Reisebericht: Rundreise Ecuador und Galapagos-Inseln

05.03. – 21.03.2020, 17 Tage Südamerika-Rundreise Ecuador: Quito - Cuyabeno - Cotopaxi - Banos - Chimborazo - Riobamba - Teufelsnase - Cuenca - Guayaquil - Galapagos mit Inseln Santa Cruz, Isabela und Seymour Norte

Eine wundervolle Zeit in Ecuador liegt hinter uns. Leider mussten wir auf Grund der aktuellen Ereignisse unsere Reise abbrechen, bevor wir nach Galapagos fliegen konnten. Lesen Sie hier, was wir im ersten Teil unserer Reise erlebten:

Tag 1: Donnerstag, 05.03.2020 Flug nach Ecuador


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Am frühen Morgen trifft sich unser kleines Grüppchen Abenteuerlustiger am Flughafen Berlin Tegel. Pünktlich um sechs fliegen wir nach Amsterdam, wo wir zwei weitere Gäste unserer Gruppe begrüßen. Nun sind etwa eineinhalb Stunden Zeit zum Frühstücken oder Beine vertreten oder auch für beides.
Von Amsterdam bis nach Quito fliegen wir gute elf Stunden. Der Sitzkomfort bei KLM in der Economy Class ist akzeptabel, der Service sehr gut. Auch das Flugzeugessen hat eine gute Qualität und es gibt zweimal warmes Essen und zwischendurch einen Imbiss. Getränke werden immer wieder gereicht.
In Quito müssen wir ein wenig auf unsere Koffer warten, aber alle kommen an. Am Ausgang erwartet uns Linda, unsere örtliche Reiseleiterin. Unser Busfahrer fürs Festland heißt Walter und er macht seine Sache gut.
Wir checken ein im Mercure Hotel Alameda, das 2800 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Die Zimmer sind sehr groß und komfortabel.
Nach einem kurzen Frischmachen treffen wir uns in der Lobby. In zehn Minuten zu Fuß erreichen wir den zentralen Platz Foch. Hier gibt es eine große Auswahl an Restaurants, Diskotheken und Bars. Wir entscheiden uns für das erste Restaurant an der Ecke, das sich als Inder entpuppt, was aber zweitrangig ist, denn wir wollen nur ein Bierchen trinken und uns kennen lernen. Eberhardt TRAVEL lädt zum Begrüßungsgetränk ein und bei netten Gesprächen klingt der erste Abend in Ecuador aus.



