottawa-Fluss. Schon das Museumsgebäude selbst ist sehr beeindruckend, denn der Architekt Douglas Cardinal griff in seinem Entwurf viele Elemente indigener Kulturen auf. Auf mehreren Etagen wird sehr anschaulich die Geschichte der First Nations und die Geschichte der Kolonisierung Kanadas erzählt, zuerst unter französischer, dann unter britischer Herrschaft. Im Foyer treffen wir unsere Stadtführerin Stephanie wieder, die schon mit der nächsten Reisegruppe unterwegs ist. Wir könnten bestimmt einen ganzen Tag im Museum verbringen und hätten immer noch nicht alles gesehen. Doch wir möchten heute auch noch eine Bootsfahrt zu den 1.000 Inseln unternehmen. Deshalb fahren wir wieder nach Süden an den Sankt-Lorenz-Strom. Nach einem gemeinsamen Mittagessen in Rockport geht es auch schon auf das Schiff. Bei unserer Fahrt überqueren wir auch die kanadisch-amerikanische Grenze, die hier mitten durch den Sankt-Lorenz-Strom verläuft. Insgesamt gibt es hier übrigens nicht nur 1.000, sondern 1.864 Inseln! Allerdings bilden nur 21 davon den Thousand-Islands-Nationalpark, den kleinsten Nationalpark Kanadas. Für die Superreichen sind die vielen Inseln offenbar ein beliebter Rückzugsort, denn sie sind gesprenkelt mit kleinen und großen Häusern und Villen. Mit dem Boldt Castle gibt es sogar ein standesgemäßes Schloss zu besichtigen. Mir ist jedoch vor allem die Schwiegermutter-Insel im Gedächtnis geblieben – sie ist so klein, dass gerade mal eine kleine Hütte und ein Baum darauf passen.
Nicht weit von Rockport entfernt liegt Kingston. Hier am Hafen machen wir einen kleine Pause. Auch Kingston war von 1841–44 einmal Hauptstadt und zwar der vereinigten britischen Kolonien Upper und Lower Canada. Sehenswert sind hier das Rathaus und das Prince George Hotel, in dem es angeblich spuken soll. Am Abend erreichen wir (endlich) meine alte Heimat Toronto und checken im größten Hotel Kanadas ein, dem Chelsea Hotel. Mit ihren vielen glasverkleideten Hochhäusern wirkt die Innenstadt der größten kanadischen Metropole natürlich ganz anders auf uns, als z. B. Das europäisch-verspielte Québec.

6. Tag: Stadtrundfahrt in Toronto


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Am heutigen Vormittag möchte ich meine Gäste davon überzeugen, dass Toronto aber viel mehr zu bieten hat, als nur die Bürotürme der Banken. Wir starten gleich am Nathan Phillips Square unweit des Hotels, an dem sich beide Rathäuser, sowohl das alte (heute ein Gerichtsgebäude) als auch das neue, befinden. Letzteres hat sich dank seiner markanten Architektur zu einem Wahrzeichen der Stadt entwickelt. Seine Form – runder Plenarsaal flankiert von zwei halbkreisförmigen Türmen – hat dem Bauwerk den abfälligen Spitznamen „Auge der Regierung" eingebracht. Durch Chinatown und das Stadtviertel Kensington Market mit seinen charakteristischen viktorianischen Häusern fahren wir weiter ins Viertel der University of Toronto. Die Straßen sind sehr belebt und viele Studenten sind unterwegs. Die Sammlung des Royal Ontario Museum beherbergt mehr als sechs Millionen Exponate. Es wurde 2006/2007 nach Entwürfen des bekannten Architekten Daniel Libeskind erweitert, der später auch am Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden arbeitete. Das Gelände, auf dem sich heute das Parlament von Ontario befindet, gehört ebenfalls der Universität. Diese hat es aber für den symbolischen Preis von einem Dollar pro Jahr für 999 Jahre an die Regierung verpachtet. So konnte auf dem Grundstück das neuromanische Parlamentsgebäude aus rötlichem Sandstein errichtet werden. Ich freue mich, dass meinen Gästen der Distillery District sehr gut gefällt, bei dem wir eine längere Pause machen. Der alten Whiskyfabrik drohte bereits der Abriss, doch konnte sie gerettet und in ein ganz besonderes Viertel mit vielen kleinen Cafés, Boutiquen und sogar einem Theater umgewandelt werden. In der Vorweihnachtszeit gibt es auf dem Gelände jedes Jahr einen deutschen Weihnachtsmarkt. Ich habe außerdem den Eindruck, dass sich meine Gäste gern durch den ganzen St. Lawrence Market durchschlemmen möchten, unseren nächsten Stopp, den hier gibt es ganz vielen Spezialitäten und Leckereien. Dann parken wir den Bus unterhalb des CN Towers und gehen ein Stück zur Harbour Front spazieren. Kaum zu glauben, dass dies alles noch vor wenigen Jahrzehnten Industriegelände war. Heute reiht sich ein Hochhaus mit Wohnungen an das andere, und an allen Ecken wird weiter gebaut. Ich führe meine Gäste zu einer Stelle, von der aus sie den CN Tower und das Baseballstadion sehr schön fotografieren können, und dann fahren wir alle hinauf auf das wichtigste Wahrzeichen der Stadt Toronto. Der 553 Meter hohe Turm, der als eines der sieben Weltwunder der Moderne gilt, sollte nach ersten Entwürfen ausschließlich als Sendeturm dienen; Besucher waren nicht vorgesehen. Ganz mutig stellen wir uns sogar auf den Glasboden und blicke hinab in die Tiefe. Wieder unten beende ich unsere Stadtrundfahrt – für den restlichen Nachmittag steht Freizeit im Programm. Für den Abend empfehle ich meinen Gästen den Besuch der Kunstgalerie, denn Mittwoch Abend ist der Eintritt immer kostenlos.

