Indien – Exkurs in fast vergessene Epochen

Es ist eigentlich ein hypermodernes Land -  das geheimnisvolle und, wie die Tourismuswerbung es verspricht, „unbeschreibliche“ Indien!

Von Dr. Michael Krause / 05.12.2017
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Warum gerade Indien?

Eine Atommacht, engagiert und erfolgreich in Raumfahrt und Forschung, Herkunftsland der weltbesten IT-Spezialisten, Land der Superlative und derzeit wohl eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaftsmächte. 

Dennoch unternimmt man eine wirkliche Zeitreise der besonderen Art, wenn man Indien besucht und sich den kulturellen Highlights, den „typischen“ Sehenswürdigkeiten und den faszinierenden Besonderheiten des Landes vor allem außerhalb der großen Städte zuwendet! Der Subkontinent ist in seinen Gewohnheiten, der Lebensweise seiner freundlichen Menschen und seinem gesamten Erscheinungsbild noch so urwüchsig wie vor hunderten, ja tausenden von Jahren. Oft archaisch sind nicht nur Strukturen, Verhalten und Lebensweise in den ländlichen Gebieten, viele Traditionen und Ansichten haben sich von alters her bewahrt. Wo sonst gibt es ein Land, dessen Schrift sich seit über tausend Jahren nicht verändert hat, und von dem ein Teil der Bevölkerung angibt, seine Muttersprache sei die jener  Schriften, in denen vor etwa 3200 Jahren eine der ersten bedeutenden Literatursprachen der Welt niedergelegt wurde …?

 

Märkte wie im Mittelalter

Auf den Märkten geht es bis heute zu wie auf den Plätzen im Europa des Mittelalters.  Die verschiedensten Gewerke gehen – oft nach gleichartigen Produkten geordnet - ihren Tätigkeiten nach: Händler und Krämer natürlich, Essensverkäufer, die in Garküchen Teigtaschen frittieren oder Erdnüsse brennen, Handwerker, die Schuhe, Schlösser oder geflochtene Körbe herstellen und gleich feilbieten - aber auch die mitten auf dem offenen Platz praktizierenden Barbiere und Zahnärzte …

Auch die Mode hat sich in den vergangenen Jahrhunderten hier kaum verändert: Frauen tragen farbenfrohe Saris aus einem um den Körper geschlungenen, langen und oft reich verzierten Tuch und die Männer – sozusagen als Gegenstück - den Dhoti, das Beinkleid aus einer hellen, einfarbigen Stoffbahn, die um die Taille verknotet und hosenartig um die Beine geschlungenen wird, und als ergänzendes weiteres Stoffstück den bunten um den Kopf gewickelten Turban.

 

Leben wie zu biblischen Zeiten

Aber Indien besteht keineswegs nur aus Äußerlichkeiten - bunte Märkte, reich verzierte Tempel, in denen inbrünstige Religiosität demonstriert wird und prunkvolle Paläste neben ärmlichsten Hütten und Zeltbehausungen haben sich hier durch die Zeiten kaum verändert - auch Lebensweise und Traditionen sind zumindest auf dem Land fast unverändert durch die Jahrhunderte geblieben. Noch immer wird überwiegend die kleine Ernte mit der Hand eingebracht, Linsen, Hirse, Sesam oder Reis werden auf Plätzen aus festgestampftem Lehm mit der Hand gedroschen. Längst vergessene Praktiken – wie das heute nur noch Historikern bekannte Worfeln – das schon in der Bibel beschriebene Trennverfahren von Korn und Spreu, indem man das gedroschene Getreide in den Wind wirft und die leichteren Spelzen weggetragen werden – kann man heute noch vielerorts beobachten und natürlich auch im Bild festhalten. Das Essen im Bauernhaus wird noch vor den Häusern auf dem Hof auf der zentralen Kochstelle zubereitet: ein paar Steine, hufeisenförmig zusammengestellt, tragen den irdenen oder metallenen Topf, unter dem ein offenes Feuer, mit kleinen Zweige, Blättern und vom Dreschplatz herbeigeholten Linsen- oder Reisstroh am Leben erhalten, die Speisen wärmt …

 

Wie vor zweitausend Jahren …

Die Frauen tragen ihre Lasten auf dem Kopf – Wassergefäße etwa, die sie gerade am Brunnen oder einer der Schöpfanlagen gefüllt haben, einen eben erworbenen Kanister mit Senföl zum Kochen oder vom Feldrand aufgesammeltes zusammengebündeltes Reisig für  das Herdfeuer. Dazwischen laufen die frei lebenden Kühe – seit Jahrtausenden als Verkörperung der Muttergöttin heilig und als Fleischlieferanten tabu – und allerlei andere Tiere – weniger heilig aber zum Alltag gehörend wie Hunde oder Affen - auf der Straße  entlang.

Zu den besonderen Höhepunkten – beispielsweise bei einer Fahrt durch das Aravalligebirge, das sich hunderte Kilometer weit vom Bundesland Gujarat durch ganz Rajasthan bis nach Haryana fast ins Gangesbecken zieht – zählen die historischen Bewässerungssysteme, auf die man an vielen Stellen stößt und die schon seit der Zeitenwende oder noch früher genutzt werden. Ein von Ochsen gezogenes horizontal drehendes Rad setzt mit seiner Kreisbewegung über Zahn- oder Kegelräder, die  oft aus Holz gefertigt sind oder nur einen Metallaufsatz mit Zacken versehen tragen, ein vertikales Rad in Bewegung. Über dieses wiederum ist ein breites Endlos-Band mit festgemachten Schöpfgefäßen gelegt. Bis 70 m nach unten reicht das Förderband in Felsspalten mit wasserführenden Schichten, in Quellseen, tiefe Brunnen oder Wasserlöcher hinab, um das lebensspendende Nass nach oben zu bringen, wo die Schöpfbecher durch die Drehbewegung in ein Auffangbecken entleert werden, das ein ausgeklügeltes System schmaler und feiner sich verzweigender Kanäle speist. Raffiniert können diese nur durch leichtes Verschieben einer Steinplatte für den Wasserdurchfluss geöffnet oder versperrt werden – Technik, die sich seit Jahrtausenden bewährt hat.



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