Tag 2: Freitag, 06.03.2020 Quito


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Nach einem hervorragenden Frühstück beginnt unser Tag bereits um 8 Uhr. Wir fahren vor die Türen der Stadt nach San Antonio. Ziel ist das Äquatordenkmal, dass wir nach einer guten Stunde Busfahrt erreichen. Hier soll sich angeblich die Mitte der Welt befinden, allerdings hat sich herausgestellt, dass man sich damals um circa zweihundert Meter vertan hat. Trotzdem ist das Denkmal ein Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt. Auf dem Weg zum Solarmuseum, das wir als nächstes besuchen wollen, legen wir einen Stopp im Pululahua Nationalpark ein. Hier können wir einen Blick in einen bewohnten Vulkankrater werfen. Vor vielen Millionen Jahren ist der Vulkan implodiert und es hat sich nicht, wie in den meisten Vulkanen ein Vulkansee gebildet, sondern eine fruchtbare Ebene.
Im Museo del Sitio Inti Nan - kurz Solarmuseum genannt, befinden wir uns nicht nur am exakten geografischen Äquator, sondern können außerdem Exponate der indianischen Kultur im Amazonasgebiet anschauen. Ein bisschen gruselig ist es schon, die Anaconda, Tarantel und Schrumpfköpfe zu sehen. Andererseits - es ist eben auch eine Lebensweise auf unserem Planeten. An der Äquatorlinie gibt es viel zu fotografieren und viele Experimente. Mit Engagement und Spaß sind wir dabei, als uns Linda die Besonderheiten anschaulich demonstriert.
Wir fahren zurück nach Quito und besuchen die Basilica del Voto Nacional, die eines der größten Gebäude von Quito ist. Die beiden Türme sind 115 Meter hoch. Über einhundert Jahre dauerte es bis zur Fertigstellung der Kathedrale. Linda führt uns eine schmale Wendeltreppe hinauf und so stehen wir genau gegenüber der farbenfreudigen Rosette und können von oben einen Blick in den Altarraum werfen.
Nach der Besichtigung erwartet uns im Restaurant Teatrium ein üppiges und schmackhaftes Mittagessen mit regionalen Speisen.
Anschließend gehen wir zu Fuß zum Plaza de la Independencia. In der Mitte befindet sich ein Denkmal für die Erreichung der Unabhängigkeit von Spanien. Um den Platz herum reihen sich die Kathedrale, das Rathaus, der Bischofspalast und der Regierungspalast. Unser Weg führt uns weiter zur Jesuitenkirche. Diese ist über und über mit Gold geschmückt. Linda erklärt uns hier, wie es den Spaniern gelang, den Indios ihren Glauben aufzuzwingen. Als wir an der San Francisco Plaza ankommen, ballen sich bereits schwarze Wolken am Himmel. Aber noch sind wir im Trocknen. Im Innenhof erleben wir eine besondere Überraschung: hier gehen zwei lachende Papageien spazieren.
Wir besuchen nun das Kloster San Francisco, das einst als Kunsthochschule diente und noch viele kostbare Werke beherbergt.
Unser Besuch des Hausbergs von Quito mit schöner Aussicht auf die Stadt, fällt buchstäblich ins Wasser, weil es inzwischen aus Kannen schüttet. Mit Blitz und Donner. Auch unsere Pläne für den Nachmittag sind damit gestorben. Wir fahren zurück zum Hotel, um unsere Sachen für die Reise in den Regenwald, die morgen beginnt, zu packen. Erst am Abend treffen wir uns wieder, um gemeinsam nochmal zum Foch Platz zu spazieren und den Tag ausklingen zu lassen.


Tag 3: Sonnabend, 07.03.2020 Flug nach Lago Agrio



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Nach dem Frühstück geben wir unsere Koffer in der Hotellobby ab. In den Dschungel reisen wir nur mit kleinem Gepäck. Walter bringt uns zum Flughafen. Hier ist nichts los, wir müssen noch einen Moment warten bis zum Check In, aber nur, weil wir zu früh dran sind. An den kleinen Souvenirläden vertreiben wir uns die Zeit. Postkarten gibt es nicht, aber schöne Pullover. Nun, jetzt wird nichts gekauft. Nach dem Check In warten wir noch einmal in der leeren Halle, bis wir gegen halb zwölf endlich einsteigen dürfen. Die Maschine ist klein, elf Reihen a zwei Personen. Nach einer halben Stunde landen wir. Kaum sind wir am Gepäckband ist auch das Gepäck schon da. Jetzt fahren wir zwei Stunden mit dem Bus. Es ist nicht langweilig, denn wir bekommen einen ersten Eindruck vom Amazonas-Gebiet, ab und zu tauchen auch ein paar Dörfer auf. Halb drei steigen wir am Cuyabeno Reservat aus. Kurt, unser Regenwald Guide und Inhaber der Tapir Lodge, empfängt uns. Jeder bekommt ein Brötchen und etwas zu trinken. Unsere Rucksäcke werden auf ein Boot verladen. Wir werden mit schwarzen Regencapes und Schwimmwesten ausgestattet, denn es tröpfelt schon. Was wir nicht wissen, die Fahrt zur Lodge wird sich zu einer ausgiebigen ersten Regenwaldexkursion entwickeln. Der erste Dschungelbewohner, dem wir begegnen, ist ein Schlangenhalsvogel. Diesen werden wir in den nächsten Tagen noch oft sehen. Es folgt ein großer grauschwarzer Affe, ein Saki. Wir haben Mühe mit unseren ungeschulten Augen die Tiere im Dickicht auszumachen. Aber Kurt hat viel zu erzählen, vor allem auch über Palmen und Pflanzen. Und immer wieder tauchen bunte Vögel auf. Circa fünfhundertsechzig Arten gibt es in Ecuador. Außerdem sehen wir Kapuzineräffchen, Schnaufhühner und gut getarnte Fledermäuse. Wir sind beeindruckt, das kann man wohl sagen. Nachdem wir die Tapir Lodge erreicht haben, gibt es eine große Schüssel Popcorn zur Begrüßung. Dann werden die Zimmer verteilt. Es gibt zwei Wohntürme, die mit Stegen verbunden sind. Alle Zimmer haben eine geflieste Badzelle und Betten mit Moskitonetzen. Die Gesellschaftsräume sind das Restaurant und ein paar gemütliche Sitzecken, die sich darum herum gruppieren. Nach dem Abendessen und einem ersten Bierchen gehen wir Tarantulieren, wie Kurt sagt. Was bedeutet, er zeigt uns, wo in der Lodge die Taranteln wohnen. Keine Sorge, die tun nichts.