7. Tag: Niagara-Fälle mit Bootsfahrt


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Nach zwei Nächten in Toronto heißt es schon wieder Abschied nehmen – ach, es gäbe noch so viel zu sehen und zu zeigen! Aber ich gebe natürlich gern zu, dass die Region um die Niagara-Fälle wirklich sehr schön und auf jeden Fall einen Ausflug wert ist, besonders heute, denn die Sonne ist wieder zurück und bleibt uns auch den ganzen Tag erhalten. Das kleine Örtchen Niagara-on-the-Lake ist heute vor allem ein Ausflugsort für Touristen und Zentrum des Weinanbaus, war aber kurzzeitig in der Vergangenheit Hauptstadt der britischen Provinz Upper Canada. Der Ort erinnert mit seiner Architektur und den Pferdekutschen ein bisschen an ein Freilichtmuseum und lädt zum Flanieren ein. Auch soll man in Niagara-on-the-Lake das beste Eis in Kanada bekommen – da muss natürlich ein Test erfolgen, schließlich muss ich als Reiseleiter meine Gäste immer gut beraten können. Nach Fotostopps an der Blumenuhr und am „Whirlpool" erreichen wir schließlich unser heutiges Ziel: die Niagara Falls in der gleichnamigen Stadt an der kanadisch-amerikanischen Grenze. Wir schnappen uns auch gleich ein rotes Regencape und gehen an Bord eines Ausflugsbootes, dass uns ganz dicht an die Wasserfälle heranbringt, was aber auch bedeutet, dass wir ganz viel Wasser abbekommen (es sei denn, man versteckt sich ganz still und heimlich hinter einer Glasscheibe). Der Niagara River stürzt sich jedenfalls an dieser Stelle verteilt auf drei Wasserfälle 57 m in die Tiefe: die American Falls, die Bridal Veil Falls (beide auf amerikanischer Seite) und die Horseshoe Falls, durch den die Grenze verläuft. Allerdings dienen die Wasserfälle auch der Stromerzeugung, weshalb der Wasserdurchfluss heutzutage reguliert wird. Dies hat auch den positiven Effekt, dass die Erosion, durch die die markante Hufeisenform ja erst entstanden ist, deutlich abgeschwächt wird, weshalb sich die Wasserfälle nicht mehr so schnell flussaufwärts „fressen". Vom Skylon Tower haben wir am Abend nicht nur eine tolle Aussicht auf die Wasserfälle, sondern bekommen auch ein schmackhaftes Abendessen vom Buffet.

8. Tag: Flug von Toronto nach Calgary – Stadtrundfahrt in Calgary – Banff


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Heute geht es ganz zeitig los, denn wir fliegen in den Westen! Das Frühstück nehmen wir in einem typischen Diner ein, dann geht es weiter zum internationalen Flughafen von Toronto. Er wurde nach dem ehemaligen Premierminister Lester B. Pearson benannt, der für seinen Beitrag zur Beilegung der Suez-Krise 1957 den Friedensnobelpreis erhielt. In Calgary werden wir von Al empfangen, der uns durch den Westen bis nach Vancouver führen wird. Doch zuerst zeigt er uns nach einer kurzen Mittagspause (denn wir sind sehr ausgehungert) seine Heimatstadt Calgary, in die er vor langer Zeit aus Deutschland ausgewandert ist. Im Glanz der Olympischen Spiele 1988 sonnt sich Calgary noch immer, wie wir am Olympic Plaza und später am Canada Olympic Park erleben können. Die berühmte Calgary Stampede, die größte Rodeoshow der Welt, verpassen wir um einen Monat, denn sie findet immer im Juli statt. Dann werden wieder mehr als 1,5 Mio. Besucher erwartet, womit sich die Einwohnerzahl von Calgary mehr als verdoppelt. Auf dem Highway 1 fahren wir dann am Nachmittag bei um die 30 Grad und wieder viel Sonne mit dem Bus nach Westen, bis sich plötzlich die ersten Ausläufer der Rocky Mountains vor uns auftürmen. Das kleine Örtchen dient als Basis für Wintersportler und Touristen wie uns, die die Berge erkunden wollen. Zwei Fotostopps, der erste an den Bow Falls, der zweite mit Blick auf das majestätische Fairmont Banff Springs Hotel lassen uns erahnen, warum die kleine Stadt schon seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Zielen in Kanada gehört. Für zwei Nächte ist sie nun auch unser Zuhause.

9. Tag: Rocky Mountains – Banff- und Yoho-Nationalpark


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Heute erkunden wir zwei Nationalparks in den Rocky Mountains – den Banff-Nationalpark in in der Provinz Alberta und den Yoho-Nationalpark in der Provinz British Columbia. Der Moraine Lake in der Nachbarschaft des berühmten Lake Louise steht eigentlich nicht auf dem Programm, ist aber mindestens ebenso sehenswert. Leider regnet es heute Vormittag, sodass wir die schöne Färbung und die umliegenden Berggipfel nur erahnen können. Doch das Wetter verleiht der Umgebung auch etwas geheimnisvolles und man kann sich wirklich vorstellen, dass irgendwo dort oben ein Bär oder ein Indianer auf uns herabschaut. Im Lake Louise Village kaufen wir uns etwas zu essen für unser später geplantes Picknick, dann fahren wir nach British Columbia und stoppen an den Spiral Tunnels. Die beiden Kehrtunnel senkten das Maximalgefälle der Eisenbahnstrecke von 4,5 auf 2,2 % und galten bei ihrer Eröffnung 1909 als technische Meisterleistung. Der Emerald Lake im Yoho-Nationalpark liegt herrlich umrahmt von den Bergen und bietet mit der auf einer Insel gelegenen Lodge ein wunderschönes Fotomotiv. Hier am See machen wir auch unsere Mittagspause. Auf der Rückfahrt halten wir an der Natural Bridge, einer natürlichen Steinbrücke, und fahren dann wieder zurück nach Alberta zum Johnston Canyon. Das Wetter hat sich inzwischen deutlich gebessert, die Sonne scheint wieder, sodass einer schönen kleinen Wanderung nichts im Wege steht. Mein Eberhardt-Reisebär hat sogar eine Begegnung mit einem neugierigen Streifenhörnchen. Bei einem weiteren Fotostopp kurz vor Banff sehen wir dann sogar Murmeltiere! Den späten Nachmittag/Abend in Banff können wir heute für eigene Erkundungen nutzen.