Tag 4: Sonntag, 08.03.2020 Im Regenwald von Ecuador



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Um acht Uhr gibt es Frühstück. Obst, Rührei und Toast. Kaffee natürlich auch. Am Vormittag unternehmen wir eine umfangreiche Dschungelsafari. Zuerst starten wir wieder mit dem Boot. Wir entdecken ein Faultier, Affen, verschiedene Vogelarten und uns unbekannte Pflanzen und Bäume. Dann geht es zu Fuß weiter. Kreuz und quer durch den Regenwald. Zum Glück hat uns Kurt mit Gummistiefeln ausgestattet. Er lässt uns an Pflanzen riechen und erklärt uns, wie die Bäume miteinander leben, kommunizieren und sich gegen Feinde wehren. Wir lernen Ameisenarten kennen, riechen und sogar schmecken. Zum späten Mittagessen sind wir zurück in der Lodge. Kurt gönnt uns ein bisschen Pause, dann geht es wieder auf das Boot. Wir fahren zum See, um den Sonnenuntergang zu beobachten, aber es ist zu wolkig. Schnell wird es stockdunkel. Unser Ziel ist es nun, Kaimane zu entdecken, was mindestens einmal auch gelingt.



Tag 5: Montag, 09.03.2020 Im Regenwald


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Am Vormittag fahren wir mit dem Boot in die andere Richtung. Wir lassen uns Zeit und uns gelingt es nun auch, selbst Vögel, Affen und andere Tiere auszumachen. Unser Blick hat sich geschärft. Im dichten Ufergestrüppt sonnt sich eine kleine Boa, die Fauchhühner schauen nach wie vor etwas irritiert aus der Wäsche. Ein Faultier liegt faul in den Ästen und so vergeht die Zeit. Mittags steigen wir kurz aus, um die riesigen Kapok Bäume zu bewundern. Hier nehmen wir auch unser Picknick ein, es gibt Reis und Bohnen.
Wir setzen unsere Tour fort und besuchen einen Schamanen. Er heißt Thomas und hat sich für uns seine zeremonielle Kleidung angezogen und sein Gesicht angemalt. Wir dürfen ihn nach Herzenslust fotografieren, allerdings stiehlt ihm zunächst ein kleiner Ameisenbär die Show. Es regnet wie verrückt. Kurt versucht uns irgendwie in der Hütte zu platzieren, was gar nicht so einfach ist, denn das Dach ist von einem umgestürzten Baum zerstört und es regnet überall rein. Schamane Thomas berichtet über sein Leben und wie er zu einem Schamanen wurde. Anschließend demonstriert er am lebenden Objekt (also an Freiwilligen von uns) wie er mit Handauflegen und Schnalzgeräuschen herausfindet, ob er seinem Patienten helfen kann oder nicht.
Wir danken unserem Schamanen und verabschieden uns. Es regnet weiter in Strömen. Gut verpackt in unsere schwarzen Regenponchos klettern wir in unser Boot. Um uns vor dem Regen zu schützen, müssen wir ganz tief in die Ponchos kriechen und die Kapuze weit über den Kopf ziehen. Nach etwa einer Viertelstunde erreichen wir das nächste Dorf. Hier sind wir bei einer Familie zu Gast. Eine junge Frau führt uns in einen Garten und zeigt uns, wie Maniok geerntet wird. Dabei müssen die Wurzeln der Maniokpflanze mit einem Ruck aus der Erde gezogen werden. Das probieren unsere Männer gleich mal aus. Die Knollen, die an den Wurzeln hängen, sind das, was verarbeitet und gegessen wird. Jeder von uns bekommt eine Knolle in die Hand mit dem Auftrag, diese abzuschälen. Die Knollen werden nun gewaschen und geraspelt. Auf einer Feuerstelle steht ein rundes Tablett, das als Pfanne dient. Unsere Gastgeberin verteilt die Maniokraspeln gleichmäßig darauf und backt einen leckeren Fladen, den wir sofort verkosten dürfen.
Der Regen hat nachgelassen und wir fahren zurück zur Lodge. Nach dem Abendessen steigen wir wieder ins Boot. Ein letztes Mal suchen wir nach Affen, Faultieren und Vögeln. Die Sonne geht unspektakulär unter. Es ist zu wolkig. Zum Abschluss unternehmen wir eine Nachtwanderung durch den finsteren Regenwald. In der Nacht sieht alles ganz anders aus und auch die Geräuschkulisse ist eine andere. Insekten tanzen im Licht unserer Taschenlampen, die großen Tiere schlafen. Irgendwann lässt Kurt uns die Lampen ausmachen und wir lassen die seltsame Atmosphäre auf uns wirken. Nur hören, fühlen und riechen. Zu sehen ist nichts. Endlich ist der Spuk vorbei und wir fahren zurück in die Lodge. Ab ins Bett, morgen müssen wir früh raus.