10. Tag: Lake Louise – Columbia-Eisfeld – Jasper-Nationalpark


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Als wir am Morgen Banff verlassen, ahnen wir noch nicht, dass wettertechnisch einer der verrücktesten Tage vor uns liegt. Ähnlich wie am Moraine Lake tags zuvor verstecken sich die Berge um den Lake Louise heute wieder hinter Regenwolken. Benannt ist das wohl berühmteste Ausflugsziel in den kanadischen Rocky Mountains nach einer Tochter der Königin Victoria. Auch hier gibt es ein großes Schlosshotel, und als wir kurz durch die unteren Hallen wandeln, könnten wir schon ein bisschen neidisch werden auf die Schönen und Reichen. Gern möchte ich einmal eine Reise quer durch Kanada leiten, in der meine Gruppe ausschließlich in den Fairmont-Hotels übernachtet. Andererseits: ob ich dann auch so nette und pflegeleichte Gäste hätte? Jetzt wartet aber erstmal der 230 Kilometer lange Icefields Parkway auf uns, der als eine der schönsten Panoramastraßen der Welt gilt. Womit wir aber alle nicht gerechnet haben: mit Schneefall Mitte Juni! Wir haben doch keinen Winterurlaub gebucht? Und in Calgary waren es noch 30 Grad! Das glaubt uns doch zuhause niemand! Da stehen wir nun also zuerst am Bow Lake und dann am Peyto Lake und können einen Schneemann bauen. Doch es soll noch verrückter kommen. Alle Gäste haben die Fahrt mit dem Schneebus auf den Athabasca-Gletscher gebucht, die am Nachmittag, nach der Mittagspause im kleinen Örtchen Sasketchewan River Crossing, ansteht. Die Tour findet auch statt, denn den Bus mit seinen mannshohen Reifen hält so schnell nichts auf. Doch oben angekommen sehen wir – nichts. Und mit „nichts" meine ich: es gibt keine Grenze zwischen Himmel und Gletscher bzw. Schnee, alles ist weiß, man muss die Augen zusammenkneifen, um nicht geblendet zu werden; würden nicht ein paar Mitarbeiter mit roten Jacken herumstehen, könnten wir leicht die Orientierung verlieren. Obwohl wir uns das so sicher nicht vorgestellt haben – eine einmalige Erfahrung ist es dennoch, die uns die Ohnmacht des einzelnen Menschen angesichts der Macht der Natur vor Augen führt. So fahren wir also etwas nachdenklich weiter Richtung Norden durch den Jasper-Nationalpark, den wir inzwischen erreicht haben, bis zur Sunwapta Falls Lodge, wo wir sehr herzlich mit einem Glas Sekt empfangen werden und auch ein sehr gutes Abendessen erhalten. Außerdem werden wir noch darauf hingewiesen, vorsichtig zu sein, denn es wurde erst gestern ein Bär an einem der Bungalows gesehen!

11. Tag: Jasper-Nationalpark – Maligne Lake


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Das Wetter hat sich etwas gebessert und heute sollen uns weder Schnee noch Regen plagen. Wir sehen sogar auf der Fahrt nach Jasper die Berge rechts und links der Straße. Aber es kommt noch viel besser – wir sehen sogar einen Schwarzbären auf Nahrungssuche am Straßenrand, und können anhalten und aus dem Bus heraus Fotos machen! Das stimmt uns doch gleich wieder fröhlicher, und als wir beim nächsten Fotostopp einen „Arbeitskreis" bilden und mit kanadischem Whisky mit Ahornsirup auf unser Bergfest anstoßen, ist der Schneesturm von gestern schon fast wieder vergessen. Zumal uns mit dem Maligne Canyon und dem Maligne Lake heute zwei sehr schöne Ausflugsziele erwarten. Der Maligne River hat sich im Laufe der Zeit in den Fels hineingeschnitten und einen sehr schönen Canyon mit tiefen Schluchten geschaffen, an dem wir einen Spaziergang unternehmen. Nach einem Fotostopp am Medicine Lake erreichen wir schließlich den Maligne Lake, einen Gletschersee, der nie wärmer wird als 4 Grad! Am Ende des durchschnittlich 100 m tiefen Sees liegt eines der am meisten fotografierten Motive der Rocky Mountains, die geheimnisvolle Spirit Island. Alle haben die Bootsfahrt dorthin gebucht, also alle an Bord! Es ist auch wirklich eine sehr schöne Kulisse rund um die „Insel", die eigentlich eine Halbinsel ist. Der Ort ist den First Nations heilig und angeblich geht hier der Geist eines Ureinwohners um, der auf die Rückkehr seiner Liebsten wartet. Wir haben etwas Zeit für Fotos, dann geht es mit dem Boot wieder zurück. Am Nachmittag fahren wir in den Ort Jasper hinein, wo wir Gelegenheit für ein Abendessen und zum Einkaufen haben, bevor wir uns auf den Rückweg zur Sunwapta Falls Lodge machen. Das Städtchen ist nicht ganz so touristisch wie Banff und geht wie viele kanadische Ort im Westen auf einen Handelsposten der Hudson's Bay Company zurück. Gerade als wir im Ort sind, fährt auch der Personenzug „The Canadian" mit seinen vielen silbernen Schlafwagons in den Bahnhof ein, der Toronto mit Vancouver verbindet. Das Wetter ist auch wieder viel besser, sodass wir sogar die Seilbahnstation oben auf dem Whistlers Mountain sehen können.