Tag 6: Dienstag, 10.03.2020 zurück nach Quito


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Nach einem frühen Frühstück (6.00 Uhr) wird unser Gepäck auf ein Boot verladen und wir besteigen ein anderes. Nach eineinhalb Stunden erreichen wir unseren Ausgangspunkt. Zu unserer Überraschung werden wir von vermummten Gestalten erwartet, die bei uns Fieber und Sauerstoffgehalt messen. Waren Sie in Italien? Werden wir gefragt. Nein??? Wir kommen direkt aus dem Dschungel. Später erfahren wir, dass es in einer anderen Lodge einen Corona Verdachtsfall gab, bei einem Holländer. Das war der Grund für den seltsamen Empfang.
Nachdem unsere Angaben im Laptop erfasst sind, dürfen wir weiter fahren. Nach noch einmal neunzig Minuten erreichen wir den Flughafen. Kaum haben wir Zeit, unser Sandwich zu essen, da heißt es schon BOARDING, schnell durch die Sicherheitskontrolle (nein, man darf kein Taschenmesser auf einem Inlandsflug im Handgepäck haben) und dann schnell einsteigen, schnell abfliegen und schnell wieder ankommen. Bereits um 13 Uhr erreichen wir wieder unser Hotel in Quito. Jetzt brauchen wir erst einmal eine Pause, außerdem regnet es schon wieder. Um 16 Uhr treffen wir uns an der Rezeption. Mit zwei Taxis fahren wir zum Plaza Grande (5 $). Ziel ist ein Geschäft, in dem wir Schokolade trinken und kaufen wollen. Kaufen klappt, trinken nicht. Wir spazieren die Venezuela Straße immer geradeaus bis wir zur Calle la Ronda kommen. Die angeblich so berühmte Straße ist so unscheinbar, dass wir sie fast verpassen. Ein kleines Gässchen mit bunten Häuserfassaden. Erst auf den zweiten Blick zeigt sich ihr eigentlicher Charme. Die Häuser verfügen über hübsch gestaltete Innenhöfe, die so manches Geheimnis bergen. Vor allem sind es Restaurants und Cafés, aber auch kleine Kunstgalerien und Kunstwerkstätten. Wir geraten Künstler, der nach Vorlagen aus der alten Zeit Masken, Madonnenschmuck und andere Dinge fertigt. Er begrüßt uns freundlich und lässt alles stehen und liegen, um uns zu erklären und zu zeigen, was er macht. Wir bedanken uns artig und setzen unseren Spaziergang fort. Jedes Restaurant wünscht, dass wir einkehren, aber wir laufen erst einmal bis zum Ende der Straße, wo wir ein einen Eisladen aufsuchen, den uns Linda empfohlen hat. Auch dieser befindet sich auf einem Hinterhof und in der ersten Etage.
Nun ist es aber Zeit, etwas Handfestes zu verputzen. Gleich im ersten Hof hatten wir ein Restaurant entdeckt, wo wir jetzt zu Abend essen wollen. Aber, Irrtum vom Amt, es hat inzwischen geschlossen. Nun dann, hier gibt es genügend Auswahl, gehen wir eben in ein anderes. Die Bedienung ist freundlich, aber überfordert. Dass wir uns nur schwer mit ihr verständigen können, weil sie kein Wort Englisch spricht und wir kein Spanisch, ist die eine Seite, ihre etwas andere Organisation die Andere. Nicht alle von uns werden glücklich hier. Es ist schon dunkel, als wir zurück zum Plaza Grande laufen. Ab hier nehmen wir ein Taxi, die uns umgebenden Gestalten werden immer unheimlicher.