12. Tag: Wells Gray Provincial Park – Clearwater


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Noch einmal fahren wir das Teilstück der Panoramastraße bis nach Jasper, sodass wir zumindest auf diesem Abschnitt die Berge gut gesehen haben. Dann überqueren wir zum zweiten Mal und diesmal endgültig die Grenze nach British Columbia, und diesmal stellen wir auch unsere Uhren um eine weitere Stunde zurück. Wieder sehen wir Bären – zuerst einen jungen Grizzly, dann zwei kleine Schwarzbären hoch oben auf einem Baum, die dort Schutz vor einem ausgewachsenen, schlecht gelaunten Grizzly-Männchen gesucht haben, wie wir später erfahren. Auch an einem Hirsch fahren wir vorbei. Damit ist das Soll an wilden Tieren auf dieser Reise nun aber wirklich übererfüllt! In dieser Hinsicht haben wir auf dieser Reise wirklich großes Glück. Am Fuße des Mount Robson, des mit 3.954 m höchsten Berges in den Kanadischen Rocky Mountains, machen wir eine Pause am Besucherzentrum. Hier kann ich dann nicht mehr widerstehen und kaufe mir nach intensiver Beratung durch meine Gäste ein flauschiges kanadisches Holzfällerhemd. Pünktlich zur Mittagspause erreichen wir Clearwater. Rund um das Besucherzentrum gibt es einige (auch sehr günstige) Cafés und Restaurants, sodass wir uns für den Nachmittag stärken können. Den verbringen wir nämlich im Wells Gray Provincial Park mit der Besichtigung dreier jeweils sehr unterschiedlicher, aber sehr schöner Wasserfälle. Die Dawson Falls werden auch die kleinen Niagara-Fälle genannt und stürzen auf einer Breite von 90 Metern bis zu 15 m in die Tiefe. An den Helmcken Falls fällt der Murtle River dann weitere 141 m nach unten. Der spektakuläre, nach dem deutschstämmigen britischen Arzt John Sebastian Helmcken benannte Wasserfall ist der vierthöchste in Kanada. Auch der Spahat-Wasserfall ist sehr schön, denn er kommt aus einer schmalen Felsspalte herausgeschossen. Von hier aus können wir auch hinunter ins Tal des Clearwater River blicken. Zum Abendessen sind wir heute auf die Wells Gray Ranch eingeladen, wo uns der Nachtisch von zwei reizenden „Damen" mit großen Argumenten serviert wird.

13. Tag: Weiterreise nach Whistler


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Leider können wir heute nicht zur Hat Creek Ranch fahren, da die einzige Zufahrtsstraße aufgrund eines Erdrutsches für Busse und LKWs gesperrt ist. Gleichzeitig bedeutet dies für uns, dass wir einen gewaltigen Umweg vor uns haben, um zu unserem nächsten Hotel in Whistler zu kommen. Zu allem Überfluss sagt der Wetterbericht für heute viel Regen voraus. Damit wir unterwegs nicht verhungern, erhalten wir jeder vom Hotel ein riesengroßes Lunchpaket mit auf den Weg. Bei einem Zwischenstopp in Merritt entdecken wir ein kleines Museum, in dem das Leben der Kanadier um das Jahr 1900 konserviert ist. Wir finden hier auch für uns noch bekannte Objekte, z. B. eine Springer-Schreibmaschine, die uns an das Leben unserer Eltern oder Großeltern erinnern. Ein bisschen weiter im Örtchen Hope (Hoffnung) machen wir dann unser Picknick. Obwohl es unterwegs immer mal sonnige Abschnitte gab, holt uns hier leider der Regen wieder ein. Trotzdem geben wir die Hoffnung auf besseres Wetter nicht auf. Und tatsächlich: nachdem wir die nördlichen Außenbezirke Vancouvers hinter uns gelassen und die Westküste erreicht haben, hört der Regen endgültig auf – die Sonne bleibt uns dann auch für den Rest der Reise erhalten. Gestern haben wir zwar schon drei Wasserfälle gesehen, trotzdem sind wir von unserem Halt an den Shannon Falls sehr angetan. Es sieht doch irgendwie jeder Wasserfall anders und einmalig aus. Als kleinen Vorgeschmack auf Vancouver Island gebe ich jedem einen Nanaimo Bar aus. Am Abend erreichen wir dann Whistler, ungefähr 115 km nordöstlich von Vancouver. Hier wurden während der Olympischen Winterspiele 2010 die alpinen Skiwettbewerbe ausgetragen. Auch sonst ist Whistler ein ausgesprochener Touristen- und Wintersportort – mit gerade einmal rund 10.000 Einwohnern. Die kleine Fußgängerzone wollen die meisten auf eigene Faust erkunden, und so richtig großen Hunger hat auch niemand; fast alle haben noch etwas übrig von ihrem Lunchpaket.