Tag 7: Mittwoch, 11.03.2020 Fahrt nach Banos


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Unser Ziel ist heute der Cotopaxi, seines Wesens nach der höchste aktive Vulkan der Welt. Im Informationszentrum bekommen wir einen Cocatee. Hier können wir auch Postkarten und Briefmarken kaufen und schnell geschrieben in den Briefkasten werfen. Außerdem erhalten wir eine informative Führung über den Cotopaxi und die anderen ecuadorianischen Vulkane. Wir unternehmen einen Spaziergang rund um den Limpiopungo See. Hier gibt es viele Vögel zu beobachten und einheimische Pflanzen zu entdecken. Puh, 3.800 Meter Höhe und eineinhalb Stunden laufen, das macht hungrig und müde. Im Informationszentrum gibt es Mittagessen. Kartoffelsuppe oder Hühnchen mit Reis oder Gullasch, alles für 3 $.
Entlang der Straße der Vulkane fahren wir weiter nach Banos. Am Ortseingang halten wir an einem kleinen Laden und schauen zu, wie aus Zuckerrohr eine Flüssigkeit gepresst wird, die wir anschließend verkosten. Nachdem Linda selbstgebrannten Schnaps dazu gießt, ist der Geschmack noch etwas interessanter.
Bevor wir zum Hotel fahren, besuchen wir noch den Wasserfall von Banos. Im Hotel gibt es liebevoll zubereitetes Abendessen, vor allem die Vorsuppe und die Nachspeise sind erwähnenswert. Im Anschluss daran unternehmen wir einen Spaziergang ins Ortszentrum. Gegenüber vom Hotel befindet sich das öffentliche Bad, das wir eigentlich besuchen wollten. Aber: um 18 Uhr gab es frisches Wasser und fast einhundert Leute standen an. Auch jetzt ist es noch rappelvoll. Vom Brunnen der heiligen Maria laufen wir zum Zentrum bis zur beleuchteten Kirche. Von hier aus gibt es viele Straßen mit jungen Leuten und viele kleine Läden und Cafés.