14. Tag: Vancouver Island – MacMillan Provincial Park – Pacific Rim National Park


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Es geht also heute auf dem Sea-to-Sky-Highway wieder ein Stück zurück Richtung Vancouver. An der Horseshoe Bay befindet sich der Hafen für die Fähren nach Nanaimo auf Vancouver Island. Die Überfahrt ist sehr ruhig und schön; wir halten oben an Deck Ausschau nach Delfinen und Walen. Hinter uns verblassen die Berge des Küstengebirges am Horizont, vor uns tauchen irgendwann die Wälder Vancouver Islands auf. Über 450 km ist die Insel lang und bis zu 100 km breit. In Nanaimo angekommen, machen wir uns auch gleich Richtung Westen auf, denn wir müssen die Insel noch komplett durchqueren. In Coombs machen wir Mittagspause an einem etwas merkwürdigen Ort mit vielen Statuen und einem Markt mit Ziegen auf dem Dach. Doch es gibt für jeden etwas zu essen und sogar leckeres Eis. Dann haben wir es nicht mehr weit bis zum MacMillan Provincial Park, auch unter dem Namen Cathedral Grove bekannt. Mehrere kurze Wanderwege führen hier durch einen Hain mit uralten Douglasien. Über 800 Jahre sollen einige der Baumriesen hier sein, der höchste von ihnen fast 90 m hoch. Wenn diese Bäume sprechen könnten... An verschiedenen Seen führt uns die Fahrt dann vorbei, darunter am Kennedy Lake, dem größten See der Insel. Die Straße wird zunehmend schlechter, besonders der letzte Abschnitt vor der Westküste hat es in sich, aber unser Busfahrer meistert ihn mit Bravour. Dafür hat er sich am Besucherzentrum des Pacific Rim National Parks auch eine Pause verdient. Nun ist es nicht mehr weit bis zu unserem Hotel in Tofino. Das Abendessen, das dort auf uns wartet, ist auch wirklich köstlich; gern möchten wir den Koch für die restlichen Tage mitnehmen. Reichhaltig ist es auch, weshalb ich einen Verdauungsspaziergang zum Chesterman Beach unweit des Hotels vorschlage, dem sich auch fast alle anschließen. So bekommen wir dann nach den langen Busfahrten der letzten Tage auch wieder etwas Bewegung.

15. Tag: Tofino – Pacific-Rim-Nationalpark



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Der heutige Tag soll unser aller Entspannung dienen – ein bisschen Ruhe und Entschleunigung nach den langen Busfahrten an den Tagen zuvor, ein bisschen Erholung am Strand. Zumal wir diesmal großes Glück haben mit dem Wetter – wir sind mitten im Regenwald und es fällt den ganzen Tag kein einziger Tropfen; stattdessen blauer Himmel und Sonne vom Morgen bis zum Abend. Geplant sind für heute ein Spaziergang durch den Regenwald auf einem Naturlehrpfad, ein Aufenthalt am Wickaninnish Beach und Freizeit in Tofino. Wir beginnen mit letzterem, denn einige Gäste hatten zuvor nach einer Whale Watching Tour gefragt, und hier in Tofino besteht dafür die einzige Gelegenheit auf der ganzen Reise. Während also fünf Gäste aufbrechen, um in einem kleinen Boot die seltenen Grauwale zu finden, kann der Rest der Gruppe entweder auf eigene Faust Tofino erkunden, Vorräte für die nächsten Tage kaufen, nach ein paar Souvenirs jagen, oder mit mir zum Tonquin Beach laufen. Der kleine, aber sehr schöne Strand ist nach einem amerikanischen Handelsschiff benannt, das 1811 nach einer Explosion gesunken ist. Das Wrack wurde vom Sand verschluckt und bis heute nicht gefunden, mit Ausnahme des Ankers. Hobbyschatzsucher geben die Hoffnung auf einen reichen Fund jedoch nicht auf. Wir finden zwar keinen Schatz, aber dafür viele Seesterne, die sich an einen Felsen krallen und auf die Flut warten. Als sie dann kommt (plötzlich ist besagter Felsen wieder rundum vom Wasser umspült), treten wir langsam den Rückweg durch den Regenwald an. Als kleine Entschädigung für den ausgefallenen Stopp an der Hat Creek Ranch hat uns unsere örtliche Partneragentur ein zusätzliches Mittagessen organisiert. Wir fahren also nach Ucluelet und bekommen dort alle eine große Portion Fish & Chips. Frisch gestärkt rollen wir nun sozusagen den Pazifik Rim National Park von hinten auf und besichtigen zuerst den Wickaninnish Beach. Hier am Kwisitis Visitor Centre beginnt der mit Abstand längste Strand auf Vancouver Island, der sich über eine Länge von mehr als 16 km erstreckt und mit ganz viel Strandgut (Holz) übersät ist. Nun wird es Zeit für unsere Wanderung durch den Regenwald. Dieser schöne Küstenregenwald mit der Sitka-Fichte als dominierender Baumart zählt zu den artenreichsten Ökosystemen der gemäßigten Klimazone. Es soll auch hier Schwarzbären geben, und wir hören viele Vögel und unheimliche Geräusche. Wie viele Augen uns wohl heimlich aus dem Dickicht des Waldes (zurück)beobachten? Nach einem weiteren Aufenthalt am anderen Ende des langen Strandes, der hier auch den Namen „Long Beach" trägt, fahren wir ins Hotel zurück. Für den Abend empfehle ich meinen Gästen, sich am Mackenzie Beach, der sich ebenfalls in Laufnähe des Hotels befindet, den Sonnenuntergang anzuschauen. Das machen auch fast alle, entweder mit mir oder individuell, wodurch dieser schöne Tag auf Vancouver Island würdig abgerundet wird.