Tag 8: Donnerstag, 12.03.2020 Fahrt nach Riomba


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Spontan beschließen wir, heute Vormittag einen zusätzlichen Ausflug zu unternehmen. In der Nähe von Banos befindet sich eine beeindruckende Schlucht, die mit einer Gondel überquert werden kann. Die Region wird auch Avenue der Wasserfälle genannt, weil es von eben diesen hier so viele gibt. Gestern Abend haben wir in Banos viele kleine Reiseagenturen gesehen, die abenteuerliche Ausflüge in die Umgebung anbieten. Dazu gehört eben auch die Überquerung der Schlucht. Die Gondel macht einen eher zweifelhaften Eindruck und der Kollege, der die Bahn bedient, muss auch erst geweckt werden. Doch dann geht es endlich los. Vier Unternehmungslustige und Linda wagen den ersten Versuch. Die Gondel schaukelt ein bisschen, dafür ist die Aussicht atemberaubend. Am Wasserfall stoppt die Gondel kurz, ruckt dann hart an und fährt bis zur anderen Seite weiter. Von dort geht es dann direkt auf dem gleichen Weg zurück. Alternativ bietet sich die Möglichkeit, an einer Zipline die Schlucht zu erleben. Auch dafür finden sich zwei Verrückte. Bäuchlings werden sie an ein Seil geknüpft und fliegen dann frei wie ein Vogel (und mit lautem Geschrei) auf die andere Seite und wieder zurück. Adrenalin pur.
Zurück in Banos besuchen wir die Kirche Santuario de la Virgen und schauen uns die Wandgemälde an. Die Bilder erzählen ausdrucksstark von der jüngeren Geschichte der Stadt und den Wundern, die die heilige Jungfrau Maria in Zeiten der Not vollbrcht hat. Nach einem Vulkanausbruch kam es zu einem großen Stadtbrand mit entsprechenden Folgen. Wer jedoch die Jungfrau Maria sah, wurde errettet. Diese Erlebnisse sind eindrucksvoll auf den Gemälden dargestellt.
Während wir anschließend auf Walter und den Bus warten, entdecken wir ein Süßwarengeschäft, dessen Inhaber gerade eine Karamell-Zuckerrohr Masse für die Herstellung von Bonbons vorbereitet. Es ist ihm sichtlich peinlich, von uns fotografiert zu werden, aber er kann ja nicht weg. Walter erlöst ihn von uns als er mit dem Bus eintrifft.
Wir machen uns jetzt auf den Weg zum Chimborazo. Unterwegs durchqueren wir einige Dörfer und kommen an Großmärkten vorbei. Wir sind in einer Region, die reich an Obst und Gemüse ist. An einem Markt, der nur von der indigenen Bevölkerung besucht wird, halten wir an. Wir sind hier die Außerirdischen, Gringos verlaufen sich nur selten hierher. Man beäugt sich gegenseitig und wir versuchen, unauffällig ein paar Fotos zu erhaschen. Ich glaube, die Leute waren froh, als wir wieder weg waren. Wer lässt sich schon gern von Touris beim Mittagessen zusehen (und fotografieren).
Den nächsten Stopp legen wir an einer Stelle ein, an der einige Frauen Maiskolben und Bananen grillen. Hier kommen wir ins Geschäft und stellen fest, wie gut das Angebotene schmeckt.
Immer weiter fahren wir Richtung Chimborazo. Außer Kühen sind nun auch Lamas und Vicunas am Straßenrand zu sehen. Klar, dass wir einen Fotostopp einlegen. Gegen 14 Uhr erreichen wir auf 4800 Metern Höhe die Schutzhütte Carell, benannt nach einem der Bergsteiger, der mit Edward Whymper den Berg zuerst bestiegen hat. Wir stärken uns mit einem Coca-Mate Tee für den Aufstieg zum Gipfel, der sich 200 Meter höher befindet. Mehr als die Hälfte unserer kleinen Gruppe bewältigt den Anstieg. Und darauf könnt Ihr stolz sein!
Glücklich, wenn auch ein wenig erschöpft, fahren wir zu unserem Hotel in Riobamba. Nach einem weiteren köstlichen Abendessen fallen wir müde in unsere großen Betten in unseren luxuriösen Zimmern.


Tag 9: Freitag, 13.03.2020 Transandenbahn


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Bereits um fünf gibt es Frühstück, eine halbe Stunde später fahren wir mit gepackten Koffern weiter.
In Alausi steigen wir in die Transandenbahn. Diese wurde ursprünglich für den Transport von Waren gebaut, ist aber heute eine beliebte Touristenattraktion. Die Aussichten während der Fahrt sind grandios und eine junge engagierte Reiseführerin der Bahngesellschaft erklärt, was es links und rechts zu sehen gibt. Nach einer halben Stunde steigen wir zu einem Fotostopp aus. Dann geht es zurück bis nach Chunchi. Hier haben wir einen Aufenthalt von einer Stunde. Eine indigene Tanzgruppe präsentiert lokale Tänze und lädt zum Mittanzen ein. Es gibt ein kleines Museum, einen Souvenirshop und ein Café. Die Sonne scheint, die Umgebung ist toll, schöner kann's kaum sein.
Zurück in Alausi treffen wir auf Walter, der uns zum heiligen Pedro fährt. Dieser thront über der Stadt und von hier aus haben wir einen schönen Blick.
Zum Mittagessen kehren wir in die gemütliche Posada Ingapirca ein. Wir dürfen von der Karte wählen. Trotz aller Bemühungen kommt es wieder zu einem Missverständnis und es werden zuerst falsche und dann zu wenig Gerichte serviert. Macht nichts. Alle sind freundlich und Zeit haben wir auch.
Nächstes Ziel sind die Ruinen von Ingapirca, jedoch sind diese wegen Corona geschlossen. Wir setzen unsere Fahrt fort und kommen nach Cuenca. Unser Hotel Los Balcones liegt direkt im historischen Stadtkern in einer schmalen Gasse. Als unser Bus hält, ist die Straße verstopft und die Autos hinter uns müssen warten, bis unsere Koffer ausgeladen sind.
Am Abend hat Linda noch etwas Besonderes für uns geplant. Wir gehen Meerschweinchen essen. In Cuenca wird das als Spezialität angeboten. Eine Mahlzeit mit einem Schweinchen, Kartoffeln, Soße und Beilagen kostet lockere 24 Dollar. Zuerst dürfen wir einen Blick in die Küche werfen. Dort drehen sich die Spieße. Also, empfidlich sein darf man hier nicht. Nach dem Essen wil Linda noch mit uns ins eine Salsa-Bar gehen. Nur noch vier unternehmungslustige Gäste folgen ihr. Und das auch noch umsonst. Nach einem halbstündigen Marsch im strömenden Regen, müssen wir feststellen, dass Corona auch hier zugeschlagen hat. Die Bars sind geschlossen.