16. Tag: Zurück an die Ostküste – Chemainus – Victoria



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Leider müssen wir mein kleines Paradies hier an der Westküste von Vancouver Island heute wieder verlassen. Ein kleines Häuschen mit Blick auf das Meer... ein schöner Traum. Es geht also wieder bis nach Coombs, wo wir wieder unsere Mittagspause einlegen, und dann weiter auf dem Transcanada Highway Richtung Süden. In Chemainus, an der Ostküste, machen wir einen weiteren Halt. Der Ort lebt traditionell von der Holzindustrie. Als sich diese gerade in einer Krise befand, versuchte die Gemeindeverwaltung, auch das touristische Potenzial zu erschließen, und ließ 39 Wandmalereien in Auftrag geben, die aus der Geschichte des Ortes erzählen. Am späten Nachmittag erreichen wir Victoria, die Hauptstadt der Provinz British Columbia. Mit ungefähr 90.000 Einwohnern (370.000 in der Metropolregion) handelt es sich um eine verhältnismäßig kleine Stadt. Die meisten Sehenswürdigkeiten befinden sich am Inner Harbour. Mit Abstand die wichtigste Attraktion ist natürlich das Parlamentsgebäude aus dem Jahr 1898, gefolgt vom Fairmont Hotel. Bekannt ist Victoria auch für die vielen winzigen Fähren, die als Wassertaxis Personen über die Bucht befördern. Unser Hotel in Victoria liegt nicht weit vom Hafen entfernt und wartet mit riesigen Zimmern auf. Auf dem Weg zum Abendessen stolpern wir in eine Schulabschlussfeier hinein und bewundern die sehr schönen Ballkleider. Das Essen selbst findet im Panoramarestaurant Vista 18 statt, von wo aus wir einen tollen Blick über den Hafen und die Innenstadt haben.

17. Tag: Butchart-Gardens – Vancouver



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Da wir es am gestrigen Abend aus Zeitgründen nicht mehr geschafft haben, holen wir heute morgen zuerst den Fotostopp am Ausgangs- bzw. Endpunkt des Transcanada Highway (Mile 0) nach. Für meine Gäste scheint allerdings die Aussicht über die Juan-de-Fuca-Straße auf die Olympic Mountains im Norden des US-Bundesstaates Washington interessanter zu sein. Bevor wir dann mit der Fähre wieder zurück aufs Festland fahren, besichtigen wir die Butchart Gardens. Sie gehen zurück auf das Jahr 1904, als Jennie Butchart damit begann, den aufgelassenen Steinbruch ihres Mannes zu verschönern. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit eine heute 22 Hektar große Anlage, die sich noch immer im Privatbesitz befindet. Nach der Begrüßung durch eine Mitarbeiterin können wir die Gärten auf eigene Faust erkunden. In einem der Gartenrestaurants erhalten wir dann alle ein reichhaltiges Mittagessen, bevor es zur Fähre geht. Vor allem der erste Teil der Überfahrt ist sehr schön, denn er führt an vielen Buchten und Inseln vorbei. Am Nachmittag erreichen wir dann die drittgrößte Metropolregion Kanadas und größte Stadt im Westen Kanadas, Vancouver. Sie entstand Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts infolge eines Goldrausches und entwickelte sich zunächst mit dem Bau der Eisenbahn und später durch die Eröffnung des Panamakanals zu einem wichtigen Handelsposten. Wir fahren durch Chinatown und den historischen Stadtteil Gastown, dessen wichtigste Sehenswürdigkeit eine berühmte Dampfuhr ist. Im Vergleich mit europäischen Städten oder auch den Städten an der kanadischen Ostküste ist Vancouver jedoch eine sehr junge Stadt, weshalb vor allem moderne Wolkenkratzer das Stadtbild prägen. Vom Stanley Park aus, dem größten Stadtpark Kanadas, bietet sich uns eine gute Sicht auf die Skyline, den Hafen und die Berge im Norden Vancouvers. Auch die Wasserflugzeuge können wir gut beobachten, die im Hafen starten und landen. Im Park gibt es auch eine Sammlung an Totempfählen, die an die ehemaligen Bewohner des Areals erinnern. Mit vielen schönen Fotos im Gepäck (auch heute ist das Wetter wieder super) fahren wir zu unserem Hotel an der English Bay.

18. Tag: Ausflug in den Norden Vancouvers



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Da alle Gäste den Ausflug in den grünen Norden Vancouvers gebucht haben, starten wir gemeinsam mit dem Bus und fahren zur Capilano Suspension Bridge. Der schottische Ingenieur George Grant Mackay errichtete die erste Version dieser Brücke 1888-89, um seine Hütte auf der anderen Seite des Canyons zu erreichen. Als mutige Kanada-Abenteurer trauen wir uns natürlich alle über die 136 Meter lange Hängebrücke, 70 Meter über dem Capilano River, erklimmen den Baumwipfelpfad oder wagen tatsächlich den Spaziergang über die neu errichtete Glasbodenbrücke. In der Capilano Salmon Hatchery erklärt uns Al anschließend den Lebenskreislauf der Lachse und erzählt uns, welche Unterarten es hier gibt. Bei einer leichten Wanderung durch den Wald können wir immer wieder einen Blick auf den unter uns rauschenden Fluss erhaschen und ein paar Angler beobachten, die hier ihr Glück versuchen. Zum Abschluss unseres Ausflugs fahren wir mit der Gondel auf den Grouse Mountain, den Hausberg Vancouvers – den berühmten Treppenpfad „Grouse Grind" möchte niemand freiwillig mit mir laufen. Im Winter wird der Grouse Mountain von Wintersportfans in Beschlag genommen. Heute aber brennt wieder die Sonne vom Himmel, sodass wir uns oben angekommen erstmal in den Schatten flüchten und uns kurz orientieren. Meine Gäste können das Gipfelplateau auf eigenen Faust erkunden – einige möchten sich nach den morgendlichen Spaziergängen verständlicherweise stärken. Bekannte Attraktionen auf dem Grouse Mountain sind das Bärengehege, in dem zwei Grizzly-Bären leben, die als Waisenkinder in den Straßen Vancouvers aufgegriffen wurden, und die Holzfällershow. Bei dem schönen Wetter sind wir nicht die einzigen Besucher auf dem Berg, und so ist die Gondel auch auf der Rückfahrt wieder ziemlich voll. Aber natürlich schaffen wir es alle heil nach unten. Zusammen mit den meisten Gästen lasse ich mich dann in der Innenstadt von Vancouver absetzen, denn wir wollen den freien Nachmittag und Abend nutzen, um noch ein paar schöne Fotos zu machen und letzte Souvenirs zu kaufen.

19./20. Tag: Rückflug von Vancouver nach Deutschland




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Am späten Vormittag werden wir mit dem Bus vom Hotel abgeholt und zum Flughafen von Vancouver gebracht. Hier verabschieden wir uns von unserem örtlichen Reiseleiter Al und treten mit vielen schönen Eindrücken die Heimreise nach Deutschland an.

An dieser Stelle bedanke ich mich ganz herzlich bei Ihnen, liebe Gäste, für die schöne gemeinsame Reise durch meine zweite Heimat. Wir haben viel gesehen, weitgehend schönes Wetter gehabt und sogar mehr Bären gesehen als geplant. Mein Reisebär hat sogar die große Liebe gefunden, und das erste Kind ist (dank Ihnen) auch schon da!

Ich wünsche Ihnen viele weitere schöne Reisen und freue mich wirklich sehr darauf, Sie bald wieder als Gäste auf einer Eberhardt-Reise begrüßen zu dürfen.

Herzlichst, Ihr

Andreas Wolfsteller

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