Tag 10: Sonnabend, 14.03.2020 Cuenca


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Den Vormittag verbringen in der Stadt. Unsere Koffer und die schweren Rucksäcke konnten wir im Hotel lassen, die bringt Walter nachher mit. Wir gehen zu Fuß. An einigen beeindruckenden Gebäuden vorbei bis zur Kathedrale, die Innen prächtig gestaltet und mit Marmor ausgekleidet ist. Am Blumenmarkt bewundern wir die schönen Gebinde, die hier angeboten werden. Ecuador und vor allem Cuenca sind international für ihren Blumenexport bekannt. Nach dem Blumenmarkt besuchen wir die Markthalle. Eine Händlerin sieht uns schräg an und fragt: Corona? Nachdem wir ihr versichert haben, dass wir alle kern gesund sind, dürfen wir ihre vegetarische Bratwurst kosten, die aus Weißkohl und Kartoffeln hergestellt wird. Lecker. Wir schlendern durch die Abteilungen. Gar nicht vegetarisch geht es im Bereich Schwein zu. An jedem Stand liegt hier ein riesiges im Ofen gebackenes Schwein und wartet auf hungrige Mäuler. Linda versichert uns, dass am Abend alles aufgegessen sein wird. Bevor wir die Markthalle verlassen, gönnen wir uns einen frisch gepressten Saft.
Nun geht es in die Hutfabrik. Wir erfahren, warum der Panamahut Panamahut heißt, obwohl er ursprünglich in Ecuador erfunden wurde. Anschaulich wird demonstriert, wie die Hüte heute hergestellt werden. Dann dürfen wir nach Herzenslust probieren, fotografieren und kaufen, wobei letzteres eindeutig zu kurz kommt. Wir kaufen nicht. Auf der Dachterrasse genießen wir einen leckeren Capucino mit Blick auf die Stadt bzw. einem netten Schwätzchen.
Walter sammelt uns ein, wir prüfen, ob alles Gepäck eingeladen ist und weiter gehts. Wir haben einen weiten Weg vor uns. Bald versinkt die Straße im Nebel. Im Nationalpark Cajas, einem wichtigen Biosphärereservat Ecuadors legen wir einen kurzen Fotostopp ein. Gemütlich ist es huer nicht. Es ist der kälteste Ort in Ecuador und durch den Nebel grau in grau. Immerhin sind wir noch 3800 Meter hoch. An einer Tankstelle halten wir, auch, um uns mit einem mittäglichen Imbiss zu versorgen. Es gibt Hühnersuppe mit Einlage.
Am späten Nachittag besuchen wir eine Kakaoplantage. In Naranjal, etwas abgelegen von der Hauptstraße beschäftigt sich eine ganze Familie mit dem Anbau von Kakao und der Herstellung von Schokolade und anderen Produkten aus Kakao. Wir dürfen kosten und kaufen. Interessant wird es, als wir angehalten werden, selbst einmal Schakolade herzustellen. Auf einer Pfanne werden Kakaobohnen geröstet. Wir dürfen mit einem Holzlöffel rühren und anschließend die heißen gerösteten Bohnen schälen. Nun werden die Bohnen gemahlen und das Pulver mit Wasser und Zucker gemischt. Ja, so ein selbst hergestellter Kakao ist schon etwas Besonderes.

Am Abend erreichen wir Guayaquil, unsere letzte Station, bevor es auf die Galapagos-Inseln geht bzw. gehen soll. Denn hier erreicht uns die Nachricht, dass Ecuador Dienstag Nacht die Grenzen schließt und alle Ausländer vorher das Land verlassen sollen. Obwohl wir uns in den letzten Tagen bereits viel mit dem Thema Corona beschäftigt haben und die Möglichkeit im Raum stand, dass wir nach hause fahren müssen, hatten wir jedoch bis jetzt die Hoffnung, dass wir unsere Reise fortsetzen können. Aber nun ist es vorbei. Übermorgen müssen wir raus.

 

Tag 11: Sonntag, 15.03.2020 Guayaquil


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Wir nutzen den Tag und unternehmen einen Ausflug in ein Eco-Reservat in Naranjal. Wir spazieren durch dichten Dschungel und werden heftig von Moskitos attackiert. Naj, der Eine mehr, der andere weniger. Mit etwas Glück entdecken wir eine Affenfamilie - Mutter mit Kind und offensichtlich der dazu gehörende Vater. Die nächste Wanderung geht durch einen Mangrovenwald. Zum Mittagessen sind wir auf der Kakaoplantage eingealden, die wir von gestern schon kennen. Auf dem Rückweg in die Stadt entdeckt Walter am Wegesrand bzw. auf einem Baum eine große Echse. Ein Minitrostpflaster für unser entgangenes Galapagos-Erlebnis.

Am Abend wollen wir zum Abschied zusammen Essen gehen. Zuerst landen wir in einem Meeresfrüchterestaurant. Als wir Platz genommen haben, stellt sich heraus, dass nicht alle Meeresfrüchte essen bzw. vertragen. Im nächsten Restaurant ist die Räumlichkeit total unterkühlt und draußen will man uns nicht haben. So gehen wir zurück ins Hotel. Das Restaurant kennen wir schon und hier sind wir auch willkommen. Ein letztes Mal lassen wir uns die Kartoffelsuppe mit Käse und Avocado oder andere Spezialitäten schmecken.


Tag 12: Montag, 16.03.2020 Guayaquil und Rückflug


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Der Flug geht erst abends und so nutzen wir die Zeit zu einem großen Spaziergang durch Guayaquil. Vorbei geht es an der Universität zum Denkmal für Sucre, einem der Freiheitskämpfer von Ecuador. Wir laufen entlang des Malecon2000, der sonst so belebten Strandpromenade, die aber nun wegen Corona geschlossen ist. Am Ende des Malecon entdecken wir eine Seilbahn, die über den Fluss führt und so neu ist, dass nicht einmal Linda sie kannte. Noch befindet sie sich aber im Probebetrieb. Wir erreichen den Hügel Santa Ana und bewältigen 444 Stufen. Überall sind hier kleine Restaurants, Cafés und Bars und alle sind geschlossen. Wir sind die einzigen Touristen hier. Trotzdem besuchen wir, vom Hügelchen zurück gekehrt, das Künstlerviertel mit seinen pastellfarbenen Häusern. Auch hier ist kein Mensch zu sehen. An einem Café wird die Leuchtreklame abmontiert. Corona möchte hier keiner mehr heißen. 
Am frühen Nachmittag packen wir unsere Sachen und fahren zum Flughafen. Erstaunlicherweise geht es jetzt ganz unkompliziert. Ohne Befragung und ohne Fiebermessen geht es zurück über Amsterdam nach Hause. Früher als geplant endet unsere Reise.

Liebe Reisefreunde,


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einen Teil unserer Reise konnten wir erleben. Seien wir dankbar dafür. Wäre der Reisetermin  geringfügig später geplant gewesen, wer weiß.
Ich wünsche Euch alles Gute, vor allem aber Gesundheit und, wenn sich die Situation wieder beruhigt hat, noch viele spannende Abenteuer. Und wenn Ihr einmal nach Galapagos kommt, dann schreibt mir bitte eine Karte.

Herzlichst Eure Reisebegleiterin Sabine 

 


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